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        <article-title>Integration von kompakter Zoomoptik, Navigation und Roboterassistenz in der mikrochirurgischen Neurochirurgie</article-title>
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      <fpage>161</fpage>
      <lpage>164</lpage>
      <abstract>
        <p>Der Beitrag stellt das Neuro-Comrade System für mikrochirurgische Eingriffe in der Neurochirurgie vor, das als flexible und ergonomische Alternative zu den bisher eingesetzten Operationsmikroskopen konzipiert ist. Seine wesentlichen Komponenten bestehen aus einer kompakten Zoomoptik mit hochauflösender HDTV-Kamera, einer Navigationskomponente zur Einbeziehung präoperativer Diagnostik und einem Assistenzroboter als Positionierungs- und Haltesystem. Diese neuartige Kombination bietet besondere Vorteile hinsichtlich der ergonomischen Arbeitsbedingungen sowie der erzielbaren Funktionalität. Sie werden anhand des im Rahmen des „Neuro-Comrade“ - Verbundprojektes aufgebauten Prototypsystems erläutert.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methoden</title>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>a) passiver Modus (haptische Führung)</title>
        <p>Hier wird der Roboterarm über einen Handgriff am Roboterarm manuell so bewegt, dass das Mikroskop in
gewünschte Stellungen gebracht wird. Die vom Operateur aufgebrachten Kräfte und Momente werden von einem
Kraft-/Momentensensor im Roboterflansch gemessen und in der Robotersteuerung in Bewegungen des motorisch
angetriebenen Roboterarms umgesetzt. Der Roboterarm verhält sich für den Bediener wie ein passiv bewegtes
konventionelles Operationsmikroskop.
b) aktiver Modus</p>
        <p>Die Motoren der Gelenke des Roboterarms werden so angesteuert, dass die Zoomoptik autonom in
vorprogrammierten Stellungen positioniert wird, die z.B. aus der präoperativen Bildgebung errechnet wurden. Da das
Robotersystem auch ein optisches 3D-Digitalisiersystem (Polaris der Fa. NDI) umfasst, ist damit die Kombination mit
Neuronavigation und Augmented Reality möglich.</p>
        <p>Durch geschickte Umschaltung zwischen diesen Betriebsmodi wird dem Operateur während des Einsatzes ein bisher
nicht erreichtes Maß an Flexibilität und Unterstützung bei Optikführung geboten. So ist es beispielsweise möglich, den
Roboter im passiven Modus durch haptische Führung in bestimmte Stellungen zu bringen, diese zu speichern und später
im aktiven Modus automatisch exakt reproduzierbar erneut anzufahren.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Abb. 1: Komponenten des Neuro-Comrade Systems</title>
        <p>
          Zur Kombination mit präoperativen CT- oder MR-Bildern umfasst das Neuro-Comrade Systeme eine Planungssoftware,
die auf der Volv-Plattform für die medizinische Visualisierung beruht [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
          ]. Damit können vor dem Eingriff die
gewünschten Bilddaten ausgewählt und gegebenenfalls zueinander registriert werden. Die Planungssoftware umfasst verschiedene
Segmentierungsmodule, welche kombiniert werden können, um bestmögliche Unterstützung bei der Segmentierung von
Risikostrukturen und Tumoren zu bieten [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
          ]. Der mittels bekannter Matching-Verfahren, z.B. Paired-Point-Matching
über Fiducial Marker, im OP durchgeführte Abgleich mit der realen Patientenstruktur ermöglicht die Einblendung oder
Überlagerung von präoperativem Bildmaterial in den Livebildern der Zoomoptik. Die Erfassung der für die
AugmentedReality Darstellung benötigten Kameraparameter erfolgt dabei durch die Auswertung eines aus mehreren Blickwinkeln
aufgenommen Kalibriermusters. Innerhalb des modiCAS Teilsystems wird der Abgleich zwischen Roboterarm und
Navigationssystem durchgeführt. Die Beziehung zwischen Zoomoptik und Roboter kann über die Abmessungen der
mechanischen Befestigung der Optik am Roboterflansch berechnet werden.
