<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Archiving and Interchange DTD v1.0 20120330//EN" "JATS-archivearticle1.dtd">
<article xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink">
  <front>
    <journal-meta />
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Roboterassistierte Umstellungsosteotomie mittels Wasserabrasivstrahltechnik</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>R. Westphal</string-name>
          <email>ralf.westphal@tu-bs.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff2">2</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>D. Zaremba</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>T. Hassel</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>E. Liodakis</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>E. Suero</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>C. Krettek</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>F.-W. Bach</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>F.M. Wahl</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff2">2</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="editor">
          <string-name>Schlüsselworte: Umstellungsosteotomie, Roboterassistierte Chirurgie, Wasserstrahlschneiden, HTO</string-name>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Leibniz Universität Hannover, Institut für Werkstoffkunde</institution>
          ,
          <addr-line>Hannover</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
        <aff id="aff1">
          <label>1</label>
          <institution>Medizinische Hochschule Hannover</institution>
          ,
          <addr-line>Unfallchirurgie, Hannover</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
        <aff id="aff2">
          <label>2</label>
          <institution>TU Braunschweig, Institut für Robotik und Prozessinformatik</institution>
          ,
          <addr-line>Braunschweig</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>244</fpage>
      <lpage>247</lpage>
      <abstract>
        <p>Konventionelle Methoden der tibialen Umstellungsosteotomie zur Korrektur von Fehlstellungen der unteren Extremitäten sind häufig mit Problemen wie der hitzebedingten Knochengewebedenaturierung sowie einer möglichen Beinlängenänderung verbunden. In diesem Paper wird eine robotergeführte Methode zur praktikablen Durchführung von Focal-Dome-Osteotomien mittels Wasserstrahlschneidtechnik vorgestellt. Es wird gezeigt, dass dieses Verfahren präzise und glatte Schnittflächen unter Vermeidung denaturierender Effekte ermöglicht, wodurch die genannten Probleme konventioneller Verfahren vermieden werden können. Grundlage für die präzise Schnittführung ist eine ebenfalls in dem Paper vorgestellte OP-Planung auf Basis von patientenspezifischen 3D-Bilddaten. Die vorgestellten Verfahren bieten angesichts der Ergebnisse einen vielversprechenden Ansatz für die Entwicklung neuer Operationsmethoden in diesem Anwendungsgebiet.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>Problemstellung
strahlschneidtechnologie zum Schneiden knöcherner Strukturen ist die Absorption bzw. Ableitung des Strahls beim
Austritt aus dem zu schneidenden Gewebe. Ohne spezielle Vorrichtungen durchtrennt dieser Wasserstrahl alles dahinter
liegende Gewebe ebenfalls. Um dies zu verhindern, wurde ein Strahlfänger (vgl. Abbildung 1b) konstruiert und
gefertigt [2], der unter dem zu schneidenden Knochen positioniert wird.</p>
      <p>Abbildung 1: Robotersetup. a) Kompletter Operationsaufbau mit Roboter, Wasserstrahldüse und -ventil, Strahlfänger
und Absaugung. b) Der Strahlfänger zum Auffangen und Ableiten des Wasserstrahls aus dem Operationsbereich.
Zur präzisen Planung der Schnittführung wurde ein 3D-Scan unter Verwendung eines 3D-C-Bogens (Siemens Siremobil
Iso-C 3D) der Schnittregion im proximalen Bereich der Tibia aufgenommen. Mit schwellwertbasierten Verfahren wurde
der Knochen segmentiert und in ein Oberflächenmodell transformiert. Die Planung der endgültigen Lage des
durchzuführenden Knochenschnitts erfolgte schließlich manuell über eine eigens für diese Experimente entwickelte Software,
indem der Benutzer/Chirurg ein Kreissegment so am Bildschirm positioniert und in Radius und Segmentgröße anpasst,
dass der Knochen an einer anatomisch günstigen Stelle geschnitten werden kann (vgl. Abbildung 2a). Nachdem dieses
Kreissegment positioniert wurde, errechnet die Software die dazugehörigen Oberflächenpunkte auf dem
Oberflächenmodell des Knochens (vgl. Abbildung 2b). Diese Punkte dienen später als Stützstellen der durch den Roboter
abzufahrenden Schneidbahn. Zur Übertragung dieses Plans in den OP bzw. auf den Roboter, wurde ein optisches
Navigationssystem (BrainLAB, bzw. ein selbstentwickeltes Navigationssystem basierend auf dem NDI-Accedo Trackingsystem)
verwendet. Die Verwendung der Navigation in Verbindung mit der präzisen OP-Planung ermöglichte darüber hinaus die
Implementierung von Sicherheitsfunktionen, die bei dem Einsatz potentiell sicherheitskritischer
Wasserstrahlschneidtechniken unbedingt erforderlich ist. Bevor das Wasserstrahlventil vom Steuerungscomputer geöffnet werden kann,
wird geprüft, ob sich die navigierte Düse in korrekter Ausrichtung und Distanz oberhalb des ebenfalls navigierten
Strahlfängers befindet. Darüber hinaus wird der Strahl nur dann aktiviert, wenn die komplette geplante Schneidbahn
durch den Strahlfänger abgedeckt wird. Ist dies nicht der Fall, kann der Schneidprozess nicht gestartet werden und es
muss entweder eine neue Bahn geplant oder der Strahlfänger entsprechend umpositioniert werden.
