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    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Ähnlichkeitsbasiertes Retrieval von BPMN-2.0-Modellen</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Maximilian Pfister</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Florian Fuchs und Ralph Bergmann</string-name>
          <email>bergmann@uni-trier.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Universität Trier, Wirtschaftsinformatik II</institution>
          ,
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          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
      </contrib-group>
      <abstract>
        <p>Zusammenfassung. Business Process Model and Notation (BPMN) 2.0 gilt als einer der vielversprechendsten Standards zur Prozessmodellierung, jedoch ist die Modellierung auch für Experten mit großem Aufwand verbunden, sodass heute versucht wird, die Modellierung durch Wiederverwendung von Prozessmodellen zu unterstützen. Hierzu werden Repositories von qualitativ hochwertigen Geschäftsprozessmodellen aufgebaut, aus denen wiederverwendbare Modelle ausgewählt werden können. In dieser Arbeit wird ein Ansatz aus dem prozessorientierten Fallbasierten Schließen für das ähnlichkeitsbasierte Retrieval von BPMN-2.0-Modellen erweitert und empirisch erprobt. Anhand eines existierenden BPMN-Repositories wird überprüft, welchen Mehrwert hierbei die Einbeziehung der Semantik in die Ähnlichkeitsberechnung gegenüber einer rein lexikalischen Bewertung erbringt.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>
        Modellierung und Analyse von Geschäftsprozessen sind wichtige Aufgaben für
moderne Unternehmen. Es existieren heute verschiedene Notationen zur
Prozessmodellierung. Nach Allweyer [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ] unterscheidet man folgende Standards: XPDL (XML Process
Definition Language) und BPEL (Business Process Execution Language) sind
Prozessausführungssprachen, die hauptsächlich zur Definition von automatisierten Prozessen
genutzt werden. EPC (Event-driven Process Chain) ist eine Notation mit einem
stärkeren Fokus auf Geschäftsprozessmodellierung. Diese Notation ist jedoch kein offener
Standard. Bei der Business Process Model and Notation (BPMN) steht die
Modellierung und Visualisierung von Geschäftsprozessen im Vordergrund. “Die Notation wird
sowohl für fachliche Prozessmodelle [(Geschäftsprozesse), Anm. d. Verf.] verwendet
als auch für detaillierte Ablaufspezifikationen [(Workflows), Anm. d. Verf.], die durch
Process Engines ausgeführt werden” [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ].
      </p>
      <p>
        BPMN hat in der aktuellen Version 2.0 eine weitere Verbreitung erfahren, was
dazu geführt hat, dass umfangreichere Prozessrepositorien in diesem Format entstehen
[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11">11</xref>
        ]. Die Wiederverwendung von Prozessmodellen stellt eine vielversprechende
Möglichkeit dar, um die Produktivität von Prozessgestaltern zu steigern, den
Designprozess zu beschleunigen und Redundanzen in Prozessdatenbanken zu vermeiden [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10">10</xref>
        ]. Um
ein Retrieval von gespeicherten Geschäftsprozessen zu ermöglichen, ist es notwendig,
Ähnlichkeitsmerkmale für Prozesse zu definieren, um diese vergleichbar zu machen.
Idealerweise wird das Prozessmodell aus dem Repositorium ausgesucht, das die
Anforderungen der aktuellen Suchanfrage am besten erfüllt, sodass anschließend nur noch
wenige Anpassungen vorgenommen werden müssen, um ein geeignetes Prozessmodell
zu erhalten. Es werden neue Methoden zur Ähnlichkeitsberechnung und zum
Retrieval von Prozessmodellen benötigt [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
        ], um Experten dahingehend zu unterstützen, dass
sie nicht nur strukturell, sondern auch semantisch verwandte Prozesse finden können.
Prozessorientiertes Fallbasiertes Schließen stellt einen Ansatz dar, um die
Wiederverwendung von Prozessmodellen zu ermöglichen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref14">14</xref>
        ].
