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        <article-title>Kontinuumsroboter auf Basis vorgebogener Nitinolröhrchen: Evaluierung eines Prototypen für die Transnasale Schädelbasischirurgie</article-title>
      </title-group>
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      <fpage>143</fpage>
      <lpage>146</lpage>
      <abstract>
        <p>Die konventionelle Instrumentierung bei der transnasalen Schädelbasischirurgie kann nicht immer einen linearen Zugang zum Situs gewährleisten der gleichzeitig ausreichend Manipulationsraum bietet. Kontinuumsroboter auf Basis vorgebogener Nitinolröhrchen erlauben dank ihrer flexiblen, wendigen Natur erweiterte Manipulationsräume. In diesem Beitrag wird ein teleoperiertes Kontinuumsrobotersystem, das um Methoden der bildgestützten Navigation erweitert wurde, in einem humanen Schädel bezüglich der Erreichbarkeit signifikanter anatomischer Strukturen und des effektiven Arbeitsraumes evaluiert. Die vielversprechenden Ergebnisse zur Verwendung von Kontinuumsrobotern für eine zukünftige klinische Anwendung motivieren weitere experimentelle und theoretische Untersuchungen in diesem jungen Forschungsbereich.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
      <p>
        Abb. 1: Gebogene Instrumente wie
Kontinuumsroboter ermöglichen erweiterte
Manipulationsräume bei der transnasalen
Schädelbasischirurgie, z.B.
Erreichbarkeit der Hypophyse (orange) und
suprasellären Region (blau).
Die roboter-assistierte, transnasale Schädelbasischirurgie ist bisher nur in wenige Forschungsarbeiten thematisiert
worden. Es wurden Robotersysteme in der Literatur beschrieben, welche die Bohrung zum sicheren Eröffnen des Situs oder
die roboter-assistierte Manipulation eines Endoskops zur Zielsetzung haben [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10 ref11 ref12 ref7 ref8 ref9">7–12</xref>
        ]. Des Weiteren wurde ein
Kontinuumsroboter mit 4 mm Durchmesser vorgestellt um die visuelle Exploration des Sinus mit einer Kamera zu ermöglichen
[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref13">13</xref>
        ]. Der nasale Zugang zur Schädelbasis ist räumlich sehr eingeschränkt und erschwert die Applikation herkömmlicher
Robotersysteme. Unser teleoperiertes System, das aus Kontinuumsrobotern mit vorgebogenen Nitinolröhrchen besteht,
komplementiert die bisherigen Forschungsarbeiten bezüglich wendiger Manipulationsmöglichkeiten am Situs. In diesem
Beitrag stellen wir im Speziellen das Anwendungsszenarios der transnasalen Schädelbasischirurgie sowie erste
Evaluierungen vor.
2
2.1
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methoden</title>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Teleoperiertes Robotersystem</title>
        <p>
          Die wesentlichen Komponenten des 2011 vorgestellten Teleoperationssystems [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref14">14</xref>
          ] werden im Folgenden
zusammengefasst. Das Robotersystem besteht aus zwei Kontinuumsrobotermanipulatorarmen, welche jeweils aus drei
Nitinolröhrchen zusammengesetzt sind (vgl. deren Parameter in Tab. 1). Die Röhrchen mit Innendurchmesser ID und
Außendurchmesser OD haben ein geradliniges Segment mit der Länge LS,
gefolgt von einem vorgebogenen Segment mit der Länge LC mit Außen Mitte Innen
konstanter Krümmung κ. Die Aktuierung jedes Armes erfolgt durch LS [mm] 82,4 241,1 417,6
drei auf einer Schiene gelagerten Schlitten, die jeweils ein Röhr- LC [mm] 68,6 69,9 38,4
chen an ihren Enden mit einer Spannzange greifen. Jeder Schlitten κ [mm-1] 0,0032 0,0059 0,0128
verfügt über zwei Motoren (RE 339152, Maxon Inc., Schweiz), OD [mm] 2,32 1,68 1,16
welche - übersetzt durch Schneckengetriebe - die Translation und ID [mm] 1,87 1,35 0,76
Rotation des Röhrchen ermöglichen. Zur Low-Level PID Steuerung Tab. 1: Röhrchenparameter.
wird ein Motion Control Board (DMC 4080, Galil Motion Control, USA) eingesetzt. Die Kommunikation mit dem
High-Level Steuerrechner erfolgt per Ethernet. Die High-Level Steuerung wurde in C++ implementiert und realisiert die
Teleoperation. Dazu wird unter Verwendung der berechneten, inversen Jacobi-Matrix des Manipulators die gewünschten
Kartesischen Positions- und Winkelgeschwindigkeiten, die durch den Benutzer über ein Eingabegerät (Phantom Omni,
Geomagic, USA) vorgegeben werden, in Gelenkgeschwindigkeiten transformiert. Dabei wurde die von Wampler et al.
