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      <title-group>
        <article-title>Lernziele für die Kompetenzentwicklung auf höheren Taxonomiestufen</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Veronika Thurner</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Axel Böttcher</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Kathrin Schlierkamp</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Hochschule München &lt;vorname&gt;.&lt;nachname&gt;@hm.edu</string-name>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2015</year>
      </pub-date>
      <fpage>9</fpage>
      <lpage>20</lpage>
      <abstract>
        <p>Nach unserer eigenen Lehrerfahrung ebenso wie der von zahlreichen Kolleginnen und Kollegen fällt es vielen Studierenden in MINT-Fächern schwer, höhere Kompetenzebenen gemäß der überarbeiteten Lernzieltaxonomie von Bloom (Anderson u. a., 2001) zu erreichen. Als Grundlage für die Konzeption von Lehr/Lernmethoden, die für die Entwicklung dieser höheren Kompetenzebenen förderlich sind, definieren wir detaillierte Lernziele für die entsprechenden fachlichen Kompetenzen. Diese ergänzen wir um Lernzieldefinitionen für diejenigen Schlüsselkompetenzen, die eine essenzielle Voraussetzung dafür sind, dass diese fachlichen Kompetenzen auf der gewünschten Stufe überhaupt entwickelt werden können.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Motivation</title>
      <p>
        Heutzutage müssen gute Softwerker mit
anspruchsvollen Jobs in der Lage sein, in einem komplexen Umfeld
und unterschiedlichsten Kontexten sicher zu agieren.
Dafür müssen Sie sowohl über eine Fülle von
nichtfachlichen Kompetenzen verfügen als auch fachlich
hochqualifiziert sein
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Böttcher u. a., 2011)</xref>
        .
      </p>
      <p>
        Um diesen fachlichen Anforderungen gerecht zu
werden, müssen die Studierenden hochwertige
kognitive Fähigkeiten entwickeln, die weit darüber
hinaus gehen, einfach nur irgendwelches Wissen
auswendig zu lernen und in der Prüfung
wiederzugeben
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10 ref8">(Schaper u. a., 2012)</xref>
        (Bulimie-Lernen). Diese
höheren Kompetenzebenen werden jedoch nicht ganz
von alleine erreicht, sondern erfordern geeignete
Lehr/Lernansätze, die die angestrebten Kompetenzebenen
gezielt entwickeln.
      </p>
      <p>Grundlage für die Konzeption solcher
Lehrmethoden ist die detaillierte Definition von entsprechenden
Lernzielen, die genau beschreiben, was denn
eigentlich eine bestimmte Fähigkeit auf einer bestimmten
Kompetenzebene ausmacht. Diese muss insbesondere
die fachlichen Fähigkeiten definieren, die die
Studierenden entwickeln sollen.</p>
      <p>Beim Definieren der angestrebten fachlichen
Kompetenzen und aus den Erfahrungen unseres
Lehralltages wurde deutlich, dass zwischen den fachlichen
und den nicht-fachlichen Kompetenzen gewisse
Abhängigkeiten bestehen. Insbesondere beobachten wir,
dass ausgewählte Schlüsselkompetenzen wie z. B. das
abstrakte Denken oder die Fähigkeit zur
Selbstreflexion mit einem gewissen Reifegrad in den Studierenden
ausgebildet sein müssen, bevor sie hochwertige
fachliche Kompetenzen überhaupt entwickeln können.</p>
      <p>Nicht alle Studierenden bringen jedoch diese
erforderlichen Schlüsselkompetenzen in ausreichendem
Maße mit, sondern müssen diese erst im Laufe ihres
Studiums entwickeln. Daher ist es notwendig und
sinnvoll, für ausgewählte Schlüsselkompetenzen ebenfalls
Lernziele auf den verschiedenen Kompetenzebenen zu
definieren, um greifbar zu machen, welche
Fähigkeiten hier konkret erwartet werden bzw. zu entwickeln
sind.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Zielsetzung</title>
      <p>Um unsere Studierenden angemessen auf ihr
späteres Arbeitsleben vorzubereiten, streben wir an, ihre
fachlichen Kompetenzen bis hin zu den hochwertigen
kognitiven Ebenen zu entwickeln. Dazu definieren wir
für die Pflichtveranstaltungen „Softwareentwicklung 1
und 2“ aus dem ersten und zweiten Fachsemester der
Studiengänge Bachelor Informatik und Bachelor
Wirtschaftsinformatik fachliche Lernziele auf
unterschiedlich anspruchsvollen Kompetenzebenen.</p>
      <p>Des Weiteren definieren wir Lernziele für
ausgewählte Schlüsselkompetenzen, die für die Entwicklung der
höherwertigen fachlichen Lernziele essenziell
erforderlich sind. Diese Lernziele sind die Grundlage für
die Konzeption von Lehrmethoden und
Interventionen, die den Auf- und Ausbau dieser zentralen
Schlüsselkompetenzen in den Studierenden gezielt fördern.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>State of the Art</title>
      <p>
        Orientiert an
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11 ref9">(Schott u. Ghanbari, 2009)</xref>
        verstehen
wir unter Kompetenzen diejenigen Eigenschaften und
Fähigkeiten, die erforderlich sind, um eine bestimmte
Menge und Art von Aufgaben sinnvoll ausführen zu
können. Dabei kategorisieren wir Kompetenzen in
Anlehnung an
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">(Chur, 2004)</xref>
        und
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">(Schaeper u. Briedis,
2004)</xref>
        in die vier Bereiche Selbst-, Methoden-,
Sozialund Fachkompetenz.
