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        <journal-title>Potsdam, Germany, September</journal-title>
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        <article-title>Internationalisierung durch Forschendes Lernen im Q-Kolleg im Vergleich zu zwei anderen transnationalen Lehrveranstaltungskonzeptionen</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Johannes Moes</string-name>
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        <year>2016</year>
      </pub-date>
      <volume>11</volume>
      <issue>2016</issue>
      <fpage>79</fpage>
      <lpage>89</lpage>
      <abstract>
        <p>Das bologna.lab der Humboldt-Universität zu Berlin experimentiert seit 2012 mit Q-Kollegs, d.h. Lehrveranstaltungen, die Freiräume für selbstbestimmtes, Forschendes Lernen in Verbindung mit internationalem Austausch schaffen sollen. Die meist zweisemestrigen Q-Kollegs bestehen aus jeweils etwa sechs Studierenden an einem Institut der HU und einer internationalen Partneruniversität. Zwischen zwei Kurzzeit-Mobilitäten (Begegnungsreise / abschließende studentische Konferenz an der HU) entfaltet sich eine intensive, transnationale Forschungszusammenarbeit, gestützt auf digitale Werkzeuge. Dieses Konzept von internationalem, forschendem Lernen soll zwei Lehrkonzepten gegenübergestellt werden, die entweder mit wöchentlichen forschungsorientierten transnationalen Workshops mehrerer Partnerinstitutionen oder mit einem gemeinsamen Abschlussworkshop nach parallelen internationalen Forschungsseminaren in Partneruniversitäten realisiert wurden. Die drei Konzeptionen fördern im unterschiedlichen Maße die forschende Interaktion der Studierenden, und nutzen tatsächliche und virtuelle Mobilität differenziert. Inwieweit sie Vorbilder für eine Internationalisierung auf der Ebene von Lehrveranstaltungen sein können, soll diskutiert werden. Um neue und innovative Lehrformen im Bachelor und Master-Studium zu fördern, hat die Humboldt-Universität zu Berlin (HU) ein breitgefächertes Programm aufgelegt: Das sogenannte 'Q-Programm' wird gefördert im „Qualitätspakt Lehre“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und seit 2012 vom zu diesem Zweck an der HU eingerichteten bologna.lab umgesetzt. Der Buchstabe Q im Titel des Programms spielt auf vier Kernziele für die Teilnehmer_innen an: to question - eigene Fragen zu entwickeln.</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>Internationalisierung</kwd>
        <kwd>digitale Kommunikation</kwd>
        <kwd>Videokonferenzen</kwd>
        <kwd>Transnationale Lehrveranstaltung</kwd>
        <kwd>Mobilität</kwd>
        <kwd>virtuelle Mobilität</kwd>
      </kwd-group>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>•</p>
      <p>to query - scheinbare Selbstverständlichkeiten anzuzweifeln
•
•
to quest - eigene Lösungen zu suchen
qualification - Wissen und Fähigkeiten und Kompetenzen zu erwerben
Durch Forschendes Lernen sollen die Studierenden bereits ab dem Bachelorstudium an
die Forschung der Universität und an eine forschende Denkweise herangeführt werden
[RGD16]. Die Studierenden lernen, wissenschaftliche Fragen zu formulieren, ein
entsprechendes Forschungsdesign zu entwickeln und dieses methodisch fundiert anzuwenden.
Das Q-Programm besteht aus vier Kerninitiativen, die durch eine formative Evaluierung
begleitet und auf Effekte bei den individuellen Lernenden analysiert werden.
