=Paper= {{Paper |id=Vol-1443/paper36 |storemode=property |title=Erweiterung des Lernraumes: Regionalisierung des Lernangebotes als Beitrag zum Life-Long-Learning |pdfUrl=https://ceur-ws.org/Vol-1443/paper36.pdf |volume=Vol-1443 |dblpUrl=https://dblp.org/rec/conf/delfi/KatzlingerH15 }} ==Erweiterung des Lernraumes: Regionalisierung des Lernangebotes als Beitrag zum Life-Long-Learning== https://ceur-ws.org/Vol-1443/paper36.pdf
                Sabine Rathmayer, Hans Pongratz (Hrsg.): Proceedings of DeLFI Workshops 2015
       co-located with 13th e-Learning Conference of the German Computer Society (DeLFI 2015)
                                                   München, Germany, September 1, 2015 186

Erweiterung des Lernraumes: Regionalisierung des Lern-
angebotes als Beitrag zum Life-Long-Learning

Elisabeth Katzlinger1 und Johann Höller2



Abstract: Im Rahmen der Multimedia Studien Services Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
(MUSSS) werden ungefähr zwei Drittel des Bachelor-Curriculum Wirtschaftswissenschaften in
einem E-Learning Format parallel zu Präsenzlehrveranstaltungen angeboten. Eine der Zielsetzun-
gen bei der Konzipierung des Projektes ist die Studienmöglichkeit für Studierende, für die Zeit-
und Ortsunabhängigkeit essentiell ist, wie berufstätige Studierende, Studierende mit Betreuungs-
aufgaben sowie Studierende, die nicht am Universitätsstandort wohnen, zu verbessern. Um die
Ortsunabhängigkeit besser zu gewährleisten, werden an zwei Außenstandorten Prüfungen und
Präsenzveranstaltungen angeboten.
Keywords: E-Learning, Regionalisierung, elektronische Prüfung



1     Einleitung
Studierende, die sich voll und ganz auf ihr Studium konzentrieren können und am Studi-
enort wohnen, sind in der Zwischenzeit ein Minderheitenprogramm. Die sozial- und
wirtschaftswissenschaftlichen Studienrichtungen sind von dieser Entwicklung besonders
betroffen. Wie eine Reihe von Untersuchungen belegen [Un12], [Mö02], [Ka14], ist die
Erwerbsquote bei den Studierenden in Österreich relativ hoch, 63% der Studierenden
sind zumindest in Teilzeit während des Semesters erwerbstätig [Un12], an der Johannes
Kepler Universität Linz liegt der Anteil bei 75%, insbesondere bei den Sozial- und Wirt-
schaftswissenschaften [Mö02]. Für die Studierenden ergibt sich daraus oft eine Drei-
fachbelastung aus Studium, Beruf und Privat- und Familienleben, diese Überbeanspru-
chung kann zu gesundheitlichen Problemen und zu Studienunterbrechungen bzw. zum
Studienabbruch führen [Un07]. Die hohe Erwerbsquote bringt es mit sich, dass für die
Studierenden die Zeitunabhängigkeit des Lehrangebotes ein entscheidender Faktor für
den Studienerfolg sein kann.
Ein weiterer Faktor für das Zeitbudget der Studierenden ist die Entfernung zwischen
Wohn- und Studienort, die ebenfalls eine bedeutende Rolle für den Studienerfolg spielt.
In der Studierendensozialerhebung [Un12] wurde diese Entfernung ebenfalls erhoben
und so zeigt sich, dass mehr als die Hälfte der Studierenden mehr als 30 Minuten, 8%

1
  Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Datenverarbeitung in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaf-
  ten, Altenberger Straße 69, A-4040 Linz, Österreich, elisabeth.katzlinger@jku.at
2
  Johannes Kepler Universität Linz, Institut für Datenverarbeitung in den Sozial- und Wirtschaftswissenschaf-
  ten, Altenberger Straße 69, A-4040 Linz, Österreich, johann.hoeller@jku.at
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länger als 60 Minuten zwischen Wohn- und Studienort unterwegs sind.
Für Personen, die in der Region verwurzelt sind oder aus anderen Gründen den Universi-
tätsstandort nur schwer erreichen können, ist der Zugang zu einer tertiären Bildung nur
eingeschränkt möglich, eine berufliche Qualifizierung auf Universitätsniveau ist damit
schwer zugänglich. Das Stadt-Landgefälle bei den Bildungsabschlüssen wird so noch
verstärkt [We06]. Die politisch Verantwortlichen in den regionalen Zentren sind daher
an alternativen Zugängen zu tertiärer Bildung interessiert, weil die Region durch das
höhere Bildungsniveau für Unternehmen attraktiver wird.
Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Erweiterung des Lernraumes in regiona-
len Außenstellen im Rahmen des E-Learning Formats MUSSS der Johannes Kepler
Universität Linz. Dabei werden an zwei Standorten in eher strukturschwachen Regionen
Präsenzveranstaltungen und Prüfungen parallel zu dem Angebot an der Universität an-
geboten.


