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        <journal-title>LEWERENTZ, Claus ; RUST,
Heinrich: Software-Ingenieure als kompetente
Teamworker. In: Softwaretechnik-Trends</journal-title>
      </journal-title-group>
    </journal-meta>
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Juliane Siegeris und Jörn Freiheit</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin</string-name>
          <email>freiheit@htw-berlin.de</email>
          <email>siegeris@htw-berlin.de</email>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2015</year>
      </pub-date>
      <volume>21</volume>
      <issue>2001</issue>
      <fpage>40</fpage>
      <lpage>44</lpage>
      <abstract>
        <p>Der Beitrag stellt die Projektveranstaltungen des Studiengangs Informatik und Wirtschaft (für Frauen) an der HTW Berlin vor. Das Besondere bei diesen Projekten ist, dass die Studentinnen an realen Aufgabenstellungen arbeiten, die von Unternehmen gestellt und begleitet werden. Für jedes Wintersemester werden dafür zwischen 10-12 verschiedene Partner aus der Region gewonnen. Diese begleiten ein Team von etwa 5-7 Studentinnen ein Semester lang. Diese Art realer Projekte steht nicht am Ende des Studiums, sondern fordern die Studentinnen das erste Mal im dritten und dann ein weiteres Mal im fünften Semester ihres Bachelor-Studiums. Der Beitrag stellt Rahmenbedingungen und Durchführung der Projekte vor und diskutiert Vor- und Nachteile der Veranstaltung im Kontext des mono-edukativen Studienangebots.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Einleitung</title>
      <p>
        Es ist inzwischen an vielen Universitäten und
Hochschulen üblich, dass die Studierenden selbständig
Projekte bearbeiten und damit die in den fachlichen
Vorlesungen erworbenen Fähigkeiten erproben und
festigen, vgl. z.B.
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Kleuker u. Thiesing, 2011;
Lewerentz u. Rust, 2001; Liebehenschel, 2013)</xref>
        . Ein
weiteres Ziel dieser Projekte ist es, typische
Vorgehensweisen selbst anzuwenden und das Arbeiten im Team zu
erlernen. Mehr als in jeder Frontalveranstaltung
eigenen sich die Projekte dazu, neben den technischen
Fähigkeiten auch wertvolle Softskills zu trainieren.
      </p>
      <p>
        Dass solche Fähigkeiten mehr denn je gefragt sind,
lässt sich der Literatur, vgl.
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Rolf u. a., 2013;
Vigenschow u. a., 2011)</xref>
        , aber auch einer Studie, vgl.
(SIBB e.V., 2012) entnehmen. Bei dieser Umfrage,
die durch den Verband der IT- und Internetwirtschaft
in Berlin und Brandenburg (SIBB) unter 104
Unternehmen aus der ICT-Branche im Jahr 2012
durchgeführt wurde, gaben 66% der Befragten auf die Frage
„in welcher Hinsicht die Unternehmen die
Hochschulausbildung für verbesserungswürdig halten“ an, dass
„mehr Projekte unter Realbedingungen“ durchgeführt
werden sollten. Dies war somit der höchste
Verbesserungsbedarf der Industrie an die
Hochschulausbildung, noch vor bspw. „konzeptionellen Fähigkeiten“
(46%) und „modernen Technologien im Rahmen der
Fachinhalte“ (45% - Mehrfachnennungen waren
möglich). Siehe dazu auch Abbildung 1.
      </p>
      <p>Abbildung 1: Wünsche der Unternehmen an
Ausbildungsinhalte. Quelle: (SIBB e.V., 2012)</p>
      <p>Um die Studierenden neben dem Fachwissen mit
den im späteren Berufsfeld notwendigen
Schlüsselkompetenzen auszustatten, wurde bei der
Neukonzeption des Studiengangs Informatik und Wirtschaft
(für Frauen) ein besonderes Augenmerk auf die
Entwicklung von Methoden und Sozialkompetenz gelegt.
Im Curriculum wird dies durch eine größere Anzahl
von Lehrveranstaltungen deutlich, in denen die
Vermittlung von Softskills im Vordergrund steht. Ein
weiterer Schwerpunkt wird auf die Anwendung von
didaktischen Methoden gelegt, die lebendiges Lernen
unterstützen. Bei diesen Methoden steht die
Selbsterschließung von Bildungsinhalten durch die
Studierenden im Vordergrund. Die Studierenden werden zu
aktiven Lernern und die Lehrenden werden zum
LernCoach. Beispiele sind Lernteamcoaching, Hackathon
oder studentische Projekte, vgl. (Siegeris u. Krefting,
2014). In diesem Papier sollen zwei
Lehrveranstaltungen die „Projekte in der Wirtschaft“ (im 3.
Fachsemester) und die Lehrveranstaltung „Projekt“ (im
5. Fachsemester) näher betrachtet werden. Ein
Merkmal dieser Veranstaltungen ist die konsequente
Einbindung von realen Auftraggebern. Dies ist unserer
Meinung nach eine Besonderheit auch im Vergleich
zu Projektveranstaltungen anderer Studiengänge der
HTW oder anderer Hochschulen, vgl. z.B.