Forschendem Lernen wird in der Regel ein Strauß an positiven Effekten auf Studierende
zugeschrieben [BJ12, SHL04], aber es gibt nur wenige empirische Studien in Bezug zu
individuellen Effekten [DGR14]. Q-Kollegs bilden unter diesen Kerninitiativen diejenige
Veranstaltungsform, die das Forschende Lernen mit Internationalisierung verbindet. Es
handelt sich dementsprechend um internationale Forschungsgruppen aus Studierenden der
HU und einer Partneruniversität im Ausland, die als forschungsorientierte
Lehrveranstaltung innerhalb eines Themenrahmens selbstständig ein Projekt durchführen. Ein Q-Kolleg
läuft über ein oder zwei Semester und besteht aus insgesamt jeweils etwa sechs
Studierenden pro Institut (‚Fellows‘), die sich bei persönlichen Besuchen und auf digitalem Weg
wissenschaftlich austauschen. Am Ende der Kollegzeit steht eine studentische Konferenz
an der HU oder eine andere Form der Präsentation oder Publikation. Q-Kollegs bieten den
Studierenden die Möglichkeit, bereits zu einem frühen Zeitpunkt ihres Studiums eigene
Forschungsideen zu entwerfen und umzusetzen. Gleichzeitig eröffnen sich durch die
Zusammenarbeit mit der internationalen Partnereinrichtung erste interkulturelle Kontakte mit
Studierenden in einem anderen Land und die Gelegenheit zur intellektuellen
Auseinandersetzung mit einer anderen Fach-, Lern- und Diskussionskultur [DGR14, MRS16].
Konkret zu nennen ist z.B. das Q-Kolleg zu bildwissenschaftlichen Methoden in der
Klassischen Archäologie, das seit 2012 wiederkehrend zwischen der HU und der Universität
Nottingham veranstaltet wird.</p>
      <p>Die meisten der genannten Aspekte kann man auch bei den Lehrkonzepten der
Veranstaltungen ‚ShanghAI Lecture‘ und ‚Teaching the Crisis‘ finden, aber sie weisen ein
unterschiedliches Maß an forschender Interaktion und Begegnung der Studierenden auf.
Die ShanghAI Lecture (http://shanghailectures.org) findet seit vielen Jahren als
wöchentlicher virtueller Workshop von über zehn Partnerinstituten statt. Eine Videokonferenz
wird mit Adobe Connect gekoppelt, um Präsentationen zu teilen und einen guten Ton
gewährleisten zu können, sowie im Hintergrund die Veranstaltung verwalten zu können. Der
Workshop wird gleichzeitig live auch gesendet (Streaming). Aufzeichnungen sind nach
wenigen Tagen auf der offenen Webseite eingestellt, die auch über ein zusätzliches
Repositorium für umfangreiche Dateien verfügt. Die ShanghAI Lecture ist ein Lehrexperiment,
das durch mehrere Evaluationen und Studierendenbefragungen wissenschaftlich begleitet
wurde [LHZ12, HF12, RH10].</p>
      <p>Die beiden internationalen Parallel-Seminare Teaching the crisis und Expanding the
margins: Migration, Mobilities, Borders wurden in Form von parallelen Seminaren an einer
Gruppe von Universitäten u.a. in Finnland, Griechenland, Türkei, Italien, Spanien,
Schweiz mit einem Thema (Krise oder Migration) und mit einer an allen Universitäten
einheitlichen Forschungsrichtschnur für die studentischen Projektteams vor Ort
durchgeführt (http://teachingthecrisis.net, http://www.expandingthemargins.net). Diese Seminare
mündeten jeweils in einem Workshop in Berlin (1-2 Wochen), bei dem die meisten
Dozierenden und ausgewählte studentische Teilnehmer_innen mit ihren Präsentationen aus
den studentischen Projekten zum Austausch zusammenkamen. Die Studierenden bekamen
Zeit, die Kritik an den Beiträgen auf diesem Workshop einzuarbeiten, und am Ende stand
jeweils eine Publikation der Projektwerke auf den Webseiten.
