<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Archiving and Interchange DTD v1.0 20120330//EN" "JATS-archivearticle1.dtd">
<article xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink">
  <front>
    <journal-meta />
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Überlegungen zu einer Spatial Big Data Architektur im BigGIS Projekt</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Andreas Abecker</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Torsten Brauer</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Johannes Kutterer</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Karsten Schnitter</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Jens Nimis</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Patrick Wiener</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>disy Informationssysteme Gmbh</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>vname.nname@disy.net</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Hochschule Karlsruhe - Technik und Wirtschaft</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>vname.nname@hs-karlsruhe.de</string-name>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2015</year>
      </pub-date>
      <fpage>1290</fpage>
      <lpage>1298</lpage>
      <abstract>
        <p>In the recent years, a number of data-management and data-analytics applications and technologies under the label “big data” has found much interest among academics and practitioners. From our point of view, the respective researchers and commercial providers, up to now, neglected to a large extent both the spatial dimension of potential big-data applications and their usage potential in the area of environment protection and environment management. Hence, the RTD project BigGIS investigates methods and tools for “Spatial Big Data” in three environment-related application scenarios. In this paper, some basic definitions and considerations are explained, the three application scenarios of BigGIS are presented and some initial insights regarding software architectures for Spatial Big Data solutions in the area of geo data and environmental applications are presented.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>behandelt. Daher werden im BMBF-Projekt BigGIS anhand dreier
Anwendungsszenarien im Umweltbereich Methoden und Techniken für „Spatial Big Data“ untersucht. Der
vorliegende Beitrag erläutert einige grundlegende Begriffe und Überlegungen, stellt die
Anwendungsszenarien in BigGIS vor und skizziert einige erste Einsichten zur
Umsetzung von Spatial Big Data Lösungen im Geo-/Umweltdatenbereich.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>1 Motivation und Überblick</title>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>1.1 Motivation</title>
      <p>Geoinformationssysteme (GIS) – bzw. allgemeiner: räumliche Visualisierungen und
Datenanalysen innerhalb von Geodateninfrastrukturen (GDI) – werden seit Langem für
die Verarbeitung räumlicher Daten (also Daten mit Orts- bzw. Raumbezug) in
vielfältigen Anwendungsgebieten in der öffentlichen Verwaltung, wie Stadtplanung,
Flurneuordnung, Verkehrsplanung, Raum- und Umweltplanung oder auch im
Feuerund Katastrophenschutz sowie im Umwelt- und Naturschutz verwendet. Hinzu kommt
in jüngerer Zeit eine wachsende Anzahl von Geodatennutzungen in der
Privatwirtschaft, mit zunehmender kommerzieller Bedeutung in Anwendungsgebieten wie
Logistik, Landwirtschaft, Geomarketing, Standort- und Gebietsplanung,
lokationsbasierten Informations- und Werbediensten etc. Zu den Kernfunktionen der
verwendeten IKT-Systeme gehören neben der Erfassung der Daten auch räumliche
Abfragen sowie die Visualisierung und die Interpolation von Attributwerten in der
Fläche aus wenigen Messwerten. Mithilfe von GIS können beispielsweise
Umweltschutzbehörden herausfinden, welche Biotope im Fall eines Chemieunfalls, bei einem
Hochwasser oder einem Waldbrand tangiert sind. Im Feuer- und Katastrophenschutz
werden GIS in Lageinformations- und Einsatzunterstützungssystemen eingesetzt, um
betroffene Areale und potenzielle Maßnahmen aus den verfügbaren Informationen
abzuleiten oder um Evakuierungen zu koordinieren.</p>
      <p>In jüngerer Zeit wird von solchen GIS zunehmend erwartet, dass sie rapide
anwachsende Datenmengen im Tera- bis Petabytebereich an Archivdaten und aktuellen
Fernerkundungsdaten zusammen mit vielfältigen Geodaten, historischen und
aktuellen Sensordaten (Zeitreihendaten) sowie Meldungen von Bürgern integriert und
zeitnah nutzbar machen. So wurde im Katastrophenmanagement beispielsweise die
„International Charter Space and Major Disasters“ etabliert, die im Katastrophenfall
weltweit von den Hilfsorganisationen aktiviert werden kann. Wird die Charta aktiviert,
werden die Sensoren geeigneter Satelliten so programmiert, dass sie beim folgenden
Überflug über das Krisengebiet entsprechende Aufnahmen liefern.</p>
      <p>Weiterhin sollen zukünftige GIS nicht mehr nur Abfragen auf vergangenen
Informationen ermöglichen, sondern ebenfalls die Prognose zukünftiger Entwicklungen, z.B.
von Sensor¬werten sowie deren Abhängigkeiten, um Entwicklungen und zukünftige
Probleme zu erkennen und vorausschauendes Handeln zu ermöglichen. Bedingt wird
diese Entwicklung durch die zunehmende Verbreitung kostengünstiger vernetzter
Sensoren (mobile Sensorik bis hin zu einfachen Mobiltelefonen), mit denen auch die
Öffentlichkeit direkt und unkompliziert Daten beitragen kann, sowie durch die
zunehmende Bedeutung noch unstrukturierter Daten in Form von Fernerkundungsdaten (von
Satelliten, u.a. aus dem im Aufbau befindlichen Programm COPERNICUS,
Flugzeugen und UAS (Unmanned Aerial Systems)). Zudem gewinnen bodengestützte
Fernerkundungssensoren wie kommunale Sensorsysteme in Form von
Überwachungskameras und Befahrungsdaten mit Laserscannern, sowie bildgebende
Systeme an Bedeutung. Darüber hinaus existieren immer mehr textuelle Informationen
sowie auch annotierte Fotografien mit geo-temporalen Bezügen, insbesondere im
Social Web. Diese zusätzlichen Informationsquellen erlauben prinzipiell die
Modellierung kausaler Zusammenhänge und robustere, multivariate Verfahren zur
Approximation, Prognose, und Maßnahmenableitung. GIS stehen durch diese
Entwicklungen vor Herausforderungen in allen vier Dimensionen, die definitorisch für das
neue Technologiefeld Big Data sind: Volume, Variety, Velocity, Veracity.
