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|title=Der Einfluss unterschiedlicher Mikroskope auf die Applikationsgenauigkeit bei elektromagnetischer Navigation an der Schädelbasis
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==Der Einfluss unterschiedlicher Mikroskope auf die Applikationsgenauigkeit bei elektromagnetischer Navigation an der Schädelbasis==
Der Einfluss unterschiedlicher Mikroskope auf die Applikations-
genauigkeit bei elektromagnetischer Navigation an der Schädelbasis
F. Kral¹, Z. Bardosi¹, M. DiFranco¹, A. Giotakis¹, H. Riechelmann¹, W. Freysinger¹
¹ Universitätsklinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Medizinische Universität Innsbruck, Österreich
Kontakt: florian.kral@i-med.ac.at
Abstract:
Bei der intraoperativen Navigation finden hauptsächlich optische und elektromagnetische Ortungssysteme Anwendung.
Besonders bei komplexen Eingriffen mit erheblichem Einsatz von Personal und Equipment bieten elektromagnetische
Ortungssysteme Vorteile bei der Integration von Navigation in den klinischen Ablauf, da diese Systeme keinen direkten
Sichtkontakt zwischen den Komponenten benötigen. Ferromagnetische Störsignale können die Anwendungsgenauigkeit
beeinträchtigen. Wir haben in einem experimentellen OP Genauigkeitsmessungen bei elektromagnetischem tracking
und Verwendung von verschiedenen Mikroskopmodellen durchgeführt und dabei signifikante Unterschiede bei dem total
target error (TTE) festgestellt. Es wurde der TTE bei Titanschrauben an chirurgisch relevanten Strukturen der Frontob-
asis und Laterobasis gemessen. Die modernen „grossen“ Mikroskope führen zu schlechteren Ergebnissen. Für den Ein-
satz von elektromagnetischem Tracking bei mikroskopischen Schädelbasiseingriffen sind Verbesserung im Bereich
Hard- als auch Software nötig.
Schlüsselworte: Navigation, Schädelbasis, tracking
1 Problemstellung
Bei navigierten mikroskopischen Schädelbasiseingriffen finden vorwiegend optische Systeme Verwendung, bei denen
das Mikroskop mit einem fest verbundenen Referenzelement in das System integriert wird (1). Navigationssysteme zei-
gen nach dem Registrierungsvorgang die Position eines Pointers oder einem im Okular eingeblendeten Fadenkreuzes im
radiologischen Bilddatensatz. Bei optischen Systemen ist es unabdingbar, dass zwischen dem Kamerasystem und dem
am Mikroskop befestigten Referenzelement unbehinderter Sichtkontakt gewährleistet ist. Dieser Sichtkontakt ist in mo-
dernen, voll ausgestatteten Operationssälen bei Eingriffen mit mehreren Operateuren schwierig oder nur mit Änderun-
gen im Operationsablauf und / oder der Gerätepositionierung möglich. Bei Eingriffen ohne Mikroskop wird daher zu-
nehmend elektromagnetisches Tracking verwendet, da hier der elektromagnetische Feldgenerator unter den sterilen OP-
Tüchern befestigt wird und kein direkter Sichtkontakt zu den getrackten Instrumenten nötig ist. Der Nachteil sind elekt-
romagnetische Störungen z.B. durch chirurgisches Instrumentarium oder sonstige metallische Gerätschaften im OP.
Permanente Entwicklungen der Hard- und Software führten jedoch zu immer zuverlässigeren Systemen (2) (3), auch
ohne Verwendung von speziell aus Titan gefertigten Instrumenten. Zur Evaluation, ob sich moderne elektromagnetische
Trackingsysteme für mikroskopische Schädelbasiseingriffe eignen, wurde die Applikationsgenauigkeit mit verschiede-
nen Operationsmikroskopen bei Targets an der Schädelbasis an einem Phantom im OP gemessen.
