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    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Extraktion und Anreicherung von Merkmalshierarchien durch Analyse unstrukturierter Produktrezensionen</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Robin Küppers Institut für Informatik Heinrich-Heine-Universität Universitätsstr.</institution>
          <addr-line>1 40225 Düsseldorf</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Deutschland</country>
        </aff>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2013</year>
      </pub-date>
      <abstract>
        <p>Wir pra¨sentieren einen Algorithmus zur Extraktion bzw. Anreicherung von hierarchischen Produktmerkmalen mittels einer Analyse von unstrukturierten, kundengenerierten Produktrezensionen. Unser Algorithmus beno¨tigt eine initiale Merkmalshierarchie, die in einem rekursiven Verfahren mit neuen Untermerkmalen angereichert wird, wobei die natu¨rliche Ordnung der Merkmale beibehalten wird. Die Funktionsweise unseres Algorithmus basiert auf ha¨ufigen, grammatikalischen Strukturen, die in Produktrezensionen oft benutzt werden, um Eigenschaften eines Produkts zu beschreiben. Diese Strukturen beschreiben Obermerkmale im Kontext ihrer Untermerkmale und werden von unserem Algorithmus ausgenutzt, um Merkmale hierarchisch zu ordnen.</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>Text Mining</kwd>
        <kwd>Review Analysis</kwd>
        <kwd>Product Feature</kwd>
      </kwd-group>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Kategorien</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>EINLEITUNG</title>
      <p>tionelle Datenbla¨tter oder Produktbeschreibungen mo¨glich
wa¨re, da diese dazu tendieren, die Vorteile eines Produkts zu
beleuchten und die Nachteile zu verschweigen. Aus diesem
Grund haben potentielle Kunden ein berechtigtes Interesse
an der subjektiven Meinung anderer Ka¨ufer.</p>
      <p>Zudem sind kundengenerierte Produktrezensionen auch fu¨r
Produzenten interessant, da sie wertvolle Informationen u¨ber
Qualita¨t und Marktakzeptanz eines Produkts aus
Kundensicht enthalten. Diese Informationen ko¨nnen Produzenten
dabei helfen, die eigene Produktpalette zu optimieren und
besser an Kundenbedu¨rfnisse anzupassen.</p>
      <p>Mit wachsendem Umsatz der Web-Shops nimmt auch die
Anzahl der Produktrezensionen stetig zu, so dass es fu¨r
Kunden (und Produzenten) immer schwieriger wird, einen
umfassenden U¨ berblick u¨ber ein Produkt / eine
Produktgruppe zu behalten. Deshalb ist unser Ziel eine feingranulare
Zusammenfassung von Produktrezensionen, die es erlaubt
Produkte dynamisch anhand von Produktmerkmalen
(product features) zu bewerten und mit a¨hnlichen Produkten zu
vergleichen. Auf diese Weise wird ein Kunde in die Lage
versetzt ein Produkt im Kontext seines eigenen
Bedu¨rfnisses zu betrachten und zu bewerten: beispielsweise spielt das
Gewicht einer Kamera keine große Rolle fu¨r einen Kunden,
aber es wird viel Wert auf eine hohe Bildqualita¨t gelegt.
Produzenten ko¨nnen ihre eigene Produktpalette im Kontext
der Konkurrenz analysieren, um z. B. Ma¨ngel an den
eigenen Produkten zu identifizieren.</p>
      <p>
        Das Ziel unserer Forschung ist ein Gesamtsystem zur
Analyse und Pra¨sentation von Produktrezensionen in
zusammengefasster Form (vgl. [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ]). Dieses System besteht aus
mehreren Komponenten, die verschiedene Aufgaben u¨bernehmen,
wie z.B. die Extraktion von Meinungen und die Bestimmung
der Tonalita¨t bezu¨glich eines Produktmerkmals (siehe dazu
auch Abschnitt 2). Im Rahmen dieser Arbeit beschra¨nken
wir uns auf einen wichtigen Teilaspekt dieses Systems: die
Extraktion und Anreicherung von hierarchisch organisierten
Produktmerkmalen.