2    Didaktisches Konzept MUSSS
Ausgangspunkt für das Projekt MUSSS (Multimedia Studien Services SoWi) ist das
Angebot mit Hilfe von E-Learning einerseits berufstätigen Studierenden und Studieren-
den mit Betreuungsaufgaben die Chance auf ein universitäres Studium und damit ein
Life Long Learning zu ermöglichen und andererseits auch jene Personen anzusprechen,
die örtlich disloziert von der Universität sind.
Das Projekt ist als Blended Learning Programm konzipiert und verbindet E-Learning
Komponenten mit Präsenzphasen. Es sieht einerseits die Verminderung der Anwesenheit
vor und andererseits wird das selbstgesteuerte, tutoriell unterstützte E-Learning geför-
dert. Damit wird zeit- und ortsunabhängiges Lernen ermöglicht.
MUSSS sieht gerade bei den großen Massenlehrveranstaltungen ein Kurskonzept vor,
bei dem die Inhalte online zur Verfügung gestellt werden; die Betreuung dafür erfolgt
individuell beispielsweise durch Tutoren. Durch die sinnvolle Integration von E- Learn-
ing-Elementen sollen speziell die Einführungslehrveranstaltungen der Bachelorstudien
entlastet werden. MUSSS wird in zwei Formaten angeboten, als kostenpflichtige
MUSSS-Kurse mit tutorieller Betreuung und (verpflichtenden) Präsenzphasen sowie als
MUSSS Open Content, bei dem alle Kursinhalte mit digitalen Medien angeboten werden
und keine Präsenzphasen vorgesehen sind. Der Schwerpunkt dabei liegt auf der Verwen-
dung von Vorlesungsaufzeichnungen, audiokommentierte Folien, Wikis, aber auch Test-
klausuren. Bei den kostenpflichtigen MUSSS- Lehrveranstaltungen erfolgt die Online-
Betreuung über Videokonferenzen oder in Foren, des weiteren wird in den Sprachlehr-
veranstaltungen ein Sprachlernprogramm verwendet. Abgerechnet werden die kosten-
pflichtigen Lehrveranstaltungen mit 12,- € je ECTS; für die Buchung und Zahlung wur-
de ein Online-Shop eingerichtet, über den auch Studienmaterialien wie Lehrbücher und
188 Elisabeth Katzlinger und Johann Höller

