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        <article-title>Ein prozessbasiertes Controllerkonzept zur Steuerung eines digitalen OP-Saals am Beispiel von OP:Sense</article-title>
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          <string-name>T. Beyl</string-name>
          <email>tim.beyl@kit.edu</email>
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          <string-name>L. Schreiter</string-name>
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          <string-name>H. Wörn</string-name>
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          <string-name>Schlüsselworte: Workflows, Controller, Chirurgische Robotik</string-name>
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          <label>0</label>
          <institution>Karlsruher Institut für Technologie, Institut für Prozessrechentechnik, Automation und Robotik</institution>
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          <addr-line>Karlsruhe</addr-line>
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          <country country="DE">Deutschland</country>
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      <fpage>58</fpage>
      <lpage>61</lpage>
      <abstract>
        <p>Chirurgische Roboter und Integration von digitalen Operationssälen tragen maßgeblich zur Produktivität und Ergonomie der Systeme, bzw. zum Ergebnis von Operationen bei. Aktuelle kommerzielle Systeme sind entweder nichtstandardisierte integrierte Operationssäle wie der OR1 von Karl Storz, oder alleinstehende Robotersysteme wie DaVinci von Intuitive Surgical. Eine vollständige Integration von im OP eingesetzten Geräten und Prozessen kann dazu dienen sowohl die Produktivität als auch die Ergonomie und in Folge die Akzeptanz von Robotiksystemen durch Chirurgen zu erhöhen. Im Rahmen von OP:Sense entwickeln wir neue Methoden zur Integration von Robotern in den Arbeitsablauf (Workflow) während einer OP. Der Roboter soll hierzu flexibel eingesetzt werden und dem Chirurgen zum korrekten Zeitpunkt zur Verfügung stehen und genau die ihm zugeteilten Aufgaben erfüllen. Im Folgenden wird ein wissensbasierter Ansatz beschrieben, der das Verfolgen des Arbeitsablaufs ermöglicht, sowie das System generisch auf Basis dieses Arbeitsablaufes steuern kann. Auch Verifikation und Arbeitsplansynthese sind möglich.</p>
      </abstract>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Problemstellung</title>
      <p>chung des Operationssaals, einerseits zur weitest gehenden Gewährleistung der Sicherheit, andererseits zur Verfolgung
des chirurgischen Prozesses selbst.</p>
      <p>Eine generische Steuerung auf Basis von Workflows wurde bisher nicht realisiert. Ein Workflow beschreibt den Ablauf
eines Prozesses innerhalb einer bestimmten Domäne. Workflows im Operationssaal können unterschiedlicher Natur
sein. So können sowohl pre-, post-, intra- als auch perioperative Workflows erstellt werden. Letztere können als Basis
für einen Controller verwendet werden um sichere und intuitive Systeminteraktion zu realisieren. Während
intraoperative Workflows die Operation selbst beschreiben und versuchen feingranulare Prozesse abzubilden, beschreiben
perioperative Workflows die Prozesse innerhalb des Operationssaals zur Laufzeit der Operation sowie kurz davor und kurz
danach. Dies umfasst Einsatz und Konfiguration von Geräten, das Erkennen der Positionen von Geräten und Personen
sowie das Erkennen getätigter Aktionen. Zur Reduktion der Komplexität und zur Steigerung der Sicherheit und
Intuitivität schlagen wir vor diesen Prozess als Basis für einen generischen Prozessbasierten Controller einzusetzen.