      </p>
      <p>Der Rest dieser Arbeit ist wie folgt gegliedert: zuna¨chst
geben wir in Abschnitt 2 einen U¨ berblick u¨ber verwandte
Arbeiten, die auf unsere Forschung entscheidenen Einfluss
hatten. Anschließend pra¨sentieren wir in Abschnitt 3 einen
Algorithmus zur Extraktion und zur Anreicherung von
hierarchisch organisierten Produktmerkmalen. Eine Bewertung
des Algorithmus wird in Abschnitt 4 vorgenommen, sowie
einige Ergebnisse pra¨sentiert, die die Effektivita¨t unseres
Algorithmus demonstrieren. Die gewonnenen Erkenntnisse
werden in Abschnitt 5 diskutiert und zusammengefasst. Des
Weiteren geben wir einen Ausblick auf unsere zuku¨nftige
Forschung.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>VERWANDTE ARBEITEN</title>
      <p>Dieser Abschnitt gibt einen kurzen U¨ berblick u¨ber
verwandte Arbeiten, die einen Einfluss auf unsere Forschung
hatten. Die Analyse von Produktrezensionen basiert auf
Algorithmen und Methoden aus verschiedensten Disziplinen.
Zu den Wichtigsten za¨hlen: Feature Extraction, Opining
Mining und Sentiment Analysis.</p>
      <p>
        Ein typischer Algorithmus zur merkmalsbasierten
Tonalita¨tsanalyse von Produktrezensionen ist in 3 unterschiedliche
Phasen unterteilt (vgl. [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ]):
      </p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>1. Extraktion von Produktmerkmalen.</title>
        <p>2. Extraktion von Meinungen u¨ber Produktmerkmale.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>3. Tonalita¨tsanalyse der Meinungen.</title>
        <p>
          Man unterscheidet zwischen impliziten und expliziten
Merkmalen[
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
          ]: explizite Merkmale werden direkt im Text genannt,
implizite Merkmale mu¨ssen aus dem Kontext erschlossen
werden. Wir beschra¨nken uns im Rahmen dieser Arbeit auf
die Extraktion expliziter Merkmale.
        </p>
        <p>
          Die Autoren von [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
          ] extrahieren ha¨ufig auftretende,
explizite Merkmale mit dem a-priori Algorithmus. Mit Hilfe dieser
Produktmerkmale werden Meinungen aus dem Text
extrahiert, die sich auf ein Produktmerkmal beziehen. Die
Tonalita¨t einer Meinung wird auf die Tonalita¨t der enthaltenen
Adjektive zuru¨ckgefu¨hrt. Die extrahierten Merkmale werden
- im Gegensatz zu unserer Arbeit - nicht hierarchisch
modelliert.
        </p>
        <p>
          Es gibt auch Ansa¨tze, die versuchen die natu¨rliche
Hierarchie von Produktmerkmalen abzubilden. Die Autoren von [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
          ]
nutzen die tabellarische Struktur von
Produktbeschreibungen aus, um explizite Produktmerkmale zu extrahieren,
wobei die hierarchische Struktur aus der Tabellenstruktur
abgeleitet wird. Einen a¨hnlichen Ansatz verfolgen [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
          ] et. al.: die
Autoren nutzen ebenfalls die oftmals hochgradige
Strukturierung von Produktbeschreibungen aus. Die
Produktmerkmale werden mit Clusteringtechniken aus einem Korpus
extrahiert, wobei die Hierarchie der Merkmale durch das
Clustering vorgegeben wird. Die Extraktion von expliziten
Merkmalen aus strukturierten Texten ist (i. d. R.) einfacher, als
durch Analyse unstrukturierter Daten.
