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      <title-group>
        <article-title>Einsatz von Ereignisgesteuerten Prozessketten zur Model- lierung von Prozessen in der Krankenhausdomäne - Eine empirische Methodenevaluation</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Kamyar Sarshar</string-name>
          <email>sarshar@iwi.uni-sb.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Philipp Dominitzki</string-name>
          <email>philipp.dominitzki@gip.com</email>
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        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Peter Loos</string-name>
          <email>loos@iwi.uni-sb.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>GIP AG Research Institute Göttelmannstraße 17 D-55130 Mainz</institution>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
        <aff id="aff1">
          <label>1</label>
          <institution>Institut für Wirtschaftsinformatik (IWi) im DFKI Stuhlsatzenhausweg 3</institution>
          ,
          <addr-line>Geb. D3 2 D-66123 Saarbrücken</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
      </contrib-group>
      <abstract>
        <p>Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit der EPK und EPK-Erweiterungen zur Modellierung von Prozessen in der Krankenhausdomäne. Neben den Potentialen sollen vor allem die Grenzen der Methode aufgezeigt werden, um Anhaltspunkte für zukünftige Weiterentwicklungen und Anpassungen zu erhalten. Die Untersuchung zeigt, dass Anforderungen bezüglich der Abbildung des regelbasierten Kontrollflusses und der Organisation zu großen Teilen von der EPK zufriedenstellend abgedeckt werden können. Defizite bestehen bei der Darstellung der Zeit, der internen Zustandsdynamik des Prozessobjekts "Patient", Beschreibung unterschiedlicher Iterationsvarianten und der Repräsentation von nichtregelbasierten und intuitiven Entscheidungssituationen von Ärzten und Pflegern.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>1 Motivation</title>
      <p>sen in der Krankenhausdomäne noch Erfahrungswerte. Ein möglicher Ansatz ist, bei der
Modellierung von Behandlungsprozessen auf die aus kommerziellen Projekten vor allem
im SAP-Umfeld [Ke99] und im Zusammenhang mit dem ARIS-Toolset [Sc94] bekannte
Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) [Ke92] zurückzugreifen. Bisherige Erfahrungen
mit der EPK legen die Vermutung nahe, dass die Methode in der Lage ist,
Verwaltungstätigkeiten wie die Patientenaufnahme oder die Leistungsabrechung mit Krankenkassen
befriedigend zu beschreiben. Für eine berufgruppenübergreifende und ganzheitliche
Beschreibung eines Behandlungsprozesses muss jedoch noch geklärt werden, inwieweit
die EPK auch pflegerische und ärztliche Tätigkeiten als integrale Bestandteile eines
Behandlungsprozesses darstellen kann.</p>
      <p>Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die EPK und EPK-Erweiterungen auf ihre
Anwendbarkeit zur Modellierung von Behandlungsprozessen in der Krankenhausdomäne hin zu
evaluieren. Dabei sollen neben den Potentialen vor allem die Grenzen der Methode
aufgezeigt werden, um so Anhaltspunkte für zukünftige Weiterentwicklungen und
Anpassungen der EPK zu erhalten.</p>
      <p>Der Aufbau der Arbeit gestaltet sich wie folgt: In Kapitel 2 werden verwandte Arbeiten
aufgearbeitet, um den aktuellen Stand der Forschung zu skizzieren. Anschließend wird
in Kapitel 3 die genutzte Evaluationsmethode beschrieben und gegenüber alternativen
Evaluationsmethoden positioniert. Den Hauptteil der Arbeit bildet Kapitel 4. Hier
werden die spezifischen Anforderungen der Modellierung in der Krankenhausdomäne
anhand empirisch erhobener Behandlungsprozesse hergeleitet. Durch die vergleichende
Betrachtung des hergeleiteten Anforderungskatalogs der Krankenhausdomäne und der
Ausdrucksmächtigkeit der EPK und vorgeschlagene EPK-Erweiterungen werden
Potentiale und Grenzen dieser Methode aufgezeigt. Kapitel 5 diskutiert diese Ergebnisse. Im
abschließenden Kapitel 6 werden die Ergebnisse des Beitrags zusammengefasst.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>2 Verwandte Arbeiten</title>
      <p>Im Bereich der domänenspezifischen Modellierungsmethoden existieren eine Reihe
dedizierter Ansätze zur Modellierung von Behandlungsprozessen [Wa02]. Die
Untersuchung dieser Methoden macht allerdings deutlich, dass sie noch nicht über das
prototypische Stadium hinausgekommen sind, noch wenig Erfahrung mit deren Einsatz in realen
Projekten existiert und für diese bislang keine ausgereiften Modellierungswerkzeuge zur
Verfügung stehen [SL04].</p>
      <p>Tabelle 1 listet die bislang zur Darstellung von Behandlungsprozessen verwendeten
domänenneutralen Modellierungsmethoden. Als erstes Ergebnis dieser Zusammenstellung
kann festgehalten werden, dass bereits diverse Versuche unternommen wurden,