Solchen Fragestellungen widmet sich das FuE-Verbundprojekt BigGIS, das vom
Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunkts
„Big Data“ unterstützt wird.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>1.2 Überblick zum BigGIS-Projekt</title>
      <p>Ziel des im April 2015 gestarteten BMBF-Forschungsvorhabens BigGIS („Prädiktive
und präskriptive Geoinformationssysteme basierend auf hochdimensionalen
geotemporalen Datenstrukturen“) ist die Erforschung, prototypische Umsetzung und
Evaluierung von Techniken, Modellen und Methoden, die in vielfältigen
Anwendungsfällen Entscheidungen auf Basis von großen Mengen an zeitlich-strukturierten
Geodaten aus unterschiedlichen Quellen (wie insbesondere Fernerkundung,
Crowdsourcing und dem Social Web, aber auch aus Legacy-Systemen zur
Geodatenverarbeitung) unterstützen.</p>
      <p>Mit dem zu schaffenden System soll die integrierte Verwaltung, Analyse und
Visualisierung von zeitlichen und räumlichen, strukturierten und unstrukturierten Daten
verbessert bzw. überhaupt erst möglich gemacht werden. Auf Basis dieser Daten sollen
deskriptive, prädiktive und präskriptive Analysen unterstützt werden. Die
Verarbeitung der Daten in dem zu entwickelnden System soll dabei schnell genug erfolgen,
um z.B. auch die Gesundheits- und Umweltsicherung im Katastrophenfall zu
unterstützen. Die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten werden getrieben von den
praktischen Erfordernissen dreier konkreter Anwendungsszenarien:
Katastrophenschutz: Entscheidungsunterstützung bei komplexen Schadenslagen
am Beispiel von Schadgas-Situationen.</p>
      <p>Umweltmonitoring: Umweltmanagement am Beispiel des Managements invasiver
Tier- und Pflanzenarten mit Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit (wie z.B.
Eichen-Prozessionsspinner, Asiatische Tigermücke und Beifußblättrige Ambrosie).
Smart City und Gesundheit: Die Förderung der Gesundheit von Menschen in Städten
am Beispiel der Umwelteinflüsse Feinstaub und Temperatur.</p>
      <p>Im BigGIS-Projektkonsortium arbeiten folgende Organisationen zusammen:
 FZI Forschungszentrum Informatik am Karlsruher Institut für Technologie
o Shared Research Group „Corporate Services and Systems“ (Prof. Thomas</p>
      <p>Setzer): Projektkoordination, deskriptive und präskriptive Analysen
o Abteilung „Logistics and Supply Chain Optimization“ (Prof. Stefan Nickel):
Präskriptive Analysen, Anwendungsfokus auf dem Szenario Smart City und
Gesundheit
o Abteilung „Wissensmanagement“ (Prof. Rudi Studer): Metadaten,
semantische Technologien, Crowdsourcing (nutzergenerierte Inhalte)
 Universität Konstanz, Lehrstuhl „Datenanalyse und Visualisierung“ (Prof. Daniel
Keim):
o Visual Analytics für räumliche und zeitliche Big Data
 Hochschule Karlsruhe Technik und Wirtschaft, Fachgebiet Datenbanksysteme und
Webtechnologien (Prof. Jens Nimis):</p>
      <p>o Gesamtarchitektur für das Projekt, Infrastrukturmanagement
 Disy Informationssysteme GmbH, Karlsruhe
o Experten für GIS und räumliche Datenanalyse, GDI, Software-Integration,
Experten für Anwendungen der Umweltverwaltung; Anwendungsfokus auf
dem Szenario Umweltmanagement
 Exasol AG, Nürnberg:
o Datenbankexperten, In-Memory-Datenbanken, Cluster Computing,
Kompressionsalgorithmen
 EFTAS Fernerkundung Technologietransfer GmbH, Münster:
o Erzeugung und Analyse von Fernerkundungsdaten von Satelliten und UAS;</p>
      <p>Anwendungsfokus auf dem Szenario Katastrophenschutz
 Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg
(LUBW), Karlsruhe:
o Datenbereitstellung für alle Szenarien, Anforderungsgeber und
Evaluationspartner aus Sicht der öffentlichen Verwaltung, Anwendungsfokus auf
dem Szenario Umweltmanagement
Weitere assoziierte Partner für die Szenarien Katastrophenschutz und Smart City sind
das THW Karlsruhe und die Stadtverwaltung Karlsruhe.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>1.3 Aufbau dieses Beitrags</title>
      <p>Im Folgenden wird zunächst (Kapitel 2) der Begriff Spatial Big Data etwas näher
beleuchtet. Nach einer Arbeitsdefinition für Big Data folgen deren Erweiterung zum
Begriff Spatial Big Data, einige Argumente, wieso wir eine wachsende Bedeutung für
diese Thematik erwarten, sowie eine Auflistung einiger interessanter Werkzeuge für
Spatial Big Data. Danach (Kapitel 3) werden die drei Anwendungsszenarien im
BigGIS-Projekt mit ihren Datenquellen und Zielsetzungen erläutert. In Kapitel 4 werden
anhand einer noch unvollständigen und allgemeinen Architekturskizze zu BigGIS
einige erste Erkenntnisse und Überlegungen zur Software-Architektur für Spatial Big
Data erläutert. Mit Kapitel 5 folgt eine kurze Zusammenfassung.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>2 Zum Begriff Spatial Big Data</title>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>2.1 Arbeitsdefinition Spatial Big Data</title>
      <p>Wie es schon bei früheren IT-Trends der Fall war, ist der Begriff Big Data nicht klar
wissenschaftlich-technisch definiert, sondern entsteht aus der Zusammenschau
weithin akzeptierter Zielsetzungen und Charakterisierungen aus dem Marketing großer
ITund Beratungsfirmen mit einem gewissen Vorrat an modernen Technologien und
Lösungsansätzen.6 Darauf basierend, schlagen wir folgende Arbeitsdefinition vor:
Man redet von einer Big Data Anwendung, wenn in mindestens einer der Dimensionen
- Volume (Datenmenge, z.B. im Bereich von Terabyte aufwärts)
- Velocity (Geschwindigkeit der Datenentstehung, z.B. Tausende von
Sensor</p>
      <p>Messwerten pro Sekunde)
- Variety (Heterogenität von Daten, entstehend z.B. aus der Kombination
unstrukturierter und (semi-) strukturierter Daten)
- Veracity (Zuverlässigkeit der Daten, z.B. bei Nutzung von Social Media Inhalten)
Ausprägungen vorliegen, die eine effiziente und effektive Verarbeitung und Nutzung
der Daten mit konventionellen Methoden des Datenmanagements und der
Datenanalyse auf konventioneller Hardware unmöglich machen. Dann kommen neue
Methoden der Datenverarbeitung zum Einsatz, wie insbesondere In-Memory
Datenbanken, NoSQL und Graph-Datenbanken, Parallelisierung in Clustern durch den
MapReduce Ansatz und moderne Verfahren der Datenstromanalyse.
