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    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Erstellung eines Konzepts für ETL-Prozesse zur Befüllung von produktorientierten Datawarehouses</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik I</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Universität Stuttgart</institution>
        </aff>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2012</year>
      </pub-date>
      <abstract>
        <p>Um im Wettbewerb bestehen zu können, ist es für industrielle Unternehmen von zentraler Bedeutung, die Auswirkungen produktbezogener Entscheidungen möglichst zum Zeitpunkt der Entscheidung antizipieren zu können. Betriebswirtschaftliche Analysen müssen dazu neben Daten aus transaktionsorientierten und betriebswirtschaftlichen Systemen auch Produkteigenschaften beschreibende Daten des technischen Bereichs wie der Konstruktion berücksichtigen. Gegenwärtig existiert hier jedoch keine ausreichende Integration. Dieser Beitrag thematisiert die Ausgangssituation und zeigt auf, wie Daten aus den verschiedenen Systemen der Bereiche in einem produktorientierten Datawarehouse zusammengeführt und für Auswertungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus verfügbar gemacht werden können, um dadurch die Notwendigkeit eines Konzepts für ETLProzesse zur Befüllung von produktorientierten Datawarehouses als Ziel des dargestellten Forschungsvorhabens bzw. den Forschungsbedarf abzuleiten.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>
        In industriellen Unternehmen werden bereits in frühen Phasen des Produktlebenszyklus
bzw. Produktentstehungsprozesses (Vgl. Abb. 1), insb. in der Konstruktion, zentrale
Entscheidungen bzgl. des Bestehens des Produkts bzw. des Unternehmens am Markt
getroffen. Die Auswirkungen dieser Entscheidungen sind jedoch gegenwärtig nur schwer
antizipierbar, oftmals nur durch Erfahrungswissen abschätzbar.
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5 ref7">(Kemper, et al., 2011)</xref>
        Dies liegt darin begründet, dass in industriellen Unternehmen eine Trennung zwischen
den eher dem betriebswirtschaftlichen Bereich zuzuordnenden transaktionsorientierten
bzw. betriebswirtschaftlichen Systemen, wie Enterprise Resource Planning
(ERP)Systeme, und den produktorientierten Systemen, wie Computer-Aided Design
(CAD)Systeme, die in den technischen Bereichen wie der Konstruktion eingesetzt werden,
vorherrscht. Dabei existieren Schnittstellenproblematiken und Medienbrüche sowohl
innerhalb der einzelnen Bereiche zwischen den dort eingesetzten Systemen, bspw. zwischen
CAD-System und Product Data Management (PDM)-System bzw. Product Life Cycle
Management (PLM)-System im technischen Bereich, als auch bereichsübergreifend,
bspw. bei der Übertragung der Produktstruktur vom PDM-System ins ERP-System
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5 ref7">(Lasi
&amp; Kemper, 2011)</xref>
        . Dies wurde durch eigene Voruntersuchungen bestätigt.
Für bereichsübergreifende Analysen entlang des Produktlebenszyklus ist somit eine
Integration der relevanten Daten der in den jeweiligen Bereichen eingesetzten Systeme
notwendig. Ein Lösungsansatz hierfür ist die Zusammenführung dieser Daten in einem
sogenannten produktorientierten Datawarehouse (pDWH).
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5 ref5 ref7 ref7">(Lasi &amp; Kemper, 2011;
Kemper, et al., 2011)</xref>
        2
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Forschungsdesign, Forschungsfrage und Themeneinordung</title>
      <p>
        Der vorliegende Beitrag ist Teil eines umfassenden Forschungsprojekts im Kontext der
Digitalen Fabrik mit dem Ziel, Analysen auf Basis technischer und
betriebswirtschaftlicher bzw. transaktionsorientierter Daten über den gesamten Produktlebenszyklus zu
ermöglichen (Vgl. Abb. 2). Zunächst wurde mittels Literaturrecherche und empirischen
Voruntersuchungen in Form von leitfadenbasierten Experteninterviews in
mittelständischen Unternehmen die Notwendigkeit für bereichsübergreifende Analysen über den
gesamten Produktlebenszyklus hinweg festgestellt. Im Anschluss wurden relevante Use
Cases erarbeitet mit dem Ziel der Bestimmung der jeweiligen Informationsbedarfe.