etablierte Modellierungsmethoden in der Krankenhausdomäne anzuwenden. Jedoch ist die
gesamte Anzahl der identifizierten Publikationen im Verhältnis zur Relevanz des Themas
vergleichsweise gering. Weiterhin basieren diese größtenteils auf deduktiv-theoretischen
Überlegungen, so dass eine empirische Überprüfung der Eignung der Methoden bislang
noch aussteht. Diese Lücke soll mit der vorliegenden Arbeit für die EPK geschlossen
werden.</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Modellierungsmethode</title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Quellen</title>
        <sec id="sec-2-2-1">
          <title>Fluss- / Blockdiagramme</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-2-2">
          <title>Petri-Netze</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-2-3">
          <title>Ereignisgesteuerte Prozessketten (EPK)</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-2-4">
          <title>Erweitertes Strategic</title>
          <p>Rationale-Diagramm (xSRD)
Erweitertes
StrategicDependency-Diagramm
(xSDD)
Agentenorientiert-erweiterte
EPK (xEPK)
ADEPT
WorkParty
• GREILING; HOFSTETTER [GH02]
• DYKES [Dy02]
• KÜTTNER [Kü04]
• SARSHAR; LOOS [SL05]
• GROTE et al. [Gr99]
• JØRGENSEN [Jø03]
• SCHEER et al. [SC96]
• SLOANE; WAGNER [SW04]
• GOSPODAREVSKAYA et al. [Go05]
• PERREVORT [PE03]
• GREILING; HOFSTETTER [GH02]
• MOSA [Mo01]
• MIDDENDORF [Mi01]
• VON EIFF; ZIEGENBEIN |VEZ03]
• KIRN et al. [Ki00]
• DADAM; REICHERT [DR00]
• REICHERT et al. [Re97]
Tabelle 1: Domänenneutrale Modellierungssprachen zur Abbildung
von Behandlungsprozessen</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>3 Methode der Evaluation</title>
      <p>Auf welche Weise die Evaluation einer Methode zu erfolgen hat, ist Thema einer breiten
Diskussion in der Literatur. Jedoch haben sich bislang keine allgemein anerkannten
Theorien oder Kriterien hierzu etabliert. Um die diskutierten Evaluationsmethoden zu
systematisieren, erfolgt in Tabelle 2 – in Anlehnung an [SR98] – eine Kategorisierung
der Ansätze in nicht-empirische und empirische Evaluationsmethoden.</p>
      <p>Eine verbreitete Evaluationsmethode ist die Überprüfung, inwieweit die zu
untersuchende Methode in der Lage ist, charakteristische Gegebenheiten einer Domäne zu
repräsentieren (vgl. z.B. [Fl86], [Su88], [Lo92, S. 44-88]). Dabei können die gestellten
Anforderungen rein deduktiv oder empirisch hergeleitet und begründet werden.</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Evaluationsmethode</title>
        <sec id="sec-3-1-1">
          <title>Nicht-empirische Evaluation</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-2">
          <title>Empirische Evaluation</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-3">
          <title>Metamodellbasierte Evaluation</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-4">
          <title>Ontologische Evaluation</title>
          <p>Evaluation auf der Basis kognitiver Theorien aus der Psychologie</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-5">
          <title>Evaluation auf der Basis erwünschter Metriken</title>
          <p>Evaluation auf der Basis erwünschter Eigenschaften / Fähigkeiten</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-6">
          <title>Evaluation durch Fallstudien</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-7">
          <title>Evaluation durch Aktionsforschung</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-8">
          <title>Evaluation durch Feldexperimente</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-9">
          <title>Evaluation durch Interviews und Umfragen (Surveys)</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-1-10">
          <title>Evaluation durch Laborexperimente / Laborsimulationen</title>
          <p>Tabelle 2: Evaluationsmethoden in der Übersicht (in Anlehnung an [SR98])
Für die vorliegende Untersuchung wurden die zu überprüfenden Anforderungen
empirisch hergeleitet. Da jedoch keine zuverlässigen empirischen Daten von
Behandlungsprozessen vorlagen, die zur Formulierung von Anforderungen hätten ausgewertet werden
können, wurden diese zunächst im Rahmen einer Vorstudie erhoben. Ziel dieser
Vorstudie, die in Zusammenarbeit mit dem Universitätsklinikum der Johannes
GutenbergUniversität Mainz durchgeführt wurde, war die bereichs- und berufsgruppenübergreifende
Erfassung von Behandlungsprozessen von der Aufnahme bis zu Entlassung von
Patienten.</p>
          <p>Zur Erhebung der Behandlungsprozesse wurden drei empirische Methoden zur
Datenerhebung kombiniert:
20 Patienten wurden während ihres Klinikaufenthaltes durchgehend begleitet, um
den Behandlungsprozess durch eine strukturierte Beobachtung zu beschreiben.
Dabei wurden Zeiten, Tätigkeiten, organisatorische Zuständigkeiten, ausführende und
verantwortliche Personen sowie genutzte Informationsträger der einzelnen
Aktivitäten tabellarisch aufgezeichnet.