Auch wenn hier einige Begriffe „fließend“ oder auch kontextabhängig sind
(„konventionelle Hardware“) bzw. sich auf den Entstehungszeitpunkt der Big Data Begrifflichkeit
ab etwa 2005 bzw. im engeren Sinne ab 2011 beziehen („neue Methoden“), lassen
sich mit dieser Arbeitsdefinition Big Data Fragestellungen gut identifizieren.
Die Zielsetzungen, die man in Big Data Projekten verfolgt, entsprechen überwiegend
denen, die man bereits in den Bereichen Data Mining, Text Mining und Business
Intelligence verfolgt hat, nur unter Verwendung der oben erwähnten neuen Technologien
zum Umgang mit den genannten „4 V“ – und zusätzlich häufig unter Hinzukommen
eines starken (Nah-)Echtzeitaspekts.</p>
      <p>Abbildung G-1: Analytics von der Deskription bis zur Präskription, angelehnt an</p>
      <p>Gartner
(Quelle:
http://www.sv-europe.com/blog/10-reasons-organisation-ready-prescriptiveanalytics/)
Die grundlegenden Analysefragestellungen sind in Abbildung G-1 gegenübergestellt:
- Deskriptive Analysen stellen interessante Zusammenhänge und Abläufe dar und
modellieren sie mit geeigneten Methoden.
- Diagnostische Analysen leiten die unterliegenden Kausalzusammenhänge ab.
- Prädiktive Verfahren erzeugen Prognosen und Vorhersagen aus Modellen und</p>
      <p>Kausalzusammenhängen.
- Präskriptive Verfahren erzeugen aus Beobachtungen, Modellen und
Vorhersagen entscheidungsunterstützende oder sogar -automatisierende Algorithmen.
Im weiteren Verlauf fassen wir für die Darstellung von BigGIS die deskriptiven und die
diagnostischen Fragestellungen in einer Kategorie zusammen.
Wichtig ist in der Grafik der durch die Aufteilung von roten und blauen Balken
dargestellte Zusammenhang zwischen Aufgaben, die i.d.R. menschliche Interaktion
erfordern und solchen, die sich automatisch ausführen lassen. In der Literatur zu Big Data
werden häufig Systeme vorgestellt, die bspw. unter Zuhilfenahme von Methoden der
Erkennung komplexer Ereignisse (Complex Event Processing, CEP)
Überwachungsund Steuerungsprobleme vollautomatisch lösen. Dabei sollte man nicht übersehen,
dass normalerweise vor der Installation eines solchen Systems (in der Grafik weiter
unten angesiedelt) erst die sehr viel stärker manuellen Stufen (in der Grafik weiter
oben) des Systemverstehens, der Modellbildung und dann der Definition von
Ereignismustern stehen.</p>
      <p>Wir erweitern nun den Begriff Big Data zum Begriff Spatial Big Data, wenn in einem
Big Data Problem eine signifikante örtliche oder räumliche Komponente – in den Daten
und/oder bei ihren Auswertungen – vorliegt.</p>
      <p>Dies umfasst mindestens zwei interessante Sachverhalte:
- Geodaten selber (insbesondere komplexere Geodaten als reine Sachdaten mit
assoziierten Punktgeometrien) sind wesentlicher Gegenstand der Betrachtung (z.B.
bei der Analyse von Fahrzeugtrajektorien für die Verkehrsplanung und -steuerung
oder bei der Analyse von Bewegungsprofilen von Personen für die
Panikforschung).
- Sachdaten mit Ortsbezug werden in nichttrivialer Weise räumlich ausgewertet (z.B.
langsame Verlagerung bestimmter Wohnmilieus innerhalb einer Stadt,
Korrelationsanalysen räumlich auftretender Phänomene, u.ä.).</p>
      <p>Die Erfahrungen mit bekannten Anwendungen der „Spatial Intelligence/ Location
Intelligence“ zeigen, dass die algorithmische Komplexität räumlicher Analysen häufig
eine Größenordnung höher liegt als bei Datenanalysen ohne räumliche Dimension.
Daher kann das obige Kriterium für Big Data Anwendungen „effiziente und effektive
Verarbeitung … mit konventionellen Methoden … auf konventioneller Hardware
unmöglich“ hier u.E. auch schon bei niedrigeren Ausprägungen der obigen vier V
gegeben sein. Außerdem sei darauf hingewiesen, dass Geodatenanalysen in der
Praxis häufig mit hoher Datenheterogenität (Variety) und niedriger Datenqualität zu
kämpfen haben.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>2.2 Bedeutung von Spatial Big Data</title>
      <p>Wir gehen davon aus, dass mittelfristig die Menge von Spatial Big Data Anwendungen
stark ansteigen wird – weil auch die Menge von dafür nutzbaren Daten stark
anwachsen wird. Dies wird durch verschiedene Entwicklungen befördert:
 Immer billigerer und einfacherer Zugang zu (immer detaillierteren) Satellitendaten
(vgl. COPERNICUS-Programm der EU oder jüngere Entwicklungen im Bereich
Kleinsatelliten bis zu Nanosatelliten).