Mögliche Use Cases sind bspw. der Qualitätsmanager
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8 ref9">(Lasi 2012a)</xref>
        und der Wissensingenieur
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8 ref9">(Lasi 2012b)</xref>
        . Ziel des Qualitätsmanagers ist es, die Qualität eines Produktes
sicherzustellen und dabei insb. Ursachen für mögliche bzw. akute Qualitätsschwankungen zu
identifizieren
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8 ref9">(Lasi 2012a)</xref>
        . Die primäre Aufgabe des Wissensingenieurs besteht in der
Systematisierung konstruktiven Wissens und der Aufstellung von Konstruktionsregeln
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8 ref9">(Lasi
2012b)</xref>
        .
      </p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Abbildung 2: Forschungsdesign</title>
        <p>Mit dem Ziel der Deckung der identifizierten Informationsbedarfe werden derzeit
mögliche Konzepte der Datenmodellierung evaluiert. Im Anschluss an diese fachliche
Konzeption werden auf technischer Ebene einerseits mögliche Konzepte für – aufgrund der
Voruntersuchungen anzunehmende mehrstufige – pDWH-Architekturen erarbeitet.
Andererseits stehen die für die Befüllung des pDWHs notwendigen ETL-Prozesse im Fokus der
Forschung. Hier setzt der vorliegende Beitrag an. Ziel dieses Beitrags ist es, anhand der
Voruntersuchungen zu klären, inwiefern Forschungsbedarf im Bereich der ETL-Prozesse
für pDWHs besteht und diesen grob abzugrenzen. Im folgenden Kapitel wird nun
zunächst auf die vorliegende Problemstellung eingegangen und diese anhand eines Beispiels
erläutert. Im Anschluss werden ein möglicher Lösungsansatz und die daraus
resultierenden Folgen für ETL-Prozesse thematisiert.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Problemstellung</title>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>3.1 Getrennte Welten – transaktionsorientierte bzw. betriebswirtschaftliche und produktorientierte Systeme</title>
        <p>
          Die im Rahmen der Entscheidungsunterstützung durchgeführten betriebswirtschaftlichen
Analysen nutzen lediglich Daten aus Systemen des betriebswirtschaftlichen Bereichs.
Daten, die bspw. technische Produkteigenschaften beschreiben, wie sie in einem
3DModell (Digital Mock Up, DMU) bzw. 2D-Modell (Zeichnung) hinterlegt sind, werden
nicht berücksichtigt. Die (vornehmlich technische) Produktsicht wird somit nicht mit
einbezogen. Daten aus CAD-, PDM- und PLM-Systemen finden keine Berücksichtigung.
Die Granularität der Daten ist nicht einheitlich, denn die Systeme der technischen
Bereiche enthalten wesentlich ausführlichere Informationen bspw. bzgl. der Geometrie,
wohingegen im ERP-System lediglich die Produktstruktur bis auf Einzelteilebene vorhanden
ist, wie sie bspw. in Stücklisten zu finden ist. So ist es kaum möglich, die Auswirkungen
von technischen Veränderungen an Produktbestandteilen (Baugruppen bzw. Einzelteile)
in der Konstruktion auf betriebswirtschaftliche Kennzahlen zu ermitteln. Daher können
bspw. im Bereich der Angebotskalkulation nur schwer verlässliche Aussagen bzgl. der
Auswirkungen von kundenspezifischen Änderungen an Produktbestandteilen auf die
Kostenstruktur gemacht werden.
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5 ref7">(Lasi &amp; Kemper, 2011)</xref>
          Die erhobenen Use Cases zeigen, dass sowohl technische als auch betriebswirtschaftliche
bzw. transaktionsorientierte Daten aus verschiedenen Phasen des Produktlebenszyklus für
Analysen im Vorfeld von Entscheidungen benötigt werden
          <xref ref-type="bibr" rid="ref8 ref8 ref9 ref9">(Lasi 2012a; Lasi 2012b)</xref>
          :


        </p>
        <p>
          Der Qualitätsmanager muss bspw. für Ursachenanalysen im Fall von
Reklamationen konstruktive Informationen sowie Daten zu den verwendeten
Fertigungsverfahren mit Informationen bzgl. des Anwendungsfalles beim Kunden
kombinieren
          <xref ref-type="bibr" rid="ref8 ref9">(Lasi 2012a)</xref>
          .
