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        <article-title>Methoden für die patienten- und krankheitsfallspezifische Simulation minimal-invasiver Interventionen an der Leber</article-title>
      </title-group>
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          <string-name>Schlüsselworte: Chirurgiesimulation, minimal-invasiv, Echtzeit</string-name>
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      </contrib-group>
      <fpage>215</fpage>
      <lpage>219</lpage>
      <abstract>
        <p>In dieser Arbeit werden die Grundzüge der verwendeten Methoden unseres Simulationssystems für laparoskopische Eingriffe vorgestellt, die eine Verwendung patientenindividueller Daten und die Erzeugung zusätzlicher generierter Variationen erlauben. Der Schwerpunkt liegt auf der realitätsnahen Echtzeitsimulation von Organmodellen für die laparoskopische Simulation. Wir stellen dabei eine Methode vor die geometrischen Repräsentationen von Organmodellen so zu adaptieren, dass einer Schnittführung möglichst entsprochen werden kann. Des Weiteren werden Methoden vorgestellt, um die Wechselwirkungen zwischen Organen, Gefäßen und Erkrankungen in Echtzeit zu simulieren und perspektivisch eine Simulationsumgebung für die Weiterbildung von erfahrenen Chirurgen und Chirurgen in der Ausbildung zu ermöglichen.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
      <p>
        Modellgenerierung: Die Simulationsmodelle werden zum größten Teil aus den Daten der medizinischen Bildgebung
erzeugt, wobei Strukturen wie Ligamente oder das Zwerchfell manuell ergänzt werden müssen, da sie nicht in den CT
oder MRT Daten segmentiert werden können. Die Zielstrukturen werden zunächst mittels semi-automatischen
Verfahren extrahiert, da eine vollautomatische Segmentierung aufgrund von Grauwertinhomogenitäten und Ähnlichkeiten
benachbarter Strukturen bzgl. der Intensitätswerte oftmals scheitert. Die resultierenden binären Segmentierungsergebnisse
werden dann benutzt, um die Zielstruktur in den Grauwertdaten von den umgebenden Strukturen zu trennen. Im Zuge
der Modellgenerierung kann somit auf die Intensitätswerte zurückgegriffen werden, so dass weniger Artefakte, wie z.B.
Treppenstufen entstehen. Verbleibende Treppenartefakte in den Oberflächenmodellen, die aus dem
Segmentierungsprozess und dem Schichtabstand der Bilddaten resultieren, werden dann gezielt identifiziert [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ]. Um Volumen- und
Distanzabweichungen bei der Glättung der Oberflächenmodelle zu vermeiden, werden die Glättungsverfahren (z.B.
Laplace-Filter) anschließend so gewichtet, so dass Bereiche mit Artefakten geglättet werden, während andere Regionen
erhalten bleiben.
      </p>
      <p>Abbildung 1: Oberflächenmodelle (links) weisen keine innere Struktur auf. Ein Tetraedernetz, das auf
Basis des Oberflächenmodells erzeugt wird, repräsentieren das Volumen parenchymatöser Organe wie der
Leber (mitte) oder die Schale von Hohlorganen, wie dem Magen (rechts).</p>
      <p>
        Für die physikbasierte Simulation sind die Oberflächenmodelle nicht ausreichend, da sie keine inneren Strukturen
beschreiben. Die Oberflächenmodelle werden reduziert und entsprechende Tetraedernetze im Inneren erzeugt. Für
Hohlorgane, wie den Magen, können Schalennetze aus Tetraedern erzeugt werden, während für parenchymatöse Organe wie
die Leber eine vollständige Innenvernetzung erforderlich ist. Tetraeder entsprechen dem 3-D Simplex und sind im
Gegensatz zu anderen Primitiven vollständig durch Kanten verbunden, so dass verschiedene Deformationsmodelle
verwendet werden können, die auf dem Tetraeder, seinen Dreiecksflächen oder Kanten basieren können.
