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        <article-title>Taktiler Sensor auf Magnetbasis zur Telepalpation in der medizini- schen Diagnostik Wissenschaftlicher Beitrag für die 11. CURAC Jahrestagung 2012</article-title>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Christoph Ledermann</string-name>
          <email>christoph.ledermann@kit.edu</email>
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          <string-name>Thomas Forreiter</string-name>
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          <string-name>Dr. Gavin Kane</string-name>
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          <string-name>Heinz Wörn</string-name>
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          <institution>Ferchau Engineering GmbH</institution>
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          <addr-line>Osnabrück</addr-line>
          ,
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          <label>1</label>
          <institution>Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Prozessrechentechnik, Automation und Robotik</institution>
          ,
          <addr-line>Karlsruhe</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
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          <label>2</label>
          <institution>Schlüsselworte: Taktiler Sensor</institution>
          ,
          <addr-line>Magnetsensor, HallinOne, Telepalpation</addr-line>
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      <fpage>186</fpage>
      <lpage>189</lpage>
      <abstract>
        <p>In dieser Arbeit wird ein neuartiger magnetischer Ansatz für einen miniaturisierten taktilen Sensor vorgestellt, welcher beispielsweise zur Telepalpation notwendig ist. Das Prinzip ist dabei die implizite Positionsbestimmung eines in einer elastischen Schicht eingebetteten Permanentmagneten. Durch Einwirken externer Kräfte wird dieser Magnet verschoben. Durch Beobachten dieses Magnetfelds kann auf die Position des Magnetes und damit auf die externe Kraft geschlossen werden. Verwendet wird hierfür der neuartige HallinOne-Sensor des Fraunhofer Instituts für Integrierte Schaltungen in Erlangen, welcher dreidimensionale Magnetfelder misst und digital ausgibt. Gegenüber konventionellen taktilen Sensoren, welche auf der Messung eindimensionaler Größen (z.B. Kapazitäten) beruhen, hat dieser Ansatz durch die Messung dreidimensionaler Größen stets einen Informationsvorsprung. Die Plausibilität des Ansatzes wurde mit einfachen Mitteln simulativ und experimentell bewiesen.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
      <p>2.1</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methoden</title>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Prinzip des taktilen Sensors</title>
      <p>Die grundsätzliche Idee hinter dem taktilen Sensor ist, dass ein Permanentmagnet durch externe Kräfte seine Position
verändert und sich somit das erzeugte magnetische Feld in einem magnetischen Sensor verändert. Dieses Konzept ist
schematisch in Abb. 1 dargestellt und wird nun im Detail erklärt.</p>
      <p>In einem elastischen Material, z.B. Silikon, befindet sich ein Permanentmagnet. Dieser Magnet erzeugt ein konstantes
magnetisches Feld. Die elastische Schicht wird über dem HallinOne-Sensor platziert, welcher die Magnetfeldstärke in
drei Raumrichtungen misst. Wirkt nun eine externe Kraft auf die elastische Schicht, wird diese verformt und die Position
des Magneten translatorisch und rotatorisch verändert. Dadurch verändert sich auch der gemessene Magnetfeldvektor im
HallinOne-Sensor. Durch Beobachten des magnetischen Feldes in allen drei Dimensionen kann also auf die externe
Kraft zurückgeschlossen werden.
