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        <article-title>Mobile Sensing zur Hochwasservorhersage in kleinen Einzugsgebieten</article-title>
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          <string-name>Simon Burkard</string-name>
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          <string-name>HTW Berlin</string-name>
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          <string-name>s.burkard@htw-berlin.de Frank Fuchs-Kittowski</string-name>
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          <string-name>BAH Berlin</string-name>
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          <string-name>bernd.pfuetzner@bah-berlin.de Ruben Müller</string-name>
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          <string-name>ruben.mueller@bah-berlin.de</string-name>
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        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Im Rahmen des Hochwasserrisikomanagements sind daher verlässliche und frühzeitige Vorhersageund Frühwarnsysteme von großer Bedeutung, um zielgerichtete Schutzmaßnahmen zu ermöglichen. Als Entscheidungsgrundlage für 20</institution>
        </aff>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2015</year>
      </pub-date>
      <fpage>20</fpage>
      <lpage>38</lpage>
      <abstract>
        <p>For small drainage basins flood forecasting is particularly difficult and uncertain. By incorporating additional information that are captured and collected by volunteers with help of their smartphones (Volunteered Geographic Information, VGI), flood forecasting systems can be improved and forecast uncertainties can be minimized. This paper presents and discusses different concepts and methods for measuring relevant hydrological parameters with mobile smartphone sensors. In this context, the focus is on describing various image-based approaches for water gauge measurements.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
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    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>Maßnahmen des Katastrophenschutzes dienen dabei hydrologische und hydraulische
Prognosemodelle. Darauf basierende Hochwasservorhersagen sind allerdings meist
unsicher und fehlerbehaftet. Gründe dafür sind Modellunschärfen, unsichere
Niederschlagsvorhersagen sowie zeitlich und räumlich ungenügend vorhandene
hydrologische Eingangsgrößen. Insbesondere für kleine Gewässer sind Vorhersagen
schwierig, da oftmals eine sehr schnelle Gebietsreaktion erfolgt und daher nur sehr
geringe Vorwarnzeiten verbleiben.</p>
      <p>Durch zusätzliche Informationen, beispielsweise zusätzliche Wasserstandmessungen
entlang des Flusses, können diese wichtigen Datensätze erweitert und die
Prognosemodelle aktualisiert werden, um somit die Vorhersageunsicherheiten zu
verringern. Mobiles Crowdsourcing – die Erfassung von Daten durch Freiwillige mittels
ihrer eigenen mobilen Endgeräte (Smartphones, Tablets etc.) - scheint ein geeignetes
Mittel zu sein, um solche zusätzlichen Eingangsdaten zu sammeln [Fuchs-Kittowski et
al., 2015]. Oftmals werden die ortsbezogenen Daten, die Bürger freiwillig mittels ihrer
eigenen, privaten mobilen Endgeräten und der darin eingebauten Sensoren sammeln
und zur weiteren Nutzung bereitstellen, als VGI-Daten (Volunteered Geographic
Information) bezeichnet [Goodchild, 2007]. Das Erfassen dieser Daten durch
Freiwillige wäre dabei nicht mit Zusatzkosten verbunden, eine kostenintensive
Installation stationärer automatischer Messgeräte entfällt. Zur Messdurchführung
können Freiwillige proaktiv koordiniert und beauftragt werden (Mobile Tasking), um an
relevanten Messstandorten Daten aufzunehmen und zu übermitteln (Mobile Sensing).
Auf diese Weise kann eine räumliche und zeitliche Verdichtung von
Eingangsinformationen erfolgen, mit dem Potenzial, die Modellprognosen zu
verbessern und den verantwortlichen Behörden somit eine fundierte
Entscheidungsgrundlage für Hochwasserschutzmaßnahmen zu liefern. Gleichzeitig
werden durch die Einbeziehung der Bevölkerung in die Datenerhebung die Bürger
verstärkt für Hochwassergefahren sensibilisiert und können aktiv dazu beitragen, die
Hochwasservorhersage zu verbessern. Ämter und Einsatzzentralen können entlastet
werden.</p>
      <p>In diesem Beitrag sollen Methoden zur Messung des Wasserstandes unter Nutzung
der in Smartphones integrierten Sensoren (Mobile Sensing) und deren Einbettung in
ein Hochwasserprognosesystem zur Unterstützung des Hochwassermanagements in
kleinen Einzugsgebieten auf Basis mobiler VGI-Daten präsentiert werden.