(Liebehenschel, 2013). Während häufig ausgedachte Szenarien
in abgewandelter Form jedes Jahr wiederverwendet
und teilweise von mehreren Teams parallel
bearbeitet werden, werden bei uns jedes Jahr 10-12
unterschiedliche Projekte mit wechselnden Auftraggebern
organisiert.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Projekte in der Wirtschaft - Verortung</title>
      <p>Die Lehrveranstaltungen „Projekte in der Wirtschaft“
und „Projekt“ gehören zum Curriculum des
Studiengangs „Informatik und Wirtschaft (für Frauen)“ der
HTW. Dieser Studiengang ist noch jung – die ersten
Studierenden wurden 2009 immatrikuliert. Als
Reaktion auf den Fachkräftemangel und die
Unterrepräsentation von Frauen in der IT-Branche wurde er als
Frauenstudiengang konzipiert.</p>
      <p>In dem Bachelorstudiengang wird den
Studentinnen durch eine Mischung aus typischen
Informatikveranstaltungen (insgesamt etwa 60 Prozent),
grundlegenden Wirtschaftsfächern (etwa 10 Prozent) und
Softskills / Englisch (etwa 10 Prozent) ein für
heutige Ansprüche des Arbeitsmarktes passendes Profil
gegeben. Eine Besonderheit ist der hohe Praxisanteil
(verbleibende 20 Prozent!) der durch explizite
Lehrveranstaltungen (Projekte in der Wirtschaft,
Exkursionen, Praktikum und Projekt) erreicht wird. Mit dem
hohen Praxisanteil sollen mehrere Ziele erreicht
werden: fachliche Kompetenzen werden selbständig
erarbeitet bzw. angewendet und überfachliche
Kompetenzen werden trainiert. Ganz nebenbei wird den
Studierenden ein möglichst realistisches Bild des
zukünftigen Arbeitsplatzes bzw. werden reale Kontakte
dorthin vermittelt.</p>
      <p>Die Veranstaltung „Projekte in der Wirtschaft“ ist
(schon) im 3. Semester des Bachelor-Studiums
angesiedelt. Bis dahin haben die Studentinnen
Grundlagen der Informatikausbildung: Programmierung I
und II (Java), Softwareengineering,
Rechnerarchitektur und Betriebssysteme, Grundlegende Konzepte der
Informatik sowie einführende Veranstaltungen der
Wirtschaft (BWL, Rechnungswesen) und Mathematik
gehört. Im 3. Semester belegen die Studentinnen u.a.
parallel Projektmanagement, Webtechnologien und
Datenbanken. Die Veranstaltung „Projekt“ im 5.
Fachsemester ist ähnlich organisiert wie die Veranstaltung
im 3. Semester. Hier bringen die Studentinnen auch
ihr Wissen aus ihrem ersten Projekt und dem
Praktikum ein.</p>
      <p>Im Rahmen der Projektveranstaltungen erhalten
die Studentinnen die Gelegenheit, reale Projekte
selbstständig durchzuführen. Das Besondere: echte
Unternehmen der Region treten dabei als
Auftraggeber auf. Die Unternehmen formulieren die
Aufgabenstellung und begleiten ein Team von 5-7
Studentinnen bei der Bearbeitung durch das ganze Semester.</p>
      <p>Die Aufgabe der Professor_innen besteht in der
Akquise der Auftraggeber - immerhin etwa 10-12
verschiedene Unternehmen pro Semester, der
Unterstützung des Teambuilding- und des
ProjektzuordnungsVerfahrens am Anfang, sowie in der eher
formalen Begleitung durch das Semester:
regelmäßige Projekleiterinnen-Sitzungen, Teilnahme an
ausgewählten Teamtreffen, Organisation von
Zwischenund Abschlusspräsentation und natürlich der
Bewertung.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Ablauf der Lehrveranstaltung – von der Akquise bis zur Bewertung</title>
      <p>Im Folgenden werden die verschiedenen Stationen
eines Projekts, von der Anbahnung bis zu Abschluss
und Bewertung, vorgestellt:</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Akquise der Unternehmen</title>
        <p>Die Unternehmen werden mit Hilfe eines
Handzettels, der die Rahmenbedingungen, den Aufwand und
die Vorteile für die Auftraggeber skizziert,
angesprochen. Sind sie interessiert, beschreiben sie ihr
Projekt in Form eines Projektsteckbriefs. In dem ca.
2seitigen Dokument beschreiben die Auftraggeber die
Ausgangssituation, sowie Projektziel und
Projektanforderungen. Bei der Beschreibung des Projektziels
legt der Auftraggeber fest, was die notwendigen und
darüber hinausgehenden wünschenswerten
Projektergebnisse sind, die für einen erfolgreichen
Projektabschluss erreicht werden sollen.</p>
        <p>Die Steckbriefe werden den Studentinnen in der
begleitenden Moodle-Umgebung zur Verfügung
gestellt.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-2">
        <title>Vorstellung der Lehrveranstaltung</title>
        <p>Im ersten Termin der Lehrveranstaltung werden die
Studentinnen auf das Projekt vorbereitet. Der
generelle Ablauf und die Bewertungskriterien werden
vorgestellt. Zudem wird auf die eventuell konfliktreiche
Arbeit im Team hingewiesen. Die Dozenten erläutern
Prinzipien im Umgang und in der Kommunikation
mit den Auftraggebern.</p>
        <p>In diesem Termin erfolgt auch die
Zusammenstellung der Teams. Dabei werden im Losverfahren
Teams gelost, die in möglichst gleicher Anzahl aus
Studentinnen des 3. und des 5. Semesters bestehen.
