=Paper= {{Paper |id=Vol-1332/paper_13 |storemode=property |title=Koordination textbasierter synchroner Kommunikation als Kompetenz im Software Engineering |pdfUrl=https://ceur-ws.org/Vol-1332/paper_13.pdf |volume=Vol-1332 |dblpUrl=https://dblp.org/rec/conf/seuh/RaudonatHM15 }} ==Koordination textbasierter synchroner Kommunikation als Kompetenz im Software Engineering== https://ceur-ws.org/Vol-1332/paper_13.pdf
  Koordination textbasierter synchro-
  ner Kommunikation als Kompetenz
       im Software Engineering
                                            Kerstin Raudonat, Hochschule Heilbronn
                                                   kerstin.raudonat@hs-heilbronn.de
                            Dominikus Herzberg, Technische Hochschule Mittelhessen
                                                   dominikus.herzberg@mni.thm.de
                                              Nicola Marsden, Hochschule Heilbronn
                                                   nicola.marsden@hs-heilbronn.de

Zusammenfassung                                                      tenzen wie Kommunikation und die Koordination
                                                                     der Beteiligten untereinander eine Schlüsselrolle.
Kommunikation in verteilten Teams im Software
                                                                     Software-Engineering-Ausbildung sollte deshalb
Engineering ist an die Möglichkeiten medial ver-
                                                                     Fähigkeiten nicht nur auf theoretischer und techni-
mittelter Kommunikation gebunden. Für eine er-
                                                                     scher Seite, sondern auch in nicht-fachlichen Kom-
folgreiche Zusammenarbeit sind Faktoren wie die
                                                                     petenzbereichen aufbauen (Böttcher, Thurner &
Koordination der Kommunikation von Bedeutung.
                                                                     Müller, 2011).
Kompetenzen zur Kommunikation und Koordina-
                                                                         Um diesen Aufbau von Kompetenzen zur
tion gilt es auch in der Software-Engineering-
                                                                     Kommunikation und Koordination im Software
Ausbildung zu verankern. Dazu ist es notwendig,
                                                                     Engineering praxisnah und berufsbefähigend zu
entsprechende Kommunikationspraktiken zu ver-
                                                                     vermitteln, müssen zwei zentrale Entwicklungen
stehen und für die Lehre im Software Engineering
                                                                     im Bereich der Softwareentwicklung berücksichtigt
zugänglich zu machen. Hierzu wurde eine Unter-
                                                                     werden: Zum einen wird Software zunehmend in
suchung zu kommunikativen Koordinationsleis-
                                                                     weltweit verteilten Teams entwickelt, zum anderen
tungen durchgeführt, die Hinweise zu kommuni-
                                                                     finden agile Methoden der Softwareentwicklung
kativen Praktiken gibt. Unterschieden wird nach
                                                                     zunehmend Verbreitung (Boden, 2012). Dabei sind
Erfahrungen mit medialer Kommunikation in On-
                                                                     diese Entwicklungen in der Kombination durchaus
line-Rollenspielen, da Online-Rollenspielende zur
                                                                     problematisch: Agile Verfahren legen großen Wert
erfolgreichen Bewältigung von Spielinhalten in
                                                                     auf das Setzen von zeitlichen Rahmenbedingungen
Gruppen ebenfalls koordinative Leistungen in
                                                                     („time-boxing“), z.B. in Form von Sprints im
vermittelter Kommunikation erbringen müssen. So
                                                                     Scrum, aber auch in der zeitlichen Limitierung von
wird der Frage nachgegangen, wie Gruppen kom-
                                                                     einzelnen Meetings (Meyer, 2014), stellen also er-
munizieren und welche Aspekte davon erfolgreich
                                                                     höhte Anforderungen an Kommunikation unter
und für den Bereich der Softwareentwicklung
                                                                     zeitkritischen Bedingungen. Folgerichtig betonen
adaptierbar sind.
                                                                     sie die Wichtigkeit der Face-to-Face-Kommunika-
                                                                     tion und stellen dar, dass verteilte Zusammenarbeit
Einführung                                                           im Team möglichst vermieden werden sollte
Software Engineering findet aufgrund der Komple-                     (Larman & Vodde, 2010). Allerdings führen die
xität des nötigen Wissens und des Umfangs der zu                     anhaltenden Trends hin zur Globalisierung und zur
erstellenden Systeme fast ausschließlich in Teams                    Agilisierung (Hanssen, Smite & Moe, 2011) dazu,
bzw. in anderen Zusammenhängen statt, in denen                       dass agile Methoden zunehmend auch medial ver-
Kommunikation und Koordination mit anderen                           mittelt zum Einsatz kommen (Eckstein, 2013;
Personen für die erfolgreiche Erstellung des Soft-                   Hossain, Bannerman & Jeffery, 2011; Sutherland,
waresystems wichtig sind. Neben dem Beherrschen                      Viktorov, Blount & Puntikov, 2007). Um den Ent-
der Technologien und Werkzeuge für Software                          wicklungen hin zu agilen Methoden in der verteil-
Engineering spielen auch nicht-fachliche Kompe-




Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
                                                                                                                    111
ten Softwareentwicklung in die Ausbildung im            Koordination und Gruppenkommu-
Software Engineering zu integrieren, wurden be-
                                                        nikation
reits erste Ansätze für die Lehre entwickelt (z.B.
(Paasivaara, Lassenius, Damian, Raty & Schroter,        Wichtige Aspekte für gelingende Gruppenkommu-
2013), jedoch wurde die Vermittlung von Koordi-         nikation, die unter medialen Bedingungen beson-
nationskompetenz in der Lehre des Software Engi-        dere Beachtung finden, sind u.a. die Herstellung
neering dabei bisher nicht näher in den Fokus ge-       und Aufrechterhaltung von Kohärenz (im Sinne
nommen.                                                 einer inhaltlichen Verbundenheit von Aussagen),
     Beim Einsatz von agilen Methoden in der ver-       die Gewährleistung von gegenseitigem Verständnis
teilten Entwicklung zeigt sich jedoch deutlich, dass    (Grounding) und die Koordination der Kommuni-
speziell die Koordination innerhalb von und zwi-        kation. Gerade in synchroner textbasierter Kom-
schen den Teams zu den zentralen Herausforde-           munikation wie z.B. im Chat können – durch unter-
rungen gehören (Alzoubi & Gill, 2014; Schneider,        schiedliche Interaktionsgeschwindigkeit und paral-
Torkar & Gorschek, 2013). Um dieser wichtigen           lele Eingaben – Wartezeiten oder zerstückelte Dia-
Rolle von Koordination gerecht zu werden und sie        loge entstehen, die der Kohärenz abträglich sein
auch als Kompetenz im Software Engineering ver-         können. Koordination kann dies beispielsweise
mitteln zu können, soll dieser überfachliche Kom-       abmildern, indem das turn-taking strukturiert
petenzbereich näher untersucht und die unter-           wird.
schiedlichen Ausprägungen dieser Kompetenz bei              Koordination ist ein wichtiger Aspekt von Zu-
den Studierenden strukturiert werden.                   sammenarbeit und Kommunikation unter medialen
     Um diesen für die verteilte agile Softwareent-     Bedingungen (Paechter, 2001), insbesondere auch
wicklung wichtigen Kompetenzbereich mit den             in der agilen Softwareentwicklung (Pries-Heje &
dahinter stehenden Kommunikationspraktiken zu           Pries-Heje, 2011; Strode, Huff, Hope & Link, 2012).