        </p>
        <p>
          Die Methode von [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
          ] et. al. benutzt eine Taxonomie zur
Abbildung der Merkmalshierarchie, wobei diese von einem
Experten erstellt wird. Diese Hierarchie bildet die Grundlage
fu¨r die Meinungsextraktion. Die Tonalita¨t der Meinungen
wird u¨ber ein Tonalita¨tswo¨rterbuch gelo¨st. Fu¨r diesen
Ansatz wird - im Gegensatz zu unserer Methode -
umfangreiches Expertenwissen beno¨tigt.
        </p>
        <p>
          Die Arbeit von [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref8">8</xref>
          ] et. al. konzentriert sich auf die
Extraktion von Meinungen und die anschließende Tonalita¨tsanalyse.
Die Autoren unterscheiden zwischen subjektiven und
komparativen Sa¨tze. Sowohl subjektive, als auch komparative
Sa¨tze enthalten Meinungen, wobei im komparativen Fall
eine Meinung nicht direkt gegeben wird, sondern u¨ber einen
Vergleich mit einem anderen Produkt erfolgt. Die Autoren
nutzen komparative Sa¨tze, um Produktgraphen zu
erzeugen mit deren Hilfe verschiedene Produkte hinsichtlich eines
Merkmals geordnet werden ko¨nnen. Die notwendigen
Tonalita¨tswerte werden einem Wo¨rterbuch entnommen.
Abbildung 1: Beispielhafte Merkmalshierarchie
einer Digitalkamera.
        </p>
        <p>
          Wir haben hauptsa¨chlich Arbeiten vorgestellt, die
Merkmale und Meinungen aus Produktrezensionen extrahieren,
aber Meinungsanalysen sind auch fu¨r andere Doma¨nen
interessant: z. B. verwenden die Autoren von [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
          ] einen von
Experten annotierten Korpus mit Nachrichten, um mit Techniken
des maschinellen Lernens einen Klassifikator zu trainieren,
der zwischen Aussagen (Meinungen) und Nicht-Aussagen
unterscheidet. Solche Ansa¨tze sind nicht auf die
Extraktion von Produktmerkmalen angewiesen.
3.
        </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>ANREICHERUNG VON MERKMALS</title>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>HIERARCHIEN</title>
      <p>Dieser Abschnitt dient der Beschreibung eines neuen
Algorithmus zur Anreicherung einer gegebenen,
unvollsta¨ndigen Merkmalshierarchie mit zusa¨tzlichen Merkmalen.
Diese Merkmale werden aus unstrukturierten
kundengenerierten Produktrezensionen gewonnen, wobei versucht wird die
natu¨rliche Ordnung der Merkmale (Unter- bzw.
Obermerkmalsbeziehung) zu beachten.</p>
      <p>
        Die Merkmalshierarchie bildet die Basis fu¨r weitergehende
Analysen, wie z.B. die gezielte Extraktion von Meinungen
und Tonalita¨ten, die sich auf Produktmerkmale beziehen.
Diese nachfolgenden Analyseschritte sind nicht mehr
Gegenstand dieser Arbeit. Produkte (aber auch Dienstleistungen)
ko¨nnen durch eine Menge von Merkmalen (product features)
beschrieben werden. Produktmerkmale folgen dabei einer
natu¨rlichen, doma¨nenabha¨ngigen Ordnung. Eine derartige
natu¨rliche Hierarchie ist exemplarisch in Abbildung 1 fu¨r
das Produkt Digitalkamera dargestellt. Offensichtlich ist
Display ein Untermerkmal von Digitalkamera und besitzt
eigene Untermerkmale Auflo¨sung und Farbtemperatur.
Hierarchien von Produktmerkmalen ko¨nnen auf Basis von
strukturierten Texten erzeugt werden, wie z. B. technische
Datenbla¨ttern und Produktbeschreibungen (vgl. [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ]).
