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      <title-group>
        <article-title>Jens Liebehenschel und Jörg Schäfer</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Frankfurt University of Applied Sciences</string-name>
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          <string-name>liebehenschel</string-name>
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          <string-name>jschaefer}@fb</string-name>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>.fra-uas.de</string-name>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <fpage>91</fpage>
      <lpage>99</lpage>
      <abstract>
        <p>Teamteaching kann als alternative Veranstaltungsform in der Lehre eingesetzt werden. In diesem Artikel berichten die Autoren von Erfahrungen beim Einsatz von Teamteaching im Modul „Algorithmen und Datenstrukturen“ der Informatik Bachelor Studiengänge an der Frankfurt University of Applied Sciences. Da es sich um ein Standardmodul der Studiengänge handelt, können neben qualitativen auch quantitative Methoden zur vergleichenden Analyse angewendet werden. Der Einsatz von Teamteaching erhöht eindeutig die Motivation bei den Studierenden und Dozenten. Außerdem gibt es Hinweise, dass sich die erhöhte Motivation auch in besseren Ergebnissen, vor allem in der oberen Leistungshälfte der Studierenden, auswirkt.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
      <p>Wir sprechen außerdem am Ende kurz den Einsatz
von Teamteaching in Projekten mit „echten Kunden“
aus der Industrie oder anderen Mitarbeitenden der
Hochschule an.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Vorgehensweise</title>
      <p>
        Teamteaching ist kein neues Konzept und wird als
alternative Lehrmethode vor allem an Schulen schon
länger eingesetzt
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">(Huber, 2000)</xref>
        . Im Hochschulbereich
ist Teamteaching als Veranstaltungsform insgesamt
noch relativ selten – was neben einem eher
traditionellen Verständnis von Didaktik (eine Vorlesung wird
von einem Dozenten gelesen!) auch der Tatsache
geschuldet sein kann, dass vordergründig Teamteaching
„teurer“ zu sein scheint (mehr dazu später). Aber
dennoch bestehen im Hochschulbereich seit einigen
Jahren einzelne Erfahrungen mit Teamteaching (
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">(Kricke
u. Reich, 2016)</xref>
        ,
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8">(Leavitt, 2006)</xref>
        und
        <xref ref-type="bibr" rid="ref14">(Wadkins u. a.,
2006)</xref>
        ). Es besteht unseres Wissens nach keine
allgemein akzeptierte verbindliche Definition von
Teamteaching, aber alle in der Literatur beschriebenen
Methoden haben gemeinsam, dass beim Teamteaching
zwei oder mehr als zwei Mitglieder des Teams
gemeinsam Veranstaltungen zusammen mit den
Studierenden durchführen: „Teamteaching ist das gemeinsame
Vorbereiten, Planen, Durchführen und Evaluieren von
Unterricht durch zwei oder mehr Lehrkräfte oder ein
multiprofessionelles Team.“
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">(Kricke u. Reich, 2016)</xref>
        .
      </p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Hintergrund der Autoren</title>
        <p>Beide Autoren haben im Rahmen ihrer
Industrietätigkeit vor der Hochschule positive Erfahrungen mit
Teamteaching gesammelt. Dies floss in die Planung
und Durchführung der Veranstaltung ein.</p>
        <p>Unser Ziel war eine didaktisch gute Veranstaltung.
Dies sollte unter anderem dadurch erreicht werden,
dass die Veranstaltung interaktiv gestaltet wurde –
nicht nur zwischen den Lehrenden, sondern auch mit
den Studierenden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Auswahl eines Moduls für Teamteaching</title>
        <p>Die Entscheidung fiel auf das Modul „Algorithmen
und Datenstrukturen“. Es wurde bewusst ein von den
Studierenden als „schwierig“ eingestuftes Modul
gewählt. Die Einschätzung „schwierig“ beruht einerseits
auf subjektiven Kriterien, die im Rahmen einer
Selbsteinschätzung im Zuge der allgemeinen
Qualitätssicherungsprozesse von den Studierenden selbst
angegeben wurde, anderseits lässt sich dieses subjektive
Gefühl auch anhand objektiver Kriterien, wie höherer
Durchfallquoten und einem relativ hohen Prozentsatz
Studierender, die diese Klausur vor sich herschieben,
feststellen.</p>
        <p>
          Die Auswahl des Moduls ergab sich auch aus der
Überlegung, dass die Veranstaltung weniger auf
Reproduktion gelernter Inhalte abzielen, sondern vielmehr
auf die Anwendung von Wissen Wert legen, also
„anspruchsvoll“ sein sollte. Die Leistungsüberprüfung in
der Klausur erfolgte daher im Wesentlichen durch
Aufgaben, die nach dem aus der Psychologie bekannten
Kompetenzstufenmodell
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Adams, 1970)</xref>
          mindestens
auf der Stufe der Bewussten Kompetenz stehen.
Manche Aufgaben erfordern sogar die Stufe der
Unbewussten Kompetenz, Gelerntes muss „in Fleisch und Blut“
übergegangen sein. Bezüglich der SOLO Taxonomie
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13 ref2">(Biggs u. Tang, 2011)</xref>
          ist die benötigte Kompetenz auf
jeden Fall in einer der beiden höchsten Stufen.
