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    <journal-meta>
      <journal-title-group>
        <journal-title>Potsdam, Germany, September</journal-title>
      </journal-title-group>
    </journal-meta>
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Forschungsorientierte Gruppenlernprozesse „blended“ gestalten</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Martin Arndt</string-name>
          <email>martin.arndt2@tu-dresden.de</email>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2016</year>
      </pub-date>
      <volume>11</volume>
      <issue>2016</issue>
      <abstract>
        <p>„Wurzeln und Flügel“ sollten Kinder bekanntlich von ihren Eltern bekommen um Bindung und Freiheit zu erfahren. Möchte man engagierte forschungsorientierte Gruppenlernprozesse gestalten spielen diese beiden Aspekte ebenfalls eine zentrale Rolle. Die Teilnehmenden solcher Prozesse erarbeiten sich gemeinsam den Zugang zu einem Themengebiet, finden sich in Gruppen zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen und bekommen durch die Auflösung der Seminarstruktur die Freiheit, sich intensiv mit den selbst gewählten Schwerpunkten auseinanderzusetzen. Sie teilen Erfahrungen und Erkenntnisse mit der Gesamtgruppe und profitieren von einem umfassenden Peer-Review im Prozess der Verschriftlichung der Ergebnisse. Einblicke in die Planung, die Durchführung und vor allem die umfassende Evaluation eines solchen „blended“ gestalteten Seminars der Kunstdidaktik (Fachdidaktische Kritik digitaler Arbeitsmittel im Kunstunterricht) bilden in diesem Workshop die Basis für Diskussionen, praktische Überlegungen und kleine Anwendungen.</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>blended learning</kwd>
        <kwd>forschungsorientiertes/forschendes Lernen</kwd>
        <kwd>Peer-Review</kwd>
      </kwd-group>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>1.1</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Ausgangssituation</title>
      <p>Forschungsorientierte Gruppenlernprozesse „blended“ gestalten 139
1.2</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Welche Seminarkonzeption als Antwort?</title>
        <sec id="sec-2-1-1">
          <title>Welches Kompetenzziel verfolgte das Seminar?</title>
          <p>Ein Ansatz, dieses scheinbare Dilemma aufzulösen, besteht darin, einerseits
Forschungsinteresse und Forschungsanspruch der persönlichen Kapazität anzupassen und
andererseits, den Lehrenden ohne Forschungserfahrung Anregungen zu geben und mit
Strategien für Forschungsvorhaben vertraut zu machen. Dieser Schritt auf dem Weg zu
forschend reflektierenden Praktikerinnen und Praktikern kann und sollte bereits im
Studium gegangen werden. Eines der Ausbildungsziele sollte demnach lauten:
Die Studierenden haben Einblicke in verschiedene Ansätze evidenzbasierter Forschung.
Sie können ausgewählte Ansätze auf die Anforderungen des Kunstunterrichts übertragen
und haben eigene praktische Erfahrungen in der Konzeption, Durchführung und
Reflexion eines fachspezifischen Forschungsvorhabens unter Einbezug aktueller fachlicher und
fachdidaktischer Diskurse.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-2">
          <title>Welcher didaktische Bezugsrahmen wurde gesetzt?</title>
          <p>Das thematisierte Seminarkonzept setzt am ausgewählten Bereich der Frage nach dem
Einsatz von digitalen Arbeitsmitteln im Kunstunterricht an [Matthes 8f.]. Die
Anforderungen und Ziele des Kunstunterrichts und damit die Frage nach dem Kern der Didaktik
stellen das Maß dar, an dem verschiedenste digitale Arbeitsmittel gemessen werden, um
eine kritische Kompetenz hinsichtlich der Wahl und des sinnstiftenden Einsatze, aber
auch der kreativen Andersnutzung zu entwickeln. Fragen nach sinnlicher Erfahrbarkeit,
Medialität, Umnutzungsmöglichkeiten, Hacks im Sinnes des MIT [MIT] sowie der
Nachhaltigkeit sind hier zentral. Die drei nachfolgenden didaktischen Perspektiven für
den Kunstunterricht lassen sich aus den hier abgebildeten kunsttheoretischen
Betrachtungen Büschers ableiten.