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Didaktische Aspekte der Internationalisierung in den Lehrveranstaltungskonzepten</title>
      <p>Alle Lehrveranstaltungskonzepte richten sich an das gleiche Klientel fortgeschrittener
Studierender, und alle wollen forschungsorientiert Lehre in einem internationalen
Kontext gestalten. Sie koppeln die Intention des forschungsorientierten Lernens mit einer
Internationalisierungserfahrung konzeptuell sehr unterschiedlich. Dies lässt sich an sechs
Aspekten zeigen, die die jeweiligen didaktischen Konzepte der Veranstaltungen
auszeichnen (vgl. Tab. 1):</p>
      <p>Forschungsvermittlung: Die gewählte Form der Vermittlung eines
Forschungsprozesses ähnelt sich bei den Q-Kollegs und den internationalen Forschungsseminaren.
In beiden werden die Studierenden zur Durchführung eines eigenen kleinen
Forschungsprojektes angeregt; es handelt sich also um forschendes Lernen im engeren
Sinn. Eine frontale, eher klassische Vermittlung von Inhalten bezieht sich eher auf
die Forschungsmethodik und liegt in beiden Veranstaltungen am Anfang, die
wesentliche Vermittlung erfolgt durch eine Reflexion der eigenen
Forschungserfahrungen. Die ShanghAI Lectures dagegen vermitteln durch Präsentationen aus
laufenden Forschungsprojekten den Beteiligten einen Eindruck von der Forschung bei
den internationalen Partnern. Dadurch, dass die Teilnehmer_innen gewöhnlich vor
Ort selbst in Forschungsprojekte involviert sind, ist es trotzdem ein Austausch unter
Forschenden, der als motivierend und inspirierend empfunden wird.</p>
      <p>Studentische Kommunikation: Die internationale Kooperation der Studierenden ist
bei den Q-Kollegs am intensivsten, bzw. zeitlich am längsten ausgeprägt, weil für
gewöhnlich standortübergreifende Forschungsteams zusammengestellt werden.
Dagegen bleibt in den beiden anderen Formaten die Kooperation auf den Standort
beschränkt: in den ShanghAI Lectures sind es wie dargestellt laufende größere
Forschungsprojekte, von denen nur kleiner Teilprobleme in den Übungen aufgegriffen
werden können. Aus dem Netzwerk heraus kann es dann zu stand-ortübergreifende
Teams, Forschungsaufenthalten, Laborrotation etc. kommen, dies ist aber nicht
integriertes Ziel. Bei den internationalen Forschungsseminaren sind es die lokalen</p>
      <p>Studierendengruppen, die parallel ihre Projekte vorantreiben, während der
Austausch auf den gemeinsamen Workshops am Ende fokussiert wird. Entsprechend
liegt die Intensität des internationalen Austausches anders gelagert.</p>
      <p>Einblick in andere Institute: Wenn Internationalisierung der Wissenschaft sich auch
auf die anlassbezogene Erfahrung unterschiedlicher Wissenschaftskulturen bezieht,
dann erfolgt auch diese in den drei Konzepten auf je unterschiedliche Weise. Im
QKolleg vermittelt sich dieser Unterschied in der konkreten internationalen
Zusammenarbeit der Studierenden. Bei den ShanghAI Lectures werden regelmäßig die
beteiligten Institute den Partnern kurz vorgestellt, ein näherer Einblick kann sich in
den begleitenden Übungen durch standortübergreifende Kooperationen ergeben.
Bei den internationalen Forschungsseminaren ist der Einblick in andere
Wissenschaftskulturen auf den informellen Austausch in den abschließenden Workshops
in Berlin beschränkt.</p>
      <p>Co-Teaching: Die Zusammenarbeit der Dozent_innen gestaltet sich in der Folge der
Strukturunterschiede ebenfalls spezifisch, sind aber für alle Dozierenden eine
Internationalisierungserfahrung, da sie alle Co-Teaching von Dozierenden aus zwei bzw.