 Zunehmende Anzahl von Forschungsprojekten, kommerziellen Anbietern und
Anwendungsideen im Bereich Fernerkundung durch unbemannte Flugobjekte (UAS).
 Immer preisgünstigere und leistungsfähigere In-situ-Sensorik mit
(Nah-)EchtzeitDatenfernübertragung für verschiedenste umweltrelevante Themen, z.B. im
Hochwasserbereich.
 Ebenso zunehmend preisgünstige und leistungsfähigere mobile Sensorik
mit (Nah-)Echtzeit-DFÜ, die auf Fahrzeugen montiert (z.B. in der Precision
Agriculture) oder an Smartphones gekoppelt werden kann.
</p>
      <p>Wachsende technische Möglichkeiten, Nutzungsszenarien und
Benutzerakzeptanz für die Verfolgung beweglicher Objekte (Fußgänger-Tracking,
Fahrzeug-Tracking, Warenverfolgung im Internet-of-Things und mit Industry 4.0 Anwendungen,
usw.).
 Nutzergenerierte Geodaten (Volunteered Geographic Information aus Ansätzen
zur Bürgerbeteiligung (Participatory Sensing, Citizen Observatories), wie z.B. bei
privaten Wetterstationen, Open Street Map, Mängelmeldern, Artenfinder etc.
 Georeferenzierte (oder georeferenzierbare) Social-Media Inhalte werden mehr
und mehr. Gerade in Business-Anwendungen finden diese große Beachtung, aber
auch bspw. in Katastrophenszenarien.</p>
      <p>All diese Trends lassen uns vermuten, dass verschiedenartigste Anwendungen von
Spatial Big Data in der nahen Zukunft entstehen werden / können, mit Bezug auf
Geound Umweltdaten z.B. in Themenfeldern wie Smart City Überwachung und Steuerung,
Präzisionslandwirtschaft, Verkehrsmanagement, Katastrophenschutz und -rettung,
erneuerbare Energien und Smart Grid oder Klimaanpassung.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>2.3 Technologien für Spatial Big Data</title>
      <p>Zum Zeitpunkt der Antragstellung von BigGIS waren erst sehr wenige Werkzeuge und
Initiativen zum Umgang mit Spatial Big Data weit verbreitet. Inzwischen gibt es einige
interessante Entwicklungen mehr. Zum Selbststudium für interessierte Leser listen wir
einige wichtige Werkzeuge auf, auch wenn sie in unserem Projekt (bisher) nicht
genutzt werden:




</p>
      <p>Geomesa – ermöglicht durch verteilte Indexierung die Speicherung, Abfrage und
Verarbeitung räumlich-zeitlicher Daten auf verteilten Cloud-Datenbanken wie
Accumulo, HBase, Cassandra und Kafka.</p>
      <p>GeoJinni / Spatial Hadoop – realisiert MapReduce für räumliche Daten, so dass
große Mengen räumlicher Daten mit Hadoop cluster-basiert gespeichert und
verarbeitet werden können.</p>
      <p>Geotrellis – unterstützt Hochleistungsverarbeitung für Rasterdaten (inkl.
Vektorzu-Raster Transformationen und umgekehrt) via REST-Dienste oder im
Batch-Betrieb.</p>
      <p>Rasdaman – ist eine hochleistungsfähige Array-Datenbank mit Anwendungen im
Rasterdatenmanagement für GIS, aber auch in anderen Anwendungen des
Sensordatenmanagements und des Scientific Computing; die Entwickler sind eng mit
der OGC Big Data Standardisierung vernetzt.</p>
      <p>GeoSpark – realisiert eine In-Memory Cluster-Datenbank für große räumliche
Datenmengen (Vektordaten) sowie wichtige geometrische Operationen und
räumliche Anfragen.</p>
      <p>Darüber hinaus bewerben die großen internationalen Software
„Komplettsortimentanbieter“ innerhalb ihrer Big Data Stacks auch Geodaten-Operationen, so wie z.B. IBM
[Klein et al, 2015], Oracle [Oracle, 2016] und SAP (Spatial-Funktionen von SAP
HANA). Ebenso veröffentlichen die großen GIS-Hersteller in jüngster Zeit auch
zunehmend ihre Pläne, Big Data Werkzeuge als Geodatenbanken zu verwenden7 Dies zeigt
zunächst einmal, dass die GIS-Welt und der Big Data Hype sich nicht mehr gegenseitig
7 Zum Beispiel Esri mit ArchGIS auf SAP HANA (http://geospatial‐solutions.com/esri‐arcgis‐to‐support‐sap‐hana‐
as‐enterprise‐geodatabase/ ) oder Hexagon mit GeoMedia auf SAP HANA (http://www.hexagongeospa‐
tial.com/about‐us/news/hexagon‐geospatial‐releases‐software‐that‐integrates‐natively‐with‐sap‐hana ). 
91
ignorieren können / wollen. Inwieweit diese Ansätze alle schon technisch und
betriebswirtschaftlich durchdacht und „frei von Kinderkrankheiten“ sind, muss sich noch
zeigen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>3 Die Anwendungsszenarien im BigGIS Projekt</title>
    </sec>
    <sec id="sec-11">
      <title>3.1 Anwendungsszenario 1: Katastrophenschutz</title>
      <p>Untersucht wird die Entscheidungsunterstützung bei komplexen Schadenslagen am
Beispiel von Schadgas-Situationen. Es wird beispielhaft die Ausbreitung einer
Schadgaswolke betrachtet, wie sie z.B. bei einem Brand in einer chemischen Fabrik
entstehen könnte. Ähnliche Fragestellungen tauchen aber natürlich in vielerlei
Katastrophenszenarien auf, z.B. bei Hochwasser, Waldbränden, Chemie-Unfällen oder
Terroranschlägen. Ziel ist es, dass Einsatzkräfte innerhalb von 15 Minuten nach
Eintreffen vor Ort ein möglichst genaues und umfassendes Schadensbild haben, das
auch kontinuierlich aktualisiert wird.</p>
      <p>Dazu wird unter Federführung des Projektpartners EFTAS der Ansatz des Micro Rapid
Mapping entwickelt: Dafür wird ein Mikro-Flugroboter (AiD-MC8 Octocopter) mit einer
RGB-Kamera, einer Thermalkamera, einer Hyperspektral-Kamera und einem RTK
GPS ausgestattet. Die durch Aufklärungsflüge erhaltenen Fernerkundungsdaten
sollen dann mit offiziellen topographischen Karten und Katasterdaten abgeglichen und
ergänzt werden, insbesondere z.B. um Daten über kritische Infrastrukturen, gefährdete
Bevölkerung, Naturschutzgebiete, Wasserschutzgebiete usw. Später könnte diese
Information zur Komplettierung und Aktualisierung des Lagebilds ergänzt werden
durch In-situ-Sensorik (z.B. der Feuerwehr) und durch nutzererzeugte Inhalte bzw.
