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        <article-title>Zahlen, Beobachtungen und Fragen zur Programmierlehre</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Axel W. Schmolitzky</string-name>
          <email>schmolitzky@acm.org</email>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>HAW Hamburg</string-name>
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      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <fpage>0</fpage>
      <lpage>9</lpage>
      <abstract>
        <p>Dieser  Artikel  stellt  Informationen  zur  Diskussion,  die 2013 in einer Umfrage zur Programmierlehre erhoben wurden, und ergänzt diese um einige Zahlen,  die  der  Autor  in  seiner  eigenen  Programmierlehre  an zwei deutschen Hochschulen (einer Uni und einer Fachhochschule) gesammelt hat. Auf Basis die‐ ser  Zahlen  sowie  eigener  Beobachtungen  ergeben  sich einige Fragen zum Thema Programmierlehre.  Programmieren ist das Handwerkszeug der Softwaretechnik  (Ludewig,  2010),  die  Programmierlehre  bildet somit das Rückgrat jedes Informatikstudiums.  Trotz  dieses  Stellenwertes  wird  dem  Thema  Programmieren  traditionell  auf  Konferenzen  zum  Thema  Software  Engineering  wenig  Aufmerksamkeit geschenkt. Auf den SEUH‐Tagungen der letzten  10  Jahre  hat  sich  dies  etwas  verbessert,  indem  zunehmend auch Programmierthemen diskutiert wur‐ den  (Heuer  et  al.,  2011;  Langhoff  et  al.,  2015;  Schmedding et al., 2015). Dennoch haftet der grundständigen  Programmierlehre  häufig  der  Ruch  des  hemdsärmeligen,  wenig  wissenschaftlichen  und  teilweise sogar trivialen Anteils des Informatik‐Studiums  an.  Um  dem  bewusst  entgegen  zu  wirken,  wird in  diesem  Beitrag  nicht  mehr  der  Begriff Programmierausbildung  benutzt,  wie  in  früheren  Artikeln (Schmolitzky, Züllighoven, 2007; Schmolitzky,  2013), sondern der passendere Begriff Programmierlehre.   Das Thema Programmierlehre befindet sich stärker im Fluss, als dies von vielen vermutet wird. Pro‐ grammieren  ist  eine  Kunst,  entsprechend  ist  auch  die  Programmierlehre  eine  Kunst,  die  wir  bei  weitem noch nicht so gut beherrschen, wie es der Wich‐ tigkeit  der  Disziplin  angemessen  wäre.  Nach  wie  vor wissen wir zu wenig darüber, wie eine angemessene Programmierlehre aussehen sollte.  Der  Autor  hat  als  ersten  Schritt  einer  Klärung  nach der SEUH 2013 die Teilnehmer der Tagung zur  Teilnahme  an  einer  Erhebung  aufgefordert,  in  der   der  aktuelle  Stand  der  Programmierlehre  an  deutschsprachigen  Hochschulen  ermittelt  werden  sollte. Die Randbedingungen und Ergebnisse dieser  Umfrage werden im nächsten Abschnitt präsentiert.  Abschnitt  3  stellt  anhand  konkreter  Zahlen  eigene Erfahrungswerte in der Programmierlehre des  Autors  zur  Diskussion  und  Abschnitt  4  diskutiert  weitere  Aspekte,  die  dem  Autor  in  Bezug  auf  Programmierlehre wichtig erscheinen.  Im Anschluss an die SEUH 2013 in Aachen hat der  Autor  eine  E‐Mail‐Umfrage  zur  einführenden  Programmierlehre  unter  den  Teilnehmern  der  Tagung  durchgeführt. Der Rücklauf umfasste 22 Antworten  von Lehrenden an deutschsprachigen Hochschulen  zu  ca.  50  Bachelor‐Studiengängen.  Zum  Vergleich:  laut den Webseiten der GI ist ein Studium für einen  Bachelor‐Abschluss  mit  Informatik‐Anteil  allein  in  Deutschland an ca. 150 Hochschulen möglich, in fast  800 Studiengängen.  Eine  erste  Auswertung  der  Antworten  präsentierte der Autor informell in einem Vortrag auf der  SEUH  2015  in  Dresden.  Im  Folgenden  werden  die  Ergebnisse  erstmals  schriftlich  zusammengefasst  und bewertet. </p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>1 Einleitung</title>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Programmieren ist gewiss nicht alles, aber ohne   </title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Programmieren ist alles nichts. (frei nach Schopenhauer) </title>
        <sec id="sec-2-2-1">
          <title>Gegenstand der Umfrage</title>
          <p>Die  Umfrage  zielte  darauf,  in  Bachelorstudiengän‐
gen  mit  hohem  Informatik‐Anteil  den  Umfang,  die 
Schwerpunkte und die Probleme in der Programmier‐
lehre zu erfassen. Konkret wurde nach Pflichtmodu‐
len,  vermittelten  Programmierparadigmen  und  ver‐
wendeten  Programmiersprachen  gefragt  (siehe  An‐
hang A). Die Motivation des Autors war unter ande‐
rem,  seinen  subjektiven  Eindruck,  dass  die  Pro‐
grammierlehre an deutschen Hochschulen oft stief‐
mütterlich  behandelt  und/oder  kritisch  von  den 
„Abnehmern“ (Lehrende höherer Semester, Arbeit‐
geber) beurteilt wird, durch systematisch erhobene 
Hinweise zu bestätigen. </p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-2-2">
          <title>Probleme der Umfrage</title>
          <p>Die Auswertung der Antworten zeigte einige Prob‐
leme der Umfrage selbst auf. So war die Frage nach 
„Modulen  zur  Programmierung“  offensichtlich 
nicht scharf genug gestellt, denn etliche Antworten 
nannten  alle  Module,  in  denen  auch  programmiert 
wird (wie Betriebssysteme oder Datenbanken), nicht 
nur solche, in denen die Programmierung selbst ex‐
plizit vermittelt wird. </p>
          <p>Ein weiterer Schwachpunkt war die Frage nach 
dem  Umfang  in  SWS.  Diese  Kenngröße  wird  an 
deutschen  Hochschulen  ausgesprochen  uneinheit‐
lich verwendet und ist wenig aussagekräftig, insbe‐
sondere seit der Bologna‐Reform. Für die Studieren‐
den wurde die Währung SWS durch die neue Wäh‐
rung Leistungspunkte (LP) bzw. Credit Points (CP) 
ersetzt, die explizit die Aufwände der Studierenden 
bemessen  soll.  Ein  generelles  Problem  (nicht  nur 
dieser Umfrage) ist, dass die Umrechnung von SWS 
in LP mit hohem kreativen Potenzial auf sehr unter‐
schiedliche Weise erfolgt. Vergleiche werden damit 
noch mehr erschwert. </p>
          <p>Insgesamt kann aus den folgenden Ergebnissen 
nur ein erster Eindruck gewonnen werden. </p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-2-3">
          <title>Ergebnisse der Umfrage</title>
          <p>Die Umfrage lieferte Daten zu 48 Studiengängen, 18 
davon an Universitäten und 30 an Fachhochschulen. 