2. Jene Abschnitte, die durch direkte Beobachtung nicht erfasst werden konnten,
wurden durch Tiefeninterviews mit Prozessbeteiligten ergänzt.</p>
          <p>Zur Validierung der Prozessbeschreibungen wurde eine Dokumentenanalyse der
Patientenakten vorgenommen.</p>
          <p>Weitere Details der Vorstudie hinsichtlich Methodik, Auswahl der Patienten,
Zusammenfassung der Interviews etc. sind in [Sa05] dokumentiert.</p>
          <p>Nach der Datenerhebung erfolgte im zweiten Schritt die Herleitung von Anforderungen
an eine Methode zur Modellierung von Behandlungsprozessen. Dabei wurden die
erhobenen Prozesse auf wiederkehrende Sachverhalte untersucht, die die Grundlage zur
Definition der Anforderungen bildeten. Der dabei zusammengestellte Anforderungskatalog
wird im nächsten Abschnitt vorgestellt.
4.1 Anforderungen der Gesundheitsdomäne
Nachfolgend werden 11 Anforderungen der Krankenhausdomäne an eine
Modellierungsmethode dargestellt. Anforderungen 1-5 beziehen sich auf den Kontrollfluss,
Anforderungen 6-8 auf das Prozessobjekt und Anforderungen 9 und 10 auf die
Organisationssicht. Diese Anforderungen dürfen allerdings nicht dahingehend interpretiert werden,
dass sie nur in dieser Domäne anzutreffen sind. Vielmehr wurden alle aus den erhobenen
Behandlungsprozessen identifizierten Anforderungen zusammengestellt. Sie geben
damit einen Gesamtüberblick über zu beschreibende Sachverhalte, anhand dessen die
Ausdruckfähigkeit der EPK überprüft werden soll.</p>
          <p>Anforderung 1: Abbildung sequentieller Prozessabläufe
Innerhalb von Behandlungsprozessen existieren streng-sequentielle Aktivitätsfolgen
(Anforderung 1a), deren einzelne Aktivitäten nacheinander ausgeführt und jeweils durch
das Beenden der vorangehenden Aktivität angestoßen werden. Daneben existieren
wahlfrei-sequentielle Aktivitätsfolgen (Anforderung 1b). Damit sind Aktivitätsfolgen
gemeint, die zwar alle innerhalb einer bestimmten Zeitspanne durchzuführen sind, jedoch
aufgrund der Irrelevanz der Ausführungsabfolge wahlfrei nacheinander durchgeführt
werden können.</p>
          <p>Anforderung 2: Abbildung paralleler Prozessabläufe
Bestimmte Aktivitäten erfordern ein paralleles Ausführen. Dabei lässt sich zwischen
Parallelitäten unterscheiden, bei denen keine Synchronisation erfolgt, d.h. in denen die
parallelen Aktivitäten nicht wieder zusammengeführt werden (Anforderung 2a), und
Parallelitäten, in denen die getrennten Aktivitätspfade nach ihrer jeweiligen Beendigung
wieder synchronisiert werden müssen, d.h. in denen der Prozessablauf erst nach
Fertigstellung aller Aktivitätsfolgen weitergeführt wird (Anforderung 2b).</p>
          <p>Anforderung 3: Abbildung von Entscheidungen
Die Möglichkeit der inhaltlich adäquaten Abbildung von Entscheidungssituationen ist
eine wesentliche Anforderung an die Prozessmodellierung – nicht nur in der
Krankenhausdomäne. Die beobachteten Entscheidungsarten lassen sich grundsätzlich in
regelbasiert (Anforderung 3a) und nicht-regelbasiert (Anforderung 3b) differenzieren.
Regelbasierte Entscheidungen werden auf der Basis deterministischer und scharfer
Gesetzmäßigkeiten getroffen, während nicht-regelbasierte Entscheidungen nicht-deterministisch
und/oder unscharf sind.</p>
          <p>Weiterhin können Entscheidungen hinsichtlich der zu verfolgenden Alternativen
unterschieden werden. So kann es sich um eine streng-alternative Entscheidung (genau einer
der Pfade wird weiterverfolgt), eine halboffen-alternative Entscheidung (Anforderung
einer oder mehrere Pfade müssen zwingend, weitere können verfolgt werden) oder eine
offen-alternative Entscheidung (einer, mehrere oder alle Pfade können verfolgt werden)
handeln.</p>
          <p>Anforderung 4 : Abbildung iterativer Prozessabläufe
Untersuchungs-, Behandlungs- und Versorgungsschleifen bilden ein weiteres zentrales
Phänomen von Behandlungsprozessen, da während des stationären Aufenthaltes eines
Patienten bestimmte Aktivitäten in bestimmten Zyklen, Abständen oder bis zur
Erreichung eines bestimmten Erfüllungsgrades iterativ zu wiederholen sind. Anforderung 4
besteht demnach in der Forderung nach
1. einer dedizierten Möglichkeit zur Modellierung iterativer Prozessabläufe,
2. einer Möglichkeit zur Definition von Zeiträumen oder Zeitpunkten der Iteration
sowie
3. einer Möglichkeit zur Definition von Ein- und Austrittsbedingungen von
Iterationen.</p>
          <p>Anforderung 5: Abbildung interner und externer Prozessschnittstellen
Behandlungsprozesse sind oft stellen- und organisationsübergreifend definiert. Dabei
kann unterschieden werden zwischen
1. reinen Transportschnittstellen, die den temporären Übergang eines Patienten (bspw.</p>
          <p>für eine Untersuchung) zwischen zwei Organisationseinheiten beschreiben, sowie
2.</p>
          <p>Verlegungsschnittstellen, die den vollständigen Übergang des Patienten zwischen
zwei Organisationseinheiten beschreiben. Diese können weiter untergliedert werden
in
a. interne Verlegungsschnittstellen, wo der Übergang zwischen zwei Einheiten
innerhalb eines Krankenhauses erfolgt und
b. externe Verlegungsschnittstellen, wo der Übergang zu einer externen Einheit
erfolgt (z. B. Verlegung in ein anderes Krankenhaus).</p>
          <p>Bei beiden Arten ist wiederum zu unterscheiden zwischen den
1.
