<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Archiving and Interchange DTD v1.0 20120330//EN" "JATS-archivearticle1.dtd">
<article xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink">
  <front>
    <journal-meta />
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Workflowanalyse Kathetergestützter minimalinvasiver Interventionen</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>A. Boese</string-name>
          <email>axel.boese@ovgu.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
          <xref ref-type="aff" rid="aff2">2</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>T.Neumuth</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff2">2</xref>
          <xref ref-type="aff" rid="aff3">3</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>G. Rose</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
          <xref ref-type="aff" rid="aff2">2</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Otto-von-Guericke Universität, IESK-Institut für Elektronik, Signalverarbeitung und Kommunikationstechnik</institution>
          ,
          <addr-line>Magdeburg</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
        <aff id="aff1">
          <label>1</label>
          <institution>Otto-von-Guericke Universität, INKA- Intelligente Katheter</institution>
          ,
          <addr-line>Magdeburg, Germany Einrichtung</addr-line>
          ,
          <institution>Institut</institution>
          ,
          <addr-line>Ort, Land</addr-line>
        </aff>
        <aff id="aff2">
          <label>2</label>
          <institution>Schlüsselworte: Medizinischer Workflow</institution>
          ,
          <addr-line>Medizintechnik, Interventionen</addr-line>
        </aff>
        <aff id="aff3">
          <label>3</label>
          <institution>Universität Leipzig, Innovation Center Computer Assisted Surgery (ICCAS)</institution>
          ,
          <addr-line>Leipzig</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2011</year>
      </pub-date>
      <fpage>177</fpage>
      <lpage>180</lpage>
      <abstract>
        <p>Workflowanalysen werden zur Beschreibung eines Arbeitsprozesses eingesetzt. Im medizinischen Bereich liegt der Schwerpunkt dabei bei der Optimierung des Patientenflusses, der Geräteauslastung oder der Operationsbedingungen [1]. Workflowanalysen können aber auch als methodisches Werkzeug in der Entwicklung von Medizinprodukten eigesetzt werden. Dabei liegt der Focus auf der Feststellung von Produktdefiziten, der Aufnahme von Anforderungen an ein Produkt oder von möglichen Handlungsabfolgen. Die voranschreitende Miniaturisierung im Medizintechnikbereich eröffnet neue Möglichkeiten zum Design und zur Entwicklung von minimalinvasiven Instrumenten. Im Projekt „Intelligente Katheter“ (INKA) werden an der Otto-vonGuericke-Universität Magdeburg Systeme und Verfahren für die interventionelle Radiologie entwickelt. Wesentlicher Bestandteil der Entwicklungsstrategie ist der konsequente Einsatz von Workflowstudien zur Unterstützung von Anforderungsanalysen für Katheter, Nadeln und andere minimalinvasive Werkzeuge. Als Beispiel soll hier das Studienkonzept und erste Ergebnisse für Kathetergestützte Eingriffe vorgestellt werden. Die Methode der Workflowanalyse wird zur Aufzeichnung der Handlings- und Bedienungsanforderungen von Kathetern eingesetzt und wird durch beobachterbasierte Datenerhebung mit Hilfe eines Workfloweditors mit erweiterter Terminologie durchgeführt. Erste Ergebnisse zeigen, dass es möglich ist den Verlauf der Interventionen detailliert abzubilden. Basierend auf den Ergebnissen konnten bereits erste Unterschiede in der Bedienung konventioneller Katheter durch verschiedene Operateure identifiziert werden, deren Ergebnisse in die Entwicklung neuer Kathetertechnologien einfließen können.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problem</title>
      <p>2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methoden</title>
      <p>
        Für die Dokumentation von medizinischen Workflows können verschiedene Verfahren angewandt werden. Das
Spektrum reicht von der einfachen Liste zur Datenerfassung mit Stoppuhr [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ] über PC-basierte spezialisierte Software in
Kombination mit Videoaufzeichnung [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ] bis zu sensorbasierten Verfahren. Je nach Verfahren wird der Workflow in
unterschiedlichen Detailierungsgraden erfasst. Hier sind Aufwand / Kosten und Nutzen gegeneinander abzuwägen.