Der Beitrag ist wie folgt strukturiert: Nach einem kurzen Überblick über den aktuellen
Stand der Wissenschaft und Technik (Kapitel 2) wird die konzeptionelle Architektur
einer solchen VGI-basierten Hochwassermanagementplattform skizziert und die
beteiligten Funktionskomponenten beschrieben (Kapitel 3). Die Komponente zur
mobilen Datenerfassung (Mobile Sensing) wird danach detaillierter präsentiert.
Insbesondere verschiedene Methoden zur Messung des Wasserstandes unter
Nutzung der in Smartphones integrierten Sensoren werden dabei vorgestellt (Kapitel
4). Eine abschließende Zusammenfassung bietet einen Ausblick auf künftige
Entwicklungen im Rahmen der vorgestellten Plattform (Kapitel 5).</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>2 Stand der Forschung und Technik</title>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>2.1 Mobiles Crowdsourcing und VGI im Katastrophenschutz</title>
      <p>Beim mobilen Crowdsourcing werden mobile Endgeräte für die Sammlung von Daten
sowie die Koordination der an der Datensammlung freiwillig Beteiligten eingesetzt. Die
Kernidee beim mobilen Crowdsourcing ist, dass normale Bürger befähigt werden,
Daten über sich und die sie umgebende Umwelt mit ihren eigenen mobilen Endgeräten
zu sammeln und zu teilen. Die Beteiligten tragen die Daten freiwillig, zu ihrem eigenen
Nutzen oder zum Nutzer einer Gemeinschaft (Community) bei. Dabei wird keine
aufgabenspezifische Spezialhardware verwendet, sondern normale, für den
Massenmarkt verfügbare mobile Endgeräte, wie Smartphones und Tablets. Oft handelt es sich
um orts- oder raumbezogene, häufig auch zeitbezogene Messwerte, Daten oder
Informationen [Fuchs-Kittowski, 2014].</p>
      <p>
        Eng verwandt mit dem Begriff des Mobilen Crowdsourcing sind Konzepte wie
Volunteered Geographic Information (VGI [Goodchild 2007]), Public Participatory GIS
(PPGIS [Sieber, 2006]) und Participatory Sensing
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(PS [Burke et al., 2006])</xref>
        . Allen
Konzepten gemeinsam ist der freiwillige und gemeinschaftliche Charakter des
Datenerfassungs- und Datenteilungsprozesses.
      </p>
      <p>Es sind bereits viele unterschiedliche mobile Crowdsourcing-Anwendungen bekannt,
insb. im Natur-, Umwelt- und Katastrophenschutz. Im Katastrophenschutz kann
mobiles Crowdsourcing effektiv unterstützend während und nach einer Katastrophe
eingesetzt werden. Beispielsweise können während einer Katastrophe die Bewohner sowie
Rettungs- und Einsatzkräfte in einem Katastrophengebiet Informationen über die
aktuelle Lage sammeln, so dass Hilfs- und Rettungskräfte gezielter eingesetzt werden
können. Nach einer Natur-Katastrophe (wie Hochwasser, Sturm, Starkregen) ist bspw.
das Finden, Dokumentieren und Bewerten von Schäden (wie umgeknickte Bäume,
überflutete Wege oder umgeknickte Strommasten) eine wichtige Aufgabe, um die
begrenzten Ressourcen gezielter und schneller für die Reparatur und
Schadensbehebung einsetzen zu können, sowie die tatsächlich aufgetretenen Schäden aktueller und
umfassender auswerten zu können [Abecker et al., 2012].</p>
      <p>Mobile Crowdsourcing-Anwendungen wurden bereits mehrfach erfolgreich in
Katastrophensituationen eingesetzt, in denen allerdings die Genauigkeit und Qualität der
Informationen von untergeordneter Bedeutung war. VGI-Daten kamen so beispielsweise
bei Flutkatastrophen und Überschwemmungen zum Einsatz [Chen et al., 2012; De
Longueville et al., 2010; Poser et al., 2010], bei Flächenbränden [Goodchild et al.,
2010], Erdbeben [Yates et al., 2011] oder auch bei schweren Stürmen [Huang et al.,
2010]. In dem in Kapitel 3 präsentierten System sollen VGI-Daten unter anderem zur
Aktualisierung und Validierung von Prognosemodellen eingesetzt werden. Ein
stärkerer Fokus liegt daher hier auf der Genauigkeit und Qualität der erhobenen Daten
mittels Methoden der mobilen Datenerfassung.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>2.2 Durchflussmessung und Mobile Sensing zur Hochwasservorhersage</title>
      <p>Zum Zweck der Hochwasservorhersage sind insbesondere hydrologische Daten von
Bedeutung, welche zur Messung des Durchflusses genutzt werden können.
