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        <article-title>Interaktives 3D-basiertes Training der Planung von Eingriffen an der Wirbelsäule</article-title>
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          <string-name>K. Kellermann</string-name>
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          <string-name>C. Bochwitz</string-name>
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          <string-name>Schlüsselworte: Trainingssystem, Applikationsentwicklung</string-name>
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          <label>0</label>
          <institution>Otto-von-Guericke-Universität, Institut für Simulation und Graphik</institution>
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      <fpage>131</fpage>
      <lpage>135</lpage>
      <abstract>
        <p>Wir präsentieren ein fallbasiertes chirurgisches Trainingssystem zur Vermittlung anatomischer Kenntnisse, kognitiver Strategien der Therapiefindung und Interaktionstechniken für die computergestützte Therapieplanung von Wirbelsäulenerkrankungen. Dem SpineSurgeryTrainer liegen Patientendaten, Bilddaten, Bildanalyseergebnisse und 3D-Modelle sowie kommentierte OP-Videos und Diagnoseinformationen zugrunde. Neurochirurgen oder Orthopäden, die sich auf die Wirbelsäulenchirurgie spezialisieren wollen, können innerhalb eines praxisnahen Workflows Therapieentscheidung und Operationsplanungen trainieren, wobei auf Expertenmeinungen und ihr fallspezifisches Vorgehen zurückgegriffen werden kann. Der Fokus liegt auf der interaktiven 3D-Darstellung der Anatomie und der virtuellen Therapieplanung.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
      <p>Für die Entwicklung eines erfolgreichen Trainingssystems ist die Integration der zukünftigen Nutzer in die Konzeption
entscheidend. Damit eine Kommunikation mit den zukünftigen Anwendern aufgebaut werden kann und sie aktiv im
Entwicklungsprozess mitwirken, wurde für die Konzeption des Trainingssystems die informelle Spezifikationsmethode
der Szenarien gewählt [6]. Desweiteren orientiert sich das konzeptionelle Design des SpineSurgeryTrainers am
VierKomponenten-Instruktionsdesign-Modell (Komponenten: 1. Lernaufgabe, 2. Unterstützende Information, 3. Prozedurale
Information und 4. Übung von Teilaufgaben) [7], das speziell für das Trainieren komplexer kognitiver Fertigkeiten
entwickelt wurde. Initial enthält der derzeitige Prototyp des SpineSurgeryTrainers einige Fälle unterschiedlicher
degenerativer Wirbelsäulenerkrankungen der Hals-und Lendenwirbelsäule. Anhand dieser Fälle kann der Prozess der
Therapieentscheidung und die jeweilige Planung für eine konventionelle Therapie (z.B. Physiotherapie), einer periduralen
Injektion oder einer Zugangsplanung zum Operationsgebiet bei einem minimalinvasiven chirurgischen Eingriff trainiert
werden.</p>
      <p>Der Trainingsablauf des SpineSurgeryTrainers ist in Abbildung 1 dargestellt und basiert auf dem klinischen Workflow.
Nach der Auswahl des Trainingsfalls folgt der Prozess der Diagnosestellung. Hierzu werden zuerst die relevanten
Patientendaten bereitgestellt. Diese beinhalten neben dem Alter, Geschlecht und Gewicht die Familienanamnese und die
Beurteilung des beruflichen Umfelds, die Fallchronik sowie vorangegangene Behandlungen. Daraufhin werden die
Ergebnisse der klinischen und physischen Untersuchungen und die medizinischen Bilddaten präsentiert, die wie die Anamnese
zu bewerten sind. Anschließend kann der Lernende die MRT-Schichtdaten und ein daraus extrahiertes 3D-Modell
interaktiv explorieren, um anschließend eine Therapieentscheidung zu treffen. Die Daten und die zur Exploration zur
Verfügung gestellten Interaktionen und Hilfestellungen für die Entscheidungsfindung werden in den nachfolgenden
