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        <article-title>Rekonstruktion dreidimensionaler OCT-Datensätze aus ungetriggerten rotatorischen 2D-OCT-Videoaufnahmen</article-title>
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          <string-name>J. Thommes</string-name>
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          <string-name>T. Ortmaier</string-name>
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          <institution>Medizinische Hochschule Hannover, Zentrum Kinderheilkunde und Jugendmedizin, Klinik für Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin</institution>
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          <label>2</label>
          <institution>Schlüsselworte: OCT</institution>
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          <addr-line>4D-Rekonstruktion, Herzentwicklung</addr-line>
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      <fpage>71</fpage>
      <lpage>74</lpage>
      <abstract>
        <p>In der medizinischen Bildgebung gehören dreidimensionale Darstellungen aus CT-Scans des schlagenden Herzens heute zu den etablierten Standardverfahren. Für die Visualisierung kleinster Weichteilstrukturen wie dem schlagenden embryonalen Herzen bei Tieren wie z.B. dem Zebrafisch oder dem Huhn, die als Tiermodell für die Untersuchung der embryonalen Herzentwicklung Verwendung finden, hat sich die optische Kohärenztomographie (OCT) in den letzen Jahren als Bildgebungsmodalität etabliert. Da aktuelle Systeme Echtzeitdarstellungen bisher nur als zweidimensionale Schichtaufnahme zulassen, präsentieren wir ein Verfahren für die Rekonstruktion von 4D(3D+Zeit)-OCT-Datensätzen aus 2D-OCT-Videodaten, bei denen die Bilddatenaufnahme ohne externe Triggerung durch Rotation der Aufnahmeebene um eine festgelegte mittlere Rotationsachse erfolgt.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Einleitung</title>
      <p>Hühnerzucht üblichen Inkubator bei 38°C bebrütet und anschließend in
eine hexagonale Schale überführt, so dass sich während der frühen
Entwicklungsphasen das schlagende Herz bedeckt durch einige
Membranen nahe der Oberfläche befindet. Die Schale mit Embryo ist von
einem formschlüssigen Aluminiumblock umgeben, so dass sich ein guter
Wärmeübergang vom Metall zum Inhalt der Schale ergibt. Über einen auf
Höhe des Embryos ins Eiweiß eingebrachten Temperatursensor wird die
Leistung einer unterliegenden Heizplatte geregelt, so dass sich in der
Schale gleich bleibende Temperaturen ergeben. Um den
Feuchtigkeitsverlust besonders der oberen Membrane auf ein Minimum zu
reduzieren, wurde der Embryo bis auf einen Spalt von der trockenen
Umgebungsluft separiert (siehe Abbildung 1).</p>
      <p>Das verwendete OCT-System ist ein OCS1300SS Swept Source System
der Firma Thorlabs mit einer mittleren Wellenlänge von 1325 nm, einer
axialen Auflösung von 9 µm und einer transversalen Auflösung von 25
µm. Die zeitliche Auflösung beträgt bei einer Bildauflösung von 512x512
Pixeln 25 B-Scans pro Sekunde. Da die Herzfrequenz mit etwa zwei bis
drei Hz deutlich unter der Bildrate des OCTs liegt, wird der Fehler durch
die fortlaufende Kontraktionsbewegung während der Aufnahme eines
BScans als vernachlässigbar angesehen. Zur Ansteuerung der beiden axialen
Ablenkspiegel des OCT-Gerätes wurde ein SDK der Firma Thorlabs
eingesetzt, das es ermöglicht, die Position und Orientierung der Bildebene
aus einer in C++ programmierten Software heraus zu steuern. Diese
zeichnet ebenfalls die vom SDK gelieferten Bilddaten mit dem
zugehörigen Aufnahmezeitpunkt auf. Besonders kritisch bei der
Rekonstruktion wirken sich Relativbewegungen zwischen Probe und OCT
aus, die zu einer Verschiebung des als konstant angenommenen mittleren Abbildung 2: rotatorisches
ScanA-Scans führen. In unseren Experimenten bewegte sich der Embryo durch schema
die hohe Fluidität des Eiweißes relativ zur Probe des optischen
Kohärenztomographen. Um entsprechende Bewegungen erkennen und eventuell kompensieren zu können,
wurde der zentrale A-Scan kontinuierlich mit dem Anfangszustand vergleichen. Bereits eine translatorische
Verschiebung von unter 10 µm konnte so registriert werden.</p>
      <p>Abbildung 1: Experimentalaufbau
mit OCT und Hühnerembryo</p>
      <sec id="sec-1-1">
        <title>2.1 Herzfrequenzdetektion</title>
        <p>Die aufgezeichneten Bilddaten liegen für jeden Winkel als Videoclips über einen definierten Zeitraum vor, der
