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        <article-title>Das chirurgische Operationsphantom ELITE - die Alternative zu Box- und virtuellen Trainern</article-title>
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      <fpage>141</fpage>
      <lpage>144</lpage>
      <abstract>
        <p>In der Chirurgie spielte Training schon immer eine wichtige Rolle. Mit der Einführung minimal-invasiver Verfahren ist der Bedarf deutlich gestiegen. Neben dem Tiermodell konnte der Anwender bisher nur auf Box- oder virtuelle Trainer zurückgreifen. ELITE (endoskopisch-laparoskopische interdisziplinäre Trainingseinheit) ist ein neues voll-synthetisches ex-vivo Trainingsmodell, mit dem die unterschiedlichen laparoskopischen und endoskopischen Eingriffe simuliert werden können. Die neu entwickelten Organe aus Gelatine und Kollagen verhalten sich sehr realitätsnah und können mit den konventionellen Instrumenten präpariert werden. Das Trainingssystem wurde bei vielen medizinischen Workshops vorgestellt und erfolgreich evaluiert.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
      <p>Derzeit gibt es VR-Simulatoren entweder für laparoskopische oder endoskopische Eingriffe. Eine nachträgliche
Implementierung neuer Operationsverfahren ist nur selten möglich. Obwohl die Technologie von der rasanten Entwicklung
im Entertainment Bereich profitieren konnte, wird das Verhalten von Blut und Gewebe bei allen Manipulationen wie
etwa der Exposition, sowie stumpfer, scharfer und elektrischen Präparation bis jetzt nur sehr artifiziell nachgebildet.
Dennoch belegen Studien [3] einen positiven Zusammenhang zwischen dem Training mit einem virtuellen System und
der Geschicklichkeit beim späteren Operieren in vivo. Untersuchungen [4] haben auch gezeigt, dass die VR-Systeme
für Chirurgen am besten geeignet sind, die bereits Grunderfahrungen in der Chirurgie haben und nun die
BasisFertigkeiten der minimal-invasiven Chirurgie erlernen wollen.</p>
      <p>Rückblickend auf die vergangen Jahre wurden nur vereinzelt Versuche unternommen, die Technologien miteinander zu
kombinieren. Der steigende Bedarf an Trainingsmöglichkeiten verlangt aber, dass möglichst kurzfristig neue Ideen
entwickelt und Wege beschritten werden. Alle genannten Übungssysteme sind entweder nur für das Training von
Basisfertigkeiten geeignet und werden als artifiziell empfunden, oder bieten aber – bei besserer Immersion – nur
hochspezialisierte isolierte Trainingsmöglichkeit. Zudem existierte bisher weder eine universell einsetzbare Übungsumgebung, die
unter realen Bedingungen die Ausführung unterschiedlicher (endoskopischer, laparoskopischer oder NOTES) Eingriffe
möglich macht, noch gibt es derartige Systeme für das VR Training.</p>
      <p>Das neu entwickelte Operationsphantom ELITE ist ein Universalsystem, das prinzipiell die Durchführung aller bisher
bekannten chirurgischen Eingriffe (konventionell-offen, laparoskopisch, endoskopisch oder mittels Zugänge über
natürliche Körperöffnungen) möglich macht. Es war das Ziel der vorliegenden Arbeit, die Eignung dieses neuen
Analogtrainers für die chirurgische Ausbildung zu testen.
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methoden</title>
      <p>ELITE ist die Abkürzung für die sogenannte endoskopisch-laparoskopische interdisziplinäre Trainingseinheit (Abb.1).