verstehen und somit für die Lehre im Software           Der Begriff der Koordination kann sich im Bereich
Engineering zugänglich zu machen, standen fol-          der Kommunikation auf zwei Ebenen beziehen.
gende Fragen im Vordergrund:                            Einerseits bedarf der Kommunikationsprozess
                                                        selbst der Koordination (z.B. Steuerung der Spre-
1.    Welche Elemente der Koordinationskompeten-        cherwechsel), andererseits kann Koordination auch
      zen lassen sich bei der verteilten kooperativen   auf inhaltlicher Ebene stattfinden. Diese Art der
      Aufgabenbearbeitung von Studierenden unter-       Koordination kann als „the act of managing inter-
      scheiden?                                         dependencies between activities performed to
2.    Welche Unterschiede machen Erfahrungen mit        achieve a goal“ (Malone & Crowston 1990, S. 361)
      synchroner textbasierter Kommunikation im         beschrieben werden. Sie ist demnach auf die kon-
      Kontext von Online-Rollenspielen hinsichtlich     kreten Aufgaben und Ziele bezogen, die der Kom-
      der Koordinationsleistung?                        munikationssituation zugrunde liegen. Im Folgen-
                                                        den werden kommunikative Handlungen, die der
    Hierzu wurde eine Untersuchung zu kommu-            Koordination dienen, als kommunikative Koordinati-
nikativen Koordinationsleistungen bei verteilter        onsleistungen bezeichnet. Eine funktionierende
kooperativer Aufgabenbearbeitung durch Studie-          Kommunikation ist dabei Voraussetzung, um eine
rende durchgeführt. Dabei wurde zwischen Studie-        effektive Koordination aushandeln zu können.
renden mit und ohne Erfahrung in Online-                    Damit Kommunikation in verteilten Teams zu
Rollenspielen unterschieden, da entsprechende           qualitativ hochwertigen Arbeitsergebnissen führen
Koordinationskompetenzen in synchroner textba-          kann, muss zunächst das gegenseitige Verständnis
sierter Zusammenarbeit auch dort zum Tragen             der Gruppenmitglieder gewährleistet sein. Zudem
kommen und entsprechend unterschiedlich ausge-          hängt die Gruppenleistung davon ab, wie die Mit-
prägt sein können.                                      glieder die gemeinsame Arbeit im Diskurs organi-
    Im Folgenden werden zunächst grundlegende           sieren. Basierend auf Paechters (2003) Modell der
Begriffe der Koordination und Gruppenkommuni-           aufgabenbezogenen Kommunikation lassen sich
kation dargestellt und es werden Koordinationsan-       dabei verschiedene Aspekte des medial vermittel-
forderungen in Online-Rollenspielen beleuchtet.         ten Diskurses in Gruppen unterscheiden (vgl. Abb.
Dann werden die Methode und die Ergebnisse der          1): Dabei dient das Grounding, also die Veranke-
Untersuchung berichtet, abschließend werden die         rung der Kommunikation in gemeinsamem Wis-
Ergebnisse diskutiert und Implikationen für den         sen, gemeinsamen Vorannahmen und gemeinsa-
Software-Engineering-Unterricht abgeleitet.             men Werten (Clark & Brennan, 1991; Walther,
                                                        2012), als Grundlage und bietet die grundsätzliche
                                                        Möglichkeit zur Kommunikation. Darauf aufbau-
                                                        end gibt es Informationsmitteilung, Informations-
                                                        elaboration und Koordination als Kommunika-




112                                                                  Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
tionspraktiken zur verbalen Organisation der ge-             mindestens zehn Spielcharaktere der Maximalstufe
meinsamen Arbeitsprozesse. Schließlich wird der              ausgelegter Spielbereich, der besonders schwierige
Austausch und die Koordination zur Technik un-               Gegner enthält – u.a. den Bossgegner General Naz-
terschieden, wobei mit Technik an dieser Stelle die          grim. Diesen zu besiegen, ist ohne abgesprochene
für die medial vermittelte Kommunikation nötige              Taktik nicht möglich. General Nazgrim kämpft in
Technik, also beispielsweise der Chat-Client, ge-            verschiedenen Haltungen, durch die er unter-
meint ist.                                                   schiedliche Fähigkeiten nutzen kann, um den
                                                             Spielcharakteren Schaden zuzufügen. Je nach Hal-
                                                             tung darf er angegriffen werden oder nicht; daran
                                                             müssen sich alle Spielenden halten, um der Gruppe
                                                             nicht zu schaden. Alle 60 Sekunden wechselt er die
                                                             Haltung und alle 15 Sekunden nutzt er eine beson-
                                                             ders gefährliche Spezialfähigkeit, mit der die
                                                             Spielenden auf eine verabredete Weise umgehen
                                                             müssen. Zusätzlich erscheinen an vier Positionen
                                                             im Spielraum alle 45 Sekunden weitere Gegner, die
                                                             nach Absprache von festgelegten Spielenden dann
                                                             möglichst schnell eliminiert werden müssen. Je
                                                             nach Art der erscheinenden Gegner können unter-
                                                             schiedliche Spielcharaktere dafür eingeteilt werden,
                                                             die sie nach einer abgesprochenen Prioritätenliste
                                                             ausschalten. Auch müssen an verschiedenen Zeit-
   Abb. 1: Zusammenhang zwischen Grounding-
                                                             punkten einzelne Spielende den Platz bzw. die
  Prozessen, aufgabenorientierter und technischer
                                                             Aufgabe tauschen. Hinzu kommen weitere Details,
    Kommunikation und der Gruppenleistung
                                                             die an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden
               (Paechter, 2003, S.112)
                                                             können. Es wird deutlich, dass alle Beteiligten wis-
Die empirische Überprüfung des Modells zeigte,               sen müssen, welche Aktionen zu welchem Zeit-
dass in synchroner textbasierter Kommunikation               punkt notwendig sind. So ist es erforderlich, dass
insbesondere die Kohärenz zur Qualität der Ar-               die Spielenden vorab eine Taktik vereinbaren sowie
beitsergebnisse beitrug. Dagegen zeigten sich bei-           Aufgaben verteilen und sich während der Kampf-
spielsweise in Videokonferenz und Präsenztreffen             handlungen gegenseitig anweisen und absprechen.
Diskursinhalte wie Elaboration oder Koordination                 Spielende müssen diese koordinativen Anfor-
als besonders bedeutsam (Paechter, 2003).                    derungen kommunikativ mittels der zur Verfü-
                                                             gung stehenden, medialen Kommunikationsmög-
Koordinationsanforderungen in On-                            lichkeiten bewältigen. Es ist anzunehmen, dass
                                                             Spielende, die häufig in Gruppen komplexe Spiel-
line-Rollenspielen
                                                             aufgaben bewältigen bzw. dies versuchen, kom-
Im Bereich der Online-Rollenspiele sind Anforde-             munikative Praktiken zur Koordination im Rahmen
rungen an Kommunikation und Koordination zum                 medialer Kommunikation etablieren. Studierende
Teil dieselben, wie sie zuvor für die verteilten             mit Erfahrungen in Online-Rollenspielen sind also
Teams erläutert wurden. Gerade in Massively Mul-             geübt darin, eine Gruppenleistung in medial ver-
tiplayer Online Role-Playing Games (MMORPG)                  mittelter Kommunikation zu erbringen. Entspre-
wie beispielsweise World of Warcraft oder Final Fan-         chend sollen sie betrachtet werden, um Anhalts-
tasy XI sind Zusammenarbeit und Kommunikation                punkte für positive, hilfreiche Kommunikations-
wichtige Elemente, da viele Spielinhalte nur in              praktiken im Hinblick auf Koordination von syn-
Gruppen zu bewältigen sind. Zur gemeinsamen                  chroner textbasierter Gruppenkommunikation zu
und erfolgreichen Bewältigung von Spielaufgaben              identifizieren und diese für die verteilte Software-
und -anforderungen müssen Spielende zum Teil                 entwicklung zu adaptieren. Demzufolge wurden in
hohe Koordinationsleistungen erbringen. In Relati-           der Untersuchung Studierende mit und ohne Vor-
on zu einer steigenden Spieleranzahl in einer                erfahrungen in Online-Rollenspiele bei verteilter
Gruppe steigen auch die Anforderungen an die                 kooperativer Aufgabenbearbeitung im Hinblick auf
Koordination.                                                Koordination analysiert.