Social Media Inhalte, sofern sich betroffene Bürger mit Internetverbindung im
gefährdeten Gebiet aufhalten.</p>
      <p>Die dominante Big Data Dimension ist hier eindeutig Volume, wenn man bedenkt,
dass eine 10-minütige Befliegung durch den RGB Videostream mit Full-HD-50 Daten
schon etwa 175 GB Rohdaten und durch die Hyperspektral-Kamera mit 5 Cubes/sec
und 125 Spektralkanälen etwa 520 GB Rohdaten liefert. Da diese großen
Datenvolumina aber möglichst schnell für die Analyse ausgewählt und ausgewertet
werden müssen, kann man das Problem auch als spezifische Ausprägung der
Dimension Velocity verstehen. Weiterhin ergeben sich durch Integration zusätzlicher
Daten (Bestandsdaten, In-situ-Sensorik, Social Media Daten) wachsende
Herausforderungen mit Variety und auch mit Veracity.</p>
      <p>Als Analyse-Fragestellungen können/sollen untersucht werden:
 Deskriptiv: Zusammenführung von Beobachtungsdaten und Bestandsdaten;
Kombination der verfügbaren Daten und Informationen in ein konsistentes
Lagebild; Analyse und Visualisierung der aktuellen Gefährdungssituation.
 Prädiktiv: Vorhersage möglicher zukünftiger Szenarien zur Ausbreitung des
Schadstoffs in Abhängigkeit von geographischen Gegebenheiten und
Wetterbedingungen.</p>
      <p>Präskriptiv: Planung des effizienten Einsatzes von Sensorik, um einen
größtmöglichen Informationsgewinn für die deskriptiven und prädiktiven Verfahren zu
erzielen (Befliegungen, In-situ-Sensorik oder gezielte Anfragen an Helfer).</p>
    </sec>
    <sec id="sec-12">
      <title>3.2 Anwendungsszenario 2: Umweltmonitoring</title>
      <p>Im von der LUBW koordinierten Anwendungsszenario Umweltmonitoring werden
invasive Spezies (Tier- oder Pflanzenarten) betrachtet, die zum Teil erhebliche
Gesundheitsprobleme für die Bevölkerung (wie Allergien), ökologische (Verdrängen
einheimischer Arten) oder ökonomische Schäden (Schäden an Früchten und
Nutzpflanzen) verursachen (wie z.B. Eichen-Prozessionsspinner, Asiatische Tigermücke
und Beifußblättrige Ambrosie). Im Projekt wird beispielhaft die Kirschessigfliege
betrachtet (drosophila suzukii), welche vor etwa 10 Jahren aus Asien über Amerika
nach Europa eingeschleppt wurde und in Deutschland seit 2011 eine ernsthafte
Gefährdung für den Wein- und den Obstbau darstellt. Sie befällt alle weichschaligen
Früchte wie z.B. Süßkirschen, Erdbeeren, Brombeeren, Himbeeren, Johannisbeeren,
Heidelbeeren, Pfirsiche sowie Kelter- und Tafeltrauben und hat in einigen Gebieten
bereits große Ernteausfälle bewirkt. Die Kirschessigfliege hat sehr kurze
Fortpflanzungszyklen: sie benötigt nur 12 bis 14 Tage bis zur nächsten Generation und kann
bis zu 13 Generationen pro Jahr aufweisen. Die Kirschessigfliege befällt
unterschiedliche Früchte in verschiedenen Phasen des Jahres, sie nutzt Rückzugs- und
Überwinterungsräume zwischen den Befallphasen der Obstkulturen.</p>
      <p>Ziel im Projekt ist es, die Verteilungsmuster in Abhängigkeit von Vegetation, Wetter
und ggf. anderer relevanter Parameter (Landnutzung, Topologie, Gegenmaßnahmen)
zu beschreiben, verstehen und vorherzusagen. Als Datenbasis zur Verbreitung dienen
zunächst offizielle Daten der Verwaltung (Fallenfunde) – aktuell und historisch. Hinzu
kommen Geobasisdaten, (möglichst hochaufgelöste) Landnutzungs- und
Landbeckungsdaten (idealerweise sollten z.B. für Wälder und Obstplantagen die
vorhandenen Baumarten bekannt sein) sowie (ebenfalls möglichst hoch aufgelöste)
Wetterbeobachtungen und -vorhersagen. In Zukunft sind auch nutzergenerierte Daten
vorstellbar (wenn bspw. Landwirte auch unabhängig von offiziellen Fallenfunden lokale
Sichtungen melden oder wenn Bürger ehrenamtlich Sichtungen melden).
Die dominante Big Data Dimension ist in diesem Szenario Variety. Mit Ausnahme von
Wetterdaten, die auch große Datenmengen repräsentieren können, ist die Datenlage
sogar im ersten Ansatz sehr viel dünner als man sich das wünschen würde.
Als Analyse-Fragestellungen können/sollen untersucht werden:
 Deskriptiv: Interpolation und Visualisierung der historischen Entwicklungen des
Auftretens der invasiven Art (räumlich-zeitliche Muster), idealerweise korreliert mit
möglichen erklärenden Faktoren.
