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        <article-title>Arbeitsprozess-integriertes Projekt- Studium in Unternehmen</article-title>
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          <string-name>Frank Fuchs-Kittowski</string-name>
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          <string-name>HTW Berlin</string-name>
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          <string-name>Jörn Freiheit</string-name>
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          <string-name>Juliane Siegeris</string-name>
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          <label>0</label>
          <institution>HTW Berlin (2014): Satzung für das Zentralinstitut „Berliner Institut für Akademische Weiterbil‐ dung der HTW Berlin“ (Berlin Institute for Ad‐ vanced Higher Education at HTW Berlin) der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. 2014. - Amtliches Mitteilungsblatt der HTW Ber‐ lin 10/14.</institution>
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      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <fpage>41</fpage>
      <lpage>50</lpage>
      <abstract>
        <p>In diesem Beitrag wird das Konzept des Projektstudiums  im  berufsbegleitenden  Masterstudiengang  „Professional  IT‐Business“  an  der  HTW  Berlin  beschrieben. Es beinhaltet mehrere Elemente, die das  arbeitsprozess‐integrierte  Lernen  (Lernen  in  realen  Arbeitsprozessen  und  Projekten  in  Unternehmen)  ermöglichen und unterstützen sollen. Das Konzept  versteht sich als eine innovative Lösung zur Kompetenzentwicklung  durch  projektorientierte,  arbeitsprozess‐integrierte Lehr‐ und Lernformen in Koope‐ ration von Hochschule und Unternehmen. </p>
      </abstract>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Einleitung</title>
      <p>Projektorientierte  Lehr‐  und  Lernformen  (Projekt‐
studium) fördern die berufliche Handlungskompe‐
tenz (Tippelt, 1979). Die Durchführung von projekt‐
orientierten  Lehr‐  und  Lernformen  gehört  daher 
heute bereits in vielen Studiengängen zum Curricu‐
lum  (Liebehenschel,  2013)  und  dient  der  Stärkung 
des  Praxisbezugs  von  Studiengängen  (Kruse,  2009; 
Kleuker et.al., 2011). </p>
      <p>Zudem findet Projektstudium heute vielfach be‐
reits  direkt  in  Unternehmen  statt  (Siegeris  et.al., 
2015).  Die  Studierenden  lernen  ein  echtes  Arbeits‐
umfeld  kennen  und  übernehmen  Aufgaben  in  rea‐
len Projekten, wodurch sie ihr erworbenes Wissen in 
der  Praxis  anwenden  und  neue  Erfahrungen  sam‐
meln  können  (Lewerentz  &amp;  Rust,  2001).  Hierbei 
wird  das  Lernen  stärker  in  den  realen  Arbeitspro‐
zess verlagert (Arbeitsort als Lernort) und orientiert 
sich  an  realen  Arbeitsaufgaben  (anstelle  fixierter, 
vorgeschriebener Inhalte / Curriculum). Begriffe wie 
„Learning by Doing“ oder „Trainee‐Programm“ be‐
schreiben Konzepte im betrieblichen Kontext, die in 
diese  Richtung  gehen.  Durch  das  „Lernen  im  Ar‐
beitsprozess“, bei dem die Studierenden selbständig 
während  der  Arbeit  auftretende  Wissenslücken 
schließen,  stehen  selbstorganisierte  Lernprozesse 
und die Entwicklung von Handlungskompetenz im 
Vordergrund. </p>
      <p>Doch  die  Förderung  von  Kompetenzen  hängt 
wesentlich davon ab, in welcher Art die projektori‐
entierten Lehr‐ und Lernveranstaltungen organisiert 
und durchgeführt werden. Dies hängt insb. von drei 
Faktoren ab (Jung, 2009): 
den Inhalten und Rahmenbedingungen des 
Projekts, 
den  Lehrenden  und  ihrer  Auffassung  von 
Betreuung und 
den Studierenden und ihrer Bereitschaft, die 
Herausforderungen der Projektbearbeitung 
anzunehmen. 
Bei der Projektarbeit von Studierenden in Unterneh‐
men  stellen  sich  aufgrund  unterschiedlicher  Pro‐
jekte  und  Rahmenbedingungen  in  den  Unterneh‐
men eine Reihe von Herausforderungen auch für die 
Studierenden und Lehrenden: </p>
      <p>Wie  lassen  sich  Projektarbeit  und  Lernen 
sinnvoll verbinden? 
Wie kann das Erreichen von Lernzielen und 
Kompetenzentwicklung  sichergestellt  wer‐
den? 
Wie  lassen  sich  in  Projekten  Vorgaben  für 
Lerninhalte,  durchzuführende  Tätigkeiten 
und zu erwerbende Kompetenzen machen? 
Wie  können  Studierende  in  der  Projektar‐
beit adäquat unterstützt werden? 
Wie lassen sich die in Projekten erbrachten 
Leistungen  und  Lernerträge  vergleichen 
und bewerten? 
Um  gezielt  die  Handlungskompetenz  von  Studie‐
renden zu fördern, wurde an der HTW Berlin ein in‐
novatives  Konzept  für  die  Durchführung  des  Pro‐
jektstudiums  im  Rahmen  des  berufsbegleitenden 
Masterstudiengangs „Professional IT‐Business“ ent‐
wickelt. Ein Student im Projektstudium lernt dabei 
im  Arbeitsprozess,  in  realen  Projekten  (Praxispro‐
jekt)  in  (seinem)  Unternehmen.  Das  Lernen  in  der 
Arbeit  gestaltet  der  Studierende  dabei  selbst,  wird 
aber umfassend personell und technisch unterstützt. 
Ein prozess‐orientiertes Curriculum, sog. Referenz‐
projekt,  strukturiert  das  Projektstudium.  Es  dient 
der  Auswahl  des  Praxisprojekts,  der  Planung  der 
Arbeits‐  und  Lernprozesse  und  schließlich  auch 
dem  Nachweis  des  erfolgreichen  Projektstudiums. 
Alle  Prozesse  des  Referenzprojekts  müssen  nach‐
weislich  beherrscht  werden,  indem  sie  bewältigt 
und dabei reflektiert und dokumentiert werden. In 
diesem  Beitrag  sollen  die  wesentlichen  Bausteine 
dieses Konzepts dargestellt werden. </p>
      <p>Dieser Beitrag ist wie folgt strukturiert: Nach ei‐
ner kurzen Vorstellung des berufsbegleitenden Mas‐
terstudiengangs „Professional IT‐Business“ und des 
Moduls „Projektstudium“ wird zunächst das didak‐
tische Konzept dieses Moduls präsentiert. Dies um‐
fasst  a)  das  Referenzprojekt  als  prozessorientiertes 
Curriculum, b) die Vorgehensweise für das Lernen 
im  Arbeitsprozess  sowie  c)  organisatorische  und 
technische  Instrumente  zur  Unterstützung  der  im 
Arbeitsprozess  Lernenden.  Danach  wird  anhand 
des „Data Analyst“ ein Beispiel eines prozess‐orien‐
tierten  Curriculum  (Referenzprojekt)  beschrieben. 