      </p>
      <p>
        Fallbasiertes Schließen (Case-based Reasoning, CBR) [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1 ref15 ref6">1,6,15</xref>
        ] ist eine Technik, die
erfahrungsbasiertes Problemlösen unterstützt. Neue Probleme werden dadurch gelöst,
dass die Lösungen ähnlicher Probleme aus einer Fallbasis abgerufen und angepasst
werden. Prozessorientiertes Fallbasiertes Schließen (Process-oriented Case-based
Reasoning, POCBR) befasst sich mit der Verbindung von CBR mit prozessorientierten
Informationssystemen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref14">14</xref>
        ]. POCBR ermöglicht die Erstellung neuer Prozessmodelle durch
Auswahl (Retrieval) von bestehenden, zu einer Anfrage ähnlichen, Prozessmodellen aus
der Fallbasis (Repository). Hierbei geht man davon aus, dass als Anfrage bereits ein
partielles Prozessmodell erstellt wurde, das einige wichtige Bestandteile enthält, aber noch
nicht vollständig alle notwendigen Prozesselemente zu einem konsistenten
Prozessmodell verbindet. Bergmann und Gil [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ] haben einen Ansatz zum ähnlichkeitsbasierten
Retrieval für das POCBR entwickelt, der auf blockorientierten und datenflussbasierten
Workflows basiert. Dieses Paper hat zum Ziel, diesen Ansatz auf BPMN 2.0 zu
übertragen und dadurch auszuweiten. Hierzu ist es notwendig, sowohl die BPMN-Elemente
als auch die Charakteristik von BPMN als graphenorientierte Modellierungssprache bei
der Ähnlichkeitsberechnung zu berücksichtigen. Die Ähnlichkeitsberechnung für
Prozessmodelle erfordert darüber hinaus ein lokales Ähnlichkeitsmaß zum Vergleich von
Knoten und Kantenlabels der Prozessmodelle. Dies ist für bestehende BPMN-Modelle
schwierig, da diese Labels überwiegend aus Freitexten bestehen. Ein sorgfältig
modelliertes Ähnlichkeitsmaß ist entscheidend für eine gute Retrievalqualität, jedoch ist
dessen Entwicklung mit großem Aufwand verbunden. In dieser Arbeit werden daher die
Ergebnisse eines einfachen lexikalischen Ähnlichkeitsmaßes mit denen eines
semantischen Ähnlichkeitsmaßes im Rahmen einer empirischen Untersuchung verglichen.
2
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Block- vs. graphenorientierte Prozessmodelle</title>
      <p>
        Blockorientierte Modellierungssprachen definieren den Kontrollfluss über strukturierte
Aktivitäten, durch deren Verschachtelung komplexe Abläufe mit Sequenzen,
Alternativen und Schleifen erstellt werden können [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">12</xref>
        ]. Ein Beispiel für blockorientierte
Modellierungssprachen ist BPEL [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">12</xref>
        ]. Graphenorientierte Modellierungssprachen wie BPMN
definieren den Kontrollfluss über Kanten, die die zeitlichen und logischen
Abhängigkeiten zwischen Knoten repräsentieren [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">12</xref>
        ]. Knoten können Start- und Endzustände
sowie Aktivitäten oder Konnektoren sein. Konnektoren lassen sich wiederum in AND,
OR und XOR unterteilen, welche den Kontrollfluss verzweigen (SPLIT) oder vereinigen
(JOIN) können. Graphenorientierte Modellierungssprachen gelten als ausdrucksstärker
als blockorientierte, da sie Abfolgen von Aktivitäten durch die Verkettung von Knoten
mit gerichteten Kanten darstellen können [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref13">13</xref>
        ]. Dies ermöglicht beispielsweise die
Kon
      </p>
      <p>
        Abb. 1. BPMN-Prozessmodell aus der BPMAI
struktion von zyklischen Kantenfolgen mit mehreren Ein- und Ausstiegspunkten, was
in blockorientierten Sprachen nicht realisierbar ist [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">12</xref>
        ]. Abbildung 1 zeigt ein
BPMNProzessmodell aus der BPM Academic Initiative (BPMAI) [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11">11</xref>
        ]. Das Prozessmodell
beschreibt einen Exportvorgang im Güterverkehr. Das Beispiel zeigt die Steuerung des
Kontrollflusses über die Kanten des Prozessmodells (“inpsection required” und
“inspection not required”). BPMN besitzt verschiedene grafische Elemente, welche sich in
Flow Objects, Connecting Objects, Pools/Swimlanes und Artifacts unterteilen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ]. Flow
Objects sind die Knoten des Prozessmodells; dazu zählen Aktivitäten, Konnektoren und
Ereignisse. Aktivitäten werden als Rechteck dargestellt und beschreiben die Aufgaben
eines Geschäftsprozesses. Konnektoren werden als ein auf der Spitze stehendes
Quadrat dargestellt. Ereignisse (wie z. B. Start des Exportprozesses) haben unterschiedliche
Symbole und werden kreisförmig dargestellt. Da das Konzept von Bergmann und Gil
[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ] ebenfalls graphenbasiert ist und somit die Definition von Knoten und Kanten
unterstützt, lässt sich die grundlegende Struktur von BPMN Diagrammen ohne Probleme
abbilden.
