<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Archiving and Interchange DTD v1.0 20120330//EN" "JATS-archivearticle1.dtd">
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  <front>
    <journal-meta>
      <journal-title-group>
        <journal-title>München, Germany, September</journal-title>
      </journal-title-group>
    </journal-meta>
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Assistenzsysteme zur Lernunterstützung in der Industrie 4.0</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Roman Senderek</string-name>
          <email>Roman.Senderek@fir.rwth-</email>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>und Katrin Geisler</string-name>
          <email>Katrin.Geisler@fir.rwth-aachen.de</email>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2015</year>
      </pub-date>
      <volume>1</volume>
      <issue>2015</issue>
      <fpage>36</fpage>
      <lpage>46</lpage>
      <abstract>
        <p>Eine der wesentlichen Herausforderungen der vierten industriellen Revolution wird es sein, den Wandel zu der zunehmend digitalisierten Arbeitswelt zu bewältigen. Einerseits gilt es, das Potenzial neuer Technologien innerhalb soziotechnischer Systeme produktiv einzusetzen, andererseits werden neue Ansätze der Kompetenzentwicklung benötigt, die das Lernen besser in den Arbeitsprozess integrieren. Der Erhalt und Ausbau der Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit erfordert beim Übergang zur Industrie 4.0 deshalb lernförderlich gestaltete Arbeits- und Produktionssysteme, die mittels technologischer Unterstützung individuell und schnell helfen, notwendige Kompetenzen aufzubauen. In dem folgenden Beitrag wird erläutert, wie Assistenzsysteme zum Lernen für die Arbeit beitragen können. Dabei wird auf die Anforderungen an die Gestaltung von Assistenzsystemen, und die Potenziale bzw. Hemmnisse bei der Umsetzung eingegangen. Des Weiteren werden exemplarische Lösungsansätze für den technischen Service und die Produktion vorgestellt. In einer abschließenden Zusammenfassung wird ein Ausblick gegeben wie der Einsatz von Assistenzsystemen im industriellen Kontext gelingen kann. Die zunehmende Digitalisierung sowie der demografische Wandel stellen Unternehmen und ihre Mitarbeiter vor enorme Herausforderungen. Zu erwarten sind Veränderungen in Bezug auf die Qualität der Arbeit, die Qualifikationserfordernisse, die Formen der Arbeitsorganisation sowie die Zusammenarbeit von Mensch und Technik (BOTTHOF 2015, S. 4). Einerseits ist davon auszugehen, dass einfache, repetitive Tätigkeiten verstärkt automatisiert, andererseits der Anteil an komplexeren indirekten Tätigkeiten an den Schnittstellen zwischen Mensch und Technik steigen werden (FREY U. OSBORNE 2013, S. 1; HIRSCH-KREINSEN 2014, S. 18). Das Aufgabenspektrum der Beschäftigten wird zukünftig vornehmlich Tätigkeiten der Überwachung hochautomatisierter Prozesse und des regulierenden Eingreifens beinhalten. Hierbei ergibt sich jedoch ein Dilemma, dass von Bainbridge als „Ironies of Automation“ bezeichnet wurde (BAINBRIDGE 1983, S. 775f.). Je stärker die Automatisierung ausgeprägt ist, umso weniger ist der Mensch in der Lage, die für ihn als „black box“ wahrgenommenen Prozessabläufe zu verstehen, zu analysieren und Entscheidungen bezüglich der notwendigen</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>Assistenzsysteme</kwd>
        <kwd>Lernen in der Industrie 4</kwd>
        <kwd>0</kwd>
        <kwd>digitalisierte Arbeitswelt</kwd>
      </kwd-group>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>
        Maßnahmen abzuleiten (HIRSCH-KREINSEN 2014, S. 20ff.). Verschärfend kommt
hinzu, dass sich die aktuellen Veränderungen in der deutschen Bevölkerungsstruktur
zunehmend auf die Zusammensetzung der Belegschaften und die Verfügbarkeit von
Fachkräften auswirken werden (SENDEREK ET AL. 2015, S. 282ff.). Unternehmen
sind daher gefordert, Konzepte zu erarbeiten, die es ermöglichen, die interne
Qualifizierung auszubauen sowie die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der
Beschäftigten länger aufrechtzuerhalten (BMWI 2013). Daher gehen Politik, Wissenschaft und
Praxis übereinstimmend davon aus, dass dem Lernen für die Bewältigung der mit der
Industrie 4.0 einhergehenden Herausforderungen eine steigende Bedeutung zukommt
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">(DEUSE ET AL. 2015, S. 45; KÄRCHER 2015, S. 20)</xref>
        . Vor diesem Hintergrund soll in
diesem Beitrag gezeigt werden, dass neue digitale Lerntechnologien hierbei einen
wichtigen Beitrag leisten können. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass allein die
Implementierung neuer Technologien noch kein lern- und kompetenzförderliches Arbeitssystem
schafft. Ohne didaktische und methodische Lernkonzepte werden auch die Potentiale der
neuesten technologischen Entwicklungen ungenutzt bleiben (STICH ET AL. 2015, S.
