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      <title-group>
        <article-title>Intuitive Visualisierung von Zielregionen in der minimal invasiven Chirurgie mittels projektorbasierter Erweiterter Realität</article-title>
      </title-group>
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      <fpage>119</fpage>
      <lpage>124</lpage>
      <abstract>
        <p>Intuitive verständliche Navigationshilfen für Operateure in der minimal invasiven Chirurgie werden durch das vorgestellte Erweiterte Realitäts - System direkt auf den Körper des Patienten projiziert. Das System berechnet Pfade einer Intervention anhand aufgezeichneter Trajektorien und erstellt daraus einen Navigationspfad, der aus einer Abfolge von Zielregionen besteht. Der Operateur kann diesen Pfad für eine präoperative Planung nutzen und modifizieren. Zu Beginn der Operation werden optimierte Trokarpositionen auf den Körper des Patienten projiziert. Intraoperativ werden dann Zielregionen ausgehend von der Instrumentenspitze des chirurgischen Instruments visualisiert um die Navigation zu erleichtern. Durch Selektion der endoskopischen Kamera als Zielregion, kann zudem die Navigation der Instrumentenspitzen in das Sichtfeld der Kamera erleichtert werden. Die vorgestellten Navigationshilfen sind intuitiv verständlich und ermöglichen einen Zielfindungsprozess mit einer durchschnittlichen Genauigkeit von 2.6mm. Durch zusätzliche Projektion von Bildgebungsdaten kann die Indirektion aufgehoben werden, welche durch die Blickrichtung des Operateurs auf das Endoskopbild entsteht.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>tisch einen Vorschlag für einen präoperativen Plan, welcher vom Operateur weiter modifiziert und
verfeinert werden kann. Die vorgestellten Navigationshilfen werden intraoperativ direkt auf den Körper des
Patienten projiziert und unterstützen den Zielfindungsprozess der jeweils nächsten Zielregion. Ist diese
erreicht, kann der Operateur die nächste Zielregion wählen.</p>
      <p>
        Die automatische Berechnung von Pfaden wurde bereits in einigen Forschungsarbeiten untersucht, um
dem Operateur aus gelernten Trajektorien eines Experten Hilfestellungen bezüglich einer auszuführenden
Aufgabe zu gegeben [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1 ref2 ref3">1-3</xref>
        ]. Solche Hilfestellungen werden als Virtual Fixtures bezeichnet. Dieses Konzept
wurde von Rosenberg eingeführt und bezeichnet das Überlagern von sensorischen Informationen (z.B.
haptisch, visuell) in den Arbeitsbereich, um die Performanz beim Ausführen einer Aufgabe zu erhöhen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
        ]. In
[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
        ] wird der Benutzer durch automatisch generierte Virtual Fixtures so durch den Arbeitsbereich geführt,
dass seine Bewegungen idealerweise denen eines Experten gleichen. Das Auffinden der
korrespondierenden Stelle in der Trajektorie des Benutzers bezüglich der Trajektorie des Experten geschieht hier durch die
Bestimmung der minimalen Euklidischen Distanz innerhalb eines Zeitfensters in der Expertentrajektorie.
Das Zeitfenster bewegt sich in konstanter Zeit innerhalb der ablaufenden Intervention. Dies macht die
Anwendung für längere Operationen kaum möglich, da Interventionen hinsichtlich des zeitlichen Ablaufs stark
variieren.