        </p>
        <p>Das Interesse der Studierenden sollte geweckt
werden und damit einhergehend die Motivation, sich aktiv
mit dem Lehrstoff auseinander zu setzen. Dies betrifft
sowohl die Vor- und Nachbereitung der Vorlesungen
als auch den Besuch und die Mitarbeit in den
Übungen. Damit sollten die Kompetenzen zum Erreichen
der Lernziele und guten Bestehen der Klausur gelegt
werden.</p>
        <p>Wir diskutierten im Vorfeld über die stark
mathematische Prägung des Moduls „Algorithmen und
Datenstrukturen“. Dies impliziert, dass der Lehrstoff fast
ausschließlich Themen umfasst, bei denen es „richtig“
und „falsch“ gibt. Dadurch konnten im Vergleich etwa
zum Software-Engineering seltener völlig
unterschiedliche Standpunkte zu einem Thema eingenommen
und diskutiert werden.</p>
        <p>
          Eine Befürchtung war, dass unterschiedliche
Standpunkte zweier Lehrender zu Verwirrung führen kann.
Dies ist in
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(Burden u. a., 2012)</xref>
          beschrieben. Auch
einer der Autoren hatte in Projekten erlebt, dass
Rollenwechsel – selbst wenn angekündigt – die Studierenden
verwirrt haben
          <xref ref-type="bibr" rid="ref10">(Liebehenschel, 2013)</xref>
          . Wir haben an
wenigen Stellen der Veranstaltung unterschiedliche
Standpunkte eingenommen und konnten dabei
keine Verwirrung bei den Studierenden erkennen. Eins
der Beispiele ist unten im Detail erläutert (Beispiel 1,
Ja-Nein-Würfel).
        </p>
        <p>
          Vermutlich kam es nicht zu Verwirrung, weil jeweils
eine Person einen Standpunkt vertreten hat. Dies ist
vergleichbar mit der in
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(Böttcher u. a., 2009)</xref>
          beschriebenen Veranstaltung mit zwei Lehrenden, von denen
einer in die Rolle des Praktikers, der andere in die des
Theoretikers schlüpfte.
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Umsetzung im Modul „Algorithmen und</title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>Datenstrukturen“</title>
        <p>Im Sommersemester 2016 wurde das gewählte Modul
„Algorithmen und Datenstrukturen“ durch die beiden
Autoren dieses Berichts erstmalig als
TeamteachingVeranstaltung angeboten. In der Vergangenheit wurde
es meist in mehreren parallel stattfindenden
Veranstaltungen im Rahmen des Kleingruppen-
beziehungsweise Zugkonzepts, das in der Tradition der Lehre an
Hochschulen für Angewandte Wissenschaften steht,
angeboten.</p>
        <p>Die große Anzahl an Erst- und Zweitsemestern
(mehr als 200) hat es in der jüngeren
Vergangenheit aber zunehmend notwendig gemacht, die
Veranstaltung auch als Großveranstaltung im Audimax
stattfinden zu lassen, da zu viele kleine Züge mit
paralleler Stoffvermittlung unwirtschaftlich sind und der
Lehrstoff sich prinzipiell gut für eine Großvorlesung
eignet. Diese Veranstaltung wurde bislang von einem
Lehrenden durchgeführt. Begleitet wurden diese
Veranstaltungen immer durch mindestens zehn Übungen,
die es den Studierenden ermöglichten, sich den Stoff
auch praktisch anzueignen. Diese Übungen wurden
zum Teil durch Tutoren unterstützt.</p>
        <p>Die Idee zur Teamteaching-Veranstaltung entstand
einerseits aus einer gewissen Unzufriedenheit mit der
traditionellen Form der Vorlesung als
Großveranstaltung und andererseits auch aus dem Wunsch der
Dozenten, experimentellere Formen der Lehre
auszuprobieren.</p>
        <p>
          An der Veranstaltung haben mehr als 200
Studierende teilgenommen, von denen bisher die Hälfte auch
die Klausur geschrieben hat (es gibt zwei Termine
für die Klausur, der zweite liegt im Wintersemester
2016/17). Die Veranstaltung wurde im Rahmen des
EvaluationsService
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(EvaS, 2016)</xref>
          der Frankfurt
University of Applied Science kontinuierlich evaluiert und
ausgewertet (siehe Abschnitt über Evaluierung).
Neben der Vorlesung fanden zehn Übungsgruppen statt,
die durch Tutoren unterstützt wurden. Für die
Hochschule war die Vorgehensweise aufwands- (deputats-)
neutral, da die Veranstaltung ansonsten mit
mindestens zwei Dozenten parallel (und einer vergleichbaren
Zahl von Übungen) stattgefunden hätte. Bei kleineren
Gruppen fällt die Argumentation für Teamteaching
vermutlich schwerer. In
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13 ref2">(Schuster u. a., 2011)</xref>
          ist
beschrieben, dass zwei erfolgreiche Veranstaltungen mit
Teamteaching aus Kostengründen nicht fortgesetzt
werden konnten. Vermutlich waren dies aber keine
Großveranstaltungen.