"Sehnsüchte verbinden sich mit neuem technischen Gerät. Einerseits. Utopische
Entwürfe und apokalyptische Visionen – ums Ganze (Andere, Neue) geht es, scheinbar.
Gleichzeitig und andererseits: Gebrauchsweisen, Anwendungen – reflektierende oder blinde –,</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-3">
          <title>Verstehen (wollen) der Konstruiertheit und Konstruktion. Wer und warum entschied über Entwurfsrichtungen, Realisierungsmodi.</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-4">
          <title>Arbeiten gegen die Gebrauchsanweisung.</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-5">
          <title>Der Umgang von Künstlern mit neuen Technologien ist oft beides: Teil einer Vision</title>
          <p>(eines kritischen Verstehen Wollens, Anteil haben an Zeitgenossenschaft) und
Neu/Konstruktion. Oder der Versuch einer Neu/Kontextualisierung, vorsichtiger
ausgedrückt. (Aber natürlich auch: affirmativer Anhang an die Marktstrategien der
entsprechenden Industrien. Blinde Akzeptanz der black boxes und des vermeintlich
zwangsläufigen Oberflächen-Designs)." [Büscher 5]
1.
2.
3.</p>
          <p>Einerseits zeigt sich hier die mit dem technischen Gerät verbundene
gesellschaftliche Vision und Funktion.</p>
          <p>Andererseits wird der Aspekt der Funktionalität, des technischen Verständnisses
deutlich.</p>
          <p>Darüber hinaus tritt die Fragen nach der Umnutzung, der Neukontextualisierung
als künstlerische Strategie in den Vordergrund.</p>
          <p>Die Parallelen zu dem kürzlich von Döbeli Honegger vorgestellten Dagstuhl-Dreieck,
welches die technische Perspektive mit „Wie funktioniert das?“, die
gesellschaftlichekulturelle Perspektive mit „Wie wirkt das?“ und die anwendungsbezogene Perspektive
mit „Wie nutze ich es?“ befragt [vgl. Döbeli Honegger] sind beeindruckend deutlich und
weisen damit auf einen didaktischen Kern in der Auseinandersetzung mit Medien und
technischem Gerät, dem sich die schulische Bildung in den verschiedenen Fächern
annehmen sollte. Die Rolle des Kunstunterrichts in diesem Bezugsrahmen ist eine der
zentralen im Seminar behandelten Fragen.
1.3</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Welche Seminarstruktur wurde erprobt?</title>
        <p>Die Seminarstruktur entspricht im Kern einer Dreiteilung.2
Der erste Zeitraum schafft die Gruppen, erläutert die Anforderungen und vermittelt
Grundlagen zur Terminologie, zur empirischen Forschung im Kunstunterricht sowie zu
Kernfragen von Didaktik und Fachdidaktik. Durch Literaturhinweise und
Lektüreaufgaben wird eine Orientierung im betreffenden Feld geschaffen. Dazu trägt ebenso eine
Vielzahl an thematischen Anregungen bei, die über die ersten Sitzungen präsentiert
werden. Um die Umsetzung des Vorhabens zu unterstützen, werden zumeist dezentral
verfügbare Ressourcen vermittelt. Diese Phase findet als Präsenzphase in Seminar statt und
macht mit den einzusetzenden Arbeitsmitteln sowie den Anforderungen an die
Forschungsarbeit vertraut.</p>
        <p>Der zweite Zeitraum hat Werkstattcharakter und läutet die Phase ein, in der die
Eigenaktivität der Studierenden im Mittelpunkt steht. Dem Ansatz des Forschenden Lernens
folgend, in dem „die studentische Person jeweils Theorie und Praxis auf
aktivhandelnde und forschende Weise miteinander verbinden kann" [Denner 25, ähnlich bei
