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        <article-title>Kombination eines navigierten Assistenzroboters mit einem ISO 3D C-Bogen</article-title>
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          <string-name>M. Schlimbach</string-name>
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          <string-name>S. Sahm</string-name>
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          <string-name>J. Wahrburg</string-name>
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          <label>0</label>
          <institution>Schlüsselworte: C-Bogen</institution>
          ,
          <addr-line>roboterassistierte Chirurgie, Navigation</addr-line>
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          <label>1</label>
          <institution>Universität Siegen, Zentrum für Sensorsysteme</institution>
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          <country country="DE">Deutschland</country>
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      <fpage>87</fpage>
      <lpage>91</lpage>
      <abstract>
        <p>Ein aktueller Entwicklungstrend in der computerassistierten Chirurgie besteht darin, die zunehmend leistungsfähiger werdenden intraoperativen Bildgebungssysteme mit Navigationssystemen zu koppeln. In diesem Beitrag wird in einem noch weitergehenden Schritt die Kombination eines ISO 3D C-Bogens der Fa. Ziehm Imaging mit einem navigierten Assistenzroboter beschrieben. Der Assistenzroboter wird im Rahmen des modiCAS Projekts entwickelt und kann durch seinen modularen Aufbau für verschiedene chirurgische Anwendungen konfiguriert werden. Die Kombination von C-Bogen und Roboter bietet das Potenzial, die Vorteile beider Teilsysteme in einem integralen System zu bündeln.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methoden</title>
      <p>kompletten Steuerung des Assistenzroboters, anwendungsgerecht zu konzipieren, und andererseits die
komplette Unterstützung ausgewählter chirurgischer Eingriffe von der Planung bis zur robotergestützten
Durchführung realisieren zu können. Sie umfasst ein „Plug-In“ – Konzept, das die einfache Integration
zusätzlicher Softwaremodule ermöglicht, die weitere Planungsfunktionen umfassen, wie etwa spezielle
Segmentierungsverfahren, oder auch eine Schnittstelle zu externen Systemkomponenten bereitstellen. Für die
Abbildung 2: Architektur des modiCAS-Assistenzrobotersystems mit ISO 3D C-Bogen
der Firma Ziehm Imaging
Anbindung des Ziehm C-Bogens an die Planungssoftware wurde ein eigenständiges Plug-In implementiert,
das die Kommunikation mit dem C-Bogen Rechner durchführt. Darüber hinaus umfasst das Plug-In alle
Funktionen der NaviPORT-Schnittstelle, um die Registrierung des C-Bogens mit dem navigierten
Assistenzroboter durchführen zu können.</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>2.2 Workflow einer Muster OP</title>
        <p>
          Als Musteranwendung ist zunächst „das robotergestützte Setzen einer Pedikelschraube“ ausgewählt
worden. Zum einem gibt es auf diesem Gebiet bereits Arbeiten, die sich mit dem Thema C-Bogen-gestützte
navigierte Implantation von Pedikelschrauben auseinander setzen (siehe z.B. [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
          ], [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
          ]), und zum anderen hat
die Anwendung beispielhaften Charakter, d.h. der Workflow ist leicht auf andere Anwendungen
übertragbar, deren Arbeitsschritte die Planung einer Zielpose, das Anfahren dieser Zielpose und gegebenenfalls die
Patientennachführung umfassen.
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Einrichtung des integrierten Systems</title>
        <p>Die Systemeinrichtung besteht in erster Linie aus der Bestimmung der Relationen zwischen den
Koordinatensystemen der verschiedenen Systemkomponenten (siehe auch Abbildung 1).</p>
        <p>Im ersten Schritt wird die Transformationsmatrix zwischen dem Koordinatensystem {TCP} im
Roboterflansch und dem Koordinatensystem {OTS} des 3D Digitalisiersystems durch Nutzung eines am
Roboterflansch montierten Referenzgebers bestimmt. Dazu führt der Roboter eine kurze Kalibrierbewegung aus,
die weniger als eine Minute dauert. Bei Kenntnis dieser Transformation können unter Einbeziehung
weiterer Transformationsmatrizen die Zielposen für das chirurgische Instrument, die nach beliebigen Verfahren
geplant worden sind, in Sollwerte für die Robotersteuerung umgerechnet und der Roboterarm zu diesen
Zielposen bewegt werden. Die Transformation zwischen dem Roboterflansch und der Spitze des am
Roboter montierten Werkzeuges kann durch Antasten mit einem Pointer des 3D-Digitalisiersystems unter
Zuhilfenahme eines Adapterstücks bestimmt werden.</p>
        <p>Im zweiten Schritt wird die Transformationsmatrix zwischen dem Koordinatensystem des C-Bogens und
dem Koordinatensystem {OTS} des 3D Digitalisiersystems bestimmt. Dazu wird zunächst durch Einrichtung
des C-Bogens das gewünschte ISO-Zentrum festgelegt. Dann muss der Anwender drei Kalibierpunkte am
Rand des Bildverstärkers mit Pointer des Digitalisiersystems antasten, aus deren Position die gesuchte
Transformationsmatrix berechnet werden kann. Aus den übertragenen Positionen berechnet der C-Bogen
außerdem einen Wert für die Genauigkeit der Registrierung und der Operateur entscheidet, ob sie
verwendet werden soll.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Bildaufnahme mit dem ISO 3D C-Bogen, Bildübertragung und Planung der Sollposition für die Pedikelschraube mit der Planungssoftware des Assistenzroboter-Systems</title>
        <p>Nach der erfolgreichen Registrierung erfolgt die Aufnahme der Bilddaten und anschließend deren
Übertragung zur modiCAS Planungssoftware. Diese generiert aus den Volumendaten ein Oberflächenmodell der
knöchernen Strukturen. Außerdem werden auf dem Planungs-Bildschirm drei beliebig verschiebbare
Schnittebenen durch die Volumendaten dargestellt. Die Segmentierung zwischen Weichteilen und Knochen
erfolgt über eine vom Benutzer ausgewählte und parametrierte Visualisierungsstrategie.