Durchflussmessungen sind in der Hydrometrie meist indirekt und basieren bei bekanntem
Flussquerschnittsprofil auf Messungen der Fließgeschwindigkeit und des
Wasserstandes [Herschy, 2008]. Ansätze zur automatischen Messung von Durchflüssen anhand
von Bildaufnahmen existieren bereits. Diese basieren beispielsweise auf
Fernerkundungsmethoden, mit welchen mittels Luftaufnahmen der Wasserstand in einem
Gewässer abgeschätzt werden kann [Smith et al., 2008]. Ein weiteres Beispiel ist die
Nutzung von fest installierten Kameras zur bildbasierten Messung des Wasserstandes
anhand von Markern oder Lattenpegeln [Iwahashi et al., 2006; Kim et al., 2014; Lo et
al., 2015; Royem et al., 2012]. Auch der Versuch, den aktuellen Wasserstand an
analogen Lattenpegeln durch Passanten manuell ablesen zu lassen, wurde erfolgreich
getestet [Lowry et al., 2013]. Der Wasserstand wird dabei per SMS zur Auswertung an
Datenserver gesendet.</p>
      <p>Die Erfassung der Daten durch die Nutzer muss nicht zwangsläufig über die manuelle
Eingabe der Daten in das mobile Endgerät erfolgen, z.B. in ein Formular, sondern ist
auch automatisiert über in das Gerät bereits eingebaute Sensoren möglich. Für die
Erfassung und Erzeugung von Daten durch die Nutzer mit den in ihren eigenen
mobilen Geräten eingebauten oder verbundenen Sensoren hat sich der Begriff „Mobiles
Sensing“ etabliert [Fuchs-Kittowski, 2014].</p>
      <p>Eine mobile Sensing-Anwendung speziell zur automatischen bildbasierten
Pegelüberwachung wurde von [KISTERS, 2014] entwickelt. Zur robusten Messung erfordert
diese allerdings spezielle Pegellatten sowie ideale sonstige Rahmenbedingungen
(ausreichend Helligkeit, geringe Entfernung zur Pegellatte).</p>
      <p>Die sensorbasierte Bestimmung von Wasserstandlinien mittels mobiler Geräte kann
durch die Kenntnis der genauen eigenen Position im 3D-Raum erleichtert werden.
Daher sind auch Forschungsbereiche der Mobile Augmented Reality und des mobilen 3D
Tracking zur Positionsbestimmung von Interesse. Diese Forschungszweige sind noch
relativ neu, allerdings existieren bereits mehrere Ansätze und Technologien zur
bildbasierten Schätzung der eigenen Position im 3D Raum, welche hinsichtlich
Genauigkeit die Lokalisierung mittels GPS-Signal übertreffen [Amin et al., 2015]. Existierende
Anwendungen, die solche Technologien zur VGI-basierten Bestimmung
hydrologischer Daten einsetzen, sind aktuell nicht bekannt.</p>
      <p>Während es zahlreiche mobile Anwendungen für die Information über Wasserstände
an Gewässern gibt (z.B. Pegel1, Pegelstand2, Pegel-Online3, Pegelstände4, Meine
Pegel5), existieren nur sehr wenige mobile Apps für die Erfassung der Pegelstände durch
seine Nutzer. Bspw. wurden im Forschungsprojekt MAGUN mobile Anwendungen für
die Erfassung aktueller Wasserstände und historischer Hochwassermarken entwickelt
[Fuchs-Kittowski et al., 2012], welche aber nicht flächendeckend eingesetzt werden.
1 https://play.google.com/store/apps/details?id=de.posts.Pegel   
2 https://play.google.com/store/apps/details?id=info.pegelstand.pegelstandnoebasic 
3 https://play.google.com/store/apps/details?id=org.cirrus.mobi.pegel 
4 https://play.google.com/store/apps/details?id=com.lifestream_creations.pegelmelder 
5 https://play.google.com/store/apps/details?id=de.hochwasserzentralen.app&amp;hl=de </p>
      <p>24
Das Projekt WeSenseIt hat sich zum Ziel gesetzt, eine vollständige Plattform zur
bürgerbasierten Dokumentation und Beobachtung von Wasserständen und
Überschwemmungen zu konzipieren und zu testen [Lanfranchi et al., 2014; WeSenseIt, 2014].
