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        <article-title>Interaktive Techniken zur Korrektur medizinischer Segmentierungen auf Basis Stabiler Feder-Masse-Modelle</article-title>
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          <string-name>S. Rahner</string-name>
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      </contrib-group>
      <fpage>159</fpage>
      <lpage>163</lpage>
      <abstract>
        <p>Die Auswertung digitaler Bilddaten für die Diagnose und Therapie von Krankheitsbildern nimmt heute einen hohen Stellenwert ein. Eine Computerunterstützung für die Segmentierung anatomischer Strukturen ist von Bedeutung, nach heutigem Stand der Technik aber nicht vollkommen exakt, was Fehlsegmentierungen zur Folge hat. Für die Planung von Halstumor-Operationen etwa werden Segmentierungen genutzt, um Maßzahlen wie Tumorgröße oder -ausdehnung, sowie Informationen über mögliche Infiltration und Sicherheitsabstände zu berechnen. Die Korrektheit der Segmentierungen muss in solchen Fällen gewährleistet sein und erfordert gerade bei automatischen Verfahren häufig manuelle Korrekturen. Wir stellen vier Interaktionstechniken zur nachträglichen Korrektur modellbasierter Segmentierungen auf Basis Stabiler Feder-Masse-Modelle vor. Erstmalig wird dabei das durch die Formmodelle integrierte Wissen über die zu segmentierende Struktur zur Korrekturdurchführung hinzugezogen. In einer ersten Nutzerstudie konnte gezeigt werden, dass die entwickelten Interaktionstechniken auch untrainierten Anwendern eine effektive und effiziente Durchführung von Nachbesserungen ermöglichen.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
      <p>Alle genannten Techniken nutzen das in Form des Segmentierungsmodells in die Segmentierung eingebrachte
Formwissen zur Nachkorrektur der Ergebnisse nicht aus. Daher erfordern sie oftmals komplexe Nutzereingaben und
einen hohen Bearbeitungsaufwand für die Korrekturdurchführung oder liefern durch die Erzeugung von
Diskontinuitäten in der Oberfläche des Segmentierungsergebnisses anatomisch nicht-plausible Ergebnisse. Die Entwicklung intuitiv
bedienbarer Techniken, welche von in den Segmentierungsprozess integriertem Modellwissen Gebrauch machen, war
daher das Ziel dieser Arbeit.
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methoden</title>
      <p>Die hier konzipierten vier Korrekturwerkzeuge für modellbasierte Segmentierungsverfahren wurden auf der Grundlage
einer Segmentierung mit Stabilen Feder-Masse-Modellen (SMSM) entworfen und umgesetzt. Dabei handelt es sich um
physikalisch beschreibbare Formmodelle, bei denen eine Anzahl von Massepunkten durch elastische Federn
miteinander verbunden ist. Verschiedene physikalische Parameter beschreiben die Eigenschaften des Modells und seiner
Elemente, die in permanenter Wechselwirkung zueinander stehen. Die Dynamik des Modells entsteht durch die bekannte
Wechselwirkung von internen und externen Kräften. Die internen Feder- und Torsionskräfte sollen die Formbewahrung
im Rahmen der durch die Modellparameter kodierten zulässigen Variation gewährleisten, während die externen Kräfte,
welche aus Bildinformationen generiert werden, das Modell zur gesuchten Struktur streben lassen. Bei modellbasierten
Segmentierungen treten typischerweise zwei Ursachen für Segmentierungsfehler auf:
1. Ein Modell detektiert ein falsches lokales Extremum und segmentiert unerwünschte Objektgrenzen, oder
2. das Modell verfügt über unzureichendes Modellwissen, welches die gesuchte Struktur nicht optimal
beschreibt.</p>
      <p>
        Die entwickelten Korrekturmethoden unterstützen eine Nachbesserung beider Fehlergruppen. Für die Fehler der Klasse
1 wird eine direkte Manipulation der Modellgeometrie unter Berücksichtigung des Formwissens ermöglicht, um das
Modell vom falschen Extremum zur korrekten Strukturkante zu führen (Korrekturverfahren 1 und 2). Um Fehler der
Klasse 2 korrigieren zu können, muss es dem Anwender möglich sein, zusätzliches Modellwissen in den
Korrekturprozess zu integrieren – hierzu dienen die Korrekturverfahren 3 bzw. 4. Alle Verfahren verwenden für eine Korrektur das
zur Segmentierung genutzte SMSM und verwenden so direkt das in dem Modell gespeicherte Formwissen über die
jeweils gesuchte Struktur für eine Korrekturdurchführung aus. Hierin unterscheiden sich die Methoden von anderen in
der Literatur vorgestellten Korrekturverfahren, wie etwa denen von Proksch et al. [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ], die eine direkte Nachbearbeitung
von als Polygonmodellen vorliegenden Segmentierungsergebnissen erlauben.