3
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Repräsentation von BPMN-Modellen als Prozessgraphen</title>
      <p>
        Wir beschreiben nun eine graphbasierte Repräsentation von BPMN-Modellen, die sich
am Konzept von Bergmann und Gil [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ] orientiert, jedoch einige BPMN 2.0-spezifische
Erweiterungen hinzufügt. Ein Geschäftsprozess wird als semantisch annotierter
gerichteter Graph dargestellt. Ein solcher semantischer Prozessgraph W ist ein Quadrupel
W = (N; E; S; T ), bei dem N die Knoten und E N N die Kanten des
Prozessmodells repräsentieren. S : N [ E ! assoziiert zu jedem Knoten und jeder Kante eine
semantische Beschreibung aus einer semantischen Metadatensprache . Die
Verwendung einer bestimmten Sprache für ist nicht festgelegt; einzige Bedingung ist, dass
ein Ähnlichkeitsmaß für diese Sprache erstellt werden kann. In dieser Arbeit wird für
eine Taxonomie der Knoten und Kantenbeschreibungen verwendet. T : N [ E !
weist jedem Knoten und jeder Kante einen der folgenden Typen aus zu:
Jeder Prozess besitzt genau einen Prozessknoten. Dieser enthält allgemeine
Informationen, die den gesamten Prozess betreffen, wie z. B. eine semantische
Beschreibung in Form von Tags, einer Einordnung in eine Ontologie oder Kennzahlen zur
Performance, Qualität und Zuverlässigkeit des Prozessmodells.
      </p>
      <p>Jede Aufgabe eines Prozesses wird durch einen Aufgabenknoten repräsentiert,
dessen Aufgabe durch die semantische Beschreibung näher spezifiziert wird. Der
Aufgabenknoten bietet außerdem die Möglichkeit, einen Adressaten zur Ausführung
der Aufgabe festzulegen. Dies ist eine Übertragung der Rollenverteilung, die in
BPMN üblicherweise über Pools und Lanes realisiert wird.</p>
      <p>Datenobjekte werden durch Datenknoten repräsentiert. Die semantische
Beschreibung dieser Knoten dient der Klassifizierung, z. B. durch eine
Datentypenontologie. Datenmodellierung steht jedoch nicht im Mittelpunkt von BPMN 2.0, was
sich auch an der überschaubaren Anzahl von Datenobjekten (einfaches
Datenobjekt, Datenlistenobjekt, Dateninput, Datenoutput, Datenspeicher) zeigt. Außerdem
werden die Zuordnung von Verantwortlichkeiten repräsentiert, um Pools und Lanes
zu berücksichtigen.</p>
      <p>Kontrollflussobjekte, wie zum Beispiel das XOR-Gateway oder das Parallele
Gateway, werden durch Kontrollflussknoten repräsentiert.</p>
      <p>Zusätzlich sind folgende Kantentypen möglich:
Der Prozess-Knoten ist mit jedem anderen Knoten mit einer Part-Of-Kante
verbunden. Die semantische Beschreibung einer solchen Kante beschreibt die Rolle des
betreffenden Knotens im Prozessmodell.</p>
      <p>Der Kontrollfluss zwischen Aufgabenobjekten wird durch Kontrollflusskanten
repräsentiert. Kontrollflusskanten verbinden entweder zwei Aufgabenknoten oder einen
Aufgabenknoten mit einem Kontrollflussknoten. Kontrollflusskanten legen die
Reihenfolge fest, in der Knoten ausgeführt werden. Der Startknoten einer Kante muss
immer vor dem Endknoten der Kante ausgeführt werden.</p>
      <p>Der Datenfluss zwischen Aufgaben- und Datenobjekten wird durch
Datenflusskanten repräsentiert. In BPMN 2.0 existieren verschiedene Elemente, um Datenfluss zu
modellieren, wie zum Beispiel gerichtete und beidseitige Assoziation oder
Nachrichtenfluss. Die semantische Beschreibung der Kante legt fest, um welches
