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        <article-title>MUKNO - Multi-Port-Knochenchirurgie am Beispiel der Otobasis Virtuelle Planung und Machbarkeitsanalyse multiangulärer Bohrkanäle Wissenschaftlicher Beitrag für die 11. CURAC Jahrestagung 2012</article-title>
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          <string-name>I. Stenin</string-name>
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          <string-name>S. Hansen</string-name>
          <email>stefan.hansen@uni-duesseldorf.de</email>
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          <string-name>M. Becker</string-name>
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          <string-name>J. Hirschfeld</string-name>
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          <string-name>B. Bojovic</string-name>
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          <string-name>T. Klenzner</string-name>
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          <string-name>J. Schipper</string-name>
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          <label>0</label>
          <institution>Graphisch-Interaktive Systeme GRIS, Fraunhofer-Institut für Graphische Datenverarbeitung (IGD)</institution>
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          <addr-line>Darmstadt</addr-line>
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          <label>1</label>
          <institution>Hals-Nasen-Ohrenklinik</institution>
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          <addr-line>Universitätsklinikum Düsseldorf</addr-line>
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          <label>2</label>
          <institution>Schlüsselworte: MUKNO</institution>
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          <addr-line>Otobasis, Bohrkanal, Computertomographie, Cochlea Implantation, minimally invasive surgery, image-guided surgery, chirurgische Planungssoftware</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>44</fpage>
      <lpage>46</lpage>
      <abstract>
        <p>Minimal-invasive Zugangswege zur seitlichen Schädelbasis sind bereits in ersten Kadaverstudien bei Cochlea Implantationen untersucht worden. Hierbei wird ein Bohrkanal angelegt für einen Zugang zum Innenohr zur Positionierung einer Cochlea-Implantat-Elektrode. Die übliche chirurgische Praxis verlangt jedoch derzeit eine weitgehende Freilegung sensibler und z.T. lebenswichtiger neurovaskulärer Strukturen im Zielgebiet der seitlichen Schädelbasis (Otobasis). Der hier vorgestellte Ansatz einer Multiport-Knochenchirurgie mit drei Bohrkanälen zu verschiedenen Zielstrukturen der Otobasis erlaubt eine deutliche Erweiterung der Indikationen für minimal-invasive Zugänge in diesem Bereich. Anhand hochauflösenden Computertomographien des Felsenbeins wurden die relevanten Strukturen wie A. carotis interna, N. facialis oder Labyrinthorgan manuell segmentiert und in eine speziell für MUKNO entwickelte Planungssoftware eingelesen. Diese erlaubte die Berechnung möglicher Trajektorien zu einer in der Otobasis gelegenen Zielstruktur sowie die Erstellung einer Machbarkeitsanalyse. Dem Patientenwunsch entsprechend nach minimal-traumatischen Operationsprozeduren mit kalkulierbaren Operationsrisiken und geringerer Morbidität sowie medicolegal nachvollziehbaren, objektiv dokumentierbaren Operationsmethoden wird im Rahmen des Projektes Multi-Port-Knochenchirurgie am Beispiel der Otobasis (MUKNO) die Durchführung gewebeschonender Operationsverfahren an der Otobasis untersucht. Erste Ansätze einer minimal-invasiven Technik an der Otobasis gibt es im Bereich der hörprothetischen Versorgung mit einem Cochlea Implantat [1]. Bisher sind gewebeschonende Operationsverfahren an der Otobasis durch multianguläre Bohrkanäle jedoch nicht möglich. Der Chirurg legt stattdessen über ein Operationsfenster sämtliche Kollisionsstrukturen frei (explorative Chirurgie), wodurch jedoch ein großes operatives Trauma geschaffen wird mit einer entsprechend erhöhten Morbidität. In Analogie zur Laparoskopie in der Viszeralchirurgie bedarf es zur Durchführung von minimal-invasiven Zugangswegen an Knochenstrukturen wie der seitlichen Schädelbasis einer entsprechenden hochpräzisen Planung sowie Visualisierungs- und Detektionssystemen zur Lokalisation der Lage des Bohrkanals in seiner Umgebung [2]. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage für MUKNO. Für die Entfernung eines Krankheitsprozesses im Knochenbereich, dem Einbringen von Medikamenten (Drug-Delivery) oder dem Eröffnen einer Weichteilstruktur (Saccus endolymphaticus oder Epidermoidzyste) bedarf es einer bestimmten räumlichen Anordnung der Bohrkanäle bzw. des Rendevue-Punktes für die dazu notwendige chirurgische Manipulation. Sowohl die Winkel als auch die Nähe zu Kontaktstrukturen muss vorher in Abhängigkeit von der Pathologie untersucht werden und hat damit wiederum Einfluss auf die knöchernen Operationskanäle neben den zu passierenden Kollisionsstrukturen. Es wurden 12 native Dünnschicht-Computertomographien von Patienten ausgewählt, die im Rahmen einer geplanten operativen Intervention eine entsprechende präoperative Bildgebung erhalten hatten. Die Daten wurden von Standard -CT-Scannern der radiologischen Abteilung des Universitätsklinikums Düsseldorf erstellt und hatten eine mittlere Auflösung von 0,19 x 0,19 x 0,39 mm3 Die für eine Intervention kritischen neurovaskulären Strukturen bzw. deren Grenzflächen wie Labyrinthorgan mit Innenohr und Gleichgewichtsorganen, Nervus facialis, Arteria carotis interna, Chorda tympani und innerer Gehörgang wurden manuell segmentiert, Gehirn und Schädelknochen wurden einer automatischen Segmentierung zugeführt (ITK Snap). Die anhand des vorliegenden 2D-Datensatzes segmentierten Regionen wurden dann extrahiert und über den „Marching Cube“ Algorithmus [3] als 3D-Model in den „Simulation Open Framework Architecture (SOFA) C++“ Programmierrahmen eingelesen. Mit diesem für MUKNO spezifizierten Softwaretool erfolgte die Planung der Bohrkanäle. Über ein selbst erstelltes „Graphical User Interface“ konnten die kritischen Strukturen definiert werden sowie Ausgangsfläche auf dem Schädelknochen und der Zielpunkt der Bohrkanäle bestimmt werden. Zusätzlich konnte der Durchmesser des Bohrkanals, dessen Abweichung von der Bohrachse und der minimale Abstand von den Zielstrukturen sowie die Anzahl der Bohrkanäle frei variiert werden. Das Planungstool berechnete alle</p>
      </abstract>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methoden</title>
      <p>innerhalb der Vorgaben möglichen Trajektorien und konnte sowohl die kollisionsfreien als auch kollidierten
Trajektorien innerhalb des 3D-Modells anzeigen (Abb. 1). Die kollisionsfreien Bohrkanalkombinationen können in Abhängigkeit
von ihrem Winkel zu einander gelistet werden. Es wurden jeweils drei Zielregionen innerhalb der 3D-Modelle definiert,
die als chirurgisches Zielgebiet in Frage kommen: rundes Fenster, innerer Gehörgang und Felsenbeinspitze. Für die
Zielregion „innerer Gehörgang“ wurde jeweils auf der axialen Schicht des CT Felsenbeins diejenige Schicht
ausgewählt, auf welcher das Ganglion geniculi abgrenzbar war. Hierauf wurde der Zielpunkt jeweils auf der Hälfte der
Strecke in Längs- und Querrichtung des inneren Gehörgangs ausgewählt.</p>
      <p>Anhand der möglichen Kanälen wurden jeweils 3 Bohrkanäle ausgewählt mit Berücksichtigung der größtmöglichen
Durchmesser bei gleichzeitig großem Öffnungswinkel. Die kleinsten, mittleren und größten Bohrkanäle aller Modelle
wurde zusammengefasst und statistisch ausgewertet.</p>
      <p>A
Abb. 1: Berechnung und graphische Darstellung aller möglichen kollisionsfreier Trajektorien bzw. Bohrkanäle am
Beispiel des chirurgischen Zielgebietes „innerer Gehörgang“ (A) im 3D-Modell des Felsenbeins sowie Auswahl
einer 3-Kanal-Kombination anhand des größten Öffnungswinkels und der größten Bohrkanaldurchmesser (B)
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Die Planung der Bohrkanal-Kombination für die Zielstruktur „rundes Fenster“ zeigte als mittleren
Bohrkanaldurchmesser einen Wert von 2,8 mm. Bei der Zielstruktur „innerer Gehörgang“ ergab sich ein Durchmesser von 2,8 mm und bei
der „Felsenbeinspitze“ von 2,9 mm. Die Streubreite aller Durchmesser variierte deutlich (von 1,0 mm bis 5,8 mm) (Tab.