Roters 87] werden die Studierenden im Verbund der Kleingruppe persönliche
Forschungsfrage hinsichtlich einer fachdidaktischen Kritik digitaler Arbeitsmittel im
Kunstunterricht aufstellen und entsprechende Designs entwerfen.3 In dieser Arbeitsphase
stellen die umfangreichen individuellen Konsultationen das zentrale Element zur Schärfung
von Forschungsfrage und Methodik dar. Die Arbeit erfolgt dezentral an den
entsprechenden Ressourcen. Eine Sitzung wird ebenfalls dezentral als Online-Seminar gestaltet,
in dem alle ihren Zwischenstand präsentieren. Nach dem Entwurf und der Besprechung
2 Siehe Schaubild am Ende des Beitrags
3 Folgt man Denners drei vorgeschlagenen Formaten, verortet sich die Arbeit klar im dritten Format, den
studentischen Forschungsprojekten [vgl. Denner 32].</p>
        <p>Forschungsorientierte Gruppenlernprozesse „blended“ gestalten 141
werden die Forschungsvorhaben umgesetzt. Die Umsetzung wird von einem
ReflexionAktions-Kreislauf geleitet, in dem die Aktion durch Datensammlung, Analyse und
Interpretation Konsequenzen erfährt und darin die Aktionsidee weiterentwickelt wird.
[vgl. Altrichter 17f.] Intention, Planung, Durchführung sowie Ergebnisse werden in
einem Artikel verschriftlicht und der jeweilige Zwischenstand der Gruppe vor Ort
präsentiert.</p>
        <p>Diese Präsentationen bilden den dritten Zeitraum des Seminars. Sie dienen der
Multiplikation, als Teil des Leistungsnachweises sowie vor allem den gemeinschaftlichen
Rückmeldungen und damit dem Aufzeigen von Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Die
Stärken von Peer-Rückmeldungen werden durch Anforderungen [vgl. Hattie 273],
Beobachtungshinweise und online Feedbacksysteme unterstützt und erfolgen außerhalb der
Seminarzeit über das Forum.</p>
        <p>Den abschließenden vierten Zeitraum bildet die Arbeitsphase, in der die Studierenden
ihre Forschungsarbeit mithilfe der Rückmeldungen abschließen und den Artikel
schreiben. Diese zweite dezentrale Phase findet überwiegend in der vorlesungsfreien Zeit statt
und wird selten bewusst zum Seminar gezählt. Die Arbeit in diesem Zeitraum wird
wiederum durch Konsultationen gestützt.</p>
        <p>Nach Einreichung der Artikel werden diese bewertet. Die Studierenden erhalten eine
umfassende Rückmeldung, die es ihnen ermöglicht, ihre Artikel mit dem Ziel einer
gemeinsamen Publikation zu überarbeiten.
2</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Einsatz der E-Learning-Bausteine</title>
      <p>Der überwiegende Teil der eingesetzten E-Learning-Bausteine ist in der genutzten
Online-Plattform für Akademisches Lehren und Lernen (OPAL) verfügbar. Diese regelt
durch ein Gruppenmanagement die Zugriffsrechte und schafft einen nicht öffentlichen
Kursraum. Neben Materialordnern zur Bereitstellung von Grundlagenliteratur,
Materialien und zum Datenaustausch, einem virtuellen Klassenzimmer für Videokonferenzen
und Telepräsentationen wurde vor allem das Forum eingesetzt, um einen
gleichberechtigten und selbstorganisierten Austausch von Informationen zu ermöglichen. Ergänzend
kamen Tools zur kooperativen Textbearbeitung und virtuelle Pinnwände zum Einsatz,
um Gruppenergebnisse zu fixieren, Partizipation zu ermöglichen und Erkenntnisse zu
teilen.</p>
      <p>Exemplarisch wird im Folgenden die gezielte technische Unterstützung des
PeerReview-Prozesses aufgezeigt.