        </p>
        <p>
          Der Wissensingenieur benötigt bspw. Kosteninformationen (insb.
historische), um die Auswirkungen verschiedener Materialalternativen für
Komponenten bewerten zu können
          <xref ref-type="bibr" rid="ref8 ref9">(Lasi 2012b)</xref>
          .
        </p>
        <p>Die durchgeführten Voruntersuchungen in einzelnen Unternehmen ergaben, dass
Bestrebungen vorhanden sind, die in den jeweiligen Phasen des Produktlebenszyklus zum
Einsatz kommenden operativen Systeme durchgängig miteinander zu verknüpfen und die
Produktstruktur (wie in Stücklisten tabellarisch dargestellt) nach der Erstellung in
CADSystemen über bspw. PDM-/PLM-Systeme in ERP-Systeme zu überführen. In den
einzelnen Phasen existieren jedoch unterschiedliche Anforderungen an die Produktstruktur.
Somit kann die Gliederung eines Endprodukts in Baugruppen und Einzelteile und deren
Stufenzuordnung über den Produktentstehungsprozess hinweg variieren. Bspw. kann die
aus konstruktiver Sicht sinnvolle Gliederung in Funktionsgruppen einer Gliederung nach
optimalen Fertigungsabläufen in der Produktion weichen. Gliederungsänderungen werden
auch nicht zwangsläufig in die in vorangegangenen Phasen eingesetzten Systeme
rückübertragen, sodass für ein und dasselbe Endprodukt unterschiedliche Gliederungen
parallel existieren können.</p>
        <p>
          Im technischen Bereich der Konstruktion findet verstärkt die Feature-Technologie
Anwendung, bspw. in CAD-Systemen in der Konstruktion
          <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(VDI, 2003)</xref>
          . Features
beschreiben „[…]Bereiche von besonderem (technischem) Interesse[…]“
          <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(VDI, 2003, S.10)</xref>
          . Ein
Feature stellt die abhängig von einer gewissen Sicht relevanten Eigenschaften und deren
Beziehungen eines Objektes dar. Es ist somit kontextabhängig und kann sowohl
ausschließlich geometrische (Form, Abmessungen etc.) oder semantische Informationen
(bspw. Qualitätsinformationen), aber auch beides beinhalten
          <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(VDI, 2003)</xref>
          . Somit können
bspw. dem Feature „Kernlochbohrung mit Durchmesser 3,5mm“ Qualitätsinformationen
wie zulässige Toleranzen hinzugefügt werden. Die Summe der geometrischen Features
bildet bei feature-basierten Systemen gemeinsam mit dem Grundkörper das
dreidimensionale digitale Produktmodell
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5 ref7">(Lasi &amp; Kemper, 2011)</xref>
          .
        </p>
        <p>
          In ERP-Systemen ist das Konzept der Sachnummer bei der Identifizierung von
Komponenten bzw. Endprodukten von zentraler Bedeutung. Sie identifiziert dabei lediglich eine
Klasse von Objekten, bspw. einen bestimmten Schraubentyp. Sie ist also keine
Seriennummer, die genau ein bestimmtes Objekt einer Klasse identifiziert. Jeder Knoten in der
Produktstruktur wird anhand einer Sachnummer eindeutig identifiziert und nach dem
Baukastenprinzip im System hinterlegt.
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(Grupp, 1987)</xref>
          Somit unterscheidet sich die Art der Hinterlegung von Produktstrukturen in den Systemen
der jeweiligen Bereiche deutlich.