2.1
      </p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Einzelmassenverschiebung</title>
        <p>Die erste Korrekturmethode ist die Einzelmassenverschiebung. Hierbei definiert der Nutzer Punkte auf nicht
segmentierten Teilen der Strukturkante, indem er diese in einer Schichtansicht des Datensatzes anklickt(Abb. 1). Auf diese
Punkte wird dann der jeweils nächstgelegene Massepunkt des zur Segmentierung genutzten SMSM verschoben und
dort temporär fixiert. Anschließend werden Simulationsberechnungen der Modellbewegung unter Berücksichtigung der
fixierten Massepunkte durchgeführt, bevor sie für eine zweite Simulation wieder freigelassen werden. Diese
korrigierenden Simulationsläufe verbessern die Anpassung des Modells an die Bilddaten in Regionen, in denen der Nutzer
Punkte gesetzt hat.</p>
        <p>Abb. 1: Beispielhafte Korrektur eines fehlsegmentierten Lymphknotens durch Einzelmassenverschiebung</p>
        <p>Links: zu korrigierende Segmentierung, Mitte: Anklicken der Datensatzpunkte, Rechts: korrigierte Kontur
2.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Massenbereichsverschiebung</title>
        <p>Das Konzept der Einzelmassenverschiebung wurde bei der Massenbereichsverschiebung weiterentwickelt. Hier wird
nicht ein einzelner Massepunkt auf den nächstgelegenen, durch den Nutzer angeklickten, Punkt umgesetzt. Stattdessen
bestimmt die Methode auf Basis des Dijkstra-Algorithmus ein Massepunktnetz vordefinierter Größe, welches in
Richtung des jeweiligen nutzerdefinierten Punktes verschoben wird. Der Vorteil gegenüber der Einzelmassenverschiebung
besteht darin, dass die Gefahr, dass ein herausgezogener Massepunkt durch die inneren Modellkräfte einfach wieder in
die Oberfläche des SMSM zurückgezogen wird, reduziert wird.
2.1.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Lasso-Sensoren</title>
        <p>Neben solchen Techniken, die für eine Korrektur eines Segmentierungsergebnisses direkt eine Änderung der Geometrie
des jeweils genutzten SMSM herbeiführen, wurde ein Werkzeug entwickelt, welches dies indirekt durch die Einführung
neuer Modellsensoren bewerkstelligt, die während des Segmentierungsprozesses auf die Massepunkte einwirkende
Kräfte erzeugen. Diese Sensorart wird als Lasso-Sensor bezeichnet, da die Kräfte derart wirken, dass sie den
Massepunkt, dem sie zugeordnet sind, zu sich heranziehen. Für die Verwendung der Sensoren klickt der Anwender in einer
beliebigen Schichtansicht des Datensatzes auf Punkte in der Nähe des korrekten Verlaufs einer fehlsegmentierten
Kante. An diesen werden dann Lasso-Sensoren erzeugt, die in einer korrigierenden Simulation der Modelldynamik die
ihnen zugeordneten Massepunkte zu sich heranziehen und so eine verbesserte Anpassung des Modells an die Daten
bewerkstelligen.
2.1.4</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>Torsionskraftverstärkung</title>
        <p>Das vierte Korrekturwerkzeug macht sich die Wirkungsweise der Lasso-Sensoren zu Nutze. Bei dem
Torsionskraftverstärkungs-Werkzeug, für das der Nutzer in der schon beschriebenen Art und Weise Punkte in den Bilddaten markiert
(Abb. 2), wird an jedem dieser Punkte ein Lasso-Sensor erzeugt, welcher dem nächstgelegenen Modellpunkt
zugewiesen wird. Zusätzlich wird für Nachbarmassepunkte, die den nächstgelegenen Massepunkt umgeben, sowie den Punkt
selbst, die Torsionskonstante erhöht, bevor eine erneute Modellanpassung unter Berücksichtigung der neuen Parameter
zur Korrektur berechnet wird.</p>
        <p>Abb. 2: Beispielhafte Korrektur durch Anwendung der Torsionskraftverstärkung:</p>
        <p>Links: zu korrigierende Segmentierung, Mitte: Anklicken der Datensatzpunkte, Rechts: korrigierte Kontur
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Die vorgestellten interaktiven Korrekturwerkzeuge wurden unter Nutzung der Programmiersprache C++ sowie
verschiedener Softwarebibliotheken prototypisch implementiert.</p>
      <p>In einer ersten Nutzerstudie wurde gezielt untersucht, wie leicht die Anwendung der Werkzeuge zu erlernen und
zu beherrschen war, und wie schnell eine Korrektur mit ihnen vorgenommen werden konnte. Die objektive Qualität der
Segmentierungsergebnisse stand dabei nicht im Vordergrund. Es standen vier Probanden zur Verfügung, von denen
zwei mit den Korrekturtechniken vertraut waren, die anderen zwei Probanden waren fachfremd und hatten weder
Erfahrungen mit den Korrekturwerkzeugen, noch mit medizinischen Bilddaten und Segmentierungen. Die Testnutzer
waren nicht fachlich medizinisch ausgebildet.</p>