      </p>
      <p>
        Als Schlüsselkompetenzen bezeichnen
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11 ref9">(In der
Smitten u. Jaeger, 2009)</xref>
        diejenigen Kompetenzen, die die
spezifisch-fachlichen Fähigkeiten so ergänzen, dass
eine Person damit ihren eigenen Bedürfnissen gerecht
werden, in Gemeinschaft mit anderen leben und einer
nützlichen und einkommenssichernden Arbeit
nachgehen kann.
      </p>
      <p>Ein bekannter Ansatz zur Beschreibung von
Lernzielen im kognitiven Bereich ist die
Lernzieltaxonomie von Bloom (Bloom u. a., 1956), die Kompetenzen
auf verschiedenen Fähigkeitsebenen definiert. Dieser
Ansatz wurde später insbesondere hinsichtlich der
höheren Kompetenzebenen von (Anderson u. a., 2001)
überarbeitet.</p>
      <p>Im Folgenden orientieren wir uns an dieser
überarbeiteten Version, mit den Kompetenzstufen 1:
Erinnern, 2: Verstehen, 3: Anwenden, 4: Analysieren, 5:
Evaluieren und 6: Kreieren.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Lernziele für Fachkompetenzen</title>
      <p>Die nachfolgenden Tabellen definieren Lernziele für
die fachlichen Inhalte, die im Fokus der
Lehrveranstaltungen „Softwareentwicklung 1“ bzw.
„Softwareentwicklung 2“ stehen, die an der Fakultät für
Informatik und Mathematik der Hochschule München
durchgeführt werden. In den einzelnen Spalten werden
bewusst nicht die Verben aus den
Spaltenüberschriften (den Kompetenzebenen nach der überarbeiteten
Lernzieltaxonomie von Bloom) verwendet.
Stattdessen werden Verben gewählt, die ein von außen
beobachtbares Ergebnis nach sich ziehen. Dadurch wird
die Testbarkeit der Lernziele gewährleistet.</p>
      <p>Da die Kompetenzen auf den verschiedenen
Ebenen für viele der fachlichen Inhalte vom Prinzip her
ähnlich gelagert sind, definieren Tabellen 1 und 2
(oben) die Lernziele generisch im Sinne einer
Schablone, in deren Formulierung bei Bedarf konkrete
programmiersprachliche Konstrukte bzw. Artefakte
einzusetzen sind.</p>
      <p>Ergänzend werden in Tabellen 1 und 2 (mitte)
Lernziele für Qualitätskriterien für Software definiert, da
diese Qualitätskriterien als Maßstab für die
generischen Lernziele für Softwareentwicklung benötigt
werden. Für den Bereich der Qualitätskriterien liegen die
Lernziele der Level 5 (Evaluieren) und 6 (Kreieren)
dabei nicht mehr im Fokus der Lehrveranstaltungen
„Softwareentwicklung 1 und 2“.</p>
      <p>Die Lernzieldefinitionen in Tabellen 1 und 2 (unten)
sowie 3 und 4 (oben) zeigen exemplarisch für die
fachlichen Inhalte Kontrollstrukturen und Algorithmen, wie
die generische Definition der Lernziele für
Softwareentwicklung schematisch auf programmiersprachliche
Konstrukte übertragen wird. Nach dem gleichen
Schema verlaufen die Lernzieldefinitionen für alle anderen
programmiersprachlichen Konstrukte, die in der
Lehrveranstaltung behandelt werden, insbesondere für die
folgenden inhaltlichen Themenbereiche: Klassen,
Datentypen, Variablen, primitive Datentypen,
Sichtbarkeit, Pakete, Zeichenketten, Arrays, Rekursion, Listen,
Vererbung, Exception Handling, Generische
Datentypen und Collections. Da diese Lernzieldefinitionen
hochgradig redundant mit der generischen Definition
verlaufen, bieten sie keinen nennenswerten Mehrwert
gegenüber der generischen Definition. Entsprechend
wird hier auf eine weitere Ausarbeitung für andere
programmiersprachliche Konstrukte verzichtet.</p>
      <p>Einige der fachlichen Inhalte, die in der
Lehrveranstaltung „Softwareentwicklung“ behandelt werden,
sind jedoch prinzipiell anders gelagert als die
programmiersprachlichen Konstrukte. Entsprechend erfordern
deren zugehörige Kompetenzen daher eine komplett
eigenständige Lernzieldefinition, die sich nicht
schematisch aus der generischen Lernzieldefinition
ableiten lässt.</p>
      <p>Die Programmentwicklung ist eine ausgeprägt
konstruktive Tätigkeit, bei der ein (hoffentlich)
lauffähiges System erstellt und somit etwas geschaffen wird.