Smartphones sowie diverse sonstige kostengünstige Sensoren sollen dabei zur
Messung von Wasserstand und Fließgeschwindigkeit hydrologischer Daten eingesetzt
werden. Angaben zur Robustheit und Qualität der gemessenen Daten sind nicht
dokumentiert. In dieser Plattform sind die gemessenen Daten zudem nicht zur
unmittelbaren Einbettung in ein Prognosemodell bestimmt, d.h. eine Integration der Daten oder
Prozesse in konkrete Einsatzszenarien – wie Hochwassermanagement – fehlt.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>3 Konzeptionelle Architektur eines VGI-basierten</title>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Prognosesystems</title>
      <p>In diesem Abschnitt wird die konzeptionelle Architektur eines VGI-basierten
Hochwasserprognosesystems beschrieben. In Abbildung B-1 sind funktionalen
Komponenten grob skizziert. Neben einem angepassten, klassischen
Hochwasserprognosesystem und einer zentralen Hochwassermanagementsoftware
zählen dazu insbesondere Komponenten zum Mobile Tasking und Mobile Sensing.</p>
      <sec id="sec-6-1">
        <title>Abbildung B-1: Konzeptionelle Architektur einer VGI-basierten Hochwassermanagementplattform</title>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>3.1 Mobile Tasking und Mobile Sensing</title>
      <p>Nutzer der Plattform sollen die Möglichkeit haben, selbstständig zu entscheiden, ob
und in welcher Form sie Messdaten aufnehmen und bereitstellen wollen. Zusätzlich
sollen sie aber auch proaktiv koordiniert und mit speziellen Datensammelaufgaben
beauftragt werden können (Mobile Tasking). Nutzer können sich hierfür mit Angabe
persönlicher Präferenzen und gewünschtem Grad der Anonymität (z.B.
Standortfreigabe, Angabe von Realnamen) bei der Plattform registrieren. Mit Hilfe von
Benachrichtigungen auf ihre Smartphones können sie anschließend durch die
Managementzentrale gebeten werden, hydrologische Messungen mit vorgegebenen
Modalitäten (Zeit, Ort, Art der Daten) durchzuführen. Es steht den Nutzern dann freilich
offen, eine solche Datensammelaufgabe anzunehmen oder abzulehnen.
Die Messungen selbst sollen nicht an beliebigen, frei wählbaren Standorten
durchgeführt werden. Stattdessen werden in einer Standortanalyse Messstellen im
Einzugsgebiet des Gewässers im Vorfeld identifiziert und hinsichtlich ihrer Eignung als
Messstandort bewertet.</p>
      <p>An den gewählten Messstandorten werden schließlich mittels einer
SmartphoneAnwendung hydrologische Daten gemessen (Mobile Sensing). Über das mobile
Handydatennetz bzw. mittels WLAN können die gemessenen Daten anschließend an
eine zentrale Serverplattform zur weiteren Verarbeitung übermittelt werden.
Zur Messung sollen idealerweise die im Gerät integrierten Sensoren genutzt werden.
