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        <article-title>Computerassistierte Trajektorienplanung für tiefe Hirnstimulation und Stereoelektroenzephalographie</article-title>
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          <string-name>Schlüsselworte: Trajektorienplanung, Tiefe Hirnstimulation, Risikoanalyse</string-name>
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      <fpage>239</fpage>
      <lpage>243</lpage>
      <abstract>
        <p>In der funktionellen Neurochirurgie sind stereotaktisch geführte Eingriffe sehr wichtig. Bei der Tiefen Hirnstimulation (DBS) oder der Stereoelektroenzephalographie (SEEG) werden Elektroden implantiert. Die erforderliche präzise Planung eines geeigneten Eintrittspunkts wird meist manuell mit hohem Zeitaufwand durchgeführt. Zur schnellen computerunterstützen Planung wird hier ein Ansatz beschrieben, welcher anhand von einem manuell definiertem Zielpunkt und einem potentiellem Zugangsbereich auf Basis von intensitätsbasierten Bewertungsverfahren eine Klassifikation aller möglichen Zugangspunkte durchführt. Die Darstellung dieser Bewertung erfolgt auf zwei verschiedenen Wegen. Zum einen werden die Areale für sichere bzw. für risikoreiche Trajektorien auf die Oberfläche des Kopfes projiziert. Zum anderen besteht die Möglichkeit, die Trajektorien gemäß ihrer Güte zu ordnen und so die sichersten Zugangswege zu finden.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Problemstellung</title>
      <p>In diesem Beitrag wird ein Ansatz präsentiert, der intensitätsbasiert gemäß Homogenitätskriterien potentielle
Trajektorien klassifiziert und bewertet, und somit unabhängig von Vorsegmentierungen die
Trajektorienplanung beschleunigen kann.
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Material und Methoden</title>
      <p>Der entwickelte Ansatz ermöglicht es dem Benutzer im Rahmen der DBS-Planung und SEEG-Planung, für
jede einzubringende Elektrode einen Zielpunkt t sowie einen Zugangsbereich S={s1,…,sn} zu definieren, im
dem der spätere Eintrittspunkt für die Tiefenelektrode liegen soll (Abb. 1).</p>
      <p>Jeder Punkt si des Zugangsbereiches definiert dabei zusammen mit dem Zielpunkt t eine potentielle
Trajektorie T. Durch Interpolation zwischen t und si werden dabei Stützstellen tj der Trajektorie Ti zur Bewertung
generiert, so dass die Trajektorie Ti beschrieben ist durch Ti = {t0, t1, …,tm-1, tm} mit t0 = t und tm = si. Da die zu
implantierenden Elektroden einen nicht beliebig geringen Durchmesser aufweisen, muss zur Bewertung der
Nutzbarkeit einer Trajektorie auch deren Umgebung in Betracht gezogen werden. Um dies zu realisieren,
wurden basierend auf früheren Arbeiten [11] senkrecht zum Trajektorienverlauf für jede Stützstelle Strahlen
zum Sampeln der Umgebung mit definierten Radien (in mm) ausgesendet.</p>
      <p>Abbildung 1: Manuelle Initialisierung der Trajektorienplanung mit Definition des
Zugangsareals und berechnetem Zugangsbereich auf der Schädeloberfläche.</p>
      <p>Zur Bewertung jeder Trajektorie wurden verschiedene Verfahren implementiert, die allesamt
intensitätsbasiert auf Graustufenbildern arbeiten. Die Grundidee besteht dabei darin, dass eine Trajektorie als gut zu
bewerten ist, sofern der Intensitätsverlauf entlang der Trajektorie möglichst homogen ist. Treten stärkere
Grauwertänderungen auf, weist dies auf eine den Weg kreuzende Struktur, wie beispielsweise Gefäße, hin. Die
Grauwertänderungen müssen dabei in zwei Richtungen betrachtet werden, zum einen entlang der Trajektorie,
und zum anderen quer zur Trajektorie, um auch die Umgebung in die Bewertung einfließen zu lassen.