      </p>
      <p>Eine Navigationshilfe, die einem Operateur vollautomatisch einen Pfad vorgibt und die aktuelle Position
innerhalb des Pfades auch während einer längeren Operation findet, um den Operateur stetig und robust bis
ans Ziel seiner Operation zu leiten, ist nicht bekannt. Wir sind der Überzeugung, dass der Operateur bislang
manuell den Übergang von einer Zielregion zur nächsten bestimmen sollte, um Sicherheit im
Zielfindungsprozess zu gewährleisten.</p>
      <p>
        Um eine intuitive Visualisierung der nächsten Zielregion zu bieten, erfolgt die Visualisierung der
Navigationshilfen einerseits über eine dreidimensionale Ansicht am Bildschirm und andererseits über das von
Hoppe et. al [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ] entwickelte Erweiterte Realitäts-System Probaris direkt durch Projektion von
Navigationssymbolen auf den Körper des Patienten. Probaris besteht aus handelsüblichen Kameras und Projektoren. Zur
Erfassung eines dreidimensionalen Oberflächenmodells des Patienten wird dieser vor der Operation mittels
modulierter Streifenlichtprojektion gescannt (siehe Abb. 1, rechts) und ein dreidimensionales
Oberflächenmodell generiert. Das System in der Lage die Position eines Trackingkörpers in Echtzeit zu bestimmen
und damit sich verändernde Positionen des Patienten zu berücksichtigen. Durch einen modifizierten
ICPAlgorithmus wird das Oberflächenmodell mit präoperativen Bilddaten (wie CT oder MRT) zur Deckung
gebracht. Probaris wurde bereits klinisch eingesetzt und präzise kalibriert [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ]. Durch die Projektion ist der
Einsatz bisher nur bei manuellen minimal invasiven Eingriffen möglich, in denen eine freie Sicht vom
ProjektorSystem auf den Körper des Patienten gegeben ist. Mit dem Probarissystem wurden zudem bereits
Trokarpositionen auf das Abdomen projiziert [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ].
Abb. 1: Links: Das projektorbasierte Erweiterte Realitäts – System Probaris. Rechts: Projektion von moduliertem
      </p>
      <p>
        Streifenlicht zur Erfassung des Oberflächenmodells
Es gibt bereits Ansätze, die eine Visualisierung des Zielfindungsprozesses untersuchen und realisieren.
Beispielsweise ist der Zielführungsprozess des Probaris-Systems patentiert [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8">8</xref>
        ]. In [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref9">9</xref>
        ] wird eine in-vitro
Evaluation verschiedener Visualisierungsansätze für computerassistierte Navigation in Weichgewebe untersucht.
Die Visualisierung erfolgte hier ohne Methoden der Erweiterten Realität. Für die Visualisierung der
Richtung und Tiefe von Zielpunkten wurde eine Projektion auf verschiedene Projektionsebenen untersucht.
Pfeile zeigen bei einer Biopsie in die Richtung, in welche die Nadel zu bewegen ist, wobei die Tiefe der
Instrumentenspitze durch eine Pegelanzeige visualisiert wird.
2
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methode</title>
      <p>Die Navigationshilfen bestehen zum einen aus einem Symbol, das auf den Körper projiziert wird und intuitiv
anzeigt, in welche Richtung der Operateur das Instrument bewegen muss, um eine Zielposition zu
erreichen. Zum anderen wird ein Navigationspfad als Navigationshilfe berechnet und visualisiert. Es handelt sich
um eine zusammenhängende Abfolge von Zielregionen, verbunden durch Zylindersegmente, welche die
aufgezeichneten Trajektorien eines erfahrenen Operateurs umschließt. In Abbildung 2 ist eine Trajektorie
und der berechnete Navigationspfad zu sehen. Über die Radien der einzelnen Zylindersegmente werden
Abweichungen der Trajektorie als Konfidenzintervall berücksichtigt. Zusätzlich zu diesem Navigationspfad
wird die aktuelle Position der Instrumentenspitzen auf einem Bildschirm visualisiert. Wird das
Konfidenzintervall des Pfades verlassen, wird die Farbe des Navigationssymbols verfärbt, um den Operateur
vor einer möglichen Gefahr zu warnen.
2.1</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Berechnung des Navigationspfades</title>
      <p>Für die Berechnung des Navigationspfades werden Trajektorien mit einer festen Frequenz abgetastet und
aufgezeichnet. Um eine für die Intervention typische Abfolge von Zielregionen zu berechnen, wird für jede
Trajektorie der Instrumente separat ein Clustering durch den Complete Linkage Algorithmus durchgeführt,
einer agglomerativen hierarchischen Clustertechnik, die iterativ die Anzahl der Cluster verringert, indem
jeweils zwei Cluster mit minimaler Distanz vereint werden. Dazu werden die Distanzen der am weitesten
entfernten Elemente der Cluster verwendet, wodurch sich kompakte Cluster ergeben. Diese iterative
Prozedur wird beendet sobald n Cluster erzeugt wurden. Die Anzahl der Zielregionen n kann frei gewählt
werden. Als Metrik wird die dreidimensionale Euklidische Distanz verwendet. Zusätzlich wird die Bedingung
eingeführt, dass in jedem Schritt nur Punkte vereinigt werden, welche zeitlich direkt aufeinander folgen.