Element es sich handelt. Für gerichtete Datenflusselemente gilt: Ist der Startknoten der
Kante ein Datenknoten und der Endknoten ein Aufgabenknoten, liegt ein lesender
Zugriff vor, im umgekehrten Fall ist es ein schreibender Zugriff.</p>
      <p>Abbildung 2 zeigt das Prozessmodell aus dem vorherigen Abschnitt, dargestellt als
Prozessmodellgraph. Aufgabenknoten sind eckig dargestellt, Kontrollflussknoten haben
eine ovale Form, n1 ist der Prozess-Knoten.</p>
      <p>Abb. 2. Beispielhafter Prozessgraph</p>
      <p>Ähnlichkeit von BPMN-Modellen
Eine Fallbasis (Repository), der Kern eines POCBR-Ansatzes, entspricht einer Menge
von Prozessmodellgraphen CB = fCW1; :::; CWng, die dieselbe semantische
Metadatensprache besitzen. Auch eine Anfrage ist ein solcher Prozessmodellgraph, der
aber nicht vollständig spezifiziert sein muss, d. h. es können nur einige Aktivitäten oder
Datenknoten angegeben werden; auch die Verknüpfung dieser Kanten muss nicht
vollständig sein oder kann auch ganz fehlen. Aufgabe des Retrievals im POCBR ist es nun,
die ähnlichsten Prozessmodellgraphen zur Anfrage zu finden.</p>
      <p>
        Um die Ähnlichkeit eines Prozesses aus der Fallbasis (Case) CW = (Nc; Ec; Sc; Tc)
zu einer Anfrage (Query) QW = (Nq; Eq; Sq; Tq) beurteilen zu können, müssen
sowohl die einzelnen Prozesselemente als auch die Verknüpfungsstruktur berücksichtigt
werden. Wir verwenden in dieser Arbeit das Ähnlichkeitsmodell von Bergmann und
Gil [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ], das eine Erweiterung des Lokal/Global-Ansatzes für strukturelles CBR [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6 ref8">8,6</xref>
        ]
darstellt. Das lokale Ähnlichkeitsmaß bestimmt die Ähnlichkeit zwischen zwei Knoten
oder Kanten. Die globale Ähnlichkeit wird durch eine Aggregationsfunktion berechnet,
die die lokalen Ähnlichkeitswerte unter Berücksichtigung eines geeigneten Mappings
zwischen Query und Prozessmodell zusammenfasst.
      </p>
      <p>
        In dieser Arbeit werden zwei Ansätze zur Berechnung der lokalen
Ähnlichkeiten verglichen. Zum einen wird eine lexikalische Ähnlichkeitsfunktion auf Basis der
Levenshtein-Distanz der Knoten- und Kantenbeschreibungen verwendet und zum
anderen kommt die semantische Ähnlichkeitsfunktion, basierend auf den semantischen
Beschreibungen der Knoten und Kanten, zum Einsatz. Die lexikalische Ähnlichkeit ist
domänenunabhängig, wohingegen die semantische Ähnlichkeit für den jeweiligen
Gegenstandsbereich spezifisch modelliert werden muss. In dieser Arbeit wird für die Knoten
und Kanten jeweils eine Taxonomie der Knoten- und Kantenbeschreibungen
(Ontologie) genutzt, die händisch für den untersuchten Teilbereich des Repositories modelliert
wurden. Abbildung 3 zeigt einen Teilausschnitt der Knotentaxonomie. Die Ähnlichkeit
basiert nun wie folgt auf dieser Taxonomie: Die Ähnlichkeit zweier Beschreibungen
hat den Wert 1, wenn diese identisch sind; ansonsten wird die Ähnlichkeit dadurch
bestimmt, dass der gemeinsame Oberknoten in der Taxonomie ermittelt wird. Dieser wird
mit einem festen Ähnlichkeitswert annotiert, der diese Ähnlichkeit auf einfache
Weise repräsentiert (z. B. sim(“start investigation”,“x-ray inspection”) = 0:8, siehe [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ]).
Liegen zwei Knoten unterschiedlichen Typs vor, so ist die Ähnlichkeit grundsätzlich 0.