Abb. 1: Schematische Darstellung des Prinzips des taktilen Sensors: Ein Permanentmagnet befindet
sich in ei- nem elastischen Material. Wird der Magnet durch externe Kräfte verschoben, kann dies
durch die Än- derungen des gemessenen Magnetfelds detektiert werden. Im Gegensatz zu
herkömmlichen (z.B. ka- pazitiven) Prinzipien, welche auf der Messung eindimensionaler Größen
basieren, ist hier auch die De- tektion von Scherkräften möglich, da eine 3-dimenstionale Größe
gemessen wird.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Simulationen</title>
      <p>Mit Hilfe des FEM-Simulationsprogramms Maxwell 14.0 von Ansoft wurde zunächst das Magnetfeld eines
Permanentmagneten simuliert, um die Plausibilität des Ansatzes simulativ zu überprüfen und Parame- ter für den späteren
experimentellen Messaufbau festzulegen.</p>
      <p>Simuliert wurden die Magnetfelder von axial magnetisierten zylindri- schen Permanentmagneten, welche auch im
späteren Messaufbau ver- wendet wurden, mit folgenden Eigenschaften:
• Radius R = 1mm bzw. 0,5mm
• Höhe h = 1mm bzw. 0,75mm
• Remanenzflussdichte Br = 1,4T
• Magnetisierung M = 900 kA/m
Der Magnet wurde dabei zentral in einem Abstand d entlang der z-Achse vom virtuellen Sensor positioniert, siehe
Abb. 2, in welchem
Abb. 2: Das Magnetfeld wurde simuliert und im Abstand d vom Magneten gemessen.</p>
      <p>das dreidimensionale Magnetfeld berechnet wurde. Der Abstand d wurde dabei von 0mm bis 4mm variiert.</p>
      <p>Abb. 3: Simuliertes Magnetfeld im virtuellen Sensor in Abhängigkeit der Entfernung zum Permanentmagneten
Das Ergebnis der Simulation ist in Abb. 3 zu sehen. Erwartungsgemäß sind die Magnetfeldstärken in x- und y-Richtung
quasi gleich 0, lediglich die z-Komponente des Magnetfeldes spielt eine Rolle. Idealerweise sollte der Magnet möglichst
nahe am Sensor platziert werden, sodass die Änderungsrate des magnetischen Feldes möglichst groß ist; im späteren
praktischen Aufbau beträgt der Abstand zwischen Magnet und Sensor etwa 2,5 bis 3,5 mm.
2.3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Experimenteller Aufbau</title>
      <p>Der experimentelle Messaufbau ist in Abb. 4 zu sehen.</p>
      <p>Das Silikonkissen mit eingeschlossenem Mag- neten wurde in zwei Schritten mit Hilfe des Sensorgehäuses
hergestellt. Zuerst wurde eine Schicht Silikon mit einer definierten Dicke aus- gehärtet, auf der der Magnet
ausgerichtet wur- de. Anschließend wurde eine zweite Silikon- schicht darüber gegossen, um den Magneten mit dem
Silikon zu umschließen. In diese zweite Silikonschicht wurde eine Senke eingearbeitet, sodass ein an der unteren
Seite des Gehäusede- ckels befindlicher Stift genau hinein passt.</p>
      <p>Das Silikonkissen wurde auf das Sensorgehäuse gelegt, in dem sich die Platine mit dem HallinOne-Sensor
befindet. Es wurde dabei ma- nuell so ausgerichtet, dass sich der Permanent- magnet zentral über dem Sensor befindet.
Dies
wird über die Messung der z-Komponente des Magnetfelds überprüft, welche dann am größten ist.
Im Grundzustand beträgt der Abstand zwischen Magnet und Sensor ca. 3,4mm. Durch Auflegen von
Präzisionsgewichten auf den Gehäusedeckel wurden genau definierte Kräfte axial auf das
Sili</p>
      <p>Abb. 4: Experimenteller Messaufbau: Durch Auflegen von Gewichten drückt der Gehäusedeckel auf das
Silikonkissen und verschiebt den Magneten in z-Richtung. Darunter befin- det sich der HallinOne-Sensor.
konkissen ausgeübt, sodass der Permanentmagnet in z-Richtung ausgelenkt wurde. Die runde Auflagefläche hatte einen
Durchmesser von 2,85mm.
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Quantitative Experimente wurden durchgeführt für zwei verschieden große axial magnetisierte Permanentmagneten mit
folgenden Daten:</p>
      <sec id="sec-6-1">
        <title>Magnet 1</title>
      </sec>
      <sec id="sec-6-2">
        <title>Magnet 2</title>
      </sec>
      <sec id="sec-6-3">
        <title>Radius R</title>
        <p>1 mm
0,5 mm
Höhe h
1 mm
0,75 mm</p>
      </sec>
      <sec id="sec-6-4">
        <title>Remanenzflussdichte Br</title>
        <p>1,4 T
1,4 T</p>
      </sec>
      <sec id="sec-6-5">
        <title>Magnetisierung M</title>
        <p>900 kA/m
900 kA/m
Sämtliche Messreihen wurden dabei 5-mal durchgeführt, der Mittelwert der Messungen sowie die Standardabweichung
der experimentellen Messergebnisse sind in Abb. 5 dargestellt. Für beide Magnete ist zu erkennen, dass mit steigendem
Gewicht und damit geringer werdendem Abstand zwischen Permanentmagnet und Sensor die Feldstärke ansteigt. Die
Änderungsrate ist dabei zunächst stark und nimmt mit zunehmendem Gewicht ab. Für hohe Gewichte ist eine Sättigung
zu erwarten, da das Silikon ab einer gewissen Belastung nicht mehr weiter zusammengedrückt werden kann.