2.</p>
          <p>durch den Patienten selbst ausgeführte Eigentransporte und
durch einen Transportdienst ausgeführte, nichtselbständige Transporte (bspw. nach
einem operativen Eingriff oder bei Immobilität des Patienten).</p>
          <p>Anforderung 6: Warte- und Ruhezustände
Bestimmte Teile der Prozesse bestehen aus Warte- und Ruhezeiten, in denen Patienten
auf eine Untersuchung warten, beobachtet werden oder ruhen. Anforderung 6 besteht in
der Forderung nach einer adäquaten Wiedergabe dieser passiven Zustände eines
Patienten.</p>
          <p>Anforderung 7: Extern-verantwortete Änderungen des Patientenzustands
Aktivitäten innerhalb von Behandlungsprozessen sind i.d.R. extern-verantwortete und
-verursachte Einwirkungen auf den Zustand des Patienten. Dies wird beispielsweise
durch Pflegemaßnahmen oder medikamentöse bzw. operative Eingriffe erreicht. Das
Erreichen eines neuen Zustands kann wiederum als Bedingung, und die
Zustandsänderung selbst als auslösendes Ereignis für Aktivitäten, Entscheidungen oder Iterationen
dienen.</p>
          <p>Anforderung 8: Interne Dynamik des Prozessobjekts "Patient"
Während auch bei der Bearbeitung industrieller Güter Ruhe- und Wartezeiten sowie
externe Beeinflussungen existieren, also einseitige Auswirkungen der Prozessaktivitäten
auf den Prozessobjektzustand, so kann das Prozessobjekt eines Behandlungsprozesses –
der Patient – auch interne Zustandsänderungen erfahren. Der Gesundheitszustand des
Patienten kann sich spontan ändern, was gravierende Auswirkungen auf den weiteren
Prozessablauf haben kann, weshalb darauf adäquat reagiert werden muss.</p>
          <p>Prozessobjekt</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Zustand 1</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Zustand 2</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>Zustand 3</title>
        <sec id="sec-3-4-1">
          <title>Dependenz</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-4-2">
          <title>Dependenz</title>
          <p>Dependenz
f
u
a
l
b
a
sse Interdependenz
z
o
r
P
Prozessobjekt</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-5">
        <title>Patient</title>
        <sec id="sec-3-5-1">
          <title>Zustandsänderungen</title>
          <p>Industrieller Fertigungsprozess</p>
          <p>Behandlungsprozess im Krankenhaus</p>
          <p>Abbildung 1: Prozessobjekt industrieller Prozessen und Behandlungsprozesse
Eine Modellierungsmethode muss demnach in der Lage sein, diese internen Änderungen
des Gesundheitszustands des Patienten abzubilden, indem
1. das Prozessobjekt (als Repräsentation des Patienten) selbst spontane oder
kontinuierliche Zustandsänderungen erfahren kann und
2. diese Zustandsänderungen Auswirkungen auf den Prozessablauf haben können.