Skripten bezogen werden können.
Das Medienkonzept sieht unterschiedlichste E-Learning Komponenten vor. Je nach
Fachbereich und Lehrveranstaltungstyp kommen dabei verschiedenste Medien, Werk-
zeuge und didaktische Konzepte zum Einsatz. So werden etwa Sprachen mittels Web-
konferenztools, Sprachsoftware und Supervision vermittelt. Andere Kurse wiederum
stellen einen Wiki mit den Lehrinhalten (z.B. mit Videos) sowohl offline auf einem
USB-Stick als auch online zur Verfügung oder verwenden kommentierte Folien sowie
zahlreiche Übungsbeispiele. Fragen der Studierenden werden von Tutoren im Forum
beantwortet bzw. an die Lehrenden weiter geleitet.
Eine weitere Neuerung in der Studienorganisation ergibt sich durch das Angebot von
Sommerkursen in den Ferien, die über MUSSS angeboten werden. Dadurch kommt es
einerseits zu einer Studienbeschleunigung und anderseits wird ein Aufbrechen der Se-
mesterstrukturen erreicht. Diese wird auch dadurch aufgebrochen, dass die einzelnen
Lehrveranstaltungen bzw. Module im Halbsemestertakt geblockt angeboten werden.
Dies führt zu einer sehr intensiven Beschäftigung mit einem Fachbereich. Die Studieren-
den belegen zwei bzw. drei Module zu je sechs ECTS, die zur Mitte des Semesters abge-
schlossen werden. In der zweiten Semesterhälfte werden weitere Module belegt. Wo es
didaktisch sinnvoll ist, werden die Module weiterhin semesterweise angeboten, wie
beispielsweise in den Sprachen.
Für die Universitätsorganisation wird durch die Verringerung der Präsenzzeiten bzw.
durch das alternative Angebot in den Außenstellen die prekäre räumliche Situation an
der Universität, wie beispielsweise die Verfügbarkeit großer Hörsäle oder die Parkplat-
zengpässe, entschärft.
Im Studienjahr 2013/14 wurden in MUSSS je Semester 57 bzw. 52 Lehrveranstaltungen
angeboten, im Studienjahr 2014/15 stieg das Angebot auf 58 bzw. 69 Lehrveranstaltun-
gen (siehe Tabelle 1). Ungefähr zwei Drittel fallen auf das kostenfreie Angebot ohne
verpflichtende Präsenz. 2600 bzw. 1745 Studierende belegten 2013/14 zumindest eine
Lehrveranstaltung in MUSSS; 2014/15 sind es bereits 3100, wobei die Anmeldung zu
den Sommerkursen noch nicht abgeschlossen ist. Die Anzahl der Studierenden je Lehr-
veranstaltung schwankt stark nach Fach und Verpflichtung im Curriculum, im WS
2014/15 lag bei MUSSS OC Kursen die Belegung zwischen 10 und 500, bei MUSSS
Kursen zwischen 7 und 100 Studierenden je Lehrveranstaltung. 540 Studierende buchten
zumindest einen kostenpflichtigen Kurs. Die Anzahl der gebuchten Kurse je Studieren-
den schwankt ebenfalls sehr stark, von nur einem Kurs bis elf Kurse je Semester.
                                           Erweiterung des Lernraumes: Regionalisierung des
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                                     WS 13          SS 14         WS 14         SS 15
      Anzahl LVA                        57            52             58           69
      Kostenpflichtige LVA              19            17             16           26
      Regionale LVA                      4             6              4            8
      Belegung                         5998          3560           6248        6696
      Studierende                      2608          1745           3102        3100
      ø Belegung                     105,23         68,46         107,72         97,0
       Tabelle 1: Übersicht MUSSS und MUSSS OC-Angebot Studienjahr 2013/14, 2014/15



3      Regionalisierung
Um die Zielgruppe der dislozierten Studierenden besser zu erreichen, wurde bereits bei
der Konzeption von MUSSS die teilweise Regionalisierung des Studienangebotes über-
legt und nach der Pilotphase realisiert. Für die Regionalisierung konnten zwei Standorte,
75 km (Gmunden) bzw. 120 km (Rottenmann) von der Universität entfernt, etabliert
werden. In Gmunden erfolgt die Kooperation über die Stadtgemeinde bzw. eine höhere
Schule, die die Infrastruktur zur Verfügung stellen. Der zweite Standort in Rottenmann
ist ein Studienzentrum, das auch von der Universität Graz bzw. von der Fernuniversität
Hagen verwendet wird. Die Außenstandorte stellen Infrastruktur in Form von Räumlich-
keiten wie Seminarräume oder PC-Labors sowie administratives Personal (auch für
Prüfungsaufsichten) zur Verfügung.
In der Konzeptphase wurden noch weitere Standorte im Umkreis von 100 km bis 150 km
angedacht, die aber zurzeit nicht weiter verfolgt werden. Wie die Erfahrungen mit den
beiden Standorten gezeigt haben, stellt die Etablierung der Außenstandorte vor allem
eine organisatorische Herausforderung für alle beteiligten Seiten dar.


3.1      Präsenzlehre

In den Außenstandorten werden Präsenztermine zu ausgewählten Lehrveranstaltungen
im Rahmen des Blended Learning Konzeptes angeboten. Diese Lehrveranstaltungen
finden meist parallel zum Lehrveranstaltungsangebot in Linz statt. Das Angebot gilt vor
allem für Lehrveranstaltungen mit intensiven Präsenzphasen wie beispielsweise Spra-
chen, wissenschaftliches Arbeiten oder Gender Studies. Des weiteren werden einzelne
Lehrveranstaltungen abgehalten, bei denen auf Grund der Teilnehmerzahlen Parallelver-
anstaltungen angeboten werden und die verpflichtende Präsenzphasen vorsehen.
Das Fach Informationsverarbeitung bietet die Präsenztermine in den Außenstandorten
an, um den Studierenden die für MUSSS nötigen IT-Kompetenzen zu vermitteln. Im
190 Elisabeth Katzlinger und Johann Höller