2 Material und Methoden
Die Messungen wurden an einem Plastik Phantom (Somso QS 1, Somso, Coburg, Germany) durchgeführt. Es wurden
in chirurgisch relevanten Arealen der Schädelbasis zehn Titanschrauben (Micro Bone Screws, Cross Slot, Self-Tapping,
Leibinger, Kalamazoo, Michigan, USA) und weitere zehn Titanschrauben für die Registrierung implantiert und an-
schließend ein CT durchgeführt (Siemens Somatom 4 row CT (Siemens, Erlangen, Germany), 1 mm Schichtdicke,
140kV, 220 mAs). Im Bereich der Stirn des Phantoms wurde ein dynamisches Referenzelement (DRF) festgeklebt (Au-
rora, Northern Digital Inc., Waterloo, Ontario, Canada) und gemeinsam mit einem Pointer (Aurora 6DOF Probe,
Straight Tip, Standard, Part Number: 610065, Northern Digital Inc., Waterloo, Ontario, Canada) an das elektromagneti-
sche Trackingsystem (Aurora, Northern Digital Inc., Waterloo, Ontario, Canada) angeschlossen. Das Phantom wurde im
Operationssaal entsprechend eines intraoperativen setups auf dem OP Tisch (Brumaba, Wolfratshausen, Germany) ge-
lagert. Seitlich zum Phantom, am OP Tisch fixiert, wurde der elektromagnetische Feldgenerator positioniert. Es wurde
nun mit jeweils 20 Wiederholungen die Pointerspitze in das Zentrum des Schraubenkopfes positioniert und die Positi-
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onsdaten mit der dem Trackingsystem mitgelieferten Software (Aurora toolbox, Northern Digital Inc., Waterloo, Onta-
rio, Canada) dokumentiert. Diese Prozedur wurde für alle Titanschrauben ohne Mikroskop und danach für die
Targetschrauben mit jedem einzelnen Mikroskop hintereinander durchgeführt. Jede einzelne Targetschraube wurde
durch das Mikroskop bei einem Focus von 300 mm mit dem Pointer eingestellt und jeweils 20 Mal wiederholt gemes-
sen und die Positionsdaten dokumentiert. Nach den Messungen wurden auf einem Standard PC (Intel Core2Duo
CPUe6550; 2.3 GHz; 4 GB RAM; 150 HDD; Windows 7) in einer open-source radiologischen Software (3D Slicer,
www.slicer.org) die CT Daten via USB Stick eingelesen und die Koordinaten der Registrationsschrauben und
Targetschrauben im CT Datensatz definiert. In Matlab (Matlab 7.6, R2008a, Mathworks Inc., MA, USA) wurden eine
Registrierung mit den Koordinaten der Registrierungsschrauben durchgeführt (4) und die Koordinaten der
Targetschrauben berechnet. Diese Koordinaten wurden mit den gemessenen Koordinaten verglichen und der total target
error (TTE) berechnet. Zur Beschreibung der Werte wurden Mittelwert und Standardabweichung berechnet. Die Ab-
standswerte wurden mit einem generalisiertem, gesättigtem Typ III Linearmodell analysiert und die verwendeten
Mikroskopmodelle als Faktoren (bzw. Messung ohne Mikroskop) verwendet. Für die Parameterschätzung wurde eine
Hybridmethode gewählt und maximum likelihood Schätzungen wurden für die Skalaparameter angewandt.
Abbildung 1: Übersicht der für die Messung verwendeten Mikroskope. Von links beginnend das Leica OL 5, Zeiss NC4, NC 31,
Opmi Vario3 700 und S21.
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Abbildung 2: Setup. Verwendete Abkürzungen im Bild: FG Feldgenerator, DRF dynamic reference frame fixiert am Phantom und
Mikroskop.
3 Ergebnisse
Es wurden 200 Registrierungspunkte und 1200 Targetpunkte mit dem elektromagnetischen Trackingsystem gemessen.
Für fünf verschiedene Mikroskopmodelle von zwei Herstellern wurde der total target error (TTE) gemessen und es zeig-
te sich bei vier von fünf Mikroskopmodellen eine signifikanter Unterschied zum TTE der Messungen ohne Mikroskop
(p=0). Der TTE lag zwischen 0.6 mm (1.12 bis 1.09) und 2.41 mm (1.93 bis 2.89, jeweils unteres und oberes
Konfidenzintervall). Lediglich beim Zeiss S21 zeigte sich kein signifikanter Unterschied (p=0.55). Die höchsten Ab-
weichungen zwischen den Messkoordinaten und den Bildkoordinaten wurden bei Verwendung des Leica OL 5 Mikro-
skops erzielt. Von den modernen, elektronischen Mikroskopen wurden die niedrigsten TTEs im Vergleich zu den Mes-
sungen ohne Mikroskop mit dem Zeiss Opmi Vario 700 erzielt (2.16 mm, 1.68 bis 2.64).
Mittelwert Unteres KI Oberes KI p
Ohne Mikroskop 0,81 0,33 1,29
Leica OL 5 2,41 1,93 2,89 0
Zeiss NC4 2,23 1,75 2,71 0
Zeiss NC31 2,24 1,76 2,72 0
Zeiss Opmi Vario 700 2,16 1,68 2,64 0
Zeiss S21 0,6 1,12 1,09 0,55
Tabelle 1: Synopse der Ergebnisse in mm, Konfidenzintervall (KI), Signifikanz (p).