    Um den Umfang und die Komplexität der nöti-
gen Koordinationsleistung eines Teams zu verdeut-
lichen, soll ein Beispiel für eine solche Spielsituati-
on aus dem MMORPG World of Warcraft (Mists of
Pandaria) erläutert werden: Die Instanz Siege of
Orgrimmar ist ein zur Erscheinungszeit (2012) auf




Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
                                                                                                             113
Untersuchung zu kommunikativen                         von Stationen (z.B. Supermarkt, Bahnhof) aufzusu-
                                                       chen. Dabei waren festgelegte Wegzeiten zwischen
Koordinationsleistungen bei koope-
                                                       verschiedenen Stationen sowie Aufenthaltszeiten
rativer Aufgabenbearbeitung im Chat                    und Terminvorgaben (z.B. Abfahrtszeit eines Zu-
Anhand der im Folgenden vorgestellten Untersu-         ges) zu berücksichtigen. Es ist anzumerken, dass es
chung soll der Frage nachgegangen werden, in-          nicht nur eine mögliche Lösung gibt. Für das Auf-
wieweit sich Spielergruppen und Nichtspieler-          suchen der einzelnen Stationen entsprechend der
gruppen bei der gemeinsamen Bearbeitung einer          Vorgaben wurden Punkte verteilt, die für den Ver-
Aufgabe im Chat im Hinblick auf kommunikative          gleich der Lösungen der einzelnen Gruppen not-
Koordinationsleitungen unterscheiden und inwie-        wendig sind. Die Bearbeitungszeit für die Aufgabe
fern sie unterschiedlich erfolgreiche kommunikati-     betrug 45 Minuten.
ve Handlungsweisen wählen.
                                                       Untersuchungskategorien
Gruppen und Aufgabenstellung                           Der Vergleich der Gruppen erfolgte anhand der
Es wurden vier Untersuchungsgruppen anhand             Chat-Protokolle, die auf der Basis der Untersu-
der Bearbeitung einer kooperativen Aufgabe im          chungskategorien analysiert wurden. Hierfür wur-
Chat als medialer Kommunikationsumgebung ver-          den im Vorfeld Kategorien zur Erfassung bzw.
glichen. Zwei Gruppen entsprachen der Untersu-         Beschreibung kommunikativer Koordinationsleis-
chungsbedingung ‚Spieler‘ und bestanden aus je-        tungen erarbeitet (vgl. Abb. 2). Zusätzlich zur Zu-
weils drei Teilnehmenden, die kurz vor Ende ihres      ordnung der Kategorie wurde auch die Art der
Studiums standen bzw. dieses vor kurzem abge-          Äußerung erhoben, also ob sie verbaler Art oder
schlossen hatten und regelmäßig MMORPGs nut-           paraverbaler bzw. nonverbaler Art war. Unter pa-
zen. Dies wurde mit einem Fragebogen überprüft,        ra- und nonverbalen Äußerungen sind nichtsprach-
der ergab, dass alle Teilnehmenden der Bedingung       liche Zeichen, Symbole und verschriftlichte non-
‚Spieler‘ mehrmals pro Woche und im persönlichen       verbale Signale zusammengefasst, die im Folgen-
Schnitt mehr als zwanzig Stunden pro Woche             den als paralinguistische Ausdrucksformen bezeichnet
MMORPGs spielen. Als am häufigsten genutztes           werden.
Spiel wurde mehrheitlich ‚World of Warcraft‘ ge-
nannt. Diese beiden Gruppen werden im Folgen-
den als Spielergruppen bezeichnet. Zwei weitere
Gruppen entsprachen der Untersuchungsbedin-
gung ‚Nichtspieler‘ und bestanden ebenfalls aus
jeweils drei Teilnehmenden, die kurz vor Ende
ihres Studiums standen bzw. dieses vor kurzem
abgeschlossen hatten, die aber angaben, niemals
Online-Rollenspiele zu spielen oder gespielt zu
haben.
    Als Grundlage für die kooperative Arbeit dien-
te den Gruppen eine vorgegebene Aufgabe, die es
innerhalb einer Zeitbegrenzung zu bearbeiten galt.
Jede Chatgruppe erhielt schriftlich dieselbe Ar-
beitsanweisung, die eine kurze Einweisung zum
allgemeinen Ablauf (z.B. Bearbeitungszeit, Verweis
auf Protokollierung des Chats), die zu bearbeitende
Aufgabe sowie den Hinweis umfasste, die Aufgabe
gemeinsam zu lösen und diese Lösung schriftlich in
einem externen Dokument abzugeben. Zum einen           Abb. 2: Kategorien zur Erfassung kommunikativer
ermöglichte die externe Lösungsabgabe einen Ver-                    Koordinationsleistungen
gleich der im Chat erarbeiteten Lösung mit der
                                                       Kommunikationssteuerung: Um das Ausmaß der
schriftlich festgehaltenen. Zum anderen verdeut-
                                                       Kommunikationssteuerung – also die Anstrengun-
lichte dies den Teilnehmenden, dass sie sich auf ein
                                                       gen zur Steuerung und Aufrechterhaltung der
Ergebnis einigen müssen. So sollte verhindert wer-
                                                       Kommunikation – zu erfassen, dienten die Katego-
den, dass das Gespräch im Chat sich zu einer ziel-
                                                       rien ‚Ansprache’ und ‚Bestätigung’. Zu ‚Ansprache’
und ergebnislosen Diskussion entwickelt, die mit
                                                       sind Äußerungen zu zählen, die einen Sprecher-
dem Ende der Bearbeitungszeit einfach abgebro-
                                                       wechsel vorbereiten, indem beispielsweise eine
chen wird. Die zu bearbeitende Aufgabe war eine
                                                       Person namentlich angesprochen wird. Die Katego-
Postkorbaufgabe, die darin bestand, innerhalb einer
                                                       rie ‚Bestätigung’ umfasst Aussagen, die – im Unter-
bestimmten Zeitspanne eine vorgegebene Anzahl




114                                                                 Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
schied zu einer inhaltlichen Zustimmung – ledig-             auf Implikationen für die Vermittlung von Koordi-
lich eine einfache Bestätigung darstellen. Die Spre-         nationskompetenzen bei der verteilten kooperati-
cher machen auf diese Weise deutlich, dass sie eine          ven Aufgabenbearbeitung im Software Engineering
Aussage eines anderen Sprechers zur Kenntnis                 diskutiert. Vorab ist anzumerken, dass bei der Ana-
genommen haben, ohne diese zu bewerten oder ihr              lyse zwischen den Begriffen ‚Meldung’ und ‚Aus-
inhaltlich zuzustimmen. In der Face-to-Face-                 sage’ unterschieden wurde. Meldungen sind sepa-
Kommunikation kann diese Art der Bestätigung                 rat gesendete Beiträge der Teilnehmenden, die im
beispielsweise einem Nicken oder einem gemur-                Chat-Fenster als Einheiten erscheinen. Eine Mel-
melten „hmm“ entsprechen, das dem Gegenüber                  dung kann jedoch mehrere Aussagen beinhalten:
Aufmerksamkeit signalisiert.                                 Aussagen sind als Sinneinheiten zu verstehen, die
    Aufgabenorientierte Koordination: Zur Erfassung          einzelne Wörter, Wortgruppen oder Satzgefüge
aufgabenorientierter Koordination dienten die Ka-            umfassen können. Diese Aussagen stellen als Ko-
tegorien ‚Zielorientierung’ und ‚Erfolgskontrolle’.          diereinheiten die Grundlage der Kategorisierung
Zu ‚Zielorientierung’ zählen Äußerungen, die di-             dar. Die Summe der nach Kategorien kodierten
rekt auf die Aufgabenstellung und deren Vorgaben             Aussagen und der nicht zu kategorisierenden Aus-
zurückverweisen und so eine zielorientierte Ge-              sagen stellt als Gesamtzahl aller erfassten Aussagen
sprächsführung unterstützen. Die Kategorie ‚Er-              den Bezugswert für die Berechnung der relativen
folgskontrolle’ umfasst dagegen Aussagen, die eine           Häufigkeiten. So lässt sich eine Relation zwischen
Überprüfung von Vorschlägen und Zwischener-                  den jeweiligen Häufigkeiten in bestimmten Katego-
gebnissen betrifft. Zur Feststellung der Aufga-              rien und der tatsächlichen Anzahl an getroffenen
benorientierung in einer Gruppe wird zudem                   Aussagen im gesamten Gespräch der jeweiligen
grundsätzlich eine Kategorie ‚Inhalt’ benötigt. Die-         Gruppen herstellen. Die entsprechenden Rahmen-
se dient allerdings nicht der Erfassung von kom-             daten sind in Abb. 3 dargestellt.
