=Paper= {{Paper |id=Vol-1476/paper14 |storemode=property |title=Auswirkungen von Navigated-Control (NC) Systemen auf die Leistung, die Beanspruchung und das Situationsbewusstsein bei der Durchführung einer simulierten Mastoidektomie |pdfUrl=https://ceur-ws.org/Vol-1476/Proceedings_CURAC_2011_Paper_14.pdf |volume=Vol-1476 |dblpUrl=https://dblp.org/rec/conf/curac/LuzMMDMS11 }} ==Auswirkungen von Navigated-Control (NC) Systemen auf die Leistung, die Beanspruchung und das Situationsbewusstsein bei der Durchführung einer simulierten Mastoidektomie== https://ceur-ws.org/Vol-1476/Proceedings_CURAC_2011_Paper_14.pdf
                                                                     10. CURAC-Jahrestagung, 15. - 16. September 2011, Magdeburg




               Auswirkungen von Navigated-Control (NC) Systemen
    auf die Leistung, die Beanspruchung und das Situationsbewusstsein
             bei der Durchführung einer simulierten Mastoidektomie
                         M. Luz¹, D. Manzey¹, S. Müller², A. Dietz², J. Meixensberger², G. Strauß²

            ¹ Technische Universität Berlin, Institut für Psychologie und Arbeitswissenschaft, Berlin, Germany
                        ² ICCAS Innovation Center Computer Assisted Surgery, Leipzig, Germany


                                         Kontakt: dietrich.manzey@tu-berlin.de

Abstract:

Navigated-Control (NC) beschreibt ein neues Prinzip computer-basierter Navigationsunterstützung, bei dem zusätzlich
zur Navigationsinformation auch Risikostrukturen automatisch geschützt werden. Das vorliegende Experiment unter-
sucht die Auswirkungen eines NC-Systems auf die Leistung, Beanspruchung und das Situationsbewusstsein während der
Durchführung einer simulierten Mastoidektomie. Die Ergebnisse belegen das Potenzial des Systems für eine Steigerung
der Patientensicherheit und eine Reduktion der physiologischen Beanspruchung während des Eingriffs. Probleme zei-
gen sich hinsichtlich einer Verlängerung der OP-Zeit, einer Erhöhung der subjektiven Beanspruchung und einer einge-
schränkten Leistung bei einer zusätzlich zu bearbeitenden Aufgabe. Mögliche Ursachen können in wiederholten Unter-
brechungen des Workflows aufgrund von technisch bedingten Stoppereignissen im Sinne „falscher Alarme“ vermutet
werden. Hinweise auf mögliche Einbußen des Situationsbewusstseins lassen sich auf Basis der vorliegenden Befunde
noch nicht abschließend beurteilen.

Schlüsselworte: bildgestützte Navigation, computer-assistierte Chirurgie, Navigated-Control