Die häufigsten Studiengangsbezeichnungen sind In‐
formatik mit 12 Nennungen und Wirtschaftsinformatik 
mit  neun  Nennungen.  Alle  anderen  Studiengänge 
tragen  „Bindestrichnamen“,  von  Technischer  Infor‐
matik  und  Medieninformatik  (jeweils  drei  Nennun‐
gen)  bis  hin  zu  Informationslogistik  oder  Multimedia 
Marketing.  Bemerkenswert  ist  der  hohe  Anteil  an 
„Insidern“  unter  den  antwortenden  Lehrenden:  21 
von 22 sind selbst in der Programmierlehre aktiv. 
Umfang der einführenden Module 
Trotz stark heterogener Strukturen und Bezeichnun‐
gen bieten alle Studiengänge mindestens ein, meist 
zwei  klar  identifizierbare  einführende  Pflichtmodule 
zur Programmierung an. Der Umfang in Semester‐
wochenstunden (SWS) reicht dabei von 1+1 (Vorle‐
sung + Übung bzw. Praktikum) bis zu 4+4, von ho‐
hem Vorlesungsanteil mit wenigen Übungsstunden 
bis hin zu kurzen Vorlesungen mit starkem Übungs‐
anteil. Die fünf häufigsten Nennungen für Umfänge 
des ersten Moduls (M1) sind Abbildung 1 zu entneh‐
men, diese decken 42 der 48 Studiengänge ab. 
20
15
10
5
0</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Abb. 1: Umfang M1 (in SWS), häufigste Nennungen </title>
        <p>imperativ
oo
funktional
logisch
Pflicht
optional
nicht</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>Abb. 3: Angebotene Programmierparadigmen </title>
        <p>Das  zweite  Modul  (M2)  ist  oft  kleiner  im  Umfang, 
die  fünf  häufigsten  Nennungen  führt  Abbildung  2 
auf. 
2+2
4+2
3+2
2+4
4+4</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-5">
        <title>Abb. 2: Umfang M2 (in SWS), häufigste Nennungen </title>
        <p>Erwartungskonform  ist  der  hohe  Übungs‐  bzw. 
Praktikumsanteil,  nur  sehr  wenige  Antworten  (ca. 
6%) beschrieben Module mit weniger als einem +2‐
Anteil. </p>
        <p>Die Anzahl der Pflichtmodule zur Programmie‐
rung  reicht  von  zwei  bis  zu  sieben.  Bei  den  reinen 
Informatik‐Studiengängen gibt es nur einen mit le‐
diglich zwei Pflichtmodulen, meist sind es drei oder 
vier.  Bei  den  Wirtschaftsinformatik‐Studiengängen 
hingegen  sind  zwei  Pflichtmodule  der  Normalfall, 
nur zwei der neun Studiengänge haben drei Pflicht‐
module. 
Programmierparadigmen und ‐sprachen 
In allen 48 Studiengängen gehören imperative und ob‐
jektorientierte Programmierung zur Pflicht. Funktionale 
Programmierung  (FP)  gehört  nur  in  13  Studiengän‐
gen zum Pflichtprogramm (9 davon an Unis) und ist 
in  8  Studiengängen  optional,  in  27  Studiengängen 
wird sie nicht angeboten, also in mehr als der Hälfte. 
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei logischer Programmie‐
rung (LP): Sie ist Pflicht in 12 Studiengängen (8 da‐
von an Unis) und optional in 8, nicht angeboten wird 
sie in 28 Studiengängen (Abbildung 3). 
15
10
5
0
60
50
40
30
20
10
0
 
den  Einstieg  in  die  Programmierung  wird  nur  ein‐
mal  genannt.  Bei  einem  Einstieg  mit  funktionaler 
Programmierung  (ausschließlich  oder  gemeinsam 
mit  anderen  Paradigmen:  4  Studiengänge)  werden 
Haskell oder Scheme verwendet. </p>
        <p>In M2 wird in 31 von 48 Studiengängen Java ver‐
wendet,  alternativ  kommen  hier  C,  C++,  Haskell, 
Scheme, Prolog und CHR zum Einsatz. In allen Stu‐
diengängen wird Java aber mindestens entweder im 
ersten oder im zweiten Semester eingesetzt, so dass 
jeder Student in seinem Studium Java kennenlernt. 