Im Gegensatz dazu ist Testen vom Prinzip her eine
destruktive Tätigkeit (auch wenn das Ziel des Testens
ist, dass das geschaffene System am Ende stabil und
damit qualitativ besser wird). Beim Testen geht es
darum, wunde Punkte zu identifizieren und diese sichtbar
zu machen. Dieses prinzipiell andere Ziel erfordert
andere Ansätze und damit auch andere Kompetenzen als
der zu entwickelnde Anteil der Softwareentwicklung
(siehe Tabellen 3 und 4 (Mitte)). Die Lernziele auf
Level 6 (Kreieren) liegen dabei nicht mehr im Fokus
der Lehrveranstaltungen „Softwareentwicklung 1 und
2“.</p>
      <p>Debugging wiederum, also die systematische
Fehlersuche, ist eine methodenintensive Fachlkompetenz
(siehe Tabellen 3 und 4 (unten)). Auch hier wird im
Gegensatz zur eigentlichen Programmierung kein
Produkt gebaut, das zwar virtuell, aber trotzdem
irgendwie greifbar ist. Statt dessen geht es beim Debugging
eher um die Anwendung von Werkzeugen und
Strategien zum Finden und Beseitigen von Fehlern, die nach
erfolgreichem Debugging hoffentlich nicht mehr da
sind. Entsprechend sind auch hier potenziell messbare
Ergebnisse der einzelnen Kompetenzstufen
grundsätzlich anders geartet als bei den
programmiersprachlichen Konstrukten, sodass eine spezifische
Lernzieldefinition für den Themenbereich des Debuggings
erforderlich ist. Auch in diesem fachlichen Bereich liegen
die Lernziele auf Level 6 (Kreieren) nicht mehr im
Fokus der Lehrveranstaltungen „Softwareentwicklung
1 und 2“.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Zusammenhang zwischen Fach- und</title>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Schlüsselkompetenzen</title>
      <p>In der Lehrpraxis ist zu beobachten, dass viele
Studierende sich nicht nur beim Erlernen spezifischer
fachlicher Inhalte schwer tun, sondern dass das
prinTabelle 1: Definition generischer und konkreter fachlicher Lernziele für Softwareentwicklung (Teil 1)
... schreiben die konkrete ... begründen, welches
Syntax eines programmier- programmiersprachliche
Konsprachlichen Konstruktes kor- strukt in welchem Kontext zu
rekt auf und halten dabei die verwenden ist, und warum.</p>
      <p>Syntaxkonventionen ein.
... ermitteln zu einer
gegebenen Implementierung
und konkreten Eingabe- bzw.</p>
      <p>Startwerten das konkrete
Ergebnis.
... halten bei der
Softwareentwicklung die vorgegebenen
Qualitätskriterien ein.
... setzen eine textuell oder
grafisch vorgegebene
Algorithmusspezifikation in
Quelltext einer festgelegten
Programmiersprache um und
verwenden dabei die
passenden Kontrollstrukturen.</p>
      <p>Der Quelltext erfüllt dabei
grundlegende
Qualitätsanforderungen (Lesbarkeit,
Testbarkeit, Korrektheit).
... benennen grundlegen- ... erklären in eigenen
de Qualitätskriterien für Worten die Bedeutung der
Software, z.B. Lesbarkeit, einzelnen Qualitätskriterien.</p>
      <p>Testbarkeit, Korrektheit und
Effizienz.
... definieren die Bedeutung
der Qualitätskriterien.</p>
      <p>... begründen, warum
Softwareentwicklung aus mehr
Schritten besteht als nur der
Implementierung.
... beschreiben, warum diese
Qualitätskriterien wichtig
sind und welche Folgen es
hat, wenn sie nicht
eingehalten werden.
... benennen verschiedene Ar- ... erklären in eigenen
ten von Kontrollstrukturen. Worten die Bedeutung der</p>
      <p>verschiedenen
Kontrollstruk... definieren für jede Art turen.
von Kontrollstruktur deren
Bedeutung.</p>
      <p>... beschreiben in eigenen
Worten die Unterschiede
zwischen for-, while- und
do-while-Schleife.
... benennen in einem
vorgegebenen Quelltext die dort
verwendeten
Kontrollstrukturen mit den korrekten
Fachbegriffen.</p>
      <p>... beschreiben in eigenen
Worten die Unterschiede
zwischen if-, if-else- und switch- ... werten zu einer gegebenen
... schreiben für jede Art von Fallunterscheidungen. Implementierung die
KonKontrollstruktur deren kon- trollstrukturen korrekt aus,
krete Syntax auf und halten ... begründen, welche Kon- indem sie zu konkreten
dabei die Syntaxkonventio- trollstruktur in welchem Eingabe- bzw. Startwerten
nen ein. Kontext zu verwenden ist, das konkrete Ergebnis
ermitund warum. teln.
... geben zu einer vorgegebenen ... wägen systematisch ab, welches ... entwickeln für ein einfaches
Implementierung an, was diese Konzept bzw. Konstrukt der Problem aus einer gegebenen
prinzipiell macht, abstrahiert Programmiersprache am besten Anforderungsspezifikation heraus
von konkreten Eingabe- bzw. geeignet ist, um eine bestimmte einen Entwurf, der sowohl die
Startwerten. Anforderung umzusetzen. Gesamtstruktur der Lösung als
auch die einzelnen Algorithmen
... ermitteln aus einer informell ... identifizieren Stärken und vorgibt. Der Entwurf erfüllt dabei
gegebenen Problemformulierung Verbesserungspotenzial in einem grundlegende
Qualitätsanfordedie Anforderungen und doku- gegebenen Artefakt (Anforde- rungen (Korrektheit, Effizienz der
mentieren diese präzise in einer rungsspezifikation, Testfälle, Algorithmen, Testbarkeit).
angemessenen Form (grafisch Entwurf, Algorithmusspezifikation,
oder textuell). Quelltext) oder in der Problemfor- (Ein „einfaches Problem“ ist
damulierung bzw. Anforderungsbe- bei eine Aufgabenstellung, die mit
... identifizieren in einer gege- schreibung des Kunden. maximal zehn Klassen
objektorienbenen Anforderungsbeschreibung tiert zu lösen ist. Für
komplexeStrukturen und Zusammenhänge re Probleme ist diese Kompetenz
und dokumentieren diese präzise Lernziel der Veranstaltung
„Softin einer angemessenen Form (gra- ware Engineering“.)
fisch oder textuell).</p>
      <p>... bewerten ihre eigene Lösung
(d.h. ein von ihnen selbst erstelltes
Artefakt) kritisch auf Stärken und
Schwächen, die hinsichtlich
grundlegender Qualitätsanforderungen
bestehen (Lesbarkeit, Testbarkeit,</p>
      <p>Korrektheit).