jeweils mindestens zwei vollständige Herzschlag-Zyklen umfassen sollte. Insgesamt wird ein Bereich von 180°
abgedeckt, so dass sich daraus der vollständige Volumendatensatz rekonstruieren lässt. Die gewünschte
rotatorische Auflösung lässt sich frei wählen, als guter Kompromiss zwischen Aufnahmedauer und Auflösung
hat sich eine Abtastung in 1-2 Grad Schritten als günstig erwiesen.</p>
        <p>Die Herzfrequenz innerhalb der nur wenige Sekunden dauernden Aufnahme für ein Winkelsegment wird als
konstant angenommen, diese muss für jeden Aufnahmewinkel bestimmt werden muss. Dies geschieht mit einem
Verfahren zur Zeichenkettenlängen-Minimierung [4,5], dass sich für die hochgenaue Ermittlung der Schlagdauer
als geeignet erwiesen hat. Unter Annahme einer Herzfrequenz T’ werden alle dem ersten Herzschlag
nachfolgenden Zeitschritte der angenommenen Schlagdauer entsprechend in den ersten Herzschlag eingepasst
und auf ihre vermeintliche Phasenlage pn reduziert. Stimmt die angenommene Frequenz mit der realen überein,
Abbildung 3: Funktionsweise der Herzfrequenzdetektion durch Minimierung der Kurvenlänge. Ausgehend von
einer prädizierten Dauer eines Herzschlages T’ werden die vorliegenden Daten auf ihre Phaseninformation
reduziert, die sich ergebende Kurvenlänge wird minimal wenn die korrekte Herzfrequenz gefunden wurde.
ergibt sich eine minimale Länge der entstehenden Kurve. Die Ermittelung der Herzschlagdauer entspricht
demnach einem Optimierungsproblem mit der Stringlänge D2(T’) als Gütefunktional.</p>
        <p>I(x,z,pn) bezeichnet dabei die Intensität, also den Wert des Pixels, an der Stelle x,z für die Phasenlage pn. Für die
beiden Ausdrücke können zusätzlich Gewichtungskoeffizienten eingeführt werden, die den zeitlichen Abstand
bzw. die Ähnlichkeit der Bilder gewichten.</p>
        <p>Ein gradientenbasierter Optimierer gibt bei guten Startwerten, die hier eine FFT liefert, das globale Minimum
der Stringlänge zurück und bestimmt die Herzschlagdauer auf etwa 0,05 Bilder oder 0,002 s genau. Unter
Annahme einer reproduzierbaren Bewegung des Herzens ergibt sich durch das Zusammenfügen der
Informationen aller Herzschläge eine höhere zeitliche Auflösung der Daten, wenn Aufnahmefrequenz und
Herzfrequenz nicht zufällig Vielfache voneinander sind.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-1-2">
        <title>2.2 Normalisierung</title>
      </sec>
      <sec id="sec-1-3">
        <title>2.3 Phasenzuordnung</title>
        <p>Um die Phasenlage der jeweiligen Aufnahmen auswerten zu können, müssen diese auf eine vorgegebene
normierte Länge gebracht werden. Dies kann prinzipiell frei gewählt werden, sinnvoll ist jedoch eine Anzahl von
Zeitschritten, die im Bereich der aufgenommenen Bilder pro Herzschlag liegt. Eine einfache lineare Interpolation
liefert einen zeitlich äquidistanten Satz von B-Scan-Bildfolgen für jeden Winkelschritt.</p>
        <p>Allen Aufnahmen beinhalten den gemeinsamen A-Scan der Rotationsachse, so dass durch ihn eine schnelle
Phasenzuordnung realisiert werden kann. Diese ist notwendig, da durch die Neujustierung der Ablenkspiegel für
jeden Winkelschritt die Phasenlage der zeitlich aufgetragenen A-Scans unbekannt ist. Ein beliebiger über die Zeit
aufgetragener A-Scan wird als Referenzphase definiert, ein subpixel-genauer Bildvergleich der als 2D-Bild
dargestellten Abfolge von A-Scans über eine zweidimensionale Korrelationsfunktion liefert die gesuchte relative
Phasenverschiebung.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-1-4">
        <title>2.4 Berechnung und Visualisierung des Volumendatensatzes</title>
        <p>Um die nun zeitlich synchronisierten Datensätze als Volumen visualisieren zu können, wird eine
Koordinatentransformation von Zylinderkoordinaten in kartesische Koordinaten durchgeführt. Zwischenwerte
liefert eine lineare Interpolation. Für jeden Zeitschritt wird ein 3D-Volumensatensatz aus den rotatorischen Scans
berechnet und als DICOM-Datensatz gespeichert. Die Visualisierung der 4D-DICOM-Daten wurde durch die
Software OsiriX bzw. MeVisLab realisiert. Besonders intuitiv für die anschauliche Visualisierung der
Kontraktionsbewegung des embryonalen Herzens erwies sich die halbtransparente Darstellung des Gewebes
über Look-Up-Tabellen.</p>
        <p>Abbildung 4: Rekonstruktrionsergebnis – OCT-Volumendaten eines Hühnerembryo während eines Herzschlages
als halbtransparente Darstellung in der Draufsicht. Die Kontraktionsbewegung der Herzschlauchs und das
geförderte Blutvolumen lassen sich analysieren.