Abbildung: 2: Planung der Schneidbahn. a) Manuelle Positionierung und Größenanpassung des Kreissegments entlang
dem der Schnitt erfolgen wird relativ zum Knochenmodell. b) Die aus diesem Plan generierten Stützstellen der
Roboterbahn entlang der Knochenoberfläche.</p>
      <p>Für die Schneidexperimente standen zwei komplette, alkoholkonservierte menschliche Körper zur Verfügung, bei denen
insgesamt drei robotergeführte Focal-Dome-Osteotomien mittels Wasserstrahl durchgeführt wurden. Für alle drei
Operationen wurde wie beschrieben mittels 3D-Bildgebung ein OP-Plan erstellt der zunächst vom Roboter ohne aktiven
Wasserstrahl abgefahren wurde, um die Bahn visuell zu prüfen. Nach erfolgreicher Prüfung der geplanten Schneidbahn
erfolgte schließlich der eigentliche Schneidprozess. Abschließend wurde der Operationsbereich durch Nachspülen
manuell gesäubert und das OP-Ergebnis visuell überprüft.
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Alle drei Focal-Dome-Osteotomien konnten erfolgreich und ohne Komplikationen durchgeführt werden. Wie in
Abbildungen 3 zu sehen ist, konnten durch den Einsatz von Magnesiumpulver als Abrasivmittel im Wasserstrahl, insgesamt
sehr glatte Schnittflächen erzielt werden. Der Strahlfänger hat den Anforderungen entsprechend funktioniert, sodass
kein Gewebe unterhalb des Knochens durch den Wasserstrahl geschädigt wurde. Der erste Schnitt wurde mit einer
geringen Schnittgeschwindigkeit von etwa 3mm/min durchgeführt woraus sich eine OP-Zeit für den Knochenschnitt von
13:30 Minuten ergab. Nach Überprüfung dieses ersten Ergebnisses wurde die Schnittgeschwindigkeit erhöht, sodass die
beiden folgenden Osteotomien in 7:00 bzw. 5:40 Minuten durchgeführt werden konnten. Das Abwasser nach der
Absaugung hatte eine Temperatur von etwa 50°C. Das nach der Osteotomie in der OP-Wunde verbliebene Magnesium
konnte relativ einfach durch Irrigation ausgewaschen werden.</p>
      <p>Abbildung 3: Ergebnis der robotergeführten Focal-Dome-Osteotomie. a) Kreisförmige Schneidbahn. b) Glatte
Schnittfläche (der spongiöse Knochen hat sich aufgrund der Anwendung von Magnesium als Abrasivmittel grau verfärbt).
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Diskussion</title>
      <p>Obwohl sich das vorgestellte Verfahren noch im Versuchsstadium befindet, sind die bisher erzielten Ergebnisse
vielversprechend. Die erzielten Schnittflächen sind sehr glatt, wodurch die präzise Einstellung des gewünschten
Korrekturwinkels erleichtert wird. Darüber hinaus wird durch die glatte Schnittfläche auch eine optimale Kontaktsituation erreicht.
Dies und die Vermeidung denaturierender Effekte durch den kalten Wasserstrahlschneidprozess sollten den
Heilungsprozess begünstigen.</p>
      <p>Dennoch sind für einen praktikablen Einsatz dieser Technologie im Operationssaal noch einige Punkte zu optimieren,
was Gegenstand zukünftiger Arbeiten sein muss. Zum einen ist die korrekte Positionierung des Strahlfängers noch mit
einem hohen Weichteiltrauma verbunden. Eine weitere Miniaturisierung bzw. Anpassung an die anatomischen
Verhältnisse ist daher ein wichtiger Aspekt zukünftiger Arbeiten. Ein weiterer Aspekt betrifft die trotz Absaugung immer noch
auftretenden Rückstände von Magnesium im Operationsbereich. Der größte Teil der Magnesiumrückstände kann relativ
einfach mittels Wasserirrigation aus dem OP-Situs ausgewaschen werden. Die Menge der nach der Irrigation
verbleibenden Magnesiumpartikel ist zum einen sehr gering zum anderen handelt es sich bei der verwendeten
Magnesiumlegierung um einen biokompatiblen Stoff, der bei normaler Nierenfunktion vom Körper abgebaut werden kann. Wie in
Abbildung 3a zu sehen ist, wird durch den Schneidprozess nicht nur der direkte OP-Situs mit Magnesiumpartikeln
verunreinigt sondern auch ein relativ großflächiger Bereich um den OP-Situs herum. Dies stellt insbesondere für die
optische Navigation ein Problem dar. Durch Verunreinigung der Markerkugeln kann unter Umständen die Navigation der
Operation während des Schneidprozesses nicht mehr gewährleistet werden. In einem solchen Fall wäre es z.B. nicht
mehr möglich, den Schneidprozess bei einer Bewegung des Knochens oder Strahlfängers relativ zum Roboter
abzubrechen oder die Schneidbahn anzupassen. Die Entwicklung einer praktikablen Einhausung der Schneideinheit im
OPGebiet mitsamt einer integrierten Absaugmöglichkeit wäre daher ebenfalls eine wünschenswerte und wichtige
Erweiterung des Systems. Letztlich ist auch eine Verringerung der akustischen Emissionen durch Pumpe, Suspensions- und
Absaugeinheit für einen routinemäßigen Einsatz notwendig. Auch hier sind Weiterentwicklungen bzw. Verbesserungen
denkbar.