munikativen Koordinationsleistungen und ist da-
her in Abb. 2 nicht dargestellt. Sie trägt im Sinne                                                        115
einer Zusatzinformation der Verdeutlichung bei,              Meldungen
                                                                                                   105
wie viele der Beiträge der Darstellung von Inhalten
dienen, ohne jedoch eine koordinierende Funktion               erfasste                                      237
                                                              Aussagen                             228
zu besitzen.
    Koordination der kooperativen Arbeit: Neben                           Spieler   Nichtspieler
Kommunikationssteuerung und Aufgabenorientie-
rung ist für die Arbeit in Gruppen von Bedeutung,              Abb. 3: Gesamtanzahl der Meldungen und der
inwieweit echte Kooperation stattfindet – also in-                          erfassten Aussagen
wieweit alle Gruppenmitglieder in den Arbeitspro-
zess einbezogen werden, der Ablauf organisiert               Bei den Spielern ergab sich eine durchschnittlich
wird und das Ergebnis ein gemeinsames ist. Um                höhere Anzahl an erfassten Aussagen (176) als bei
die Anstrengungen zur Verwirklichung von Ko-                 den Nichtspielern (105). Nach Auswertung der
operation und Gemeinschaftlichkeit erfassen zu               Lösungen verzeichneten die Spielergruppen auch
können, dienten die Kategorien ‚Bearbeitungsab-              einen im Schnitt höheren Punktwert (115 Punkte)
lauf’, ‚Beitragssicherung’, ‚Beteiligungssicherstel-         als die Nichtspielergruppen (88 Punkte).
lung’ und ‚Zustimmung’. Zu ‚Bearbeitungsablauf’                  Die folgend dargestellte Auswertung be-
sind Aussagen zum allgemeinen Ablauf der Auf-                schränkt sich auf die Darstellung der relativen
gabenbearbeitung zu zählen wie beispielsweise die            Häufigkeiten (prozentuale Anteile) und der Mit-
Festlegung eines Schriftführers, der das Ergebnis            telwerte. Aufgrund des geringen Umfangs dieser
festhält. Unter ‚Beitragssicherung’ sind Zusammen-           exemplarischen Untersuchung (zwei Gruppen pro
fassungen bisheriger Ergebnisse einzuordnen. Die             Untersuchungsbedingung) sind weitere statistische
Kategorie ‚Beteiligungssicherstellung’ umfasst               Berechnungen nicht zweckmäßig. Folglich kann
Aussagen, die dazu dienen, andere Gruppenmit-                hier die Signifikanz auftretender Unterschiede zwi-
glieder einzubeziehen bzw. sicherzustellen, dass             schen den einzelnen Gruppen nicht bewertet wer-
alle Mitglieder sich beteiligen und dem Verlauf              den, aber es können interessante Hinweise und
folgen können. ‚Zustimmung’ beinhaltet Aussagen,             Tendenzen aufgezeigt werden.
die eine Zustimmung auf inhaltlicher Ebene aus-
drücken wie beispielsweise die Annahme von Vor-              Sprecherwechsel und Kohärenz
schlägen.                                                    Um Aussagen bezüglich der Kohärenz treffen zu
                                                             können, wurde die Häufigkeit der kohärenten und
Ergebnisse                                                   nichtkohärenten Sprecherwechsel erfasst. In diesem
Im Folgenden werden die Ergebnisse der Untersu-              speziellen Fall beziehen sich die relativen Häufig-
chung vorgestellt und anschließend im Hinblick               keiten auf die Summe aller Sprecherwechsel. Als




Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
                                                                                                             115
kohärent wurde ein Sprecherwechsel betrachtet,                anzuziehen. Abb. 5 stellt die relativen Häufigkeiten
wenn aufeinanderfolgende Aussagen inhaltlich                  bezüglich dieser Kategorien dar.
zusammenhängend waren – unter Beachtung der
Möglichkeit, dass aufgrund von unterschiedlichen                                           1,3 %
                                                               Ansprache
Schreibgeschwindigkeiten kleine Verschiebungen                                                                         4,2 %
bzw. Unterbrechungen auftreten können. Abb. 4
stellt die kohärenten und nichtkohärenten Anteile                                                                                   5,4 %
                                                              Bestätigung
                                                                                                                                   5,3 %
der Sprecherwechsel dar.