Anforderung 9: Abbildung der Organisationsstruktur
Die Krankenhausrealität ist geprägt von scharfen organisatorischen Trennungen. So führt
beispielsweise die alleinige Entscheidungs- und Weisungsbefugnis der Ärzte bei
medizinischen Entscheidungen dazu, dass die Zuweisung von organisatorischen
Zuständigkeiten zu Aktivitäten eine wichtige Rolle spielt. Demnach sollte ein Sprachkonzept zur
Modellierung von Behandlungsprozessen in der Lage sein
1. den Verantwortungsbereich (Pflege / Medizin / Verwaltung) abzubilden,
2. den einzelnen Aktivitäten und Entscheidungen die jeweils ausführende, anweisende
und verantwortliche organisatorische Einheit zuzuordnen und</p>
          <p>weisungstechnische Abhängigkeiten, Zielkonflikte und andere
aufbauorganisatorische Gegebenheiten der am Prozess direkt oder indirekt beteiligten Akteure
wiederzugeben.</p>
          <p>Anforderung 10: Abbildung technischer Ressourcen
Viele Aktivitäten innerhalb eines Behandlungsprozesses benötigen neben den
ausführenden personellen Ressourcen zusätzlich bestimmte technische Ressourcen. Dies
können zum einen Gerätschaften oder Verbrauchsmaterial sein, zum anderen können sie sich
auf die Belegung räumlicher Kapazitäten beziehen. Um Kapazitätskonflikte parallel
laufender Prozesse zu verhindern und eine effiziente Ressourcenzuordnung zu
ermöglichen, sollte eine Modellierungssprache diese abbilden können.</p>
          <p>Anforderung 11: Abbildung von Zeiten
Die Forderung nach einer Integration der zeitlichen Perspektive ist in deren hoher
Bedeutung für viele Aspekte der Ausführung von Behandlungsprozessen begründet. Die
hauptsächlichen Aktivitäten des Behandlungsprozesses spielen sich, von Notfällen
einmal abgesehen, innerhalb bestimmter Tageszeiten (früher Morgen bis später Nachmittag)
ab. Dies bedeutet beispielsweise, dass je nachdem zu welcher Uhrzeit ein
Behandlungsprozess beginnt, bestimmte Aktivitäten noch am selben Tag stattfinden können, oder
aber erst am nachfolgenden Tag, was zu einer Verlängerung des gesamten
Klinikaufenthalts führen kann.</p>
          <p>Darüber hinaus initiiert eine solche zeitliche Verschiebung weitere Aktivitäten, wie
zusätzliche Pflegemaßnahmen (Verpflegung, Überwachung, etc.) und beeinflusst somit
den gesamten Prozessablauf. Auch bei iterativen Prozessabläufen (als
Eintrittsbedingung) und bei Entscheidungen (als Kriterium) spielen Zeiten eine wichtige Rolle. Die
übergeordnete Forderung nach einer Wiedergabe von Zeiten lässt sich in folgende
Teilanforderungen unterteilen:
1.
2.
3.</p>
          <p>Der Einfluss von Zeiten auf die Behandlungsaktivitäten muss abbildbar sein.
Zeiten müssen als Eintrittsbedingung und Entscheidungskriterium definierbar sein.</p>
          <p>Aktivitäten müssen Zeiten bzw. Zeitspannen zugeordnet werden können.
Nachfolgende Tabelle 3 fasst die 11 Anforderungen an die Modellierung von
Behandlungsprozessen in einem Anforderungskatalog zusammen, der die Ausgangsbasis für die
Evaluation der EPK bildet.</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-6">
        <title>Sichten Nr. Anforderung</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-7">
        <title>Kontrollfluss</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-8">
        <title>Prozessobjekt (Patient)</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-9">
        <title>Ressourcen</title>
        <sec id="sec-3-9-1">
          <title>Abbildung</title>
          <p>1 sequentieller
Prozessabläufe</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-2">
          <title>Abbildung</title>
          <p>2 paralleler</p>
          <p>Prozessabläufe
3</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-3">
          <title>Abbildung von</title>
          <p>Entscheidungen</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-4">
          <title>1a) Streng sequentiell</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-5">
          <title>1b) Wahlfrei sequentiell (lokale Autonomie)</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-6">
          <title>2a) mit synchronisierter Zusammenführung</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-7">
          <title>2b) ohne synchronisierte Zusammenführung</title>
          <p>3a)
Regelbasiert
(scharf)</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-8">
          <title>3a1) Offen-alternativ</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-9">
          <title>3a2) Halboffen-alternativ</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-10">
          <title>3a3) Streng-alternativ</title>
          <p>3b) 3b1) Offen-alternativ
Nicht regelbasiert 3b2) Halboffen-alternativ
(unscharf)
3b3) Streng-alternativ
4 Abbildung iterativer Prozessabläufe
5 Abbildung der internen und externen Prozessschnittstellen</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-11">
          <title>6 Abbildung von Warte- und Ruhezuständen</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-12">
          <title>7 Abbildung externer Einwirkungen auf den Patientenzustand</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-13">
          <title>8 Abbildung der internen Dynamik des Prozessobjekts</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-14">
          <title>9 Abbildung der Organisationsstruktur 10 Abbildung technischer Ressourcen 11</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-9-15">
          <title>Abbildung von Zeiten</title>
          <p>Tabelle 3: Anforderungen an die Modellierung von Behandlungsprozessen
4.2 EPK und EPK-Erweiterungen
Mit zunehmender Diskussion und betrieblichem Einsatz wurde die Konstrukte der EPK
(Funktionen, Ereignisse sowie die Konnektoren AND, XOR und OR) um eine Vielzahl
unterschiedlicher Konstrukte und Varianten erweitert. Eine vollständige Aufarbeitung ist
in der aktuellen Literatur nicht auszumachen. Somit erfolgt in Tabelle 4 eine möglichst
umfassende Auflistung und Klassifizierung der Erweiterungen und Varianten, jedoch
ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Diese werden im nächsten Kapitel gemeinsam mit
der ursprünglich definierten EPK der Methodenevaluation unterzogen.</p>
          <p>Nr.</p>
          <p>Erw.</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-10">
        <title>Name / Inhalt der Erweiterung Autor / Quelle</title>
        <p>4.3 Einsatzpotentiale der EPK
Um die EPK bezüglich der Modellierung von Behandlungsprozessen zu untersuchen,
wurde geprüft, inwieweit die EPK und vorgeschlagene EPK-Erweiterungen in der Lage
sind, die geforderten Anforderungen zu beschreiben. Während bei einigen
EPKKonstrukten die Anforderungserfüllung von vornherein ausgeschlossen werden konnte,
war bei vielen Kombinationen eine genauere Anforderungsprüfung notwendig.