Der Beitrag endet mit einer Zusammenfassung und 
einem Ausblick. </p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Berufsbegleitender Masterstudiengang „Professional IT-Business“</title>
      <p>An  der  Hochschule  für  Technik  und  Wirtschaft 
(HTW)  Berlin,  der  größten  Hochschule  für  ange‐
wandte Wissenschaften in den neuen Ländern, stu‐
dieren  mehr  als  13.000  Studierende  in  70  Studien‐
gängen in den Studienrichtungen Gestaltung, Infor‐
matik,  Kultur,  Technik  und  Wirtschaft.  7  Studien‐
gänge  davon  haben  einen  starken  Fokus  auf  Infor‐
matik bei unterschiedlicher fachlicher Ausrichtung.  </p>
      <p>Eigens  für  berufsbegleitenden  Studiengänge 
wurde  an  der  der  HTW  das  „Berliner  Institut  für 
Akademische  Weiterbildung  der  HTW  Berlin“  (BI‐
fAW) eingerichtet, um „die weiterbildenden, gebüh‐
renpflichtigen  Masterprogramme  und  diejenigen 
Bachelor‐  und  Masterprogramme,  die  als  Fernstu‐
dium  angeboten  werden,  zu  betreuen  sowie  die 
Weiterbildungsangebote  der  Hochschule  zu  bün‐
deln.“ (HTW Berlin, 2014). Unter dem Dach des BI‐
fAW wird auch der berufsbegleitende Masterstudi‐
engang „Professional IT‐Business“ durchgeführt.  </p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Curriculum des Studiengangs</title>
        <p>Das Curriculum des Studiengangs (siehe Abbildung 
1)  wurde  seit  2013  von  Informatikprofessorinnen 
und ‐professoren der HTW in Kooperation mit Ver‐
tretern  der  Unternehmen  IBM,  SAP,  BVG  (Berliner 
Verkehrsbetriebe),  KPMG,  Bosch  und  RBB  (Rund‐
funk Berlin Brandenburg) entwickelt. 
 
Abb. 1: Curriculum des Studiengangs „Professional </p>
        <p>IT‐Business“ 
Insgesamt  werden  in  dem  Master  90  Leistungs‐
punkte  erzielt.  Im  ersten  und  im  vierten  Semester 
werden jeweils 25, in den beiden anderen Semestern 
jeweils 20 Leistungspunkte vergeben.  </p>
        <p>Im  ersten  Semester  werden  die  Lehrveranstal‐
tungen Cloud‐Computing, Analytics sowie Require‐
ments‐Engineering  und  Change‐Management  in 
klassischer  Form  durchgeführt.  In  Cloud‐Compu‐
ting  werden  Cloud‐Konzepte  und  ‐Architekturen 
betrachtet und angewendet. Requirements‐Enginee‐
ring und Change‐Management befasst sich mit dem 
organisatorischen  und  technischen  Wandel  in  IT‐
Unternehmen.  Die  Veranstaltung  „Analytics“,  in 
der  Methoden  zur  Analyse  strukturierte  und  un‐
strukturierte  Daten  zur  Erreichung  von  Geschäfts‐
ziele erlernt werden, vermittelt die Grundlagen für 
das  im  ersten  Semester  ebenfalls  zu  absolvierende 
Projektstudium  I,  in  welchem  ein  Projekt  zum 
Thema „Analytics“ bearbeitet werden soll. </p>
        <p>Im  zweiten  Semester  werden  in  der  Veranstal‐
tung Mobile Computing mobile, dezentrale Systeme 
mithilfe  moderner  Technologien  erstellt.  Im  Enter‐
prise  Architecture‐Management  werden  System‐
landschaften  unter  Verwendung  von  z.B.  UML 
(Unified Modeling Language) und ODP (Open Dis‐
tributed Processing) entworfen, modelliert und ana‐
lysiert.  Das  Projektstudium  II  thematisiert  entspre‐
chend das „Design eines Systems“.  </p>
        <p>Im  dritten  Semester  werden  in  der  Veranstal‐
tung  IT‐Security  u.a.  Sicherheitsarchitekturen  und 
Angriffsszenarien  untersucht.  Themen  der  Veran‐
staltung IT‐Controlling sind u.a. Total‐Cost‐of‐Ow‐
nership‐Analysen  und  Berechnungen  von  Ge‐
schäftswerten, Return on Investments und Business 
Cases. Thema des im dritten Semester durchgeführ‐
ten Projektstudium III ist „IT‐Controlling“. </p>
        <p>Im vierten Semester ist die zentrale Aufgabe die 
Erstellung  der  Masterarbeit.  Dies  wird  durch  ein 
Masterseminar begleitet.  </p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Berufsbegleitung</title>
        <p>Das  berufsbegleitende  Studium  im  Masterstudien‐
gang „Professional IT‐Business“ ist kostenpflichtig. 
Derzeit kostet ein Studienplatz 16.500 Euro. Die Stu‐
diengebühren werden in der Regel von den Unter‐
nehmen bezahlt. Diese ermöglichen ihren Mitarbei‐
tern somit durch das Tragen der Gebühren und das 
Einräumen zeitlicher Freiheit für das Studium.  </p>
        <p>Studierende  des  Studiengangs  benötigen  einen 
Bachelorabschluss  und  eine  mindestens  einjährige 
Berufserfahrung nach diesem Abschluss, ehe sie mit 
dem Master beginnen dürfen. </p>
        <p>Die Studierenden arbeiten im Semester montags 
bis donnerstags in ihren Unternehmen und nehmen 
freitags  und samstags  an den  Präsenzveranstaltun‐
gen an der HTW teil (8 Semesterwochenstunden pro 
Tag).  Der  Aufwand  für  die  Studierenden  ist  insge‐
samt immens. Der jährliche Arbeitsaufwand für das 
Studium beträgt 1125 Stunden.  </p>
        <p>Die  Studierenden  bedürfen  der  Unterstützung 
ihrer Unternehmen über das Tragen der Studienge‐
bühren hinaus. Die Unternehmen müssen sicherstel‐
len,  den  Studierenden  einerseits  die  Freiräume  für 
das Studium schaffen und sie andererseits auch or‐
ganisatorisch,  z.B. durch  den  Einsatz in  geeigneten 
Projekten  zu  unterstützen.  Es  werden  deshalb  Ko‐
operationsverträge  mit  den  Unternehmen  abge‐
schlossen. Die Unternehmen verpflichten sich darin 
zur  Abnahme  einer  bestimmten  Anzahl  von  Stu‐
dienplätzen und zur Unterstützung ihrer studieren‐
den Angestellten. </p>
        <p>Die Motivation zur erfolgreichen Durchführung 
des Studiums ist bei den Studierenden und auch bei 
den Unternehmen hoch. Die Unternehmen profitie‐
ren einerseits von ihren hochqualifizierten Mitarbei‐
tern  und  nutzen  andererseits  das  Studienangebot, 
um  Mitarbeiter  zu  akquirieren  und  zu  halten.  Den 
Studierenden wird eine Lösung für das typische Di‐
lemma geboten, ob sie nach dem Bachelor arbeiten 
und  Geld  verdienen  oder doch  erst  noch  den  Mas‐
terabschluss erringen sollten.  </p>
        <p>Die  Berufserfahrung  der  Studierenden  ermög‐
licht  eine  sehr  zielorientierte,  strukturierte  und  an‐
wendungsnahe  Durchführung  des  Studiums.  Ne‐
ben dem eigenen Anspruch ziehen die Studierende 
eine  zusätzliche  Motivation  aus  der  Unterstützung 
ihres Unternehmens, das Studium erfolgreich zu ab‐
solvieren.  In  den  Studiengang  werden  jährlich  20 
Studierende  zum  Wintersemester  immatrikuliert. 