                                                                                 Spieler     Nichtspieler

      Spieler                       98,3 %            1,7 %
                                                                         Abb. 5: Kommunikationssteuerung
Nichtspieler               64,6 %            35,4 %
                kohärent    nichtkohärent                     In der Kategorie ‚Ansprache’ weisen die Spieler-
                                                              gruppen prozentual weniger Aussagen auf als die
 Abb. 4: Kohärente und nichtkohärente Sprecher-               Nichtspieler (1,3% gegen 4,2%), in der Kategorie
                    wechsel                                   ‚Bestätigung‘ dagegen nur geringfügig. Bezüglich
                                                              der Spielergruppen ist festzustellen, dass sie im
     Bezüglich der Kohärenz beim Sprecherwechsel              Durchschnitt mehr Aussagen in der Kategorie ‚Be-
sind bei den untersuchten Gruppen deutliche Un-               stätigung’ aufweisen als in der Kategorie ‚Anspra-
terschiede festzustellen. Die Nichtspielergruppen             che’. Das Bestätigen scheint für die Spieler somit
haben deutlich mehr nichtkohärente Sprecher-                  von größerer Bedeutung zu sein als die direkte
wechsel zu verzeichnen als die Spielergruppen                 Ansprache anderer Gruppenmitglieder. Bei den
(35,4% gegen 1,7%). Offensichtlich gab es in den              Nichtspielergruppen gibt es hier kaum eine Ten-
Nichtspielergruppen deutlich mehr Probleme bei                denz. Der in allen Gruppen relativ niedrige Anteil
der Herstellung und Aufrechterhaltung der Kohä-               an Aussagen zur Kommunikationssteuerung kann
renz als in den Spielergruppen. Wie zuvor erläu-              verschiedene Gründe haben: Entweder die Kom-
tert, hat die konversationale Kohärenz Einfluss auf           munikation verlief derart, dass explizite Aussagen
die Grounding-Prozesse, die für eine effektive Zu-            zur Steuerung nicht notwendig waren, oder die
sammenarbeit in Gruppen von Bedeutung sind.                   Kommunikanten nutzten diese Möglichkeit nicht –
Zudem hängen die Koordination der gemeinsamen                 obwohl notwendig. Setzt man diese Ergebnisse in
Arbeit und die Lösungsfindung in einer Gruppe                 Zusammenhang zu den Ergebnissen zur Kohärenz,
wesentlich von der Kohärenz des Diskurses ab. Es              ist anzunehmen, dass die Spieler nicht auf explizite
stellt sich die Frage, worin dieser deutliche Unter-          Steuerung angewiesen waren, da im Grunde keine
schied begründet ist.                                         Kohärenzprobleme auftraten. Bei den Nichtspielern
     Die qualitative Analyse der Beiträge zeigt, dass         dagegen zeigten sich einige Schwierigkeiten bei der
sich die Gespräche der Spielergruppen ohne                    Aufrechterhaltung der Kohärenz, die Eingriffe in
Schwierigkeiten nachvollziehen lassen: Auf Aussa-             Form von steuernden Aussagen erfordert hätten.
gen folgen Reaktionen, Denkprozesse und Anmer-
kungen werden verbalisiert. Bei den Nichtspieler-             Aufgabenorientierte Koordination
gruppen dagegen werden häufiger Aussagen nicht                Zur Erfassung aufgabenorientierter Koordination
beantwortet, vielleicht nicht einmal wahrgenom-               dienen die Kategorien ‚Zielorientierung’ und ‚Er-
men, die Aussagen haben oftmals keinen direkten               folgskontrolle’. Eine zusätzliche Informationsquelle
Bezug zueinander und enthalten Gedankensprün-                 stellt die Kategorie ‚Inhalt’ dar, die zur Beschrei-
ge. Hier fehlen offensichtlich Verbalisierungen und           bung der rein inhaltlichen Aufgabenorientierung
es ist zu vermuten, dass nicht jeder Aussage Auf-             dient. Abb. 6 stellt die relativen Häufigkeiten be-
merksamkeit geschenkt wurde; dies mag auch an                 züglich dieser Kategorien dar.
unterschiedlichen Interaktionsgeschwindigkeiten
liegen. Es zeigt sich auf jeden Fall die Bedeutung                                      5,1 %
                                                              Zielorientierung
der kontinuierlichen Verbalisierung und Überprü-                                      3,8 %
fung des aktuellen Standes im Chat, da Teilneh-
                                                                                                   12 %
mende hier eben nicht einfach nebenher zuhören                Erfolgskontrolle
                                                                                       4,5 %
können wie es z.B. in einer Face-to-Face-Interaktion
möglich ist.                                                            Inhalt
                                                                                                                        28 %
                                                                                                                                  35,1 %
Kommunikationssteuerung
                                                                                   Spieler      Nichtspieler
Zur Erfassung der Anstrengungen zur Steuerung
und Aufrechterhaltung der Kommunikation sind
                                                                    Abb. 6: Aufgabenorientierte Koordination
die Kategorien ‚Ansprache’ und ‚Bestätigung’ her-




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In der Kategorie ‚Zielorientierung’ unterscheiden                            geringfügige Unterschiede auf (Spieler: 3,7%,
sich die Spielergruppen kaum von den Nichtspie-                              Nichtspieler: 3,5%). In der Kategorie ‚Zustimmung’
lergruppen. In der Kategorie ‚Erfolgskontrolle’                              ist bezüglich der durchschnittlichen Werte zwi-
dagegen weisen die Spielergruppen einen deutlich                             schen den Spielergruppen und den Nichtspieler-
höheren Anteil an Aussagen auf als die Nichtspie-                            gruppen ein Unterschied feststellbar (Spieler:
lergruppen (12% gegen 4,5%). Der niedrige Anteil                             14,4%; Nichtspieler: 11,7%). Jedoch differieren die
der Nichtspielergruppen verweist darauf, dass nur                            individuellen Werte innerhalb der Spielergruppen
wenige Aussagen getätigt wurden, die der Über-                               und innerhalb der Nichtspielergruppen so stark,
prüfung der angeführten Inhalte oder Vorschläge                              dass diese Mittelwerte wenig aussagekräftig sind.
dienten. Der vergleichsweise hohe Anteil bei den                             Besonders auffällig ist der geringe Anteil an Aus-
Spielergruppen weist dagegen darauf hin, dass in                             sagen einer der Nichtspielergruppen (4,1%). Wäh-
diesen Gruppen begleitende Überprüfungen be-                                 rend in den anderen Gruppen deutlich häufiger
ständiger Teil des Arbeitsprozesses waren. In der                            Zustimmung auf inhaltlicher Ebene geäußert wur-
zusätzlichen Kategorie ‚Inhalt’ ist die Höhe der                             de, was darauf hinweist, dass innerhalb dieser
Anteile an entsprechenden Aussagen bei den                                   Gruppen eine recht hohe Einigkeit herrschte,
Nichtspielergruppen recht ähnlich; durchschnitt-                             scheint in dieser Gruppe eher keine Einigkeit zu
lich beinhaltet ungefähr ein Drittel der Aussagen                            herrschen. Dies kann z.B. daran liegen, dass Vor-
Ausführungen auf rein inhaltlicher Ebene. Also                               schläge aufgrund der zuvor erwähnten Kohärenz-
kann davon ausgegangen werden, dass die inhaltli-                            probleme gar nicht verstanden wurden.
che Aufgabenorientierung der Gruppen gut ausge-                                  Die Erfassung doppelter Bestätigungen/Zustim-
prägt war und das Gespräch nicht dauerhaft vom                               mungen ermöglicht in diesem Zusammenhang
Thema der Aufgabe abschweifte.                                               weitere Aussagen. Abb. 8 stellt die Anteile doppel-
                                                                             ter Bestätigungen/Zustimmungen und die Anteile
Koordination der kooperativen Arbeit                                         einzelner Bestätigungen und einzelner Zustim-
Zur Beurteilung der Anstrengungen zur Verwirkli-                             mungen bezogen auf die Gesamtanzahl aller Aus-
chung von Kooperation und Gemeinschaftlichkeit,                              sagen in den Kategorien ‚Zustimmung’ und ‚Bestä-
sind die Aussagen in den Kategorien ‚Bearbei-                                tigung’ dar.