Dazu zählen GPS-Sensoren zur groben Positionsbestimmung (Genauigkeit bis zu
510 Meter), aber auch Neigungssensoren des Geräts (Kompass,
Beschleunigungssensoren, Magnetometer) zur Bestimmung der Blickrichtung des
Geräts sowie die im Smartphone integrierte Kamera zur Bildaufnahme. Der Einsatz
dieser Sensoren, insbesondere zur Messung von Wasserständen, wird im Kapitel 4
genauer erläutert. Auch die Verwendung externer Messsensoren ist prinzipiell möglich,
beispielsweise der Betrieb von privaten Wetterstationen zur Messung der
Niederschlagsmengen. Der Schwerpunkt in dieser Plattform liegt allerdings in der
Verwendung von Smartphones zur unmittelbaren Datenerfassung.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>3.2 Hochwasserprognosesystem</title>
      <p>Eine Problematik von nutzergenerierten Daten besteht darin, dass die Qualität und
Genauigkeit der aufgenommenen Daten stark schwanken kann. Bevor die
gemessenen hydrologischen Daten letztlich als Eingangsgrößen dem
Prognosesystem zur Verfügung gestellt werden, ist daher eine automatische
Qualitätsund Plausibilitätsprüfung der eingehenden Daten notwendig. Durch einen
gegenseitigen räumlichen und zeitlichen Abgleich der VGI-Datensätze können dabei
fehlerhafte Eingangsdaten („Ausreißer“) identifiziert und eliminiert werden. Aufbauend
auf einer klassischen modellgestützten Vorhersage kann das Prognosesystem
anschließend mittels der verfügbaren VGI-Daten das zugrundeliegende Modell
ergänzen bzw. validieren und optimieren und eine verbesserte Hochwasservorhersage
liefern.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>3.3 Hochwassermanagementzentrale</title>
      <p>Eine zentrale Managementsoftware mit grafischer Benutzeroberfläche (Dashboard)
koordiniert alle notwendigen Komponenten und verarbeitet und visualisiert die
prognostizierten Hochwasserdaten. Sind Warnstufen für das betroffene Gebiet im Vorfeld
festgelegt worden, können über die Plattform gegebenenfalls Hochwasserwarnungen
generiert, und anschließend betroffenen Stellen informiert werden. Die erwähnte
mobile Smartphone-Anwendung kann dabei als Empfänger dieser Warnungen dienen.
Betroffene Bürger können somit per Push-Benachrichtigung auf ihr Smartphone
individuell, ortsbasiert und zeitnah gewarnt werden. Die Managementsoftware dient auch
der Koordination von Einsätzen während eines Hochwasserereignisses. Über das
Dashboard kann die aktuelle Hochwassersituation vor Ort erfasst und Einsatzkräfte
koordiniert werden. Außerdem ermöglicht das Dashboard die Koordinierung und
Beauftragung der App-Nutzer zum Sammeln von Messdaten.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>4 Mobile Sensing</title>
      <p>Mit Hilfe einer mobilen Smartphone-Anwendung können bestimmte Messparameter
von Freiwilligen gemessen und der Plattform zur Verfügung gestellt werden. Relevante
Messparameter sind in Abbildung B-2 dargestellt. Die Auswahl der letztendlich
realisierbaren Messgrößen ergibt sich aus einer Abwägung zwischen den Parametern, die
einen Mehrgewinn für das hydrologische Prognosemodell bieten und der technischen
Realisierbarkeit von robusten mobilen Messmethoden für diese Parameter.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-11">
      <title>4.1 Übersicht über relevante Messgrößen und Messmethoden</title>
      <p>Der Wasserstand und die Fließgeschwindigkeit des Gewässers an definierten
Messstellen sind entscheidende Eingangsgröße für das hydrologische Prognosesystem, da
beide Messgrößen für die unmittelbare Messung des Durchflusses relevant sind. Eine
aussagekräftige Messung der Fließgeschwindigkeit ist allerdings mittels einer rein
Smartphone-basierten Messung sehr schwierig. Eine grobe manuelle Schätzung der
Fließgeschwindigkeit des Gewässers durch den Nutzer ist zwar möglich (z.B. Angabe
„Fluss fließt sehr schnell“ oder „Fluss fließt nur sehr langsam“). Eine Angabe der
Geschwindigkeit ohne physikalische Maßeinheit (z.B. Meter pro Sekunde) ist allerdings
als Eingangsgröße für das Prognosesystem nicht sinnvoll. Auch eine bildbasierte
Schätzung mittels Smartphone-Kamera wäre denkbar [Kwonkyu et al., 2015]. Ein
derartiger Ansatz ist jedoch recht aufwändig und erfordert eine im Vorfeld bekannte feste
Aufnahmeposition. Außerdem kann dadurch lediglich eine grobe Schätzung der
Fließgeschwindigkeit an der Oberfläche erfolgen.</p>
      <p>Zur mobilen Messung des Wasserstandes existieren mehrere Ansätze. Diese
Möglichkeiten der Wasserstandmessung werden im anschließenden Kapitel 4.2 ausführlich
vorgestellt.</p>
      <sec id="sec-11-1">
        <title>Abbildung B-2: Relevante Messgrößen und mögliche Messmethoden</title>
        <p>Weitere relevante Messgrößen sind die aktuelle Niederschlagsintensität und die
Schneehöhe. Für beide Parameter sind automatische robuste Messmethoden mittels
Smartphone ebenfalls schwierig umzusetzen. Zwar ist eine bildbasierte Schätzung der
aktuellen Regenintensität möglich [Garg et al., 2007], allerdings wäre das Ergebnis der
Schätzung oft fehlerhaft. Auch der Einsatz von Wetterstationen mit Regensensoren ist
im Rahmen dieser Plattform nicht schwerpunktmäßig vorgesehen. Stattdessen soll
eine manuelle Schätzung der Niederschlagsintensität durch die App-Nutzer erfolgen.