Rahmen dieser Lehrveranstaltung arbeiten die Studierenden von Beginn an in Zweier-
bzw. Vierergruppen zusammen. Insbesondere für Studierende, die nicht so viel Zeit an
der Universität verbringen, ist es wichtig, die Zusammenarbeit in Lerngruppen zu för-
dern, um sozialer Isolation [Dö03, S. 411ff] vorzubeugen. Studierende finden sich etwa
in Lerntandems zusammen und unterstützen sich gegenseitig beim Wissenserwerb. So
wird versucht, einem Studienabbruch entgegenzuwirken. Im Rahmen der Einführungs-
veranstaltung, bei der die verschiedenen Module vorgestellt werden, lernen sich die
Studierenden kennen und ein Gruppengefühl entsteht.


3.2    Abhaltung von Prüfungen

An den beiden Außenstandorten können die Studierenden von allen MUSSS- und
MUSSS OC-Lehrveranstaltungen die Prüfungen ablegen, auch wenn keine Präsenzpha-
sen vor Ort abgehalten wurden, dies gilt auch für alle nicht kostenpflichtigen Lehrveran-
staltungen. Voraussetzung dafür ist, dass sich zumindest drei Studierende zur jeweiligen
Prüfung anmelden. Die Anmeldung Studierenden in den Außenstandorten erfolgt geson-
dert zu der Prüfungsanmeldung an der Universität. Die Prüfungen finden zeit- und prü-
fungsgleich mit den Prüfungen an der Universität statt. Im Studienzentrum nimmt eine
Gruppe von ungefähr 20 Studierenden an zumindest einer Prüfung im Semester am Au-
ßenstandort teil.
Für die elektronischen Prüfungen wurde im Studienzentrum ein PC-Labor mit der glei-
chen Ausstattung wie der elektronische Prüfungsraum in Linz eingerichtet. Es werden
PCs mit Tastatur und integriertem Chipkartenleser verwendet, damit die Prüfungen
elektronisch signiert werden können. [Ka15] Rechner des PC-Labors an der Schule wur-
den mit ähnlicher Hardware ausgestattet.
Bei anderen schriftlichen Prüfungen werden die Prüfungsangaben an die Außenstelle
weiter geleitet. Die Prüfungen finden dann in den Außenstellen unter Aufsicht der Mit-
arbeiterinnen vor Ort statt. Die Prüfungsaufsicht wurde in die Prüfungsregelungen einge-
führt. Für eventuelle fachliche Rückfragen stehen die Prüfer telefonisch in Kontakt.


4     Erfahrungen
Im Wintersemester 2009 wurde die erste Lehrveranstaltung in einem der Außenstandorte
abgehalten, es handelte sich dabei um Informationsverarbeitung I. In dieser Lehrveran-
staltung wurde neben den fachlichen Inhalten auch Wert auf die Vermittlung von Medi-
enkompetenz gelegt, um die Studierenden auf das Format MUSSS mit einem hohen
Anteil an mediengestützten Online-Inhalten vorzubereiten. Auf Grund der guten Erfah-
rungen mit dieser Lehrveranstaltung als Einstieg für MUSSS-Studierende wird sie jeden
Sommer angeboten. Die Lehrveranstaltungen in den Regionen werden im Sommer aber
auch von Studierenden, die während des Semesters in studieren, gebucht.
                                          Erweiterung des Lernraumes: Regionalisierung des
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4.1    Lerngruppen

Die Institutionalisierung von Lerngruppen an den jeweiligen Standorten war einer der
Eckpfeiler bei der Etablierung der Regionalisierung. Dies wurde von den Studierenden
nur teilweise angenommen. Aus der ersten Lehrveranstaltung heraus bildeten sich aber
informelle Lerngruppen, die teilweise über den weiteren Studienverlauf Bestand gehabt
haben. Die Lerngruppen sind für den Informationsaustausch über das Studium und der
gegenseitigen Stärkung bei Höhen und Tiefen im Studienverlauf von Bedeutung.
Im Außenstandort mit dem Studienzentrum ist vor Ort eine Ansprechperson verfügbar,
die in administrativen und organisatorischen Dingen Auskunft geben kann. Dadurch
wird auch eine Koordinationsfunktion ausgefüllt, die am anderen Standort eher die in-
formellen Lerngruppen übernehmen. Es hat sich gezeigt, dass eine Ansprechperson vor
Ort ein Erfolgsfaktor für die nachhaltige Etablierung eines Standortes ist. Das Vorhan-
den sein der Infrastruktur allein sichert nicht den Erfolg eines Standortes.