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-5">
        <title>Vorbereitung</title>
        <p>Von einem der Autoren existierte ein detailliert
ausgearbeitetes und erprobtes Skript, welches
kontinuierlich weiter entwickelt wird. Die Inhalte der Vorlesung
sind weitestgehend identisch mit denen aus
vorherigen Veranstaltungen und ermöglichen daher einen
guten qualitativen und quantitativen Vergleich der
Lernergebnisse mit vorherigen Jahrgängen.</p>
        <p>Vor Beginn des Semesters haben die beiden Autoren
zur Vorbereitung eine Art Drehbuch erstellt, und zwar
zunächst grob für die gesamte Vorlesungsperiode und
dann jeweils auf wöchentlicher Basis für die jeweils
folgende Woche in detaillierter Form. Dabei wurden
die behandelten Themen sowie Lernziele definiert und
„Übergabepunkte“ festgelegt, an dem die aktive Rolle
jeweils auf den anderen Dozenten übergeben werden
sollte, beziehungsweise diejenigen Aktivitäten
definiert, die gemeinsam erfolgen sollten. Obwohl Plot
Points in der Regel vorher abgesprochen wurden,
haben sie sich auch spontan entwickelt. Dabei hat sich
herausgestellt, dass es nicht sinnvoll ist, alles en détail
festzulegen. Vielmehr war ein grober Rahmen wichtig,
das heißt ein Drehbuch oder Kurzskript. In der
Vorlesung – nicht zuletzt als Reaktion auf Rückmeldung
durch die Studierenden – wurde dann manchmal
improvisiert. Auch die in den Veranstaltungen benötigte
Infrastruktur (Computer etc.) und
Anschauungsmaterialen (Beispiele siehe unten) wurden im Drehbuch
aufgeführt.</p>
        <p>Diese Koordination ist ein deutlicher Mehraufwand
für die Dozenten und muss erwähnt werden. Die
Autoren haben dazu ca. eine Stunde pro Woche im
Durchschnitt verwendet; allerdings ist bei stabilen Teams
davon auszugehen, dass bei Wiederholung der
Lernveranstaltung dieser Zusatzaufwand deutlich abnimmt.
Der Zusatzaufwand wird zudem durch die
Möglichkeit einer gemeinsamen Klausurstellung (was auch
sinnvoll ist!) zum Teil wieder aufgefangen. Auch im
Vorfeld der Veranstaltung wurden bereits viele
Diskussionen über die Vorgehensweise geführt. Dieser
einmalige Aufwand bewegte sich im Rahmen weniger
Tage.</p>
        <p>
          Der von den Autoren intuitiv zur Vorbereitung
gewählte Ansatz war genau richtig, wie sich im
Nachhinein herausstellte. Die Lernziele der Veranstaltung
waren durch das Modulhandbuch und das
vorhandene Skript abgesteckt. Es wäre möglich gewesen, eine
viel strukturiertere Vorgehensweise zur Vorbereitung
einzuschlagen. Die Lernziele hätten viel tiefer auf die
aktiven Rollen herunter gebrochen werden können.
Es ist jedoch fraglich, ob diese Granularität der
gewünschten Lernergebnisse (siehe dazu
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13 ref2">(Biggs u. Tang,
2011)</xref>
          ) einen Nutzen gehabt hätte, oder überhaupt
möglich gewesen wäre. Ein strukturiertes Verfahren
wird zum Beispiel in
          <xref ref-type="bibr" rid="ref9">(Lehmann u. Buth, 2015)</xref>
          vorgestellt. Dort wird schön gezeigt, wie mittels eines
kompetenzorientierten Ansatzes ein Modul überarbeitet
wird. Es werden Vorgehensweisen aus dem
SoftwareEngineering angewendet. Dies wäre bei der hier
vorliegenden Problemstellung nicht adäquat gewesen. Der
zusätzliche Aufwand hätte in keinem guten Verhältnis
zu der Nutzbarkeit der zusätzlichen Ergebnisse
gestanden. Die Inhalte und Lernziele waren klar, daher
konnten wir bei der Verfeinerung agiler (Grobplanung
und wöchentliche Verfeinerung) vorgehen.
        </p>
        <p>Begleitend zur Veranstaltung wurde außerdem eine
Art Tagebuch oder Logbuch geführt, in dem die
Autoren Notizen für die spätere Auswertung festhielten.
Beispielsweise wurden für jede Veranstaltung die
geschätzte Anzahl der Teilnehmenden notiert und wie
gut die Zeitplanung gepasst hat. Bei Bedarf wurden
wahrgenommene Punkte aufgenommen, zum Beispiel
die Ruhe im Hörsaal. Schließlich wurden die von den
Studierenden ausgedachten Klausuraufgaben (siehe
unten) hier dokumentiert. Ein Logbuch ist nicht
zwingend erforderlich, hilft aber bei der Reflexion während
und nach Abschluss des Semesters ungemein.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-6">
        <title>Aufbau der Veranstaltungen</title>
        <p>In diesem Abschnitt stellen wir typische Abläufe in
der Lehrveranstaltung exemplarisch dar. Im
Durchschnitt waren in jeder Veranstaltung beide Dozenten
drei Mal in der aktiven Rolle1. Der jeweils andere hielt
sich im Hintergrund, „griff aber hin und wieder ins
Geschehen ein“. Dies waren Ergänzungen,
Betrachtungen aus anderem Blickwinkel, Beispiele oder auch
Klarstellungen oder Korrekturen von Fehlern. In
vielen Veranstaltungen gab es auch gemeinsame Teile.
Immer wieder ergaben sich aus der Situation heraus
spontane Änderungen der Planung, die Improvisation
notwendig machten.</p>
        <p>1Dabei definieren wir als aktive Rolle den primär steuernden –
nicht immer vortragenden – Part. In der nicht-aktiven Rolle kann
sich ein Dozent durchaus durch Bemerkungen und Handlungen
einbringen – aber eben ohne die Steuerung vom aktiven Dozenten
zu übernehmen. In Situationen, in denen unklar ist, wer führt, stellt
sich bei den Studierenden schnell eine Verunsicherung ein. Dies
kann natürlich auch didaktisch kontrolliert eingesetzt werden.
Auch wenn die folgenden Aufstellungen ohne die
konkreten Inhalte der Veranstaltung nicht immer ein
vollständiges Bild ergeben, dienen sie der Darstellung
möglicher Abläufe und stellen die prinzipielle Idee
dar. In den folgenden Aufzählungen kennzeichnen
wir durch „A:“ und „B:“ die jeweiligen Themen der
Lehrenden.</p>
        <p>Wir wollen hier durch Bilder von zwei Exponaten
und ein paar Folien zeigen, auf welchen Wegen wir
die Studierenden für die Themen begeistern wollen.