Workflowmanagement Systeme wie z.B. IBM Lotus, oder das hier eingesetzte YAWL [2] bieten Möglichkeiten zur
direkten Interaktion mittels externer Software und damit auch zu den vorhandenen Geräten. In YAWL können sowohl
externe Dienste direkt angesteuert werden, als auch Workflows über externe Dienste in die Laufzeitumgebung von YAWL
geladen werden. Zusätzlich sind Verifikationsmethoden einsetzbar um die Korrektheit der auszuführenden Workflows
also auch die Kompositionalität des Systems zu prüfen [3].</p>
      <p>Unser prozessbasiertes Controllerkonzept basiert hierbei auf der Möglichkeit Systemkomponenten zur Laufzeit neu zu
konfigurieren und auch die Kommunikation zwischen den einzelnen Komponenten dynamisch anzupassen. Hierzu
werden Prozesse in YAWL regelbasiert abgearbeitet. Jeder elementare Bestandteil des Prozesses (im Folgenden: Task) kann
mit einer, oder mehreren Aktionen auf dem System verknüpft werden. So können z.B. zur Laufzeit des Systems
Trokarpunkte versetzt werden, oder von einer laparoskopischen zu einer offenen Operation gewechselt werden. Das
System soll, wenn gewünscht verschiedene Kollisionsvermeidungsstrategien verfolgen, und ist in der Lage während der
Laufzeit Funktionsüberprüfungen einzelner Komponenten durchführen.</p>
      <p>Basis des vorgestellten Controllerkonzepts ist die Laufzeitumgebung von YAWL. Der Prozess wird hierbei über eine
interaktive grafische Benutzerschnittstelle ausgewählt und entsprechend der vorhandenen Systembestandteile
ausgeführt bzw. modifiziert. Der Prozess wird anschließend durch die Laufzeitumgebung von YAWL ausgeführt. Bausteine
des Systems selbst sollen nicht statisch modelliert, sondern in einer Wissensbasis, repräsentiert als Ontologie enthalten
sein. Auf diesem Wege können sowohl neue Komponenten und Arbeitsschritte, als auch komplette Prozesse in einer
gemeinsamen Datenbank vorgehalten werden.</p>
      <p>Die Ontologie ist hierbei in mehreren Abstraktionsstufen aufgebaut:
 Prozesslevel: Beschreibung der Prozesse, Äquivalente Prozesse und Transitionen zwischen einzelnen Tasks
 Tasklevel: Einzelne Tasks, Verknüpfte Systembestandteile, Prä- und Postoperative Bedingungen
 Systemlevel: Dienste und Konfigurationen der einzelnen Systembestandteile
Durch den Einsatz von Protegé (Ontologiesystem) ergeben sich weitere Möglichkeiten. So können z.B. Klassen von
Komponenten definiert werden und die Verfügbarkeiten dieser mit einbezogen werden. Arbeitsabläufe könnten speziell
für die Situation synthetisiert werden. Bei entsprechend großen Datenbanken könnten auch Notfalllösungen für Ausfälle
einzelner Komponenten definiert und ausgeführt werden. In Ontologien werden hierzu Reasoner verwendet die auf
Basis der Objekteigenschaften ähnliche, identische, oder unterschiedliche Objekte definieren können.</p>
      <p>Abbildung 1: Softwarearchitektur in OP:Sense
Ein Problem ist die korrekte Modellierung der Ontologie. Es muss sichergestellt werden, dass nur kompatible
Komponenten miteinander verknüpft werden können, sowie alle Vorbedingungen ausgeführt wurden bzw. alle
Nachbedingungen noch ausgeführt werden. So kann ein Roboter seine Arbeit z.B. nicht ohne vorhergehende Kalibrierung und
Registrierung aufnehmen. Abb. 1 zeigt die Softwarearchitektur, die für OP:Sense zum Einsatz kommt.</p>
      <p>Mehrere Abstraktionsebenen wurden zur Übersichtlichkeit eingeführt. So werden auf der untersten Abstraktionsebene
Echtzeitanwendungen realisiert, unter die klassischerweise viele Aufgaben aus der Robotik fallen. Als
Echtzeitbetriebssystem wird Ubuntu mit Xenomai verwendet. Um die Entwicklung zu vereinfachen wird Orocos als Abstraktionsebene
von der Echtzeitprogrammierung verwendet. Dieses ist direkt an ROS angebunden und kann damit über
Standardmechanismen von ROS angesteuert werden. In ROS selbst sind schließlich Algorithmen, Filter und die Module selbst, die
die Anwendung ergeben realisiert. In der obersten Abstraktionsebene wird schließlich der prozessgesteuerte Controller
umgesetzt. Zur Umsetzung des Controllers wird ein Custom YAWL Service verwendet, der die Anbindung an das
Laufzeitsystem von YAWL ermöglicht, zusätzlich aber auch die Anbindung an Protegé und ROS realisiert.