Zufriedenheit/Probleme 
Die  überwiegende  Mehrheit  der  Antwortenden 
zeigte sich zufrieden mit der an der eigenen Hoch‐
schule  angebotenen  Programmierlehre:  17  von  22 
antworteten mit „klares ja“, „ja“ oder „eher ja“ (Ab‐
bildung 4).  
klares nein
1
klares ja</p>
        <p>4
nein</p>
        <p>1
eher nein
3
eher ja
8
‐ Ersten Programmiererfahrungen </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-6">
        <title>Geringe Motivation für Informatik </title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-7">
        <title>Informatik ist sehr abstrakt für sehr viele Studierende </title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-8">
        <title>Informatik steht im Schatten anderer Module </title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-9">
        <title>Folge: Informatik ist wenig attraktiv“ </title>
        <p>Abstimmung zwischen den Lehrenden (fünf Ant‐
worten): 
„Die  Vorlesung  Programmierung  wird  semesterweise 
wechselnd von verschiedenen Dozenten gehalten, die zum </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-10">
        <title>Teil deutlich unterschiedliche Schwerpunkte legen. Dem‐</title>
        <p>entsprechend ist die Vorlesung mal sehr auf Algorithmen 
und  Datenstrukturen  konzentriert  auf  Kosten  wichtiger </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-11">
        <title>Konzepte der Programmiersprache Java und mal sehr auf </title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-12">
        <title>Java  und  seine  vollständige  Kenntnis  konzentriert  auf </title>
        <p>Kosten konzeptioneller Überlegungen. […]“ 
„Kein einheitliches Konzept unter den Dozenten verein‐
bar.“ 
„Die  Programmierausbildung  ist  über  viele  Dozenten 
verteilt und wird nicht gemeinschaftlich geplant. Das Re‐
sultat ist ein Flickenteppich aus nicht aufeinander abge‐
stimmten  Kursen,  die  vieles  doppelt,  widersprüchlich 
und/oder gar nicht behandeln.“ 
„Wir haben im Wechsel zwei sehr unterschiedliche Leh‐
rende, die sich in fast nichts einigen können. So steht IP 
gegen OOP, main‐Methodenprogrammierung gegen De‐
sign Patterns, Blockpraktikum gegen schriftliche Klausur 
usw.“ 
„Programmiertechniken  werden  losgelöst  von  Software‐
technik betrachtet und sind oft nicht mehr auf dem aktu‐
ellen Stand der Forschung. Die Programmierausbildung 
(vlt. Lehre allgemein) wird auch nicht als wichtiges Betä‐
tigungsfeld, sondern eher als lästige Pflicht oder als Mög‐
lichkeit zur Nachwuchsrekrutierung gesehen.“ 
Zu geringe Praxisnähe (vier Antworten): 
 „Es besteht noch Verbesserungspotential bei der Unter‐
stützung  der  Programmieranfänger  ohne  Vorkenntnis‐
sen.“ 
 „Die Programmierausbildung könnte praxisnäher sein.“ 
„Ich erachte vor allem die sehr geringe Programmierpra‐
xis, die in der Vergangenheit in XXX vorgesehen war und 
den großen Sprung zu YYY (3 Semester später), als ein 
signifikantes Problem. Von Studierenden, die kaum pro‐
grammieren konnten, wurde erwartet, dass sie direkt mit 
objektorientiertem Software‐Entwurf beginnen.“ 
 „Trotz SoPra haben viele Studierende die grundlegenden 
Prinzipien nicht verstanden. Meiner Meinung nach liegt 
ein  großes  Problem  darin,  dass  den  Studierenden  zwar 
das „Handwerkszeug“ mitgegeben wird, allerdings wer‐
den die Studierenden häufig alleine gelassen, wenn es um 
die Anwendung der erlernten Prinzipien geht. Insbeson‐
dere das Vorgehen um von einer Problemstellung auf eine 
konkrete  Lösung,  welche  verschiedene  einzelne „Techni‐</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-13">
        <title>Abb. 4: Zufrieden mit lokalem Angebot? </title>
        <p>Probleme  mit  der  Programmierlehre  konnten  über 
Freitexte mitgeteilt werden. Die im Folgenden voll‐
ständig aufgeführten Rückmeldungen können grob 
unterschieden  werden  in  solche  zu  Problemen  der 
Studierenden (Motivation, Zeiteinsatz) und zu Prob‐
lemen  auf  Seiten  der  Lehrenden  (Organisation,  Fo‐
kus, Praxisnähe). 