Abschnitten detaillierter beschrieben.</p>
      <p>Nach der Therapieentscheidung kann der Lernende die Planung der gewählten Therapie trainieren. Der Schwerpunkt
liegt hier auf der interaktiven Planung von Interventionen und chirurgischen Eingriffen anhand der Schichtdaten und des
3D-Modells. Dies wird in einem späteren Abschnitt genauer erläutert. Nach abgeschlossener Therapieplanung wird im
Analyseschritt die vorgenommene Planung mit denen verschiedener Experten verglichen. Abschließend kann sich der
Anwender über den Ablauf der realen Operation und über die Nachuntersuchungen informieren. Im Anschluss hat er die
Option eine andere Variante dieses Falls zu trainieren.</p>
      <p>l
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llsauw Anamnese suUchnutnerg-en Bilmdedda.ten Planung Analyse
a</p>
      <p>F
Abb. 1: Skizzierter Trainingsablauf des SpineSurgeryTrainers (orientiert am klinischen Workflow)</p>
      <p>Therapieentscheidung
Die Daten zur Generierung des 3D-Modells aus den Schichtbilddaten (in der Mehrheit MRT) sollten idealerweise mit
einer Standardauflösung von mindestens 1 mm und einer Schichtdicke von maximal 3 mm vorliegen. Aus diesen Daten
werden die wesentlichen anatomischen Strukturen segmentiert: die Wirbelkörper, die Bandscheiben, die Dura mit
Durasack und abzweigenden Nervenwurzeln sowie die umliegenden Strukturen, wie Blutgefäße, Muskeln, Luftröhre und
Speiseröhre, und die für die Zugangsplanung relevante Haut.</p>
      <p>Zur Exploration der medizinischen Bilddaten kann der Nutzer zwischen zwei Ansichten wechseln (siehe Abb. 2). Eine
Ansicht zeigt die Schichtdaten, in der die Schichten einzeln durchlaufen und das Grauwertfenster angepasst werden
können. Durch Vergrößern und Verschieben der Schichtbilddaten ist die genauere Betrachtung eines Ausschnitts
möglich. Zudem sind farbige Overlays der in der zweiten Ansicht dargestellten segmentierten Strukturen ein- und
ausblendbar. Damit soll die kognitive Verknüpfung zwischen den 2D-Schichten und der 3D-Anatomie bzw. die räumliche
Vorstellung unterstützt werden. Zum selben Zweck besteht in der 3D-Ansicht die Möglichkeit die aktuelle axiale 2D-Schicht
in das 3D-Modell zu integrieren (siehe Abb. 2). Beim axialen Verschieben dieser Schicht wird das korrespondierende
axiale Schichtbild angezeigt.</p>
      <p>Das freie Navigieren im 3D-Raum durch Rotation (mit je einem oder allen drei Freiheitsgraden), Translation und
Zoomen ist für Ungeübte schwierig. Um die Lernenden bei der Navigation zu den interessanten Sichten zu unterstützen,
werden neben den Standardsichten (koronar, axial und sagittal) auch vordefinierte (z.T. automatisch berechnete)
günstige Ansichten auf die Pathologien angeboten. Störende anatomische Strukturen, die der Nutzer sonst manuell über einen
Strukturbaum selbst aus- und einblendet, sind hier bereits ausgeblendet. Außerdem sollen demnächst automatisch
berechnete Kamerafahrten den Nutzer durch die 3D-Szene führen und die Explorationsaufgabe erleichtern [8]. Die
Kamerafahren können durch den Nutzer beliebig unterbrochen werden, wenn dieser einen interessanten Bereich interaktiv
erkunden möchte. Anschließend wird die Animation fortgeführt.</p>
      <p>realer
OP-Verlauf
Abb. 1: Benutzerschnittstelle zur Exploration der Schichtbilddaten und des 3D-Modells der Patientenanatomie. Die
aktuell sichtbare 2D-Schicht (Ansicht oben rechts) wird hier innerhalb der 3D-Szene des aktuellen Halswirbeldatensatzes
dargestellt, während Overlays in der Schichtdarstellung die dargestellten segmentierten Strukturen innerhalb dieser
Schicht wiederspiegeln. Die einzelnen Strukturen und Strukturgruppen sind über den Strukturbaum rechts ein- und
ausblendbar. Links ist der aktuelle Trainingsablauf dargestellt, der ein Springen zu den einzelnen Schritten ermöglicht.