Diese Datenquellen enthalten i. d. R. die wichtigsten
Produktmerkmale. Der hohe Strukturierungsgrad dieser
Datenquellen erlaubt eine Extraktion der Merkmale mit hoher
Genauigkeit (≈ 71% [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ]). Allerdings tendieren Datenbla¨tter
und Produktbeschreibungen dazu, ein Produkt relativ
oberfla¨chlich darzustellen oder zu Gunsten des Produkts zu
verzerren. Zum Beispiel entha¨lt die Hierarchie in Abbildung
1 eine Reihe von Merkmalen, wie sie ha¨ufig in
strukturierten Datenquellen zu finden sind (helle Knoten). Allerdings
sind weitere, detailliertere Merkmale denkbar, die fu¨r eine
Kaufentscheidung von Interesse sein ko¨nnten. Beispielsweise
ko¨nnte das Display einer Digitalkamera zur Fleckenbildung
am unteren/oberen Rand neigen. Unterer/Oberer Rand
wird in diesem Fall zu einem Untermerkmal von Display
und Obermerkmal von Fleckenbildung (dunkle Knoten).
Eine derartige Anreicherung einer gegebenen,
unvollsta¨ndigen Merkmalshierarchie kann durch die Verarbeitung von
kundengenerierten, unstrukturierten Rezensionen erfolgen.
Wir halten einen hybriden Ansatz fu¨r durchaus sinnvoll:
zuna¨chst wird eine initiale Merkmalshierarchie mit hoher
Genauigkeit aus strukturierten Daten gewonnen. Anschließend
wird diese Hierarchie in einer zweiten Verarbeitungshase mit
zusa¨tzlichen Produktmerkmalen angereichert.
      </p>
      <p>Fu¨r den weiteren Verlauf dieses Abschnitts beschra¨nken wir
uns auf die zweite Analysephase, d.h. wir nehmen eine
initiale Merkmalshierarchie als gegeben an. Fu¨r die Evaluation
unseres Algorithmus (siehe Abschnitt 4) wurden die
initialen Merkmalshierarchien manuell erzeugt.</p>
      <p>Unser Algorithmus wurde auf der Basis einer Reihe von
einfachen Beobachtungen entworfen, die wir bei der Analyse
von unserem Rezensionskorpus gemacht haben.</p>
      <p>1. Ein Produktmerkmal wird ha¨ufig durch ein Hauptwort
repra¨sentiert.
2. Viele Hauptwo¨rter ko¨nnen dasselbe Produktmerkmal
beschreiben. (Synonyme)
3. Untermerkmale werden ha¨ufig im Kontext ihrer
Obermerkmale genannt, wie z. B. ”das Ladegera¨t der
Kamera”.
4. Textfragmente, die von Produktmerkmalen handeln,
besitzen ha¨ufig eine sehr a¨hnliche grammatikalische
Struktur, wie z.B. ”die Auflo¨sung der Anzeige” oder
”die Laufzeit des Akkus”, wobei Unter- und
Obermerkmale gemeinsam genannt werden. Die Struktur der
Fragmente lautet [DET, NOUN, DET, NOUN],
wobei DET einen Artikel und NOUN ein Hauptwort
beschreibt.</p>
      <p>Der Rest dieses Abschnitts gliedert sich wie folgt: zuna¨chst
werden Definitionen in Unterabschnitt 3.1 eingefu¨hrt, die
fu¨r das weitere Versta¨ndnis notwendig sind. Anschließend
beschreiben wir unsere Analysepipeline, die fu¨r die
Vorverarbeitung der Produktrezensionen verwendet wurde, in
Unterabschnitt 3.2. Darauf aufbauend wird in Unterabschnitt
3.3 unser Algorithmus im Detail besprochen.
3.1</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Definitionen</title>
      <p>
        Fu¨r das Versta¨ndnis der na¨chsten Abschnitte werden
einige Begriffe beno¨tigt, die in diesem Unterabschnitt definiert
werden sollen:
Token. Ein Token t ist ein Paar t = (vword, vP OS), wobei
vword das Wort und vpos die Wortart angibt. Im Rahmen
dieser Arbeit wurde das Universal Tagset [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ] benutzt.
