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        <article-title>Soziale Aspekte hybrider und traditioneller Softwareentwicklung</article-title>
      </title-group>
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          <string-name>Jil Klünder</string-name>
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          <string-name>Lisa Handke</string-name>
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          <string-name>Torsten Gfesser</string-name>
          <email>t.gfesser@tu-braunschweig.de</email>
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          <string-name>Kurt Schneider</string-name>
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          <string-name>und Simone Kauffeld</string-name>
          <email>simone.kauffeld@tu-braunschweig.de</email>
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          <string-name>Fachgebiet Software Engineering</string-name>
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          <string-name>Leibniz Universität Hannover</string-name>
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          <string-name>Deutschland</string-name>
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          <string-name>Lehrstuhl für Arbeits-</string-name>
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          <string-name>Organisations- und Sozialpsychologie</string-name>
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          <label>0</label>
          <institution>Technische Universität Braunschweig</institution>
          ,
          <country country="DE">Deutschland</country>
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      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <fpage>100</fpage>
      <lpage>109</lpage>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
      <p>Agile Softwareentwicklung gewinnt zunehmend an
Bedeutung. In den letzten beiden Jahrzehnten
wurde der Anteil agil entwickelnder Firmen immer
größer. Die Entscheidung, ob in einem Team
plangetrieben oder agil entwickelt wird, wirkt sich auf
die gesamte Organisation des Projekts und damit
auf alle Beteiligten aus.</p>
      <p>Dadurch wird es auch für Studierende immer
wichtiger, in Lehrveranstaltungen nicht nur
Einblicke in traditionelle, dokumentenzentrierte
Vorgehensmodelle zu gewinnen, sondern auch
Erfahrungen mit agilen Prozessen zu sammeln.</p>
      <p>In Softwareprojekten an Hochschulen sollen
Studierende vor allem Soft Skills wie Team- und
Kommunikationsfähigkeit erlernen oder ausbauen.
Dabei beeinflusst die Art, wie Software entwickelt
wird, die Lernerfahrungen der Studierenden
maßgeblich. Um diese Einflüsse genauer zu
klassifizieren, untersuchen wir hybride und plangetriebene
studentische Softwareprojekte in Bezug auf die
Intensität der Kommunikation im Team und das
Auftreten von Konflikten.</p>
      <p>Unsere Erkenntnisse erlauben Rückschlüsse auf
den Einfluss hybrider Entwicklungsmethoden auf
soziale Aspekte und spiegeln demnach wieder, ob
der Einsatz hybrider Methoden in der Lehre an
Hochschulen dazu führt, dass Studierende diese
Fähigkeiten ausbauen, oder ob sich das Verhalten
im Vergleich zu plangetriebenen Projekten nicht
verändert.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Einleitung</title>
      <p>Agile Softwareentwicklung gewinnt zunehmend an
Bedeutung. Um eine gute Vorbereitung von
Studierenden auf die Wirtschaft zu gewährleisten, ist es
deshalb erforderlich, in der universitären Lehre
agile Softwareprojekte zu integrieren. Der Einsatz
verschiedener Arten von Arbeitsorganisation
(dokumentenzentriert oder agil) ändert jedoch nicht
nur die Organisation des Projekts, sondern auch
den Ablauf und damit den Lernerfolg der
Studierenden.</p>
      <p>Die Auswahl der verwendeten
Arbeitsorganisation hat einen Einfluss auf die Kommunikation [1].
Der Projekterfolg hängt wiederum zu 20 % von der
Kommunikation des Teams ab [2].</p>
      <p>Bei dokumentenzentrierten Vorgehensweisen
ist der Softwarelebenszyklus [3] mit seinen Phasen
maßgeblich. Diese unterteilen sich in
Anforderungsanalyse, Entwurf, Implementierung,
Überprüfung und Wartung. Der Ablauf hat sich seit
1956 zunehmend etabliert, führte jedoch nicht
immer zu einem erfolgreichen Abschluss des Projekts.
Aus diesem Grund rückte die agile
Softwareentwicklung seit 1990 zunehmend in den Fokus und
sollte deshalb auch in der universitären Lehre
berücksichtigt werden.</p>
      <p>In universitären Softwareprojekten sollen
Studierende ihre sozialen Fähigkeiten ausbauen und
zudem ihre Programmierfähigkeiten erweitern.