Probleme auf Seiten der Studierenden: 
„[…] Das größere Problem ist für mich aber, dass die Stu‐
dis zu wenig Präsenzübung haben (ist nun in XXX ver‐
stärkt geplant) und oft nicht genügend üben.“ 
 „Wir haben eine zu hohe Durchfallquote (40‐50%). Stu‐
dierende  halten  Programmierung  für  „einfach“,  sie  fan‐
gen zu spät an, ernsthaft zu arbeiten.“ 
„Teilweise  fehlende  Motivation  der  Studierenden  (Pro‐
grammierung gilt zu Beginn des Studiums vielfach neben </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-14">
        <title>Mathe  als  Angstfach),  mangelnde  Selbstständigkeit  (zu </title>
        <p>Beginn  des  Studiums  verbreitet  wenig  Motivation  zur 
selbständigen Arbeit und zum Experimentieren)“ 
„Eingangskompetenzen der Studierenden gar nicht vor‐
handen bzw. unzulänglich hinsichtlich: 
‐ Abstraktionsvermögen 
‐ Algorithmischem Denken 
ken“  der  Programmierparadigmen  kombiniert,  zu  kom‐
men, bleibt unklar. Die separierte, rein „technische“ Ver‐
mittlung  der  Programmierkonstrukte  trägt  sicherlich 
dazu  bei,  die  Zusammenhänge  aus  dem  Auge  zu  verlie‐
ren.“ 
Zu einseitige Lehre (zwei Antworten): 
 „Mit  FP  und  LP  kommen  unsere  Studierenden  aus‐
schließlich im Master in Berührung, wobei FP ausschließ‐
lich  im  Anwendungskontext  gelehrt  wird  und  nicht  als 
grundsätzliches  Paradigma.  Da  unsere  beiden  Studien‐
gänge  dem  Namen  nach  anwendungsorientiert  sind,  ist 
dies auch so gewünscht und sinnvoll ‐ schade ist es trotz‐
dem, da so wichtige Grundlagen zum Blick über den ob‐
jektorientierten Tellerrand nicht gelegt werden.“ 
„Im Moment läuft es auf eine sehr Java‐lastige Program‐
mierausbildung hinaus. Es ist noch nicht so klar, wo die </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-15">
        <title>Studenten  Erfahrungen  mit  anderen  Sprachen  sam‐ meln.“ </title>
        <sec id="sec-2-15-1">
          <title>Bewertung der Umfrage</title>
          <p>Dass die Mehrheit der antwortenden Lehrenden mit 
der  angebotenen  Programmierlehre  zufrieden  ist, 
überrascht nicht: fast alle Antwortenden sind selbst 
in der Programmierlehre aktiv. Offensichtlich haben 
nur Personen, die eine starke Bindung zum Thema 
Programmierlehre haben, die Mühe auf sich genom‐
men,  die  detaillierten  Fragen  (siehe  Anhang  1)  zu 
beantworten.  Die  vom  Autor  in  einzelnen  Gesprä‐
chen  aufgefangene  Unzufriedenheit  mit  den  Pro‐
grammierfähigkeiten der Teilnehmer fortführender 
Veranstaltungen  konnte  so  nicht  systematisch  er‐
fasst  werden.  Andererseits  ist  es  für  den  Autor  ein 
gutes  Zeichen,  wenn  auf  einer  Software‐Enginee‐
ring‐Tagung eine starke Bindung zum Programmie‐
ren deutlich wird. </p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>3 Studiengänge im Vergleich</title>
      <p>Im Rahmen seiner eigenen Lehrtätigkeit hat der Au‐
tor  Erfahrungen  mit  mehr  als  zehn  verschiedenen 
Studiengängen  gesammelt,  von  denen  er  einen 
selbst  mitgestaltet  hat.  Unter  den  Studiengängen 
waren  Diplom‐,  Bachelor‐  und  Master‐Studien‐
gänge in zwei deutschen Bundesländern sowie einer 
in Australien. </p>
      <p>An der Uni Hamburg hat der Autor vor allem in 
den Jahren 2005 bis 2013 die einführenden Program‐
mierveranstaltungen  der  neuen  Bachelor‐Studien‐
gänge  mit  aufgebaut  und  durchgeführt 
(Schmolitzky,  Züllighoven,  2007;  Schmolitzky, 
2013). </p>
      <p>Nach seinem Wechsel an die HAW Hamburg im 
Jahr 2014 hat der Autor dort drei Einführungszyklen 
durchgeführt  (bestehend  aus  Programmieren  1  und 
Programmieren 2 in den ersten beiden Semestern), in 
allen drei an der HAW Hamburg angebotenen Infor‐
matik‐Bachelor‐Studiengängen: in der Angewandten </p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Informatik (AI), in der Technischen Informatik (TI) und  zuletzt in der Wirtschaftsinformatik (WI). </title>
        <p>In diesem Abschnitt werden drei Vergleiche vor‐
genommen: Als erstes zwischen den Teilnehmern an 
der Abschlussprüfung einer Programmierveranstal‐
tung  des  ersten  Semesters  an  der  Uni  Hamburg, 
gruppiert nach ihren Studiengängen; die hohen Teil‐
nehmerzahlen lassen hier verallgemeinernde Rück‐
schlüsse  zu.  Der  zweite  Vergleich  basiert  auf  einer 
Programmierprüfung, die der Autor sowohl an der 
Uni  Hamburg  als  auch  an  der  HAW  Hamburg 
durchgeführt hat. Als drittes werden die genannten 
Programmierveranstaltungen  an  der  HAW  Ham‐
burg  zwischen  den  erwähnten  Studiengängen  ver‐
glichen. </p>
        <sec id="sec-3-1-1">
          <title>Vergleich zwischen Uni-Studiengängen</title>
          <p>An der Uni Hamburg besteht die einführende Pro‐
grammierlehre  aus  den  Modulen  Softwareentwick‐
lung 1 und 2 (SE1 und SE2); an diesen Modulen war 
der Autor von 2005 bis 2013 maßgeblich beteiligt. In 
SE1 und SE2 gibt es Teilnehmer aus inzwischen fünf 
Bachelor‐Studiengängen:  Informatik  (Inf),  Wirt‐
schaftsinformatik (WInf), Software‐System‐Entwicklung 
(SSE),  Mensch‐Computer‐Interaktion  (MCI)  sowie 
Computing in Science (CiS). Hinzu kommen die Lehr‐
amt‐Studierenden (LA) sowie als weitere große Ziel‐
gruppen Mathematik‐ (MA) und Physik‐Studierende 
(PH) mit Nebenfach Informatik. In den Jahren 2009 
(Start der Studiengänge SSE, MCI und CiS) bis 2013 
hat der Autor bei der ersten Prüfung die Klausurer‐
gebnisse  nach  Studiengängen  differenziert,  so  dass 
ein  Ranking  der  Studiengänge  nach  der  Durch‐
schnittsnote ihrer Kohorte möglich wurde. Die An‐
zahl  der  Klausurteilnehmer  lag  zwischen  290  (im 
Jahrgang  2009/2010)  und  376  (2013/2014).  Abbil‐
dung  5  zeigt  die  ermittelten  Durchschnittsnoten  in 
der Übersicht. 