Mit erfolgreichem Abschluss des Studiums erlangen 
die Absolventinnen und Absolventen die Qualifika‐
tion ʺMaster of Science (M.Sc.)ʺ. </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Das Modul “Projektstudium”</title>
      <p>In  den  ersten  drei Semestern  führen  die  Studieren‐
den  jeweils  ein  Projektstudium  mit  unterschiedli‐
chem thematischen Schwerpunkt durch: </p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Analytics (1. Sem.) </title>
        <p>IT‐Systems‐ Design (2. Sem.) </p>
        <p>IT‐Controlling (3. Sem.) 
Neben  den  verschiedenen  fachlichen  Schwerpunk‐
ten sollen auch unterschiedliche soziale Fähigkeiten 
vermittelt werden: </p>
        <p>Kommunikationsfähigkeit, 
Führungsfähigkeiten, </p>
        <p>Verhandlungs‐ und Verkaufsfähigkeiten. 
Das Thema des Projektstudiums im ersten Semester 
ist „Analytics“. Die Studierenden wenden dabei die 
in  der  begleitenden  Lehrveranstaltung  „Analytics“ 
erworbenen  Kenntnisse  an  einem  Projekt  an,  das 
(idealerweise)  in  ihrem  jeweiligen  Unternehmen 
durchgeführt wird. Neben dem fachlichen Schwer‐
punkt wird im Projektstudium I besonderes Augen‐
merk auf die Weiterentwicklung der Kommunikati‐
onsfähigkeiten  gelegt.  Dabei  werden  insbesondere 
die  interkulturelle  Kommunikation  und  das  Erzie‐
len von Kompromissen geschult.  </p>
        <p>Das Projektstudium II im zweiten Semester be‐
schäftigt sich mit dem Design von Systemen. Neben 
diesem fachlichen Schwerpunkt werden Führungs‐
fähigkeiten,  insbesondere  bei  Umgestaltungen  und 
Transformationen  von  Organisationssystemen,  ge‐
schult.  </p>
        <p>Thema  des  Projektstudiums  III  im  dritten  Se‐
mester  ist  das  Controlling  von  IT‐Projekten.  Darin 
werden auch die Fähigkeiten des Verhandelns und 
Verkaufens  geschult,  indem  die  Studierenden  Ver‐
handlungsstrategien  anwenden  sowie  emotionales 
Verkaufen  und  bewusstes  Kommunizieren  prakti‐
zieren. </p>
        <p>Das Projektstudium erfordert außer zur Einfüh‐
rungsveranstaltung, zur Zwischenpräsentation und 
zur  Abschlussprüfung  keine  Präsenz  an  der  HTW. 
Vielmehr ist vorgesehen, dass die Studierenden das 
Projektstudium  in  ihrem  Unternehmen  durchfüh‐
ren.  </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Didaktisches Konzept für das Projektstudium</title>
      <p>Das Konzept für das Projektstudium sieht nicht nur 
Lernen und Arbeiten an einer Aufgabe eines Unter‐
nehmens,  sondern  auch  integriert  in  reale  Arbeits‐
prozesse und in reale Projekte vor: prozess‐ und pra‐
xisorientiert. Dieses Konzept für das Projektstudium 
baut auf dem Konzept der Arbeitsprozess‐orientier‐
ten Weiterbildung – als Beispiel für eine prozessori‐
entierte Form der betrieblichen Weiterbildung – auf 
(vgl.  (Fuchs‐Kittowski  et  al.,  2001),  (Rohs  &amp; 
Mattauch, 2001), (Caumanns &amp; Mattauch, 2003)). </p>
      <p>Das Projektstudium erfolgt daher entsprechend 
folgender Leitlinien: 
prozessorientiert  (Lernen  in  Arbeitsprozes‐
sen),  
erfahrungsgeleitet  (Arbeit  selbst  ist  Lern‐ 
und Reflexionsgegenstand), 
selbstgesteuert  (Selbststeuerung  des  Lern‐
prozesses) und  
teilnehmerorientiert  (Arbeitsabläufe  sind 
individuell  durch  Bezug  auf  das  konkrete 
Projekt,  aber  trotzdem  besteht  keine  Belie‐
bigkeit der Lerninhalte). 