        </p>
        <p>Die einfache Systembedienung und Übersichtlichkeit stellte eine besonders wichtige Zielsetzung für die Entwicklung
dar. Bei Einsatz konventioneller Operationsmikroskope, Neuronavigationssysteme und gegebenenfalls weiterer Geräte
muss der Chirurg wegen fehlender systemübergreifender Schnittstellen jede Komponente separat bedienen und den
Blick durch das Okular zur Betrachtung eines oder mehrerer Monitore immer wieder unterbrechen. Bei dem
NeuroComrade System werden hingegen alle Informationen der unterschiedlichen bildgebenden Quellen zentral auf einem
einzigen Display zur Verfügung gestellt. Hinzu kommt noch ein kleinerer Touchscreen-Monitor für Systemeinstellungen
und Parameteränderungen, die in der Regel vom Assistenzpersonal vorgenommen werden. Der Operateur selbst bedient
Roboter und Zoomoptik über die Handgriffe und Taster am Roboterarm.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Das aufgebaute Prototypsystem umfasst alle Komponenten und bietet die volle Funktionalität für erste präklinische
Erprobungen. Die einzelnen Komponenten zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
Die Zoomoptik (etwa 6 cm Durchmesser, 16 cm Länge) stellt für die typischen Arbeitsabstände von 20 bis 40 cm ein bis
zu 8-fach vergrößertes Bild nahezu verzeichnungsfrei zur Verfügung. Für die Videoaufnahme und Darstellung des Bildes
wird ein hochauflösender medizinischer Bildsensor (Full HD, 1920x1080 bei 60Hz) eingesetzt. Er gewährleistet eine
Bildqualität, die - bis auf den Aspekt der im momentanen Entwicklungszustand noch fehlenden Stereoskopie - mit der
des Operationsmikroskops vergleichbar ist. Die Veränderung des Zoom- und Fokuswertes erfolgt über zwei durch Taster
am Handgriff schaltbare Mikromotoren, die getrennt voneinander geregelt werden. Für die Ausleuchtung des
Operationsgebietes wurden statt einer konventionellen Xenon-Lichtquelle Hochleistungs-LEDs eingesetzt, welche wartungsfrei
sind und mit deutlich weniger Leistungsaufnahme auskommen. Durch die geringere Wärmeentwicklung durch das
LEDLicht wird das Operationsfeld weniger warm und trocknet somit weniger aus, was für die Anwendung außerordentlich
wichtig ist.</p>
      <p>Das von dem Bildsensor erfasste HD-Videobild wird mit Hilfe einer
sehr leistungsfähigen Bilderfassungskarte in voller HD-Auflösung in
das Visualisierunssystem eingespielt, aufgearbeitet und – um
zusätzliche Informationen ergänzt, etwa aus der präoperativen Bildgebung –
auf dem großen Bildschirm dargestellt. Die Überlagerung der
Zusatzinformationen erfolgt dabei kontextsensitiv. So wird beispielsweise
die integrierte Neuronavigation nur dann in das Videobild
eingeblendet, wenn der Chirurg einen Pointer in die Nähe des Patienten hält
und auf diese Weise schnell und einfach auf die gewünschten
Informationen zugreifen kann (siehe Abb.2). Die Art der Darstellung,
Anordnung und Größe kann dabei an die Wünsche des Chirurgen
angepasst werden. Er kann während der Operation auswählen, welche
Visualisierung für ihn momentan am besten geeignet ist. Da sämtliche
Informationen in ein einziges Display eingeblendet werden, entfällt
dadurch weitgehend das Wechseln der Blickrichtung.</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Bei der haptischen Führung kann die Nachgiebigkeit des Assistenzro</title>
        <p>boters an die jeweils vorliegende Arbeitssituation angepasst werden.</p>
        <p>Bei großen Bewegungen, beispielsweise um die Zoomoptik zur