Außerdem werden allen Teams alle
Projektsteckbriefe zur Verfügung gestellt. Es ist jedoch zu diesem
Zeitpunkt noch nicht klar, welches Team welches Projekt
durchführen wird. Dies wird erst nach den
Auftraggeberpräsentationen ermittelt.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-3">
        <title>Auftraggeberpräsentationen</title>
        <p>Die Auftraggeberpräsentationen finden spätestens in
der zweiten Woche des Semesters statt. Dazu
kommen die Ansprechpartner der Unternehmen an die
Hochschule und präsentieren ihre Projekte in jeweils
20-minütigen Vorträgen. Die Teams stellen jeweils
Fragen zu den Projekten. Diese beinhalten sowohl
fachliche Aspekte als auch organisatorische. So wird
bspw. häufig gefragt, ob der Auftraggeber die
Präsenz des Teams im Unternehmen wünscht und wenn
ja, wie oft, wie der Auftraggeber sich die
Abstimmung mit dem Projektteam vorstellt und wie viel
Zeit der Ansprechpartner zur fachlichen
Unterstützung vorsieht. Außerdem werden eventuelle
Unterschiede zwischen der Projektbeschreibung im Vortrag
und derer im Projektsteckbrief geklärt. Die
Projektteams (die zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen,
welches Projekt sie bearbeiten werden) interessieren
sich für alle Projekte gleichermaßen und erstellen
während der Präsentationen eine Prioritätenliste der
Projekte, die sie am liebsten bearbeiten würden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-4">
        <title>Zuordnung der Projekte</title>
        <p>Die Zuordnung der Projekte findet wenige Stunden
nach den Auftraggberpräsentationen, spätestens
jedoch am folgenden Tag statt. Die Zuordnung wird
durch die Dozenten moderiert. Die Grundidee für die
Zuordnung der Projekte besteht darin zu versuchen,
dass die Teams sich die Projekte selbst aussuchen, um
eine möglichst große Motivation für die
Projektbearbeitung zu gewährleisten.</p>
        <p>In einer geheimen Wahl schreiben die Teams ihr
Wunschprojekt auf einen Zettel. Alle Projektnamen
werden nebeneinander an die Tafel geschrieben.
Unter die Projektnamen werden nach der ersten
Wahlrunde nun die Teams notiert, die sich für das
jeweilige Projekt entschieden haben. Die Projekte, für die
sich jeweils genau ein Team entschieden hat, sind
somit zugeordnet. Die Projekte, für die sich keines oder
mehrere Teams entschieden haben, stehen in einer
zweiten Runde erneut zur Wahl.</p>
        <p>An dieser zweiten Runde beteiligen sich also nur
noch die Teams, die sich zusammen mit einem oder
mehreren anderen Teams für ein gleiches Projekt
entschieden hatten. Sowohl die zweite als auch die dritte
und letzte Wahlrunde laufen nach dem gleichen
Prinzip ab wie die erste. Zwischen den Runden wird den
Studentinnen etwas Zeit für Abstimmungen im Team
oder mit anderen Teams eingeräumt.</p>
        <p>Nach der dritten Runde droht das Losverfahren.
Darin würden alle noch verfügbaren Teams den noch
verfügbaren Projekten zugelost werden. Häufig
entsteht jedoch nach der zweiten Runde die Situation,
dass sich um vielleicht drei Projekte jeweils genau
zwei Teams streiten, während drei weitere Projekte
bisher nicht gewählt wurden. Bei dem Losverfahren
nach der dritten Runde hätten diese sechs Teams
jedoch dann nur eine 1/6tel Chance, ihr
Lieblingsprojekt zu bekommen, während eine interne Wahl
zwischen jeweils zwei Teams die Chancen auf 50%
sichert. Natürlich versuchen die Teams zu vermeiden,
ein gänzlich ungewolltes Projekt zu bekommen.
Deshalb finden nach der zweiten Wahlrunde häufig
„interne“ Losrunden statt. Dieses Verfahren hat im
laufenden Durchgang sehr gut geklappt. Nach der
dritten Runde ging ein Raunen durch die Gruppe, da alle
Projekte verteilt wurden, ohne das abschließend
gelost werden musste.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-5">
        <title>Start der Projekte</title>
        <p>
          In einer Veranstaltung, die möglichst zeitnah nach
den Projektzuordnungen erfolgt, wird das
„Teambuilding“ gefördert. Dabei soll sowohl das eigene
Rollenverhalten reflektiert werden, als auch eine
Einordnung in der Gruppe gefunden werden. Angeregt
durch
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Kleuker u. Thiesing, 2011)</xref>
          verwenden wir
dafür einen Belbin-Test (Belbin, 2012) den jede
Studentin für sich absolviert. Die Ergebnisse des Tests
werden dann in der Gruppe diskutiert und nach dem
anschließenden Teamspiel nochmal reflektiert. Ziel ist
es die Rollenverteilung im Team zu unterstützen und
im besten Fall schon eine Projektleiterin zu
bestimmen. Die anonymisierten Ergebnisse der Belbin-Tests
wurden von den Professor_innen eingesammelt. Ziel
ist es die gefundenen Rollenprofile in der reinen
Frauengruppe mit Profilen aus ähnlichen aber gemischten
Projektveranstaltungen anderer Hochschulen
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Kleuker u. Thiesing, 2011)</xref>
          zu vergleichen.
        </p>
        <p>Für ein erstes Teambuilding, sowie als Basis für die
anschließende Rollen-Reflektion wird anschließend
ein spielerisches Miniprojekt durchgeführt. Dabei
geht es z.B. darum, einen möglichst hohen Turm aus
einer begrenzten Anzahl aus Spaghettis,
Marshmallows und Büroklammern zu bauen. Durch die
ungewöhnliche Aufgabe entsteht eine sehr ungezwungene
Atmosphäre, die es den Studierenden erleichtert
miteinander ins Gespräch und ins erste „produktive“
Arbeiten zu kommen und anschließend auch das
Teamverhalten zu diskutieren und zu analysieren.</p>
        <p>Zur Vorbereitung auf die eventuell
konfliktbehaftete Zusammenarbeit im Team werden die
Studentinnen gebeten, erst einzeln und dann in ihren
Gruppen Regeln zu erarbeiten, die für die
Zusammenarbeit im Team gelten sollen. Diese Teamregeln werden
auf einem gemeinsamen Plakat festgehalten und am
Ende der Lehrveranstaltung von allen
Teammitgliedern unterschrieben. Das Plakat wird abfotografiert
und als Teamvertrag in die begleitende
Moodleumgebung hochgeladen.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-6">
        <title>Durchführung der Projekte</title>
        <p>Als erste inhaltliche Aufgabe werden die Teams
aufgefordert, selbstständig das Kick-off mit ihrem
jeweiligen Auftraggeber zu organisieren und zu gestalten.