Zur  Systematisierung  und  Unterstützung  solcher 
Lernprozesse am Arbeitsplatz, im Arbeitsprozess, in 
realen  Projekten  wurden  a)  prozessorientierte  Cur‐
ricula  (Referenzprojekte),  b)  eine  Vorgehensweise 
für das Lernen im Arbeitsprozess sowie c) organisa‐
torische und technische Instrumente zur Unterstüt‐
zung  der  im  Arbeitsprozess  Lernenden  entwickelt, 
die  in  den  folgenden  Abschnitten  dargestellt  wer‐
den. </p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>Arbeitsprozesse als Lerninhalt (Referenzprojekt als Curriculum)</title>
        <p>Zentraler  Bestandteil  des  didaktischen  Konzepts 
sind prozessorientierte Curricula für die unterschiedli‐
chen  Projektstudiums‐Semester  bzw.  Tätigkeits‐
Profile (Data Analyst, IT‐Controller, IT‐Architektur‐
designer). Dabei sollen Wissen und Handeln so eng 
wie  möglich  verzahnt  werden.  Zugleich  soll  jeder‐
zeit der Bezug zur Praxis herstellbar sein. </p>
        <p>Üblicherweise  werden  Bildungsinhalte  über 
Fachthemen bzw. entlang einer Fachsystematik be‐
schrieben.  Im  Projektstudium  dagegen  werden  die 
Lerninhalte  auf  der  Grundlage  von  Arbeitsprozes‐
sen definiert. Für jedes Semester bzw. Profil des Pro‐
jektstudiums  werden  profiltypische  Arbeitsprozesse 
beschrieben.  Damit  wird  das  Handeln  anstelle  des 
Fachwissens in den Vordergrund gestellt.  </p>
        <p>Als  prozessorientierte  Curricula  wurden  soge‐
nannte Referenzprojekte entwickelt. Ein Referenzpro‐
jekt stellt ein für das jeweilige Profil idealtypisches, 
verallgemeinertes  Projekt  anhand  der  zugehörigen 
Arbeitsprozesse dar. D.h. in ihnen werden die zu ei‐
nem  Profil  gehörenden  typischen  Arbeitsprozesse 
zu abstrakten Abläufen idealtypischer Projekte kon‐
kretisiert. Diese so genannten Referenzprozesse wie‐
derum stellen einen typischen Ablauf auf relativ ho‐
hem  Abstraktions‐Niveau  dar  und  beinhalten  pra‐
xisnah alle für das Profil typischen Tätigkeiten in ih‐
rer  typischen  Reihenfolge.  Der  Referenzprozess 
stellt damit in einem der Praxis entsprechenden Ab‐
lauf alle Tätigkeiten eines Profils dar. </p>
        <p>Jede  Aktivität  (Tätigkeitsbündel)  im  Referenz‐
prozess wird als so genannter Teilprozess weiter de‐
tailliert. Auf der  nun  erreichten  Ebene der Arbeits‐
handlungen werden die erforderlichen Fähigkeiten, 
das  Wissen  und  die  Werkzeuge  beschrieben.  Die 
Prozesse vermitteln nicht nur trockenes Faktenwis‐
sen, sondern befähigen zum Handeln. </p>
        <p>Die Referenzprojekte werden als konkrete Lehr‐
pläne  für  die  Projekte  genutzt.  Diese  prozessorien‐
tierten Curricula legen für jedes Profil verbindliche 
Lernziele  fest.  Diese  dürfen  (und können)  nicht als 
auswendig lernbares Faktenwissen missverstanden 
werden,  vielmehr  stellen  sie  verallgemeinerte  Be‐
schreibungen  eines  Projekts  dar.  Die  Referenz‐Pro‐
jekte sind der Maßstab für die Projekte, anhand de‐
rer die Teilnehmer ihr Projektstudium realisieren.  
Bewertet wird also die Fähigkeit, ein reales 
Projekt erfolgreich durchzuführen und sich 
das  dazu  notwendige  Wissen  und  Können 
anzueignen.  Die  konkreten,  zu  lernenden 
Inhalte werden dabei durch die Praxis (und 
das  Vorwissen  der  Teilnehmer)  bestimmt; 
die  Referenzprojekte  legen  aber  Niveau, 
Komplexität  und  Umfang  der  Fähigkeiten 
und Fertigkeiten fest. 
Auf  der  Basis  des  Referenzprojekts  sucht 
der  Studierende  oder/und  das  Unterneh‐
men auch ein passendes, so genanntes „Pra‐
xisprojekt“ aus. Das Praxisprojekt muss hin‐
reichende  Ähnlichkeit  mit  dem  Referenz‐
projekt  haben,  um  für  das  Projektstudium 
anerkannt  zu  werden.  Die  Offenheit  und 
Neutralität der Referenzprojekte ermöglicht 
es,  vielfältige  Praxisprojekte  auszuwählen. 
Das  Referenzprojekt  strukturiert  dann  das 
gesamte nachfolgende Lernen und Arbeiten 
im realen Praxisprojekt. </p>
      </sec>
      <sec id="sec-5-2">
        <title>Lernen in realen Arbeitsprozessen</title>
        <p>Die Projektarbeit selbst erfolgt im Arbeitsprozess im 
Unternehmen. Der Studierende bearbeitet ein reales 
Projekt (Praxisprojekt), das dem Referenzprojekt ge‐
nügt  bzw.  mit  ihm  vergleichbar  ist.  D.  h.  gelernt 
wird im alltäglichen Arbeitskontext mit den entspre‐
chend praxisnahen Anforderungen. </p>
        <sec id="sec-5-2-1">
          <title>Abb. 2: Ablauf des Lernens im Prozess </title>
          <p>Das Referenzprojekt strukturiert dabei das Projekt‐
studium. Es dient (siehe oben): 
der Auswahl des Praxisprojekts,  
der Planung der Arbeits‐ und Lernprozesse 
im Praxisprojekt und schließlich auch  
dem  Nachweis  der  erfolgreichen  Bewälti‐
gung des Projektstudiums, d.h. alle Teilpro‐
zesse  der  Referenzprozesse  müssen  nach‐
weislich  beherrscht  werden,  indem  sie  be‐
wältigt und dabei dokumentiert werden.  
Für die Bearbeitung seines Praxisprojekts muss der 
Studierende  jeden  Arbeitsschritt,  bspw.  einen  Teil‐
prozess, der Teil der Referenzprozesse ist, vorberei‐
ten,  durchführen  und  abschließend  auswerten 
(siehe Abb. 2).  
 
In  der  Phase  der  „Vorbereitung“  plant  der  Studie‐
rende  den  Arbeitsprozess  und  eignet  sich  das  not‐
wendige Wissen an. Die Referenzprozesse helfen bei 
der Vorbereitung, den eigenen Arbeitsprozess anti‐
zipierbarer,  planbarer  und  damit  überschaubar  zu 
machen.  Ein  Studierender  lernt  auf  diese  Art  und 
Weise eine prozessorientierte Sicht auf seine Arbeit 
kennen und lernt „in Prozessen zu denken“. 
In der Phase der „Arbeitsaufgabe bewältigen“ wer‐
den einzelne Arbeitsschritte und das Projekt insge‐
samt  bewältigt.  Dabei  werden  mit  der  praktischen 
Arbeit  Erfahrungen  gesammelt  und  gelernt.  Der 
Studierende erlernt bei der Ausübung seiner Tätig‐
keit  im  Praxisprojekt  entsprechend  der  Vorgaben 
der Referenzprozesse das „Handeln in Prozessen“. 