Die Sollposition wird festgelegt, indem das 3D Modell der ausgewählten Pedikelschraube auf dem
Bildschirm in den Fenstern der drei Schnittebenen mit der Maus an die gewünschte Position geschoben wird.
Auf dem Bildschirm wird in einer anderen Farbe außerdem eine weitere Pedikelschraube dargestellt, die
virtuell mit dem vom Roboter geführten Bohrwerkzeug verbunden ist. Bei dessen Bewegung durch den
Roboter ist auf diese Weise am Bild einfach überprüfbar, ob am Ende des Positioniervorganges die
tatsächliche Position der Schraube, die sie nach Eindrehen in die angefertigte Bohrung einnehmen wird, mit der
geplanten Position übereinstimmt.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>Positionierung des Roboters</title>
        <p>Im ersten Schritt erfolgt eine manuelle Vorpositionierung des Bohrwerkzeuges mittels haptischer Führung.
Damit wird die Betriebsart bezeichnet, in der der Roboterarm wie ein passives System durch manuelle
Kraftausübung auf den Arm bewegt werden kann. Dazu wird am Flansch des Roboters ein 6-dimensionaler
Kraft-/Momentensensor montiert, der die auf ihn einwirkenden Kräfte und Momente in und um die Achsen
eines räumlichen Koordinatensystems misst. Der Benutzer fasst einen am Sensor befestigten Handgriff,
drückt eine Zustimmungstaste und kann den Roboter in die gewünschte Richtung bewegen, ohne genaue
Kenntnisse über die Lage von Koordinatensystemen haben zu müssen. Die aktuelle Pose des Instruments
wird auch während der Bewegung in den Bilddaten visualisiert. Die manuelle Vorpositionierung des
Instruments hat den Vorteil, dass der Roboter nur sehr kleine Bewegungen autonom ausführt und somit ist die
Gefahr einer Kollision während einer OP sehr gering.</p>
        <p>Im zweiten Schritt erfolgt die automatische Platzierung des Instruments durch den Roboter in einer
Zielposition, in der der Bohrer auf der Achse liegt, die durch die gewünschte Position der Pedikelschraube läuft,
also die gewünschte Orientierung der Schraube im Wirbelkörper darstellt. Das Anbringen der Bohrung
erfolgt nun im dritten Schritt durch den Operateur, indem er das auf einer Linearführung montierte
Bohrwerkzeug bis zum Anschlag am Ende der Führung bewegt. Der Anschlag wird erreicht, wenn der Bohrer bei
der geplanten Bohrtiefe angelangt ist. Der Operateur kann also sicher sein, nicht versehentlich zu tief zu
bohren. Ein weiterer Vorteil der manuellen Bewegung des Bohrers auf einer Linearführung ist, dass der
Operateur die von ihm ausgeübten Kräfte in gleicher Weise wie bei freihändiger Führung spürt, jedoch stets
sicher sein kann, dass Position und Orientierung der Bohrung exakt den Vorgaben aus der präoperativen
Planung entsprechen.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>3.1 Genauigkeit des Assistenzrobotersystems</title>
        <p>Die erzielbare Genauigkeit des Assistenzrobotersystems ist ein komplexes Zusammenspiel vieler Faktoren
und hängt unter anderem ab von der Genauigkeit des 3D Digitalisiersystems und dessen Referenzgebern,
des Roboters, der Kalibrierung des Assistenzrobotersystems und dem Abgleich mit dem C-Bogen. Da
aufgrund dieser Komplexität theoretische Angaben zur Gesamtgenauigkeit schwierig sind, ist zur Ermittlung
der Genauigkeit ein repräsentativer Versuchsaufbau zur Positionierung eines Bohrwerkzeuges durch den
Roboter erstellt worden (siehe Abbildung 3). Der zugehörige Versuchsablauf umfasst alle oben
beschriebenen Vorgänge zum Abgleich der Koordinatensysteme, die Anfertigung einer 3D Aufnahme des Wirbels, die
Planung der Sollposition und das Anbringen der Bohrung mit dem vom Roboter geführten Bohrwerkzeug.