... untersuchen, inwieweit eine
bestehende Software die
vorgegebenen Qualitätsanforderungen
erfüllt.</p>
      <p>... bewerten kritisch, ob die beste- ... definieren selbst neue, eigene
henden Qualitätskriterien für ein Qualitätskriterien für neuartige
Angegebenes Anwendungsszenario wendungsszenarien.</p>
      <p>angemessen und ausreichend sind.
... identifizieren Verstöße gegen
die vorgegebenen
Qualitätskriterien.
... geben zu einer vorgegebenen ... wägen systematisch ab, wel- ... entwickeln für ein einfaches
Folge/Konstruktion aus Kon- che Kontrollstruktur am besten Problem aus einer gegebenen
trollstrukturen an, was diese geeignet ist, um eine bestimmte Anforderungsspezifikation heraus
prinzipiell macht, abstrahiert Anforderung umzusetzen. einen Algorithmus oder
Quellvon konkreten Eingabe- bzw. text, der dazu die geeigneten
Startwerten. ... identifizieren Stärken und Kontrollstrukturen verwendet.</p>
      <p>Verbesserungspotenzial in einem Dieser erfüllt dabei grundlegende
... ermitteln aus einer gege- gegebenen Artefakt (Algorithmus- Qualitätsanforderungen
(Korrektbenen Anforderungsbeschreibung, spezifikation, Quelltext). heit, Effizienz der Algorithmen,
mit welchen Kontrollstrukturen Testbarkeit).
die Anforderung prinzipiell erfüllt
werden kann.</p>
      <p>... bewerten ihre eigene Lösung
(d.h. ein von ihnen selbst erstelltes
Artefakt) kritisch auf Stärken und
Schwächen, die hinsichtlich
grundlegender Qualitätsanforderungen
bestehen (Lesbarkeit, Testbarkeit,</p>
      <p>Korrektheit).</p>
      <p>Tabelle 3: Beispiele für konkrete fachliche Lernziele für Softwareentwicklung (Teil 1)
... definieren den Begriff ... begründen, warum auto- ... erstellen schematisch
Unit-Testen. matisiertes Testen notwendig grundlegende Testfälle.
und sinnvoll ist.
... beschreiben in eigenen
Worten die Bedeutung und
den qualitätssichernden
Beitrag einer vollständigen
Testabdeckung.</p>
      <p>... setzen systematisch
Werkzeuge ein, die den Grad der
erreichten Testabdeckung
ermitteln.
... nutzen ein Werkzeug wie
z.B. JUnit, um Unit-Tests
automatisiert auszuführen.
... benennen verschiedene
assert-Methoden, die in
JUnit-Tests verwendet
werden können.
... benennen die
verschiedenen Annotationen für
Unit-Tests.
... schreiben die konkrete
Syntax für Testklassen und
Testmethoden auf und halten
dabei die
Syntaxkonventionen ein.
... benennen verschiedene
Ansätze für das Debugging.
... benennen verschiedene
Grundfunktionen eines
Debugging-Werkzeuges.
... gleichen beim Verwenden
des Debuggers das, was der
Debugger anzeigt, ab mit der
eigenen mentalen Erwartung,
bis beides nicht mehr
zueinander passt und zeigen so
Soll-/Ist-Differenzen auf.
... definieren den Begriff ... erklären in eigenen Wor- ... verwenden den
DebugDebugging. ten, warum die Verwendung ger schematisch, um das
eines Debugging-Werkzeuges Programmverhalten zu
sinnvoll ist visualisieren.</p>
      <sec id="sec-7-1">
        <title>Stufe 4: Analysieren</title>
      </sec>
      <sec id="sec-7-2">
        <title>Die Studierenden...</title>
        <p>... geben zu einem vorgegebenen
Algorithmus an, was dieser
prinzipiell macht, abstrahiert von
konkreten Eingabe- bzw. Startwerten.
(Bsp.: Der Algorithmus ermittelt
den größten gemeinsamen Teiler
zweier natürlichen Zahlen.)</p>
        <p>Tabelle 4: Beispiele für konkrete fachliche Lernziele für Softwareentwicklung (Teil 2)
... wägen systematisch ab, welches
Konzept bzw. Konstrukt der
Programmiersprache am besten
geeignet ist, um eine bestimmte
Anforderung in einem Algorithmus
umzusetzen.
... identifizieren Stärken und
Verbesserungspotenzial in einer
gegebenen
Algorithmusspezifikation.
... bewerten einen von ihnen selbst
erstellen Algorithmus kritisch
auf Stärken und Schwächen,
die hinsichtlich grundlegender
Qualitätsanforderungen bestehen
(Lesbarkeit, Testbarkeit,
Korrektheit).</p>
        <p>... entwickeln für ein einfaches
Problem aus einer gegebenen
Anforderungsspezifikation heraus einen
Algorithmus. Dieser erfüllt
dabei grundlegende
Qualitätsanforderungen (Korrektheit, Effizienz,
Testbarkeit).
... untersuchen, welche Rand- und ... bewerten, ob die Menge und ... entwickeln eigene
TeststraNormalfälle in einer gegebenen Art der formulierten Tests zur tegien für komplexe, neuartige
Aufgabenstellung auftreten, fassen Qualitätssicherung ausreichend ist. Problemstellungen.
diese zu geeigneten Äquivalenz- (Die werkzeuggemessene
Testabklassen zusammen und definieren deckung ist nur ein Teil dieses Be- ... entwickeln eine neue
Testinfradazu passende Testfälle als Reprä- wertungsprozesses.) struktur.
sentanten.