Merkmal. Wir definieren ein Produktmerkmal f als ein
Tripel f = (S, C, p), wobei S eine Menge von Synonymen
beschreibt, die als textuelle Realisierung eines Merkmals
Verwendung finden ko¨nnen. Die Elemente von S ko¨nnen
Worte, Produktbezeichnungen und auch Abku¨rzungen
enthalten. Die Hierarchie wird u¨ber C und p kontrolliert, wobei
C eine Menge von Untermerkmalen und p das
Obermerkmal von f angibt. Das Wurzelelement einer Hierarchie
beschreibt das Produkt/die Produktgruppe selbst und besitzt
kein Obermerkmal.
      </p>
      <p>
        POS-Muster. Ein POS-Muster q ist eine geordnete Sequenz
von POS-Tags p = [tag1, tag2, . . . , tagn], wobei n die
Musterla¨nge beschreibt. Ein POS-Tag beschreibt eine Wortart,
z.B. steht DET fu¨r einen Artikel, NOUN fu¨r ein Hauptwort
und ADJ fu¨r ein Adjektiv. Weitere Informationen u¨ber das
Universal Tagset finden sich in [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ].
3.2
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Analysepipeline</title>
      <p>Fu¨r die Verarbeitung und Untersuchung der
Produktrezensionen haben wir eine fu¨r den NLP-Bereich (Natural
Language Processing) typische Standardpipeline benutzt: die
Volltexte der Rezensionen sind fu¨r unsere Zwecke zu
grobgranular, so dass in einer ersten Phase der Volltext in Sa¨tze
zerteilt wird. Anschließend werden die Sa¨tze tokenisiert und
die Wortarten der einzelnen Worte bestimmt. Des
Weiteren werden Stoppworte markiert - dafu¨r werden
StandardStoppwortlisten benutzt. Wir beenden die Analysepipeline
mit einer Stammformreduktion fu¨r jedes Wort, um die
verschiedenen Flexionsformen eines Wortes auf eine kanonische
Basis zu bringen.</p>
      <p>Fu¨r die Bestimmung zusa¨tzlicher Produktmerkmale aus
Produktrezensionen, sind vor allem Hauptworte interessant, die
i. d. R. keine Stoppworte sind. Allerdings ist uns
aufgefallen, dass u¨berdurchschnittlich viele Worte fa¨lschlicherweise
als ein Hauptwort erkannt werden - viele dieser Worte sind
Stoppworte. Wir nehmen an, dass die variierende,
grammatikalische Qualita¨t der Produktrezensionen fu¨r die hohe
Anzahl falsch bestimmer Worte verantwortlich ist. Die
Stoppwortmarkierung hilft dabei, diesen Fehler etwas
auszugleichen.
3.3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>Der Algorithmus</title>
      <p>In diesem Abschnitt beschreiben wir einen neuen
Algorithmus, um eine initiale Hierarchie von Produktmerkmalen mit
zusa¨tzlichen Merkmalen anzureichern, wobei die natu¨rliche
Ordnung der Merkmale erhalten bleibt (siehe Algorithmus 1).
Der Algorithmus erwartet 3 Parameter: eine 2-dimensionale
Liste von Token T , die sa¨mtliche Token fu¨r jeden Satz
entha¨lt (dabei beschreibt die erste Dimension die Sa¨tze, die
zweite Dimensionen die einzelnen Wo¨rter), eine initiale
Hierarchie von Merkmalen f und eine Menge von POS-Mustern
P . Da der Algorithmus rekursiv arbeitet, wird zusa¨tzlich ein
Parameter d u¨bergeben, der die maximale Rekursionstiefe
angibt. Der Algorithmus bricht ab, sobald die vorgegebene
Tiefe erreicht wird (Zeile 1-3).</p>
      <p>Kandidatensuche (Zeile 4-11). Um geeignete
Kandidaten fu¨r neue Produktmerkmale zu finden, werden alle Sa¨tze
betrachtet und jeweils entschieden, ob der Satz eine
Realisierung des aktuell betrachteten Merkmals entha¨lt oder nicht.