tungsablauf’, ‚Beitragssicherung’, ‚Beteiligungssi-
cherstellung’ und ‚Zustimmung’ von Interesse. Die
                                                                                 Spieler              55,2 %            44,9 %
relativen Häufigkeiten bezüglich dieser Kategorien
sind in Abb. 7 dargestellt.                                                  Nichtspieler                      82,8 %            17,2 %

                                                                                            einzeln      doppelt
                                                        9,4 %
       Bearbeitungsablauf
                                                       8,8 %                   Abb. 8: Doppelte Bestätigungen/Zustimmungen

        Beitragssicherung
                                                      8,5 %                  Bezüglich der doppelten Bestätigung ist zwischen
                                    1,7 %                                    den Spielergruppen und Nichtspielergruppen ein
                                                                             markanter Unterschied festzustellen. In den Spie-
                                         3,7 %
Beteiligungssicherstellung
                                         3,5 %
                                                                             lergruppen wurden deutlich mehr Bestätigungen
                                                                             und Zustimmungen im Zusammenhang mit einer
               Zustimmung
                                                                    14,2 %   doppelten Bestätigung/Zustimmung gemacht als in
                                                              11,7 %         den Nichtspielergruppen (Spieler: 44,9%; Nicht-
                                   Spieler     Nichtspieler                  spieler: 17,2%). Dies unterstützt die vorangegangen
                                                                             Ausführungen bezüglich der Einigkeit in den
    Abb. 7: Koordination der kooperativen Arbeit                             Gruppen und kann als Hinweis darauf betrachtet
                                                                             werden, dass die Mitglieder der Spielergruppen
In der Kategorie ‚Bearbeitungsablauf’ unterschei-                            Lösungen erarbeiteten, die tatsächlich auf der Zu-
den sich die Spielergruppen im Durchschnitt der                              stimmung und dem Verständnis aller drei Beteilig-
prozentualen Anteile kaum von den Nichtspieler-                              ten basierten, während die Mitglieder der Nicht-
gruppen (9,4% gegen 8,8%). In der Kategorie ‚Bei-                            spielergruppen eher abwechselnd bestätigten und
tragssicherung’ übersteigen die Anteile entspre-                             so nicht erkennbar ist, ob das jeweils dritte Mitglied
chender Aussagen in den Spielergruppen die An-                               ebenfalls einverstanden war bzw. eine Äußerung
teile in den Nichtspielergruppen dagegen deutlich                            überhaupt wahrgenommen und verstanden hat.
(8,5% gegen 1,7%). Die hohen Anteile in den Spie-
lergruppen weisen darauf hin, dass das Zusam-                                Anmerkung zu paralinguistischen Ausdrucks-
menfassen von (Zwischen-)Ergebnissen für die                                 formen
Spieler ein fortlaufender Bestandteil des Arbeits-                           Bezüglich des Einsatzes paralinguistischer Aus-
prozesses war. In der Kategorie ‚Beteiligungssi-                             drucksformen ist Folgendes festzuhalten: Die Spie-
cherstellung’ wiederum weisen die Gruppen nur                                lergruppen nutzten deutlich mehr entsprechende




Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
                                                                                                                                    117
Ausdrücke als die Nichtspielergruppen, die insge-      wurde. Das jeweilige Endergebnis in dem externen
samt nur drei solche Ausdrücke zu verzeichnen          Dokument entsprach bei beiden Gruppen den Aus-
hatten. Die Spieler nutzten offensichtlich die para-   führungen im Chat.
linguistischen Ausdrücke insbesondere zum Aus-             Der Verlauf der Gruppenarbeit in den beiden
druck oder zur Unterstützung des Gesprächsklimas       Nichtspielergruppen war dagegen sehr unter-
sowie zur einfachen Bestätigung. Dies ist mit gän-     schiedlich. Nur eine Nichtspielergruppe bestimmte
gigem Verhalten in Face-to-Face-Situationen ver-       anfangs einen Schriftführer. Diese Gruppe kam
gleichbar: Nonverbale Signale dienen häufig der        recht schnell zu einer Lösung, die allerdings – nach
Modulation des Klimas oder der Bestätigung im          einer etwas längeren und stillen Denkpause – auf
Sinne einer Demonstration von Aufmerksamkeit.          dem Komplettlösungsvorschlag eines Gruppen-
Die Nichtspielergruppen dagegen nutzten diese          mitgliedes basierte. Das Endergebnis dieser Grup-
Ausdrucksmöglichkeiten fast nicht. Dies kann ei-       pe wurde anscheinend von allen so verstanden und
nerseits damit erklärt werden, dass das entspre-       akzeptiert; auch die Darstellung des Ergebnisses in
chende Wissen um den Einsatz solcher Ausdrucks-        dem externen Dokument entsprach den Ausfüh-
formen bei den Nichtspielern nicht vorhanden oder      rungen im Chat. In der anderen Nichtspielergruppe
gering ausgeprägt war. Andererseits mag dies mit       dagegen waren die anfänglichen Aussagen zur
einem mangelnden Bewusstsein darüber zusam-            Bestimmung eines Schriftführers nicht eindeutig.
menhängen, dass über ein Medium kommuniziert           Auch in dieser Gruppe gab es eine einzelne Person,
wird, das die Verschriftlichung nonverbaler Signale    die viele inhaltliche Aussagen und Teillösungsvor-
erfordert, sodass die Wirkung entsprechender           schläge einbrachte. Diese waren für die anderen
Ausdrücke nicht erkannt wurde. So mag beispiels-       Gruppenmitglieder anscheinend aber nicht nach-
weise nicht erkannt worden sein, dass fehlende         vollziehbar, da wiederholt Bemerkungen gemacht
nonverbale Signale in Kombination mit einer ver-       wurden, die das jeweilige Unverständnis ausdrück-
kürzten Ausdruckweise eine von der Intention des       ten. Diese einzelne Person gestaltete letztendlich
Sprechers abweichende Interpretation seitens der       die Lösung alleine und gab sie als Endergebnis der
Adressaten begünstigen.                                Gruppe in einem externen Dokument ab. Die ande-
                                                       ren beiden Gruppenmitglieder schienen nicht zu
Arbeitsprozess                                         wissen, wie diese Lösung aussah. Die Darstellung
Wie bereits angemerkt, deuten die Ergebnisse auf       der Lösung in dem externen Dokument ist beim
Unterschiede im Arbeitsprozess zwischen den Spie-      Vergleich mit dem entsprechenden Chat-Protokoll
lergruppen und den Nichtspielergruppen hin. Ins-       nicht nachvollziehbar, da sie von den Ausführun-
besondere in den Kategorien ‚Erfolgskontrolle’ und     gen im Chat stark abweicht.
‚Beitragssicherung’ weisen die Spielergruppen              Die Ausführungen zeigen, dass die Arbeitswei-
deutlich höhere Anteile an Aussagen auf. Typische      se der Spielergruppen stark von der Arbeitsweise
Elemente des Arbeitsprozesses in den Spielergrup-      der Nichtspielergruppen abweicht. Interessant ist
pen scheinen also das begleitende Überprüfen und       insbesondere, dass die beiden Spielergruppen un-
Kontrollieren von Angaben sowie wiederholtes           abhängig voneinander eine sehr ähnliche Verfah-
Festhalten von (Zwischen-) Ergebnissen zu sein.        rensweise wählten.