117).
2
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Assistenzsysteme</title>
      <p>Aufgrund der zunehmenden Komplexität der Arbeitssysteme und einem erweiterten
Aufgaben- und Verantwortungsspektrums der Beschäftigten, „kommt der konsequenten
Umsetzung von praxisgerechten Unterstützungskonzepten eine Schlüsselrolle zu“
(GORECKY ET AL. 2014, S. 535). Intelligente industrielle Assistenzsysteme können
hierbei einen wesentlichen Beitrag leisten. Bereits heute sind einige unterstützende
Technologien in der Arbeitswelt zu allgegenwärtigen Werkzeugen und Hilfsmitteln
geworden, die einerseits die Beschäftigten bei der Bewältigung komplexer Aufgaben
sowie in der Mensch-Technik-Interaktion unterstützen. Sie können die
Kompetenzentwicklung sowie das arbeitsintegrierte Lernen fördern, indem sie digitale
Lerntechnologien direkt an den Arbeitsplatz bringen (PLATTFORM INDUSTRIE 4.0 (HRSG.) 2014,
S. 14). Die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten von Assistenzsystemen ist sehr groß.
Ein Spektrum zwischen einfachen Softwareanwendungen, die dem Nutzer kontextbasiert
notwendige Informationen anbietet, bis hin zu einem Zusammenspiel verschiedener
hochkomplexer technischer Komponenten, z.B. Sensoren, Aktoren oder
Informationsund Kommunikationstechnologien, die es dem Lernenden in Simulationen, virtuellen
Welten oder immersiven Lernumgebungen ermöglicht, Prozesse der Wirklichkeit
realitätsnah abzubilden und erfahrbar zu machen (BURDEA U. COIFFET 2003, S. 1ff), sind
hierbei möglich.
2.1</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Anforderungen an die Gestaltung von Assistenzsystemen</title>
        <p>An die Funktionalitäten von Assistenzsystemen werden je nach Kontext verschiedene
Anforderungen gestellt. Aus Perspektive des Nutzers spielen neben der
benutzerfreundlichen Bedienbarkeit die Interaktionsfähigkeit und -bereitschaft sowie eine optimale
Informationsdarstellung, die die individuellen kognitiven Verarbeitungsfähigkeiten und
Lerngewohnheiten der Nutzer berücksichtigt, eine wesentliche Rolle. Ziel ist dabei, dass
der Anwender die für ihn relevanten Informationen in vertretbarem Aufwand erhält und
in geeigneter Form präsentiert bekommt, (VDI/VDE-GESELLSCHAFT MESS- UND
AUTOMATISIERUNGSTECHNIK 2013) sowie dass die Nutzung und der Erhalt von
Erfahrungswissen der Beschäftigten unterstützt werden (ARBEITSGRUPPE
"FORSCHUNG UND INNOVATION" (HRSG.) 2015, S. 27f.). Des Weiteren
entscheiden technische Spezifikationen (wie Auflösung), und Ergonomie (wie Tragekomfort),
darüber, ob die Verwendung eines Assistenzsystems von den Mitarbeitern akzeptiert und
genutzt wird.</p>
        <p>
          Aus technischer Perspektive wird es notwendig sein, sowohl die zu verwendende
Hardware im Hinblick auf die Anforderungen des jeweiligen Anwendungsfalles zu
konfigurieren und das dahinterliegende Datenmodell mit den notwendigen Informationsquellen
zu verknüpfen. Darüber hinaus ergeben sich derzeit noch einige technischen
Limitationen, denn unterschiedlichste Datenquellen müssen zu einer kohärenten echtzeitbasierten
Darstellung zusammengeführt werden, mit entsprechenden Algorithmen für die
Auswertung versehen und im besten Falle eine kontextsensitive Filterung der Inhalte ermöglicht
werden
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(CAMMERT ET AL. 2006; GRAUER ET AL. 2010)</xref>
          .