Ein Ablaufplan wird wie folgt ausgeführt:
1. Laden des Ablaufsplans bzw. Synthetisieren eines Ablaufsplans aus der Datenbank
2. Verifikation des Ablaufsplans und gegebenenfalls Ablehnung
3. Hochladen des Ablaufsplans ins Laufzeitsystem von YAWL
4. Abarbeitung der einzelnen Tasks
5. Bei Start bzw. bei Beendigung eines Tasks wird der Custom YAWL Service informiert. Dieser startet Abfragen
an Protegé um etwaige Aktionen auf ROS-Komponenten durchzuführen
6. Die ROS Komponenten selbst werden durch den YAWL Custom Service über ROS Mechanismen aktiviert
bzw. deren Konfiguration geändert.</p>
      <p>Diese Vorgehensweise ermöglicht eine flexible Abarbeitung nahezu aller auf dem System durchführbaren Aktionen.
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Zur Veranschaulichung der Vorgehensweise wird im Folgendem ein sehr einfach strukturierter Workflow auf Basis einer
realen Operation entsprechend für OP:Sense modifiziert. In [4] haben Mönnich et.al einen ausschließlich
systembezogenen Workflow modelliert um erste Versuche mit workflowbasierten Controllern durchzuführen. Diese Workflows
spiegelten zwar die Konfiguration des Robotersystems auf Basis fiktiver Workflows wider, können aber nicht ohne
deutliche Modifikation auf klinische Szenarien angewendet werden. Aktuelle Ansätze zur Workflowmodellierung
verwenden Videoaufzeichnungen zur Phasenidentifikation sowie probabilistische Ansätze zur online Identifikation
während bzw. nach der Operation. In [5] wird ein Workflow von einer Videoaufzeichnung einer laparoskopisch
durchgeführten Gallenblasenoperation abgeleitet. Abbildung 2 zeigt den schematischen Ablauf des identifizierten Workflows,
modelliert in YAWL. Deutlich zu sehen ist der lineare Ablauf der Operation, der charakteristisch für viele chirurgische
Interventionen ist. In einer Notfallsituation kann es jedoch vorkommen dass der laparoskopische Eingriff beendet
werden muss und zu einer offenen Operation gewechselt wird.</p>
      <p>Abbildung 2: Workflow (1=C02 Insuflierung, 2=Trokar setzen, 3=Dissektion 1, 4=Klammern/Schneiden
1, 5=Dissektion 2, 6= Klammern/Schneiden 2, 7=Auslösung der Gallenblase, 8=Koagulation am
Leberbett, 9=Verpacken der Gallenblase, 10=Entfernung der Gallenblase aus dem Körper, 11=Externe
Säuberung, 12= Koagulation am Leberbett 2, 13=Trokar Entfernung, 14=Nähen)
Viele Schritte des Intra-operativen Workflows sind für die Steuerung des Operationssaals nicht notwendig und schwer
automatisiert auswertbar. So können z.B. Interventionsschritte selbst, die keinerlei Interaktion mit Geräten, wie z.B.