 Prädiktiv: Vorhersage des Auftretens (Ausbreitungsprognosen, räumlich und
zeitlich, sowie Kausalanalyse zu den Treibern der Ausbreitung).
 Präskriptiv: Planung des Einsatzes von semi-stationärer und/oder mobiler
Sensorik zur Detektion von Schädlingen; effiziente Einsatzplanung von Teams/
Geräten zur Schädlingsbekämpfung (je nach betrachteter Art, z.B. manuelles Zerstören
der Laichmöglichkeiten, Ausreißen der Pflanzen, Köderfallen, Insektizide etc.).</p>
    </sec>
    <sec id="sec-13">
      <title>3.3 Anwendungsszenario 3: Smart City und Gesundheit</title>
      <p>Ein immer wichtiger werdender Anwendungsbereich für GIS ist das Verstehen und
Verbessern der Strukturen, Abläufe, und Zusammenhänge in Städten, mit dem Ziel,
das Leben und die Gesundheit der Bürger zu verbessern. Konkret wird das urbane
Mikroklima und seine Wirkung auf den Menschen beeinflusst von Faktoren wie Klima
und Wetter (Temperatur, Wind, Luftfeuchtigkeit, direkte Sonneneinstrahlung, Regen),
Luft (Feinstaub, Ozonwerte, Stickoxide, …), Lärm, Pollen und anderen allergenen
Stoffen, der Landnutzung und -bedeckung, der Verteilung von städtischem Grün und
Bäumen und der Architektur (Belüftungskorridore in der Bebauung,
Beschattungseffekte, Speicherfunktion für Wärme, …).
Im Projekt wird ein Fokus auf die Temperatur gelegt und sog. Urban Heat Islands
betrachtet. Gemäß Gesundheitsberichterstattung des Bundes sterben jedes Jahr
zahlreiche Menschen an den Folgen von Hitze. Karlsruhe, als eine der wärmsten Städte in
Deutschland, bildet hierbei zudem mehrere noch stärker ausgeprägte Hitzeinseln aus,
bei denen die Temperatur um mehrere Grade höher sein kann als nur wenige hundert
Meter entfernt. Aufgrund der geringen Dichte an Messstationen existieren jedoch
bisher keine Modelle, die eine Analyse der Hitze- und Temperaturbelastungen für
einzelne Wohnviertel oder gar für Straßenzüge oder bestimmte Plätze ermöglichen.
Aufgrund einer erwarteten weiteren Erwärmung wäre ein besseres Verständnis für die
Abhängigkeiten von der Geo-Position aber zwingend notwendig.</p>
      <p>In BigGIS sollen historische Zeitreihen von Temperaturmessungen in Karlsruhe
kombiniert werden mit Infrarot-Satellitenaufnahmen, welche die (Oberflächen-)
Temperaturen allerdings lediglich in einer Granularität von mehreren hundert Metern in
Frequenzen von einigen Wochen ermitteln können. Mit Hilfe dieser Daten, sowie
(unzuverlässigen) von Bürgern gemeldeten Daten soll ein feingranulareres
Temperaturmodell erstellt werden, welches von den Temperaturen an den Messstationen auf die
restlichen Positionen im Stadtgebiet schließen lässt. Danach sollen Modelle entwickelt
werden, die auf Basis von Wetter und beispielsweise Windprognosen für die Stadt
Karlsruhe feingranulare innerstädtische Temperaturvorhersagen ermöglichen. Über
Messfahrten zur Ermittlung von tatsächlichen Temperaturen sollen die Ergebnisse der
Approximationen und Prognosen dann verifiziert werden, um Aussagen zur Modellgüte
ableiten zu können und die Modelle zu kalibrieren. Da mobile Messungen und
Messfahrten Kosten verursachen, sind die Messfahrten so zu planen, dass ein
maximaler Informationsgewinn für die Modellierung erreicht werden kann.
Datenquellen außer den oben genannten können 3D-Stadmodelle sein, Daten privater
Wetterstationen sowie Befliegungsdaten mit einem Thermalscan. Die dominante Big
Data Dimension ist hier zunächst Variety, bei zunehmender Nutzung privat
bereitgestellter Daten auch Veracity.</p>
      <p>Als Analyse-Fragestellungen können/sollen untersucht werden:
 Deskriptiv: Interpolation bzw. Approximation und Visualisierung der
Hitzebelastung aus grobgranularen, unvollständigen und teilweise unzuverlässigen Daten.
 Prädiktiv: Feinkörnige Vorhersage innerstädtischer Hitzebelastung.
 Präskriptiv: Planung von Messstationen und Messfahrten mit maximalem
Informationsgewinn.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-14">
      <title>4 Software-Architektur für Spatial Big Data</title>
      <p>Im bisherigen Projektverlauf lag der Schwerpunkt der Arbeiten auf einer genauen
Analyse der Anwendungsszenarien und der entsprechenden Datenbeschaffung, auf
Vor- und Zuarbeiten, der Schaffung der Basisinfrastruktur und auf punktuellen
algorithmischen Überlegungen zu Visualisierungs- und Analyseverfahren. Eine einheitliche
Projektarchitektur wurde noch nicht entwickelt, zumal die drei Anwendungsszenarien
aus Big Data Sicht auch so unterschiedlich gelagert sind, dass noch nicht klar ist, ob
eine einheitliche, umfassende Software-Lösung für alle drei Anwendungen sinnvoll ist.
Trotzdem sind im Verlauf der Projektarbeiten einige Beobachtungen und Einsichten
entstanden, die wir anhand der in Abbildung G-2 gezeigten, noch unvollständigen
Illustration der Verarbeitungsideen in BigGIS erläutern.
(1) Als Basis-Framework zur Installation und Verteilung der Projektentwicklungen und
zur betriebssystemunabhängigen, skalierbaren Ressourcenbereitstellung hat sich
Docker8 als sehr interessante Lösung herausgestellt.