        </p>
        <p>Aus Sicht der Organisation gilt es zu definieren inwiefern sich neue Produktionsprozesse
durch die Unterstützung visueller Assistenzsysteme ergeben (METZGER ET AL. 2014).
Aber auch die Zusammenarbeit in Wertschöpfungsnetzwerke wird sich verändern und es
gilt zu klären, inwieweit sich dies auf interorganisationale Kollaboration und
Kooperation auswirkt (DAIS 2014).
2.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Potenziale und Hemmnisse bei der Gestaltung von Assistenzsystemen</title>
        <p>
          Das Potenzial visueller Assistenzsysteme liegt insbesondere darin, verfügbare
Informationen zusammenzuführen, zu filtern und bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Von
besonderem Interesse sind hierbei diejenigen, die mobil, lokations- und echtzeitbasiert
sind sowie die Fähigkeit besitzen, sich kontextsensitiv dem jeweiligen Umfeld und
Nutzer anzupassen. Erste Forschungsergebnisse haben ergeben, dass ungelernte wie auch
erfahrene Arbeitskräfte neue Aufgaben mit visueller Unterstützung um 30-40 %
schneller erledigen konnten
          <xref ref-type="bibr" rid="ref2">(GRASS 2014; HARTBRICH 2014)</xref>
          . So können Assistenzsysteme
für eine arbeitsorientierte oder sogar arbeitsintegrierte Kompetenzentwicklung einen
wesentlichen Beitrag leisten
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(BITKOM U. FRAUNHOFER IAO 2014; HARTBRICH
2014)</xref>
          . Es wird dabei entscheidend für die erfolgreiche Implementierung von visuellen
Assistenzsystemen sein, dass der Nutzer nicht nur Instruktionen erhält, sondern durch
die Anwendung ebenfalls neues Wissen generieren kann. So können auch bildungsferne
und lernungewohnte Beschäftigte erreicht und an die Bewältigung komplexerer
Tätig
        </p>
        <p>Assistenzsysteme zur Lernunterstützung in der Industrie 4.0 39
keiten herangeführt sowie Lernbarrieren überwunden werden.</p>
        <p>
          Für einen effizienten Einsatz intelligenter Assistenzsysteme sind Faktoren, wie die
Gestaltung und die Auswahl eines geeigneten Assistenzsystems, dass auf die jeweilige
Arbeitsaufgabe abgestimmt ist, sowie die Akzeptanz der Nutzer und eine zielgerichtete
Zusammenarbeit von Mensch und Technik von wesentlicher Bedeutung. Hierbei besteht
jedoch noch Handlungsbedarf auf mehreren Ebenen. Aus kognitiv ergonomischer Sicht
stellt beispielsweise die leistungsoptimale Informationsdarstellung auf mobilen Geräten
nach wie vor eine Herausforderung dar. Display basierte Systeme führen derzeit zwar in
der Regel zu einer besseren und schnelleren Aufgabenbewältigung als
Head-MountedDisplays (HMD)
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(WILLE U. ADOLPH 2014)</xref>
          , sie sind jedoch für bestimmte
Tätigkeiten, wie etwa freihändiges Arbeiten, nicht geeignet. Die industrielle Anwendung von
HMDs wird wiederum bspw. durch geringe Akkulaufzeit und Rutschsicherheit oder ein
eingeschränktes Sichtfeld limitiert, was die Durchführung der eigentlichen Tätigkeit
behindern kann
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(ENGELIEN 2014; FASSE 2014)</xref>
          . In diesem Kontext müssen ebenfalls
Fragen des Gesundheits- und Arbeitsschutzes diskutiert werden, da das Gewicht des
Gerätes durch langzeitiges Tragen eines HMD auf dem Kopf oder die Verwendung von
monokularen Geräten langfristige gesundheitliche Beeinträchtigungen hervorrufen
könnten (BUNDESANSTALT FÜR ARBEITSSCHUTZ UND ARBEITSMEDIZIN 2011).