Allein die grobe Schätzung der Intensität („es regnet nicht“; „es regnet leicht“; „es
regnet stark“), verbunden mit dem per GPS-Signal ermittelten Standort des Nutzers ist
hilfreich zur angestrebten verbesserten Lokalisierung von Starkniederschlagszellen.
Auch die Schneehöhe soll lediglich durch grobe Schätzung durch die Nutzer ermittelt
werden. Die grobe Kenntnis der Schneeverhältnisse mit hoher räumlicher Auflösung
ermöglicht somit eine Schätzung des Wasservorrats der Schneedecke im
Einzugsgebiet. Als Eingangsparameter für das Vorhersagemodell kann diese Schätzung von
großem Nutzen sein.</p>
        <p>Neben diesen quantitativ messbaren Größen können außerdem Foto- und kurze
Videoaufnahmen mittels der im Smartphone integrierten Kamera erfolgen. Diese
Aufnahmen können auf dem Hochwasser-Dashboard kartenbasiert dargestellt werden
und unterstützen die Einsatzkräfte bei der Beurteilung und Dokumentation der
Hochwassersituation vor Ort. Dieser Ansatz kann auch zur Meldung und Lokalisierung von
möglichen Ausuferungen eingesetzt werden. Nutzer können somit an neuralgischen
Schlüsselstellen im Hochwasserfall überprüfen, ob es zu einer Ausuferung kam, und
mittels Bildaufnahme das Ausmaß der Ausuferung übermitteln und dokumentieren.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-12">
      <title>4.2 Methoden zur mobilen Messung des Wasserstands</title>
      <p>Das Hauptaugenmerk bei der Entwicklung der Mobile Sensing-Anwendung liegt in der
Implementierung von geeigneten Methoden zur mobilen Smartphone-basierten
Messung des Wasserstandes an zuvor festgelegten Messstandorten (z.B. Brücken). Dabei
stehen verschiedenartige Methoden zur Auswahl (siehe Abbildung B-3).</p>
      <sec id="sec-12-1">
        <title>Abbildung B-3: Optionen zur mobilen Wasserstandmessung</title>
        <sec id="sec-12-1-1">
          <title>4.2.1 Manuelles Ablesen an Pegellatten</title>
          <p>Im einfachsten Fall kann die Messung des Wasserstandes erfolgen, indem der Nutzer
diesen an einer vorhandenen analogen Pegellatte abliest und den Wert über ein
klassisches Interface (z.B. Slider oder Texteingabefeld) in die Smartphone-Anwendung
eingibt. Diese Methode wäre recht robust. Der Messung erfolgt dann unabhängig der
im Smartphone integrierten Sensorik und wäre auch bei ungünstigen
Lichtverhältnissen und Witterungsbedingungen möglich. Das Vorhandensein von entsprechenden
sichtbaren analogen Pegellatten am Messstandort ist allerdings hierfür
Voraussetzung.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-12-1-2">
          <title>4.2.2 Halbautomatische Bildbasierte Messung</title>
          <p>Durch Mithilfe des Nutzers bei der Messdurchführung mittels entsprechender
Nutzerinteraktion - beispielsweise durch das Einzeichnen von Punktreferenzen - kann eine
recht robuste bildbasierte Wasserstandmessung realisiert werden.
Abbildung B-4: Messmethoden zur manuellen und automatischen bildbasierten</p>
          <p>Wasserstandmessung
Da die Messungen zudem an vorgegebenen Messstandorten erfolgen und das
Querschnittsprofil des Flusses an diesen Stellen ohnehin zur Durchflussberechnung vorab
bekannt sein muss, kann außerdem vorausgesetzt werden, dass die gesamte
dreidimensionale Geometrie der Bauwerke an diesen Standorten – beispielsweise Höhe und
Breite eines Brückengeländers oder einer Flussbegrenzungsmauer - bekannt sind.