Unterstützend greift hierbei die Lehrveranstaltung
„Projektmanagement“ ein. Diese Veranstaltung ist das
ganze dritte Semester über auf die Begleitung der
Projekte ausgelegt. Die Proketmanagement-Dozentin
steht den Studentinnen durchweg als
Ansprechpartnerin für die organisatorischen Aspekte der Projekte
zur Seite.</p>
        <p>Die 10-12 Projektteams werden fachlich von allen
drei Dozent_innen des Studiengangs unterstützt.
Jedes Team ist dabei einer Professorin bzw. einem
Professor zugeordnet, welche(r) sich regelmäßig
(meisAbbildung 2: Beispiel eines Plakates mit Teamregeln
tens 14-tägig) mit den Projektleiterinnen und
zwischendurch mit einzelnen Teams trifft, um den
Projektfortschritt zu besprechen und gegebenenfalls
auch fachlich unterstützend einzugreifen. In
Vorbereitung dieser Sitzungen erstellen die Teams
Controllingberichte. In diesen Berichten wird nicht nur
über den aktuellen Status des Projektes, die
Ergebnisse der letzten, die geplanten Projektschritte für die
nächsten 14 Tage, über erkannte Risiken und
Handlungsbedarfe berichtet, sondern jede Studentin gibt
einen eigenen Arbeitsnachweis über die im Projekt
geleisteten Arbeitsstunden und die erzielten
Ergebnisse ab. Dieser Arbeitsnachweis dient auch der
Diskussion im Team über eine Gleichverteilung der
Arbeitsbelastung.</p>
        <p>Die Teams präsentieren in regelmäßigen Treffen
(mindestens 2-wöchig, häufig wöchentlich) die
Projektfortschritte den Auftraggebern und stimmen
Erreichtes und Geplantes mit ihnen ab. Diese Treffen
finden meistens bei den Auftraggebern statt. Die
Vorlesungspläne sowohl des dritten Semesters als auch
des fünften Semesters sind so angelegt, dass beide
einen gemeinsamen Tag nur für die Projekte zur
Verfügung haben.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-7">
        <title>Zwischen- und Endpräsentation</title>
        <p>Anfang Dezember, also zwei Monate nach Beginn der
Projekte, findet die Zwischenpräsentation der
Projekte an der Hochschule statt. Zu dieser
Zwischenpräsentation sind alle Teams, aber explizit nicht die
Auftraggeber eingeladen. Die Teams berichten den
Dozent_innen und den anderen Teams über den
Projektauftrag, die Zusammenarbeit mit dem
Auftraggeber, die interne Zusammenarbeit und insbesondere
über den aktuellen Projektstand und die geplanten
Arbeiten bis zum Projektende. Die Teams sind
angehalten, ihre Präsentationen so aufzubauen, als
ginge es um eine Anschlussfinanzierung ihres Projektes.
Entsprechend kritisch fallen die Nachfragen der
Dozent_innen aus, die dabei als potenzielle „business
angel“ fungieren.</p>
        <p>Die Endpräsentation findet Mitte Februar statt. Zur
Endpräsentation werden auch die Auftraggeber, die
Studentinnen des ersten Semesters des Studiengangs
sowie alle Interessierte der Hochschule eingeladen.
Die Endpräsentation besteht aus zwei Teilen.
Zunächst präsentieren sich die Teams in einem kurzen
Vortrag und erläutern ihr Projektergebnis. Der
zweite Teil hat den Charakter einer Messe. An Ständen
führen die Projektteams ihre Projektergebnisse vor.
Dazu werden Poster, Flyer und Präsentationen
erarbeitet. Die Besucher_innen können die entstandenen
Programme ausprobieren. Die Endpräsentation, die
einen ganzen Tag dauert, wird mit einer
gemeinsamen Feier für den erfolgreichen Projektabschluss
abgerundet. Nicht nur für die Studentinnen sondern
auch für die Auftraggeber stellt die Endpräsentation
einen würdigen und gelungenen Abschluss der
Projekte dar.</p>
        <p>Der Projektabschluss und die Übergabe der
Projektergebnisse von den Teams an die Auftraggeber erfolgt
meistens nochmal in individuellen Treffen zwischen
Teams und Auftraggebern.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-8">
        <title>Bewertung</title>
        <p>Die Bewertung für die Lehrveranstaltung setzt sich
aus mehreren Teilbewertungen zusammen. Zu 15%
geht die aktive Beteiligung an der Teamarbeit in die
Note ein. Diese lässt sich anhand der
Arbeitsnachweise aber auch anhand der Dokumentation in dem für
die Veranstaltung verwendeten
Projektverwaltungstool Redmine belegen. In Redmine sind alle „tasks“
hinterlegt und von wem diese bearbeitet wurden. Die
Zwischenpräsentation geht mit 10% und die
Endpräsentation mit 20% in die Note ein. Ein gemeinsamer
Ergebnisbericht, der nur die erzielten End- und
Teilergebnisse auflistet und kurz erläutert sowie die zu
erstellende Webseite über das Projekt (eine kurze Seite
nach einem vorgegebenen Template) gehen zu 15%
in die Bewertung ein. Das eigentliche
Projektergebnis wird mit 40% gewichtet. Prinzipiell erhalten die
Teammitglieder eines Teams ähnliche Noten. Es
werden jedoch Abweichungen in der Mitarbeit und der
Effektivität berücksichtigt.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-9">
        <title>Beispiele aus den letzten Jahren</title>
        <p>In den letzten vier Jahren waren folgende Firmen
bzw. öffentlichen Einrichtungen (in alphabetischer
Reihenfolge) an Projekten beteiligt: adesso AG, Bund
der Szenografen e.V., Capgemini Deutschland GmbH,
Community Impulse Initiative e.V., Computacenter,
CSC Deutschland Solutions GmbH, EAW
Relaistechnik GmbH, Exozet Berlin GmbH, Frauen
Computer Zentrum Berlin e.V., Fraunhofer IPK, HTW
Berlin, InMediasP GmbH, Kulturkosmos Müritz e.V.,
Kunsthochschule Weißensee, Lansinoh Laboratories
Inc., mikado AG, Optimal Systems GmbH, PSI, SAP,
SHe Kommunikation!, Senatsverwaltung für
Stadtentwicklung Berlin, SER, Stephanus IT GmbH,
transentis management consulting GmbH &amp; Co. KG,
TripsByTips GmbH, QMethods - Business &amp; IT Consulting.