2.1</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Peer-Review im Forum</title>
        <p>Die Formulierung von Rückmeldungen auf Einblicke in fremde Forschungsprojekte
erfordert Perspektivwechsel, Nachvollzug von Argumentationen und fachliches
Verständnis. Damit stellt die Rückmeldung auch für die Rückmeldenden einen zentralen
Inhalt des Lernprozesses dar, der neben der Erweiterung der fachlichen Perspektive vor
allem die eigene Vorstellung von Forschungsmethodik und Argumentation fördert.
Da die Seminarzeit jedoch gerade hinreichend Kapazität bietet, allen Teilnehmenden
eine Präsentation und ein kurzes Feedback zu ermöglichen, eröffnet hier der Rückgriff
auf das Forum als E-Learning-Baustein eine neue Perspektive. Während der
Präsentationen im Seminar machen sich alle Zuhörerinnen und Zuhörer Gedanken und Notizen. Im
Anschluss an das Seminar eröffnen die Referierenden jeweils einen Beitrag im Forum
und stellen ihre Präsentationen bereit. Hier sind nun alle aufgefordert, ihre
Rückmeldungen anzufügen solange es noch Dinge hinzuzufügen gibt, bzw. gegebene Hinweise zu
be- oder entkräften. Der Einsatz des Forums entstand hier aus einer didaktischen sowie
didaktisch-methodischen Notwendigkeit. Einerseits ist es ein Teil des behandelten
Themenfeldes und stellt damit eine praktische Erprobung dar, andererseits ermöglicht es die
angestrebte gegenseitige Rückmeldung im gegebenen seminarorganisatorischen
Rahmen. Es ermöglicht allen Teilnehmenden gleichberechtigte synchrone und asynchrone
Kommunikationsprozesse räumlich und zeitlich auszulagern.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Evaluation der Seminarkonzeption</title>
      <p>Die Darstellung der Evaluation erfolgt auszugsweise und mit einem Schwerpunkt auf
den E-Learning-Bausteinen. Die Evaluation der Seminarkonzeption fand während und
nach der ersten Durchführung im Wintersemester 2015/2016 statt. Es wurde eine
quantitative Auswertung der genutzten E-Learning-Bausteine anhand der Nutzerstatistik in
Abgleich mit dem Seminarprogramm vorgenommen, die subjektiven Wahrnehmungen
der Studierenden, Erfahrungen und deren Konzept in einer qualitativen
Fragebogenbefragung erhoben sowie die Produkte in Form der Artikel bewertet.
3.1</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Evaluation der Ziele des Seminars</title>
        <p>Aus den Rückmeldungen und den Ergebnissen der Studierenden wurde deutlich, dass die
Ziele hinsichtlich des didaktischen Bezugsrahmens erreicht wurden. Die Artikel
erschließen teils sehr innovative Felder und setzen sich intensiv mit fachdidaktischen
Argumentationen auseinander. Die Befragung nach den größten eigenen Fortschritten
ergabt häufig Antworten in den Bereichen der Entwicklung der eigenen Haltung
gegenüber und der Zugriffsweisen auf technisches Gerät, des Verständnisses der Ziele des
Faches und deren argumentativer Anwendung sowie der selbstorganisierten und
eigenverantwortlichen Praxiserforschung. Defizite sehen die Studierenden eigenen Aussagen
zufolge im Umgang mit Theorie und Praxis empirischer Forschung. In der Befragung
danach, ob die Studierenden sich vorstellen könnten, ihre eigene Lehrpraxis zu
erfor</p>
        <p>Forschungsorientierte Gruppenlernprozesse „blended“ gestalten 143
schen zeigten sich sehr unterschiedliche Antworten. Neben der angestrebten
eigenständigen Adaption des Forschungsbegriffs, die eine Reflexion der eigenen Praxis
ermöglicht, ganz spezifischen Interessen, Ansätzen zum Einbezug von Schülerinnen und
Schülern wurde aber auch deutlich, dass einige sich eine systematische Beforschung der
eigenen Praxis aus Zeitgründen nicht vorstellen könnten.