Dies kann natürlich auch unabhängig von
Teamteaching gemacht werden, ist aber mit zwei Lehrenden
einfacher.</p>
        <sec id="sec-2-6-1">
          <title>Abbildung 1: Motivation für Teamteaching</title>
          <p>Beispiel 1: Die erste Veranstaltung (zwei Stunden)
bestand aus einer Motivation für das Thema, der
Diskussion der Rahmenbedingungen und einem
abstrakten Überblick über die behandelten Themen anhand
eines Beispiels.</p>
          <p>Beide: Begrüßung und Vorstellung der Dozenten
A: Konzept Teamteaching (siehe Abbildung 1) und</p>
          <p>Spielregeln</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-6-2">
          <title>B: Organisatorisches</title>
          <p>Beide: Diskussion Ja-Nein-Würfel und erste Analysen,</p>
          <p>Details siehe unten (und Abbildung 3)
A: Schummeln mit Statistik – „Der Schein trügt
manchmal“
B: Einführung in die Vorlesung, Gefühl für die Güte
von Algorithmen und Datenstrukturen
A: Laufzeit von Lösungen eines Geduldspiels (siehe
Abbildung 2) durch Kombination von Algorithmen
und Datenstrukturen</p>
          <p>In dieser Veranstaltung wurden logische
Übergänge zwischen der Erläuterung der Spielregeln und der
Vorstellung der organisatorischen
Rahmenbedingungen für einen Wechsel der Dozenten ausgenutzt. Des
Weiteren zog sich der Aspekt „Gefühl für die Güte
von Algorithmen und Datenstrukturen“ vom
praktischen Beispiel „Schummeln mit Statistik“ über die
„Einführung in die Vorlesung“ bis hin zur Lösung des
Geduldspiels2.</p>
          <p>2Das Beispiel wurde in einer späteren Vorlesung noch einmal
aufgegriffen und der Lösungsalgorithmus, der u.a. mit Breitensuche
arbeitet und zuvor vermittelte Datenstrukturen benutzt, wurde
detailliert diskutiert.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-6-3">
          <title>Abbildung 2: Geduldspiel</title>
          <p>Das Konzept des Teamteaching wurde den
Studierenden anhand von Bildern wie in Abbildung 1
schmackhaft gemacht. Es wurde auch deutlich
kommuniziert, dass dies auch für die Autoren ein
Experiment zur Verbesserung der Lehre sei.</p>
          <p>In diesem Zug wurde auch erwähnt, dass die
Veranstaltung im Wesentlichen ohne Beamer
durchgeführt wird. Inhalte werden stattdessen an der Tafel
entwickelt. Es folgte eine Motivation zur Verwendung
„analoger“ Schreibgeräte.</p>
          <p>Innerhalb dieser ersten Veranstaltung wurde eine
Diskussion der Dozenten geführt. Jeder besaß einen
Ja-Nein-Würfel, der eigentlich ein Rot-Schwarz-Würfel
war, siehe Abbildung 3. Einer besitzt auf jeweils drei
Seiten ein „Ja“ (rot) und ein „Nein“ (schwarz), der
andere nur auf jeweils einer Seite. Die anderen vier
Seiten waren leer (dies bedeutet, dass nochmal zu
würfeln ist).</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-6-4">
          <title>Abbildung 3: Ja-Nein-Würfel</title>
          <p>Die Erwartungswerte beider Würfel sind also gleich,
die Anzahl der Würfelvorgänge bis zu einem
Ergebnis aber unterschiedlich. Nachdem wir dies praktisch
ausprobiert hatten, haben wir diskutiert, dass jeder
seinen Würfel besser findet. Der eine möchte sofort
ein Ergebnis haben, der andere die Spannung, wann
das Ergebnis kommt. Wir haben also unterschiedliche
Standpunkte eingenommen. Im Anschluss wurden
erste mathematische Analysen wie der Erwartungswert
der Anzahl benötigter Würfelvorgänge bis zu einem
erhaltenen Ergebnis durchgeführt. Auch die
Unendlichkeit wurde an diesem Punkt mit den Studierenden
diskutiert.</p>
          <p>Beim Beispiel „Schummeln mit Statistik“ wurde
ein Graph in ein Koordinatensystem eingetragen.
Durch partielles Strecken oder Stauchen der Achsen
des Koordinatensystems oder auch Beschränken der
Wertebereiche der Achsen verändert sich der Graph
und kann so ein falsches Bild suggerieren. Dazu
wurden Beispiele diskutiert.</p>
          <p>Beispiel 2: In der zweiten Veranstaltung waren die
Themen lineare und binäre Suche. Es gab zwei Teile,
in denen wir gemeinsam – einmal mit den
Studierenden, einmal ohne sie – die binäre Suche
„durchspielten“.</p>
          <p>A: Ausführen von guten und schlechten Algorithmen
für lineare Suche, die die Anzahl der Wörter in
Texten zählen. Dabei wurde eine lineare Suche mit
einfachen Datenstrukturen und linearer
Zugriffszeit mit einer Suche mit „komplexen“
Datenstrukturen und konstanter Zugriffszeit (Hashtabellen)
verglichen. Die Programme wurden an der
Kommandozeile am Rechner ausgeführt und auf die
Leinwand projiziert.</p>
          <p>B: Visualisierung des Laufzeitverhaltens an der
Tafel. Lernziel: „Langsame“ Skriptsprachen
können mit dem besseren Algorithmus schneller
(hier in O(n)) sein als „schnellere“ Sprachen wie
z. B. C/C++ mit schlechten Algorithmen (hier in
O(n2)).</p>
          <p>A: Ausblick Analyse und O-Notation
Beide: Beispiel zur binären Suche durchspielen</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-6-5">
          <title>B: Algorithmus zur binären Suche</title>
          <p>Beide: Mit Studierenden gemeinsam binäre Suche
durchspielen (ähnlich wie in Beispiel 3)
A: Beweis der Korrektheit von binärer Suche</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-6-6">
          <title>B: Laufzeit-Analyse der binären Suche</title>
          <p>A: Lineare Suche mit kurzer Diskussion der
Korrektheit und der Laufzeit</p>
          <p>
            Beispiel 3: In mehreren Veranstaltungen zur Mitte
des Semesters wurden Sortierverfahren behandelt.