Wenn ein Satz eine Realisierung hat, dann wird die
Funktion applyP atterns aufgerufen. Diese Funktion sucht im
u¨bergebenen Satz nach gegebenen POS-Mustern und gibt –
sofern mindestens ein Muster anwendbar ist – die
entsprechenden Token als Kandidat zuru¨ck, wobei die Mustersuche auf
das unmittelbare Umfeld der gefundenen Realisierung
eingeschra¨nkt wird, damit das korrekte POS-Muster
zuru¨ckgeliefert wird, da POS-Muster mehrfach innerhalb eines Satzes
vorkommen ko¨nnen.</p>
      <p>Im Rahmen dieser Arbeit haben wie die folgenden
POSMuster verwendet:
• [DET, NOUN, DET, NOUN]
• [DET, NOUN, VERB, DET, ADJ, NOUN]</p>
      <sec id="sec-8-1">
        <title>Algorithm 1: refineHierarchy</title>
        <p>Eingabe : T : Eine 2-dimensionale Liste von Token.
Eingabe : P : Ein Array von POS-Mustern.</p>
        <p>Eingabe : f : Eine initiale Merkmalshierarchie.</p>
        <p>Eingabe : d : Die maximale Rekursionstiefe.</p>
        <p>Ausgabe: Das Wurzelmerkmal der angereicherten</p>
        <p>Hierarchie.
1 if d = 0 then
2 return f
3 end
4 C ← {} ;
5 for Token[] T ′ ∈ T do
6 for Token t ∈ T ′ do
7 if t.word ∈ f.S then
8 C ← C S applyP attern(T ′ , P ) ;
9 end
10 end
11 end
12 for Token[] C′ ∈ C do
13 for Token t ∈ C′ do
14 if t.pos 6= NOUN then
15 next ;
16 end
17 if t.length ≤ 3 then
18 next ;
19
20
21
22
23
24
25
26
27
28 end
29 end
end
if isSynonym(t.word, f.S) then
f.S ← t.word ;
next ;
end
f.C ← f.C S({t.word}, {}, f ) ;
end
if hasP arent(t.word, f ) then</p>
        <p>next ;
30 for rFeefaitnureeH[]ief r′a∈rcfh.yC(Td,of ′ , P, d − 1);
31
32 end
Validierungsphase (Zeile 12-29). Die Validierungsphase
dient dazu die gefundenen Kandidaten zu validieren, also
zu entscheiden, ob ein Kandidat ein neues Merkmal entha¨lt.
Man beachte, dass es sich bei diesem neuen Merkmal um
ein Untermerkmal des aktuellen Produktmerkmals handelt,
sofern es existiert. Fu¨r die Entscheidungsfindung nutzen wir
eine Reihe von einfachen Heuristiken. Ein Token t ist kein
Produktmerkmal und wird u¨bergangen, falls t.vword:</p>
      </sec>
      <sec id="sec-8-2">
        <title>1. kein Hauptwort ist (Zeile 14-16).</title>
        <p>2. keine ausreichende La¨nge besitzt (Zeile 17-19).
3. ein Synonym von f (oder eines Obermerkmals von f )
ist (Zeile 20-22).
4. ein neues Synonym von f darstellt (Zeile 23-26).</p>
        <p>Die 3. Heuristik stellt sicher, dass sich keine Kreise in der
Hierarchie bilden ko¨nnen. Man beachte, dass
Obermerkmale, die nicht direkt voneinander abha¨ngen, gleiche
Untermerkmale tragen ko¨nnen.</p>
        <p>Die 4. Heuristik dient zum Lernen von vorher unbekannten
Synonymen. Dazu wird das Wort mit den Synonymen von f
verglichen (z.B. mit der Levenshtein-Distanz) und als
Synonym aufgenommen, falls eine ausreichende A¨ hnlichkeit
besteht. Damit soll verhindert werden, dass die falsche
Schreibweise eines eigentlich bekannten Merkmals dazu fu¨hrt, dass
ein neuer Knoten in die Hierarchie eingefu¨gt wird.