3.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-2">
        <title>Evaluation der Seminarstruktur</title>
        <p>Der erste Zeitraum in Präsenz wurde in der Befragung als notwendige Grundlage zum
Beziehungsaufbau, der thematischen Einarbeitung und Gruppenfindung beschrieben. Die
inhaltliche Dichte wurde jedoch als häufig zu hoch und durch die schlaglichtartige
Betrachtung zu wenig zusammenhängend eingeschätzt. Deutlich hebt sich die durchgängige
Betonung der vielen gegebenen thematischen Anregungen als sehr bereichernd hervor.
Die freien Arbeitsphasen wurden in der Befragung von fast allen Teilnehmenden als
besonders geeignet hervorgehoben, um selbstgesteuert an eigenen Schwerpunkten zu
arbeiten, in Ruhe in organisatorischer Freiheit zu forschen, zu recherchieren und die
Konsultationen ausführlich zu nutzen. Ambivalente Aussagen finden sich zur
Kommunikation mit der Gruppe. Einige hoben den Freiraum als geeignet hervor, sich in den
Kleingruppen zu treffen, anderen fehlte der direkte Kontakt zum Austausch mit der
Seminargruppe.</p>
        <p>Die Rückmeldungen zur dritten Phasen weisen auf die hohe inhaltliche Dichte während
der Präsentationen als bereichernd sowie heraus-bis überfordernd hin, heben aber den
sehr hilfreichen Peer-Review-Prozess über das Forum deutlich positiv hervor. Ebenfalls
angeführt wird der hohe zeitliche Aufwand.
3.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-3">
        <title>Evaluation der E-Learning-Bausteine</title>
        <p>Die Ergebnisse lassen sich mit Blick auf drei hier beispielhaft ausgewählte
E-LearningBausteine wie folgt zusammenfassen.</p>
        <sec id="sec-4-3-1">
          <title>Baustein Forum</title>
          <p>Der gesamte Kurs verzeichnet vom Semesterstart bis zum Zeitpunkt der Erhebung zu
Beginn des darauffolgenden Semesters bei 15 Nutzerinnen und Nutzern ca. 4500 Klicks.
Der überproportionale Großteil mit ca. 1900 Klicks entfällt auf den Baustein Forum. In
der diachronen Betrachtung wird deutlich, dass ein erstes Hoch mit ca. 130 Klicks
wöchentlich mit dem Beginn der freien Arbeitsphase und der damit verbundenen
Aufforderung an die Gruppen, ihre Projekte im Forum vorzustellen zu verzeichnen ist. Während
dieser freien Arbeitsphase sowie der ersten Präsentationen sank die wöchentliche
Nutzung deutlich auf ein nicht nennenswertes Niveau. Das zweite Hoch mit meist mehr als
200 wöchentlichen Klicks begann zwei Wochen verzögert zur Aufgabenstellung,
Rückmeldungen zu den bereits gehaltenen Präsentationen zu geben. Hier muss beachtet
werden, dass oftmals die Referentinnen und Referenten ihre Präsentationen erst eine Woche
verzögert hochluden. Das letzte Hoch das Bausteins Forum ist in der Woche des
Abgabetermins zu verzeichnen. Hier wurde es von den meisten genutzt, um den fertigen
Artikel hochzuladen, Kommentare und die Artikel der anderen Teilnehmer zu konsultieren.