Nach  der  Durchführung  des  Arbeitsschritts  wird 
dieser  in  der  Phase  „Auswertung“  reflektiert  und 
dadurch  das  Gelernte  gesichert.  In  Reflexionsge‐
sprächen und bei der Dokumentation reflektiert und 
dokumentiert der Studierende nicht nur die einzel‐
nen  Prozessschritte,  sondern  bekommt  auch  eine 
Vorstellung von dem gesamten Prozess.  </p>
          <p>Reflexionsgespräche  helfen  dem  Studieren‐
den, Arbeitserfahrungen in Lernerträge und 
schließlich  in  Handlungskompetenz  zu 
überführen:  Der  Teilnehmer  beschreibt 
seine Arbeitsprozesse, wertet diese mit dem 
Lernprozessbegleiter (siehe unten) aus (Was 
lief  gut  oder schlecht?  Was  wurde  gelernt? 
Wie  wurde gelernt?)  und verabreden  dann 
den  weiteren  Verlauf  des  Projektstudiums 
und ggf. notwendige Lernschritte.  
Die Dokumentation ist eine ausführliche Be‐
schreibung der konkreten Vorgehensweisen 
und  Lernprozesse  im  Praxisprojekt.  Sie  ist 
deshalb  nicht  mit  einer  technischen  Doku‐
mentation oder einer Projektdokumentation 
zu  vergleichen.  Durch  die  Dokumentation 
lernt  der  Studierende,  seine  Arbeit  zu  be‐
schreiben, auszuwerten und  prozessbeglei‐
tend zu kommunizieren.  
Die  Dokumentation  und  die  Reflexionsgespräche 
sind die zentralen Mittel zur Sicherung der Arbeits‐ 
und Lernerfahrungen sowie zur Verallgemeinerung 
des  in  den  Projekten  gewonnen  exemplarischen 
Wissens. Die Anwendung des Referenzprozesses er‐
möglicht dabei ein generelles Vorgehen für alle Pro‐
jekte mit gleichem fachlichen Fokus (z.B. Data Ana‐
lytics). Exemplarisches Wissen zu bestimmten Tech‐
nologien und Methoden wird mithilfe der Reflexion 
auf den Referenzprozess verallgemeinert. 
In allen drei Phasen wird der Studierende gezielt or‐
ganisatorisch und technisch unterstützt. </p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-5-3">
        <title>Organisatorische und technische Unterstützung</title>
        <p>Der  Studierende  eignet  sich  das  erforderliche  Wis‐
sen während des realen Arbeitsprozesses an und or‐
ganisiert seinen Arbeits‐ und Lernprozess selbstbe‐
stimmt. Dabei wird der Studierende inhaltlich, per‐
sonell und durch moderne Informations‐ und Kom‐
munikationstechnologien unterstützt. </p>
        <sec id="sec-5-3-1">
          <title>Abb. 3: Unterstützung des Lernens </title>
          <p>Um  die  Studierenden  inhaltlich  zu  unterstützen, 
wird  parallel  zum  Projektstudium  eine  klassische 
Lehrveranstaltung zum  jeweiligen  im Semester an‐
stehenden  Profil  (Data  Analyst,  IT‐Controller,  IT‐
Architekturdesigner)  angeboten.  Diese  dient  dazu, 
das für die Projektdurchführung erforderliche Fach‐
wissen zu vermitteln. Als klassische Lehrveranstal‐
tung (2 SWS Vorlesung und 2 SWS Übung) vermit‐
telt diese aber lediglich punktuelles, in die Tiefe ge‐
hendes Wissen  (z.B.  zu  bestimmten  Analysetechni‐
ken),  aber  deckt  nicht  alle  Tätigkeiten  eines  Profils 
(z.B. Data Analyst) ab. </p>
          <p>Des  Weiteren  stehen  dem  Studierenden  ver‐
schiedene Rollen (Personen) an der Hochschule und 
im Unternehmen unterstützend zur Verfügung. Da‐
bei müssen folgende Funktionen abgedeckt sein: 
Fachberater stehen bei speziellen, fachlichen 
Fragen  zur  Verfügung.  Dies  ist  einerseits 
der Dozent der begleitenden Lehrveranstal‐
tung  an  der Hochschule und  sind anderer‐
seits auch erfahrene Kollegen im Unterneh‐
men. Zudem unterstützt der Fachberater bei 
der Auswahl der Praxisprojekte und organi‐
siert  Ersatzleistungen,  falls  einzelne  Tätig‐
keiten  (Teilprozesse)  nicht  durchgeführt 
werden können. 
Lernprozessbegleiter  unterstützen  den  Lern‐
prozess  und  führen  Reflexionsgespräche 
durch.  Von  Seiten  der  Hochschule  steht  je‐
dem  Studierenden  ein  „Coach“  zur  Seite, 
der seinen Arbeits‐ und Lernprozess indivi‐
duell  begleitet.  Im  Fokus  steht  dabei  die 
Vermittlung der Methodik des Projektstudi‐
ums,  die  Individualisierung  der  Ziele  und 
Vorgaben  des  Referenzprojekts  sowie  die 
Steuerung des Lernprozesses, insb. Reflexi‐
onsgespräche  zur  Nachbereitung  der  Lern‐ 
und  Arbeitsergebnisse  sowie  Hilfe  bei  der 
Dokumentation.  Um  diese  Rolle  ausfüllen 
zu können, sind spezielle Kompetenzen im 
Bereich der Methodik des arbeitsprozess‐in‐
tegrierten  Lernens,  insb.  der  Reflexion  von 
Lernerträgen, erforderlich. Typischer Weise 
wird  diese  Rolle  von  einem  Dozenten  der 
Hochschule durchgeführt, der ggf. für diese 
Rolle speziell geschult wurde. 
Organisatoren  sind  für  den  reibungslosen 
Ablauf des Projektstudiums verantwortlich. 
Während  der  gesamten  Dauer  des  Projekt‐
studiums  stehen  sie  den  Studierenden  von 
Seiten  der  Hochschule  als  zentrale  An‐
sprechpartner  für  alle  Probleme  während 
des  Projektstudiums  zur  Verfügung.  Dazu 
gehört auch die Administration der techni‐
schen  Unterstützung.  Auch  die  Kommuni‐
kation  (insb.  zu  und  zwischen  den  Studie‐
renden)  muss  koordiniert  werden.  Evtl. 
werden auch Präsenzveranstaltungen orga‐
nisiert. Für diese Rolle sind keine speziellen 
Qualifikationen  oder  Kompetenzen  erfor‐
derlich. Es sollte lediglich die Fähigkeit oder 
Erfahrungen  vorhanden  sein,  Lehrveran‐
staltungen  zu  organisieren  und  durchzu‐
führen.  Eine  zusätzliche  Herausforderung 
zu  einer  traditionellen  Lehrveranstaltung 
besteht allerding in der Kommunikation mit 
den Unternehmen sowie einer überwiegend 
digitalen  Kommunikation  mit  den  Studie‐
renden  aufgrund  der  geringen  Präsenzzeit 
an der Hochschule. 