mehreren akademischen Kulturen bedeuten und in jedem Fall eine bewusste
Auseinandersetzung mit Studierenden aus anderen Kulturen bedingen [CW12, Ho13,
Sm014]. Zunächst ist der Größenunterschied auffällig: in den Q-Kollegs geht es
grundsätzlich basierend auf For-schungskontakten um zwei involvierte Lehrende
bzw. Standorte. Die internationalen Forschungsseminare bauen auf einem
entsprechenden (europaweiten) thematisch breiten Netzwerk auf, während sich die
ShanghAI Lectures auf einen eher eng abgrenzbares thematisches Feld beziehen, in dem
sich die Akteure weltweit überwiegend kennen. In der Folge kann der Austausch
über didaktische Aspekte bei den Q-Kollegs leichter adressiert werden, aber in den
größeren Dozieren-den-Gruppen ist die Vielfalt zu betonen. Schon die Paarung
zweier Dozent_innen für das Co-Teaching in einer Lehrveranstaltung, die beide aus
unterschiedlichen Lernkulturen kommen, kann allerdings erhellend wirken [LP09].
Internationale Real-Life-Begegnung: Eine solche ist in der ShanghAI Lecture in der
Veranstaltung nicht vorgesehen, das Konzept ist also völlig auf die digitale Ebene
angewiesen, soweit Internationalisierungsziele betroffen sind. Die internationale
Begegnung steht bei den beiden anderen Lehrformen mehr im Vordergrund, ist aber
in den Q-Kollegs durch meist zwei Begegnungen (am Anfang beim Partner, am
Ende an der HU) als intensiver wahrgenommen, da die real-life Teambildung die
digitale Kommunkation im Nachgang erleichtert.</p>
      <p>Publikation: Gemeinsame, d.h. internationale Publikationen machen einen
wichtigen Aspekt der Internationalisierung aus. In den ShanghAI Lectures sind nicht
Publikationen sondern problem-orientierter gemeinsamer Programmiercode
konzeptuelles Ziel der Veranstaltung. Die Forschungsseminare dokumentieren die
studentischen Forschungsergebnisse bisher auf entsprechenden eigenen Webseiten. In den
Q-Kollegs resultiert die gemeinsame Forschungskooperation der Studierenden,
ab</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Grundidee</title>
        <p>Konzept
International
gemeinsames Forschendes Lernen
an zwei Universitäten
über ca. 1 Jahr</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Didaktische Aspekte</title>
        <p>Vermittlung Einführungen ins Thema
und Methodik, danach
selbstständiges Forschen
Stud. Kom- Intensiv und stetig
zwimunikation schen int. Studierenden
Einblick in Informell bei den
Kurzandere zeitvisiten
Institute
Co-teaching Zwei
Lehrveranstalter_innen</p>
        <p>Wöchentliche Workshops Internationale parallele
mit ca. je 4 Vorträgen und studentische Forschung
anschließender Diskus- an mehreren
Universitäsion. ten, die in einem
gemeinIn begleitende Übungen ar- samen Workshop mit
eibeiten Studierende zusam- ner Auswahl der
Studiemen an Problemen. renden mündet.
Überwiegend Vorträge, Anfängliche
Einführunaber variabel mit dem Stil gen ins Thema und
Meder unterschiedlichen Vor- thodik, danach
selbsttragenden, problem-ba- ständiges Forschen
sierte Übungen
Bedingt in den Übungen</p>
        <p>Fokussiert auf den
Abschluss-Workshop
Regelmäßig Kurzpräsenta- Informell beim
Abtionen der beteiligten Insti- schluss-Workshop
tutionen
&gt;10 Lehrveranstalter_in- &gt;10
Lehrveranstalter_innen plus ca. 10 Gastvortra- nen
gende
hängig von ihrer Motivation, zum Teil in gemeinsamen Publikationen, die
zumindest über die eDOC-Server der beteiligten Institutionen verbreitet werden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Q-Kolleg</title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>ShanghAI Lecture Internat. parallele Forschungsseminare</title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-5">
        <title>Q-Kolleg</title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-6">
        <title>ShanghAI Lecture Internat. parallele Forschungsseminare</title>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Digitale Lehrwerkzeuge in den drei Lehrveranstaltungskonzepten</title>
      <p>Durch die internationale Kooperation bekommt die digitale Kommunikation in allen drei
Konzepten einen hohen Stellenwert, sie findet allerdings jeweils verschiedene
Ausprägungen. Maßgeblich gestalten kann ein_e Dozent_in digitale Kommunikation nur, wenn sie
im Seminar stattfindet, wie z.B. in Form von Adobe Connect basierten Web-konferenzen.