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>3.2 Verdeutlichung der Problemstellung anhand eines Beispiels</title>
        <p>Im Folgenden soll nun der im vorangegangenen Abschnitt angeführte Sachverhalt anhand
eines Beispiels erläutert werden. Abbildung 3 stellt die Produktstruktur für ein
beispielhaftes Produkt mit 4 Hierarchiestufen exemplarisch dar.</p>
        <sec id="sec-3-2-1">
          <title>Abbildung 3: Eine beispielhafte Produktstruktur (Eigene Darstellung, basierend auf Binner, 2003)</title>
          <p>Rohteile, Einzelteile, Baugruppen und das Endprodukt werden in dieser Baumstruktur als
Knoten dargestellt. Wird aus einem Rohteil ein Einzelteil gefertigt bzw. ein Einzelteil in
ein anderes Einzelteil umgearbeitet, wird von einer linearen Struktur gesprochen. Findet
eine Kombination von Einzelteilen oder Baugruppen zu anderen Baugruppen statt, wie in
der Montage, wird dies als konvergierend bezeichnet. (Günther &amp; Tempelmeier, 2009)</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-2">
          <title>Beispiel:</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-3">
          <title>Aus einem Rohteil auf Stufe 4 wird ein Winkel gefräst. Diesen stellt das Ein</title>
          <p>zelteil auf Stufe 3 dar. Während des Bearbeitungsprozesses werden somit</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-4">
          <title>Features hinzugefügt, hier die Form des Winkels (Geometrie). Im nächsten</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-5">
          <title>Fertigungsschritt wird der Winkel mit einem Loch und dazugehörigem Ge</title>
          <p>winde versehen, technisch gesehen ein weiteres Hinzufügen von Features.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-6">
          <title>Das resultierende Einzelteil befindet sich auf Stufe 2. Im weiteren Produkti</title>
          <p>onsprozess wird dann im Rahmen der Montage ein extern beschaffter Bolzen
angeschweißt, wieder ein Hinzufügen von weiteren Features. Die
resultierende Baugruppe befindet sich auf Stufe 1. An dieser Baugruppe wird dann
im weiteren Montageablauf mittels einer Schraube (das dargestellte
Einzelteil auf Stufe 1) die andere auf Stufe 1 dargestellte Baugruppe angeschraubt.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-7">
          <title>Auf eine Darstellung des Montagevorgangs für diese zweite Baugruppe wird</title>
          <p>an dieser Stelle verzichtet. Am Ende steht das Endprodukt, das in diesem</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-8">
          <title>Fall bspw. eine Maschinenkomponente sein kann, die an ein Maschinenbau</title>
          <p>unternehmen weiterverkauft wird. Eine Betrachtung der im
Produktionsablauf eingesetzten Systeme zeigt deutlich die Schnittstellenproblematik und
die unterschiedliche Granularität der Daten: Im ERP-System sind lediglich
die einzelnen Knoten aus Abbildung 3 (Rohmaterial, Einzelteile,
Baugruppen, Endprodukt) als Objekt unter der jeweiligen sogenannten Sachnummer
hinterlegt. Abbildung 3 verdeutlicht die hinterlegten Informationen im
CADbzw. ERP-System exemplarisch für den linearen Bereich. Auf eine
Darstellung im konvergierenden Bereich wurde aus Komplexitätsgründen
verzichtet. Hier ist der Sachverhalt jedoch analog zum linearen Bereich.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-9">
          <title>Zu einer Sachnummer sind bspw. Kosten- und Termininformationen bzw.</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-10">
          <title>Arbeitspläne hinterlegt, unter Umständen auch technische Zeichnungen oder</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-11">
          <title>Abbildungen von dreidimensionalen Modellen. Die technischen Informatio</title>
          <p>nen, die in diesen Dokumenten enthalten sind, sind jedoch im Gegensatz zu</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-12">
          <title>Kosten- oder Termininformationen somit nicht im ERP-System auswertbar.</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-13">
          <title>Im obigen Beispiel sind dem Einzelteil auf Stufe 3 die benötigte Fertigungs</title>
          <p>zeit und die zu verwendende Maschine bzw. das benötigte Werkzeug
zugeordnet. Es besteht eine Verknüpfung, die besagt, dass das Einzelteil aus dem</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-14">
          <title>Rohteil aus Stufe 4 gefertigt wird. Des Weiteren sind je Sachnummer auch</title>
          <p>bspw. das Datum des Anlegens im ERP-System, der Name des anlegenden</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-15">
          <title>Sachbearbeiters und der Versionsstand hinterlegt.</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-16">
          <title>Im CAD-System der Konstruktion hingegen (im Folgenden wird von einem</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-17">
          <title>3D-fähigen CAD-System ausgegangen) existiert am Ende des Konstrukti</title>
          <p>onsprozesses für das gesamte Endprodukt ein digitales dreidimensionales</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-18">
          <title>Modell. Der Konstruktionsprozess kann im Beispiel also so aussehen, dass</title>
          <p>zunächst mit einem viereckigen Stück Material begonnen wird
(Rohmaterial), aus dem dann im CAD-System die Form des Winkelstücks erzeugt wird
(Einzelteil auf Stufe 3). Es wird hier also ein geometrisches Feature
hinzugefügt. Analog verhält es sich mit der Bohrung und dem Gewinde. Auch diese</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-19">
          <title>Features werden im Konstruktionsprozess hinzugefügt. Im Beispiel folgt der</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-20">
          <title>Produktionsprozess also dem Konstruktionsprozess.</title>
          <p>Das Beispiel zeigt, dass eine Baugruppe nicht die Summe der in sie eingehenden
Einzelteile und Rohteile bzw. Baugruppen ist. Dies wird insbesondere im linearen Bereich
deutlich. Vielmehr ist eine Baugruppe die Summe der in sie eingehenden Features, also die
Summe sämtlicher Features, die in den hierfür verwendeten Einzelteilen bzw.