Auch auf der rechtlichen und ethischen Ebene gibt es Aspekte, die beim Einsatz von
Assistenzsystemen ebenfalls berücksichtigt bzw. kritisch betrachtet werden müssen, da
intelligente Assistenzsysteme nicht nur eine Unterstützung der Selbstständigkeit und
Partizipation der Menschen im Arbeitsprozess ermöglichen. Damit der Mitarbeiter die
für ihn relevanten Informationen in verständlicher Form und erforderlichem
Detailierungsgrad erhält, müssen personalisierte Nutzer- und Kompetenzprofile angelegt und
permanent aktualisiert werden. Da somit die persönlichen Lernfortschritte gespeichert
werden, könnten einerseits die individuellen Kompetenzen und Fähigkeiten jedes
Einzelnen transparent gemacht, andererseits der Einsatz von Assistenzsystemen auch zur
Überwachung und Lokalisierung zu jeder Zeit an jedem Ort genutzt werden, was die
Angst vor einem „gläsernen Mitarbeiter“ seitens der Beschäftigten und
Arbeitnehmerinteressenvertretungen schürt (HIRSCH-KREINSEN 2014, S. 92). Daher sind digitale
Verschlüsselungsmaßnahmen personenbezogener Daten für einen adäquaten
Datenschutz unerlässlich (DIE BUNDESBEAUFTRAGTE FÜR DEN DATENSCHUTZ
UND DIE INFORMATIONSFREIHEIT (HRSG.) 2015).
        </p>
        <p>
          Neben technischer und rechtlicher Umsetzungsprobleme beeinflussen insbesondere
Nutzer-Faktoren wie Alter, Mediennutzungsverhalten, Vorerfahrung und Persönlichkeit
die Bereitschaft, mit Assistenz-Technologie umgehen zu können und zu wollen
          <xref ref-type="bibr" rid="ref6">(ZIEFLE
ET AL. 2005; ARNING U. ZIEFLE 2007)</xref>
          . Akzeptanzprobleme in Bezug auf neuartige
Technologien aufgrund bestehender innerer Blockaden der Mitarbeiter aber auch
Hemmnisse seitens der Unternehmensführung (KNOP 2014; LUMMA 2014) sind häufig
unterschätzte Herausforderungen
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(HACKER U. SKELL 1993, S. 59)</xref>
          .
Für die XERVON Instandhaltung GmbH, einen technischen Dienstleister und
Konsortialpartner des BMBF geförderten Verbundprojektes ELIAS (Engineering und
Mainstreaming lernförderlicher industrieller Arbeitssysteme für die Industrie 4.0) sind
die soeben aufgeführten Aspekte von wesentlicher Bedeutung, da die Beschäftigten
bisher ihre Tätigkeiten mit keiner oder geringer digitaler Unterstützung ausführen.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Strukturen innerhalb des Unternehmens mit seinen
vielen verschiedenen Standorten sehr heterogen gewachsen sind, Prozesse und
Tätigkeiten daher nicht standardisiert ausgeführt werden und die Anforderungen insbesondere an
das mittlere Management in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen sind. Der
Digitalisierungsgrad innerhalb des Unternehmens ist jedoch nach wie vor relativ gering, was
den Einsatz von Assistenzsystemen wegen hoher Investitionskosten nicht in jedem
Szenario wirtschaftlich sinnvoll macht. Zudem relevant für das Unternehmen ist, dass
Assistenzsysteme auch eine Robustheit gegenüber Hitze, Staub und Schmutz aufweisen
müssen. Derzeit sind jedoch geeignete einsatzfähige Geräte, die all diesen Anforderungen
gerecht werden, noch nicht vorhanden (BMBF 2014).
        </p>
        <p>Im Gegensatz dazu sind für Assistenzsysteme in der Produktion der HELLA KGaA
Hueck &amp; Co., einem weiteren Konsortialpartner des Verbundprojektes ELIAS, andere
Anforderungen und Spezifikationen von Bedeutung. Das Arbeitssystem des
Automobilzulieferers ist durch einen hohen Automatisierungsgrad mit hoher Produktkomplexität
gekennzeichnet. Assistenzsysteme, die die Beschäftigten durch eine echtzeitbasierte
Auswertung der aktuellen Produktion und vor allem auch Hinweise zu möglichen
Ansätzen bei der Fehlerbehebung von Mikrostörungen unterstützen könnten einen
wesentlichen Beitrag zu einer effektiveren und effizienteren Produktion leisten. Jedoch wirkt sich
die nicht durchgängige Datenerfassung in der Produktion hemmend auf den Einsatz
solcher Produktionsassistenz- oder Fehlererkennungssystemen aus. Die Auswahl und
Implementierung geeigneter Assistenzsysteme wird zudem dadurch erschwert, dass im
Unternehmen Anlagen unterschiedlicher Hersteller eingesetzt werden, für die passende
Schnittstellen fehlen oder vorhandene inkompatibel sind. Weiterhin wirkt sich die
sukzessive steigende Systemkomplexität negativ auf das Systemverständnis der
Beschäftigten aus. Aber auch rechtliche Aspekte bspw. in Bezug auf die Verwendung von
Fotound Videomaterial müssen berücksichtigt werden.