      </p>
      <p>Bei der Berechnung der Kantenähnlichkeit werden nicht nur die semantischen
Beschreibung der betrachteten Kanten berücksichtigt, sondern auch die Ähnlichkeit der
Knoten, die diese verbinden. Zwei Kontrollflusskanten sollten nur ähnlich sein, wenn
diese auch ähnliche Aufgabenknoten als Start- und Endknoten verbinden. Die
Funktion FE (Se; Sl; Sr) ist eine Aggregationsfunktion, die die semantische Ähnlichkeit
der Kanten Se sowie der Startknoten Sl und Endknoten Sr zu einem
Ähnlichkeitswert zusammenfasst. Für FE wird folgende Funktion verwendet: FE (Se; Sl; Sr) =
Se 0; 5 (Sl + Sr). Die Kantenähnlichkeit und die Ähnlichkeiten der verbundenen
Knoten gehen also jeweils zur Hälfte in die Berechnung der aggregierten
Kantenähnlichkeit ein.</p>
      <p>
        Die Grundlage der Ähnlichkeitsberechnung zwischen einer Query QW und einem
Prozessmodell CW bildet ein zulässiges Mapping m [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ]. Ein zulässiges Mapping ist
      </p>
      <p>
        Abb. 3. Teilausschnitt der Import/Export-Taxonomie
eine typerhaltende, partielle Abbildung m : Nq [ Eq ! Nc [ Ec. Ein solches Mapping
muss die Bedingungen erfüllen, dass ein Knoten oder eine Kante aus QW jeweils nur
auf einen Knoten oder eine Kante aus CW abgebildet wird. Außerdem können Kanten
nur zugewiesen werden, wenn die von der Kante verbundenen Knoten auch
entsprechend als Start- und Zielknoten der Zielkante zugewiesen wurden. Für ein gegebenes
Mapping können somit die Elemente der Query auf die Elemente im Prozessmodell
abgebildet werden, so dass nun eine Ähnlichkeitsberechnung der zugeordneten Elemente
möglich ist. Die resultierenden lokalen Ähnlichkeitswerte können dann zur
Gesamtähnlichkeit aggregiert werden. Um die Ähnlichkeit zu bestimmen, ist somit die Kenntnis
eines Mappings erforderlich. Diese kann gemäß des von Bergmann und Gil [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ]
beschriebenen heuristischen Suchverfahrens so bestimmt werden, dass die resultierende
Ähnlichkeit maximiert wird.
5
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Empirische Evaluation</title>
      <p>
        Ziel der Evaluation ist es herauszufinden, ob das Ranking von Prozessmodellen durch
die beschriebene Ähnlichkeitsberechnung vergleichbare Ergebnisse liefert, wie das
Ranking von Experten. Des Weiteren werden die Ergebnisse des semantischen
Ähnlichkeitsmaßes mit denen des lexikalischen Ähnlichkeitsmaßes verglichen. Zur Erstellung
der Fallbasis wurden die Prozessmodelldatenbanken der BPMAI [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11">11</xref>
        ] analysiert. Um
eine einheitliche Fallbasis von hoher Qualität zu erreichen wurden nur
Prozessmodelle betrachtet, die eine detaillierte Knotenbeschreibung in englischer Sprache
beinhalten und vollständig sind (Start- und Endpunkt sind vorhanden, es gibt keine offenen
Abzweigungen). Eine detaillierte Beschreibung der Aktivitätsknoten ist von großer
Bedeutung, da die Ähnlichkeitsberechnung auf diesen aufbaut. Die gefundenen
Prozessmodelle wurden nach Domänen gruppiert. Die Fallbasis besteht aus den ausgewählten
Domänen Import/Export, Abrechnungen und Bestellprozesse, wobei jede Domäne
1520 Prozessmodelle enthält.
      </p>
      <p>
        Zu jeder Domäne wurden fünf plausible Suchanfragen händisch formuliert. Die
Anfragen sind meist kleine, leicht abgeänderte Teilabschnitte der Prozessmodelle aus der
Fallbasis. Zu jeder dieser Anfragen wurden von Experten (Studierende der
Wirtschaftsinformatik) die fünf ähnlichsten Prozessmodelle aus der Fallbasis ausgesucht und nach
Ähnlichkeit sortiert. Die Ranglisten der Experten wurden mit den Ergebnissen der
Ähnlichkeitsberechnungen verglichen. Die Bewertung der Ähnlichkeit erfolgt mit Hilfe der
Evaluationskriterien Korrektheit und Vollständigkeit nach der Ranglistenberechnung
von Cheng et al. [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref9">9</xref>
        ]. Der Wert für die Korrektheit liegt im Intervall [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">-1,1</xref>
        ]. Sofern beide
Ranglisten übereinstimmen, ist der Wert 1. Wenn beide Ranglisten gegensätzlich sind,
liegt der Wert bei -1. Der Wert für die Vollständigkeit bewegt sich im Intervall [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">0,1</xref>
        ]
und gibt an, wie viele Ordnungen des Expertenrankings durch das Ähnlichkeitsmaß
ebenfalls geordnet wurden. Die Tabelle 1 zeigt die Ergebnisse der Evaluation für die
ausgewählten Domänen. Die dargestellten Ergebnisse für Korrektheit und
Vollständigkeit sind jeweils das arithmetische Mittel aus den Einzelergebnissen der fünf Anfragen
pro Domäne.