Baugruppen enthalten sind. Die Features sind in den DMUs der CAD-Systeme enthalten.
Betriebswirtschaftliche Auswertungen bedienen sich aber der Daten aus den ERP-Systemen.</p>
          <p>Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass die im Rahmen der
Entscheidungsunterstützung benötigten Informationen zwar im Unternehmen durch die Daten der operativen
Systeme vorhanden sind, jedoch für Auswertungen verfügbar gemacht werden müssen.
4</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Lösungsansatz</title>
      <p>Die oben beschriebene Schnittstellenproblematik zeigt, dass Analysen direkt mittels der
in den operativen Systemen hinterlegten proprietären Daten bei der Umsetzung zu
erheblichen Problemen, insb. aufgrund unterschiedlicher Granularitäten, führen würden. Die
benötigten Daten sind somit bereits in operativen Systemen vorhanden, müssen jedoch
noch für bereichsübergreifende Zwecke nutzbar gemacht werden.</p>
      <p>
        Um nun hier durchgehende betriebswirtschaftliche Analysen über die gesamte Entstehung
eines Produktes zu ermöglichen, ist somit zwingend eine durchgehende integrierte
dispositive Datenhaltung entlang des gesamten Produktentstehungsprozesses notwendig. Dies
kann durch die Zusammenführung der Daten aus den eingesetzten operativen Systemen in
einem pDWH geleistet werden
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5 ref5 ref7 ref7">(Lasi &amp; Kemper, 2011; Kemper, et al., 2011)</xref>
        . Dort
werden die gesamten Erzeugnisstrukturen mit den dazugehörigen Hierarchien hinterlegt.
Dieses pDWH ermöglicht somit eine integrierte, einheitliche Datenbasis entlang des
gesamten Produktentstehungsprozesses. Dabei wird die Produktstruktur um technische
Informationen ergänzt, um so die Informationslücke zwischen ingenieurwissenschaftlichen
und betriebswirtschaftlichen Bereichen zu schließen und Transparenz zu ermöglichen.
Insbesondere die technischen Informationen sind zwar in DMUs bzw. Zeichnungen in
CAD- oder PDM-/PLM-Systemen enthalten, im Rahmen von Analysen anhand der
Produktstruktur sind sie jedoch nicht direkt auswertbar. Eine Möglichkeit, technische
Informationen für betriebswirtschaftliche Analysezwecke im pDWH verfügbar zu machen, ist
mittels der sog. Feature-Technologie
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5 ref7">(Lasi &amp; Kemper, 2011)</xref>
        . Wie in Kapitel 3 erläutert,
entspricht ein Einzelteil der Summe aller Features, analog gilt dies für Baugruppen und
Endprodukte. Mittels Features werden also die technischen Eigenschaften voll
beschrieben und es können zudem weitere Informationen in Form von semantischen Features
hinterlegt werden.
      </p>
      <p>
        Die Feature-Technologie ermöglicht es zudem, in den einzelnen Phasen des
Produktlebenszyklus neue Informationen in Form von Features zu ergänzen und gewährleistet
somit eine durchgängige Flexibilität
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(VDI, 2003)</xref>
        . Diese Skalierbarkeit ist
Grundvoraussetzung für eine bereichsübergreifende Nutzung.
      </p>
      <p>
        Jedoch variieren die Features bezüglich der beinhalteten Informationen entlang des
Produktentstehungsprozesses. Die Feature-Arten (z.B. Konstruktionsfeature,
Fertigungsfeature) in den Feature-Bibliotheken der eingesetzten Systeme können sich unterscheiden.