Außerdem ist erkennbar, dass beim größeren Magneten (Magnet 1) die Feldstärke prinzipiell höher ist und auch die
Änderung für kleine Gewichte bis 100 Gramm deutlicher ausfällt. Bei kleineren Magneten (Magnet 2) wird lediglich ein
Unterschied von 0,1 mT gemessen, außerdem ist die Messungenauigkeit sehr groß, wie an der Standardabweichung zu
erkennen ist. Aus diesem Grund scheint Magnet 1 besser geeignet, um taktile Sensoren zu realisieren; eventuell sollten
eher größere Magnete zum Einsatz kommen.</p>
        <p>Insgesamt lässt sich feststellen, dass durch die Messung des Magnetfeldes der Rückschluss auf die extern wirkende Kraft
möglich ist. Die Plausibilität des Ansatzes ist also bewiesen.
Abb. 5: Messergebnisse: Auf der x-Achse ist das aufgelegte Gewicht in Gramm aufgetragen, auf der y-Achse die
gemessene Feldstärke Bz in z-Richtung in Millitesla.
4</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Diskussion und Ausblick</title>
      <p>Die Plausibilität des magnetischen Ansatzes für einen taktilen Sensor wurde sowohl simulativ als auch experimentell
bewiesen. Die weitere Forschung beinhaltet nun zwei prinzipielle Richtungen: die Ausführung des Sensors als Matrix
von Magneten und Sensoren und die Ausführung des Sensors als Stempel.</p>
      <p>Die erste Möglichkeit, also die Verwendung von Matrizen von Magneten und Sensoren, verspricht die Möglichkeit einer
guten Ortsauflösung der eintretenden Kraft. Allerdings wird in diesem Fall die Signalauswertung erheblich
komplizierter, da sich die Magnetfelder gegenseitig beeinflussen. Möglicherweise muss dann ein genetischer Algorithmus
verwendet werden, der die Positionen der einzelnen Magneten im Silikon schätzt. Dadurch würde es auch möglich werden,
nicht axial wirkende Kräfte akkurat zu messen sowie etwaige Drehmomente zu erfassen.</p>
      <p>Näher an der Telepalpation scheint aber die Ausführung des taktilen Sensors als „Stempel“ zu
sein, siehe Abb. 6. Bei Palpationsvorgängen übt der Arzt üblicherweise einen senkrechten
Druck auf das zu untersuchende Gewebe aus; etwaige Tumore sind dabei durch die
abweichende Dichte bemerkbar. Diese Prozedur kann sehr gut durch ein stempelförmiges Tastinstrument
nachgestellt werden. In diesem Falle würde lediglich ein Magnet (dargestellt in gelb-braun) in
ein Silikonkissen eingebaut werden und der Durchmesser des Instruments kann theoretisch bis
zur Größe des verwendeten HallinOne-Chips reduziert werden (5mm).</p>
      <p>In jedem Falle werden zusätzliche Materialforschungen angestellt werden, um die Magnete ge- eignet einbetten zu können.
Wichtige Fragestellungen hierzu sind die Härte des verwendeten Materials, mechanische Hystere und natürlich am
allerwichtigsten die Biokompatibilität.
5</p>
    </sec>
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          3D-Magnetfeldsensorik,
          <article-title>Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS)</article-title>
          , http://www.iis.fraunhofer.de/Images/MagnetfeldSensor_A4_low_
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          , H. Woern;
          <article-title>„A tactile proximity sensor“</article-title>
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          <source>IEEE Senors</source>
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