Nachfolgend wird die Anforderungsprüfung aus Platzgründen anhand von zwei Beispielen
demonstriert.
Beispiel 1: Überprüfung der Anforderung 1b: wahlfrei-sequentielle Prozessabläufe
Die in der lokalen Handlungsautonomie begründete, wahlfreie Durchführung bestimmter
Aktivitätssequenzen kann bereits durch den XOR-Konnektor der Basis-EPK realisiert
werden. Durch die Kombinatorik der Möglichkeiten kann diese Form der Modellierung
bei längeren wahlfreien Sequenzen jedoch relativ komplex und unübersichtlich werden.
Alternativ kann die Anforderung mit Hilfe des von PRIEMER [Pr95] und ROSEMANN
[Ro95] vorgeschlagenen Sequenz-Konnektors (SEQ-Konnektor) realisiert werden. Um
diesen erweitert ist die EPK in der Lage, wahlfreie Funktionsabfolgen ohne
ablaufindividuelle Eigenschaften innerhalb einer Prozesskette abzubilden, und somit die lokale
Handlungsautonomie adäquat zu unterstützen (vgl. Abbildung 1).</p>
        <p>An dieser Stelle beginnt eine wahlfreie Sequenz, d.h. die Aktivitäten 1, 2, 3 und 4 müssen
alle ausgeführt werden, die Ausführungsreihenfolge ist jedoch irrelevant und kann im
Rahmen der lokalen Handlungsautonomie bestimmt werden</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-11">
        <title>Aktivität 1 Aktivität 2 Aktivität 3 Aktivität 4</title>
        <p>Untersuchungs-, Behandlungs- und Versorgungsschleifen bilden ein zentrales Phänomen
von Behandlungsprozessen. Deren explizite Darstellung – d.h. die Abbildung einer
zyklisch auszuführenden Aktivität ohne deren redundante Modellierung an bestimmten
Punkten in einen Prozessablauf – wird von der ursprünglichen EPK jedoch nicht
unterstützt. Im Rahmen der agentenorientierten EPK-Variante xEPK (welche aus ihrer
EntKontinuierliche Wiederholung einer Aktivität
in bestimmten Zeitabständen</p>
        <sec id="sec-3-11-1">
          <title>Beginn einer Aktivitätsschleife bei Eintritt</title>
          <p>einer bestimmten Bedingung
t1 : Eintrittsbedingung erfüllt</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-11-2">
          <title>Ende einer Aktivitätsschleife bei Eintritt einer</title>
          <p>bestimmten Bedingung</p>
          <p>T4 : Austrittsbedingung erfüllt
stehung heraus einen engen Bezug zu Krankenhausprozessen besitzt) schlagen
KIRN et al. [Ki00] ein Konstrukt zur expliziten Modellierung iterativer Prozesse vor.
alle
7-8h</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-12">
        <title>Aktivität 2</title>
        <p>alle / in
7-8h t1, t2, t3</p>
        <sec id="sec-3-12-1">
          <title>Eintrittsbedingung erfüllt</title>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-13">
        <title>Aktivität 3</title>
        <sec id="sec-3-13-1">
          <title>Eintrittsbedingung erfüllt ?</title>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-14">
        <title>Aktivität 4</title>
        <p>alle / in 7-8h
t1, t2, t3</p>
        <sec id="sec-3-14-1">
          <title>Den folgenden Zeitabschnitt auslösendes Ereignis</title>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-15">
        <title>Zeitabschnitt 1 T – T</title>
        <sec id="sec-3-15-1">
          <title>Den folgenden Zeitabschnitt auslösendes Ereignis</title>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-16">
        <title>Zeitabschnitt 2 T – T</title>
        <p>t1
t2
t3
t1
t2
t3</p>
        <p>Abbildung 2: Überprüfung der Anforderung 4: Abbildung iterativer Prozessabläufe
Diese Schleifendarstellung kann aber nicht ohne weiteres in EPK-Modelle integriert
werden. Sie werden (wie alle anderen Funktionen der xEPK auch) als Methode an ein
bestimmtes Zeitfenster – eine aggregierte Funktion, bspw. einen Behandlungstag –
gekoppelt. Sie bieten jedoch die Möglichkeit, die geforderten Ein- und
Austrittsbedingungen sowie verschiedene zeitliche Ausführungsrelationen (Ausführung zu bestimmten
Uhrzeiten, Ausführung in bestimmten Zeitabständen) zu modellieren (vgl. Abbildung 2).
Dadurch, dass die Schleifenkonstrukte stets an die Funktion gekoppelt werden, wird von
einer zeitlichen Anordnung oder Reihenfolgenbildung der Aktivitäten abgesehen. Die
geforderte lokale Handlungsautonomie bezüglich der Integration der Schleifenaktivitäten
wird somit ebenfalls implizit unterstützt. Insofern kann die Anforderung 4 prinzipiell
durch die xEPK erfüllt werden, wobei die besondere Syntax und Semantik dieser
Variante berücksichtigt werden muss.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>5 Gesamtbeurteilung der EPK</title>
      <p>Die Ergebnisse der Prüfung der einzelnen Anforderungen ist im Anhang tabellarisch
zusammengefasst. Die Anforderungen bezüglich des Kontrollflusses und der Abbildung
von Ressourcen konnten zu einem großen Teil durch Konstrukte der EPK erfüllt werden.