Mit  Kollegen  und  anderen  Studierenden 
werden  Probleme  und  Erfahrungen  ausge‐
tauscht.  
Vorgesetzte schaffen lernförderliche Arbeits‐
bedingungen  für  den  Studierenden  und 
eine geeignete Lernkultur in der Abteilung, 
insbesondere  die  Offenheit  der  Mitarbeiter 
zur  Weitergabe  ihres  Wissens.  Damit  auch 
die notwendige Zeit und Raum für Lernpro‐
zesse in den Projekten gewährleistet ist, gibt 
es  entsprechende  Absprachen  und  Verein‐
barungen  mit  den  Unternehmen  bzw.  den 
Vorgesetzten der Studierenden im Rahmen 
der  Zulassung  zum  Studium.  Zudem  wird 
mit Beginn des Projektstudiums jedem Vor‐
gesetzten  ein  „Merkblatt  zu  lernförderli‐
chen  Rahmenbedingungen“  zugesandt,  in 
dem  nochmals  darauf  hingewiesen  wird, 
dass  dem  Studierenden  die  erforderliche 
Zeit und Lernressourcen zur Verfügung ge‐
stellt  werden  müssen  ein  lernförderliches 
Arbeitsumfeld,  Arbeitsklima  und  Arbeits‐
prozesse gestaltet sein sollten. 
Der  Studierende  bleibt  aber  weiterhin  der  Verant‐
wortliche für sein Projektstudium. </p>
          <p>Das dargestellte Konzept erfordert eine umfang‐
reiche technische Unterstützung für alle Beteiligten. 
Als  technische  Unterstützung  wird  derzeit  eine 
Lern‐ und Kommunikationsplattform (Moodle) an‐
geboten, die folgende Komponenten zur Verfügung 
stellt: </p>
        </sec>
        <sec id="sec-5-3-2">
          <title>Unterstützung  des  individuellen  Lernens </title>
          <p>(Selbststudium)  durch  Bereitstellung  von 
Materialien  und  Lerninhalten  sowie  unter‐
stützenden Dokumenten (z.B. Vorlagen für 
Projektskizze und Dokumentation), 
Unterstützung  der  Kommunikation  zwi‐
schen den Beteiligten mit dem Ziel der Ver‐
bindung von individuellem und organisati‐
onalem  Lernen.  Dafür  wurde  ein  Diskussi‐
onsforum eingerichtet, in das die Studieren‐
den  ihre  Fragen  und  Probleme  einstellen. 
Sowohl  die  Lernprozessbegleiter  als  auch 
die Mitstudierenden beantworten diese Fra‐
gen  und  geben  unterstützende  Kommen‐
tare, 
Unterstützung  des  Informationsaustau‐
sches  durch  gegenseitiges  Bereitstellen  der 
Tätigkeitsnachweise.  Die  Projektskizzen 
und die Projektplanungen werden zunächst 
intern  durch  die  Lernprozessbegleiter  be‐
gutachtet.  Die  nach eventuell  notwendigen 
Änderungen  entstandenen  Versionen  wer‐
den  jedoch  allen  Studierenden  des  Projekt‐
studiums  zum  gegenseitigen  Informations‐
austausch zur Verfügung gestellt.  
Die  Vereinheitlichung  der  gesamten  Projektdurch‐
führung als Prozess führt somit auch zu einer besse‐
ren Austauschbarkeit von Informationen und Erfah‐
rungen unter den Studierenden.  </p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Referenzprojekt „Data Analyst“</title>
      <p>In  den  Referenzprojekten  werden  die  drei  Profile 
des  Projektstudiums  (Data  Analyst,  IT‐Controller, 
IT‐Architekturdesigner)  durch  ihre  typischen  Ar‐
beitsprozesse und Tätigkeiten charakterisiert.  
Referenzprojekte  als  Curricula  zu  verwenden,  ist 
eine der Grundideen des Konzepts für das Projekt‐
studium. Zur Erstellung der Referenzprojekte bieten 
sich  unterschiedliche  Methoden  an.  Während  das 
Referenzprojekt  des  „IT‐Architekturdesigners“  aus 
der Analyse einer Vielzahl von Projektbeschreibun‐
gen  selbst  gewonnen  werden  musste,  konnte  bei 
dem  „Data  Analyst“  und  dem  „IT‐Controller“  auf 
bestehende  Standards  zurückgegriffen  werden.  So 
basiert das Referenzprojekt für den „Data Analyst“ 
auf dem Praxis‐Standard „Cross Industry Standard 
Process for Data Mining (CRISP‐DM)“ (Chapman et 
al.,  2000),  der  noch  bezüglich  zu  entwickelnder 
Kompetenzen  sowie  relevanter  Tätigkeiten  bzgl. 
Kommunikation  (Präsentieren,  Diskutieren,  Doku‐
mentieren  etc.)  erweitert  werden  musste.  Die  fol‐
gende Abb. 4 zeigt die Hauptprozesse und Teilpro‐
zesse des Referenzprojekts eines „Data Analyst“. 