Unsere vorläufigen Ergebnisse, die auf relativ unscharfen Aufnahmen eines Plastik-Knochenmodells
beruhen, haben gezeigt, dass Genauigkeiten von etwa 1,5 … 2 mm sicher erreichbar sind. Zur Zeit arbeiten wir
an einer genaueren Spezifikation von Planungs- und Messverfahren, um hier noch exaktere Aussagen
liefern zu können.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>3.2 Vorteile der Kombination Assistenzroboter mit C-Bogen</title>
        <p>Im Vergleich zu manueller Instrumentenführung, auch wenn diese durch ein Navigationssystem unterstützt
wird, erfolgt die Instrumentenführung durch den modiCAS Assistenzroboters genauer und mit wesentlich
höherer Reproduzierbarkeit. Es können keine Probleme durch Zittern, Abrutschen oder ungewolltes
Verlaufen des Instruments auftreten. Dies trifft besonders für weniger oder minimal invasive Operationstechniken
zu, wo die Einsicht des Operationsgebietes durch die kleinen Inzisionen beschränkt ist.
Wenn der Assistenzroboter mit einem ISO 3D C-Bogen kombiniert wird, kommen folgende Vorteile hinzu:
• Durch den Abgleich der Koordinatensysteme von C-Bogen und Assistenzroboter können die
Bewegungen des Roboters zur Positionierung des chirurgischen Instruments in den Bilddaten geplant und
anschließend unmittelbar ausgeführt werden. Damit werden die Vorteile der intraoperativen Bildgebung
ausgeschöpft: Die bei Verwendung präoperativer CT- oder MR-Aufnahme notwendige Registrierung
von Fiducials oder knöcherner Landmarken am Patienten mit anschließendem Matching mit den
entsprechenden Punkten in der präoperativen Aufnahme entfällt. Dies führt nicht nur zu einer deutlichen
Zeitersparnis, sondern auch zu einem geringeren Fehlerrisiko.
• Da an der zu operierenden Patientenstruktur ein Referenzgeber befestigt wird, dessen Position von der
Kamera des 3D Digitalisiersystems fortlaufend gemessen wird, werden mögliche Bewegungen des
Patienten erfasst, ohne dass hierzu neue C-Bogen Aufnahmen erforderlich sind. Der Assistenzroboter führt
das chirurgische Instrument aufgrund seiner Tracking-Fähigkeit automatisch nach.
• Minimierung der Strahlenbelastung für Patient und OP-Personal, da Kontrollaufnahmen während der
OP nur noch aus Redundanz- oder Sicherheitsgründen nötig sind und ihre Anzahl der im Vergleich zu
Operationen ohne Roboterunterstützung entsprechend signifikant gesenkt werden kann.
Abbildung 3: Planung der Schraubenposition und Positionierung der Linearführung mit Bohrer durch den</p>
        <p>Roboter - der kleine Metallstift markiert die Zielpose
4</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Die bisherigen Arbeiten zeigen, dass ISO 3D C-Bogen und Assistenzroboter zu einem integralen System
verbunden werden können. Die neuartige Kombination von intraoperativer 3D Bildgebung und
roboterunterstützter OP-Durchführung bietet entscheidende Vorteile: Reduktion der Strahlenbelastung durch
wesentlich geringere Anzahl notwendiger Kontrollaufnahmen, Genauigkeits- und Sicherheitsgewinn, da
Patientenregistrierung und Matching wegfallen, zitter- und abrutschsichere Instrumentenführung durch den
Assistenzroboter. Derzeit arbeiten wir daran, die ausgewählte Musteranwendung detaillierter umzusetzen
und den realitätsnahen Workflow im Detail zu erarbeiten.
5</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Danksagung</title>
      <p>Teile dieser Arbeit wurden im Rahmen des DFG-SPP 1124 sowie durch die Fa. Ziehm gefördert.</p>
    </sec>
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          <article-title>Iso-C3D-gestützte navigierte Implantation von Pedikelschrauben an BWS und LWS</article-title>
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