Eine Ausnahme stellen feinere Gefäße dar, bei denen eine Abbildung als Tetraedernetz eine Komplexität erreichen
würde, bei der eine physikbasierte Echtzeitsimulation nicht möglich ist. Stattdessen wird, ähnlich wie in chirurgischen
Planungssystemen, das Gefäßskelett zur physikalischen Beschreibung verwendet. Dies ist mit dem das Oberflächennetz
verbunden, so dass eine Bewegung des Skelettes zu einer Bewegung des visuell dargestellten Oberflächennetzes führt.
Physikbasierte Simulation: Die physikbasierte Simulation erfolgt auf Basis der Tetraedernetze. Für die Simulation
werden in unserem Simulator Energy Constraints, Feder-Masse Modelle, anisotrope Feder-Masse Modelle [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ] oder die
finite Elemente Methode (FEM) verwendet, die sich hinsichtlich Simulationsgenauigkeit und –performance
voneinander unterscheiden. Für Strukturen, die nicht in der Nähe der trainingsrelevanten Strukturen liegen, werden Feder-Masse
Modelle verwendet, während für interventionsrelevante Strukturen genauere Verfahren wie die FEM Anwendung
finden. Die Parameter der Modelle werden aus Messungen von realem Gewebe[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ] gewonnen, wobei die Parameter des
Feder-Masse Modells aus dem E-Modul abgeleitet werden[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref4 ref7">4,7</xref>
        ]. Bei der Berechnung der physikbasierten Simulation
müssen neben der Echtzeitanforderung auch Schnitte, also topologischen Änderungen in der Geometrie, berücksichtigt
werden. Insbesondere bei der FEM wird eine Matrix erzeugt, die das Gesamtsystem beschreibt, erneut erzeugt werden
muss, wenn eine topologische Änderung der Geometrie erfolgt. Des Weiteren bietet das Zusammenführen der Tetraeder
zu dieser Gesamtmatrix nicht mehr die Möglichkeit einer iterativen oder parallelen Berechnung der physikbasierten
Simulation. In unserer Umsetzung betrachten wir daher die physikbasierte Simulation je Simplex deren Kräfte über den
topologischen Zusammenhang übertragen werden. Da das Feder-Masse Modell und die verwandte lineare FEM nicht
das nicht-lineare Materialverhalten der Organe abbilden können, werden zum einen unterschiedliche
Materialeigenschaften je Simplex und zum anderen stückweise lineare Approximationen des gemessenen Materialverhaltens
vorgesehen. Für das Modell der Leber bedeutet dies, dass Tetraeder, die von vielen Gefäßen durchzogen sind, eine andere
Parametrisierung erhalten. Bei einer Einwirkung von Kräften wird nicht nur ein konstanter Materialparameter je
Simplex verwendet, sondern eine Approximation der gemessenen Kennlinie. Damit soll innerhalb relevanter Grenzen ein
möglichst realistisches Organverhalten erreicht werden.
Schnitte: Die numerische Stabilität physikbasierter Deformationsmodelle hängt wesentlich von der Zeitschrittweite der
Simulationsschritte und des zu simulierenden Materials ab. Die Zeit, die für die Berechnung eines Simulationsschrittes
notwendig ist, hängt dabei von der geometrischen Komplexität der virtuellen Modelle ab. In unserem Simulator wird
die Geometrie durch einen Schnitt lokal neu vernetzt, um so der Schnittführung möglichst zu entsprechen. Um trotzdem
die Stabilität der Simulation zu gewährleisten wird Neuvernetzung begrenzt. Primitive, die als Ergebnis einer
Neuvernetzung entstanden sind können nicht nochmals unterteilt werden. Stattdessen werden dessen nächst liegende
Geometriepunkte als Schnittpunkt verwendet. Wird ein Primitiv erstmals geschnitten, wird der Schnittpunkt zwischen der
Kante mit den Eckpunkten und von der Schnittführung bestimmt. Die relative Lage des Punktes auf der Kante
| |⁄| | wird mit einem Schwellenwert 0,1 verglichen. Die betroffenen Primitive werden an
dem Punkte entsprechend (Formel 1) getrennt, wobei für ⁄2und 1 ⁄2 kein neuer
Geometriepunkt erzeugt wird, sondern bereits vorhandene Geometriepunkte verwendet wird. Das Verfahren gewährleistet, dass
der Schnittpunkt wenigstens einen Abstand von zu bereits vorhandenen Geometriepunkten hat (Abbildung 2: A) und
somit keine degenerierten Primitive aus der Neuvernetzung resultieren.