Die folgende Abb. 5 zeigt eine Übersicht  der  Kom‐
petenzen,  die  für  das  Projektstudium  „Analytics“ 
entwickelt  und  nachgewiesen  werden  müssen.  Die 
Auflistung  wird  von  oben  nach  unten  gelesen  im‐
mer  spezifischer,  beginnend  mit  Kompetenzen  für 
alle Projekte bis hin zu Kompetenzen, die in einzel‐
nen  Prozessen  des  jeweiligen  Profils  angewendet 
und entwickelt werden. </p>
      <p>Abb. 5: Kompetenzen im Profil „Data Analyst“ 
Abb. 4: Referenzprozess im Profil „Data Analyst“ </p>
      <sec id="sec-6-1">
        <title>Jedes Referenzprojekt enthält: </title>
        <p>den  für  das  Profil  charakteristischen,  zu‐
sammenfassenden  Referenzprozess  (siehe 
Abb. 4), 
die  zum  Referenzprozess  gehörenden  Teil‐
prozesse,  die  die  Tätigkeiten  ausführlich 
darstellen, 
die zu den jeweiligen Prozessen gehörenden 
Kompetenzfelder,  die  Fähigkeiten,  Fertig‐
keiten,  Wissen,  Methoden  und  Werkzeuge 
beinhalten, 
ein illustrierendes Beispiel. </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Nachweise und Prüfungen</title>
      <p>Offensichtlich  widersprechen  klassische  Prüfungen 
(im Sinne von Wissensabfragen) völlig dem bei dem 
vorgestellten  Konzept  des  Projektstudiums.  Trotz‐
dem  muss  eine  Überprüfung  stattfinden,  um  Stan‐
dards  und  Niveau  sichern  zu  können.  Schließlich 
sollen  Studierenden  wie  Unternehmen  etwas  Kon‐
kretes in die Hand geben werden. </p>
      <p>Der  Standard  wird  bereits  durch  das  Referenz‐
projekt vorgegeben und durch die Auswahl passen‐
der  Praxisprojekte  gesichert.  Das  Niveau  und  der 
Lernerfolg  des  Projektstudiums  werden  durch  die 
vom Teilnehmer angefertigte Dokumentation nach‐
gewiesen. </p>
      <p>Schon  während  des  Projektstudiums  werden 
mit  jedem  Studierenden  Reflexions‐Gespräche 
durchgeführt.  Durch  die  Reflexion  macht  sich  der 
Teilnehmer  seine  Lernerträge  während  der  Arbeit, 
sein Wissen und seine Fähigkeiten, aber auch beste‐
hende Kompetenz‐Lücken klar. Es werden Heraus‐
forderungen und Entscheidungssituationen identifi‐
ziert und erfragt, wie der Studierende diese bewäl‐
tigt und was er dabei gelernt hat.  </p>
      <p>Neben  den  Reflexions‐Gesprächen  reflektiert 
der Studierende seinen Lern‐ und Arbeitsprozess im 
Rahmen der von ihm anzufertigenden Dokumenta‐
tion.  Diese  ist  Grundlage  für  die  Prüfung,  hat  aber 
darüber hinaus zusätzliche, wichtige Funktionen in‐
nerhalb der Reflexion des Lern‐Prozesses. </p>
      <p>Die schriftliche Dokumentation besteht aus zwei 
Teilen: </p>
      <sec id="sec-7-1">
        <title>Prozesse: Anhand der Beschreibung der Be‐</title>
        <p>wältigung  der  Prozesse  des  Referenzpro‐
jekts (durchgeführte Tätigkeiten) wird eine 
Übersicht  über  das  Praxisprojekt  gegeben. 
Zu jedem Teilprozess werden Herausforde‐
rung, Vorgehen und Ergebnis der Tätigkeit 
sowie  ggf.  verwendete  Methoden  und  ein‐
gesetzte Werkzeuge beschrieben.  
Schlüsselsituationen: Hier werden aufgetre‐
tene (i.d.R. nicht‐fachliche) besondere Situa‐
tionen im Verlauf des Projekts beschrieben. 
Der Teilnehmer stellt das Problem, sein Er‐
gebnis/Lösung und sein Lernertrag dar. 
Die  schriftliche  Dokumentation  ist  eine  von  insge‐
samt  zwei  Prüfungsleistungen.  Die  zweite  Prü‐
fungsleistung ist eine mündliche Prüfung, die auch 
aus zwei Teilen besteht: </p>
      </sec>
      <sec id="sec-7-2">
        <title>Präsentation: Im Rahmen einer Präsentation </title>
        <p>stellt  der  Studierende  sein  Projekt  vor,  in‐
dem er die wichtigsten Prozesse und Schlüs‐
selsituationen  beschreibt,  um  die  erworbe‐
nen Kompetenzen nachzuweisen. 
Fachgespräch: Im darauffolgenden Fachge‐
spräch überprüfen die Prüfer die Durchfüh‐
rung des Projekts und prüfen ggf. noch feh‐
lende bzw. noch nicht nachgewiesene Kom‐
petenzen nach. 
Derzeit wird die erfolgreiche Bewältigung des Pro‐
jektstudiums  durch  einen  benoteten  Leistungs‐
schein bescheinigt. Das Ziel wird es aber sein, dass 
die  erstellten  Profile  im  Rahmen  der  „IT‐Spezialis‐
ten“  anerkannt  werden  und  eine  Zertifizierung 
durch eine Zertifizierungsstelle (z.B. DEKRA Certi‐
fication GmbH) ermöglicht wird. </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>Ablauf</title>
      <p>Die  Lehrveranstaltung  „Projektstudium“  läuft  in 
dem  jeweiligen  Semester  über  die  gesamte  Dauer 
des Semesters (6 Monate). Die begleitende klassische 
Lehrveranstaltung  (Vorlesung  &amp;  Übung)  findet  le‐
diglich  im  Vorlesungszeitraum  statt,  d.h.  diese  en‐
det mit Beginn der vorlesungsfreien Zeit (i.d.R. nach 
4 Monaten). </p>
      <p>Zwar  beginnt  das  Projektstudium  offiziell  mit 
der Einführungsveranstaltung in der ersten Semes‐
terwoche,  dennoch  sind  die Studierenden  und ihre 
Vorgesetzten schon vorher informiert und aufgefor‐
dert  worden,  entsprechende  Praxisprojekte  zu  fin‐
den.  </p>
      <p>In  einer  Einführungsveranstaltung  zu  Beginn 
des  Semesters  werden  die  Studierenden  durch den 
oder  die  Lernprozessbegleiter  über  Ziele  und  In‐
halte des Projektstudiums informiert. Insbesondere 
stellen  die  Lernprozessbegleiter  das  didaktische 
Konzept  des arbeitsprozess‐integrierten  Projektstu‐
diums  vor.  Den  Studierenden  werden  der  Ablauf 
des  Projektstudiums  und  die  erforderlichen  Nach‐
weise  beschrieben.  Das  Referenzprojekt  wird  aus‐
führlich erläutert. </p>
      <p>Abb. 6: Ablauf und Nachweise der Tätigkeiten 
Für das Studium des Referenzprojektes und der Su‐
che nach einem geeigneten Projekt – idealerweise im 
Unternehmen  –  haben  die  Studierenden  einen  Mo‐
nat  Zeit.  Am  Ende  dieser  Phase  reicht  der  Studie‐
rende  eine  Projektskizze  ein,  die  eine  grobe  Be‐
schreibung  des  Projektes,  der  Projektziele  und  des 
organisatorischen  und  betrieblichen  Umfeldes  ent‐
hält.  Eine  Vorlage  für  die  Projektskizze  wird  den 
Studierenden  am  Anfang  des  Projektstudiums  ge‐
stellt.  Die  Lernprozessbegleiter  prüfen  die  Projekt‐
skizze hinsichtlich Abdeckung der im Referenzpro‐
jekt vorgegebenen Prozesse. Daraufhin genehmigen 
sie das Projekt oder fordern Nachbesserungen bzw. 