Wenn der Token t die Heuristiken erfolgreich passiert hat,
dann wird t zu einem neuen Untermerkmal von f (Zeile 27).
Rekursiver Aufruf (Zeile 30-32). Nachdem das Merkmal
f nun mit zusa¨tzlichen Merkmalen angereichert wurde, wird
der Algorithmus rekursiv fu¨r alle Untermerkmale von f
aufgerufen, um diese mit weiteren Merkmalen zu versehen.
Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis die maximale
Rekursionstiefe erreicht wird.</p>
        <p>
          Nachbearbeitungsphase. Die Hierarchie, die von
Algorithmus 1 erweitert wurde, muss in einer
Nachbearbeitungsphase bereinigt werden, da viele Merkmale enthalten sind, die
keine realen Produktmerkmale beschreiben (Rauschen). Fu¨r
diese Arbeit verwenden wir die relative Ha¨ufigkeit eines
Untermerkmals im Kontext seines Obermerkmals, um
niederfrequente Merkmale (samt Untermerkmalen) aus der
Hierarchie zu entfernen. Es sind aber auch andere Methoden
denkbar, wie z.B. eine Gewichtung nach tf-idf [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
          ]. Dabei wird
nicht nur die Termha¨ufigkeit (tf ) betrachtet, sondern auch
die inverse Dokumentha¨ufigkeit (idf ) mit einbezogen. Der
idf eines Terms beschreibt die Bedeutsamkeit des Terms im
Bezug auf die gesamte Dokumentenmenge.
4.
        </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>EVALUATION</title>
      <p>In diesem Abschnitt diskutieren wir die Vor- und Nachteile
unseres Algorithmus. Um unseren Algorithmus evaluieren zu
ko¨nnen, haben wir einen geeigneten Korpus aus
Kundenrezensionen zusammengestellt. Unser Korpus besteht aus 4000
Kundenrezensionen von amazon.de aus der Produktgruppe
Digitalkamera.</p>
      <p>Wir haben unseren Algorithmus fu¨r die genannte
Produktgruppe eine Hierarchie anreichern lassen. Die initiale
Produkthierarchie entha¨lt ein Obermerkmal, welches die
Produktgruppe beschreibt. Zudem wurden ha¨ufig gebrauchte
Synonyme hinzugefu¨gt, wie z.B. Ger¨at. Im Weiteren
pra¨sentieren wir exemplarisch die angereicherte Hierarchie. Fu¨r
dieses Experiment wurde die Rekursionstiefe auf 3 gesetzt,
niederfrequente Merkmale (relative Ha¨ufigkeit &lt; 0, 002)
wurden eliminiert. Wir haben fu¨r diese Arbeit Rezensionen in
Deutscher Sprache verwendet, aber der Algorithmus kann
leicht auf andere Sprachen angepasst werden. Die
erzeugte Hierarchie ist in Abbildung 2 dargestellt. Es zeigt sich,
dass unser Algorithmus – unter Beachtung der
hierarchischen Struktur – eine Reihe wertvoller Merkmale extrahieren
konnte: z. B. Batterie mit seinen Untermerkmalen
Haltezeit und Verbrauch oder Akkus mit den Untermerkmalen
Auflad und Zukauf. Es wurden aber auch viele Merkmale
aus den Rezensionen extrahiert, die entweder keine echten
Produktmerkmale sind (z.B. Kompakt oder eine falsche
Ober-Untermerkmalsbeziehung abbilden (z. B. Haptik und
Kamera). Des Weiteren sind einige Merkmale, wie z. B.