Das entspricht der Situation eines traditionellen Seminars, denn Arbeitsgruppen von
Studierenden in jeder Form, die außerhalb des Seminars stattfinden, entgingen schon immer
der Ausgestaltung durch die Dozent_innen. Nur die Produkte in Form von Hausarbeiten
oder Präsentationen u.a. sind im Seminar sichtbar. Lediglich bei den ShanghAI Lectures,
in denen eine übergreifende Zusammenarbeit der Studierenden optional ist, ist eine engere
Begleitung einer entsprechenden Übung durch Tutor_innen vorgesehen. Hier wird eine
eigene Lernsoftware (Cyberbotics Webots) eingesetzt. Die ungefähren Abläufe und
Rhythmen des Einsatzes digitaler Werkzeige veranschaulichen die Visualisierungen in
Abb. 1, in denen die Zeiten und der Wechsels zwischen gemeinsamen Videokonferenzen,
der Arbeit in Kleingruppen und der Bedeutung von In-Real-Life-Treffen der Beteiligten
skizziert werden.</p>
      <p>Der Computer und Medien Service (CMS) der HU setzt in der digital unterstützten Lehre
auf Webkonferenzen (Adobe Connect), die von jedem Computer aus mit dem eigenen
Login betrieben werden können, und Videokonferenzen (H.323 Standard) in speziell
ausgestatteten Räumen, die vom CMS betreut werden. In den Q-Kollegs werden regelmäßige
gemeinsame Videokonferenzen als Meilensteine der Zusammenarbeit organisiert, die das
zeitliche Gerüst der Forschung in den studentischen Teams vorgeben. Webkonferenzen
haben gegenüber den Videokonferenzen den Vorteil, wesentlich leichter und auch für
Untergruppen sowie außerhalb der Servicezeiten des CMS aufgesetzt werden zu können.
Letzteres ist teilweise durch die Zeitverschiebung zu Partneruniversitäten in Asien oder
Amerika nötig. In der regelmäßigen ShanghAI Lecture werden die Vorträge sowohl
zeitgleich gestreamt als auch online für den späteren Abruf zur Verfügung gestellt. Durch die
Option der individualisierten Rezeption ist die Anzahl der Teilnehmer_innen deutlich
größer als die Präsenz-Gruppe, aber die Gruppe ist damit auch weniger greifbar. In den
internationalen Forschungsseminaren beschränkt sich die grenzübergreifende digitale
Kooperation im Verlauf meist auf höchstens eine einleitende Videokonferenz, im Vordergrund
der übergreifenden Zusammenarbeit steht die nicht-medienvermittelte
Abschlusskonferenz an der HU.</p>
      <p>Für eine standortübergreifende studentische Forschungskooperation, wie sie bei den
dargestellten Konzepten von den Q-Kollegs intensiv angestrebt wird, sind gemeinsam
nutzbare Plattformen vor allem für das Teilen und gemeinsame Bearbeiten von
Forschungsdaten wichtig. Mit dem Lernmanagementsystem Moodle, dem Medien-Repositorium
(basiert auf ResourceSpace) und dem ePortfolio-System Mahara unterstützt der Computer
und Medien Service (CMS) Lehrveranstaltungen. Während Moodle kursorientiert
angelegt ist, sind die beiden anderen Systeme relativ offen und erlauben auch die einfache
Gestaltung von Webseiten. Die drei Systeme ergänzen sich daher gut. Alle
Lehrveranstalter_innen können diese Systeme der HU nutzen und sie sind auch extern zugänglich, so
dass alle Partnerinstitutionen mit diesen Werkzeugen arbeiten könnten. Die
Verschränkung dieser elektronischen Plattformen ist bislang in den bisherigen Q-Kollegs, abhängig
vom Bedarf, umgesetzt worden. Das internationale Parallel-Seminar braucht die Dienste
konzeptionell bedingt kaum, während die ShanghAI Lecture die Dienste des