Als Beispiel für die Aufnahmen von Kathetergestützten minimalinvasiven Interventionen soll hier die Aufnahme von
Workflows zur Behandlung von Aneurysmen im Bereich der arteria comunicans anterior (aCoa) vorgestellt werden. Ein
Aneurysma ist eine lokale Aufweitung eines Blutgefäßes. Zur Behandlung wird über die Beinarterie ein zunächst
größerer Katheter durch die Bauchaorta, den Aortenbogen, die Halsschlagader arteria carotis communis (acc) bis zur
arteria carotis interna (aci) vorgeführt (Abb. 1). Dann wird je nach Anatomie und genauer Lage des Aneurysmas ein
kleinerer Katheter bis vor das Aneurysma geführt [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
        ]. Als Hilfe zur Steuerung des Katheters dienen Führungsdrähte die
in den Katheter eingebracht werden können. Wenn der Katheter bis zum Aneurysma vorgeführt wurde, werden
therapeutische Maßnahmen wie z.B. das Platzieren eines Stents oder Coiling zum Verschluss des Aneurysmas durchgeführt.
Die Navigation erfolgt dabei durch Röntgendurchleuchtung.
      </p>
      <p>
         
Abb. 1: Anatomie der Blutgefäße des menschlichen Kopfes
Zur Unterstützung der Entwicklung von Kathetern wurde die Methodik der intraoperativen Workflowanalyse eingesetzt
[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ]. Für die Aufnahme von Workflows dieser Interventionen wurde der s.w.an Workflow Editor1 verwendet, welcher
auf der in [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ]vorgestellten beobachtergestützten Erfassung basiert. Dieses PC gestützte Workflowaufzeichnungssystem
bietet eine Vorauswahl von möglichen Ereignissen, Akteuren und eingesetzten Instrumenten. Dadurch entsteht für die
Aufnahme der Workflows eine einheitliche Syntax und Terminologie zur Verfügung. Da die Software für die Erfassung
von Arbeitsschritten für chirurgische Workflows konzipiert ist, wurde der Workflow Editor um spezielle Attribute zur
Beschreibung Kathetergestützter Eingriffe erweitert, um Aussagen zur Steuerung und zum Handling von Kathetern
treffen zu können.
      </p>
      <p>Bei Kathetergestützten minimalinvasiven Interventionen steht eine Vielzahl von möglichen Werkzeugen zur Verfügung.
Obwohl erste Einschränkungen durch Vordiagnose und die zu behandelnde anatomische Struktur getroffen werden
können, ist die bereitzuhaltende Anzahl an verschiedenen Katheterformen noch sehr groß. Bei dem hier vorgestellten
Beispiel von neuroradiologischen Interventionen können z.B. Katheter in mehr als 15 verschiedenen Konfigurationen
die in verschiedenen Durchmessern und Längen erhältlich sind verwendet werden (siehe Abb. 2).
1 SWAN – Scientific Workflow Analysis GmbH Leipzig, http://www.scientific-analysis.com
Abb. 2: Katheter mit gleicher Spitzenkonfiguration aber unterschiedlichen Durchmessern und Seitenlochanzahl
Die Erweiterung der Terminologie bestand neben der Einführung von operationstypspezifischen Begriffen wie
Handlingoptionen zur Translation oder Rotation der Katheter auch in der Definition von Begrifflichkeiten im Kontext
der bildgebenden Verfahren, z. B. der Durchleuchtung oder von Kontrastmittelinjektionen.
 
Abb. 3:Das Auswahlmenü im Workfloweditor ermöglicht die Kombination von Aktion, anatomischer Struktur und
verwendetem Instrument
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Mit dem angepassten Workfloweditor werden minimalinvasive Kathetergestützte Interventionen wie die Behandlung
von Aneurysmen im o.g. Beispiel aufgenommen. Die Workflows geben den generellen Gesamtablauf der Intervention
wieder und ermöglichen einen Vergleich von verwendeten Materialien und Technik.</p>
      <p>Eine erste Auswertung ergab, dass die Operationszeit sehr von der individuellen Patientenanatomie abhängt.
Elongationen der Gefäße oder Verkalkungen und Plaque erschweren z. T. das Vordringen zum Krankheitsherd. Ein weiterer
Aspekt ist die Erfahrung und das Geschick des Interventionisten. Hier unterscheiden sich die Interventionszeiten z.T. um
das Doppelte.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Diskussion</title>
      <p>
        Die workflowbasierten Anforderungsanalysen sind ein hilfreiches Instrument bei der Produktentwicklung. Sie
ermöglichen die Dokumentation komplexer Vorgänge wie minimalinvasiver Kathetergestützter Intervention und lassen
sich in die methodische Produktentwicklung [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ] integrieren. Auf Grundlage der Dokumentation können Ist- Stände
erfasst und zu Vergleichszwecken archiviert werden. Auch durch die tägliche Routine automatisierte Vorgänge werden
dargestellt und geben ein umfassendes Bild des Operationsgeschehens. Anhand der erfassten Daten ist es ebenfalls
möglich, Optimierungsszenarien zu entwickeln. Durch die Erhöhung der Anzahl der aufgenommenen Workflows einer
Prozedur kann auch bei vorhandenen Patientenunterschieden und Interventionserfahrung ein „roter Pfad“ dargestellt
werden [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ].