(2) Grundsätzlich sollte man angesichts vieler schöner Marketing-Demos von
Standalone Big Data Applikationen nicht übersehen, dass man sich im Bereich der
Geound Umweltdaten sehr häufig innerhalb oder im Kontext von existierenden
Softwarelandschaften (Geodateninfrastrukturen, GDI) der öffentlichen Verwaltung
bewegt, die man nicht einfach durch neue Ansätze wird ersetzen können, sondern
durch Spatial Big Data Lösungen ergänzt werden sollen, zu diesen also
interoperabel sein müssen. Hier spielen bewährte (und ggf. weiter zu entwickelnde)
Standards (insbesondere des OGC) eine große Rolle.9 Für eine Spatial Big Data
Software-Lösung sind sowohl auf Seite der Datenquellen entsprechende
Schnittstellen zu schaffen (z.B. auf der Basis des OGC
Sensor-ObservationService für Sensordatenströme10 oder mithilfe der OGC SensorThings API11 für die
Einbindung von IoT-Datenströmen) als auch auf der Seite der Bereitstellung von
Berechnungsergebnissen durch entsprechende standardkonforme Schnittstellen
(hier gewährleistet durch die Einbindung von Disy Cadenza12, das die
verschiedenen OGC Schnittstellen unterstützt).</p>
      <p>Abbildung G-2: Initiale Stufen-Architektur für (große) Geodaten(ströme)
(3) Eine weitere „einfache“ Erkenntnis ist die, dass gerade für kompliziertere
Vektordatenverarbeitungen die Performanz moderner In-Memory-Datenbanken definitiv
ein Gewinn sein kann. Disy hat hier bisher überwiegend mit kommerziellen
Produkten gearbeitet (EXAsolution, SAP HANA, Oracle Spatial and Graph). Alle bieten
bereits ähnliche „Standardfunktionalitäten“ für die Geodatenverarbeitung an,
teilweise noch mit „Kinderkrankheiten“, aber in ständiger Verbesserung und mit
sehr guten Performanzwerten. Diese Produkte können ohne Zweifel auch
problemlos in existierende GDIen integriert werden. Eine interessante Option ist
hier auch, dass meist die Möglichkeit gegeben ist, R-Skripte eng mit der
Datenbanklösung zu verzahnen.
(4) Zum Integrieren und Verteilen von Eingangsdaten bietet sich das Message
Brokering System Apache Kafka13 als de-facto Standard an, das sowohl mit sehr
großen Datenmengen als auch sehr hoher Datenfrequenz umgehen kann.
(5) Die Datenstromverarbeitung und verschiedene Lernalgorithmen werden
voraussichtlich auf Apache Spark14 basieren, das eine Cluster-basierte Parallelisierung
von Algorithmen zur Big Data Analyse darstellt.
(6) Für die Massendatenspeicherung und Batch-Verarbeitungen wird voraussichtlich
auf das Apache Hadoop Distributed File System (HDFS) sowie proprietäre
Lösungen von EFTAS für die Rohdaten aus der Fernerkundung zurückgegriffen.
(7) Auch über (6) hinausgehend (und in der Abbildung noch nicht dargestellt), spielen
ohne Zweifel Rohdaten aus der Fernerkundung eine besondere Rolle. Nicht nur,
dass sie in unseren bisherigen Szenario-Analysen die einzige Quelle für tatsächlich
sehr signifikante Datenvolumina darstellen. Es ist auch so, dass Rohdaten zwar
eventuell für spätere Neu-/Nachuntersuchungen gespeichert werden sollten, aber
normalerweise nicht per se von Interesse sind, sondern nur nach mehr oder
weniger komplexen Interpretationsprozessen, bis hin zur semantischen
Objekterkennung (Bildanalyse aus Raster- zu interpretierten Vektordaten). Dies wird im
Bild dadurch angedeutet, dass einerseits Rasterdaten (R) und andererseits
Vektordaten (Vec) fließen, wobei die Rasterdaten noch weitgehend uninterpretiert
sein können (die gefragte Information also noch implizit enthalten ist - Rimpl) oder
aber bereits das Ergebnis einer Klassifikation / Analyse sein können (so dass die
gefragte Information schon explizit im Rasterbild dargestellt ist - Rexpl). Die selben
Rohdaten können auch mit verschiedenen Algorithmen nach verschiedenen
Merkmalen untersucht werden, so dass die späteren Verarbeitungsschritte den
früheren Interpretationsschritten mitteilen müssen, mittels welcher Primitive die
gefragte Information repräsentiert werden soll. Es ist außerdem zu überlegen, ob
nicht für Fernerkundungsrohdaten neben den üblichen Datenpfaden eine spezielle
„Abkürzung“ (an den üblichen Daten-Einlagerungsprozessen vorbei) erforderlich ist
und ob man überhaupt alle Rohdaten in die Big Data Plattform überführen will und
kann. Wenn bspw. in einem Notfallszenario eine gewisse Nah-Echtzeit
13 http://kafka.apache.org/  und  https://en.wikipedia.org/wiki/Apache_Kafka  
14 http://spark.apache.org/  und  https://de.wikipedia.org/wiki/Apache_Spark  </p>
      <p>98
Funktionalität unerlässlich ist und daher aus einem UAS durch einen Downlink die
Daten während des Fluges direkt per Funk übertragen werden sollen, kann es
durchaus vorkommen, dass die Datenübertragung langsamer ist als die
Datenerzeugung. In diesem Fall muss untersucht werden, ob nicht schon im UAS eine
Vorselektion oder sogar schon eine Vorinterpretation durchgeführt wird, so dass
nur noch vermutlich relevante oder bereits voranalysierte Daten ins Back-End
System übertragen werden.
(8) Was ebenfalls in der Grafik noch nicht dargestellt wird: in realen komplexeren
Anwendungsszenarios wird man auch interaktivere Aufgaben bearbeiten müssen,
bei denen der Anwender manuell mit Daten und Algorithmen arbeitet (vgl.