1       Problem
Navigationssysteme stellen Beispiele für Ansätze einer Automatisierung in der Chirurgie dar, bei denen Aufgaben des
Chirurgen teilweise an eine Maschine (Computer) verlagert werden [1]. Eine Weiterentwicklung der bereits seit mehr
als 20 Jahren verfügbaren pointerbasierten Navigation stellt das Navigated-Control (NC) Prinzip dar [2]. Während poin-
terbasierte Systeme durch die Darstellung der augenblicklichen Position des chirurgischen Instruments den Chirurgen
nur zu ausgewählten Zeitpunkten bei der Orientierung im Situs und der Auswertung der vom Endoskop vermittelten vi-
suellen Information unterstützen, verfolgen NC-Systeme die Position des getrackten Instruments kontinuierlich und un-
terstützen zusätzlich auch Aufgaben der Entscheidungsfindung und Handlungsausführung. Dies geschieht dadurch, dass
das Instrument (z.B. Knochenfräse) bei Annäherung an die Grenzen von präoperativ definierten Bereichen automatisch
abgeschaltet wird, um auf diese Weise intraoperative Verletzungen von Risikostrukturen zu verhindern. Damit soll zum
einen die Patientensicherheit erhöht und zum anderen die Beanspruchung des Chirurgen reduziert werden. Die bisheri-
gen Untersuchungen zu computerbasierten Navigationssystemen beziehen sich vor allem auf Probleme der technischen
Umsetzbarkeit sowie relative Leistungsvorteile, verglichen mit nicht-assistierten Operationen. Darüber hinaus gehende
Untersuchungen, die sich mit der Interaktion zwischen Chirurg und Automation und den daraus resultierenden Automa-
tionsfolgen beschäftigen würden, liegen bisher nur in Form einer Fragebogenuntersuchung vor [3]. Dabei zeigen Stu-
dien aus anderen Bereichen (z.B. Luftfahrt), dass computer-basierte Assistenzsysteme neben den beabsichtigten positi-
ven Effekten auch zu neuen Fehlerquellen und Risiken führen können, die z.B. mit einem Übervertrauen in die System-
zuverlässigkeit, einem Verlust des Situationsbewusstseins oder aber Problemen der Aufrechterhaltung manueller
Fertigkeiten zusammenhängen können [4]. Die vorliegende Studie hat das Ziel die positiven Auswirkungen und mögli-
che neue Risiken beim Einsatz von NC-Systemen experimentell zu untersuchen. Als Modell wird dabei die Simulation
eines komplexen chirurgischen Eingriffs (Mastoidektomie) herangezogen. Bewertet werden die Auswirkungen des Ein-
satzes eines NC-Systems auf (1) die Leistung (Effektivität und Effizienz), (2) die Beanspruchung (subjektiv, leis-
tungsbasiert und physiologisch) und (3) das Situationsbewusstsein, jeweils im Vergleich zum Goldstandard, d.h. der
Durchführung des Eingriffs ohne NC-Assistenz. Darüber hinaus wird speziell der Frage nachgegangen, ob und inwie-
weit der Einsatz derartiger Systeme es auch relativ unerfahrenen Ärzten möglich macht, einen komplexen Eingriff wie
die Mastoidektomie risikofrei durchzuführen.




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2         Methoden
Für die Simulation des medizinischen Eingriffes wurde ein künstlicher Schädel mit austauschbaren Felsenbeinphanto-
men (Fa. KARL STORZ) genutzt. Als Basis für die Erstellung der Felsenbeinphantome wurden CT-Bilder eines realen
Patienten angefertigt und mit Hilfe eines 3D-Druckers umgesetzt. Diese Modelle enthalten alle Risikostrukturen dieses
Bereiches wie Dura Mater, Sinus Sigmoideus, Nervus Fazialis, lateraler Bogengang und Gehörknöchelchenkette. Alle
Risikostrukturen außer der Gehörknöchelchenkette sind mit Sensoren versehen, welche die möglichen intraoperativen
Verletzungen dieser Strukturen registrieren.