[
          <xref ref-type="bibr" rid="ref15">15</xref>
          ] vorgestellte Methode der gedämpften kleinsten Quadrate adaptiert. Die grafische Benutzeroberfläche umfasst die
Darstellung des kinematischen Modells und Möglichkeiten zur benutzerspezifischen Parametrierung der Teleoperation
(z.B. Bewegungsskalierung).
        </p>
        <p>Abb. 2: (a) Greif-Manipulator aus drei vorgebogenen Nitinolröhrchen und schematische Darstellung des
Aktuationsprinzips. (b) Der Kontinuumsroboter (8) im Laborsetup bei der teleoperierten Exploration der Keilbeinhöhle im humanen
Schädel (6). Der Chirurg steuert den Manipulatorarm über das Eingabegerät (7). Der Blick des Endoskops (5) wird
präsentiert (1) und durch die bildgestützte Navigation (2) sowie die High-Level Kontrollsoftware (3) komplementiert. Die
Lage des End-Effektors wird kontinuierlich elektromagnetisch getrackt (4).
2.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Bildgestützte Navigation</title>
        <p>
          Das teleoperierte Robotersystem wurde um ein Modul zur bildgestützten Navigation erweitert. Um die Position und
Lage der Manipulatorarme des Roboters zu erfassen, wird ein elektromagnetischen Trackingsystem (NDI Aurora, Northern
Digital Inc., Kanada) verwendet. Dazu wird jeweils eine Magnetspule (0,8 mm Durchmesser) in das innere Röhrchen
integriert. Zur bildgestützten Navigation wird 3D Slicer [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref16">16</xref>
          ] verwendet und die Trackinginformationen mittels
openIGTLink übertragen. Die Registrierung der präoperativen medizinischen Bilddaten erfolgt oberflächenbasiert mittels
eines Oberflächenmodells und intraoperativer Vermessung der korrespondierenden Oberfläche mit einem getrackten
Pointer. Die Position des End-Effektors eines Manipulatorarmes wird durch ein Fadenkreuz in der triplanaren Ansicht
der medizinischen Bilddaten angezeigt.
2.3
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Experimentelle Evaluierung</title>
        <p>Für die Evaluierung des Robotersystems wurden Erreichbarkeitsversuche mit einem humanen Schädel (Skulls Unlimited
International, Inc., USA) durchgeführt. Die Keilbeinhöhle des Schädels wurde chirurgisch eröffnet. Im Anschluss wurde
ein CT Datensatz aufgenommen (isotrope Voxel 0,4 mm). Zur Registrierung wurde der Schädel mit einem
Schwellwertverfahren segmentiert und ein 3D Oberflächenmodell erzeugt. Für die im Folgenden beschriebenen Versuche wurde der
Schädel in einem Schaumstoffkissen weitestgehend fixiert und auf dem Tisch vor dem Robotersystem in der klinisch
angedachten, relativen Lage zueinander platziert. Zur Visualisierung der Keilbeinhöhle wurde ein rigides Endoskop (30°
Optik, 2,7 mm Durchmesser, Olympus, USA) mit einem Haltearm fixiert. Für die bildgestützte Navigation wurde die
oben beschriebene oberflächenbasierte Registrierung des Schädels durchgeführt. Der experimentelle Aufbau ist in Abb.
2b dargestellt. Für die Versuche wurde jeweils nur einer der beiden Manipulatorarme des Robotersystems verwendet.
2.3.1</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>Erreichbarkeit anatomischer Strukturen</title>
        <p>In diesem Versuch wurde die Erreichbarkeit von fünf vorab vom Chirurgen festgelegten anatomischen Strukturen in der
Keilbeinhöhle (Rostrum, linker und rechter Keilbeinhöhlengrund, superiorer und Mittelpunkt des Septums) getestet. Der
Chirurg steuerte dazu den Manipulatorarm über das Eingabegerät zu den anatomischen Strukturen. Beim Erreichen der
Struktur wurde das Endoskopbild als Standbild gespeichert.