Dabei wurden die Verfahren mithilfe von „freiwilligen“
Studierenden, die Zahlen repräsentierten, vor der
Tafel anschaulich „vorgetanzt“ – ähnlich der bekannten
Tanzvideos zum Beispiel
            <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(Sapientia University, 2011)</xref>
            ,
jedoch ohne Tanzelemente. Die Dozenten konnten
diese Veranschaulichung zu zweit viel besser
durchführen als alleine, da parallel die Koordination der
vielen Studierenden und die fachliche Erklärung
organisiert werden mussten. Die Anwesenheit von zwei
Dozenten (oder einem Dozent und einer „Hilfskraft“)
Es geht keine Zeit verloren, wenn die Tafel
gewischt wird oder wenn etwas im Skript gesucht
werden muss, weil der andere die Zeit nutzen
kann. Das ist ein nicht zu unterschätzender
zeitlicher Vorteil durch Teamteaching, der es
ermöglicht, die gewonnene Zeit für andere, didaktisch
sinnvollere Dinge zu nutzen.
          </p>
          <p>Großer vorteilhafter Nebeneffekt: Es bleibt im
Hörsaal ruhig und es muss damit auch nicht für Ruhe
gesorgt werden, da es keine Phasen gibt, in denen
„nichts“ passiert. Gegen Mitte der Veranstaltung
haben wir sogar auf Mikrophone verzichtet3.
• In der Mitte der Vorlesungen wurden Studierende
häufig aktiviert, zum Beispiel durch die
Aufforderung, sich zum behandelten Stoff
Klausuraufgaben auszudenken. Diese wurden dann durch
die Dozenten an der Tafel gesammelt. Dadurch
wird es zwar kurzzeitig unruhiger, jedoch wird
das Auditorium auch schnell wieder ruhig.
sorgte dafür, dass der rote Faden stets erkennbar blieb.</p>
          <p>Beispiel 4: Als letztes Beispiel haben wir eine
Veranstaltung ausgewählt, in der uns wenige Übergaben
sinnvoll erschienen. Keinesfalls sollten künstliche
Brüche im Lehrstoff nur um des Wechsels Willen
eingeführt werden.</p>
          <p>A: Bäume: Definitionen, Eigenschaften, Operationen
B: Bäume traversieren, Suche in binären Bäumen
A: Einfügen und Löschen in binären Bäumen
Beide: Klausurfragen ausdenken und anschreiben</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Evaluation</title>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Subjektive Beobachtungen der Dozenten</title>
        <p>Es ergaben sich schnell die folgenden Beobachtungen:
Tendenziell gab es in längeren Aktivitätsperioden
eines Dozenten mehr „Eingriffe ins Geschehen“
durch den anderen.</p>
        <p>Das Drehbuch konnte meist eingehalten werden,
selten wurde etwas stark verkürzt oder auf den
nächsten Termin verschoben.</p>
        <p>Eine Planung ist wichtiger als bei einem Dozenten,
insbesondere wegen der Absprache der
Übergabepunkte.</p>
        <p>Positiver Nebeneffekt der genaueren Planung vor
dem Semesterstart ist es, dass die
Übungsaufgaben besser auf den Wissensstand der Studierenden
beziehungsweise den Stand der Vorlesung
abgestimmt sind.
• Immer wieder passieren ungeplante Dinge (man
findet Fehler beziehungsweise sucht Fehler zu
zweit, was schneller geht und unterhaltsamer ist),
aber es war leicht, darauf angemessen zu
reagieren.</p>
        <p>Man kann Fehler, die in jeder Veranstaltung
passieren, besser finden und sogar didaktisch nutzen.
Die Dozenten können sich gegenseitig korrigieren
oder ergänzen, es gibt weniger „Hänger“.</p>
        <p>Didaktische Auflockerungen wie Aktivierung der
Studierenden lassen sich zu zweit besser
verwirklichen.</p>
        <p>Die Dozenten ergänzen sich thematisch und im
Stil gut und reagieren flexibel auf Änderungen im
Zeitplan. Auch wenn einiges – auch ungewollt!
– improvisiert wird, wirkt es vermutlich dennoch
meist natürlich, da es sich aus der Situation und
dem Thema von selbst ergibt. Das Auditorium
merkt nicht, dass etwas anders läuft als geplant,
zumindest ist es nicht störend.
•
•
•
•
•
•
•
•
Durch die Verwendung der Tafel und nicht des
Beamers war der Fokus der Studierenden stärker
auf den jeweils Aktiven gerichtet. Bei viel
Information auf Folien wären Wechsel der aktiven Rolle
vermutlich nicht so stark zum Tragen gekommen.