Es lässt sich feststellen, dass das Kursforum in der Arbeitsphase nicht zum Austausch in
den Arbeitsgruppen genutzt wurde. Hier wurden scheinbar andere etablierte Plattformen
genutzt. Mit einer konkreten Aufgabenstellung verbunden diente es vorerst mehr der
gegenseitigen Information über die bearbeiteten Themen. Anschließend, wiederum mit
konkreter Aufgabenstellung, zeigte es sich als sehr geeignete Form, um Peer-Feedback
einzuholen. Durch die zuvor besprochen Anforderungen an Rückmeldungen, waren
diese in bedeutendem Maße konstruktiv. Die Seminarleitung musste zumeist nur noch
bekräftigen oder durch andere Perspektiven erweitern. Weiterhin wurde deutlich, dass
die Rückmeldungen umfassender und konkreter waren, wenn die Präsentation umfassend
und konkret war sowie gezielt Fragen an die Peers gestellt wurden.</p>
          <p>Die Befragung der Studierenden zeigte eine durchgehend hohe Wertschätzung dieses
Ansatzes, da die Rückmeldungen aufgrund der Zeit, die man sich in Ruhe im Anschluss
an die Präsentationstermine nehmen konnte, zumeist sehr reflektiert, argumentativ gut
formuliert, in wechselseitigem Bezug und dauerhaft nachvollziehbar gewesen seien.
Nichtsdestotrotz wurden vereinzelt der hohe zeitliche Aufwand und das ungleiche
Engagement der Studierenden angeführt.</p>
          <p>Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass sich der Baustein Forum verbunden mit
einer konkreten Aufgabenstellung eignete, um komplexe wechselseitige
Rückmeldeprozesse zu strukturieren und für die Gruppe transparent darzustellen. Damit wird ein
höherer Umfang an Rückmeldungen und deren Transfer ermöglicht, als es in einer
Seminarsitzung mit begrenzter Zeit möglich wäre.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-4-3-2">
          <title>Baustein Virtuelles Klassenzimmer</title>
          <p>Das Virtuelle Klassenzimmer dient als Plattform zur Telepräsentation und für
Videokonferenzen. Als diese wurde es im Rahmen des Seminars eingesetzt, um die während des
individuellen Arbeitsprozesses aufgelöste Seminarstruktur aufzugreifen, ein dezentrales
Arbeiten zu ermöglichen und einen gegenseitigen Austausch unter den Gruppen sowie
dem Seminarleiter zu ermöglichen. Dementsprechend zeigt die Nutzerstatistik nur für
den Tag des Online-Kolloquiums Klicks. Retrospektiv lassen sich die
Kommunikationsprozesse als geglückt einschätzen. Unter der Moderation der Seminarleitung wurden
organisatorischen Sachverhalte besprochen, die Gruppen stellten ihren jeweiligen
Arbeitsstand vor und berichteten über ihr Vorgehen. Nicht alle Teilnehmerinnen und
Teilnehmer übertrugen neben dem Ton auch ein Videobild. Das erschwerte in einigen Fällen
die Kommunikation, da nicht immer allen klar war, wer gerade spricht. Die Chatfunktion
diente in der Moderation an Stütze. Es zeigten sich inklusive und exklusive Aspekte
dieser Mediennutzung. So gelang es einzelnen Studierenden vor Ort auf dem Campus
nicht, an der Sitzung teilzunehmen, da die Internetverbindung zu langsam war,
wohinge</p>
          <p>Forschungsorientierte Gruppenlernprozesse „blended“ gestalten 145
gen eine Studierende, die in den Vereinigten Staaten von Amerika verweilte, problemlos
in die Kommunikation eingebunden werden konnte.</p>
          <p>Im Rahmen der Befragung berichteten die Studierenden, dass es – auch aufgrund des
thematischen Schwerpunktes des Seminars – eine bereichernde Erfahrung im Umgang