Abbildung G-1), sich bestimmte Datenselektionen oder -sichten für die weitere
Verarbeitung definiert, ggf. ganze Workflows für die Datenverarbeitung konfiguriert
usw. – wie das aus dem Data Mining schon lange bekannt ist. Dieses Element des
benutzerfreundlichen Umgangs mit Big Data Algorithmen und Datenpools wird
leicht übersehen, weil die sichtbareren Big Data Anwendungen häufig im Bereich
der Vollautomatisierung angesiedelt sind und durch reine unidirektionale
PipelineArchitekturen realisiert werden können. Dennoch ist hier noch einiges an
Entwicklungsarbeit für praxistaugliche Werkzeuge zu leisten. In der Grafik wird dies
dadurch angedeutet, dass auf der Delivery-Seite (beim Endanwender) das
Cadenza-Tool dargestellt ist, das dem Data Analyst / Data Scientist Werkzeuge
und Benutzungsoberflächen für die Datenanalyse zur Verfügung stellen soll. Wenn
man die Software-Architektur dahingehend komplettiert, ergeben sich daraus
insbesondere Feedback-Schleifen, weil u.U. Ergebnisse oder
Zwischenergebnisse von Berechnungen (ggf. mit Metadaten zu ihrer Erzeugung) wieder in
die Datenpools zurückgespeist werden müssen.
(9) Eine weitere allgemeine Bemerkung, die in der Grafik schwer an einem Punkt zu
verorten ist: In marketing-orientierten Publikationen zu Big Data wird leicht der
Eindruck vermittelt, die neuen Technologien würden allein aufgrund der schieren
Datenmenge in Verbindung mit intelligenten Algorithmen die (aufwändigen)
ETLProzesse des klassischen Data Warehousing unnötig machen. Tatsächlich ist es
häufig aber nur so, dass man zur schnellen Verarbeitung der großen Datenmengen
zunächst einmal alle verfügbaren Daten erfasst und dann erst später im
BatchBetrieb syntaktische, semantische oder qualitätssichernde Transformationen
durchführt. Aus ETL wird also ELT. Gerade im Geodatenbereich, wo semantische
Heterogenitäten oft noch stärker hervortreten als in anderen Domänen und wo
schon eine unterschiedliche räumliche oder zeitliche Auflösung von Datenreihen
diese unvergleichbar werden lassen kann, gehen wir davon aus, dass sich
Transformationsprozesse in aller Regel nicht komplett vermeiden lassen. Da
außerdem in unseren vorliegenden Szenarioanalysen die deutlich dominante
Problemdimension Variety ist (und nicht Volume), ist auch vorstellbar, dass einige
„T-Prozesse“ des ETL/ELT schon früh in der Pipeline und eventuell auch als Teil
der Datenstromverarbeitung möglich oder sogar notwendig sind.
(10) Geht man davon aus, dass wie bereits mehrfach gesagt, Variety die wichtigste
Big Data Dimension in unseren Szenarien darstellt und daher komplexe
ELTProzesse nicht zu vermeiden sind, stellt sich die Frage, ob nicht zumindest die
Konfiguration dieser ELT-Prozesse teil- oder vollautomatisiert werden kann. Hierfür
sollen im Projekt wissensbasierte Methoden auf der Basis semantischer
Metadaten genutzt werden. Diese können beschreiben, welche Algorithmen für welche
Datencharakteristika geeignet sind, wie gewisse Datenpools entstanden sind, wie
gewisse Daten hinsichtlich ihrer Zuverlässigkeit einzuschätzen sind usw.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-15">
      <title>5 Zusammenfassung</title>
      <p>Wir haben die Motivation, Struktur, wesentliche Grundlagen und die Zielsetzungen des
BigGIS-Projekts dargestellt. Dabei wurden die Datengrundlagen und die deskriptiven,
prädiktiven und präskriptiven Analysefragestellungen der drei Anwendungsszenarien
Katastrophenschutz, Umweltmonitoring und Smart City und Gesundheit vorgestellt.
Dominante Big Data Dimension ist immer Variety; Volumen und Velocity können durch
die Einbindung von Methoden der Fernerkundung hinzukommen, Veracity durch die
Verwendung nutzergenerierter Daten. Erste Überlegungen zu einer
Software-Architektur für das Projekt bauen auf die Frameworks Docker, Kafka und Spark, haben im Kern
die In-Memory Datenbank von Exasol, erweitert um R-Skripte, sowie HDFS für die
Massendatenspeicherung. Spezifische Fragestellungen, denen man sich im Projekt
widmet, sind unter anderem die effiziente Behandlung von Fernerkundungsrohdaten
und -interpretationsprozessen sowie die Verwendung semantischer Metadaten für
komplexe Transformationsprozesse und effektive Benutzerinteraktion. Gerade auch
angesichts der Variety und Veracity Fragestellungen in unseren Anwendungsfällen
sehen wir eine große Herausforderung im Überbrücken der Lücke zwischen komplexer
Datenlage, vielfältigen Algorithmen und problemspezifischen, endanwendertauglichen
Benutzungsoberflächen. Außerdem liegt ein Schwerpunkt der konkreten
Projektarbeiten auf algorithmischen Fragestellungen bei den deskriptiven, prädiktiven und
präskriptiven Aufgaben in den jeweiligen Szenarien.</p>
      <p>Danksagung. Teile der Texte, Bilder und Darstellungen gehen auf verschiedene
Partner im BigGIS-Projektkonsortium zurück. BigGIS (http://biggis-project.eu/) wird
finanziell unterstützt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unter
den Förderkennzeichen 01IS14012A bis 01IS14012G. Weitere Unterstützung findet
das Projekt bei seinen assoziierten Partnern, insbesondere der Stadt Karlsruhe sowie
beim Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg, das für die Forschungen zur
Kirschessigfliege seine Daten beisteuert.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-16">
      <title>6 Literaturverzeichnis</title>
      <p>[BITKOM, 2014]
Oracle Inc.: Oracle Big Data Spatial and Graph. Oracle Data Sheet. URL:
http://download.oracle.com/otndocs/products/bigdata-spatialandgraph/bdsg-datasheet.pdf . Siehe auch: http://docs.oracle.com/bigdata/bda45/index.htm . Oracle Inc.,
2016. (Letzter Zugriff: 03.08.2016)</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list />
  </back>
</article>