Als Leistungsmaße wurden verschiedene Indikatoren für die Effektivität und die Effizienz des simulierten Eingriffs er-
fasst. Dabei wurden drei verschiedene Effektivitätsmaße erhoben: (1) Die automatisch registrierte Anzahl der intraope-
rativen Verletzungen. (2) Die Qualität des chirurgischen Eingriffs und (3) das mögliche Risiko für Komplikationen (je-
weils über Expertenbeurteilungen der gefrästen Felsenbeine im Doppelblindverfahren). Als Effizienzmaß diente die
Zeit, die die Probanden für den Eingriff benötigten. Die Beanspruchung während des Eingriffs wurde auf mehreren
Ebenen erfasst: (1) Subjektiv über Einschätzungen der kognitiven und physischen Belastung, des Zeitdrucks, des An-
strengungsaufwands, der eigenen Leistung sowie des/r empfundenen Stresses/Frustration während des Eingriffs (NASA
Task-Load Index). (2) Leistungsbezogen über die Leistung in einer zusätzlich zu bearbeitenden Zweitaufgabe zur Erfas-
sung der beim Eingriff noch verfügbaren Restkapazität für andere Aufgaben. Dazu mussten die Probanden etwa alle 90
Sekunden so schnell wie möglich auf ein akustisches Signal mit dem Tritt auf ein Fußpedal reagieren. Erfasst wurde die
durchschnittliche Reaktionszeit. Dieses Verfahren basiert auf der Annahme, dass die Reaktionszeit umso länger wird, je
mehr Aufmerksamkeit von der Hauptaufgabe beansprucht wird. (3) Physiologisch über Veränderungen der Herzrate,
Herzratenvariabilität, Atemfrequenz und des Blutdrucks während des simulierten Eingriffs. Der Blutdruck wurde vor,
während und nach der Operation mittels des Patientenanästhesiegeräts erfasst. Die Respirationsfrequenz und das EKG
wurden mit einem mobilen Registriergerät (NeXus-10) erfasst und anschließend mit der Software BioTrace+ (Version
2008a) von Mind Media B.V. Netherland aufbereitet. Für die Erfassung des chirurgischen Situationsbewusstseins wurde
eine speziell auf diese Untersuchung angepasste Standardtechnik (Situation Awareness Global Assesment Technique,
SAGAT) benutzt. Dafür wurden die Probanden nach einem bestimmten OP-Schritt in ihrer Tätigkeit unterbrochen und
es wurden Fragen zum Abstand der Fräsköpfe von den Risikostrukturen im Moment der Unterbrechung, zum Stand der
Operation, zu anatomischen Besonderheiten des „Patienten“ und zur vermutlich noch verbleibenden OP-Zeit gestellt.

Die Untersuchungsteilnehmer (n=14: 5 männlich, 9 weiblich) waren Medizinstudierende am Ende ihres Studiums oder
Ärzte kurz nach Abschluss ihres Studiums. Sie waren im Schnitt 26 Jahre alt (21-28). Elf der Teilnehmer verfügten über
erste chirurgische Erfahrungen aus dem klinischen Teil der Ausbildung (Famulatur, Praktisches Jahr), vier davon in der
HNO. Niemand hatte Erfahrung in der praktischen Durchführung einer Mastoidektomie. Die Probanden erhielten für
ihre Teilnahme eine Aufwandentschädigung i. H. v. 25 €.

Vor der Datenerhebung rekapitulierten die Teilnehmer die anatomischen Gegebenheiten des Felsenbeins und bekamen
eine Einführung in die praktische Durchführung einer Mastoidektomie. Danach führten sie zur Übung zweimal eine si-
mulierte Mastoidektomie im Labor durch. Dadurch wurde sichergestellt, dass die experimentellen Ergebnisse nicht mit
anfänglich starken Lerneffekten konfundiert sind. Die eigentliche Datenerhebung fand an zwei unterschiedlichen Tagen
im Endoskopie-OP der HNO-Uniklinik Leipzig statt. Die Hälfte der Probanden operierte am ersten Tag manuell und am
zweiten Tag mit Hilfe des NC-Systems, die andere Hälfte der Probanden operierte in umgekehrter Reihenfolge. Der Ab-
lauf der Datenerhebung war dabei standardisiert: Nachdem die Probanden sich umgezogen haben und an das Aufnah-
megerät für physiologische Daten angeschlossen wurden, hatten sie die Gelegenheit sich an die Versuchsumgebung zu
gewöhnen und die OP-Geräte (OP-Stuhl, Mikroskop) nach ihren Bedürfnissen einzustellen. Beim ersten Datenerhe-
bungstermin lasen und unterzeichneten die Probanden die Datenschutzerklärung und füllten den demographischen Fra-
gebogen aus. Anschließend übten sie das Registrieren von Fräsköpfen, und bekamen, falls sie mit dem NC-System ope-
rieren sollten, eine Einführung in die Funktionsweise. Danach folgten fünfminutige Ausgangsmessungen der physiolo-
gischen Daten und des Blutdrucks sowie eine Erhebung der Ausgangsleistung bei der zusätzlich zu bearbeitenden
Zweitaufgabe (nur erster Untersuchungstag). Während des simulierten Eingriffs wurden die Respiration und das EKG
sowie die Reaktionszeiten in der Zweitaufgabe kontinuierlich erfasst. Nach einem definierten Operationsschritt (Eröff-
nung des Antrums) wurden die Probanden zur zweiten Messung des Blutdrucks und für die Befragung des chirurgischen
Situationsbewusstseins unterbrochen. Nach dem Eingriff wurden erneut der Blutdruck und andere physiologischen Da-
ten fünf Minuten lang gemessen sowie die Daten zum subjektiven Beanspruchungserleben erhoben.