      </p>
      <p>Der Einsatz von Beobachtern zur Erfassung operativer Workflows hat jedoch auch seine Grenzen. So konnte im
Rahmen der Studie der erforderliche Detailierungsgrad zur Beschreibung des Handlings des Interventionswerkzeugs noch
nicht erreicht werden, da in einigen Phasen des Eingriffes die Handlungen in besonders schneller Reihenfolge
durchgeführt werden. Um den Detailierungsgrad der Aufnahmen zu erhöhen werden zwei Strategien geprüft: zum einen soll
eine alternative Ergänzungen der Daten durch Videoaufzeichungen oder der parallele Einsatz eines zweiten
Beobachters erfolgen und zum anderen eine Weiterentwicklung des eingriffsspezifischen Teils der Terminologie.
Obwohl bisher noch keine konkreten Rückschlüsse für neue Produktentwicklungen gezogen werden konnten,
entstanden durch die Workflowaufnahmen und deren Reflektion bereits in der frühen Studienphase Ideen für neue
Behandlungsansätze. Weiterhin wird der Ist-Stand dokumentiert, um als Vergleichsbasis für Workflows unter Benutzung von
noch zu entwickelnden Kathetern zu dienen.
5</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list>
      <ref id="ref1">
        <mixed-citation>
          [1]
          <string-name>
            <given-names>S.</given-names>
            <surname>Riedel</surname>
          </string-name>
          , „Modernes Operationsmanagement im Workflow Operation“,
          <year>2003</year>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref2">
        <mixed-citation>
          [2]
          <string-name>
            <given-names>A.</given-names>
            <surname>Boese und K.-H. Grote</surname>
          </string-name>
          , „
          <article-title>Workflow Analysis as Tool for Development of Medical Devices, a white Paper“</article-title>
          ,
          <source>Proceedings of The World Congress on Engineering</source>
          <year>2010</year>
          ,
          <string-name>
            <surname>Vol</surname>
            <given-names>III</given-names>
          </string-name>
          ,
          <fpage>pp2149</fpage>
          -
          <lpage>2152</lpage>
          , London, U.K.:
          <year>2010</year>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref3">
        <mixed-citation>
          [3]
          <string-name>
            <given-names>E.</given-names>
            <surname>Rödler</surname>
          </string-name>
          , „Workflow und Prozeßmodellierung - Instrumente derWorkflow-Analyse in der Praxis“,
          <year>2000</year>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref4">
        <mixed-citation>
          [4]
          <string-name>
            <given-names>H.</given-names>
            <surname>Schild</surname>
          </string-name>
          , Angiographie, Georg Thieme Verlag,
          <year>2003</year>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref5">
        <mixed-citation>
          [5]
          <string-name>
            <given-names>T.</given-names>
            <surname>Neumuth</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>P.</given-names>
            <surname>Jannin</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>J.</given-names>
            <surname>Schlomberg</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>J.</given-names>
            <surname>Meixensberger</surname>
          </string-name>
          , P. Wiedemann, und
          <string-name>
            <given-names>O.</given-names>
            <surname>Burgert</surname>
          </string-name>
          , „
          <article-title>Analysis of surgical intervention populations using generic surgical process models“</article-title>
          ,
          <source>International Journal of Computer Assisted Radiology and Surgery</source>
          , vol.
          <volume>6</volume>
          ,
          <year>2010</year>
          , S.
          <fpage>59</fpage>
          -
          <lpage>71</lpage>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref6">
        <mixed-citation>
          [6]
          <string-name>
            <given-names>G.</given-names>
            <surname>Pahl</surname>
          </string-name>
          , et al., „Engineering Design:
          <string-name>
            <given-names>A Systematic</given-names>
            <surname>Approach</surname>
          </string-name>
          <string-name>
            <surname>“</surname>
          </string-name>
          ,
          <year>2007</year>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
    </ref-list>
  </back>
</article>