Qualit¨at zu generisch und sollten nicht als
Produktmerkmal benutzt werden.</p>
      <p>Abbildung 2: Angereicherte Hierarchie fu¨r die
Produktgruppe Digitalkamera.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>RESÜMEE UND AUSBLICK</title>
      <p>In dieser Arbeit wurde ein neuer Algorithmus vorgestellt,
der auf Basis einer gegebenen – mo¨glicherweise flachen –
Merkmalshierarchie diese Hierarchie mit zusa¨tzlichen
Merkmalen anreichert. Die neuen Merkmale werden automatisch
aus unstrukturierten Produktrezensionen gewonnen, wobei
der Algorithmus versucht die natu¨rliche Ordnung der
Produktmerkmale zu beachten.</p>
      <p>Wir konnten zeigen, dass unser Algorithmus eine initiale
Merkmalshierarchie mit sinnvollen Untermerkmalen
anreichern kann, allerdings werden auch viele falsche
Merkmale extrahiert und in fehlerhafte Merkmalsbeziehungen
gebracht. Wir halten unseren Algorithmus dennoch fu¨r
vielversprechend. Unsere weitere Forschung wird sich auf
Teilaspekte dieser Arbeit konzentrieren:
• Die Merkmalsextraktion muss verbessert werden: wir
haben beobachtet, dass eine Reihe extrahierter
Merkmale keine echten Produktmerkmale beschreiben.
Dabei handelt es sich ha¨ufig um sehr allgemeine Wo¨rter
wie z.B. Mo¨glichkeiten. Wir bereiten deshalb den
Aufbau einer Stoppwortliste fu¨r Produktrezensionen
vor. Auf diese Weise ko¨nnte diese Problematik
abgeschwa¨cht werden.
• Des Weiteren enthalten die angereicherten
Hierarchien teilweise Merkmale, die in einer falschen Beziehung
zueinander stehen, z.B. induzieren die Merkmale
Akku und Akku-Ladeger¨at eine
Ober-Untermerkmalsbeziehung: Akku kann als Obermerkmal von
Ladeger¨at betrachtet werden. Außerdem konnte beobachtet
werden, dass einige Merkmalsbeziehungen alternieren:
z.B. existieren 2 Merkmale Taste und Druckpunkt
in wechselnder Ober-Untermerkmalbeziehung.
• Der Algorithmus beno¨tigt POS-Muster, um
Untermerkmale in Sa¨tzen zu finden. Fu¨r diese Arbeit wurden die
verwendeten POS-Muster manuell konstruiert, aber wir
planen die Konstruktion der POS-Muster
weitestgehend zu automatisieren. Dazu ist eine umfangreiche
Analyse eines großen Korpus notwendig.
• Die Bereinigung der erzeugten Hierarchien ist
unzureichend - die relative Ha¨ufigkeit eines Merkmals reicht
als Gewichtung fu¨r unsere Zwecke nicht aus. Aus
diesem Grund mo¨chten wir mit anderen
Gewichtungsmaßen experimentieren.
• Die Experimente in dieser Arbeit sind sehr einfach
gestaltet. Eine sinnvolle Evaluation ist (z. Zt.) nicht
mo¨glich, da (unseres Wissens nach) kein geeigneter
Testkorpus mit annotierten Merkmalshierarchien existiert.</p>
      <p>Die Konstruktion eines derartigen Korpus ist geplant.
• Des Weiteren sind weitere Experimente geplant, um
den Effekt der initialen Merkmalshierarchie auf den
Algorithmus zu evaluieren. Diese Versuchsreihe
umfasst Experimente mit mehrstufigen, initialen
Merkmalshierarchien, die sowohl manuell, als auch
automatisch erzeugt wurden.
• Abschließend planen wir die Verwendung unseres
Algorithmus zur Extraktion von Produktmerkmalen in
einem Gesamtsystem zur automatischen
Zusammenfassung und Analyse von Produktrezensionen
einzusetzen.</p>
    </sec>
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