Die Lehre wird objektiv verbessert, zum einen
durch das kontinuierliche direkte Feedback der
Dozenten untereinander.</p>
        <p>Zum anderen ermöglicht der Austausch zwischen
den Dozenten einen anderen und besseren Aufbau
und eine effizientere Durchführung der
Veranstaltung; das Tafelbild verbessert sich.</p>
        <p>Der Anteil an motivierten Teilnehmenden in den
Übungen nimmt zu.</p>
        <p>Die Unterlagen werden verbessert – das Skript
(oder Skriptteile) müssen der kritischen
Beurteilung des Kollegen standhalten4.</p>
        <p>
          Es hat uns mehr Spaß gemacht als eine
traditionelle Veranstaltung. Ähnliche Aussagen findet man
in
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(Burden u. a., 2012)</xref>
          und
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13 ref2">(Schuster u. a., 2011)</xref>
          .
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Evaluierungssystem EvaS</title>
        <p>
          Das Evaluierungssystem EvaS
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(EvaS, 2016)</xref>
          unterstützt die Hochschule und ihre Fachbereiche bei der
Durchführung von Befragungen. Es ist Bestandteil der
allgemeinen Qualitätssicherung. Es ermöglicht sowohl
die standardisierte, anonyme, wiederholbare Abfrage
und Auswertung von Daten in Bezug auf Bewertung
3Was einen weiteren angenehmen Nebeneffekt hatte: Die
Technik lenkte weniger ab. Generell gilt: je weniger (Medien-) Technik,
desto weniger Ablenkungen.
        </p>
        <p>4Vergleichbare Erfahrung kann man beim Pair-Programming, das
in einigen Verfahren der Agilen Softwareentwicklung propagiert
wird, machen.
der Veranstaltungen als auch die individuelle
Erstellung von Fragebögen zu spezialisierten Themen. Im
Rahmen der Teamteaching-Veranstaltung wurde mit
EvaS ein Fragebogen entwickelt, der ausschließlich
die Aspekte des Teamteaching erfasst.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Qualitative Ergebnisse</title>
        <p>
          Abbildung 45 stellt die Bewertung der
Teamteachingveranstaltung im Vergleich zu traditionellen
Vorlesungen dar. Diese Abfrage wurde zwei Mal vorgenommen
– einmal zu Beginn der Veranstaltung und einmal
gegen Ende. Die erste Abfrage (in Abbildung 4
dargestellt) sollte daher als Erwartungshaltung aufgefasst
werden und die zweite (nicht dargestellt) dann als
„Realitätscheck“. Die zweite Abfrage ergab ein nur
leicht schlechteres Bild, das heißt die
Erwartungshaltung der Studierenden wurde im Wesentlichen erfüllt.
Verglichen mit traditionellen Veranstaltungen hatten
die Dozenten den Eindruck, dass der Anteil der
Studierenden, die an der Veranstaltung teilnehmen und
die Fragebögen ausfüllen, deutlich höher ist als sonst.
Außerdem wurde in die Freitextfelder mehr als üblich
hineingeschrieben. Da diese Zahlen aber nicht
systematisch erfasst werden, lässt sich diese Aussage leider
nicht quantitativ untermauern. Diese positiven
Aussagen zum Teamteaching ähneln Aussagen in
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(Burden
u. a., 2012)</xref>
          und
          <xref ref-type="bibr" rid="ref13 ref2">(Schuster u. a., 2011)</xref>
          .
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>Zitate</title>
        <p>
          Nachstehend sind einige Zitate der Studierenden aus
dem Feedback durch
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(EvaS, 2016)</xref>
          zusammengefasst6:
•
        </p>
        <sec id="sec-3-4-1">
          <title>Positiv wurde bewertet:</title>
          <p>– Teamteaching (vielfach und überwiegend) als
generell positiv charakterisiert, lockere
Stimmung, „Top Team“, erhöhte Motivation, nicht
langweilig, ergänzen sich gut, „cool“, „locker“,
Zusammenarbeit perfekt aufeinander
abgestimmt
– Gute Erklärungen, Algorithmen, Algorithmen
entwickeln lernen, anschaulich, verständlich
trotz schweren Stoffs, kein Ablesen, sondern
nur am Skript orientiert
– Abwechslungsreich, spannend, weniger
monoton, interessant, lebhafter, Begeisterung der
Dozenten, Herangehensweise, gut strukturiert
– Videos (mehrfach) als positiv erwähnt7
5Es wurden insgesamt 228 Evaluierungsbögen abgegeben; die
Abbildung stellt einen Auszug der gestellten Fragen dar. Die
Abweichungen in der Gesamtzahl resultieren daraus, dass nicht immer
alle Fragen beantwortet wurden.</p>
          <p>6Dabei wurden nur diejenigen Zitate ausgewählt, die einen
Bezug zu Teamteaching aufweisen – allgemeine Bemerkungen
fachspezifischer Art sind hier nicht dargestellt.</p>
          <p>
            7Es handelte sich dabei um Einspielungen aus Internetquellen
wie
            <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(Sapientia University, 2011)</xref>
            und ist nicht spezifisch für
Teamteaching, d.h. es hätte auch in anderen Veranstaltungsformen
verwendet werden können.