, 1
2 , 1
2
!
!
      </p>
      <p>Generierung spezifischer Szenarien: Für das Training erfahrener Chirurgen bieten Simulatoren die Möglichkeit
insbesondere komplexe und herausfordernde Eingriffe zu üben und verschiedene Interventionsmethoden zu trainieren.
Hierfür bietet die patientenspezifische Simulation und die Anbindung der Simulation an chirurgische Planungssysteme die
Grundlage, da hier möglichst realitätsnahe Simulationsmodelle erforderlich sind. Für den Einstieg in minimal-invasive
Verfahren sind stattdessen häufig einfache Szenarien für das Training der Hand-Auge Koordination oder das Üben von
Routinetätigkeiten erforderlich. Die Erzeugung von Szenarien erfordert die Generierung und Optimierung der Modelle
aus den Bildern der medizinischen Bildgebung, sowie die Überführung der resultierenden statischen Modelle in
dynamische Simulationsmodelle. Dieser Vorgang ist aufwendig und die damit verbundenen Kosten machen das Erfassen von
Pathologien die in der Routine auftreten nicht praktikabel. In den aktuell verfügbaren Simulationssystemen werden
hierfür häufig einfache Szenarien ohne einen medizinischen Kontext verwendet. Wir verwenden für diese einfachen
Trainingsziele generierte Szenarien die aus patientenspezifischen Simulationsmodellen zusammengestellt werden. Hierbei
können Organe mit typischen Pathologien kombiniert werden. Am Beispiel der Leber wird es so ermöglicht
Tumormodelle aus verschiedenen patientenspezifischen Grunddaten zu platzieren. Auch das Verdrängen des umliegenden
Gewebes von benignen Tumoren wird dabei von dem Simulationssystem berücksichtigt (Abbildung 3). Hierfür wird das
Gefäß, das durch seine Mittellinie beschrieben wird, von dem Tumor verdrängt, so dass die Platzierung eines Tumors auch
Auswirkungen auf die betroffenen Strukturen hat. Der Tumor und die Gefäße besitzen des Weiteren andere
Materialeigenschaften, als das umgebende Organgewebe. Werden Tetraeder eines Organmodells anteilig von einem Tumor oder
einem Gefäß durchzogen, wird der Volumenanteil des Tumors oder Gefäßes an den betroffenen Tetraedern bestimmt.
Abbildung 3: Um weitere Trainingsszenarien zu erhalten können Tumoren innerhalb der Modelle platziert werden. Wird die
betroffene Geweberegion von Gefäßen durchzogen, werden die Gefäße, die vorher den Tumor durchquerten verdrängt (vorher: links; nach
der Verdrängung: rechts).</p>
      <p>Die Materialeigenschaften eines Tetraeders können somit durch die Materialeigenschaften des Organs, aber auch durch
die infiltrierender Strukturen beeinflusst werden. Hierdurch wird durch das Verschieben der Gefäße durch einen Tumor
auch das Gesamtverhalten des Organs beeinflusst, um so auch für Chirurgen in der Ausbildung ein möglichst
realistisches Training zu ermöglichen. In weiteren Arbeiten werden weitere Annahmen über die Durchblutung der Gefäße
berücksichtigt, da insbesondere bei der Leber eine Verletzung der Gefäße zum Beispiel zur Verfärbungen der
CouinaudRegionen führen können.