4.2    Studienabbruch

Wie Schätzungen der Fernuniversität Hagen zeigen, findet man in den Fernstudien eine
extrem hohe Studienabbruchrate, so schätzt die Fernuni Hagen ihre Abbruchquote auf
70% [No10]. Als Grund für die hohe Dropout-Quote wird die Anonymität im Fernstudi-
um genannt. Dem wird mit der Institutionalisierung der Lerngruppen entgegengewirkt.
In der Arbeit von Hummer [Hu14] wird ersichtlich, dass die wichtigsten Gründe für den
Studienabbruch berufliche Neuorientierung, Unvereinbarkeit von Studium und Beruf
und familiäre Gründe sowie die falsche Studienrichtung sind. Bezüglich der Studien-
wahlentscheidung bietet das Angebot in den Regionen die Möglichkeit, beispielsweise
im Vorfeld eine Fachrichtung genauer kennen zu lernen.
In der von Hummer [Hu14] durchgeführten Befragung bei den Studienabbrechern, die
ein MUSSS-Angebot in Anspruch genommen haben, zeigt sich, dass die Studierenden
mit dem Angebot zufrieden waren, andere Gründe aber für den Abbruch entscheidend
waren.


5     Fazit
Die Kooperation mit den beiden Außenstandorten hat sich auf Grund von regionalen
Interessen angebahnt. In beiden Fällen gab es ein starkes Interesse von den regionalpoli-
tisch Verantwortlichen universitäre Institutionen in die Region zu bringen, weil eine
Erhöhung des Qualifikationsniveaus eine Region für Investoren interessanter macht. Die
regionale Verankerung ist eine Grundvoraussetzung für das Gelingen der Etablierung
von Studienstandorten außerhalb der Universität.
192 Elisabeth Katzlinger und Johann Höller

Für die Bevölkerung einer Region ist das Bildungsangebot ein Faktor für die Lebensqua-
lität. Das Angebot in den Regionen richtet sich in erster Linie an berufstätige Studieren-
de oder Studierende mit Betreuungsaufgaben, die nicht so einfach eine Region verlassen
können. Studierende, die unmittelbar nach der Schule mit einem Studium beginnen,
ziehen den Ortswechsel in eine Universitätsstadt vor.
Für die berufstätigen Studierenden stellt ein Universitätsstudium neben dem Beruf eine
besondere Herausforderung dar. Im Rahmen von MUSSS sind die Präsenzzeiten zwar
eingeschränkt, die Erarbeitung der Lerninhalte fällt in das Selbststudium. Hier können
Zeit und Ort selbst gewählt werden, weniger zeitintensiv ist das Studium allerdings
nicht. So zeigt sich, dass ein hohes Maß an Selbstdisziplin notwendig ist, um ein Studi-
um in diesem Format zu beenden.
Um einen Außenstandort sinnvoll betreiben zu können, ist eine „kritische Masse“ an
Studierenden erforderlich. Auf der einen Seite ist dies notwendig, um Präsenzphasen und
Prüfungen mit einer sinnvollen Anzahl von Studierenden abhalten zu können. Auf der
anderen Seite profitieren die Studierenden von formellen und informellen Lerngruppen.
Da die Zahl jener, die ihr Studium nicht abschließen (können) relativ hoch ist, ist es von
Vorteil, wenn sich zu Studienbeginn eine größere Gruppe bildet.
Um eine entsprechende kritische Masse zu bilden, sind regionale Werbemaßnahmen und
regionale Verankerung notwendig. Dazu zählt auch die mittelfristige institutionelle Ver-
ankerung des Standortes. Die Studierenden werden über Diskussionen über den Standort
sehr verunsichert.
Von Seiten der Universität bedeuten die Außenstandorte organisatorische und studien-
rechtliche Herausforderungen, die vor allem bei der Etablierung eines Standortes ein
angepasstes Prozedere verlangen. Probleme ergeben sich unter anderem daraus, dass sich
einige Rechte aus dem Dienstverhältnis zur Universität ableiten wie beispielsweise der
Zugang zu den administrativen Systemen oder der Lernplattform.


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