Ultraschallgeräten, erfordern vernachlässigt werden. Im Falle der
Cochlecystomie reduziert sich der Workflow für eine
robotergestütze Intervention damit auf Abbildung 3. Dieser
Workflow spiegelt aufgrund der niedrigen Komplexität der OP ein
sehr einfach auszuführendes Szenario wider. Dabei wird am
Anfang einer robotergestützten OP ein Trokar eingesetzt und
anschließend der Roboter eingeführt. In der Phase des „operieren“ Abbildung 2: Perioperativer Workflow
wird auf den Intraoperativen Workflow zurückgegriffen. Sollte es
zu einer Notfallsituation kommen, kann jederzeit in den Modus der offenen OP gewechselt werden, was wiederrum
einen neuen Workflow initialisieren würde, der hier nicht modelliert wurde.
Deutlich wird hierbei, dass sich der Workflow der Operation häufig vom Workflow der zur Steuerung des Systems
notwendig ist unterscheidet. Das Ableiten eines systemspezifischen Workflows kann sich je nach Operation schwierig
gestalten. So bestehen für viele Operationen keine Erfahrungen, wie der Einsatz eines Robotersystems sich auf den
Workflow auswirkt. Je häufiger Assistenzsysteme während einer Operation eingesetzt werden sollen, desto komplexer
gestaltet sich der Workflow, der auf den Controller zu applizieren ist. Je weniger eindeutig Entscheidungen im
Workflow sind, desto komplexere probabilistische Ansätze müssen verwendet werden um eine korrekte Klassifikation
zu erzielen. Elementare Bestandteile eines Workflows können für mehrere Abläufe verwendet werden, da viele
Operationen sich vom Kontrollschema kaum unterscheiden (z.B. Telemanipulation in der Weichteilchirurgie ohne preoperative
Bildgebung).
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Noch nicht inbegriffen in den Workflow sind die Fehleridentifikation und -behandlung, sowie die notwendigen Schritte
zum Wechsel zur offenen Operation. Komplexere Interventionen wie Epilepsiechirurgie, wie sie z.B. im EU-Projekt
ACTIVE verfolgt wird, sehen verschiedenste Betriebsmodus und Sicherheitsmechanismen vor, die eine intuitive und
sichere Interaktion gewährleisten sollen. So muss der Roboter jederzeit im korrekten Betriebsmodus (Telemanipulation,
handgeführt, automatisch) sein und dabei die jeweils relevanten Sicherheitskriterien einhalten. Auch sind Übergänge
nicht unbedingt einfach zu identifizieren und benötigen zusätzlich zu regelbasierten Systemen unter Umständen
probabilistische Ansäte zur eventuell fehlerbehafteten Identifikation der Transitionen.</p>
      <p>Das hier vorgestellte System ist nicht ausschließlich beschränkt auf den Einsatz von robotergestützten Operationen,
sondern ist in der Lage verschiedenste Komponenten, solange sie in ROS eingebunden sind und in der Ontologie
modelliert sind anzusteuern. So ist es denkbar grafische Benutzeroberflächen während der Laufzeit an die Bedürfnisse des
Chirurgen anzupassen, Bildaufnahmeparameter für bildgebende Geräte zu setzen, oder auch bestimmte Aspekte der
Operation zur späteren Wiedergabe aufzunehmen. Dennoch ist für eine vollständige Applizierbarkeit des Systems eine
genaue Anforderungsanalyse erforderlich. Die zur Ausführung notwendigen Anteile der Operation müssen vollständig
modelliert sein und Kompatibilität der verwendeten Komponenten muss gewährleistet sein. Damit ergibt sich ein
flexibel konfigurierbares System, dessen Ausführungsqualität aber maßgeblich von der Qualität der Anforderungsanalyse
und der Modellierung der Komponenten in der Ontologie abhängt.</p>
      <p>Diese Arbeit wurde durch das FP7 Framework Programm der Europäischen Union innerhalb der Projekte „EuroSurge“
unter Grant Nr. 288233 und „Active Constraints Technologies for Ill-defined or Volatile Environments (ACTIVE)”
unter Grant Nr. 270460 unterstützt und gefördert.</p>
    </sec>
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