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Ergebnisse und Diskussion</title>
      <p>Das hier vorgestellte System ermöglicht das Training minimal-invasiver Eingriffe durch die Wiederverwendung der
Modelle. Obwohl eine flexible Verarbeitungspipline die Integration patientenspezifischer Modelle ermöglicht, bietet
eine Schnittstelle zu medizinischen Planungssystemen perspektivisch die Möglichkeit, die aufwendig segmentierten
Modelle nicht nur zur Planung, sondern auch in der Trainingssimulation zu verwenden. Das Rekombinieren der
virtuellen Modelle ermöglicht das Erzeugen von Traingsszenarien für Chirurgen in der Ausbildung oder assistierendes
OP-Personal. Die Rekombination von verschiedenen Szenarien zu einfachen Einstiegsszenarien soll hierbei von Beginn
an ein Training im medizinischen Kontext ermöglichen.</p>
      <p>Um die Echtzeitfähigkeit der Simulation zu gewährleisten, werden verschiedene physikbasierte Deformationsmodelle
verwendet. Da bei einem Szenario das Zielgebiet der Interaktionen vorab bekannt ist, werden anatomische Strukturen
die direkt von einem Eingriff betroffen sind, durch exaktere Deformationsmodelle simuliert, während mit zunehmender
Entfernung physikbasierte Modelle verwendet, die in einer kürzeren Zeit berechnet werden können. Bei den
physikbasierten Modellen wird dabei gewährleistet, dass das interaktive Schneiden und Koagulieren des Gewebes zu
toplogischen Änderungen des virtuellen Modells führt. Diese toplogischen Änderungen entsprechen dem Löschen und
dem Hinzufügen von geometrischen Simplizes (Tetraeder, Dreiecke oder Kanten) zur Laufzeit der Simulation. Durch
das beschriebene Verfahren, die Neuunterteilungen zu limitieren kann der Schnittführung weitestgehend entsprochen
werden, ohne das die Komplexität zu sehr zunehmen kann und dadurch numerische Probleme auftreten.
Um den Grad des Realismus weiter zu erhöhen werden in weiteren Arbeiten Methoden entwickelt, um Berechnungen
auf die Grafikkartenhardware und auf andere Computersysteme zu verteilen, um bei steigenden Modellkomplexitäten
die notwendigen Aktualisierungsraten erhalten zu können.</p>
      <p>In der physikbasierten Simulation können unterschiedliche Materialeigenschaften für verschiedene Organregionen
verwendet werden, so dass Verhärtungen durch Tumoren oder Organregionen die durch größere Gefäße versorgt werden
auch in der physikbasierten Simulation abgebildet werden können. Wird bei einer Intervention an der Leber ein Gefäß
verletzt, kann es zum Beispiel zu einer Verfärbung und leichten Abschlaffung der entsprechenden Couinaud-Region
kommen. Um diese Effekte in der Simulation abzubilden müssen die unterschiedlichen Regionen und die Modelle der
Gefäße, enger mit einander in Beziehung gesetzt werden.</p>
      <p>Die Visualisierung verwendet aktuelle Shader-Techniken und kombiniert die Organmodelle mit Texturen aus
Fotoaufnahmen, die während laparotomischer Eingriffe erstellt wurden, mit dem Ziel eine möglichst realistische
Darstellung zu ermöglichen (Abbildung 4). Visuelle Effekte, wie der Rauch beim Koagulieren konnten integriert
werden, so dass ein verstärktes Anwenden der Koagulation auch zu zunehmenden Sichtbehinderungen im Abdomen
führt. In weiteren Arbeiten sollen ebenfalls Blutungen visualisiert werden.
Aktuell sind noch weitere Anpassungen für die Integration der Haptikgeräte erforderlich, um ein möglichst realistisches
Ertasten der anatomischen Strukturen zu ermöglichen. Zusammen mit unseren medizinischen Partnern sollen die
Ergebnisse der physikbasierten Simulation validiert werden, um das aktuelle Potential und weitere Verbesserungen des
Systems zu identifizieren.
4</p>
    </sec>
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