      <p>Jeder Proband hatte die Aufgabe, vorberechnete SMSM-Segmentierungen von einem nekrotischen Lymphknoten
und die rechte Platte dreier Schildknorpel in vier verschiedenen CT-Datensätzen des Halsbereiches zunächst manuell
und anschließend unter Verwendung der vorgestellten Methoden zu korrigieren. Bei der Korrekturdurchführung
wurden jeweils die benötigten Zeiten gemessen, sowie verschiedene subjektive Einschätzungen bzgl. der
Anwenderfreundlichkeit und Effektivität der Korrekturwerkzeuge eingeholt.</p>
      <p>Da modellbasierte Lymphknotensegmentierungen in der Regel bereits sehr genaue Ergebnisse liefern und deshalb
meist wenig Korrekturbedarf besteht, wurde für diese erste Nutzerstudie lediglich ein nekrotischer Lymphknoten als
Anwendungsfall ausgewählt. Bei diesem führt die Anwendung der SMSM aufgrund seiner besonderen
Formeigenschaften zu Fehlsegmentierungen. Komplexere Strukturen, wie etwa der Schildknorpel, stellen eine größere
Herausforderung für die SMSM dar. Hier kommt es etwa an den Hörnern häufig zu Untersegmentierungen, die korrigiert werden
müssen. Aber es treten auch andere typische Arten von Fehlsegmentierungen auf, deren Ursache in den zwei oben
dargestellten Problemklassen liegt und an denen die entwickelten Techniken getestet werden sollten. Es wurden deshalb
drei unterschiedliche Schildknorpelsegmentierungen für die Evaluierung verwendet, die jeweils typische
Segmentierungsfehler aufwiesen.</p>
      <p>Es zeigte sich, dass alle vier entworfenen Techniken zur interaktiven Korrektur modellbasierter medizinischer
Segmentierungen geeignet waren und einen raschen Einstieg in deren Anwendung ermöglichten. Außerdem konnten
durch einen Einsatz der Werkzeuge von allen Probanden schneller die gewünschten Korrekturergebnisse erzielt werden
als es die Nutzung des manuellen Verfahrens erlaubt (Tab. 1). In allen Testfällen gaben die Probanden an, dass die
subjektive Übereinstimmung der korrigierten Segmentierung mit den jeweiligen Bilddaten zufriedenstellend war.</p>
      <p>Struktur
Schildknorpel 1
Schildknorpel 2
Schildknorpel 3
Lymphknoten</p>
      <p>Zeit
(trainiert, in min)</p>
      <p>Zeit
(untrainiert, in min)</p>
      <p>Zeit - manuell
(trainiert, in min)</p>
      <p>Zeit - manuell
(untrainiert, in min)</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Die vier interaktiven Techniken verfolgen eine neue Strategie zur Korrektur medizinischer Segmentierungen. Statt
Werkzeuge zur Verfügung zu stellen, welche eine direkte Manipulation der Geometrie eines Segmentierungsergebnisses
erlauben, integrieren die vorgestellten Techniken das über ein Formmodell in den Segmentierungsprozess eingebrachte
Modellwissen in die Korrekturalgorithmen. So wird im Vergleich zur manuellen Korrektur weniger Zeit und Interaktion
benötigt. Auch ungeübte Anwender lernten die Anwendung der Korrekturtechniken schnell und waren effektiv in der
Lage, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen. Segmentierungen müssen nicht mehr zeitaufwändig manuell
nachgebessert werden, indem fehlsegmentierte Kantenzüge in jeder Schicht per Hand nachgezeichnet werden, sondern können
durch einfaches Anklicken einiger Punkte in einer Schichtansicht des Datensatzes bearbeitet werden.</p>
      <p>
        Im Ausblick ist besonders die Durchführung einer umfangreicheren Evaluierung mit medizinischem Fachpersonal
interessant. Dabei ist zu untersuchen, inwiefern auch diese Zielgruppe ihre Korrekturwünsche effektiv auf die
Segmentierungen übertragen kann und ob sich ebenfalls ein Zeitgewinn gegenüber der manuellen Korrektur einstellt. Zudem
müsste die objektive Qualität der korrigierten Segmentierungsergebnisse anhand quantitativer Qualitätsmetriken
genauer untersucht werden. Es ist außerdem von Interesse, welche der Korrekturwerkzeuge präferiert werden oder ob eine
kombinierte Anwendung die besten Ergebnisse erzielt. Interessant ist außerdem eine vergleichende Evaluierung
gegenüber direkten 3D-Objektmanipulationstechniken (wie etwa [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ]), die keinerlei Formwissen berücksichtigen.
      </p>
      <p>Die vorgestellten Korrekturwerkzeuge basieren auf der Segmentierung mit Stabilen Feder-Masse-Modellen,
jedoch sollte eine Übertragung auf andere kraftbasierte Formmodelle, wie etwa Active Contour Models, wegen der
ähnlichen Funktionsweise der Modelldynamik, die ebenfalls durch Kraftwechselwirkungen generiert wird, leicht möglich
sein.</p>
    </sec>
  </body>
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