1).</p>
      <p>Bzgl. Öffnungswinkel war folgender Trend zu beobachten: In Richtung innerer Gehörgang zeigte sich in den meisten
Fällen ein kleiner und zwei größere Winkel. Die Winkel bei der Felsenbeinspitze sind insgesamt deutlich kleiner als bei
den anderen Zielstrukturen und haben eine größere Streuung. Diese war durch die sehr variable Ausdehnung der
hinteren Schädelgrube bedingt. Bei der Zielstruktur „rundes Fenster“ entsprach in den meisten Fällen eine Trajektorie dem
Weg zwischen N. facialis und Chorda tympani, dem sog. Chorda-Facialis-Winkel, der auch bei der konventionellen
Chirurgie wie beispielsweise der Cochlea Implantation Berücksichtigung findet.</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Bohrkanäle</title>
        <p>mittlerer Durchmesser [mm]
minimaler Durchmesser [mm]
maximaler Durchmesser [mm]
mittlerer Öffnungswinkel 2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Rundes Fenster</title>
        <p>2,8
1,0
4,0
104,2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Innerer Gehörgang</title>
        <p>3,1
1,6
5,0
107,5
Tabelle 1: Mittlere Durchmesser der bei den Zielstrukturen „rundes Fenster“, „innerer Gehörgang“ und
„Felsenbeinspitze“, sowie die mittleren Öffnungswinkel
4</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Eine individuelle Machbarkeitsanalyse für eine Multi-Port-Knochenchirurgie setzt ein neues Atlantenwissen im Sinne
der Indikation und chirurgischen Vorgehensweise beim Anlegen der Knochenkanäle voraus. Hierbei muss die räumliche
Anordnung des Kontaktraums am Zielpunkt untersucht und definiert werden. Die individuelle Machbarkeit wird dann
auf Basis dieser Erkenntnisse sowie über eine OP-Planungssoftware für jeden einzelnen Patienten einschließlich
Fehlbildungen beschrieben. Anhand der hier gezeigten virtuellen Planung einer MUKNO-Operation ist die Aussage
möglich, ob die Multi-Port-Knochenchirurgie durchführbar ist oder der Patient einer konventionelle Operation zugeführt
werden muss. Die Streubreite der Daten zeigt zudem die Notwendigkeit einer individuellen, patientenangepassten
Machbarkeitsanalyse. Der mittlere Durchmesser der Bohrkanäle ist mit minimal 1,0 mm sehr klein für chirurgische
Instrumente. Eine zunehmende Miniaturisierung der Instrumente, insbesondere im Bereich der optischen Systeme, führt
jedoch möglicherweise zu einer Zunahme potentieller MUKNO-Patienten. Eine Unsicherheit der
MUKNO-Planungssoftware besteht zur Zeit in der Auswahl geeigneter Bohrkanalkombinationen. Dieses Problem resultiert vor allem aus
der Schwierigkeit, einen optimalen Rendevue-Punkt bzw. die Größe und die geometrische Beschaffenheit des
Arbeitsraumes am Zielpunkt zu definieren. Dieser ist wiederum auch von Größe und Flexibilität noch zu entwickelnder
medizinischer Instrumente oder Manipulatoren abhängig. Die Software kann aber dahingehend weiterentwickelt
werden, ggf. zunächst mit dem Kriterium eines möglichst großen Arbeitsraumes an der Zielstruktur.
Mögliche Anwendungen des Verfahrens sind die Planung von Zugangswegen von Operationen verschiedenster
Krankheitsprozesse der seitlichen Schädelbasis wie die Behandlung der Ertaubung mit einer Cochlea Implantationen,
Akustikusneurinome oder Felsenbeinspitzenprozesse (z.B. Cholesteringranulome, Osteomyelitiden, Epidermoid, Tumore bzw.
Histologiesicherung). Auch Indikationen zum „Drug Delivery“ von neurotrophen Substanzen oder für eine
Stammzelltherapie sowie elektrische cochleäre Stimulationen bei Tinnitus könnten zukünftig eine Rolle spielen. Weiterhin dient die
Etablierung der Planungsalgorithmen auch zur Übertragung der Methode auf Anwendungen in anderen Fachdisziplinen
wie Unfallchirurgie, Orthopädie oder Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie. Die angestrebten Weiterentwicklungen von
MUKNO betreffen die Ungenauigkeiten bei der Bildgebung, die sich durch den gesamten Planungs- und
Behandlungsprozess ziehen, die Entwicklung einer geeigneten Bohrplattform mit navigierbaren Bohrelementen sowie die Durchführung
von Kadaverstudien.</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Gefördert durch die DFG, Fördernummer: FOR 1585</title>
        <p>5</p>
      </sec>
    </sec>
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          <article-title>Marching cubes: A high resolution 3D surface con- struction algorithm</article-title>
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