2009
2010
2011
2012
2013
1,5
2,5
2
3
3,5</p>
          <p>Inf
SSE</p>
          <p>WInf
MA</p>
          <p>MCI
PH</p>
          <p>CiS
LA</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Abb. 5: Kohortenschnitte SE1 (Uni HH) </title>
        <p>Neben der Idee, beim Blick auf diese Zahlen spontan 
einen  Informatik‐Studiengang  mit  einem  Titel  wie 
„Physik‐Informatik“  gründen  zu  wollen,  um  talen‐
tierte  Programmierer  unmittelbar  anzusprechen, 
fällt  insbesondere  auf,  dass  Wirtschaftsinformatik 
 
und  Informatik  auf  Lehramt  reproduzierbar  die 
Schlusslichter  in  der  Programmierlehre  bilden.  Die 
Zahlen  sprechen  hier  eine  sehr  deutliche  Sprache, 
eine Erklärung liefern sie nicht. </p>
        <sec id="sec-3-2-1">
          <title>Punktueller Vergleich Uni und HAW</title>
          <p>Die  einführende  Veranstaltung  Programmieren  1 
(PR1)  in  den  Informatik‐Studiengängen  an  der 
HAW  Hamburg  hat  ein  ungewöhnliches  Format: 
6V+2P, also einen hohen Vorlesungsanteil und einen 
vergleichsweise  geringen  Praxisanteil.  Formal  be‐
steht  sie  aus  zwei  Modulen  (Programmiermethodik 
und Programmiertechnik) und hat einen Umfang von 
12  CP.  In  dieser  Hinsicht  ist  sie  somit  doppelt  so 
„groß“  wie  die  Veranstaltung  SE1  der  Uni  Ham‐
burg, die lediglich 6 CP umfasst (bei 2V+2Ü). Da der 
Praxisanteil jedoch gleich groß ist, hat der Autor in 
seinem  ersten  PR1‐Durchgang  an  der  HAW  Ham‐
burg  die  gleichen  Inhalte  vermittelt  wie  in  SE1  an 
der Uni, diese jedoch sehr viel ausführlicher in semi‐
naristischer  Form  mit  den  Studierenden  im  Vorle‐
sungsanteil diskutiert. </p>
          <p>Ein weiterer Unterschied zur Uni besteht darin, 
dass in PR1 für beide Module je eine Prüfung statt‐
findet. Von diesen wird eine als klassische Klausur‐
prüfung durchgeführt, während die andere traditio‐
nell als Laborprüfung erfolgt (mit hohem technischen 
und  organisatorischen  Aufwand,  der  u.a.  von  den 
wissenschaftlichen  Mitarbeitern  des  Departments 
Informatik  erbracht  wird).  In  der  Laborprüfung 
müssen  die  Teilnehmer  am  Rechner  unter  kontrol‐
lierten  Bedingungen  (kein  Internet‐Zugang)  Pro‐
grammieraufgaben  unter  Zeitdruck  lösen.  Für  den 
Autor war diese Form der Prüfung neu. </p>
          <p>Unter  den  bisher  genannten  Bedingungen  hat 
der Autor bewusst ein Experiment durchgeführt: Da 
die  vermittelten  Inhalte  vergleichbar  waren,  hat  er 
die exakt gleiche  Klausurprüfung am  Ende  von  PR1 
durchgeführt, die er auch an der Uni im letzten SE1‐
Durchgang  verwendet  hatte;  es  handelte  sich  tat‐
sächlich sogar um dasselbe PDF‐Dokument. </p>
          <p>Auf  diese  Weise  konnte  unter  vergleichbaren 
Bedingungen  (gleicher  Dozent,  gleiche  Inhalte)  ein 
direkter Vergleich zwischen Uni‐ und HAW‐Studie‐
renden  erfolgen.  Die  erreichten  Noten  unterschie‐
den sich deutlich: Der Schnitt an der Uni lag bei 2,7, 
an der HAW bei 3,3. </p>
          <p>Man könnte versucht sein, aus diesem Ergebnis 
auf grundsätzliche Leistungsunterschiede zwischen 
Uni‐ und HAW‐Studierenden zu schließen. Der Au‐
tor sieht dies aber kritisch: An der Uni war das For‐
mat der Klausurprüfung seit vielen Jahren bekannt, 
an der HAW war es neu; weiterhin wurden den Stu‐
dierenden an der Uni Online‐Selbsttests zur Vorbe‐
reitung auf die Klausur angeboten, die ebenfalls das 
gleiche Format aufwiesen; und bei einem neu beru‐
fenen Professor laufen typischerweise viele Wieder‐
holer auf, die mit den bisherigen Veranstaltern bzw. 
ihren  Inhalten  Probleme  hatten  und  somit  den 
Schnitt  verfälschen  können.  Andererseits  muss  be‐
achtet werden, dass der Umfang von PR1 zwei Fünf‐
teln  des  ersten  Semesters  entspricht,  während  SE1 
lediglich ein Fünftel des ersten Semesters an der Uni 
ausmacht. </p>
          <p>Insgesamt  gilt  es  also,  auch  diese  Zahlen  mit 
Vorsicht zu genießen. </p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-2">
          <title>HAW-Studiengänge im Vergleich</title>
          <p>Der Autor hat die Folge PR1 und PR2 (letzteres ist 
mit 3V+1P und 6 CP deutlich kleiner als PR1) in allen 
drei Bachelor‐Studiengängen der Informatik an der 
HAW durchgeführt und dabei das didaktische Kon‐
zept  sowie  die  Inhalte  beibehalten.  Dabei  traten 
überraschend deutliche Unterschiede zwischen Stu‐
dierenden  der  AI  und  TI  einerseits  und  Studieren‐
den der WI andererseits zutage. 