      </p>
      <p>Import/Export Bestellungen Abrechnungen
Ähnlichkeitsmaß Korr.</p>
      <p>Voll.</p>
      <p>Korr. Voll. Korr.</p>
      <p>Voll.
lexikalisch
semantisch</p>
      <p>Die Korrektheit des semantischen Ähnlichkeitsmaßes liegt in allen Domänen über
dem des lexikalischen Maßes, am deutlichsten in der Domäne Abrechnungen, in der das
lexikalische Ähnlichkeitsmaß mit einem Wert von 0.351 kaum zu brauchbaren
Ergebnissen führt. Die Vollständigkeit ist hingegen beim lexikalischen Ähnlichkeitsmaß in
allen Domänen maximal, was darin begründet ist, dass aus dem Levenshtein-Vergleich
von zwei Knotenlabels sehr differenzierte Ähnlichkeitswerte resultieren, wohingegen
beim semantischen Ähnlichkeitsmaß nur die in der Taxonomie hinterlegten
Ähnlichkeitswerte vorkommen. Somit bewertet das lexikalische Maß nur selten zwei
Prozessmodelle in der Fallbasis mit der gleichen Ähnlichkeit, sodass grundsätzlich zwischen
allen Fällen eine Ordnungsrelation besteht. Auch wenn diese nicht korrekt ist, führt dies
zu einer Vollständigkeit von 1. Beim semantischen Ähnlichkeitsmaß kommt es
hingegen vor, dass zwei Prozessmodelle als gleich ähnlich eingestuft werden, obwohl
Experten dies nicht so bewerten. Ein stärker differenzierendes semantisches Ähnlichkeitsmaß
könnte die Ergebnisse für die Vollständigkeit verbessern. Insgesamt ist zur
Einschätzung des praktischen Nutzens aber die Korrektheit ein wichtigeres Kriterium als die
Vollständigkeit. Bei Verwendung des semantischen Ähnlichkeitsmaßes wird daher eine
deutlich bessere Übereinstimmung mit der Einschätzung der Experten erzielt.
6</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Fazit und Ausblick</title>
      <p>Diese Arbeit setzt an der aktuellen Problemstellung an, Prozessdatenbanken mittels
Anfragen nach ähnlichen Prozessmodellen zu durchsuchen, um die Modellierung von
neuen Prozessmodellen zu erleichtern. Der vorgestellte Ansatz auf Basis von
prozessorientiertem Fallbasierten Schließen eignet sich zur Ähnlichkeitsberechnung und zum
Retrieval von Prozessmodellen im BPMN-2.0-Format. Die Einbeziehung der Semantik
von Prozessmodellen hat sich als gute Möglichkeit erwiesen, um die
Retrievalqualität des Systems gegenüber einer rein syntaktischen Auswertung zu steigern. Dies wird
jedoch erkauft durch den höheren Aufwand zur Modellierung der Ähnlichkeitsmaße
mittels Taxonomien. Die manuelle Erstellung von Taxonomien könnte sich bei großen
Repositorien auf Grund des Modellierungsaufwands als impraktikabel erweisen. Als
Ansatzpunkt für weitere Forschungsarbeiten bietet es sich daher an, alternative
Verfahren zu untersuchen, die keine manuelle Modellierung erfordern, um die semantischen
Ähnlichkeiten zwischen Labels in Prozessmodellen zu bestimmen. Es könnte
beispielsweise ein semantisches Vektorraummodell zur Ähnlichkeitsberechnung genutzt
werden, das zusätzlich durch Fachtexte domänenspezifisch angereichert werden könnte.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literatur</title>
    </sec>
  </body>
  <back>
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