mit dem Medium und zum Kennenlernen der Möglichkeiten und Grenzen gewesen sei,
die Kommunikation jedoch an Vielschichtigkeit, Interaktion und Spontanität verloren
habe. Der fehlende Kontakt vor Ort sowie die reduzierte Erfahrbarkeit von Mimik und
Gestik wurde mehrmals als Argument gegen den Einsatz aufgeführt. Bezüglich des
methodischen Einsatzes wurde eine gemeinsame Erprobung der Nutzeroberfläche im
Vorfeld als wichtig erachtet.</p>
          <p>Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Studierenden die Erfahrung im virtuellen
Klassenzimmer sehr wertgeschätzt habe, die Vor- und Nachteile deutlich benennen
konnten, sich im Rahmen dieses Seminars aber für ein Zwischenstandstreffen in der
normalen Seminarstruktur aussprechen. Mit Blick auf die Ziele des Seminars spricht
genau das jedoch für den weiteren Einsatz des virtuellen Klassenzimmers.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-4-3-3">
          <title>Baustein Padlet / Pinnwand</title>
          <p>Der Baustein Pinnwand wurde statistisch nicht ausgewertet. Die Teilnehmenden
bekamen die Aufgaben auf dieser der Gruppe zugänglichen Pinnwand ein persönliches
Zwischenfazit in Form von kurzen Aussagen zu formulieren die sich auf den Arbeitsprozess
beziehen und den Kategorien start/continue/stop doing zuordnen lassen. Der öffentliche
Austausch auf methodischer Ebene diente zur Anregung und zum Überdenken des
eigenen Arbeitsprozesses und wurde im Wintersemester gut, im Sommersemester weniger
gut angenommen. Die in der Auswertung kritisierte Vielzahl an
Kommunikationsmöglichkeiten wurde häufig auf diese Angebote zurückgeführt.
3.4</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-4-4">
        <title>Fazit</title>
        <p>Die Rückmeldungen der Studierenden bestärken die grundsätzliche Seminarkonzeption
deutlich. Alle Befragten bekräftigen, dass sie die Seminarstruktur sehr geschätzt,
Autonomie, Intensität und das Verhältnis von Theorie und Praxis als bereichernd erlebt
hätten. Sie würden das Seminar jederzeit wieder besuchen und weiterempfehlen.
Die eingesetzten E-Learning-Bausteine erfüllten vor allem Präsentations-,
Dokumentations- und Kommunikationsfunktionen. Es wurde deutlich, dass die Studierenden zur
Kommunikation und Kooperation auf bereits etablierte Kanäle zurückgreifen und die
zum Teil redundanten E-Learning-Bausteine gern reduziert hätten. Ausnahmen bilden
hier die konkret konzipierten Szenarien, bei denen die Nutzung mit einer
Aufgabenstellung verbunden ist. Der Aspekt des Kennenlernens von verschiedenen Möglichkeiten
wurde von den Studierenden zugunsten der Forderung nach klaren Strukturen
ausgeblendet. Eine Befragung zur Nutzung kollaborativer E-Learning-Bausteine im Rahmen
der dezentralen Forschungsphase wird für das folgende Semester angestrebt, da
Studierende bereits vereinzelt von ihren Erfahrungen berichteten.</p>
        <p>Eine tiefgreifendere Analyse der bei den Studierenden entwickelten fach- und
mediendidaktischen Konzepte ist anhand der qualitativen Rückmeldungen möglich und wird in
einem weiteren Beitrag angestrebt. Die hier betrachtete Rhythmisierung des Seminars
sowie die stützende Struktur der eingesetzten E-Learning-Bausteine haben sich für eine
„blended“ gestaltete forschungsorientierte Hochschullehre als angemessen erwiesen.
Aufgezeigte Potentiale zur Weiterentwicklung können in folgenden Semestern als
Ausgangspunkt für die Gestaltung des Lernprozesses in Zusammenarbeit mit den
Studierenden genutzt werden.