Hingegen bestehen bezüglich adäquater Abbildung des Prozessobjekts, der Modellierung
nicht-regelbasierter Entscheidungen sowie der Abbildung von Zeiten und
unterschiedlicher Iterationsvarianten noch Defizite.</p>
      <p>Die Kontrollflussperspektive ist der einzige Bereich, in der bereits die ursprüngliche
EPK in der Lage ist, bestimmte Anforderungen zu erfüllen. So können die
Anforderungen 1 und 2, die Abbildung sequentieller und paralleler Prozessabläufe, auch bezüglich
aller Teilanforderungen, als vollständig erfüllt angesehen werden. Und auch der Bereich
3a, die Abbildung verschiedener regelbasierter Entscheidungen, kann durch Konstrukte
der ursprünglichen EPK abgedeckt werden.</p>
      <p>Das erste Erweiterungspotential existiert im Bereich der nicht-regelbasierten
Entscheidungen (Anforderung 3b). Zwar existieren diese auch in Unternehmen, weshalb die EPK
um Konstrukte wie den Fuzzy-Konnektor erweitert wurde ([THA02], [Hü03]) jedoch
unterscheiden sie sich von jenen innerhalb von Behandlungsprozessen. Diese werden
auch von Autoren thematisiert, die die Anwendung der Fuzzy-Set-Theorie zur
Beschreibung von Entscheidungen im medizinischen Umfeld thematisierten (vgl. z.B. [Hu97],
[St97], [Re04]). Während die Unschärfe in Unternehmen bei zunehmender Kenntnis der
die Entscheidungssituation bestimmenden Variablen annährend lösbar ist, fehlt diese
Kenntnis bei klinischen Entscheidungen oftmals. Einige Entscheidungen werden von
Ärzten getroffen, ohne dass unmittelbar klar ist, welche Variablen die Entscheidung
maßgeblich beeinflusst haben. Diese nicht-deterministischen (intuitiven) Entscheidungen
können z.B. von persönlichen Einschätzungen eines Arztes abhängen, ohne dass die
Entscheidungsgrundlage selbst vom Arzt expliziert werden kann. Diese Art von
Entscheidungen beschränkt sich nicht nur auf die Arbeit von Ärzten. Auch bei pflegerischen
Aktivitäten konnten, in wesentlich engeren Grenzen als bei Ärzten, unscharfe und
intuitive Entscheidungssituation beobachtet und dokumentiert werden. Ganz anders sieht die
Situation bei Verwaltungstätigkeiten aus, wo für getroffene Entscheidungen meist
entsprechende Vorgaben vorliegen.</p>
      <p>Behandlungsschleifen und die daraus resultierende Anforderung nach einer dedizierten
Abbildung iterativer Prozessabläufe konnte lediglich durch die agentenorientierte EPK –
die xEPK – weitgehend gelöst werden. Die stark von der EPK abweichende Semantik
des xEPK-Ansatzes macht allerdings noch weitere Untersuchungen notwendig.
Prozessschnittstellen lassen sich unter anderem durch die Schnittstellendiagramme der
interorganisationalen Erweiterungen nach KLEIN, KUPSCH und SCHEER [KKS04]
beschreiben, und hinsichtlich verschiedener Schnittstellenarten differenzieren, so dass auch
dieser Bereich zufriedenstellend abgedeckt werden kann.</p>
      <p>Die zweite Anforderungsperspektive, die Abbildung des Prozessobjekts, macht deutlich,
dass sich Patienten in ihrem Zustandsverhalten von den Prozessobjekten in Unternehmen
unterscheiden. Bereits bei der Abbildung von Warte- und Ruhezuständen sowie externer
Zustandsbeeinflussungen des Patienten, welche aufgrund ähnlicher Vorgänge in
Geschäftsprozessen prinzipiell modellierbar sein sollten, stoßen relevante
EPK-Erweiterungen (rEPK und die UML-Erweiterung um State-Chart-Diagramme) an ihre
Grenzen. Gleiches gilt in höherem Maße für die Anforderung 8, welche die Abbildung der
internen Dynamik des Patientenzustands verlangt. Dass sich der Prozessobjektzustand
spontan und initiativ auf eine Art und Weise ändern kann, welche den gesamten weiteren
Prozessablauf beeinflussen kann, ist ein spezielles Phänomen von Behandlungsprozessen
und somit ein Novum für die EPK. So ist bislang noch kein EPK-Konstrukt in der Lage,
die entstehende Interdependenz zwischen Prozessablauf und Prozessobjekt adäquat
wiederzugeben.</p>
      <p>Die dritte Perspektive, die Abbildung von Ressourcen, lässt sich wiederum mit der EPK
vergleichsweise gut abbilden, da vor allem bezüglich einer Beschreibung der
Organisationssicht eine ganze Reihe an Erweiterungen vorgeschlagen wurde.</p>
      <p>Der letzte Bereich, die Abbildung der zeitlichen Perspektive, kann durch die EPK nur
teilweise erfüllt werden. Zwar könnten Uhrzeiten indirekt als Bedingungen zur
Entscheidungsfindung dienen, ohne eine explizite Zeitmodellierung vorzunehmen. Auch die
Definition von Zeitdauern bestimmter Funktionen oder Prozessabschnitte stellt keine
unüberwindbare Herausforderung dar. Doch das spezifische zeitliche Phänomen von
Behandlungsprozessen, die uhrzeitliche Abhängigkeit des Prozessablaufs, lässt sich nur
durch redundante Modellierung aller Prozessabschnitte in Abhängigkeit der jeweiligen
Uhrzeit lösen, was jedoch aufgrund der Kombinationsvielfalt zu komplexen und wenig
handhabbaren Modellen führen kann. Insofern fehlt der EPK hier ein dediziertes
Konstrukt, welches den Einfluss der Uhrzeit auf den Prozessablauf abbilden kann.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>6 Zusammenfassung und Ausblick</title>
      <p>Primäres Ziel der Arbeit war die Überprüfung der Anwendbarkeit der EPK zur
Modellierung von Behandlungsprozessen. Zur Beantwortung dieser Frage wurde, durch die
Analyse empirisch erhobener Daten, ein induktiv-hergeleiteter Anforderungskatalog erstellt.