schweizerischen Partners nutzt. Bei internationaler Zusammenarbeit sind öfter Entscheidungen
zwischen verschiedenen Systeme nötig, da in den unterschiedlichen Regionen verschiedene
und oft nicht kompatible Systeme genutzt werden. Webseiten als gemeinsame Plattformen
transnationaler Lehrveranstaltungen erscheinen dabei häufiger bevorzugt. Sie sind einfach
und frei gestaltbar, und sie können durch unterschiedliche Universitätssysteme unterstützt
werden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Fazit</title>
      <p>Alle drei hier verglichenen Konzeptionen können auf Fach- bzw. Institutsebene als
Komplement in die Vor- und Nachbereitung anderer Internationalisierungsmaßnahmen
eingegliedert werden. Unterhalb der oft hohen Schwelle längerer studienbezogener
Auslandsaufenthalte bieten diese Lehrveranstaltungen eine Gelegenheit zur
Internationalisation@Home, die entweder eine Alternative zur längeren Mobilität oder auch einen Anreiz
für diese liefern. Sie bieten gestaltbare Optionen in einem Curriculum, die nur geringe
Mittel brauchen, mit denen für Studierende frühe, studien-interne, wettbewerbliche
Anreize gesetzt werden können, und mit denen das Lehrpersonal interkulturell weitergebildet
werden kann [Fr13].</p>
      <p>Eine Analyse von Soria und Trosi [ST13] legt nahe, dass die Einbettung der
Lehrveranstaltungen in das Curriculum und begleitenden On-Campus-Aktivitäten wesentlich für die
Internationalisierungseffekte sind. In der Untersuchung über neun US-amerikanischen
Universitäten fassen Soria und Trosi [ST13] zusammen, dass On-Campus-Aktivitäten wie
die Teilnahme an globalen/internationalen Kursen, co-curricularen Aktivitäten sowie
Interaktionen mit internationalen Studierenden eine bessere Wirkung in Bezug auf globale,
internationale und interkulturelle Kompetenzen haben können als Auslandsaufenthalte.
Keines der didaktischen Konzepte ist strikt gebunden an ein Thema, aber bestimmte
Themen, bestimmte Studierendentypen und auch bestimmte Lehrveranstaltertypen mögen mit
diesen Herangehensweisen jeweils besser bedient sein. Inwieweit die Ziele, das
studentische Forschungsinteresse zu steigern und die Internationalisierung zu fördern, mit einer
der Konzeptionen besser oder schlechter erreicht werden, kann bisher auf Grund
mangelnder empirischer Daten nicht bestimmt werden.</p>
      <p>Erste Ergebnisse aus der Begleitforschung des Q-Programms verweisen auf die
Bedeutung von selbstständiger Bearbeitung von Forschungsliteratur, Gestaltung des
Forschungsdesign und Durchführung von empirischer Forschung als wesentliche Faktoren,
um das Forschungsinteresse der Studierenden zu steigern [DGR14]. Das Q-Kolleg
implementiert diese Elemente stärker, und die Gestaltung durch die Studierenden ist
selbstständiger als in den beiden anderen Lehrkonzepten. Gleichzeitig bieten die Hilfestellungen in
der ShanghAI Lecture und dem Parallel-Seminar bessere Gewähr, um die
Herausforderungen meistern zu können und Frustrationen abzumildern. Da Universitäten reale
Mobilität nur begrenzt fördern können, versprechen transnationalen Lehrveranstaltungen mit
digitalen Werkzeugen für virtuelle Mobilität eine leichter finanzierbare und leichter
skalierbare Teilnahme von mehr Studierenden. Lehrkonzepte, die auf reale Begegnung
zwischen internationalen Studierenden bauen, bedingen zwangsläufig eine eingeschränkte