Einige der Firmen haben inzwischen mehrere
Projekte begleitet.</p>
        <p>Projektthemen betrafen u.a. die Erstellung von
Web2.0-Seiten (Blogs, Portallösungen, Webshops)
unter Verwendung von Content Management-/
Redaktionssystemen, das Ausprobieren und Anwenden
neuer Technologien (z.B. HTML5 für die
Offlinespeicherung von Webinhalten, für die Erstellung von
eBooks und zur Verwaltung von Ressourcen)
sowie die Konzepterstellung nach
Anforderungserhebung und –analyse inklusive Prototyping. Die
Projektergebnisse wurden häufig unter Anwendung agiler
Methoden erstellt. Eine Auflistung der Auftraggeber
und ihrer Themen befindet sich unter
http://fiw.htwberlin.de/studieren/projekte/.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Motivation und Erwartungshaltung der Beteiligten</title>
      <p>Aus unterschiedlichen Gründen sind alle Beteiligten
bei der Lehrveranstaltung „Projekte in der Wirtschaft“
hoch motiviert. Auch die Erwartungshaltungen der
Einzelnen ist groß. Die Unterschiede und Gründe für
die jeweilige Motivation und die wesentlichen
Erwartungen der an der Veranstaltung Beteiligten werden
im Folgenden diskutiert.</p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>Auftraggeber</title>
        <p>Von den Auftragebern wird erwartet, dass sie eine
Projektidee entwickeln, diese in einem
vorgegebenen Steckbrief beschreiben und zu Beginn des
Semester vor Ort präsentieren. Für die Laufzeit des
Projekts muss eine Kontaktperson gestellt werden.
Diese schlüpft gegenüber den Studentinnen in die
Rolle des Auftraggebers/Kunden. Sie steht für die
Anforderungserhebung, laufende Abstimmungen während
und die Abnahme am Ende des Projekts zur
Verfügung. Der Aufwand für die Projektbegleitung ist
abhängig von der Aufgabenstellung, mindestens
sollten jedoch 3-4 Termine (Kickoff, Abstimmung der
Anforderungen, ..., Abnahme) eingeplant werden. Die
meisten Auftraggeber treffen sich mit ihrem Team
jedoch meistens 14-tägig, häufig sogar wöchentlich.
Darüber hinaus und erneut abhängig von der
Projektaufgabe sind die Firmen aufgefordert, benötigte
Arbeitsmittel (Software, Hardware, Zugänge,
Dokumentationen) bereitzustellen und auch für technische
Fragestellungen zur Verfügung zu stehen.</p>
        <p>Das Interesse der Firmen bzw. öffentlichen
Einrichtungen oder Vereine zur Beteiligung an einer solchen
Veranstaltung ist groß. Die Motivation dafür ist
verschieden. Bei den Firmen spielt sicher in erster Linie
die Suche nach geeignetem Personal eine Rolle. Die
Projekte bieten ihnen die Möglichkeit, 5-7
Studentinnen über einen längeren Zeitraum kennenzulernen.
Zudem arbeiten sich die Studentinnen in dieser Zeit
schon in ein Themenfeld des Auftraggebers ein.</p>
        <p>Selbst wenn kein fertiges Produkt erstellt wird,
bietet die Veranstaltung viel Potential, im Anschluss
weiter zusammenzuarbeiten. Die beteiligten
Studentinnen kommen aus dem dritten oder dem fünften
Fachsemester. Im vierten Semester müssen die
Studentinnen ein 17-wöchiges Praktikum ableisten. Im
sechsten Semester schreiben sie ihre Bachelorarbeit.