4 Diskussion
In dieser Untersuchung wurden fünf Mikroskopmodelle für elektromagnetisch navigierte Schädelbasiseingriffe evalu-
iert. Es wurden Titanschrauben als Targets an chirurgisch relevanten Strukturen angebracht und anhand von anderen
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ebenfalls implantierten Titanschrauben ein Kunststoffphantom zu einem angefertigten CT Datensatz registriert. Die
Messungen wurden in einem OP durchgeführt und es zeigten sich signifikante Unterschiede des TTE bei Verwendung
von Mikroskopen mit Ausnahme des Zeiss S21 Mikroskops.
Der TTE wurde gemessen, da dieser die Applikationsgenauigkeit widerspiegelt (5). Um eine Anwenderungenauigkeit
möglichst zu minimieren wurden Titanschrauben für die Registrierung verwendet und die Messungen 20 Mal wieder-
holt. Alle Targets wurden mit 300 mm Fokus durch das Mikroskop scharf eingestellt und dann mit dem Pointer berührt
um möglichst gut die intraoperative Situation zu simulieren. Die Absolutwerte sind bei Verwendung eines Plastikphan-
toms nicht eins zu eins in eine klinische Anwendung übertragbar, jedoch sind die relativen Unterschiede zwischen der
Anwendung mit und ohne Mikroskop beziehungsweise zwischen den einzelnen Mikroskopmodellen durchaus repräsen-
tativ. Insgesamt zeigen die „größeren“, moderneren Mikroskope höhere Abweichungen bei gleichem Abstand zum Tar-
get. Dies lässt sich einerseits auf den Umfang als auch Anzahl der technische Komponenten (Handgriffe,
Mitbeobachterokular, Kamerasystem, Autofocus etc.) zurückführen, die in das Operationsgebiet und damit auch in das
elektromagnetische Feld eingeschwenkt werden.
Um eine ausreichende klinische Anwendungsgenauigkeit mit modernen OP-Mikroskopen bei Schädelbasiseingriffen zu
erzielen, ist einerseits das optische Tracking oder beim elektromagnetischen Tracking ein alternatives Setup zu wählen.
5 Zusammenfassung
Bei der intraoperativen Navigation finden hauptsächlich optische und elektromagnetische Ortungssysteme Anwendung.
Besonders bei komplexen Eingriffen mit erheblichem Einsatz von Personal und Equipment bieten elektromagnetische
Ortungssysteme Vorteile bei der Integration von Navigation in den klinischen Ablauf, da diese Systeme keinen direkten
Sichtkontakt zwischen den Komponenten benötigen. Ferromagnetische Störsignale können die Anwendungsgenauigkeit
beeinträchtigen. Wir haben in einem experimentellen OP Genauigkeitsmessungen bei Verwendung von elektromagneti-
schem Tracking und verschiedenen Mikroskopmodellen durchgeführt und dabei signifikante Unterschiede bei dem total
target error (TTE) festgestellt. Es wurde der TTE bei Titanschrauben an chirurgisch relevanten Strukturen der Frontob-
asis und Laterobasis gemessen. Die modernen „grossen“ Mikroskope führen zu schlechteren Ergebnissen. Für den Ein-
satz von elektromagnetischem Tracking bei mikroskopischen Schädelbasiseingriffen sind Verbesserung im Bereich
Hard- als auch Software nötig.
6 Referenzen
[1] Labadie RF, Shah RJ, Harris SS, Cetinkaya E, Haynes DS, Fenlon MR, et al. Submillimetric target-registration
error using a novel, non-invasive fiducial system for image-guided otologic surgery. Comput Aided Surg
2004;9(4):145-53.
[2] Schicho K, Figl M, Donat M, Birkfellner W, Seemann R, Wagner A, et al. Stability of miniature electromagnetic
tracking systems. Phys Med Biol 2005, May 7;50(9):2089-98.
[3] Birkfellner W, Watzinger F, Wanschitz F, Enislidis G, Kollmann C, Rafolt D, et al. Systematic distortions in
magnetic position digitizers. Med Phys 1998, Nov;25(11):2242-8.
[4] Arun KS, Huang TS, Blostein SD. Least-squares fitting of two 3-d point sets. IEEE Trans Pattern Anal Mach
Intell 1987, May;9(5):698-700.
[5] Güler Ö, Perwög M, Kral F, Schwarm F, Bárdosi ZR, Göbel G, Freysinger W. Quantitative error analysis for
computer assisted navigation: A feasibility study. Med Phys 2013, Feb;40(2):021910.
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