Bezüglich des Prozessergebnisses kann aufgrund
der hohen Anteile an doppelten Bestätigun-             Diskussion der Ergebnisse im Hin-
gen/Zustimmungen zudem davon ausgegangen
werden, dass die Lösungen der Spielergruppen auf       blick auf Adaptionspotenzial für
der Zustimmung und dem Verständnis aller drei          Softwareentwicklungsteams
Beteiligten basieren.                                  Ausgangspunkt der Überlegungen war die Frage-
    Um weitere Unterschiede zu verdeutlichen, soll     stellung, wie sich die Koordination als für agile
im Folgenden kurz – im Sinne einer qualitativen        verteilte Softwareentwicklung wichtiger Kompe-
Auseinandersetzung mit dem Material – der Ver-         tenzbereich strukturieren lässt, um sie in der Soft-
lauf der Gruppenarbeiten dargestellt werden: Beide     ware-Engineering-Ausbildung lehren zu können.
Spielergruppen bestimmten zu Anfang einen              Dabei stand die Frage nach den Elementen der
Schriftführer, der das Gruppenergebnis in einem        Koordinationskompetenz und möglichen Unter-
externen Dokument festhalten sollte. Die Gruppen       schieden bei Studierenden mit und ohne Erfahrung
erarbeiteten die Lösungen schrittweise unter Ein-      mit Online-Rollenspielen im Vordergrund.
bezug aller Gruppenmitglieder. Prozessbegleitend            Hinsichtlich der Elemente der Koordinations-
wurden immer wieder Überprüfungen und Zu-              kompetenz bei der verteilten kooperativen Aufga-
sammenfassungen von Zwischenergebnissen vor-           benbearbeitung mit zeitlichen Restriktionen zeigte
genommen. Zudem ist deutlich, dass alle Grup-          sich, dass folgende kommunikative Praktiken ziel-
penmitglieder den Stand der endgültigen Gruppen-       führend und hilfreich waren:
lösung kennen, der als Endergebnis abgegeben




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    Eine direkte Ansprache der Teammitglieder                Hinblick auf erfolgreiche Kommunikationsprakti-
(z.B. durch Namensnennung) ist insbesondere bei              ken zu analysieren. Dabei ist von Bedeutung, dass
Kohärenzproblemen hilfreich, um diesen entge-                es sich tatsächlich um verteilt arbeitende Teams
genzuwirken. Ein entsprechendes Problem muss                 handelt, beispielsweise durch die Zusammenarbeit
allerdings zunächst als solches von den Teilneh-             mehrerer Hochschulen. Eine Simulation – bei-
menden erkannt werden. Für die Vermittlung ko-               spielsweise durch bloßes Verteilen auf verschiede-
ordinativer Kompetenzen ist eine Sensibilisierung            ne Räume – schmälert die Lernerfahrung erheblich
der Studierenden für diese Problematik sinnvoll.             (Kasparek & Marsden, 2007). Hilfreich könnte es
Sie sollten lernen, dass sie neben der eigenen Teil-         auch sein, bei der Zusammensetzung der Teams
nahme auch genau auf den Verlauf achten müssen               darauf zu achten, dass Diversität in den Teams
und unzusammenhängende Aussagen direkt an-                   auch hinsichtlich der Erfahrung mit Online-
sprechen und klären sollten.                                 Rollenspielen gegeben ist. Im Idealfall können diese
    Eine regelmäßige Verbalisierung von Zwi-                 Vorerfahrungen dazu führen, dass durch das Von-
schenergebnissen ist wichtig für den Verlauf der             einanderlernen der Studierenden mit unterschiedli-
Diskussion. Dies gewährleistet, dass alle Teilneh-           chem Kompetenzstand innerhalb der Gruppen der
menden auf demselben Stand sind und ermöglicht               Lernprozess beschleunigt wird.
zugleich einen Abgleich bzw. eine Überprüfung                     Bezogen auf die Unterschiede durch vorherige
des Standes. Dies ist auch eine Gelegenheit, Miss-           Erfahrungen mit synchroner textbasierter Kommu-
verständnisse zu erkennen und zu klären.                     nikation im Kontext von Online-Rollenspielen hin-
    Die Wahrnehmung von Vorschlägen und Aus-                 sichtlich der Koordinationsleistung zeigte sich, dass
sagen sollte textuell kenntlich gemacht werden. Da           die Studierenden mit entsprechender Vorerfahrung
der Körper als Zeichenträger fehlt, kann beispiels-          mit ihren Kommunikationsweisen insgesamt er-
weise Aufmerksamkeit nicht durch ein Nicken o.ä.             folgreicher waren als die Studierenden, die keine
ausgedrückt werden. Es ist wichtig, Studierenden             Erfahrung mit Online-Rollenspielen hatten. Im
dies bewusst zu machen, insbesondere wenn keine              Kontext der Lehre von virtueller Zusammenarbeit
oder kaum Vorerfahrungen vorhanden sind. Ent-                ist es ausgesprochen instruktiv, dass die spielerfah-
sprechend sollte Aussagen und Vorschlägen von                renen Studierenden im Rahmen der Aufgabenbe-
allen Beteiligten explizit zugestimmt oder diese             arbeitung rein quantitativ deutlich mehr Aussagen
explizit abgelehnt werden; das zeigt sich beispiels-         machen als nicht-spielerfahrene Studierende. Die-
weise an der Bedeutung und Nutzung doppelter                 ses Ergebnis deckt sich mit Beobachtungen aus
Zustimmungen in der Spielergruppen der Untersu-              Lehrveranstaltungen zur computervermittelten
chung. Nur so kann sichergestellt werden, dass               Kommunikation und zur verteilten Zusammenar-
tatsächlich alle Teilnehmenden beteiligt sind und            beit im Studiengang Software Engineering an der
z.B. eine Entscheidung mittragen. Auch zeigen                Hochschule Heilbronn (Kasparek & Marsden, 2007;
mehrfache Bestätigungen, dass individuelle Bereit-           Marsden, 2012a, 2012b, 2013a, 2013b): Hier hat sich
schaft der einzelnen Teilnehmenden da ist, den               in der qualitativen Analyse der Logfiles der Beiträ-
Arbeitsprozess mitzugestalten und Verantwortung              ge der Studierenden zur Benotung immer wieder
zu übernehmen. Zugleich stärkt diese Praktik die             gezeigt, dass es eine hohe Korrelation der Quantität
Kohärenz des Gesprächs und trägt zur Klärung des             der Meldungen mit der Qualität des Beitrages der
aktuellen Stands in der Gruppe bei.                          einzelnen Studentin bzw. des Studenten gibt: Je
    In der Lehre gilt es hier, dieses Wissen nicht           aktiver sich die Studierenden an der textbasierten
nur kognitiv zu vermitteln, sondern entsprechende            synchronen Kommunikation beteiligen, umso kon-
Lernbühnen zu schaffen, um diese Notwendigkeit               struktiver ist ihr Beitrag zur Koordination der
zur Verbalisierung erfahrbar zu machen und zu                Gruppe und zum Gruppenergebnis.
motivieren (Herzberg & Marsden, 2005; Marsden,
2008, 2009; Marsden & Connolly, 2010). So kann –             Fazit
und sollte – beispielsweise das Wissen dahinge-
                                                             Angesichts des Erfolgskurses der agilen Program-
hend, dass in der medial vermittelten Kommunika-
                                                             miermethoden auf der einen und der Globalisie-
tion die Verschriftlichung nonverbaler Signale eine
                                                             rung der Softwareentwicklung auf der anderen
wichtige Kommunikationspraktik ist, auch als the-
                                                             Seite ist es wichtiger als je zuvor, den Aufbau von
oretisch Wissen vermittelt werden. Doch nur in-
                                                             Kompetenzen zur Kommunikation und Koordina-
dem dieses Wissen um eine Kommunikationsprak-
                                                             tion im Software Engineering praxisnah und be-
tik in einer Situation praktisch geübt und idealer-
                                                             rufsbefähigend zu vermitteln.
weise emotional verankert wird, kann sie den Stu-
                                                                  Die hier untersuchten Kommunikationsprakti-
dierenden nachhaltig vermittelt werden.