Skalierbarkeit in Bezug auf Partnerinstitutionen und Teilnehmerzahlen, aber bergen eben
auch die Chance auf intensive internationaler Begegnung.</p>
      <p>Die Auswirkungen der Digitalisierung in der Lehre auf die Lehrformen, die Vielfalt von
Lehrformen und die Erfolgsbewertungskriterien insbesondere für Internationalisierung
sind bisher kaum ausgelotete Fragenkomplexe. Die Projektgruppe Virtuelle Bildung des
DAAD hat viele Aspekte mit einer überwiegend optimistischen Perspektive
zusammengetragen [De14]. Der empirische Vergleich von Lehrformaten mit virtuellen (digitalen)
Begegnungen und Lehrformaten mit realen Begegnungen und Mischformen der
Begegnungen steht aus. Die HU hat mit den drei hier verglichenen Lehrkonzepten die Option,
erste empirische Daten zu Lehr- und Lernerfolgen durch begleitende Forschung zu
erarbeiten. Da die HU zudem große in- und outgoing Mobilitätsquoten in bestimmten Fächern
aufweist, kann sie solche Lehrexperimente nach weiteren Kriterien anlegen und
auswerten.</p>
      <p>Es erscheint unmöglich, dass ein einheitliches Lehrformat für alle Fächer, alle
Studiensituationen, alle Studierendengruppen und Dozierenden(-gruppen) die optimale Lösung
darstellt. Jeder Versuch einer größeren Hochschule, eine solche Einheitlichkeit zu schaffen,
wäre also zum Scheitern verurteilt. Eine Differenzierung nach Fächern, Studienphase und
stärker wissensvermittelnder oder forschungsorientierter Lehre erscheint zwangsläufig.
Die drei hier verglichenen Lehrkonzepte fallen in diese Kategorie von Vorbildern und
Musterbeispielen, die in unterschiedlichem Maße digitale Werkzeuge und forschendes
Lernen nutzen und in die Lehrveranstaltung als essentielle Elemente einbinden. Zentrale
Einrichtungen einer Universität wie an der HU das CMS oder das bologna.lab können
dabei sinnvoll die Rahmenbedingungen mitgestalten.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
      <p>Brew, A. und E. Jewell: Enhancing Quality Learning Through Experiences of
ResearchBased Learning: Implications for Academic Development. International Journal for
Academic Development 17(1), 47-58, 2012
Carolan, L. und L. Wang: Reflections on a transnational peer review of teaching. Elt
Journal 66(1), 71-80, 2012
Deutscher Akademischer Austausch Dienst e.V. (DAAD) (Hrsg.): Die
Internationalisierung der deutschen Hochschule im Zeichen virtueller Lehr- und Lernszenarien,
Bielefeld, 2014
[DGR14] Deicke, W., C. Gess und J. Rueß: Increasing Student's Research Interest through
Research-Based Learning at Humboldt-University. Council on Undergraduate Research
Quarterly, 35(1), 27-33, 2014.
5
[BJ12]
[CW12]
[De14]
[Fr13]
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[Ho13]</p>
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A Consideration of Understanding, Motivations and Rationales. Journal of Studies in
International Education 17(3), 209-227, 2013
Hasler, B. S. und D. A. Friedman: Sociocultural conventions in avatar-mediated
nonverbal communication: A cross-cultural analysis of virtual proxemics. Journal of
Intercultural Communication Research, 41(3), 238-259, 2012
Hoare, L.: Swimming in the deep end: transnational teaching as culture learning? Higher
Education Research &amp; Development 32(4), 561-574, 2013
[LHZ12]
[LP09]
[MRS16]
[RH10]
[SHL04]
[Sm14]
[ST13]</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
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