Nach dem Clustering wird jeder Cluster durch seinen räumlichen sowie seinen zeitlichen Schwerpunkt
repräsentiert. Die n Cluster weden nach aufsteigender Zeit sortiert, wodurch sich eine Durchlaufreihenfolge
der Zielregionen ergibt. Um jeden Clusterschwerpunkt wird eine Kugel gelegt, deren Radius proportional
zur räumlichen Varianz der Elemente um den Clusterschwerpunkt ist. Durch Verschieben der Kugel zum
jeweils zeitlich folgenden Clusterschwerpunkt, ergibt sich eine Abfolge von aneinanderhängenden
SweptSphere Objekten. Dies ermöglicht effiziente Punktanfrage, um festzustellen, ob sich die Instrumentenspitze
im Pfad befindet. Die berechnete Abfolge von Zielregionen, sowie die Radien der einzelnen Segmente
können vom Operateur modifziert werden, um die Intervention am Patienten zu planen.</p>
      <p>Abb. 2: Trajektorie, Abfolge von Clusterschwerpunkten und Navigationspfad aus Swept-Sphere Objekten.
Um den Patienten zum Projektorsystem zu registrieren, wird die Körperoberfläche des Patienten mit dem
Pobarissystem gescannt und das entstandene Oberflächenmodell mit den präoperativen Daten in Deckung
gebracht. Während der Intervention wird dann das chirurgische Instrument fortlaufend optisch getrackt.
Über die Transformation, welche aus der Registrierung gewonnen wurde und den geometrischen
Eigenschaften des Instruments, wird die Instrumentenspitze fortlaufend im Planungskoordinatensystem
lokalisiert und es ist möglich die abgetasteten Trajektorien aufzuzeichnen.
2.2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Das Navigationssymbol</title>
      <p>Die Richtung zum Zielpunkt wird durch ein Kreuz symbolisiert, welches sich in Draufsicht direkt über dem
Zielpunkt befindet. Zudem wird eine Linie vom Eintrittspunkt der Instrumente in den Körper
(Trokarposition) zu diesem Kreuz eingezeichnet. Die Linie zeigt also die Richtung an, in der sich das Ziel
befindet. Die Tiefe wird durch einen Kreis um das Richtungssymbol angezeigt. Der Radius des Kreises
visualisiert die Tiefendifferenz zwischen der Ist-Position und der Soll-Position der Instrumentenspitze. Ist das
Instrument zu tief, verfärbt sich der Kreis rot.</p>
      <p>x</p>
      <p>w</p>
      <p>Abb. 3: Gescanntes Oberflächenmodell, Trokarposition A, Instrumentenspitze B, Zielpunkt C.</p>
      <p>In Abbildung 3 bezeichnet Punkt A den Eintrittspunkt der Instrumente in den Körper (Trokarposition). Der
Vektor v=C-B von der Instrumentenspitze B zum Zielpunkt C bestimmt die visualisierte Richtung, w=C-A
gibt die Richtung vom Eintrittspunkt zum Zielpunkt an und x=B-A die Richtung vom Eintrittspunkt zur
Instrumentenspitze. Der Radius des Tiefenkreises ist proportional zu δ=|w|-|x|, der Länge der Strecke, um
die das Instrument in den Körper eingeführt oder herausgezogen werden muss, um dieselbe Tiefe im
Körper zu erreichen, die auch der Zielpunkt vom Eintrittspunkt hat. Beim Annähern an das Ziel bewegt sich das
Navigationskreuz somit auf den Eintrittspunkt zu, bis die Instrumentenspitze das Ziel erreicht hat. Ist der
Tiefenkreis zu sehen, muss das Instrument tiefer in den Körper eingeführt werden. Dabei wird der
Kreisradius kleiner, bis er schließlich auf der Höhe des Zielpunktes zu einem Punkt wird. Ist das Symbol rot, ist das
Instrument zu tief eingedrungen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Ergebnisse und Diskussion</title>
      <p>
        Die Genauigkeit des gesamten Projektorsystems (Einscannen, Registrierung und Projektion) beträgt
durchschnittlich 2.6 mm, wobei der Fehler zum Rand des Abdomens zunimmt und im Bereich um den Bauchnabel
eine Genauigkeit von einem Millimeter erreicht [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10">10</xref>
        ].