Die statistische Auswertung erfolgte je nach Datenqualität und Auswertungsdesign mittels t-Tests bzw. varianzanalyti-
scher (F-Test) oder non-parametrischer Verfahren (Wilcoxon Z-Test).




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3       Ergebnisse
Leistungsdaten
Die Effektivitätsmaße belegen die erwarteten Vorteile des Einsatzes eines NC-Systems für die Patientensicherheit. Wäh-
rend bei drei von 14 manuell durchgeführten Eingriffen (entspricht etwa 21%) intraoperative Verletzungen des Sinus
sigmoideus auftraten, kam es in der assistierten Bedingung zu keiner einzigen Verletzung (Abbildung 1). Übereinstim-
mend weisen auch die Experteneinschätzungen auf ein geringeres Komplikationsrisiko bei den mit NC-Assistenz
durchgeführten Eingriffen hin (F(1, 13)=6.88, p=.02, η²=.35). Hinsichtlich der chirurgischen Qualität des Fräsergebnis-
ses gab es keine Unterschiede zwischen den Bedingungen (F(1, 13)=.46, p=.51, η²=.03). Die Effektivitätsvorteile gehen
allerdings auf Kosten der Effizienz: die Probanden brauchten mehr Zeit für den Eingriff in der NC-Bedingung (etwa
100 vs. 64 Minuten ohne Navigationsunterstützung) (Abbildung 2, F(1, 13)=18.62, p=.001, η²=.59).
                                                      Injury of Risk Structures                                                                              Time needed for Surgery (min)
                                                                                                                                                       120
                                            14             Safe Treatment
                                                           Injury of sigmoid sinus
                                            12                                                                                                         100
                   Number of Participants




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                                             8
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                                             6
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                                                                                                                                                                                i
                                                                        ig




                                                                                                                                                                             av
                                                                      av




                                                                                                                                                                            N
                                                                    N




        Abb. 1: Anzahl der Eingriffe mit und ohne                                                                  Abb. 2: Für die Eingriffe benötigte Zeit
        Verletzungen

Beanspruchung
Subjektiv fühlten sich die Probanden in der Bedingung mit NC-Assistenz mehr beansprucht (Abbildung 3, F(1,
13)=14.70, p=.002, η²=.53). Besonders deutlich wurde dieser Unterschied bei der Dimension Frustration/Stress. Auch
die Restkapazität war mit NC-Assistenz signifikant reduziert (F(1, 13)=7.95, p=.01, η²=.38). Die Probanden wurden
durch das System mehr abgelenkt und reagierten daher langsamer auf das akustische Signal. Anders verhält es sich bei
den physiologischen Daten: alle Daten deuteten in der Tendenz auf einen geringeren physiologischen Aufwand hin,
wenn die Probanden durch das NC-System unterstützt wurden. So zeigten die Probanden in der NC-Bedingung einen
geringeren Anstieg des Blutdrucks sowie der Atem- und der Herzfrequenz. Statistisch spiegelte sich diese Effekte bei
Blutdruck und Atemfrequenz in signifikanten Interaktionseffekten (Messzeitpunkt x Bedingung), bei der Herzrate in
einem signifikanten Unterschied zwischen den Bedingungen wider (Abbildung 4, F(1, 12)=7.29, p=.019, η²=.38).