... ziehen Rückschlüsse aus den im
Debugger erkannten Differenzen
aus Soll und Ist. Dabei suchen sie
nach der Ursache der
beobachteten Differenzen und ermitteln
die Stelle, an der die Ursache
vermutet wird und an der somit
die Lösung ansetzen muss.</p>
        <p>... bewerten, ob eine gegebene, ... entwickeln neuartige Strategien
selbst angewendete oder beobach- zur Suche und Eingrenzung von
tete Vorgehensweise zur Fehlersu- Softwarefehlern.</p>
        <p>che zielführend und effizient ist.
zipielle Erreichen einer bestimmten Kompetenzebene
Probleme aufwirft, unabhängig vom konkreten
fachlichen Inhalt. Dies führte zu der These, dass nicht
ausschließlich fachliche Defizite dafür verantwortlich
sind, dass Studierende eine gewünschte höhere
Kompetenzebene für einen konkreten fachlichen Inhalt gar
nicht oder nur eingeschränkt entwickeln können.
Vielmehr müssen also bestimmte Schlüsselkompetenzen
in den Studierenden bereits bis zu einem gewissen
Grad entwickelt sein, damit insbesondere die
höheren Ebenen der überarbeiteten Lernzieltaxonomie von
Bloom überhaupt erreichbar sind.</p>
        <p>
          Um diese These zu belegen haben wir eine Vielzahl
von Fehlern analysiert, die beim Erlernen des
Programmierens mit großer Häufigkeit auftreten, basierend
sowohl auf Fehlern aus der Literatur (wie z. B.
          <xref ref-type="bibr" rid="ref10 ref12 ref3 ref4 ref5 ref8">(Hristova u. a., 2003; Humbert, 2006; Kaczmarczyk u. a.,
2010; Sirkiä u. Sorva, 2012; Sorva, 2008)</xref>
          ) als auch
auf eigenen Beobachtungen. Diese Fehler haben wir
anschließend kategorisiert und den entsprechenden
Kompetenzebenen nach der überarbeiteten
Lernzieltaxonomie von Bloom zugeordnet. Darauf aufbauend
wurden die Ursachen dieser Fehler analysiert und
kategorisiert. Dabei wurde deutlich, dass bestimmte
Kompetenzebenen bestimmte Grundfähigkeiten essenziell
erfordern
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13">(Zehetmeier u. a., 2015)</xref>
          .
        </p>
        <p>
          Beispielsweise setzt die Ebene 4 Analysieren
zwingend die Fähigkeit des analytischen Denkens voraus,
sowie (zumindest im informatischen Kontext)
abstraktes Denken. Ebene 5 Evaluieren erfordert unter
anderem kritisches Hinterfragen sowie ggf. die Fähigkeit
zur Selbstreflexion, und Ebene 6 Kreieren benötigt ein
gewisses Maß an Kreativität. Tabelle 5 fasst die
Ergebnisse zusammen, in Erweiterung von
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13">(Zehetmeier
u. a., 2015)</xref>
          .
        </p>
        <p>Wenn wir mit unseren Studierenden insbesondere
die höheren Kompetenzebenen nach der
überarbeiteten Lernzieltaxonomie von Bloom erreichen wollen,
müssen diese grundlegenden Schlüsselkompetenzen
also zunächst in ausreichendem Umfang vorhanden
sein, bzw. bei Bedarf entsprechend entwickelt werden.</p>
        <p>Erst wenn hier die notwendigen Voraussetzungen
geschaffen sind macht es Sinn, sich auf die
entsprechenden fachlichen Inhalte zu fokussieren, weil diese sonst
ohnehin nicht effektiv gelernt werden können.</p>
        <p>Die Frage, inwieweit die Entwicklung der
erforderlichen Schlüsselkompetenzen im Aufgabenbereich der
Hochschullehre liegt, ist nicht einfach zu beantworten.</p>
        <p>Eine umfassende Diskussion der möglichen
Sichtweisen liegt nicht im Fokus dieser Arbeit.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>Lernziele für Schlüsselkompetenzen</title>
      <p>Unabhängig vom konkreten fachlichen Inhalt sind
also bestimmte Schlüsselkompetenzen erforderlich, um
fachliche Kompetenzen auf einer gewünschten
höheren Ebene gemäß der überarbeiteten
Lernzieltaxonomie von Bloom überhaupt entwickeln zu können.</p>
      <p>Um greifbar zu machen, was diese
Schlüsselkompetenzen im informatik-nahen Lernkontext genau
bedeuten und welches Maß an Fähigkeiten als
erforderlich vorausgesetzt bzw. bei Bedarf zu entwickeln ist,
definieren wir im Folgenden auch für einige
Schlüsselkompetenzen Lernziele gemäß der überarbeiteten
Lernzieltaxonomie von Bloom. Dabei fokussieren wir
lediglich eine Auswahl an relevanten
Schlüsselkompetenzen, mit jeweils einem Repräsentanten aus den
Bereichen der Selbst-, Sozial- und
Methodenkompetenzen.</p>
      <p>Auch hier liegen jeweils die Lernziele auf Level 6
(Kreieren) der einzelnen ausgewählten
Schlüsselkompetenzen nicht mehr im Fokus der
Lehrveranstaltungen „Softwareentwicklung 1 und 2“.</p>
      <sec id="sec-8-1">
        <title>Selbstkompetenz: Selbstreflexion</title>
        <p>„Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung“, sagt ein
deutsches Sprichwort. Dahinter steckt die Idee, dass
ich ein Problem selbst nur dann beheben kann, wenn
ich es erkannt habe und darüber nachdenken kann.</p>
        <p>In diesem Sinne ist die Fähigkeit zur Selbstreflexion
also zentraler Bestandteil eines effizienten
Lernprozesses und damit eine Selbstkompetenz, die für den
Studienerfolg, das spätere Arbeitsleben sowie
allgemein auch für die persönliche Weiterentwicklung im
privaten Leben von zentraler Bedeutung ist.