– Einsatz von Medien, „Spiele“8
– Viele und regelmäßige Fragen an Studierende
– Ausreichend viele und verständliche Beispiele,
sehr gute Veranschaulichung
– Ruhe im Hörsaal (mehrfach genannt),
Aufmerksamkeit ist hoch
•
          </p>
          <p>Negativ wurde bewertet:
– Manchmal sehr schnell, vor allem bei
komplexen mathematischen Dingen
– Private Unterhaltungen stören
– Seltsame Videos (ungarische Volkstänze)7
– Durch Teamteaching gehen Dozenten davon
aus, den Stoff zu leicht zu vermitteln. Daher
wird befürchtet, dass die Klausur schwieriger
wird.</p>
          <p>– Zwei Gehälter, teurer</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-5">
        <title>Quantitative Ergebnisse</title>
        <p>Tabelle 1 stellt die Klausurergebnisse in Form des
Notenspiegels dar, und zwar für Teamteaching (Zeilen
TT) und Nicht-Teamteaching (Zeilen NTT) aus dem
Vorjahr. Die Vorjahresklausur wurde durch einen der
Autoren gestellt und ist in Form und Inhalt
objektiv vergleichbar und gleich schwer. (Uns ist bewusst,
dass dies eine letztlich nicht wissenschaftliche Aussage
darstellt, da die Klausuren und die
Teilnehmergruppe unterschiedlich waren, aber wir gehen davon aus,
dass erfahrene Dozenten den Schwierigkeitsgrad in
einem derart standardisierten und mathematisierten
Fach durchaus objektiv vergleichen können.) Die
beiden Notenspiegel sind außerdem als kontinuierliche
interpolierte Verteilung der Übersichtlichkeit halber
in der Abbildung 5 dargestellt. Durch die
Interpolation lassen sich die Werte aus der Tabelle nicht exakt
im Diagramm wiederfinden. Wie man sieht, ist bei
der Teamteachingklausur nicht nur der Durchschnitt
leicht besser, sondern vor allem der Anteil derjenigen
Studierenden, die überdurchschnittliche Ergebnisse
erzielt haben, deutlich gestiegen – eine Beobachtung,
die sich mit dem subjektiven Eindruck der Dozenten
deckt. Aber auch die Bestehensquote ist beim
Teamteaching mit 61,4% höher als beim Nicht-Teamteaching
mit 58,3% – ein Unterschied, der allerdings angesichts
der unterschiedlichen Rahmenbedingungen kaum
signifikant zu sein scheint. Im diesjährigen Jahrgang
befand sich nämlich ein hoher Anteil von
Studierenden, die wegen einer auslaufenden Prüfungsordnung
gezwungen waren, ihr Studium zügig zu beenden.
Immerhin ist davon auszugehen, dass ohne diesen Effekt
der Unterschied noch deutlicher zugunsten des
Teamteaching ausgefallen wäre, denn es befinden sich unter</p>
        <p>8Es wurden verschiedene, z.T. selbstentwickelte Spiele
vorgestellt. Dies ist nicht spezifisch für Teamteaching und hätte auch in
anderen Veranstaltungsformen verwendet werden können –
allerdings lassen sich solche Unterbrechungen leichter im Team
realisieren und unterbringen.</p>
        <p>Abbildung 4: Vergleich Teamteaching mit traditionellen Vorlesungen
den Studierenden gegen Ende eines Studiengangs
beziehungsweise Ende der Gültigkeit einer
Prüfungsordnung im Mittel eher leistungsschwächere Studierende.</p>
        <p>Obschon es sich hier nur um eine Momentaufnahme
und eine verhältnismäßig kleine Stichprobe handelt,
kann man bei aller Vorsicht vermuten, dass das
Experiment Teamteaching der Mehrheit der Studierenden
geholfen zu haben scheint.</p>
        <sec id="sec-3-5-1">
          <title>Tabelle 1: Notenspiegel</title>
          <p>Note</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Weitere Teamteaching Erfahrungen</title>
      <p>Einer der Autoren hat Teamteaching mehrfach in
Projekten eingesetzt. Jedoch handelte es sich bei allen
Veranstaltungen nicht exakt um die hier beschriebene
Form. Es waren nicht zwei Lehrende der Hochschule
für die Veranstaltung verantwortlich, sondern nur der
Autor. Jedoch war bei vielen Terminen eine weitere
oder sogar mehrere Personen in der Rolle des Kunden
%
n
ili
tne 20
A
0
4
0
3
0
1
0</p>
      <p>Teamteaching</p>
      <p>Konventionell
1
2
4</p>
      <p>5
3</p>
      <p>Noten</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Abbildung 5: Notenspiegel</title>
        <p>
          in der Lehrveranstaltung anwesend. Dies machte es in
den Gesprächen mit den Studierenden einfacher, da
immer klar war, wer Kunde ist – ein ähnlicher Ansatz
wie in
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(Böttcher u. a., 2009)</xref>
          beschrieben.
        </p>
        <p>
          In diesen Projekten sollten durch Teams aus
Studierenden prototypische Apps für mobile Endgeräte
entwickelt werden. Die Kunden waren sowohl
hochschulintern als auch -extern. Zum Beispiel wurde im
Sommersemester 2016 der Prototyp einer App für die
Veranstaltung
          <xref ref-type="bibr" rid="ref11">(MainStudy, 2017)</xref>
          für die Plattformen
Android und iOS entwickelt. Die internen Kunden waren
zwei Mitarbeiterinnen der Studienberatung der
Frankfurt University of Applied Sciences. Erfreulich ist, dass
ein Team aus dem Projekt diese App bis zur
Veranstaltung zur Marktreife bringen wird, so dass diese
zukünftig von vielen Studieninteressierten genutzt
werden kann.
        </p>
        <p>
          In anderen Veranstaltungen ohne Teamteaching
schlüpfte einer der Autoren in verschiedene Rollen.
Durch den Wechsel der Rolle (Kunde, Manager,
Dozent) kam es manchmal zu Verwirrung auf Seite der
Studierenden. Die aktuelle Rolle des Dozenten war
nicht immer klar
          <xref ref-type="bibr" rid="ref10">(Liebehenschel, 2013)</xref>
          .
