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          <string-name>Karin Vosseberg</string-name>
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          <string-name>Hochschule Bremerhaven</string-name>
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      <pub-date>
        <year>2015</year>
      </pub-date>
      <fpage>123</fpage>
      <lpage>124</lpage>
      <abstract>
        <p>Für das Fach Software Engineering ist eine der großen Herausforderung den Studierenden, die nicht über Erfahrungen großer (gescheiterter) Softwareentwicklungprojekte verfügen, die Notwendigkeit eines methodischen Vorgehens zu vermitteln. Mit einem Studieneinstiegsprojekt werden die Studierenden der Bachelorstudiengänge Informatik und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Bremerhaven auf die komplexen Anforderungen in einem Softwareentwicklungsprozess vorbereitet. Viele der Studienanfänger und Studienanfängerinnen haben kaum eine Vorstellung von den komplexen Aufgaben in der Informatik und Wirtschaftsinformatik. Nach wie vor ist das Bild geprägt durch viele Mythen. Während in der Informatik immer noch das Klischee der Kellerkinder vorherrscht, die sich in die programmiertechnischen Herausforderungen eingraben, glauben die Studierenden der Wirtschaftsinformatik, dass sie als zukünftige Projektmanager keine fundierten Kenntnisse in der Softwareentwicklung selber benötigen. Beide Sichtweisen macht es für ein Fach wie Software Engineering schwer ein methodisches Vorgehen in der Softwareentwicklung zu motivieren. Um das Bild der Informatik und Wirtschaftsinformatik für Studienanfängerinnen und Studienanfänger nachhaltig zu schärfen, starten wir seit dem WS 2013/14 das Studium mit einem siebenwöchigen Studieneinstiegsprojekt. In diesen Projekten analysieren die Studierenden ein vorgegebenes komplexes Anwendungsumfeld und erarbeiten für einen Teilbereich den Einsatz von IT-Systemen zur Unterstützung der Geschäftsprozesse (Vosseberg et al. 2014). In diesem Jahr steht eine fiktive Schokoladenfabrik1 im Fokus der Studieneinstiegsprojekte.</p>
      </abstract>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Motivation</title>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Rahmenbedingungen</title>
      <p>Bereits am ersten Studientag bilden wir 12
studiengangsübergreifende Teams mit jeweils 6-8
Studierenden. Jeweils drei Teams werden von einer oder
1 ähnlich der Beschreibung unter:
sites.google.com/site/xocschokolade/home;
Stand 01.11.2014
einem Lehrenden als Coach betreut. Zusätzlich
wird jedem Team ein Tutor oder eine Tutorin aus
einem höheren Semester zugeordnet.</p>
      <p>In den ersten sieben Wochen des ersten
Semesters werden die Modulstrukturen weitestgehend
aufgebrochen. Die Grundlagenveranstaltungen wie
Programmieren I und Mathematik I laufen parallel
zum Studieneinstiegsprojekt. Der notwendige
Arbeitsaufwand für diese Fächer, ist in die
wöchentliche Arbeitszeit der Teams eingebunden, so dass die
Teams gemeinsam die notwendigen Übungen
bearbeiten können. Die weiteren
Grundlagenveranstaltungen aus dem ersten Semester, wie
Einführung in die Informatik bzw. Wirtschaftsinformatik,
Software Engineering I – Modellierung, Einführung
in die BWL und wissenschaftliches Arbeiten liefern
mit ihren Inhalten erste Grundlagen für die
Bearbeitung der Projekte. Die Lehrenden aus den
entsprechenden Veranstaltungen unterstützen die
Studierenden in ihrem problemorientierten
Lernansatz und liefern den notwendigen Input auf die
Projekte bezogen (vgl. Webler 2012) .</p>
      <p>Ab der 8. Woche beginnt der „normale“
Veranstaltungsbetrieb für alle Module. Das
Studieneinstiegsprojekt ist formal dem Modul Einführung
in Informatik bzw. Wirtschaftsinformatik mit 5CP
zugeordnet. Die Ergebnisse des
Studieneinstiegsprojekts werden im Rahmen dieses Moduls von
den Coaches bewertet. Die Inhalte und erworbenen
Kompetenzen der anderen Module werden
unabhängig vom Studieneinstiegsprojekt bewertet.