Gleichzeitig zeigt unsere Lehrerfahrung aus den letzten Jahren,
dass die Fähigkeit zur Selbstreflexion bei unseren
Studierenden zu Beginn des Studiums wenig bis gar nicht
ausgeprägt ist. Daher fokussieren wir diese Kompetenz
in besonderem Maße als eine Schlüsselkompetenz im
Sinne der Studierfähigkeit.</p>
        <p>Tabellen 6 und 7 (oben) definieren für die Fähigkeit
der Selbstreflexion Lernziele auf den verschiedenen
Kompetenzebenen. Wünschenswert im Sinne der
Studierfähigkeit wäre eine Kompetenzebene von
mindestens Stufe 4 (Analysieren). Viele unserer
Studierenden (insbesondere diejenigen, die sich fachlich schwer
tun) verfügen jedoch lediglich über Stufe 1 (Erinnern)
dieser Fähigkeit. D. h. ihnen ist zwar immerhin der
Begriff vage bekannt. Ein Grundverständnis dafür,
inwieweit Selbstreflexion den eigenen Lernprozess
unterstützt, ist dagegen bei diesen Personen meist nicht
vorhanden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-8-2">
        <title>Sozialkompetenz: Kritikfähigkeit</title>
        <p>Gerade dann, wenn die Fähigkeit zur
Selbstreflexion erst unzureichend entwickelt ist, ist Feedback von
außen oft ein notwendiges Mittel, um Stärken und
Schwächen bewusst zu machen und so eine
Weiterentwicklung effektiv auf den Weg zu bringen. Diese
„Weiterentwicklung von außen“ setzt jedoch voraus,
dass der Empfänger mit dem erhaltenen Feedback
angemessen umzugehen weiß. Entsprechend ist
Kritikfähigkeit in der Rolle der Kritikempfangenden wichtiger
Bestandteil der Studierfähigkeit.</p>
        <p>In vielen Veranstaltungen arbeiten die
Studierenden in Teams zusammen. Darüber hinaus streben viele</p>
        <sec id="sec-8-2-1">
          <title>Stufe</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-2">
          <title>Kompetenz- Fehlerklasse ebene</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-3">
          <title>Kreieren</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-4">
          <title>Mangel an</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-5">
          <title>Innovation</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-6">
          <title>Evaluieren</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-7">
          <title>Qualitätslücke</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-8">
          <title>Analysieren</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-9">
          <title>Unstrukturiertheit</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-10">
          <title>Anwenden</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-11">
          <title>Falsche</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-12">
          <title>Entscheidungen</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-13">
          <title>Verstehen</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-14">
          <title>Fehlvorstellung</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-15">
          <title>Erinnern</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-16">
          <title>Wissenslücke</title>
          <p>Tabelle 5: Schlüsselkompetenzen, die zum Erreichen einer fachlichen Kompetenzebene notwendig sind (Auswahl)</p>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-17">
          <title>Erforderliche Schlüsselkompetenzen</title>
          <p>Kreativität
Abstraktes Denken (Neuartige Gesetzmäßigkeiten finden)
Analytisches Denken (Kritische Punkte identifizieren)
Abstraktes Denken (Relevanz der kritischen Punkte werten)
Kritisches Hinterfragen
Selbstreflexion (Bei Evaluation eigener Ergebnisse)
Pragmatismus (Kosten-Nutzen-Entscheidung fällen)
Analytisches Denken (Bestandteile identifizieren,</p>
          <p>Zusammenhänge erkennen)
Abstraktes Denken (Sinn der Zusammenhänge werten)
Abstraktes Denken (Passende Abstraktionsstrategie wählen)
Analytisches Denken (Problem klassifizieren)
Entscheidungsfähigkeit (Lösungsansatz wählen)
Abstraktes Denken (Regelwerk erkennen und anwenden)
Analytisches Denken (Zusammenhänge nachvollziehen)
Ganzheitliches Denken (Mit Vorwissen verbinden)
Durchhaltevermögen
Fleiß
Selbstreflexion (Eigenen Lerntyp kennen,
eigene Fähigkeiten einschätzen)
6
5
4
3
2
1
0</p>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-18">
          <title>Geistiger Tippfehler</title>
          <p>
            „Mental Typo“ nach
D. E. Knuth
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            Sorgfalt
Konzentration
Belastbarkeit
          </p>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-19">
          <title>Schlüsselkompetenz</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-20">
          <title>Selbstreflexion</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-21">
          <title>Kritikfähigkeit</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-22">
          <title>Abstraktes</title>
        </sec>
        <sec id="sec-8-2-23">
          <title>Denken</title>
          <p>Tabelle 6: Definition von Lernzielen für Schlüsselkompetenzen (Teil 1)
... definieren den Begriff ... begründen die Strin- ... formulieren als
FeedbackKritikfähigkeit. genz der Feedback-Regeln Geber ihre Kritik gemäß der
für Feedback-Geber und Feedback-Regeln.
... benennen die beiden Feedback-Nehmer. (Das Identifizieren der
KritikRollen, die eine Person im punkte, die hier
kommuniKontext von Kritik einneh- ... beschreiben in eigenen ziert werden, kommt dabei
men kann. Worten die Bedeutung von aus einem anderen
Kompe</p>
          <p>Kritik für die persönliche Wei- tenzbereich, beispielsweise
... benennen die zentralen Re- terentwicklung. aus der „Evaluieren“-Spalte
geln für das Geben und Emp- einer fachlichen Kompetenz.)
fangen von Feedback.
... halten als
FeedbackNehmer beim Empfangen
von Kritik die formalen
Feedback-Regeln ein, hören
also zu und rechtfertigen
sich nicht.