Es handelt sich um ein voll-synthetisches Trainingssystem, das in enger Zusammenarbeit mit der Firma Somso für
endoskopisch-laparoskopische Eingriffe entwickelt wurde.</p>
      <p>Der Torso entspricht in den Proportionen einer weiblichen Person in den frühen Erwachsenenjahren. Die
Abdominalhöhle ist gasdicht. Durch zusätzliche Ventile in der Speiseröhre und im Rektum kann auch der
Gastrointestinaltrakt bei der Nutzung dieser Hohlorgane sehr realitätsnah insuffliert werden. Um eine einfache
Austauschbarkeit der Organe zu gewährleisten, wurde das Phantom modular aufgebaut, d.h. die einzelnen Organe können
nach Bedarf ausgewechselt werden.</p>
      <p>Abhängig vom Eingriff kann der Operateur zwischen zwei verschiedenen Varianten der Bauchdecke wählen. Die
weiche Version wölbt sich bei der Gasinsufflation. Wie in der Realität können die Punktionen an beliebiger Stelle
vorgenommen werden, ohne dass es zu Gasverlust kommt. Diese Komponente ist ein Einmalprodukt und wurde bisher
überwiegend für NOTES und transmural assistierte NOTES Interventionen benutzt.</p>
      <p>Der Anwender kann auch auf eine starre Bauchdecke zurückgreifen. Sie ist deutlich kostengünstiger und kann
mehrfach verwendet werden. Eine Gasinsufflation ist bei dieser nicht erforderlich, da bereits die Wölbung wie bei erfolgter
Gasinsufflation vorgeformt ist. Die Trokareinführungspunkte sind hier jedoch vorgegeben und können nicht frei variiert
werden.</p>
      <p>Abb. 1: ELITE (endoskopisch-laparoskopische interdisziplinäre Trainingseinheit). Ein voll-synthetisches
OPPhantom, das das Training unterschiedlicher minimal-invasiver Eingriffe, wie z.B. die Cholezystektomie,
Darmsegmentresektionen oder die Appendektomie, und auch flexiblen endoskopischen Verfahren ermöglicht.
Die Organe werden beim ELITE immer als ein Verbund ausgetauscht. Ein Organpaket besteht momentan aus Leber,
Gallenblase, Milz und Gastrointestinaltrakt inklusive des Mesenteriums und des großen und kleinen Netzes. Als
Werkstoffe werden spezielle weiche Kunststoffe und Silikone verwendet. Alle Organe wirken optisch sehr naturgetreu und
erlauben die Durchführung unterschiedlicher chirurgischer Manöver.</p>
      <p>Um die Appendektomie und die Cholezystektomie sehr realitätsnah durchführen zu können, wurden eine
vollsynthetische Gallenblase und ein Wurmfortsatz-Modell entwickelt. Beide Organe wurden im Bereich der Resektionslinie mit
einer Baumwoll-Schwammschicht ausgestattet, die nach Instillation von Kochsalzlösung mit dem elektrischen Messer
durchtrennt werden kann. Die Schicht ist über eine eingearbeitete Elektrode mit dem Hochfrequenzgenerator
verbunden.</p>
      <p>Ein Novum sind Organe aus Biomaterialien wie Gelatine und Kollagen, die in Zusammenarbeit mit dem
Forschungsinstitut für Leder und Kunststoffbahnen (FILK) in Freiberg entwickelt wurden. Momentan sind für den ELITE Leber
inklusive Gallenblase, der Wurmfortsatz und Teile des Darms optional anstatt der ansonsten verwendeten
Kunststofforgane verfügbar. Die Organe wirken im endoskopischen Bild (Abb.2) sehr realistisch. Da sie komplett wie das natürliche
Gewebe den Strom leiten, muss der Operateur bei der Übung deutlich präziser präparieren, um das umliegende Gewebe
nicht zu verletzen.</p>
      <p>In mehreren Studien wurde die Brauchbarkeit des ELITE-System überprüft. Die subjektive Bewertung des
Trainingsmodells wurde durch Probanden mittels eines standardisierten Fragebogens vorgenommen. In der ersten
durchgeführten Studie wurde eine Peritoneoskopie von den Probanden (n=30: 8 Internisten und 22 Chirurgen) geübt. In einer
weiteren Studie haben die Probanden (n=26: 17 chirurgische Assistenzärzte, 5 Oberärzte und 4 Studenten) die Möglichkeit
gehabt, eine Cholezystektomie bzw. Appendektomie trainieren zu könnten. Sie wurde im Rahmen eines Workshops auf
dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie 2009 durchgeführt. Derzeit befindet sich eine weitere Studie in
der Abschlussphase. Sie soll zeigen, in wie weit die am Operationsphantom erworbenen Kenntnisse auch tatsächlich zu
einer qualitativ besseren Durchführung eines in-vivo Eingriffs führen.</p>
      <p>Abb. 2: Präparation der Gallenblase mit der neuartigen gelatinebasierten Leber während eines
NOTESEingriffs
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Die Ergebnisse der Konstruktvalidierung zeigen, dass bei allen Probanden im Durchschnitt eine statistisch signifikante
Lernkurve feststellbar ist (Gesamtzeit 473 ± 178 s für den ersten gegenüber 321 ± 182 s für den letzten Durchgang;
p=0.02). 15 Experten konnten verlässlich von 15 Anfängern unterschieden werden. Des Weiteren konnten signifikante
Unterschiede in der Gesamtzeit der einzelnen Durchgänge festgestellt werden (Experten, erster Durchgang 394 ± 176 s
gegenüber Anfängern 531 ± 166 s, p=0.040). 96,7% der Teilnehmer haben im Fragebogen vermerkt, dass sie den
ELITE als Trainingssystem sinnvoll halten.</p>
      <p>Die Ergebnisse der Auswertung der Fragebögen des Workshops auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für
Chirurgie 2009 sind ähnlich positiv ausgefallen. Im Durchschnitt haben die Probanden alle Fragen jeweils mit mehr als 5
von 6 Punkten bewertet (gut-sehr gut). Lediglich das Materialverhalten der zu diesem Zeitpunkt noch verwendeten
Kunststoffe wurde im Durchschnitt nur als gut bis befriedigend (Mittelwert 3,23 von 6 Punkten) eingeschätzt.