Beides gibt den Firmen die Möglichkeit, ausgewählte
Studentinnen weiter zu binden und an die im Projekt
erarbeiteten Ergebnisse anzuknüpfen.</p>
        <p>Eine weitere Motivation besteht darin, neue
Technologien auszuprobieren oder innovative Ideen
umzusetzen. Diese Ideen bestehen oft schon länger in
den Köpfen der Mitarbeiter, wurden aber auf Grund
des drängenden Tagesgeschäfts immer wieder
verschoben. Die Projekte bieten die Möglichkeit, mit
relativ geringem Personaleinsatz solche Ideen aus den
Schubladen zu befreien, deren Machbarkeit zu
prüfen und (prototypisch) umzusetzen. Aus einzelnen
dieser Ideen sind in den vergangenen Jahren
Produkte entstanden, die mittlerweile zum Portfolio des
Unternehmens gehören.</p>
        <p>Bei den öffentlichen Einrichtungen und Vereinen
steht das Ergebnis und dessen Einsatz im
Vordergrund. Hier sind es oft fehlende Mittel und
mangelnde IT-Kenntnisse, die durch den Einsatz von
studentischen Teams kompensiert werden sollen.</p>
        <p>Obwohl wir bei der Anbahnung der Projekte nicht
versprechen können, dass die Ergebnisse in jedem
Falle verwendbar sind, zeigt die Vergangenheit, dass
viele Projekte erfolgreich und die erarbeiteten
Ergebnisse direkt einsetzbar sind. Wenn kein fertiges Produkt
entsteht, so ist zumindest das Verständnis für die
gewünschte Lösung gewachsen und die Kosten für die
finale Umsetzung sind abschätzbar.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-5-2">
        <title>Studierende</title>
        <p>Durch die Betreuung der Veranstaltung merken wir
Professor_innen, dass anfangs (besonders bei den
Drittsemestlerinnen) der Respekt vor dem Sprung ins
teilweise noch sehr kalte Wasser groß ist. Dem
gegenüber steht eine sehr hohe Motivation, die durch
die echte Aufgabenstellung und die realen
Auftragegeber hervorgerufen wird. Sobald die Studentinnen
sich hineinknien und merken, dass Sie das Problem
verstehen und Lösungen erarbeiten können ist der
Bann gebrochen. Die Identifikation mit dem Projekt
und die Bereitschaft gemeinsam eine Lösung zu
erarbeiten ist dann sehr groß. Am Ende steht oft eine
brauchbare Lösung, vor allem aber sehr viel Stolz und
ein gewachsenes Selbstverständnis für die zukünftige
berufliche Rolle.</p>
        <p>Die Motivation, sich gegenüber Vertretern der
Wirtschaft (und somit potenziellen zukünftigen
Arbeitgebern) erfolgreich zu präsentieren, hilft den
Studentinnen den sehr hohen Arbeitsaufwand zu
absolvieren, der für die erfolgreiche Durchführung der
Projekte geleistet werden muss. Ein wöchentliches
Arbeitspensum von 20 Zeitstunden nur für die
Projekte sind keine Seltenheit bei den Studentinnen.
Gerade in Anbetracht dessen, dass sowohl im dritten als
auch im fünften Semester noch jeweils vier weitere
Veranstaltungen absolviert werden müssen, ist dieser
Aufwand nur mit einer hohen Motivation leistbar. Im
dritten Semester kommt für die Studentinnen häufig
die Erwartung hinzu, sich mit einer guten Leistung
innerhalb des Projektes für ein Praktikum (welches im
vierten Semester durchgeführt wird) empfehlen zu
können. Die Studentinnen aus dem fünften Semester
hingegen setzen nicht selten das Thema des Projektes
in ihrer Bachelorarbeit im fünften Semester fort.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-5-3">
        <title>Lehrende</title>
        <p>Wir Professor_innen erfahren eine Steigerung der
eigenen Reputation innerhalb der Hochschule
aufgrund der vielen Unternehmenskontakte und
-kooperationen. Darüber hinaus profitieren wir
und unsere anderen Lehrveranstaltungen von den
intensiven Einblicken in die unternehmerische Praxis
und in die derzeitig behandelten Themen innerhalb
der IT-Branche.</p>
        <p>Weitere Motivationen ziehen wir aus den positiven
Rückmeldungen der Studierenden, die sich häufig
begeistert darüber zeigen, bereits so früh und so
intensiv in Kontakt mit der Wirtschaft treten zu
können. Im Rahmen der Projekte findet für uns ein
interessanter Rollenwechsel weg vom Dozierenden hin
zum Lerncoach statt. In Kombination mit der starken
Einbindung der Auftraggeber wird der zu leistende
Aufwand unter Anbetracht des großen
Kompetenzgewinns für die Studentinnen vertretbar.</p>
        <p>Es muss betont werden, dass der Aufwand nur
deshalb geleistet werden kann, weil alle Professor_innen
des Studiengangs intensiv an der Organisation und
Durchführung der Projekte beteiligt sind. Dies
beginnt bei der Akquise der Auftraggeber. Eine
Aufteilung der Projekte auf die drei Professor_innen des
Studiengangs führt zu einer Betreuung von 3-4
Projekten pro Professor_in. Gerade in Anbetracht der
Vielfältigkeit der Projektthemen und einer dazu
notwendigen Einarbeitung der Professor_innen in diese
stellt dies auch die Grenze des sinnvoll Machbaren
für eine umfassende organisatorische und fachliche
Betreuung dar.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Evaluation und Adaption</title>
      <p>Die generelle Rückmeldung der Studentinnen ist
überwiegend positiv. Die Studentinnen schätzen es,
dass zuvor vermitteltes Wissen sehr schnell
angewendet wird. Auch wenn vielen Studentinnen am Anfang
des Projektes die Kenntnis über die zu verwendenden
Technologien fehlen, so erfahren sie doch während