                                                               Subjective Workload
                                                                                                                                       105                                   Heart Rate
                 20




                                                                                        Manual
                                                                                        NC
         Subjective Rating
                        15




                                                                                                                    Beats per Minute




                                                                                                                                        90
             10




                                                                                                                                        75
                   5




                                                                                                                                                                        Manual
                   0




                                                                                                                                                                        NC
                                                                                                  rt
                                                                d


                                                                d

                                                               re


                                                               ce




                                                                                                           n
                                                                 ll
                                                              ra

                                                             an


                                                             an




                                                                                                          tio
                                                                                                fo
                                                            su


                                                           an
                                                          ve




                                                                                             Ef

                                                                                                       tra
                                                        em


                                                        em


                                                         es

                                                       rm
                                            O




                                                                                                   us
                                                      Pr
                                                      D


                                                      D




                                                    rfo




                                                                                                 Fr
                                                       l

                                                   al
                                                    ta




                                                   e

                                               Pe
                                               m
                                                ic




                                                                                                                                        0
                                                 en

                                                         ys


                                             Ti
                                             M

                                                       Ph




                                                                                                                                                              Pre        1st Part         2nd Part   Post


        Abb. 3: Subjektive Beanspruchung (NASA-TLX)                                                                Abb. 4: Herzrate

Situationsbewusstsein
Bei den meisten erhobenen Parametern des Situationsbewusstseins gab es keine Unterschiede zwischen den beiden Ex-
perimentalbedingungen. Lediglich bei der Einschätzung der anatomischen Besonderheiten des „Patienten“ zeigten die
Probanden etwas schlechtere Leistungen, wenn sie den simulierten Eingriff mit NC-Assistenz durchgeführt hatten. Im
Schnitt konnten die Probanden in der NC-Bedingung nur eine von drei möglichen Fragen zur Lage der Risikostrukturen




                                                                                                                                                                                                            97
10. CURAC-Jahrestagung, 15. - 16. September 2011, Magdeburg




und der Pneumatisierung richtig beantworten. In der manuellen Bedingung waren es im Durchschnitt 1,64 richtig be-
antwortete Fragen (Wilcoxon-Z=-1.7, p < .10).


4         Diskussion
Die vorliegende Studie gibt einen ersten Eindruck über die Folgen des Einsatzes des NC-Systems im OP. Neben klassi-
schen Parametern wie Effektivität und Effizienz wurden auch die Auswirkungen des Systems auf Beanspruchung des
Operierenden und das chirurgische Situationsbewusstsein untersucht.

Im Hinblick auf die chirurgische Leistung zeigten sich unterschiedliche Ergebnisse für die betrachteten Effektivitäts-
und Effizienzmaße. Wie erwartet erlaubt das NC-System im Vergleich zum rein manuellen Vorgehen ein risikofreies
Durchführen eines komplizierten chirurgischen Eingriffs bei gleichbleibender Qualität des chirurgischen Ergebnisses.
Es scheint damit geeignet, eine (noch) mangelnde Erfahrung von Chirurgen bei der Durchführung dieses komplexen
Eingriffs so weit zu kompensieren, dass Risiken für die Patientensicherheit minimiert werden. Andererseits benötigten
die Ärzte mit der Unterstützung des Assistenzsystems deutlich mehr Zeit, um den Eingriff zu beenden. Dieses Ergebnis
bestätigt die Befragungsergebnisse zur pointerbasierten Navigation von Manzey et. al. [3]. Eine Ursache dafür kann dar-
in gesehen werden, dass das System durch das wiederholte Stoppen der Fräse immer wieder zu Unterbrechungen des
Workflow führt, wobei es technisch bedingt auch zu einer erheblichen Zahl „falscher Alarme“ kommt. Sofern dies nicht
bei der Planung von OP-Zeiten berücksichtigt wird, können damit neue Risiken verbunden sein (Zeitdruck). Die o.g.
Befunde zur pointerbasierten Navigation lassen erwarten, dass ein derartiger Effekt zumindest für die ersten 60-100
Eingriffe mit dem System auftritt.