Zielregion zu führen oder wieder von dort wegzubewegen, wird eine hohe
Nachgiebigkeit eingestellt, um schnelle Bewegungen der am
Roboterarm befestigten Zoomoptik zu ermöglichen. Wenn die zu operierende
Zielstruktur auf dem Monitor sichtbar ist, wird auf eine geringe
Nachgiebigkeit umgeschaltet. Damit sind auch sehr kleine
Bewegungen der Zoomoptik, die hier aufgrund der bis zu 8-fachen
VergrößeAbb. 2: Integration von präoperativer rung des Bildes typisch sind, vom Operateur sehr feinfühlig und
geBildgebung nau durchführbar. Dabei erfolgt zudem eine automatische Anpassung
der Nachgiebigkeit an den aktuell eingestellten Zoomwert, d.h. je
größer der Zoom-Faktor, desto steifer wird die Bewegung des Roboters.</p>
        <p>Die Bewegungs-Freiheitsgrade des Roboters können bei der haptischen Führung gezielt eingeschränkt werden,
beispielweise so, dass nur noch translatorische Bewegungen entlang der optischen Achse oder in der Bildebene des Zoomoptik
möglich sind, oder nur noch rotatorische Bewegungen, etwa bei der Pivotierung um den Fokuspunkt. Letzteres erlaubt
die Änderung der Blickrichtung der Optik, ohne dass das betrachtete Objekt aus der Bildmitte wandert. Der Abstand des
Fokuspunktes von der Optik, also die Lage des Rotationszentrums, wird im Steuerungscomputer aus der
Zoom/FokusKennlinie errechnet und automatisch aktualisiert. Diese Eigenschaften ermöglichen eine intuitive Führung der Optik,
ohne dass Nachjustierungen durch den Benutzer erforderlich werden.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Die Funktionalität des aufgebauten Systems ist durch ausführliche Tests in der Klinischen Anatomie des
Universitätsklinikums Tübingen an Alkohol- und Formalin-fixierten Präparaten untersucht worden. Im Vergleich mit einem
konventionellen Operationsmikroskop wurden Operationen mit einem einen retrosigmoidalen Zugang bei halbsitzender Lagerung
im Kleinhirnbrückenwinkel (KHBW) durchgeführt (siehe Abb. 3), an der Halswirbelsäule über einen Zugang nach
Cloward bei Rückenlagerung sowie transsphenoidal in der Sellaregion, ebenfalls bei Rückenlagerung.
Eine erste Auswertung dieser Versuche hat bereits ergeben, dass die Arbeitsposition der Operateure beim
retrosigmoidalen Zugang mit halbsitzender Lagerung sowie bei der Halswirbelsäulen-OP nach Cloward bei dem
NeuroComrade System ergonomisch deutlich vorteilhafter ist. Sie wurde von den Probanden durchweg als bequemer
angegeben. Derzeit sind die Projektpartner dabei, die weiteren Erkenntnisse aus den Versuchen umzusetzen, um die
Eigenschaften der Systemkomponenten zu optimieren und weitere Tests vorzubereiten.</p>
      <p>Perspektivisch eröffnen sich Möglichkeiten, den Assistenzroboters nicht nur zur Führung der Zoomoptik einzusetzen,
sondern auch von weiteren Instrumenten, etwa von Endoskopen. Damit kann eine bisher nicht erreichte Flexibilität zur
integralen Unterstützung von mikrochirurgischen und endoskopischen Eingriffen erreicht werden. Ebenso ist die
Führung von Instrumenten in der rahmenlosen Stereotaxie durch den navigierten Assistenzroboter denkbar.</p>
      <p>Abb. 3: Operationsmikroskop (links) und Neuro-Comrade (rechts) beim retrosigmoidalen Zugang und
halbsitzender Lagerung im Vergleich</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Danksagung Die vorgestellten Arbeiten wurden vom BMBF im Rahmen des Innovationswettbewerbs Medizintechnik und durch die Firma Henke-Sass, Wolf GmbH gefördert.</title>
        <p>5</p>
      </sec>
    </sec>
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