der Projektlaufzeit, dass sie das während des
Studiums angeeignete Methodenwissen anwenden
können, um sich in neue Technologien einzuarbeiten. Die
Projekte stellen ein hervorragendes Umfeld dar,
Wissen miteinander zu verknüpfen.</p>
      <p>Neben den fachlichen Kompetenzen werden
Fähigkeiten in der Kommunikation und im Management
geschult. Beides wird von den Studentinnen sehr
geschätzt. Die Aufgabe, unter Druck in einem Team
zusammenzuarbeiten, um eine gemeinsames Ergebnis
in einer vorgegebenen Zeit zu erreichen, stellt hohe
Anforderungen an die Teamfähigkeit der
Studentinnen. Um die Studentinnen noch besser bei der
Bewältigung von Teamkonflikten zu unterstützen, wurde
bei der Umgestaltung des Curriculums die
Lehrveranstaltung Konfliktmanagement parallel zu den
Projekten geplant. Wir hoffen dass beide Veranstaltungen in
Zukunft davon profitieren: die eine durch reale und
aktuelle Beispiele, die andere durch Lösungen für die
Zusammenarbeit.</p>
      <p>Die Studentinnen empfinden das zielorientierte
Arbeiten als sehr effektiv. Dies ist allerdings auch mit
einem hohen Leistungsdruck verbunden. Der zu
leistende Aufwand wird zumindest während der
Projektlaufzeit als zu hoch empfunden. Die Identifikation
mit dem Projekt und die Bereitschaft, gemeinsam
eine Lösung zu erarbeiten ist jedoch sehr groß. Ist das
Projekt erfolgreich geschafft, ist bei den
Studentinnen viel Stolz und ein gewachsenes Selbstbewustsein
spürbar.</p>
      <sec id="sec-6-1">
        <title>Erfahrungen aus den letzten Jahren</title>
        <p>Die Lehrveranstaltungen wird jedes Jahr anonym
evaluiert. Aus den Ergebnissen lassen sich sowohl Erfolg
als auch Verbesserungsbedarf der Veranstaltungen
ableiten.</p>
        <p>Auf die Frage “Was gefällt Ihnen besonders gut
bei diesem Lehrangebot?“ äußerten die
Studentinnen u.a.: „Praktischer Bezug des Stoffes des Studiums
wird vorgestellt. Dies ist sehr motivierend. Auch regt
es dazu an Dinge zu lernen, die nicht Teil des
Studiums sind.“; „Man lernt wozu man studiert und
welchen praktischen Nutzen das Erlernte hat“;
„Teamwork unter den Studentinnen“ ; „per Selbststudium
viel gelernt“ ; „Teamfähigkeit gestärkt“ ; ...</p>
        <p>Um das Verbesserungspotential zu erkennen
werden die Studentinnen gefragt: „Was kann besser
werden?“ Darauf wurde immer wieder genannt: „bessere
Wahl der Auftraggeber“, „mehr Zeit für die
Projektarbeit während des Semesters (d.h. weniger weitere
Lehrveranstaltungen)“ und „bessere Information der
Auftraggeber über den Kenntnisstand der
Studentinnen (3. Semester!)“.</p>
        <p>Die Kritik, dass solche Veranstaltungen erst später
im Studium kommen sollten, haben wir bisher nicht
gehört. Auch die Wiederholung im 5. Semester wird
geschätzt. Mögliche Probleme werden eher erkannt
und der Umgang mit ihnen geschieht viel offensiver,
da man Fehler aus dem vorherigen Durchlauf nicht
wiederholen möchte.</p>
        <p>Aus den Erfahrungen der letzten Jahre und dem
Feedback der Studentinnen wurden bisher folgende
Änderungen vorgenommen.</p>
        <p>Wahl der Auftraggeber/Projekte: Die
Auftraggeber erhalten zu Beginn einen Handzettel, der
die Erwartungen an die Auftraggeber beschreibt,
Vorteile für die Beteiligten aufzeigt und über den
Kenntnisstand der Studentinnen sowie typische
mögliche Aufgabenstellungen informiert.
Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, Einsicht in
bestehende Steckbriefe zu erhalten.</p>
        <p>In einem Durchlauf wurde ein Projekt mehr als
nötig akquiriert. Die Idee war, dadurch etwas
Flexibilität zu gewinnen, falls ein Projekt von
niemanden gewollt wird. Davon sind wir
mittlerweile wieder abgerückt, da das Resultat nicht das
Gewünschte war. Ein unserer Meinung nach fachlich
und technologisch sehr passendes
Entwicklungsprojekt wurde zugunsten eines weniger gut
vorbereiteten Projekts abgewählt, nur weil bei
Letzterem der Auftraggeber den prominenteren
Namen hatte.</p>
        <p>Zeit für die Projekte: Der Zeitfrage wurde bei der
Neugestaltung/Reakkreditierung des
Curriculums Rechnung getragen. So wurden die Credits
für die Projektveranstaltungen von 5 Credits auf
10 Credits erhöht.</p>
        <p>Teamzusammenstellung: Insbesondere bei der
Teamzusammensetzung und bei der Zuordnung
der Projekte haben wir in den letzten Jahren
unterschiedliche Varianten ausprobiert. So
wurde in einem Jahr erlaubt, dass sich die Teams
selbständig bilden. Dies erwies sich aus mehreren
Gründen als Nachteil. Einerseits fanden sich oft
Studentinnen mit einem ähnlichen
Leistungsniveau zusammen. Dies hatte zur Folge, dass
es sehr leistungsstarke und leistungsschwache
Teams gab. Außerdem wurden verstärkt Teams
mit einem gemeinsamen Migrationshintergrund
gebildet, d.h. es gab „türkische“ und „russische“
Teams. Trotz der eigenen Wahl der
Teamzusammenstellung zeigte sich am Ende jedoch kein
geringeres Konfliktpotenzial als bei einem reinen
Losen der Teams. Vielmahr hat sich gezeigt, dass
durch Losen entstandene Teams deutlich
professioneller und formaler miteinander arbeiten.
Es hat sich für den Projekterfolg als ein großer
Vorteil erwiesen, dass Teams nun hinsichtlich
des Leistungsvermögens und hinsichtlich des
kulturellen Hintergrundes besser gemischt sind.