Diese Kenntnis kann bei der Entwicklung von entsprechenden Messmethoden genutzt
werden. Ziel dieser Methoden soll es dann sein, die Lage der Wasserstandlinie in
diesem bekannten 3D Raum zu bestimmen.</p>
          <p>Dies kann, wie in Abbildung B-4 dargestellt, in zwei Schritten erfolgen. In einem ersten
Schritt muss zunächst die Position und Orientierung der Kamera
(Kamerakoordinatensystem) in der fixen 3D Umgebung (Weltkoordinatensystem) bestimmt werden. Die
Lage der Kamera im Weltkoordinatensystem ist dabei allgemein durch sechs
Freiheitsgrade definiert: drei Freiheitsgrade der Orientierung (Rotation) und drei Freiheitsgrade
der Position (Translation). Anschließend kann in einem zweiten Schritt im
aufgenommenen zweidimensionalen Standbild die Wasserstandlinie - beispielsweise an einer
Flussbegrenzungsmauer – eingezeichnet und bestimmt werden. Sind schließlich die
Position der Wasserstandlinie im Kamerabild, die intrinsischen Parameter der
Kameraprojektion, die Lage der Kamera im 3D Raum, sowie die Struktur der 3D Welt
bekannt, so kann auch die Lage der Wasserstandlinie im 3D Raum des
Weltkoordinatensystems und somit auch die absolute Höhe des Wasserstandes berechnet werden.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-12-1-3">
          <title>Bestimmung der Kameralage</title>
          <p>Die räumliche Lage der Kamera im Weltkoordinatensystem kann auf unterschiedliche
Weise bestimmt werden, je nachdem ob ein fixer oder variabler Standpunkt zur
Aufnahme des Kamerabildes vorgesehen ist.</p>
          <p>Eine einfache Methode zur Bestimmung der Kameralage besteht darin, für den
jeweiligen Messstandort eine fixe Messposition festzulegen. Die Translation der Kamera
wäre somit vorbestimmt. Diese fixe Aufnahmeposition kann z.B. mittels Marker am
Boden oder Marker am Brückengeländer gekennzeichnet werden. Erfolgt die
Bildaufnahme immer von dieser Stelle aus und wird zudem eine nahezu konstante
Aufnahmehöhe über dem Boden vorausgesetzt, ist nur noch die Orientierung (Rotation) der
Kamera variabel. Die Lage der Kamera wird dann nur noch durch drei Freiheitsgrade
beschrieben. Diese Kamerarotation im Weltkoordinatensystem kann dabei
automatisch mittels der im Smartphone eingebauten IMU-Sensorik (Magnetometer,
Accelerometer, Gyroskop) zum Zeitpunkt der Bildaufnahme bestimmt werden. Alternativ kann
neben der fixen Messposition auch eine fixe Kameraorientierung vorgegeben bzw.
forciert werden. Dazu können bei jedem Messstandort individuelle Referenzlinien,
beispielsweise Umrisse des Brückengeländers, als visuelles Overlay an fixer Position im
Kamerabild angezeigt werden. Sorgt der Nutzer durch entsprechende Rotation der
Kamera dafür, dass das visuelle Overlay mit der Abbildung des realen Objekts
übereinstimmt, so wird eine immer gleiche und im Voraus festlegbare Orientierung der
Kamera erzwungen.</p>
          <p>Sollen sowohl Position als auch Orientierung der Kamera während der Bildaufnahme
variabel bleiben, kann das Prinzip der Homographie zur Bestimmung der räumlichen
Kameralage genutzt werden. Eine Homographie beschreibt allgemein die Beziehung
zwischen zwei Ebenen im dreidimensionalen Raum. Eine Ebene ist in diesem Fall
durch die Bildebene der Kamera gegeben. Als zweite Ebene kann eine Ebene im 3D
Raum definiert werden, auf welche der Wasserstand abgemessen werden soll
(Wasserstandmessebene). Diese verläuft in der Regel orthogonal zur Wasseroberfläche
und beinhaltet beispielsweise die Oberfläche eines Brückengeländers oder einer
vertikalen Flussbegrenzungsmauer. Der Schnittpunkt zwischen dieser zweiten Ebene und
der Wasseroberfläche ist dann die Wasserstandlinie. Ist die Homographie zwischen
dieser Wasserstandmessebene und der Bildebene bekannt, kann daraus ebenfalls die
räumliche Position und Orientierung der Kamera im Weltkoordinatensystem direkt
abgeleitet werden.</p>
          <p>Zur Bestimmung der Homographie werden mindestens vier korrespondierende Punkte