 
Studien‐ 
gang </p>
          <p>AI 
TI 
WI </p>
          <p>Teil‐ 
nehmer 
60 
49 
49 </p>
          <p>Schnitt 
3,3 
3,0 
3,3 
nicht be‐
standen 
20% 
20% 
22% </p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Tabelle 1: PR1‐Klausuren (HAW) </title>
        <p>Während  die  Klausurergebnisse  sich  nicht  we‐
sentlich  unterschieden  (siehe  Tabelle  1),  war  die 
Nichtbestehensquote  in  der  Laborprüfung  bei  den 
Wirtschaftsinformatikern  im  Vergleich  überra‐
schend hoch (siehe Tabelle 2). 
 
Studien‐ 
gang </p>
        <p>Teil‐ 
nehmer 
AI 
TI 
WI 
56 
52 
42 </p>
        <p>Schnitt 
3,2 
3,4 
3,8 
nicht be‐
standen 
38% 
44% 
64% </p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>Tabelle 2: PR1‐Laborprüfungen (HAW) </title>
        <p>Dies war umso erstaunlicher, als den Studierenden 
der  WI‐Laborprüfung  die  Prüfungen  der  beiden 
vorherigen Durchgänge zur Verfügung standen, sie 
das Format der Prüfung (das in allen drei Prüfungen 
sehr  ähnlich war) also  besser  vorhersehen  konnten 
als ihre Kommilitonen. </p>
        <p>Irritiert  durch  dieses  schlechte  Abschneiden, 
suchte der Autor nach weiteren Hinweisen, dass in 
der WI andere Bedingungen herrschen, und wurde 
in den Lehreevaluationen fündig. </p>
        <p>Während  sich  diese  zwischen  den  Studiengän‐
gen bei vielen Punkten nur unwesentlich unterschie‐
den,  gab  es  bei  der  Einschätzung  der  Aussage  Die </p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-5">
        <title>Stoffmenge ist dem zeitlichen Rahmen angemessen klare </title>
        <p>Unterschiede:  Die  AI‐Teilnehmer  bewerteten  dies 
mit einem Mittelwert von 1,76 auf der Lickert‐Skala, 
die TI sogar mit 1,48; die WI‐Angaben hingegen lie‐
ferten einen Mittelwert von 2,36. Auch bei allen wei‐
teren Angaben zur investierten Zeit, sowohl für die 
Vor‐ und Nachbereitung der Vorlesung als auch des 
Praktikums,  lagen  die  Angaben  bei  den  Wirt‐
schaftsinformatikern deutlich höher. </p>
        <p>Offensichtlich hängt somit der Erfolg beim Pro‐
grammieren‐Lernen  nicht  nur  von  der  investierten 
Zeit ab, sondern auch von der persönlichen Motiva‐
tion;  WI‐Studierende  haben  häufig  die  Haltung, 
dass  (eigenes)  Programmieren  für  ihre  spätere  Be‐
rufspraxis eine geringere Rolle spielt; dies zeigten et‐
liche  persönliche  (nicht  repräsentative)  Gespräche, 
die der Autor mit Studierenden geführt hat. </p>
        <p>Dies wurde auch deutlich in einer anonymen Er‐
hebung,  die  der  Autor  jeweils  im  letzten  Vorle‐
sungstermin  von  PR1  in  allen  drei  Studiengängen 
durchgeführt hat. Die letzte zu bewertende Aussage 
der Erhebung lautet: Dieses Modul hat meine Lust auf 
Informatik  gesteigert.  Die  Studierenden  konnten  da‐
rauf  mit  Ja,  Eher  ja,  Eher  nein  oder  Nein  antworten. 