Die erste Variante basiert auf dem Intensitätswert des Zielpunktes t0. Erlaubte Intensitätsschwankungen in
Relation zum Intensitätswert des Zielpunktes werden dabei entweder in Form von Absolutwerten, oder in
Form prozentual erlaubter Intensitätsabweichungen angegeben. Die zweite Variante basiert jeweils auf dem
aktuellen Intensitätswert der untersuchten Stützstelle tj der Trajektorie. Erlaubte Intensitätsschwankungen
werden analog zur ersten Variante angegeben.</p>
      <p>Die Bewertung erfolgt iterativ anhand des Grauwertes vom Zielpunkt entlang der Stützstellen inklusive
Umgebungspunkten bis hin zum Eintrittsareal, falls nicht bereits vorher das Abbruchkriterien erfüllt ist,
andernfalls wird zur nächsten Stützstelle übergegangen. Für jede Stützstelle und all ihre Umgebungspunkte werden
die beschriebenen Gütekriterien in Form von Intensitätsvergleichen (prozentual oder absolut) bezüglich des
jeweiligen Referenzwertes (Zielpunkt oder Stützstelle bzw. korrespondierende Punkte benachbarter Ebenen)
angewendet.</p>
      <p>Die Ergebnisse der Bewertung können ebenfalls auf zwei verschiedene Arten genutzt werden. Zum einen
kann der gewählte Zugangsbereich entsprechend der Bewertung der Trajektorie segmentiert werden,
einerseits in Areale mit zulässigen Trajektorien, andererseits in Areale mit Trajektorien, die gemäß den
Berechnungen zu starke Intensitätsschwankungen aufweisen und dementsprechend vermutlich Risikostrukturen
schneiden. Dies ermöglicht dem Planenden zum einen eine schnelle Auswahl einer möglichen Trajektorie, da
der Suchraum deutlich reduziert ist im Vergleich zu der rein manuellen Auswahl. Zum anderen kann gemäß
der Bewertungskriterien (Intensitätsschwankungen) auch die Güte einzelner Trajektorien genutzt werden, um
die Menge der zulässigen Trajektorien ihrer Qualität nach zu sortieren, so dass dem Planenden bereits eine
Auswahl der auf Intensitätsbasis besten Trajektorien geboten wird.</p>
      <p>Die Bewertungsverfahren zur computerassistierten Trajektorienplanung wurden in C++, das umgebende
Software-Framework in MDL und Python innerhalb der medizinischen Prototyping Plattform MeVisLab
(www.mevislab.de) implementiert. Die Auswertung der Verfahren erfolgt auf einem Intel Core i7-2600K, 3.4
GHz, 16 GB RAM, Windows Professional, SP1.
Zur initialen Evaluation der Verfahren wurden retrospektiv MRT-Daten von 5 Patienten mit
Bewegungsstörungen genutzt. Die Daten wurden an einem 3T MRT (Siemens) erhoben und umfassen T2-gewichtete
Aufnahmen, Time-of-Flight MR-Angiographie und suszeptibilitätsgewichtete Aufnahmen. Zur Bewertung der
Trajektorien wurde der Time-of-Flight MR-Angiographie Datensatz herangezogen.
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Zur Evaluation der verschiedenen Ansätze und Umgebungsdefinitionen der Trajektorien werden systematisch
die Abweichungsparameter erhöht, bis zumindest 50 geeignete Trajektorien (zur Auswahl) entstehen. Die als
gut klassifizierten Trajektorien werden zum einen in Form der Risikokarten auf die Kopfoberfläche projiziert
(Abb. 2, links), zum anderen auch nach ihrer Qualität sortiert ausgegeben. Neben zeitlichen Faktoren
untersuchen wir auch die Zuverlässigkeit der Klassifikation durch manuelle Inspektion der 10 besten Trajektorien.
Abbildung 2: Links: Präsentation der Bewertungsergebnisse (weiß) für Aufweitung 3 mm, auf Basis der
Intensitäten der aktuellen Stützstellen mit einer prozentualen Abweichung von 50% (Voraussetzung: mind. 50
gültige Trajektorien). Rechts: Manuelle Exploration der besten Trajektorie (Aufweitung 3 mm, basierend auf
Intensitätswerten der Stützstellen mit einer prozentualen Abweichung von 50%) in axialer Schichtung.
Der gewählte Zugangsbereich umfasste im Mittel 7926,80798,93 Eintrittspunkte und entsprechende zu
untersuchende Trajektorien (Tab. 1). Eine automatisierte schrittweise Erhöhung der erlaubten
intensitätsbasierten Abweichungen (prozentual: 5%-Schritte, absolut: 10er-Schritte) lieferte in kurzer Zeit ein Set von mind.