in beiden Ebenen benötigt. In der Wasserstandmessebene können dies beispielsweise
markante Eckpunkte eines in der Ebene liegenden Brückengeländers oder auch
Eckpunkte eines künstlich angebrachten Markers sein. Durch die bekannte Geometrie des
3D Raumes sind die Koordinaten dieser Punkte im Voraus bekannt. Die
entsprechenden korrespondierenden Punkte in der Bildebene, also im aufgenommenen
Kamerabild, können dann nach Aufnahme des Bildes manuell duch den Nutzer im
KameraStandbild eingezeichnet werden. Alternativ könnte freilich auch eine bildbasierte
Erkennung der Korrespondenzpunkte im Kamerabild erfolgen, was insbesondere bei
Verwendung eines speziellen künstlichen Markers denkbar und realisierbar wäre.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-12-1-4">
          <title>Bestimmung der Wasserstandlinie</title>
          <p>Ist die räumliche Lage der Kamera bekannt, wird im aufgenommenen Kamerabild die
Lage der Wasserstandlinie erfasst. Dies kann im einfachsten Fall manuell erfolgen,
indem der Nutzer die Linie durch das Einzeichnen von zwei Punkten im Kamerabild
bestimmt.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-12-1-5">
          <title>4.2.3 Vollautomatische bildbasierte Wasserstandmessung</title>
          <p>Als weitere Option der mobilen Wasserstandmessung ist eine vollautomatische
bildbasierte Messmethode denkbar. Die generelle Idee dabei ist, dass nach Aufnahme
eines Kamerabildes von variabler Messposition aus ein Bildanalysealgorithmus ohne
weitere Nutzerhilfe automatisch den Wasserstand auf Basis des aufgenommenen
Bildes bestimmt. Voraussetzung für die Umsetzung dieser Methode ist das
Vorhandensein eines entsprechenden Markers. Dies kann eine gut sichtbare Pegellatte oder ein
zusätzlicher künstlicher Marker sein. Mittels klassischen Markerkennungsalgorithmen
oder mittels speziell angepassten Farbbandanalysen oder
Texterkennungsalgorithmen kann somit der Marker bzw. die noch sichtbare Fläche des Markers bestimmen
werden, um daraus die Lage der Wasserstandlinie zu erkennen und die Höhe des
Wasserstandes zu bestimmen.</p>
          <p>Ein derartiges vollautomatisches Verfahren kann unter idealen Voraussetzungen hohe
Messgenauigkeiten ermöglichen, ist allerdings nicht immer ausreichend robust und oft
sehr fehleranfällig, da insbesondere aufgrund der baulichen Gegebenheiten und
Lichtverhältnisse (z.B. Schattenwurf oder Dunkelheit) der Marker bzw. die Pegellatte oft
nicht ausreichend sichtbar oder die Kante der Wasserstandlinie nicht stark genug
ausgeprägt sind. Andere sichtbaren Texturen sind dann im aufgenommenen Kamerabild
oft markanter abgebildet und stören die visuelle Markererkennung.</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-13">
      <title>5 Zusammenfassung und Ausblick</title>
      <p>In diesem Beitrag wurde das Konzept eines VGI-basierten
Hochwasserprognosesystems zur Unterstützung des Hochwassermanagements in kleinen Einzugsgebieten
vorgestellt. Dabei wurde insbesondere die Komponente des Mobile Sensing genauer
präsentiert, also die Entwicklung von geeigneten Messmethoden, um relevante
Messparameter wie den Wasserstand mit Hilfe einer mobilen Smartphone-Anwendung
zu erfassen. Der Einsatz dieser mobilen Messverfahren erhöht die Dichte an
verfügbaren hydrologischen und meteorologischen Informationen und kann somit die
Hochwasserprognose verbessern.</p>
      <p>Im nächsten Schritt sollen die vorgestellten Funktionskomponenten und die mobilen
Messverfahren, insbesondere zur Messung des Wasserstandes, implementiert und
evaluiert werden. Erst dann ist eine Aussage möglich, mit welcher Robustheit und
Genauigkeit der Wasserstand mit den präsentierten Methoden gemessen werden kann.
In einer anschließenden Pilotphase kann schließlich auch die generelle Praktikabilität
und Effizienz des VGI-Ansatzes im Rahmen des Hochwassermanagements beurteilt
werden.
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