Bezüglich der erhobenen Beanspruchungsmaße zeigt sich ein differenzierteres Bild: einerseits wurde eine erhöhte sub-
jektive Beanspruchung und eine erhöhte Reaktionszeit bei der Zweitaufgabe festgestellt. Die Teilnehmer schienen durch
die Interaktion mit dem zusätzlichen Gerät subjektiv mehr beansprucht zu werden und haben weniger Kapazität für an-
dere Aufgaben zur Verfügung. Auch dieser Effekt dürfte vor allem den „falschen Alarmen“, d.h. Stoppereignissen ge-
schuldet sein, die nicht mit einer Annäherung an Risikostrukturen, sondern technischen Ursachen („loss of line of
sight“) zusammenhängen. Dagegen deuten die physiologischen Daten auf klare Vorteile des NC-Systems in Bezug auf
den physiologischen Aufwand und Stress während des simulierten Eingriffs hin. Das kann auf die Tatsache zurückge-
führt werden, dass das System die Teilnehmer automatisch davor schützt, zu nah an Risikostrukturen heran zu kommen
und so das wahrgenommene Risiko einer gravierenden intraoperativen Verletzung reduziert.

Für die erwartete Beeinträchtigung des Situationsbewusstseins gibt es nur wenig Hinweise. Lediglich bei der Beurtei-
lung anatomischer Besonderheiten wurden Einbußen des Situationsbewusstseins festgestellt, die allerdings auch mit der
mangelnden Erfahrung der Versuchsteilnehmer zusammenhängen könnten. Zu diesem Bereich sollten weitere Untersu-
chungen durchgeführt werden.

Eine offensichtliche Beschränkung der dargestellten Studie kann darin gesehen werden, dass es sich bei den Untersu-
chungsteilnehmern um noch unerfahrene Chirurgen handelte. In einer inzwischen ebenfalls abgeschlossenen Studie mit
n=7 erfahrenen HNO-Chirurgen konnten allerdings wesentliche Ergebnisse der vorliegenden Studie repliziert werden.
So zeigte sich auch bei dieser Gruppe bei Einsatz des NC-Systems ein höherer Zeitaufwand (34 vs. 23 Min) und eine
erhöhte subjektive Beanspruchung bei gleichzeitiger Reduktion des mit dem Eingriff verbundenen physiologische Auf-
wands und Stress. Letzteres spiegelte sich vor allem in der Herzratenvariabilität und dem systolischen Blutdruck wider.


5         Referenzen
[1]     Manzey, D., Röttger, S., Strauss, G., Bahner-Heyne, J.E., Trantakis, C., Dietz, A., Lüth, T. & Meixensberger, J.,
    Automation in surgery: a systematic approach. Surgical Technology International, XVIII, 37-45, 2009
[2]     Strauß, G., Koulechov, K., Richter, R., Dietz, A., Meixensberger, J., Trantakis, C. & Lüth, T., Navigated Con-
    trol: Ein neues Konzept fur die computer-assistierte HNO-Chirurgie. Laryngorhinootologie, 84, 567-576, 2005
[3]     Manzey, D., Roettger, S., Bahner-Heyne, J.E., Schulze-Kissing, D., Dietz, A., Meixensberger, J. Strauss, G, Im-
    age-guided navigation: the surgeon’s perspective on performance consequences and human factors issues, Interna-
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[4]     Ferris, T., Sarter, N & Wickens, C.D., Cockpit automation: Still struggling to catch up? In E. Salas & D. Maur-
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