Dies erfordert bei der Übertragung des digitalen Produktmodells von einem zum anderen
System auch eine tendenziell aufwendige und problembehaftete Transformation der
Features.
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(VDI, 2003)</xref>
        Operative Quellsysteme sind hierbei transaktionsorientierte Systeme des
betriebswirtschaftlichen Bereiches und produktorientierte Systeme des technischen Bereichs. Das
Grundgerüst der Daten im pDWH wird dabei durch die klassische Produktstruktur
gebildet, wie sie in Stücklisten zu finden ist. Die in einer Stückliste hinterlegte Hierarchie wird
im pDWH abgebildet. Nur so kann sichergestellt werden, dass das Datenmodell während
des gesamten Produktlebenszyklus skalierbar ist. Eine reine Beschränkung auf Features
würde zwar im Bereich der Konstruktion unter Umständen ausreichen, jedoch bauen
transaktionsorientierte und betriebswirtschaftliche Systeme wie ERP-Systeme auf dem
Konzept der Sachnummern auf (Vgl. Abb. 3). Diese Sachnummern sind somit auch
zentraler Gegenstand betriebswirtschaftlicher Analysen. Eine reine Beschränkung auf
Features würde sogar zu einem Informationsverlust führen, denn Informationen wie
Versionsstand können nur dem jeweiligen Knoten und keinen Features zugeordnet werden. Die
für Auswertungen essentielle Historisierung der Daten wäre somit nicht möglich. Daher
ist zwingend die Produktstruktur als Grundgerüst für das Datenmodell notwendig.
Mittels Feature-Technologie kann ein Einstieg an jedem Knoten der Produktstruktur
stattfinden, wobei jeweils, wie oben gezeigt, sämtliche Informationen über die eingehenden
Einzelteile und Rohteile bzw. Baugruppen voll verfügbar sind.
      </p>
      <p>Die Feature-Technologie ermöglicht es somit, sowohl Informationen aus dem
betriebswirtschaftlichen Bereich als auch aus dem technischen Bereich in einem pDWH
zusammenzuführen und für Auswertungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus
bereitzustellen. Die Produktstruktur wird hierfür mit Features angereichert bzw. die
Produktstruktur wird über die Einzelteilebene hinaus um Features erweitert. Hierfür sind verschiedene
Modellierungskonzepte möglich. Vorarbeiten führen zu der Annahme, dass eine
multidimensionale Modellierung hier geeignet sein könnte. Zu jeder Sachnummer werden die
Informationen in Form von Features als Fakten einer multidimensionalen Modellierung
hinterlegt. Features unterschiedlicher Sichtweise (bspw. Qualität oder Revisionsstand)
stellen unterschiedliche Dimensionen dar. Eine zentrale Herausforderung stellt dabei die
Harmonisierung unterschiedlicher Feature-Arten dar. Die Evaluation der
Modellierungsmethoden ist Gegenstand eines separaten Forschungsvorhabens im übergeordneten
Forschungsprojekt (Vgl. Kapitel 2).</p>
      <p>
        Durch diesen Ansatz wird es möglich, Analysen unter Berücksichtigung sowohl
technischer als auch betriebswirtschaftlicher Daten durchzuführen. Somit können die
Auswirkungen technischer Änderungen auf betriebswirtschaftliche Größen antizipiert werden.
Zur Überführung von Produktstruktur und Produkteigenschaft beschreibenden Daten aus
den operativen Quellsystemen ins pDWH sind umfangreiche ETL-Prozesse notwendig.
ETL-Prozesse umfassen die aufeinanderfolgenden Teilbereiche der Filterung,
Harmonisierung, Aggregation und Anreicherung der Daten
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2 ref6">(Chamoni, et al., 2005; Gluchowski, et
al., 2008; Kemper, et al., 2010)</xref>
        . Im betriebswirtschaftlichen Bereich ist dies etablierte
Praxis
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2 ref6">(Chamoni, et al., 2005; Gluchowski, et al., 2008; Kemper, et al., 2010)</xref>
        , für
produktspezifische Daten aus dem ingenieurwissenschaftlichen Umfeld der Entwicklung
bzw. Produktion mangelt es jedoch an einer konzeptionellen Ausarbeitung für
ETLProzesse. Ein Grobkonzept für diese ETL-Prozesse wurde in einer ersten Phase erarbeitet.