... definieren die Begriffe ... erklären, dass es in der ... leiten aus einer gegebenen
Abstrahieren und Konkreti- Informatik überwiegend um einfachen Abstraktion bzw.
sieren. abstrakte Inhalte geht und einem gegebenen einfachen
abstraktes Denken daher Regelwerk konkrete Dinge
... definieren die Kompetenz in diesem Bereich eine und Aussagen ab.
des abstrakten Denkens. unerlässliche Fähigkeit ist.
... definieren den Begriff Ab- ... begründen, dass jegliches
straktionsebene und die Zu- Verstehen eines
Sachverhalsammenhänge zwischen kon- tes voraussetzt, dass das
kreter Ebene, Typ-Ebene und grundlegende Regelwerk bzw.</p>
          <p>Meta-Ebene. die grundlegenden Gesetz- ... ermitteln aus einer
gegebemäßigkeiten verstanden wur- nen Menge von nichttrivialen
den. Beispielen anhand eines
(Bsp: Auch wenn ich weiß, vorgegebenen Leitfadens das
dass 2+3=5 gilt kann ich zugrunde liegende
Regel3+4=? trotzdem nur lösen, werk.
wenn ich das grundlegende
Regelwerk verstanden habe.)
... extrahieren aus einer
gegebenen Menge von konkreten,
einfachen Beispielen das
zugrunde liegende, ebenfalls
noch einfache Regelwerk.
... lesen aus einem
vorgegebenen Metamodell Aussagen
über die darunter liegende
Typ-Ebene heraus.
Tabelle 7: Definition von Lernzielen für Schlüsselkompetenzen (Teil 2)
... bewerten, ob ein gegebenes ... konzipieren eigenständig einen
Konzept der Selbstreflexion für Leitfaden zur Selbstreflexion (ggf.
das von ihnen angestrebte Ziel der gemeinsam mit einem
zugehöriReflexionsarbeit hilfreich ist. gen Übungsszenario), der anderen</p>
          <p>Personen als Anleitung für deren
... beobachten ihren eigenen Selbstreflexion über eine
bestimmReflexionsprozess und bewerten, te Situation, Vorgehensweise oder
inwieweit dieser stattfindet und ein selbst erstelltes Artefakt als
zielführend für das angestrebte Leitfaden dient und dabei gezielt
Reflexionsziel ist. auf diejenige Erkenntnis
hinarbeitet, die als Ziel der Reflexionsarbeit
gewünscht ist.
... bestimmen ein Ziel für die
Selbstreflexion, also eine tiefer
greifende Erkenntnis, die mittels
Selbstreflexion gewonnen werden
soll.
... erarbeiten die Ursachen der
beobachteten Symptome.
... identifizieren Maßnahmen, die
geeignet sind, um die Symptome
zukünftig zu vermeiden (falls
diese negativ waren) oder erneut
zu provozieren (falls diese positiv
waren); im Sinne von „Lessons
Learned“.
... überlegen sich in der Rolle als
Feedback-Geber, wie die Kritik
formuliert werden muss, damit
das Gegenüber sie annehmen
kann.
... setzen sich in ihrer Rolle als
Feedback-Nehmer inhaltlich mit
Kritik und
Verbesserungsvorschlägen auseinander und versuchen,
diese nachzuvollziehen.
... identifizieren ein Ziel („Kri- ... reflektieren in ihrer Rolle als ... konzipieren eigenständig einen
tikziel“, das sie mit dem Geben Feedback-Geber ergebnisoffen Leitfaden und ggf. ein
Übungsszebzw. Empfangen von Feedback darüber, welche der von ihnen nario, das andere Personen als
Anerreichen möchten. identifizierten Kritikpunkte im leitung für das Geben bzw.
Empgegebenen Kontext zielführend fangen von Feedback nutzen
könsind. nen, um deren Kritikfähigkeit zu</p>
          <p>schulen.
... reflektieren in ihrer Rolle als
Feedback-Nehmer ergebnisoffen
darüber, welche der empfangenen
Kritikpunkte und
Verbesserungsvorschläge sie für sich als schlüssig
und anwendbar erachten.
... finden einen stringenten Ansatz, ... bewerten, ob das Ergebnis einer
um aus einer vorgegebenen Abstraktionsaufgabe (d.h. ein
Menge von konkreten Beispielen abstraktes Modell bzw. Regelwerk)
ein passendes Regelwerk zu eine für diese Aufgabe sinnvolle
extrahieren und wählen dazu Abstraktion ist, inkl. der gewählten
eine geeignete Abstraktions- bzw. Struktur der Abstraktionsebenen.</p>
          <p>Lösungsstrategie aus.
... wenden zum Lösen einer
Abstraktionsaufgabe eine
Metastrategie an, um eine geeignete
Abstraktions- bzw.
Lösungsstrategie zu identifizieren.</p>
          <p>... prüfen und bewerten, ob das
(eigene oder fremde) Vorgehen bei
der Abstraktion zielführend und
effizient ist.</p>
          <p>... entwickeln selbst einen
Leitfaden für Abstraktion in einem
bestimmten Kontext.
... erarbeiten selbst eine Aufgabe,
die die Anwendung abstrakten
Denkens erfordert.
... konzipieren zu einem neuem
Kontext und einer neuen Art
von Aufgabe eigenständig eine
(neuartige) Abstraktionsstrategie.