Dieser Anforderungskatalog ist das erste Ergebnis der vorliegenden Arbeit, und kann,
unabhängig von der im Weiteren diskutierten EPK-Evaluation, als eigenständige
Grundlage für weitere Forschungsbemühungen der Prozessmodellierung im Krankhausumfeld
dienen. Basierend auf diesem Anforderungskatalog wurde die EPK evaluiert, um die
Frage nach ihrer Eignung zur Abbildung von Behandlungsprozessen zu klären.
Bei der Untersuchung wurde deutlich, dass die EPK und die vorgeschlagenen
Erweiterungen den regelbasierten Kontrollfluss und die beteiligten Ressourcen relativ gut
abbilden können. Die EPK eignet sich, wie Eingangs vermutet, für die Beschreibung von
strukturierten Verwaltungstätigkeiten. Um die Ausdrucksmächtigkeit der EPK an
Anforderungen der Krankenhausdomäne anzupassen, existiert jedoch noch
Erweiterungspotential in den folgenden drei Bereichen, um neben Verwaltungstätigkeiten auch pflegerische
und ärztliche Tätigkeiten als integrale Bestandteile eine Behandlungsprozesses adäquat
abbilden zu können:
1.
2.
3.
4.</p>
      <p>die Wiedergabe nicht-regelbasierter und z.T. intuitiver Entscheidungen bei
ärztlichen und z.T. pflegerische Aktivitäten,
die Modellierung der internen Zustandsdynamik des Patienten und dessen
Einfluss auf den Prozessablauf,
die dimensionsübergreifende Abbildung der zeitlichen Perspektive von
Aktivitäten, sowie</p>
      <p>Abbildung unterschiedlicher Iterationsvarianten.</p>
      <p>Diese Defizite stellen Anknüpfungspunkte für weiteren Forschungsbedarf hinsichtlich
der Erweiterung der EPK.</p>
      <p>Die vorgestellten Ergebnisse müssen vor dem Hintergrund der Limitation der
Untersuchung interpretiert werden. Diese liegt in erster Linie in der Subjektivität von
Entscheidungen, die im Rahmen der Evaluation zu treffen waren. Bereits die Erhebung der
empirischen Datenbasis durch Beobachtung, auf der die Anforderungsableitung letztlich
basiert, ist durch die Subjektivität der Methoden der Feldforschung geprägt. Diese
konnte allerdings durch den Informationsaustausch zwischen Studienmitarbeitern und
Klinikpersonal durch Tiefeninterviews, sowie durch die anschließende Validierung der
erhobenen Daten durch die Patientenakten (Dokumentenanalyse) begrenzt werden. Bei der
Auswertung der Daten ließen sich stellenweise auch andere Anforderungen ableiten und
daraus wiederum andere Schlussfolgerungen hinsichtlich der Erweiterung der EPK zur
Modellierungssprache für Behandlungsprozesse ziehen.
1a X
1b X
2a X
2b X
3a1 X
3a2 X
3a3</p>
      <p>X
3b1 O
3b2 O
3b3 O
4 O
5 O
6 O /</p>
      <p>O /
s t
o b
r o
P
.
s
s
e
R
8 O
9 O
11 /</p>
      <p>Varianten Erw. um Konnektoren</p>
      <p>Erw. um sonstige Konstrukte
s n
C e
P zn
E D a</p>
      <p>t
K )KP KP iifedd KP Q 1 RUN zyz iiltsn typ
P E E o E E T R O u u</p>
      <p>r
E ( o M x S E O X F M E e
Tabelle 5: Ergebnisse der empirischen Methodenevaluation</p>
      <p>(für Anforderungen vgl. Tabelle 3)</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
    </sec>
  </body>
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