Hierbei hat sich gezeigt, dass bereits existierende Konzepte aus dem
betriebswirtschaftlichen Bereich nicht direkt übertragbar sind, da sich die Ausgangssituation, wie oben
erläutert, grundlegend unterscheidet: Quellsysteme für die zu extrahierenden Daten sind in den
technischen Bereichen geometrieorientierte Systeme wie CAD- bzw.
PDM/PLMSysteme. Dort sind die benötigten Daten in DMUs in Form von Features eingebettet. Die
Daten müssen somit aus diesen digitalen Modellen zunächst extrahiert werden. Dies
unterscheidet sich deutlich von den im betriebswirtschaftlichen Kontext etablierten
ETLProzessen. Eine weitere wesentliche Herausforderung stellt die Harmonisierung und
Zusammenführung der aus den DMUs extrahierten Daten mit den betriebswirtschaftlichen
und transaktionsorientierten Daten aus der ERP-Welt dar. Das Konzept sieht daher vor,
die aus den DMUs extrahierten Features anhand der Feature-Arten zu aggregieren, bis sie
konsistent zu den aus den ERP-Systemen übernommenen Produktstrukturen sind. Damit
können betriebswirtschaftliche und transaktionsorientierte Daten (bspw. Plankosten)
ebenfalls im pDWH den jeweiligen Knoten zugeordnet werden. Ziel eines weiteren
Forschungsvorhabens muss es daher sein, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln, um
zunächst die relevanten Daten in den operativen Quellsystemen zu identifizieren,
anschließend zu extrahieren und aufbereitet im pDWH zur Verfügung zu stellen. Das
erarbeitete Konzept soll dann der Forschungskonzeption der Gestaltungsorientierten
Wirtschaftsinformatik (Österle, et al., 2010) folgend prototypisch implementiert und evaluiert
werden.
5
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Zusammenfassung</title>
      <p>Dieser Beitrag erläutert die Notwendigkeit eines Forschungsvorhabens, dessen Ziel es ist,
ein Konzept für die Extraktion und Aufbereitung von Produktdaten (ETL-Prozesse)
sowohl aus operativen transaktionsorientierten und betriebswirtschaftlichen als auch
produktorientierten Systemen zur Bereitstellung in einem produktorientierten Data
Warehouse zu entwickeln, prototypisch umzusetzen und zu evaluieren. Diese ETL-Prozesse
beinhalten
technische (Zugang zu den relevanten Quellsystemen der verschiedenen
Bereiche),
semantische (Filterung und Harmonisierung der relevanten Daten) und
syntaktische (Integration auf Basis der Feature-Technologie)
Herausforderungen.</p>
      <p>Das übergeordnete Ziel ist es, durch die fokussierten ETL-Prozesse Daten aus
produktorientierten Systemen, wie bspw. Produkteigenschaften, in einem pDWH für
betriebswirtschaftliche Analysen bereitzustellen und so bereits bestehende Analysemöglichkeiten
um Aussagefähigkeiten bzgl. direkter Ursache-Wirkungsbeziehungen, bspw. von
konstruktiven Änderungen einzelner Teile, zu erweitern.</p>
      <p>Aufgrund der unterschiedlichen Ausgangssituation in den beiden Bereichen, der Form in
der die benötigten Daten in den jeweiligen Systemen vorliegen, sind jeweils abgestimmte
ETL-Prozesse notwendig:</p>
      <p>Die Nutzung der Feature-Technologie im technischen Bereich lässt den
Schluss zu, dass ETL-Prozesse des betriebswirtschaftlichen Bereichs hier
nicht übertragbar sind, um die in Form von Features vorliegenden
Informationen in einem pDWH zur Verfügung zu stellen.</p>
      <p>Zudem erfordert die feature-basierte Konzeption des pDWH hierauf
abgestimmte ETL-Prozesse im betriebswirtschaftlichen Kontext, um
betriebswirtschaftliche bzw. transaktionsorientierte Daten ins pDWH zu überführen und
die erforderliche Integration mit Daten aus technischen Systemen zu leisten.
Daher besteht im Bereich der ETL-Prozesse sowohl für transaktionsorientierte bzw.
betriebswirtschaftliche als auch produktorientierte Daten weiterer Forschungsbedarf.
6</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
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