50 Trajektorien für jede Konfiguration, dabei ließen sich insbesondere bei stärkeren Aufweitungen der
Trajektorie auch höhere Abweichungswerte finden.</p>
      <p>Die Bewertung aller Trajektorien sowie das Selektieren der 10 besten Trajektorien erfolgt nach wenigen
Sekunden (keine Aufweitung der Trajektorie) bis zu 4 Minuten (Aufweitung mit 4 mm Radius). Unter zeitlichen
Aspekten zeigten sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den verschiedenen Bewertungsverfahren.
Bei der zielpunktbasierten Auswertung zeigte sich jedoch die Notwendigkeit höherer Abweichungen, was
unter anderem auch mit akquisitionsbedingten Signalschwankungen zu erklären ist, die auf Basis der
stützstellenbasierten Bewertung kompensiert werden können.</p>
      <p>Um die Gültigkeit der Trajektorien zu prüfen, wurden manuell die jeweils 10 besten Trajektorien untersucht
(Abb. 2, rechts). Im Durchschnitt wurden dabei 9,93±0,26 der jeweils 10 geprüften Trajektorien in ihrer
Klassifikation (sichere Trajektorie) bestätigt. Lediglich bei 7 von insgesamt 1000 untersuchten Trajektorien
ist eine Fehlklassifikation, bei maximaler Aufweitung der Trajektorie um 4 mm und einer erlaubten
Abweichung von 65% aufgetreten (Tab. 1).</p>
      <p>Datensatz EintArinttzsaphulnkte klarsiscihftiizgiert klafsaslisfcizhiert Mittelwert abSwtaenidcahrudn-g
1 8253 199 1 9,95 0,22
2 7357 198 2 9,90 0,31
3 7135 198 2 9,90 0,31
4 9137 199 1 9,95 0,22
5 7752 199 1 9,95 0,22
Tabelle 1: Ergebnisse der manuellen Inspektion für alle gewählten Datensätze bei denen jeweils
unter 20 verschiedenen Parametereinstellungen (Intensitätswerte Zielpunkt/Stützstelle als
Referenz, Abweichung prozentual/absolut) die 10 besten Trajektorien untersucht wurden inklusive
Angabe der insgesamt zur Verfügung stehenden Eintrittspunkte.
Im Vergleich zu anderen Verfahren, die auf der Vorsegmentierung der Risikostrukturen oder der Anpassung
anatomischer Atlanten an die individuelle Patientenanatomie beruhen, baut das vorgestellte Verfahren auf
eine intensitätsbasierte Analyse auf und ist somit unabhängig von potentiell fehlerpropagierenden
Vorverarbeitungsschritten.</p>
      <p>Der vorgestellte Ansatz bietet eine schnelle Klassifikation klinisch anwendbarer Trajektorien basierend auf
Zielpunkt und gewünschtem Zugangsareal. In weiteren Arbeiten soll die Klassifikation noch gezielt optimiert
werden, beispielsweise mit der Einbettung distanzbasierter Filter bei der Bewertung der
Trajektorienumgebung. Ebenso ist es denkbar, den monomodalen Ansatz zur Klassifikation auch auf
multimodale Daten (z.B. suszeptibilitätsgewichtete oder protonengewichtete Bildgebung) auszudehnen, und auf
Basis einer beispielweise gewichteten Intensitätsanalyse auf verschiedenen Datensätzen die Qualität der
Trajektorien zu beurteilen. Für die klinische Anwendung ist insbesondere die Integration der Technik in den OP
zur Rekonfiguration einzelner Trajektorien aufgrund eingeschränkter Zugangswege, insbesondere im
Rahmen der Stereoelektroenzephalographie, wichtig.
5</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Zusammenfassung</title>
      <p>In dieser Arbeit wurde ein Ansatz zur computerassistierten Trajektorienplanung für die stereotaktische
funktionelle Neurochirurgie vorgestellt. Zur Unterstützung des zeitaufwändigen Planungsprozesses wurden
verschiedene Bewertungsverfahren implementiert, die intensitätsbasiert auf Basis eines manuell gesetzten
Zielpunktes und einem gewählten Zugangsareal, zum einen eine Übersicht über plausible Zugangswege liefern,
und zum anderen über eine Trajektorienbewertung zusätzlich die besten bildbasierten Trajektorien vorgeben.
Damit kann der Planungsprozess für die Lage der Stimulationselektroden im Vergleich zur rein manuellen
Planung deutlich verkürzt werden.
6
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    </sec>
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