      </p>
      <p>Der Vorteil der direkten Visualisierung auf dem Abdomen kann vom Operateur genutzt werden, wenn die
Endeffektoren der Instrumente nicht im Endoskopbild sichtbar sind. In einer typischen chirurgischen
Situation wird zuerst das Endoskop in den Körper geführt, um das Operationsgebiet zu betrachten, erst danach
werden die Instrumente eingeführt. Die Endeffektoren sind damit im Allgemeinen nicht im Sichtbereich
des Endoskops. Der vorgestellte Zielführungsprozess erleichtert diese „blinde Navigation“, wenn das
Endoskop als Ziel gewählt wird. Auch während der Operation kann die Visualisierung der momentanen
Kameraposition für den Assistenten beim Einführen und Navigieren des Instruments eine Hilfe bieten. Durch das
System ist eine genaue Navigation zu Zielregionen möglich, die der Operateur in der präoperativen
Bildgebung segmentiert und zum berechneten Navigationspfad hinzugefügt hat.</p>
      <p>Durch eine Integration von Navigationssymbolen in das Endoskopbild, bleibt die Indirektion zwischen
Blickrichtung und Intervention am Situs bestehen, jedoch wäre Informationszuwachs im betrachteten
Endoskopbild gegeben. Im Gegenzug könnte durch eine entzerrte Projektion präoperativer Bilddaten auf
das Abdomen der Informationsgewinn beim direkten Betrachten des Patienten erhöht werden.
Beispielsweise könnten Schichten der präoperativen Bildgebung als Draufsicht durch das System entzerrt auf das
Abdomen projiziert werden, wobei die Höhe der dargestellten Schicht durch die Höhe der
Instrumentenspitze bestimmt wird und der Operateur durch ein am Instrumentengriff angebrachtes Scrollrad zusätzlich
die Möglichkeit bekommt durch die Schichten zu navigieren. Bei fortlaufender Entwicklung echtzeitfähiger
Bildgebungsverfahren, kann in Verbindung mit Methoden der Erweiterten Realität, darüber hinaus das Ziel
verfolgt werden, Operateuren in der minimal invasiven Chirurgie die Möglichkeit zu bieten, „durch den
Abdomen hindurch“ zu sehen. Eine dreidimensionale Visualisierung der Anatomie auf dem Abdomen des
Patienten wäre dann dadurch möglich, das Projektorsystem mit Shutter-Brillen zu synchronisiert und
abwechselnd Bilder für das rechte und das linke Auge zu projizieren. Durch Tracken der Blickrichtung der
Operateure kann so der Eindruck eines dreidimensionalen Bildes erzeugt werden.</p>
      <p>
        Im vorgestellten Ansatz gibt der Operateur an, wann eine Zielregion erreicht ist. Zudem ist eine Kontrolle
der Übertragbarkeit der Pfade nötig. Ein weiteres Forschungsziel ist eine kognitive Erweiterung des
Ansatzes, um eine automatische Übertragung und Zielführung über die gesamte Intervention hinweg zu
erreichen. Dies erfordert Kontextwissen und eine semantische Interpretation der Intervention.
In Kombination mit optimierten Trokarpositionen, wie sie in [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ] beschrieben werden, ergibt sich ein
Erweitertes Realitäts - System, mit dem Zielregionen intuitiv auf dem Abdomen visualisiert werden, um dem
Operateur Hilfestellungen für eine erfolgreiche Operation zu bieten.
4
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Danksagung</title>
      <p>Die vorliegende Arbeit entstand im Rahmen des Graduiertenkollegs 1126 – „Intelligente Chirurgie –
Entwicklung neuer computerbasierter Methoden für den Arbeitsplatz der Zukunft in der Weichteilchirurgie“
und wurde durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt.</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
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