3
3.1</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Einsatz von Assistenzsystemen anhand von Beispielen</title>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Implementierung</title>
        <p>
          Eine Personalentwicklung, die eine kontinuierliche Vermittlung fachlicher Kenntnisse,
Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie sozialer Kompetenzen und Methoden gewährleistet
(JUNG ERCEG 2005) und sich konsequent an den strategischen Zielen des
Unternehmens orientiert
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(SAUTER U. SAUTER 2014)</xref>
          gewinnt angesichts des industriellen
Wandels immer mehr an Bedeutung. Zentrales Werkzeug für die Bestimmung des status
        </p>
        <p>Assistenzsysteme zur Lernunterstützung in der Industrie 4.0 41
quo sowie möglicher Entwicklungspotentiale sind Kompetenzmatrizen, die allerdings
häufig im Unternehmensalltag nicht konsequent gepflegt werden. Mit einer
Kompetenzmatrix kann der Qualifikationsbedarf ermittelt und die Kompetenzentwicklung
geplant, gestaltet, kontrolliert sowie permanent optimiert werden (HEYSE ET AL. 2004).
So werden bspw. bei der HELLA KGaA Hueck &amp; Co. für die technischen Fachkräfte
Kompetenzmatrizen erstellt, die sich maßgeblich auf technischen Fähigkeiten beziehen.
Hierfür wurde innerhalb des betrachteten Werkes zunächst die installierte Basis an
Anlagen betrachtet und die Mitarbeiter mit ihren Fähigkeiten im Hinblick auf die
notwendigen Fähigkeiten beurteilt. Die Kompetenzanalyse dient anschließend der Bestimmung
der Entwicklungsziele für die jeweiligen Mitarbeiter. Bei der XERVON Instandhaltung
GmbH werden tätigkeitsrelevante Kompetenzen auf der Basis des Kompetenzatlasses,
der von Heyse und Erpenbeck entwickelt wurde (HEYSE ET AL. 2004), identifiziert
und ein Sollprofil die Tätigkeiten festgelegt. In beiden Fällen wird dabei das Ziel
verfolgt, individuelle Stärken und Schwächen der Mitarbeiter aber auch der Organisation zu
erkennen, hochqualifiziertes Personal bedarfsgerecht zu entwickeln sowie die
Selbstorganisationsfähigkeit und Partizipation der Mitarbeiter zu stärken. Dies ermöglicht
einerseits eine bessere und schnellere Aufgabenbewältigung durch die Mitarbeiter, erleichtert
aber andererseits auch eine effizientere Personaleinsatzplanung der Mitarbeiter.
3.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Technischer Service</title>
        <p>
          Im Rahmen des Forschungsprojektes ELIAS wurden verschiedene Demonstratoren
entwickelt, anhand derer ausgewählte Lernmethoden und -technologien untersucht werden.
Eine exemplarische Lernlösung, die als Demonstrator auf der Hannover Messe Industrie
2015 vorgestellt wurde, ist ein HMD für den mobilen Einsatz im technischen Service.
Der Vorteil besteht darin, dass HMDs während der Ausführung verschiedenster
Tätigkeiten nutzbar und benötigte Informationen jederzeit in Sichtweite sind, während beide
Hände für die Ausführung der Arbeitsaufgabe frei bleiben. Somit können die Nutzer
während des Arbeitsprozesses auch an unterschiedlichsten Einsatzorten weiterführende
Informationen zu ihren Aufgaben erhalten
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(MÜHLBRADT ET AL. 2015)</xref>
          . Über eine
integrierte Kamera kann ein Experte mittels interaktiver echtzeitbasierter
Kommunikation hinzugezogen werden und dem Servicetechniker optimierte
Problemlösungsvorschläge geben. Dabei kann es sich um Experten eines zentralen Standorts oder weitere
Servicetechniker handeln, die sich im Einsatz untereinander gegenseitig beraten können
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(GARTNER 2013; SCHUH U. FABRY 2014)</xref>
          .