Während in der AI (97% ) und der TI (100%) fast alle 
mit Ja oder Eher ja antworteten, waren es in der WI 
lediglich 75%; mehr als 20% antworteten sogar mit 
einem klaren Nein. </p>
        <sec id="sec-3-5-1">
          <title>Diskussion</title>
          <p>In seiner Zeit an der Uni Hamburg hat sich der Au‐
tor  vergleichsweise  wenig  mit  dem  (klar  ersichtli‐
chen)  „Fremdeln“  der  Wirtschaftsinformatiker  mit 
dem Programmieren beschäftigt. Es schien ihm klar, 
dass der Erfolg beim Programmierenlernen direkt in 
Abhängigkeit zur investierten Zeit steht. Erst durch 
die intensive Erfahrung, an der HAW Hamburg ein 
Jahr lang ausschließlich Wirtschaftsinformatiker zu 
unterrichten, wurde dem Autor vor Augen geführt, 
dass ein entscheidendes Kriterium neben der inves‐
tierten Zeit auch die Motivation ist. </p>
          <p>Studierende  der  Wirtschaftsinformatik  empfin‐
den  Programmieren  häufig,  zumindest  für  sich 
selbst, als nicht so wichtig. Dies hat einen messbaren 
Einfluss auf ihren Erfolg in entsprechenden Veran‐
staltungen. </p>
          <p>Wirtschaftsinformatiker  sind  somit  im  Schnitt 
schlechtere Programmierer. Dies liegt nicht nur da‐
ran,  dass  sie  insgesamt  einen  kleineren  Informati‐
kanteil in ihrem Studium haben, sondern vermutlich 
auch an der mehrfach beobachteten Grundhaltung, 
dass sie in ihrem späteren Berufsbild eher keine ei‐
gene  Programmiertätigkeit  sehen.  Inwieweit  dies 
der  Realität  der  Berufspraxis  entspricht,  kann  hier 
nicht  beurteilt  werden.  Möglicherweise  sind  Wirt‐
schaftsinformatiker  mit  einem  gesunden  Halbwis‐
sen der Programmierung zumindest gute Vermittler 
zwischen den fachlichen Anforderungen im IT‐Um‐
feld und den technischen Fähigkeiten gut ausgebil‐
deter Vollinformatiker.  </p>
          <p>Zumindest in der Informatik an der HAW Ham‐
burg  wurde  intern  mehrfach  die  Frage  gestellt,  ob 
auf die hier beschriebenen Gegebenheiten mit einem 
speziellen Angebot für Wirtschaftsinformatiker ein‐
gegangen werden sollte. Bisher wurde dies stets ver‐
neint, mit dem Hinweis, dass alle Informatik‐Studie‐
renden die gleiche grundlegende Programmierlehre 
erhalten  sollten.  Dass  die  Wirtschaftsinformatiker 
hierbei schlechter abschneiden, wird als verkraftbar 
angesehen.  Diese  Haltung  wird  gestützt  durch  die 
Ergebnisse  der  Umfrage  aus  Abschnitt  2:  Acht  der 
neun WI‐Studiengänge verwenden für den Einstieg 
in die Programmierung die gleichen beiden Module, 
die auch in der Kern‐Informatik zum Einsatz kom‐
men; lediglich in einem der Studiengänge wird ein 
abgespecktes  WI‐Paket  angeboten  (in  dem  aber  le‐
diglich die Vorlesungsanteile halbiert sind). </p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>4 Fragen zur Entwicklung</title>
      <p>Nach Eindruck des Autors befindet sich die einfüh‐
rende  Programmierlehre  in  einem  Spannungsfeld. 
Einerseits haben sich die Studierenden über die letz‐
ten Jahre stark verändert:  </p>
      <p>Sie sind aufgrund der teilweise um ein Jahr ver‐
kürzten Schulzeit und des Wegfalls von Wehr‐ 
bzw. Zivildienst deutlich jünger als früher; teil‐
weise sitzen 17‐jährige in den Erstsemesterver‐
anstaltungen,  in  denen  früher  kaum  jemand 
jünger als 20 Jahre war.  
Eine heutige Erstsemesterkohorte setzt sich an‐
ders zusammen als früher: Vor den Zeiten des 
Internet‐Booms studierten vor allem die Perso‐
nen Informatik, die intrinsisch an ihren Themen 
interessiert  waren;  heute  gibt  es  viele  Studie‐
rende,  die  vor  allem  die  wirtschaftlichen  Vor‐
teile eines Informatik‐Studiums sehen. 
Diese beiden Einflüsse senken die durchschnittliche 
Studierfähigkeit der Studierenden. </p>
      <p>Andererseits  steigt  der  Anspruch  an  die  Ergeb‐
nisse der Programmierveranstaltungen: Kollegen in 
höheren Semestern klagen häufig, dass die Teilneh‐
mer  in  ihren  Veranstaltungen  wie  Verteilte  Systeme 
oder Software Engineering nicht gut genug program‐
mieren können. Damit einhergehend steigt auch der 
Anspruch an die abgedeckten Inhalte:  </p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Funktionale  Programmierung  wanderte  mit  der </title>
        <p>Version  8  in  Java  hinein,  entsprechend  sollten 
auch  die  passenden  Sprachkonzepte  themati‐
siert werden. 
Quelltextverwaltungssysteme  wie  Git  werden 
immer wichtiger, entsprechend sollte auch der 
Umgang mit Git früh thematisiert werden. 
die Java‐Bibliotheken können teilweise nur mit 
guten  Kenntnissen  von  Entwurfsmustern  kom‐
petent  benutzt  werden,  entsprechend  müssen 
Entwurfsmuster thematisiert werden. 
In  Zeiten  von  Mehrkernsystemen  wird  neben‐
läufige Programmierung wieder wichtiger – diese 
war schon immer in den Genen von Java, spielt 
aber in den meisten einführenden Modulen nur 
eine geringe Rolle. 
Darüber hinaus stellt sich die Frage: Wo sollen Pro‐
grammierinhalte jenseits von Java diskutiert werden? 
Können  grundlegende  Sprachkonzepte,  die  Java 
nicht  anbietet  (z.B.  andere  Konzepte  zur  Parame‐
terübergabe,  Wertsemantik  bei  benutzerdefinierten 
Typen,  explizite  Speicherverwaltung),  überhaupt 
noch  im  Pflichtprogramm  vermittelt  werden?  Vor 
allem angesichts der Tendenz, immer mehr Inhalte 
in der Programmierlehre in immer kleinere Anteile 
des Curriculums zu pressen, weil andere Inhalte des 
Studiums  zunehmend  als  wichtiger  empfunden 
werden, in letzter Zeit beispielsweise, mit zugegebe‐
ner Berechtigung, die IT‐Sicherheit? </p>
        <p>Diese Überlegungen führen zu einer Reihe von 
Fragen, die bezüglich der Programmierlehre in den 
nächsten Jahren beantwortet werden sollten: 
Welchen Einfluss hat die starke Verjüngung der 
Studienanfänger  aufgrund  des  Wegfalls  von 
Wehr‐  bzw.  Zivildienst  und  der  Verkürzung 
der Schulzeit in vielen Bundesländern? 