                                                             ken zur Koordination von Kommunikationsprozes-
    Hier ist es wichtig, in der Lehre im Software
                                                             sen in der medial vermittelten Zusammenarbeit
Engineering solche verteilte, medial vermittelte
                                                             stellen grundlegende Voraussetzungen dar, um
Teamarbeiten notenrelevant zu verankern und im




Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
                                                                                                              119
verteilte Zusammenarbeit im Team erfolgreich zu        Literatur
bewältigen. Sie sind für die Praxis der verteilten
                                                       Alzoubi, Y., Gill, A. (2014). Agile global software
Softwareentwicklung nicht zuletzt deshalb von
                                                          development communication challenges: A sys-
Interesse, da viele Probleme und Prozessverluste
                                                          tematic review. In Pacific Asia Conference on In-
im Rahmen von medial vermittelter Zusammenar-
                                                          formation Systems (PACIS 2014). Chengdu, Chi-
beit mit mangelnden (tele-)kommunikativen Fä-
                                                          na, No 20.
higkeiten zu erklären sind. Dabei ist eine Adaption
an das jeweilige Kommunikationsmedium sowohl           Beck, K., Beedle, M., Van Bennekum, A., Cockburn,
für den Umgang mit diesem Medium als auch für             A., Cunningham, W., Fowler, M., … Thomas,
die Bereitschaft, ein Medium zu nutzen, von Be-           D. (2001). Agile Manifesto. Abgerufen am 31.
deutung.                                                  Oktober 2014 von http://agilemanifesto.org/
     Unterstrichen wird die Bedeutsamkeit dieser       Boden, A. (2011). Coordination and learning in
Kompetenzen dadurch, dass in der agilen Soft-             global software development: articulation work
wareentwicklung die Selbstorganisation in Teams           in distributed cooperation of small companies.
elementarer Bestandteil der Herangehensweise ist          Dissertation, Universität Siegen.
(Meyer, 2014) und ein konstruktives Miteinander
                                                       Böttcher, A., Thurner, V., Müller, G. (2011). Kompe-
somit entscheidend für die Qualität des Ergebnisses
                                                           tenzorientierte Lehre im Software Engineering.
ist. Vor diesem Hintergrund geben die agilen Me-
                                                           In J. Ludewig & A. Böttcher (Hrsg.), Software
thoden Strukturierungshilfen für Gruppenprozes-
                                                           Engineering im Unterricht der Hochschulen
se, wie z. B. das „Planning Game“ im XP oder das
                                                           (SEUH 2011). München, S. 33-39.
„Planning Poker“ im Scrum, in dem das Team sich
auf eine Schätzung einigt, indem jede Person zu-       Carrillo de Gea, J.M., Nicolás, J., Fernández
nächst eine Schätzung anhand vorgegebener Auf-            Alemán, J.L., Toval, A., Vizcaíno, A., Ebert, C.
wandskategorien (Zahlen der Fibonacci-Reihe)              (2013). Reusing Requirements in Global Soft-
festhält um dann auf dieser Basis weiter zu disku-        ware Engineering. In W. Maalej & A.K. Thu-
tieren. Die Tatsache, dass hier entsprechende Hilfe-      rimella (Hrsg.), Managing Requirements
stellungen zur Strukturierung des Gruppenprozes-          Knowledge. Berlin, Heidelberg: Springer-
ses entwickelt bzw. mitgegeben werden müssen,             Verlag, S. 171-197.
zeigt jedoch auch, dass systematische Methoden         Clark, H., Brennan, S. (1991). Grounding in com-
zur Strukturierung und Koordination der Kommu-             munication. Perspectives on socially shared cogni-
nikation in den verschiedenen Phasen der Teamar-           tion, 13 (1991), S. 127-149.
beit in der Softwareentwicklung bisher wenig etab-
                                                       Eckstein, J. (2013). Agile software development
liert sind. Da die Vermittlung dieser Methoden
                                                          with distributed teams: Staying agile in a global
schon für die Face-to-Face-Interaktion außeror-
                                                          world. Addison-Wesley.
dentlich komplex und aufwändig ist (Herzberg &
Marsden, 2005; Marsden, Herzberg & Drescher,           Hanssen, G. K., Smite, D., Moe, N. B. (2011). Signs
2008), ist es nachvollziehbar, dass im Sinne des          of agile trends in global software engineering
agilen Manifests hier eine Beschränkung auf das           research: A tertiary study. In Sixth IEEE Interna-
„Gespräch von Angesicht zu Angesicht“ (Beck et al.        tional Conference on Global Software Engineering
2001) wünschenswert ist. Die in diesem Beitrag            Workshop (ICGSEW). Helsinki, Finnland, S. 17-
vorgestellte Untersuchung unterstreicht dies, in-         23.
dem sie aufzeigt, dass die Übertragung der face-to-    Herzberg, D., Marsden, N. (2005). Das Softwarela-
face vorhandenen Kompetenzen zur wirksamen                bor als Lernbühne - Soziale Kompetenzen im
Koordination von Zusammenarbeit im Team auf               Studiengang Software Engineering praxisnah
die medial vermittelte Kommunikation schwierig            vermitteln. In B. Berendt, H. Voss & J. Wildt
ist. Sie zeigt allerdings auch, dass es eine durch        (Hrsg.), Neues Handbuch Hochschullehre. Leh-
Übung erlernbare Kompetenz ist. Angesichts der            ren und Lernen effizient gestalten. Berlin: Raa-
Tatsache, dass in Zukunft nicht nur die Verbreitung       be, G.5.3.
der agilen Methoden, sondern auch die verteilte
                                                       Hossain, E., Bannerman, P. L, Jeffery, D. R. (2011).
Zusammenarbeit in der Softwareentwicklung wei-
                                                          Scrum practices in global software develop-
ter zunehmen wird, scheint es wichtig, dass die
                                                          ment: a research framework Product-focused
Kompetenz zur Steuerung von Teamprozessen in
                                                          software process improvement. Berlin, Heidel-
der medial vermittelten Kommunikation im Soft-
                                                          berg: Springer-Verlag, S. 88-102.
ware-Engineering-Unterricht der Hochschulen
nachhaltig verankert wird.                             Kasparek, M., Marsden, N. (2007). Einfluss von
                                                          Qualitätsdruck und Kontinuität der Zusam-
                                                          menarbeit auf virtuelle Teamarbeit. In A. Zeller
                                                          & M. Deininger (Hrsg.), Software Engineering




120                                                                 Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
     im Unterricht der Hochschulen (SEUH 10).                Meyer, B. (2014). Agile! The Good, the Hype and
     Stuttgart, S. 83-86.                                      the Ugly. Switzerland: Springer International
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   lean and agile development: large, multisite,             Paasivaara, M., Lassenius, C., Damian, D., Raty, P.,
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   357-370.                                                     Lengerich: Pabst.
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   Enterprise Information Systems and e-Government              In Proceedings of the 40th Annual Hawaii Interna-
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Axel Schmolitzky, Anna Sabine Hauptmann (Hrsg.): SEUH 2015
                                                                                                               121