        </p>
        <p>Dadurch ergeben sich große Potenziale für eine effizientere Gestaltung der
Prozessabläufe und -organisation (METZGER ET AL. 2014). So können Teilprozesse parallelisiert
werden, wie bspw. die Dokumentation von ausgeführten Leistungen, die gleichzeitig
während der eigentlichen Ausführung der Tätigkeit erfolgen kann (MEHLER-BICHER
ET AL. 2011). Des Weiteren wird die kontextsensitive bedarfsgerechte
Informationsausgabe zu einer Verringerung der Recherchezeiten der Servicemitarbeiter führen.
Darüber hinaus können Teilprozesse entfallen wie bspw. vor Ort Abnahmen zur
Qualitätssicherung.</p>
        <p>Im konkreten Fall der XERVON Instandhaltung GmbH kann ein HMD nur in
Pilotversuchen getestet werden, da, wie in Kapitel 2.2 dieses Beitrags bereits beschrieben wurde,
derzeitig verfügbare HMD noch nicht über alle notwendigen technischen Anforderungen
verfügen. Daher konzentrieren sich die Maßnahmen auf die technologiegestützte
Aufarbeitung der vorhandenen Intranetinhalte und Prozesshandbücher sowie den Aufbau einer
Best-Practice Community, innerhalb derer Erfahrungen virtuell sowie in regelmäßigen
Präsenztreffen ausgetauscht werden können. Dabei wird das Ziel verfolgt, die
Lösungsverhalten sowie die Problemlösekompetenz im Einsatz zu stärken.
3.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Produktion</title>
        <p>Ein weiterer Demonstrator des Verbundprojekts ELIAS, der bei der HMI 2015
vorgestellt wurde ist die digitale Arbeitsunterweisung zur visuellen Montageassistenz in der
Produktion. Mittels kurzer ergonomisch optimierter Utility Filmsequenzen wird der
Nutzer bei seinen Tätigkeiten angeleitet. Im Unterschied zu einem herkömmlichen
Video mit linearem Handlungsverlauf verfügt der Demonstrator über eine Clipstruktur mit
Verzweigungen, so dass der Nutzer die Möglichkeit hat, seinen Lerngewohnheiten
angepasste unterschiedliche Arten der Assistenz zu erproben. Dadurch wird einerseits das
selbständige Erlernen manueller Tätigkeiten gefördert, aber andererseits auch ein
Verständnis für komplexe Tätigkeitsabläufe geschaffen. Geeignet ist dieses Szenario
insbesondere für repetitive Tätigkeiten, aber auch zum Transfer von Wissen über Sprach- und
Kulturgrenzen hinaus. Weltweit agierende Unternehmen können so beispielweise ein
standortunabhängiges Anlernen von Montageprozessen erleichtern. Mit
unternehmensweit abgestimmten und kontextangepassten Utility-Filmen könnten konkrete
Anwendungsfälle trainiert oder komplexes Wissen, welches bisher informell durch Erfahrungen
erworben wird, visualisiert werden. Es gilt noch zu klären, wie dieser exemplarische
Demonstrator bei den produzierenden Projektpartnern getestet werden kann.
Ein Anwendungsgebiet von Assistenzsystemen für die HELLA KGaA Hueck &amp; Co. ist
sind sogenannte „Produktions-Assistenz-Systemen“, die die Mitarbeiter in der
Interaktion mit der jeweiligen Anlage auf dem Shop-Floor unterstützen. So können
situationsabhängig relevante Maschinenzustandsdaten visualisiert und adäquate Maßnahmen und
Problemlösungen vorgeschlagen werden. In der Praxis könnte das so aussehen, dass ein
Mitarbeiter an einer Maschine oder Anlage mit seinem jeweiligen Qualifikationsprofil
erfasst wird und während der Anwendung kontextsensitive Lernunterstützung erhält.