        </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Fazit</title>
      <p>In diesem Abschnitt wollen wir nochmals kurz die
wesentlichen Vor- und Nachteile gegenüber stellen.</p>
      <p>Zunächst fiel die Ruhe im Hörsaal auf. Dies
resultierte aus der Spannungskurve, die nie zu weit abfiel, weil
es keine längeren Unterbrechungen gab. Die von den
Dozenten wahrgenommene Aufmerksamkeit der
Studierenden war höher. Der jeweils nicht aktive Dozent
konnte den Verlauf der Veranstaltung beobachten und
gegebenenfalls eingreifen. Dies waren Ergänzungen
zum Thema des gerade aktiven Dozenten, Korrektur
von Fehlern, aber auch Unterstützung durch Wischen
der Tafel oder Erkennen der Notwendigkeit einer
Aktivierung des Auditoriums. Insgesamt erschien uns die
Motivation der Studierenden höher als in
vergleichbaren Veranstaltungen ohne Teamteaching. Weiterhin
positiv war das kollegiale Feedback und das Wissen
über die Vorgehensweisen des Kollegen und damit
einhergehend die Verbesserung der eigenen Fähigkeiten.
Ein nicht zu unterschätzender Faktor war der Spaß der
Autoren mit dieser Veranstaltungsform. Dies übertrug
sich sicher auch in Teilen auf das Auditorium.</p>
      <p>Nachteilig ist sicher der erhöhte Planungs- und
Abstimmungsaufwand.</p>
      <p>Es ist offensichtlich, dass die Vorteile die Nachteile
bei weitem überwiegen. Wir sind davon überzeugt,
dass Teamteaching eine Bereicherung einer
Lehrveranstaltung ist, sofern die Voraussetzungen gegeben
sind.</p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>Checkliste</title>
        <p>Abschließend wollen wir nochmals kurz
zusammenfassen, unter welchen Voraussetzungen Teamteaching
erfolgreich eingesetzt werden kann. Wir beginnen mit
den sehr wichtigen personenbezogenen Punkten und
führen die organisatorischen Rahmenbedingungen
danach auf.
Mehrere Lehrende sind gemeinsam in der
Lehrveranstaltung. Somit ergibt sich eine neue Situation für
die Lehrenden, weil Kolleg(inn)en anwesend sind.
Alle beteiligten Lehrenden müssen sich auf die
veränderte Situation einstellen und sich gleichermaßen
darauf freuen oder zumindest ein hohes Interesse an
der Lehrform Teamteaching haben.</p>
        <p>Insbesondere müssen sie
⇤ auf der gleichen „Wellenlänge“ liegen – die
Chemie muss stimmen
⇤ andere Erklärungen zu eigenen Teilen
wertschätzend aufnehmen
⇤ sich gegebenenfalls in der Veranstaltung
korrigieren lassen
⇤ offen für kollegiale Kritik sein
⇤ sich einlassen auf unvorhersehbare Situationen
und dann improvisieren können
⇤ bereit sein, gemeinsam die Verantwortung für die
Veranstaltung zu tragen (und gegebenenfalls
Entscheidungen nicht alleine zu treffen)
⇤ zusätzlichen Aufwand akzeptieren
⇤ sich im gleichen Maß an den Aufgaben beteiligen
⇤ gemeinsam im Vorfeld das Drehbuch erstellen und
pflegen
⇤ gemeinsam während der Veranstaltung die
Detailplanung ausarbeiten oder abstimmen
⇤ sich auf gemeinsame Inhalte und Unterlagen
einigen
⇤ die organisatorischen Punkte klären wie
beispielsweise die Anrechnung auf das Deputat</p>
      </sec>
      <sec id="sec-5-2">
        <title>Ausblick</title>
        <p>Im nächsten Zyklus wird diese Veranstaltung
vermutlich zweimal parallel angeboten, wobei einer der
Autoren eine Veranstaltung durchführt. Wir planen, im
übernächsten Zyklus diese Veranstaltung wieder im
gleichen Format anzubieten, also als
Großveranstaltung mit Teamteaching. Dies wird uns in Bezug auf
den am Ergebnis messbaren Erfolg weitere
Erkenntnisse liefern. Durch die guten Erfahrungen des
Teamteaching motiviert, überlegen sich die Autoren zudem,
das Prinzip des Teamteachings auch auf den
Übungsbetrieb auszudehnen. Hierzu muss allerdings noch
geklärt werden, ob und wie dies ggf. zu leisten ist,
da der höhere Personalbedarf weder finanziell noch
personell einfach zu leisten ist.</p>
        <p>Wie zuvor beschrieben führte einer der Autoren
erfolgreich Projekte im Teamteaching durch. Dieses
Konzept wird auch in der Zukunft beibehalten, da
es für die Studierenden abwechslungsreicher ist. Die
„echten“ Kunden haben ein Interesse am entstehenden
Produkt. Dies wirkt sich positiv auf die Motivation der
Studierenden aus. Es ist keine künstliche Situation, in
der Lehrende in der Rolle des Kunden ihre Wünsche
äußern.</p>
        <p>Auch für andere Veranstaltungen möchten wir
zukünftig Teamteaching einsetzen. Denkbar ist
Teamteaching zum Beispiel in Veranstaltungen, in denen
es thematisch weniger „richtig“ und „falsch“ gibt. So
können durch Teamteaching durch die Lehrenden
unterschiedliche Standpunkte eingenommen und
diskutiert werden, wie dies bei unserem Beispiel am
Anfang beschrieben wurde. In der Veranstaltung
Algorithmen und Datenstrukturen gab es dafür weniger
Möglichkeiten. Für Veranstaltungen aus dem Bereich
Software-Engineering trifft dies jedoch zu. Es bleibt
abzuwarten, ob Diskussionen zwischen Lehrenden,
die unterschiedliche Standpunkte einnehmen, die
Studierenden stärker zum Mitdenken anregen oder sie
eher verwirren.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literatur</title>
    </sec>
  </body>
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