Änderungen an.  </p>
      <p>Ist  das  Projekt  genehmigt,  beginnt  die  Projekt‐
planungsphase.  Die  Studierenden  können  sich  für 
die  Planung  am  Referenzprozess  orientieren  und 
definieren in Anlehnung an die Hauptprozesse des 
Referenzprozesses ihre Meilensteine und deren zeit‐
liche Planung. Auch für die Projektplanung stellen 
die Lernprozessbegleiter den Studierenden am An‐
fang eine Dokumentationsvorlage. </p>
      <p>Nachdem die Planung durch die Lernprozessbe‐
gleiter  freigegeben  wurde,  beginnt  (formal)  die  ei‐
gentliche  Durchführung  des  Projektes  durch  die 
Studierenden.  Dabei  reflektieren  die  Studierenden 
kontinuierlich  ihre  Lern‐  und  Arbeitsprozesse  im 
Rahmen der von ihnen anzufertigenden Dokumen‐
tation.  D.h.  idealerweise  wird  die  Dokumentation 
nicht am Ende des Projekts, sondern kontinuierlich 
mit der Bewältigung jedes einzelnen Prozessschrit‐
tes erstellt. </p>
      <p>Über ihre Erfahrungen berichten die Studieren‐
den in einer Zwischenpräsentation und in einem Re‐
flexionsgespräch,  welches  ca.  2,5  Monate  nach  Se‐
mesterbeginn  stattfindet.  Auf  diese  Weise  sollen 
Probleme  im  Lern‐  und  Arbeitsprozess  frühzeitig 
identifiziert und gelöst werden, aber vor allem soll 
sich  der  Studierende  seiner  Fähigkeiten  aber  auch 
seiner Wissenslücken bewusstwerden. </p>
      <p>Danach wird die Dokumentation wird kontinu‐
ierlich  fortgeführt.  Mit  Abschluss  der  Dokumenta‐
tion ist diese als Grundlage für die Prüfung einzu‐
reichen (ca. nach 5,5 Monaten). Die Dokumentation 
wird  von  den  Prüfern  hinsichtlich  der  erfolgreich 
bewältigten Prozesse des Referenzprojekts und der 
zu erwerbenden Kompetenzen (hier fließen auch die 
Schlüsselsituationen mit ein) bewertet. Wird die Do‐
kumentation positiv bewertet (80% der Prozesse er‐
folgreich  bewältigt  &amp;  80%  der  Kompetenzen  nach‐
gewiesen),  erfolgt  die  Zulassung  zur  mündlichen 
Prüfung. </p>
      <p>Im Rahmen der mündlichen Prüfung präsentiert 
der  Studierende  zunächst  sein  Projekt  hinsichtlich 
der  wichtigsten  Prozesse  und  Schlüsselsituationen 
und der dabei erworbenen Kompetenzen. Im zwei‐
ten Teil werden in einem Fachgespräch die Darstel‐
lungen  der  Dokumentation  und  der  Präsentation 
überprüft  und  ggf.  noch  fehlende  Kompetenzen 
nachgefragt. </p>
      <p>Derzeit und idealerweise werden die Prüfungen 
(Dokumentationsprüfung  und  Fachgespräch)  von 
einem  Prüfer  durchgeführt,  der  sowohl  über  die 
fachliche Kompetenz des jeweiligen Profils als auch 
der  Lehrmethodik  des  arbeitsprozessintegrierten 
Lernens  verfügt  und  beim  Fachgespräch  durch  ei‐
nen  „Beisitzer“  (unabhängiger  Zeuge)  unterstützt 
wird. Alternativ könnten die Prüfungen auch durch 
zwei Prüfer gemeinsam durchgeführt werden, wo‐
bei  einer  die  Fachlichkeit  und  der  andere  die  pro‐
zessorientierte  Methodik  abzudecken  hätte.  Inso‐
fern kann auch ein Fachberater an einer Prüfung be‐
teiligt werden oder eine Prüfung selbständig durch‐
führen, wenn er auch die Methodik‐Seite abdecken 
kann.  Vorgesetzte  werden  an  den  Prüfungen  nicht 
direkt beteiligt. Sie haben aber eine wichtige Funk‐
tion  im  Vorfeld,  da  sie  in  der  Dokumentation  ab‐
zeichnen  sollen,  ob  die angegebenen Projekte  bzw. 
Prozessschritte  tatsächlich  durchgeführt  wurden. 
Ebenso sollen die Lernprozessbegleiter die durchge‐
führten  Reflexionsgespräche  und  besprochenen 
Schlüsselsituationen durch Unterschrift bestätigen. </p>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>Zusammenfassung und Ausblick</title>
      <p>In diesem Beitrag wurde das Konzept für das Pro‐
jektstudium in einem berufsbegleitenden IT‐Master‐
Studiengang  vorgestellt.  Ziel  des  Projektstudiums 
ist der Erwerb und die Förderung beruflicher Hand‐
lungskompetenz. Das integrierte Arbeiten und Ler‐
nen erfolgt (Leitlinien): in realen Projekten, selbst ge‐
steuert,  zugleich  aber  mit  personeller  und  techni‐
scher Unterstützung und reflektiert. </p>
      <p>Ein Studierender im Projektstudium lernt dabei 
im  Arbeitsprozess,  in  realen  Projekten  (Praxispro‐
jekt)  in  (seinem)  Unternehmen.  Das  Lernen  in  der 
Arbeit  gestaltet  der  Studierende  dabei  selbst,  wird 
aber umfassend personell und technisch unterstützt. 
Ein  prozess‐orientiertes  Curricula,  sog.  Referenz‐
projekte,  strukturiert  das  Projektstudium.  Es  dient 
der  Auswahl  des  Praxisprojekts,  der  Planung  der 
Arbeits‐  und  Lernprozesse  und  schließlich  auch 
dem  Nachweis  des  erfolgreichen  Projektstudiums. 
Alle  Prozesse  des  Referenzprojekts  müssen  nach‐
weislich  beherrscht  werden,  indem  sie  bewältigt 
und dabei reflektiert und dokumentiert werden. </p>
      <p>Referenzprojekte  als  Curricula  zu  verwenden, 
ist  eine  der Grundideen des  Konzepts  für  das Pro‐
jektstudium.  Die  prozessorientierte  Strukturierung 
bietet große Vorteile: Da die Prozesse relativ dauer‐
haft sind, ziehen sie sich wie ein roter Faden durch 
den dynamischen technischen und technologischen 
Wandel. Weil die Referenz‐ und die Teilprozesse re‐
lativ abstrakt modelliert und die Kompetenzen auf 
der Metaebene formuliert sind, sind vielfältige Aus‐
gestaltungen in der beruflichen und unternehmeri‐
schen Realität möglich. Für das Projektstudium las‐
sen sich so mit Hilfe der Referenzprozesse reale Pro‐
jekte  identifizieren,  die  trotz  ihrer  individuellen 
Ausprägung  vergleichbare  Anforderungen  enthal‐
ten.  </p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>Literatur</title>
      <p>Tippelt, R. (1979): Projektstudium ‐ Exemplarisches 
und handlungsorientiertes Lernen an der Hoch‐
schule. München: Kösel.</p>
    </sec>
  </body>
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    <ref-list />
  </back>
</article>