Neue Lösungsansätze bei der Ausführung der Tätigkeiten werden dabei im weiteren
Verlauf im Assistenzsystem dokumentiert und die Lernunterstützung kann
dementsprechend nach entsprechender Freigabe angepasst werden.</p>
        <p>Assistenzsysteme zur Lernunterstützung in der Industrie 4.0 43
4</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Fazit</title>
      <p>Für die Gestaltung der Arbeit von morgen wird eine zentrale Aufgabe sein, die
Notwendigkeiten und Möglichkeiten der Kompetenzentwicklung durch Lernen am und im
Prozess der Arbeit von Anfang an zu berücksichtigen und geeignete technologiegestützte
Lernlösungen zu realisieren. In diesem Beitrag wurde beispielhaft erläutert, wie sich der
Einsatz von Assistenzsysteme zukünftig auf das Arbeiten und Lernen auswirken könnte
und dass deren Potenziale zur Bewältigung der Aufgaben in einer digitalisierten
Arbeitswelt sowohl im Bereich der Produktions- als auch Dienstleistungsprozessen liegen.
Hierfür müssen jedoch in vielen Unternehmen zunächst die derzeitige
Personalentwicklung und Qualifizierungsmaßnahmen kritisch hinterfragt werden, um eine effektivere
Gestaltung des Kompetenzmanagement zu erreichen. So sind häufig die vorhandenen
Kompetenzfeststellungen unzureichend oder werden nur selten aktualisiert.
Anhand des Beispiels des technischen Service konnte gezeigt werden, dass zwar viele
Unterstützungsszenarien möglich sind, aber nicht jede Art von Anwendung den
gewünschten praktischen Nutzen hat. Das große Potenzial des Einsatzes von HMDs liegt
darin, kontextbezogen Informationen zur realen Umgebung einzublenden, externe
Experten hinzuziehen zu können und ein freihändiges Arbeiten zu ermöglichen, aber
aufgrund technischer Defizite und unausgereifter didaktischer Konzepte ist ein
unternehmensweiter Einsatz derzeit noch nicht realisierbar.</p>
      <p>Für produzierende Unternehmen stellt sich die Frage nach Assistenzsystemen aus einer
anderen Perspektive. Hierbei gilt es häufig bereits vorhandene Daten
zusammenzuführen, auszuwerten und den Mitarbeitern auf dem Shop-Floor als Entscheidungshilfe zu
Verfügung zu stellen. Dabei gilt es eine Reihe von Hindernissen zu überwinden und
insbesondere eine kontextsensitive Gestaltung erfordert auch Lösungen, die von
Mitarbeitern und Unternehmensführung gemeinsam entwickelt und angenommen werden.
Damit Assistenzsysteme allerdings auch zum Lernen beitragen sind noch eine Reihe
weiterer Faktoren zu berücksichtigen. Denn nur wenn bspw. durch entsprechende
Feedback Loops das Assistenzsystem von den Mitarbeitern selbst aktualisiert werden kann,
kann einerseits die Akzeptanz aber auch andererseits die Effizienz solcher Lösungen
sichergestellt werden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
      <p>ARBEITSGRUPPE "FORSCHUNG UND INNOVATION" (HRSG.). (2015). Industrie 4.0.
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BOTTHOF, A. (2015). Zukunft der Arbeit im Kontext von Autonomik und Industrie 4.0. In:
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Vieweg. S. 4-6.</p>
      <p>BUNDESANSTALT FÜR ARBEITSSCHUTZ UND ARBEITSMEDIZIN. (2011). Datenbrillen −
Aktueller Stand von Forschung und Umsetzung sowie zukünftiger Entwicklungsrichtungen.
Workshop vom 20. Juni 2011 in Dortmund. Zugriff über Website:
http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/Gd63.pdf?blob=publicationFile&amp;v=5 Stand:
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      <p>BURDEA, G.C. u. COIFFET, P. (2003). Virtual Reality Technology. New York:
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      <p>CAMMERT, M.; HEINZ, C.; KRAMER, J.; RIEMENSCHNEIDER, T.; SCHWARZKOPF, M.;
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      <p>DAIS, S. (2014). Industrie 4.0 – Anstoß, Vision, Vorgehen. In: Industrie 4.0 in Produktion,
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DEUSE, J.; WEISNER, K.; HENGSTEBECK, A. u. BUSCH, F. (2015). Gestaltung von
Produktionssystemen im Kontext von Industrie 4.0. In: Zukunft der Arbeit in Industrie 4.0. Hrsg.:
BOTTHOF, A. u. HARTMANN, E.A., Berlin: Springer Vieweg. S. 99-109.</p>
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