Die ersten Ergebnisse der sich in der Endphase befindenden Studie zeigen jetzt bereits, dass die Eingriffsdauer der
Gruppe, die vor Cholezystektomie am Schwein 4-mal den Eingriff am ELITE trainiert haben, deutlich geringer ist.
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Mit der Einführung minimal-invasiver Verfahren in der Chirurgie ist der Bedarf an Training und Ausbildung deutlich
gestiegen. Das Tiermodell ist immer noch der „Goldstandard“ an dem sich alle anderen Trainingssysteme messen
müssen. Aus ethischen Gründen und wegen der hohen Kosten können Tierversuche nur sehr eingeschränkt durchgeführt
werden. Die bisherigen Alternativen waren Boxtrainer mit Tierpräparaten und die virtuellen Simulatoren. Jedes dieser
Trainingssysteme hat jedoch Vor- und Nachteile. Die Boxtrainer sind zwar sehr realitätsnah, die Organe müssen aber
für den Eingriff mühsam vorbereitet und danach ordnungsgemäß entsorgt werden. Der VR-Trainer kann praktisch
überall aufgestellt und nach kurzer Einführung auch von unerfahrenen Personen benutzt werden. Der Nachteil der
VRSysteme ist, dass trotz der vielen Fortschritte in den letzten Jahren die Darstellung immer noch sehr artifiziell wirkt.
ELITE ist ein neues voll-synthetisches ex-vivo Modell an dem endoskopisch-laparoskopische und NOTES-Eingriffe
mit vertretbarem Aufwand trainiert werden können. Um möglichst die Problematik der Tierpräparate zu vermeiden und
damit auch gleichzeitig den ethischen Anforderungen gerecht zu werden, wurde bei der Entwicklung besonders darauf
geachtet, dass ausschließlich synthetische Werkstoffe verwendet werden.</p>
      <p>Das OP-Phantom ist modular aufgebaut und kann entsprechend dem geplanten Eingriff zusammengestellt werden.
Unter anderem hat der Operateur die Möglichkeit zwischen zwei unterschiedlichen Bauchdecken zu wählen. Die
Abdominalhöhle und wie auch der Gastrointestinaltrakt sind gasdicht. Die synthetischen Organe wirken optisch sehr
naturgetreu und werden als Paket ausgetauscht. Ein Novum sind die hochimmersiven synthetisch hergestellten Organe
aus Gelatine und Kollagen. Sie wirken sehr naturgetreu und können mittels Hochfrequenz-Chirurgie realitätsnah
präpariert werden.</p>
      <p>ELITE wurde in mehreren Studien auf seine Tauglichkeit als Trainingssystem überprüft. In den bereits veröffentlichten
Ergebnissen der Konstruktvalidierung des Modells [5] konnte ein Lernerfolg während des Trainings festgestellt
werden. Die subjektive Bewertung durch die Probanden war ausgesprochen positiv.</p>
      <p>Das System wird kontinuierlich weiter entwickelt. Der besondere Fokus liegt darauf, das Spektrum der möglichen
Eingriffe weiter zu erweitern. Zukünftig sollen weitere Organe aus Gelatine und Kollagen hergestellt und damit die
haptischen Eigenschaften und die Realitätsnähe weiter verbessert werden. Um die Kosten weiter zu senken, sollen Konzepte
entwickelt werden, die eine Serienproduktion dieser synthetischen Organe ermöglichen.</p>
      <p>Der Einsatz des ELITE bei der Ausbildung kann die Kosten deutlich reduzieren und den Einsatz von Tierversuchen für
das Erlernen von Basistechniken vollständig ersetzen.
5</p>
    </sec>
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