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Zusammenfassung</title>
      <p>Es wurde ein experimenteller OP-Aufbau zur robotergeführten Focal-Dome-Osteotomie mittels
Wasserstrahlabrasivtechnologie vorgestellt. Es konnte gezeigt werden, dass mit dieser Technologie präzise und glatte Schnittflächen erzielt
werden können, die sowohl die Einstellung des gewünschten Korrekturwinkels erleichtern als auch die anschließende
Knochenheilung begünstigen. Durch die Kombination von 3D-Bildgebung, computerassistierter OP Planung und
navigierter OP-Durchführung ist eine sichere und präzise Focal-Dome-Osteotomie möglich.</p>
      <p>Diese Arbeit entstand im Rahmen des DFG-Projekts „Computer- und roboterassistierte Umstellungsosteotomie unter
Verwendung neuartiger Osteotomieverfahren und kraft-/ momentenbasierter, robotischer Operationsplanung und
Operationsausführung“.</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list>
      <ref id="ref1">
        <mixed-citation>
          <string-name>
            <surname>Baumgart</surname>
            ,
            <given-names>R.</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Kettler</surname>
            ,
            <given-names>M.</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Zeiler</surname>
            ,
            <given-names>C.</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Betz</surname>
            ,
            <given-names>A.</given-names>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>Schweiberer</surname>
            ,
            <given-names>L.</given-names>
          </string-name>
          :
          <article-title>Möglichkeiten der Knochendurchtrenung</article-title>
          .
          <source>Unfallchirurg</source>
          , Vol.
          <volume>100</volume>
          , pp.
          <fpage>797</fpage>
          -
          <lpage>804</lpage>
          (
          <year>1997</year>
          ) Biskup,
          <string-name>
            <surname>C.</surname>
          </string-name>
          :
          <article-title>Beitrag zur Bearbeitung von biologischem Hartmaterial mittels Wasserabrasivstrahltechnik</article-title>
          . Garbsen, Germany,
          <string-name>
            <given-names>PZH</given-names>
            <surname>Produktionstechnisches Zentrum</surname>
          </string-name>
          <string-name>
            <surname>GmbH</surname>
          </string-name>
          ,
          <source>Dissertation</source>
          (
          <year>2011</year>
          ) Biskup,
          <string-name>
            <given-names>C.</given-names>
            ,
            <surname>Krömer</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>S.</given-names>
            ,
            <surname>Höver</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>M.</given-names>
            ,
            <surname>Versemann</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>R.</given-names>
            , Bach, Fr.-W.,
            <surname>Kirsch</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>L.</given-names>
            ,
            <surname>Andreae</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>A.</given-names>
            ,
            <surname>Pude</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>F.</given-names>
            ,
            <surname>Schmolke</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>S.</surname>
          </string-name>
          :
          <article-title>Heat Generation During Abrasive Water-Jet Osteotomies Measured by Thermocouples</article-title>
          .
          <source>Journal of Mechanical Engineering</source>
          , Vol.
          <volume>52</volume>
          ,
          <string-name>
            <surname>Issue</surname>
          </string-name>
          7-
          <issue>8</issue>
          , pp.
          <fpage>451</fpage>
          -
          <lpage>457</lpage>
          (
          <year>2006</year>
          ) Frierson,
          <string-name>
            <given-names>M.</given-names>
            ,
            <surname>Ibrahim</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>K.</given-names>
            ,
            <surname>Boles</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>M.</given-names>
            ,
            <surname>Boté</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <given-names>H.</given-names>
            ,
            <surname>Ganey</surname>
          </string-name>
          ,
          <string-name>
            <surname>T.</surname>
          </string-name>
          :
          <article-title>Distraction Osteogensis. A comparison of corticotomy techniques</article-title>
          .
          <source>Clin Ortop</source>
          ,
          <source>April (301)</source>
          , pp.
          <fpage>19</fpage>
          -
          <lpage>24</lpage>
          (
          <year>1994</year>
          )
        </mixed-citation>
      </ref>
    </ref-list>
  </back>
</article>