Studieneintiegsprojekte
Den Teams wird für ihr Studieneinstiegsprojekt ein
breitgefächertes Problemumfeld – die innovative
Modernisierung einer fiktiven Schokoladenfabrik –
vorgegeben. Jedes Team analysiert die
Schokoladenfabrik und bewirbt sich für eine Abteilung, um
für diese Abteilung konkrete Ideen zur
Unterstützung der Geschäftsprozesse durch IT-Systeme zu
entwickeln. Außerdem sollen sie fehlende
Grundlagen identifizieren, die für eine professionelle
Lösung der entwickelten Ideen erforderlich sind.</p>
      <p>Als Input erhalten die Teams neben der
Beschreibung der fiktiven Schokoladenfabrik eine
Exkursion in ein konkretes Unternehmen –
entweder in ein produzierendes Unternehmen ähnlich
der Schokoladenfabrik oder in ein
Softwareberatungsunternehmen. Ihre Aufgabe ist, die
Erfahrungen aus den Exkursionen auf die fiktive Situation
der Schokoladenfabrik zu übertragen. Dabei
werden sie durch die Lehrenden aus dem ersten
Semester (BWL, Software Engineering I und
Wissenschaftliches Arbeiten) unterstützt.</p>
      <p>Nach 3 Wochen präsentieren die Teams ihre
ersten Ergebnisse insbesondere die Erfahrungen aus
den Exkursionen im Plenum. Durch die 12 sehr
unterschiedlichen Unternehmen, die die Teams in
ihren Exkursionen besucht haben, wird in diesen
Vorträgen ein vielfältiges Aufgabenspektrum der
Informatik und Wirtschaftsinformatik
aufgeblättert. Nach 7 Wochen werden die Endergebnisse
von den Teams wiederum im Plenum präsentiert.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Einstieg für Software Engineering</title>
      <p>Im Modul Software Engineering I liegt bei uns der
inhaltliche Schwerpunkt auf dem Thema
Modellierung und das Erlernen einer Modellierungssprache.
In den ersten Wochen der Studieneingangsphase
wird mit den Teams gemeinsam diskutiert, wie sie
Modelle in der Analyse ihrer Schokoladenfabrik
gewinnbringend einsetzen können. Sie müssen
erste Modelle ihrer Schokoladenfabrik erarbeiten
und vorstellen ohne dass sie bereits eine konkrete
Modellierungssprache nutzen.</p>
      <p>In der weiteren Entwicklung ihrer
Lösungsansätze für die einzelnen Abteilungen der
Schokoladenfabrik erarbeiten sich dann die Teams erste
UML-Diagramme selber. Beispielsweise nutzen sie
Aktivitätsdiagramme zur Beschreibung von
Abläufen. Entlang dieser Diagramme wird die
Notwendigkeit von Syntax und Semantik von
Modellierungssprachen besprochen. Außerdem wird an den
konkreten Modellbeispielen diskutiert wie diese
genutzt werden können, um zu einer konkreten
Softwarelösung zu kommen. Damit wird für die
Studierenden immer wieder der Bezug zur
Programmierausbildung hergestellt. Sie erfahren
anhand ihres konkreten Beispiels, dass zur
Softwareentwicklung mehr gehört als die
programmiertechnische Umsetzung einzelner Algorithmen.</p>
      <p>Die Teams müssen immer wieder ihre
erarbeiteten Modelle zur Diskussion stellen und lernen
damit Modelle als Kommunikationselement
einzusetzen um eine gemeinsame Lösung zu erarbeiten.
Im Anschluss an die Studieneingangsphase werden
die Ergebnisse in der Veranstaltung Software
Engineering I aufgegriffen und die verschiedene
Diagrammtypen von UML immer wieder auf die
Beispiele aus der Schokoladenfabrik bezogen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Erfahrungen</title>
      <p>Geprägt durch ihre Erfahrungen aus dem
schulischen Bereich haben viele Studierende große
Schwierigkeiten mit der offenen Fragestellung. Sie
sind gewohnt, dass Aufgabenstellungen detailliert
heruntergebrochen werden und anschließend eine
korrekte Musterlösung zur Verfügung steht. Sie
müssen erst an die veränderte Situation und die an
sie gestellten Anforderungen herangeführt werden.</p>
      <p>Hinzu kommt die Schwierigkeit in Teams
zusammenzuarbeiten. Alle Teams haben häufig zum
ersten Mal Erfahrungen mit
Projektmanagementaufgaben gemacht. Neben wöchentlichen
Zeitplänen mussten die Teams Aufgabenpakete definieren
und grobe Zeitschätzungen des Aufwands abgeben
und ihren realen Aufwand erfassen.</p>
      <p>Viele Teams haben gut zu einander gefunden
und sich als Lerngruppe sehr gut gegenseitig
unterstützt, während andere Teams mehr eine
„Zwangsgemeinschaft“ sind, die die
Studieneingangsphase gemeinsam durchstehen müssen. Die
Coaches haben die Aufgabe, hier immer wieder
steuernd einzugreifen. Zusätzlich ist die
Unterstützung der Teams durch ältere Studierende gerade
als erste Ansprechstation sehr hilfreich.</p>
      <p>In der Veranstaltung Software Engineering I
hilft das Einstiegsprojekt die Vorteile aus der
Entwicklung von Modellen und die Nutzung einer
Modellierungssprache zu erkennen. Die ersten
Modelle waren zwar holprig aber zeigten schon
gute Ansätze an denen sich die Diskussion über die
Modelle entfachte.
Studienprojekte als adäquates Mittel, um
Studierende an die Methoden und Vorgehensweisen im
Software Engineering heranzuführen, werden seit
Beginn der SEUH2-Workshopreihe immer wieder
sehr eindrucksvoll beschrieben und mit vielen
Erfahrungen belegt. Auch für den Studieneinstieg
zeigt sich, dass die Projekte die Motivation der
Studierenden, sich mit Methoden des Software
Engineering auseinander zusetzen, stark erhöht
wird und sie vor ihrem Erfahrungshintergrund zu
beachtlichen Leistungen kommen.</p>
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