... entwickeln selbst ein neuartiges
Metamodell.
im Berufsleben mittelfristig eine Führungstätigkeit an.</p>
          <p>Folglich ist auch die Kritikfähigkeit in der Rolle der
Kritikgebenden eine erforderliche Schlüsselkompetenz.</p>
          <p>Da viele unserer Studierenden weder in der
gebenden noch in der empfangenden Rolle in
ausreichendem Maße über Kritikfähigkeit verfügen, fokussieren
wir diesen Bereich im Sinne der Studierfähigkeit als
zentrale Sozialkompetenz (siehe Tabellen 6 und 7
(Mitte)). Wünschenswert im Sinne der
Studierfähigkeit wäre auch hier eine Kompetenzebene von
mindestens Stufe 4 (Analysieren), besser noch Stufe 5
(Evaluieren).</p>
          <p>Viele Studierende befinden sich hier jedoch auf
Stufe 1 (Erinnern). Beispielsweise ist zu beobachten,
dass viele Studierende auch auf angemessen
formulierte Verbesserungshinweise mit langen „Ja
aber“artigen Rechtfertigungen oder Ähnlichem reagieren.</p>
          <p>Ein Grundverständnis dafür, dass Kritik eine wertvolle
Unterstützung bei der eigenen Weiterentwicklung
darstellen kann, ist in diesen Fällen offensichtlich nicht
vorhanden. Feedback-Regeln, die insbesondere in der
Rolle des Feedback-Gebers einzuhalten sind, sind
vielen Studierenden ebenfalls nicht bekannt.</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-8-3">
        <title>Methodenkompetenz: Abstraktes Denken</title>
        <p>Viele fachliche Inhalte der Informatik befassen sich
mit Konzepten, die nicht physisch greifbar sind und
somit ein hohes Maß an abstraktem Denken erfordern.
Des Weiteren erfordert jeglicher fachliche
Kompetenzerwerb, der über rein auswendig gelerntes Wissen
hinaus geht, ein Grundmaß an Abstraktion, da bereits
für das Verstehen (Stufe 2) eines jeglichen fachlichen
Sachverhaltes dessen grundlegende
Gesetzmäßigkeiten erfasst werden müssen. Diese grundlegenden
Gesetzmäßigkeiten sind selbst bereits eine Abstraktion
konkreter Einzelbeobachtungen aus der realen Welt.
Entsprechend ist das abstrakte Denken eine weitere
Schlüsselkompetenz, die insbesondere für
informatiknahe Studiengänge von entscheidender Bedeutung
ist.</p>
        <p>Tabellen 6 und 7 (unten) definieren für das
abstrakte Denken Lernziele auf den verschiedenen
Kompetenzebenen nach der überarbeiteten
Lernzieltaxonomie von Bloom. Auch hier wäre eine Stufe 4
(Analysieren) oder sogar Stufe 5 (Evaluieren) bei den
Studierenden wünschenswert. In der Realität kennen
viele Studierende zwar relativ schnell die zentralen
Grundbegriffe der Abstraktion und verstehen deren
Bedeutung für den informatik-nahen Lernprozess.
Spätestens bei Stufe 3 (Anwenden) sind jedoch massive
Schwierigkeiten zu beobachten, beispielsweise beim
Ableiten einer Regel, eines Modells oder einer
Klassenstruktur aus konkreten Beispielen.</p>
        <p>Angesichts dieser Defizite in den grundlegenden
Schlüsselkompetenzen ist es also nicht verwunderlich,
dass Studierende Schwierigkeiten haben, diejenigen
fachlichen Kompetenzebenen zu erreichen, für die
diese Schlüsselkompetenzen zentrale Voraussetzung
sind.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>Zusammenfassung und Ausblick</title>
      <p>Durch die detaillierte Definition der fachlichen
Lernziele über die verschiedenen Kompetenzebenen
hinweg haben wir aufgeschlüsselt, was eine
softwaretechnische Fachkompetenz auf den einzelnen Ebenen der
überarbeiteten Lernzieltaxonomie von Bloom jeweils
ausmacht. Analog haben wir auch für die relevanten
überfachlichen Schlüsselkompetenzen erarbeitet,
welcher genauen Fähigkeit diese auf den jeweiligen
Kompetenzebenen entsprechen. Dadurch wurden nicht nur
die an die Studierenden gestellten fachlichen
Anforderungen klarer herausgearbeitet, sondern auch
verdeutlicht, welche Schlüsselfertigkeiten in welchem Umfang
Voraussetzung für ein erfolgreiches informatik-nahes
Studium sind.</p>
      <p>Darauf basierend können wir nun gezielt
Lehrkonzepte für Interventionen erarbeiten, die zum einen die
relevanten Schlüsselkompetenzen bis auf die
erforderlichen Ebenen hin aufbauen, und zum anderen auf
dieser Grundlage die gewünschten fachlichen
Kompetenzen in den Studierenden entwickeln. Dabei ist
zu berücksichtigen, dass die Ausgangsbasis (d. h. die
Eingangsqualifikation) der Studierenden an den
Hochschulen erfahrungsgemäß sehr heterogen ist, sowohl
fachlich als auch hinsichtlich der
Schlüsselkompetenzen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>Dank</title>
      <p>Wir bedanken uns bei Claudia Walter (DiZ Bayern) für
den Tipp, bei der Definition von Lernzielen Verben zu
verwenden, die ein von außen wahrnehmbares
Verhalten beschreiben, weil erst dadurch die definierten
Lernziele auch wirklich testbar werden. Des Weiteren
danken wir Ingrid Cavalieri (Coach am DiZ Bayern)
für die kritische Durchsicht unserer
Lernzieldefinitionen.</p>
      <p>Das Autorenteam wurde gefördert durch das BMBF
Förderkennzeichen 01PL11025 (Projekt "Für die
Zukunft gerüstet"), im Programm "Qualitätspakt Lehre".</p>
    </sec>
    <sec id="sec-11">
      <title>Literatur</title>
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    </sec>
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