2.3.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-5">
        <title>Effektiver Arbeitsraum</title>
        <p>Für diesen Versuch wurde der Chirurg aufgefordert den Manipulatorarm in der Nasenhöhle zu allen erreichbaren
Positionen zu bewegen um den effektiven Arbeitsraum des Robotersystems zu quantifizieren. Die Position des
Manipulatorarmes wurde dabei fortlaufend mittels des Trackingsystems aufgezeichnet.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Die in Abschnitt 2.3 beschriebene experimentelle Evaluierung der Erreichbarkeit von relevanten anatomischen
Strukturen in der Keilbeinhöhle war erfolgreich. Alle fünf vorab festgelegten Strukturen konnten vom Chirurgen mit dem
Robotersystem erreicht werden. Abb. 3a zeigt die überlagerte Darstellung der jeweilig aufgezeichneten Endoskopbilder.
Abb. 3b zeigt das Erreichen des Mittelpunktes des Keilbeinhöhlenseptums. In Abb. 3c sind die aufgezeichneten
Positionen des Manipulatorarmes während des Versuches zur effektiven Arbeitsraumbestimmung als Punktwolke dargestellt.
Dazu wurden die aufgezeichneten Endeffektor-Positionen wurden unter Verwendung der Registrierinformation in das
Koordinatensystem des CT Datensatzes transformiert und mit dem 3D Oberflächenmodell des Schädels visualisiert. Der
effektive Arbeitsraum deckt die für den Zugang zur Schädelbasis zu erreichenden und zu passierenden anatomischen
Strukturen ab.</p>
      <p>Abb. 3: (a) Überlagerte Darstellung der fünf mit dem Roboter erreichten anatomischen Strukturen in der Keilbeinhöhle.
(b) Der Manipulatorarm berührt den Mittelpunkt des Septums der Keilbeinhöhle. Das rigide Endoskop (oben im Bild)
visualisiert den Situs (vgl. a). (c) Visualisierung des effektiven Arbeitsraums in der Nasenhöhle (lateral und frontal).
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>
        In diesem Beitrag wurde ein Prototyp sowie die Evaluierung eines neuartigen Kontinuumsrobotersystems für die
transnasale Schädelbasischirurgie in einem humanen Schädel unter Laborbedingungen vorgestellt. Vorangegangene
Experimente zeigen die prinzipielle Anwendbarkeit des Robotersystems auch bei vorhandenem Weichgewebe [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref14">14</xref>
        ].
Eine Parametrierung der Röhrchen auf Basis von Bilddaten des Patienten ist Gegenstand unserer derzeitigen Forschung
um beispielsweise Erreichbarkeit und Arbeitsraum zu optimieren. Eine individuelle und anwendungsspezifische
Auslegung des Roboters soll damit möglich werden. Weitere zukünftige Erweiterungen des Robotersystems beinhalten
beispielsweise die Integration eines Handgelenks am End-Effektor, um die Wendigkeit zu erhöhen. Ebenso sind die
Integration von Kraftsensorik und Rückkopplung gemessener Kräfte an den Chirurgen, als auch die Entwicklung eines
dedizierten Eingabegerätes denkbar. Darüber hinaus ist die Entwicklung geeigneter Trajektorienerzeugungs- und
Kollisionsvermeidungsalgorithmen für diesen Typ von Kontinuumsroboter notwendig, um die Benutzerinteraktion performanter und
intuitiver zu gestalten.
      </p>
      <p>Die bisher erzielten Forschungsergebnisse mit unserem Kontinuumsrobotersystem sehen wir als vielversprechend für
chirurgische Applikationen an, weil wir ein hohes Potenzial für die Erweiterung chirurgischer Methoden in schwer
zugänglichen und räumlich beengten Anatomien sehen. Neben der endonasalen Schädelbasischirurgie ist die Verwendung
der nicht-linearer, wendiger Manipulatorarme - bei direkter Kontrolle durch den Chirurgen - auch für alternative
Zugangsmethoden und sogar in vielen weiteren therapeutischen Szenarien verschiedenster Körperregionen denkbar, die
während der Konferenz diskutiert werden sollen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Danksagung</title>
      <p>Die Autoren danken D. Caleb Rucker für die Realisierung von Systemkomponenten, sowie Kyle D. Weaver für
wertvolle Diskussionen. Die Arbeit wurde in Teilen unter der Bewilligungsnummer IIS-1054331 von der National Science
Foundation und der Bewilligungsnummer R21 EB011628 von den National Institutes of Health gefördert. Die Inhalte
des Beitrages obliegen der Verantwortung der Autoren und repräsentieren nicht unbedingt die offiziellen Sichtweisen der
National Science Foundation und National Institutes of Health
5</p>
    </sec>
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