4</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Workshop</title>
      <p>Die vorangegangenen Betrachtungen sind Auszüge der inhaltlichen Grundlagen für
einen im Rahmen der DeLFI 2016 angebotenen Workshop, in dem Möglichkeiten des
Einsatzes von blended learning Szenarien für forschungsorientierte Gruppenlernprozesse
ersonnen und diskutiert und werden.
4.1</p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>Ziele des Workshops</title>
        <p>Die Teilnehmenden kennen exemplarische Bausteine für das blended learning in
forschungsorientierten Gruppenlernprozessen und haben eine Vorstellung von didaktischen
Argumentationsmöglichkeiten zur Begründung des Einsatzes. Sie können diese in der
Diskussion auf eigene Ideen und vorgestellte Praxisbespiele übertragen.
4.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-5-2">
        <title>Ablauf des Workshops</title>
        <p>Gegebenen oder selbst gestellten Anforderungen entsprechend werden im
Baukastenprinzip Szenarien zum Einsatz von blended learning entwickelt. Diese sowie ein
erprobtes und evaluiertes Praxisbeispiel aus der Lehramtsausbildung Fachdidaktik Kunst
werden vorgestellt und diskutiert. Die Nutzung der Bausteine kann anhand der
Nutzerstatistik und der Studierendenbefragung erörtert werden.</p>
        <p>Forschungsorientierte Gruppenlernprozesse „blended“ gestalten 147</p>
        <p>Abb. 1: Schaubild zur Seminarstruktur, M. Arndt 2016</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
      <p>[Ar02]
[Bü02]</p>
      <p>Altrichter, Herbert: Die Rolle der ‚professional community‘ in der Lehrerforschung.
In: Dirks, Una et. al. (Hgg.): Forschendes Lernen in der Lehrerbildung: auf dem Weg
zu einer professionellen Unterrichts- und Schulentwicklung ; [Hilbert Meyer zum 60.
Geburtstag ; 6. Fachtagung des Nordverbunds Schulbegleitforschung], Klinkhardt (Bad
Heilbrunn/Obb), 2002, S. 17-36.</p>
      <p>Büscher, Barbara: Live Electronic Arts und Intermedia : die 1960er Jahre / über den
Zusammenhang von Performance und zeitgenössischen Technologien, kybernetischen
Modellen und minimalistischen Kunst-Strategien,
http://nbnresolving.de/urn:nbn:de:bsz:14-qucosa-39497, 2002, Zugriff: 04.06.2016.
[Br07]
[De13]
[Dö16]
[Ha12]
[Ki11]
[Km04]</p>
      <p>Brenne, Andreas: Analyse ästhetischer Rezeption und Produktion mittels Grounded
Theory. In: Peez, Georg (Hg.): Handbuch Fallforschung in der Ästhetischen
Bildung/Kunstpädagogik: qualitative Empirie für Studium, Praktikum, Referendariat und
Unterricht, Schneider-Verlag Hohengehren (Baltmannsweiler), 2007, S. 12-22.
Denner, Liselotte: Professionalisierung im Kontext schulpraktischer Studien - aber
wie? Grundlagen - Lehr-Lernsettings - empirische Befunde, Schneider-Verl.
Hohengehren (Baltmannsweiler), 2013.</p>
      <p>Beat:
Zugriff:
[MIT]</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list>
      <ref id="ref1">
        <mixed-citation>
          <source>140 Martin Arndt 142 Martin Arndt 144 Martin Arndt 146 Martin Arndt Döbeli Honegger</source>
          ,
          <volume>15</volume>
          .
          <fpage>05</fpage>
          .
          <year>2016</year>
          .
        </mixed-citation>
      </ref>
      <ref id="ref2">
        <mixed-citation>
          http://blog.doebe.li/Blog/DagstuhlDreieck, Hattie, John: Feedback in Scholls, in: Sutton,
          <article-title>Robbie et</article-title>
          . al. (
          <year>Hgg</year>
          .):
          <article-title>Feedback: the communication of praise, criticism, and advice</article-title>
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