Für die interaktive virtuelle Therapieplanung stehen wieder die zweidimensionalen medizinischen Schichtbilder und
das 3D-Modell zur Verfügung. Eine einführende Animation zeigt auf Wunsch nur die Wirbelsäule mit der
hervorgehobenen Pathologie und überführt die Ansicht von der koronaren Ausgangsposition in die der jeweiligen Operationssicht
mit sämtlichen segmentierten Strukturen. Die minimalinvasive Zugangsplanung zum Operationsgebiet oder zum
Zielgebiet der Injektion sowie die Planung der Schraubensetzung bei einer Versteifung sind markerbasiert. Dazu muss der
Nutzer jeweils einen Marker für den Einstichpunkt und einen für den Zielpunkt der virtuellen Nadel, des tubolaren
Retraktors oder der Schraube setzen. Das erfolgt auf den Schichtdaten bzw. auf der „Schichtebene“ im 3D-Modell der
Patientenanatomie. Während das arbeiten auf den Schichten der klinischen Alltagssituation entspricht, bietet das
3DModell einen besseren räumlichen Bezug; auch zwischen den Markern.</p>
      <p>Zur besseren Sicht auf das Zielgebiet können Strukturen über einen Strukturbaum (siehe Abb.2) ausgeblendet bzw. zum
Prüfen eines Verletzungsrisikos wieder eingeblendet werden. Zur Kontrolle der eigenen Planung kann das 3D-Modell
inklusive der virtuellen chirurgischen Instrumente exploriert werden. Eine optionale Animation visualisiert den
geplanten Prozess, wobei bei der minimalen Zugangsplanung durch die Animation der gesamte Ablauf der
Zugangsvergrößerung durch Dilatatoren bis hin zum Setzen des tubolaren Retraktors vermittelt wird. Ebenfalls zur Kontrolle aber auch
als anfängliche Hilfestellung, besteht die Option automatisch vorberechnete Insertionszonen [9] farblich auf der Haut
hervorzuheben. Das vermittelt zusätzlich ein Gefühl für das in der Wirbelsäulenchirurgie häufig sehr kleine
Handlungsfenster. Diese Insertionszonen markieren jeweils Bereiche in denen Risikostrukturen, wie Gefäße, verletzt werden
könnten, in denen harte knöcherne Strukturen den Zugang erschweren, der Weg des Instruments zu lang oder der Winkel
ungünstig ist.</p>
      <p>Nutzerführung und Unterstützung
Während der gesamten Planung wird der Nutzer geführt, indem er zu jedem Schritt Hinweise zum Training (Funktionen
und Ausführung) textuell und teilweise auch in Videoform erhält. Zudem kann er sowohl für die Therapieentscheidung
als auch für die Therapieplanung Expertenunterstützung anfordern. Dadurch erfährt er von verschiedenen Experten
mögliche Therapievorschläge und deren jeweilige Indikationen. Diese werden textuell und durch die Anzeige der
relevanten Schichten in den 2D-Daten und statischen oder animierten 3D-Darstellungen der Patienenanatomie aufgezeigt.
Während des Planungsprozesses der Therapie stehen verschiedene Expertenvorschläge in Form von Videos des
Planungsprozesses des Experten und dessen explorierbares Planungsergebnis zur Verfügung. Im Analyse-Schritt ist der
Vergleich mit der Planung der Experten fest integriert. Dabei werden die Zugangswege der Experten und die des
Lernenden visuell sowie textuell parallel angezeigt. Geplant ist es, den Planungsprozess des Experten auch als interaktive
Animation ablaufen zu lassen, um Lösungsstrategien und Herangehensweisen auch visuell zu vermitteln.