Das vorgestellte Verfahren liefert bewegte zylindrische 3D-OCT-Datensätze, die sich besonders für die
Visualisierung der frühembryonalen Herzentwicklung eignen. Die Eindringtiefe der OCT-Bildgebung ist zwar
auf ca. einen Millimeter limitiert, dieser Einsatzbereich ist aber vor allem für kleinste Strukturen wie das
embryonale Herz in seinen frühesten kritischen Entwicklungsphasen hervorragend geeignet (siehe Abbildung 4).
Die Rekonstruktion der Phasenlage anhand eines in allen Bildern örtlich konstanten A-Scans ist sehr anschaulich
und liefert gute Ergebnisse. Die Rotationsachse lässt sich so positionieren, dass der Informationsgehalt
maximiert wird.
4</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Es wurde ein Ansatz präsentiert, um aus ungetriggerten Bildfolgen eines Optischen Kohärenztomographen allein
anhand der Bildinformation einen 4D-Volumendatensatz zu rekonstruieren. Die Akquisition des Bildmaterials
erfolgt dabei rotatorisch, so dass alle Aufnahmen über einen gemeinsamen A-Scan der Rotationsachse verfügen,
über den sich die Zuordnung der Phasenlage schnell und zuverlässig realisieren lässt. Zusätzlich lassen sich über
den zentralen A-Scan schon während der Aufnahme Bewegungsartefakte erkennen und evtl. durch die iterative
Optimierung der Aufnahmeposition durch den Vergleich der A-Scans kompensieren, was bei translatorischen
Aufnahmemodalitäten nicht möglich ist.</p>
      <p>Die örtliche Auflösung des resultierende 4D-Volumendatensatzes ist inhomogen und nimmt aufgrund der
Koordinatentransformation in kartesische Zielkoordinaten von der Mitte des zylindrischen Scanvolumens mit
zunehmendem Radius ab. Für die Visualisierung des schlagenden embryonalen Hühnerherzens ist eine hohe
Auflösung im Bereich des schlagenden Herzens vorteilhaft, während der Informationsverlust in den umgebenden
Geweberegionen vernachlässigbar ist
Bei der Rekonstruktion der Volumendaten sind einige Annahmen getroffen worden, die zu diskutieren sind. Die
optischen Weglängen in den unterschiedlichen Geweben sind bisher nicht kalibriert und korrigiert, so dass die
geometrische Interpretation der Volumendaten kritisch betrachtet werden muss. Auf das Verfahren selbst hat dies
jedoch keinen Einfluss, da davon ausgegangen werden kann, dass der durch die Ablenkeinheit des optischen
Kohärenztomographen positionierte Laserstrahl senkrecht in das Gewebe eintritt.</p>
      <p>Die zeitliche Normierung im Vorfeld der Phasendetektion ist notwendig, da die Herzfrequenz nicht zwangsläufig
über die einige Minuten dauernde Aufnahme konstant bleibt. Allerdings lässt sich zeigen, dass eine lineare
Interpolation bei großen Frequenzänderungen nur unzureichende Ergebnisse liefert, da sich je nach Abschnitt des
Herzschlauches die Zeiten für Kontraktion (Systole) und Erschlaffung (Diastole) in unterschiedlichen
Verhältnissen ändern.
5</p>
    </sec>
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