Ein außerordentlicher Gewinn war die
Entscheidung, die Teams auch über die Semestergrenzen
hinaus zu mischen. Früher gab es Projekte nur
für die Drittsemester und nur für die
Fünftsemester. Das hatte auch zur Folge, dass die
Auftraggeber lieber Projekte mit den Studentinnen aus dem
fünften Semester durchführen wollten und die
Projekte für die Drittsemester nicht so
anspruchsvoll waren. Die jetzige Zusammensetzung der
Teams aus jeweils gleich vielen Dritt- und
Fünftsemestern sorgt für einen besseren Austausch der
Erfahrungen unter den Studentinnen und bietet
eine unternehmensgleiche Projektstruktur von
Senior- und Junior-Projektmitarbeiterinnen.
Insbesondere aus den Erfahrungen der
Fünftsemester über die Projektorganisation und über die
Kommunikation mit dem „Kunden“ profitieren
die Studentinnen des dritten Semesters.</p>
        <p>Zuordnung der Projekte: Hier wurde bisher am
meisten experimentiert. In den ersten Jahren
durfte sich jede Studentin einzeln für ein Projekt
entscheiden. Dafür wurden alle Projektnamen
nebeneinander an die Tafel geschrieben. Auf ein
Signal hin wurden die Studentinnen gebeten nach
vorne zu kommen und ihren Namen unter das
Projekt ihrer Wahl zu schreiben. Dabei durften
einem Projekt maximal sechs Namen zugeordnet
werden.</p>
        <p>An und für sich hat diese Art der Zuordnung
gut funktioniert: die Studentinnen, die genau
wissen, in welches Projekt sie wollen, kommen sehr
zielstrebig nach vorn, um ihren Namen einem
Projekt zuzuordnen; die etwas Unentschlossenen
(und meist auch Langsameren) orientieren sich
dann daran, mit wem sie gerne
zusammenarbeiten wollen. Aufgefüllt werden die Projekte dann
durch diejenigen, die keine vorgefertigten
Prioritäten haben. Ging die Verteilung trotz des
gewählten Verfahrens nicht auf, wurde zuerst
versucht, die Einigung den Studentinnen zu
überlassen. Erst wenn dies nicht gelang, haben die
Lehrenden steuernd eingegriffen. Bewährt hatte sich
hier auch eine vorher gezogene Losnummer.
Diese konnte verglichen werden, um den Anspruch
einer Gruppe auf ein Projekt zu prüfen. Nachteil
dieses Verfahrens war die schon genannte
Homogenität der entstandenen Gruppen.</p>
        <p>Im letzten Jahr wurden die Team erstmals über
die Semestergrenzen hinweg gelost. Die
Zuordnung der Teams zu den Projekten wurde dann
den Teams überlassen, wobei allen Teams per Los
ein „Defaultprojekt“ zugeordnet wurde, welches
anschließend zurückgegeben oder getauscht
werden konnte. In diesem Jahr wurde dann erstmals
die Methode mit den drei Wahlgängen erprobt,
die (zumindest dieses Jahr) für eine allseits
akzeptierte Verteilung der Projekte gesorgt hat.
Der Mehrwert der „echten“ Projekte für die
Studentinnen ist offensichtlich. Sie gewinnen einen Einblick
in reale Aufgabenstellungen, lernen nebenbei echte
Firmen und deren Ansprechpartner kennen. Da sie
für die Bearbeitung der Projekte oft vor Ort sind,
bekommen Sie auch einen Einblick in die
Arbeitsumgebungen, typische Prozesse und die Firmenkultur. Der
eigentliche Gewinn liegt aber in der umgreifenden
Stärkung ihrer Kompetenzen. Durch die lebendige
Lernform arbeiten sie sich wie selbstverständlich in
völlig neue Themen und Technologien ein und bauen
bzw. verstärken so ihre Fach- und Sachkompetenzen.
Durch die selbstorganisierte Teamarbeit und die
echte Kunden-Auftragegber Situation werden ausserdem
Sozial und Methodenkompetenz trainiert. Die
gewonnenen Erfahrungen können sie im Anschluss sowohl
beim Studium als auch bei der Bewerbung und im
ersten Job einsetzen. Unser Fazit: Eine ähnliche
Motivation wie in den Projekten ist durch
herkömmliche Lehrveranstaltungen mit oft künstlich
arrangierten Aufgaben oder Rollenspielen nicht zu erreichen.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Literatur</title>
      <p>[SIBB e.V. 2012] SIBB E.V. - ICT &amp; DIGITAL
BUSINESS ASSOCIATION BERLIN-BRANDENBURG (Hrsg.):
Human Capital &amp; Growth-Index (HCG-Index).
Berlin: SIBB e.V. - ICT &amp; Digital Business Association
Berlin-Brandenburg, 2012
Ein Erfahrungsbericht. In: LEICHTSCHOLTEN,
Carmen (Hrsg.) ; SCHROEDER, Ulrik (Hrsg.):
Informatikkultur neu denken Konzepte für Studium und
Lehre. Wiesbaden : Springer Fachmedien, 2014, S.
127–139. – ISBN 78-3-658-06021-3</p>
    </sec>
  </body>
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    <ref-list>
      <ref id="ref1">
        <mixed-citation>
          [Vigenschow u. a. 2011] VIGENSCHOW,
          <string-name>
            <given-names>U.</given-names>
            ;
            <surname>SCHNEIDER</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>B. ; MEYROSE</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>I.</surname>
          </string-name>
          : Soft Skills für Softwareentwickler - Fragetechniken, Konfliktmanagement, Kommunikationstypen und -modelle. dpunkt.verlag,
          <year>2011</year>
        </mixed-citation>
      </ref>
    </ref-list>
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</article>