Wie  problematisch  ist  der  Umstand,  dass  die 
Programmierlehre  ihren  Grundstein  im  ersten 
Semester gelegt bekommt, in dem viele Studie‐
rende häufig noch nicht studierfähig sind? 
Können  wir  es  uns  leisten,  die  Programmier‐
lehre weiter zu beschneiden? Oder sollte ihr an‐
gesichts  der  gestiegenen  inhaltlichen  Ansprü‐
che wieder mehr Gewicht gegeben werden? 
Wenn wir die zu Anfang dieses Abschnitts beschrie‐
benen  Randbedingungen  akzeptieren  (müssen), 
dann  sollten  wir  uns  bezüglich  unserer  einführen‐
den Veranstaltungen weitere Fragen stellen: 
Welche  organisatorischen  Rahmenbedingun‐
gen  können  den  Einstieg  in  die  Programmie‐
rung erleichtern? 
Welche didaktischen Möglichkeiten bieten sich 
uns, die jungen Studierenden für das Program‐
mieren stärker zu begeistern? 
Welche Chancen bieten interaktive Systeme, die 
gerade mit Java gut vermittelt werden können, 
für eine interessante Programmierlehre? 
Welche Werkzeuge fehlen uns noch für eine bes‐
sere Programmierlehre? 
Sollten wir,  je  nach  Schwerpunkt  des Studien‐
gangs,  eher  einen  Fokus  auf  Anwendungs‐ 
oder auf Systemprogrammierung legen? 
 
Wie schaffen wir es, Problemlösen mit Compu‐
tern und Sprachkonzepte zu vermitteln? 
Nach  Ansicht  des  Autors  gibt  es  hier  ausreichend 
Klärungsbedarf  für  die  nächsten  Jahre,  sowohl  in 
der Forschung als auch in der Lehre. </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Fazit</title>
      <p>Dieser  Artikel  beleuchtete  in  drei  Abschnitten  ver‐
schiedene  Facetten  der  Programmierlehre.  Ab‐
schnitt  2  zeigte  als  zentrale  Ergebnisse  einer  Um‐
frage, dass Java‐Kenntnisse eine unumstrittene Rolle 
spielen und dass Lehrende von Programmierveran‐
staltungen mit ihrer eigenen Lehre überwiegend zu‐
frieden  sind.  Offen  bleibt,  ob  letzteres  auch  für  die 
verschiedenen „Abnehmer“ (Studierende, Lehrende 
höherer Semester, Arbeitgeber) gilt. Abschnitt 3 ar‐
beitete  heraus,  dass  insbesondere  Wirtschaftsinfor‐
matiker,  stellvertretend  für  viele  Bindestrich‐Infor‐
matiker, im Schnitt schlechtere Programmierer sind. 
Hier bleibt zu klären, ob darauf mit speziellen Lehr‐
angeboten eingegangen werden sollte. In Abschnitt 
4  schließlich  wurde  dargestellt,  dass  die  Program‐
mierlehre aktuell vor spezifischen Herausforderun‐
gen steht, auf die wir die richtigen Antworten noch 
finden müssen. </p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literatur</title>
      <p>Heuer,  A.,  et  al.  (2011):  Entwicklung  eingebetteter </p>
      <p>Software  in  einem  Softwarepraktikum mit  Lego 
Mindstorms. Software Engineering im Unterricht 
der  Hochschulen  (SEUH),  Hannover, 
dpunkt.verlag, Heidelberg. 
Langhoff,  A.,  et  al.  (2015):  Java,  LEDs  und  ein </p>
      <p>RaspberryPi:  Ein  Projektversuch  mit 
Erstsemestern.  Software  Engineering  im 
Unterricht  der  Hochschulen  (SEUH),  Dresden, </p>
      <p>CEUR Workshop Proceedings 1332. 
Ludewig,  J.  (2010):  Software‐Ingenieur  werden. </p>
      <p>Informatik Spektrum 33(3), S. 288‐291. 
Schmedding, D., et al. (2015): Clean Code ‐ ein neues </p>
      <p>Ziel  im  Software‐Praktikum.  Software 
Engineering  im  Unterricht  der  Hochschulen 
(SEUH), Dresden, CEUR Workshop Proceedings 
1332. 
Schmolitzky, A., Züllighoven, H. (2007): Einführung 
in  die  Softwareentwicklung:  Softwaretechnik 
trotz  Objektorientierung?  Software  Engineering 
im  Unterricht  der  Hochschulen  (SEUH).  Zeller, </p>
      <p>A.,  Deininger, M. Stuttgart, dpunkt.verlag. 
Schmolitzky,  A.  (2013):  Eine  softwaretechnische </p>
      <p>Programmierausbildung?  Software  Engineering 
im Unterricht der Hochschulen (SEUH), Aachen, 
CEUR Workshop Proceedings 695. 
Anhang A: Vollständiger Text der E-Mail-Umfrage vom März 2013
Formaler Rahmen: 
Wie heißt Ihre Professur/Ihr Lehrstuhl/Ihre Gruppe? 
Wie heißt die Hochschule, über die Sie berichten? </p>
      <p> 
Wie  viele  Pflichtmodule  zur  Programmierung  gibt  es  in  diesen  Studiengängen?  (nicht  alle  müssen  in  allen 
Studiengängen Pflicht sein) 
In welche Studiengängen sind welche Module Pflicht? 
Welche Programmiersprachen werden in welchem Modul vermittelt? </p>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list />
  </back>
</article>