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Der SpineSurgeryTrainer ist ein fallbasiertes interaktives Trainingssystem, dass eine Lernhilfe für den gesamten
klinischen Workflow im Bereich der Wirbelsäulenchirurgie darstellt. In Zusammenarbeit mit zwei Orthopäden wurde ein
Prototyp entwickelt, der exemplarisch sechs Halswirbelfälle und acht Lendenwirbelfälle mit Induktionen zur periduralen
Injektion und operativen Eingriffen beinhaltet. Die Modellierung eines Falls ist in der Akquisition der Materialen über
die klinischen Partner und in ihrer Aufbereitung aufwendig. Damit alle Materialen, einschließlich eines OP-Videos
vorliegen, muss oft schon während der realen Planung eines Falls entschieden werden, ob dieser für den
SpineSurgeryTrainer interessant sein könnte. Die Anonymisierung, Segmentierung, Generierung von Fallvarianten, der
Videoschnitt und die Aufnahme der Expertenvorschläge sind zeitaufwendig und setzten ebenfalls die Beteiligung der
klinischen Partner voraus.</p>
      <p>Mithilfe des aktuellen Prototyps sind angehende Operateure in der Lage ihr anatomisches Wissen in dieser Domäne und
ihr mentales Modell der Anatomie auf Basis der Schichtbilddaten zu verbessern. Desweiteren werden die Indikationen
einer Therapie vermittelt und die Entscheidungsfindung und Therapieplanung kann an verschiedenen realen Fällen und
Fallvarianten trainiert werden. Die Präsentation mehrerer Expertenmeinungen verdeutlicht die vielfältige
Vorgehensweise der Experten, die daraus resultiert, dass für die Wirbelsäulenchirurgie zum gegenwärtigen Zeitpunkt wenige
eindeutige Standards existieren. Durch die interaktive und dynamische 3D-Darstellung der Patientenanatomie und –pathologie
ist es einfacher den optimalen Zugangsweg zu erkennen und Verletzungen umliegender Strukturen zu vermeiden. Die
Abbildung der Insertionszonen auf der Haut vermittelt das in der Wirbelsäulenchirurgie oft kleine Handlungsfenster und
bietet damit eine Hilfestellung oder dient der Kontrolle der eigenen Planung. Der Schwierigkeitsgrad ist durch die
optionale Bereitstellung dieser Hilfestellung und der Expertenmeinung entsprechend variabel. Bei der schwierigen
Navigationsaufgabe wird der Nutzer durch automatische Kamerafahrten und aussagekräftige Voransichten unterstützt, so dass
er nicht daran scheitert oder das Interesse verliert. Die Integration der Schichtdaten in das 3D-Modell verbindet die
Vorteile der Vermittlung räumlicher Lagebeziehung zwischen den anatomischen Strukturen und die exakte Darstellung auch
des Inneren der Strukturen. Mit dem Ausblenden einzelner Strukturen werden immer mehr Informationen der
Schichtdaten sichtbar.
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Der SpineSurgeryTrainer befindet sich mitten in der Entwicklungsphase und wird in Zusammenarbeit mir den späteren
Nutzern und unter Berücksichtigung zwischenzeitlicher Evaluierungsergebnissen weiterentwickelt. In der weiteren
Entwicklungsphase soll geprüft werden, inwieweit weitere Interaktionswerkzeuge, z.B. zur Vermessung von Abständen, die
Therapieplanung oder Entscheidungsfindung unterstützen. Ferner soll die Interaktion im 3D-Modell verstärkt werden.
So soll das virtuelle Instrument (z.B. Spritze oder Dilatator) demnächst auch direkt in der 3D-Darstellung am
Einstichpunkt positioniert und mit Hilfe eines Widgets ausgerichtet werden. Die Einstichtiefe wird dann über eine Verschiebung
entlang dieser Ausrichtung bestimmt. Basierend auf der klinischen Routine soll zur Kontrolle ein automatisch
generiertes Röntgenbild der aktuellen Szene abgerufen werden können. Das Röntgenbild für die sagittale oder axiale Lage
könnte durch das Aufsummieren der Voxelwerte einer Volumenpräsentation der Schichtdaten aus der jeweiligen Sicht
entstehen. Die Schwierigkeit besteht hier in der Integration des aktuellen Zustandes des chirurgischen Instruments in den
Volumendatensatz bzw. in das Röntgenbild. Eine Erweiterung der virtuellen Instrumentenbasis, insbesondere durch neu
erschiene Instrumente, deren Handhabungen in den Lehrbüchern noch nicht beschrieben sind, ist vorgesehen. Bei der
minimalinvasiven Zugangsplanung soll durch „CutAways“ der Blick durch den tubolaren Retraktor ermöglicht und die
Möglichkeiten der virtuellen Entfernung knöcherner Strukturen erforscht werden. Weiterhin muss die offene
Zugangsplanung, die die Schwierigkeiten der Gewebedeformation mit sich bringt, weiterentwickelt werden. Bisher sind lediglich
das Einzeichnen einer Resektionsebene in den Schichtbildern und eine entsprechende Verschiebung der Strukturen
konzipiert. In Zukunft sollen weitere Operationsmöglichkeiten (z.B.: Einsetzen künstlicher Bandscheiben oder Versteifung
durch Implantate), neue Fälle (vor allem die Lendenwirbelsäule betreffend) sowie weitere Expertenvorschläge ergänzt
werden. So entsteht eine repräsentative Menge an verschiedenen Planungsprozessen und die Lernenden erhalten einen
Überblick über mögliche Krankheitsbilder und Therapien. Außerdem ist eine fortlaufende Evaluierung bzgl. der
Usability und des Lernerfolges erforderlich.</p>
    </sec>
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