Aus diesem Grund ist es wichtig, dass der
Projekterfolg nicht unter einer Agilisierung der
Lehrveranstaltung leidet.</p>
      <p>Wir untersuchen traditionelle und hybride
studentische Softwareprojekte hinsichtlich des
Kommunikationsverhaltens und dem Auftreten von
Konflikten. Die Projekte stimmen in wesentlichen
Projektparametern wie Dauer, Aufwand und
Komplexität überein, unterscheiden sich aber in der Art
der Arbeitsorganisation.</p>
      <p>Die Struktur des Papiers ist wie folgt: Im folgenden
Abschnitt präsentieren wir verwandte Arbeiten.
Danach werden die unterschiedlichen
Arbeitsorganisationen vorgestellt. Im vierten Abschnitt wird
das methodische Vorgehen mit der Stichprobe,
dem Matching, der verwendeten Maße und dem
Vorgehen bei der statistischen Analyse beschrieben.
Die Ergebnisse werden im darauf folgenden
Abschnitt festgehalten, bevor das Fazit gezogen wird.
Die Zusammenfassung unserer Ergebnisse beendet
das Papier.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Verwandte Arbeiten</title>
      <p>Der Einfluss von der Arbeitsorganisation auf
Kommunikationsverhalten und Konflikte ist nicht
unbekannt und war bereits Gegenstand vorheriger
Forschungen.</p>
      <p>Bindrees et al. [1] untersuchten die
Kommunikation in verschiedenen Projektphasen. Sie konnten
nachweisen, dass in den Projektphasen
unterschiedlich intensiv kommuniziert wird. Auf diesen
Ergebnissen aufbauend, möchten wir die Aussage
konkretisieren und auf unterschiedliche
Arbeitsorganisationen beziehen.</p>
      <p>In der agilen Entwicklung fordern Beck und
Andres [4], dass die Kommunikation zwischen den
Stakeholdern maximiert werden müsse. Wie die
Kommunikation in agilen Teams tatsächlich
abläuft, wurde bislang jedoch noch nicht näher
untersucht und ist unter anderem Bestandteil unserer
Arbeit.</p>
      <p>Brügge et al. [5] analysierten studentische
Softwareprojekte. Sie präsentierten eine
Vorgehensweise, die die Fähigkeiten der Studierenden
verbessern und zu in der Wirtschaft verwendbaren
Ergebnissen führen soll. Um schnelles Feedback
und kurzzeitige Releases zu ermöglichen sowie
Kommunikation zu fördern, verwendeten sie die
Tools Rugby und Tornado. In dem Papier
beschreiben sie ihre Erfahrungen mit dem Einsatz der Tools
in studentischen Lehrveranstaltungen. Die Tools
unterstützten die Studenten hinsichtlich ihrer
technischen und nicht-technischen Fähigkeiten wie
bspw. Kommunikation und Teamwork.</p>
      <p>Schneider et al. [6] analysierten studentische
traditionell entwickelnde Teams hinsichtlich ihrer
Stimmung, des Konfliktpotenzials und des
Kommunikationsverhaltens. Sie fanden heraus, dass der
Anteil der sozialen Konflikte über die
Projektlaufzeit ansteigt, während aufgabenbezogene Konflikte
zunächst zunahmen und schließlich wieder
abfielen. Wir nutzen diese Ergebnisse für Vergleiche
zwischen agiler und traditioneller
Softwareentwicklung.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Arbeitsorganisation</title>
      <p>Dieses Kapitel dient als eine kurze Einführung in
die hier betrachteten Arbeitsorganisationen: die
traditionelle, die agile und die hybride
Softwareentwicklung.</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Traditionelle Softwareentwicklung</title>
        <p>In der traditionellen Softwareentwicklung
durchläuft das Projekt sequenziell die Phasen des
Software-Development-Cycles [7]. Um mit der
nächsten Phase beginnen zu können, muss die vorherige
Phase vollständig abgeschlossen sein. Diese
Vorgehensweise wurde als Nine-Phase-Stage-Wise-Modell
bereits 1956 von Bennington [8] vorgestellt und
1970 von Royce [9] weiterentwickelt. Royce [9]
ordnete die Phasen in seinen grafischen
Darstellungen als Kaskade bzw. Wasserfall an, woraus
sich die Bezeichnung Wasserfall-Modell ergibt. Dabei
handelt es sich um das bekannteste traditionelle
Entwicklungsmodell.</p>
        <p>Der Ablauf im Wasserfall-Modell ist
sequenziell. Das Projekt startet mit einer
Anforderungsanalyse, während der die Anforderungen mit dem
Kunden herausgearbeitet und schließlich in einer
Anforderungsspezifikation mit einem Lasten- und
Pflichtenheft festgehalten werden. Nach dieser
Phase folgen der Entwurf, die Implementierung und
schließlich die Überprüfung durch den Kunden.</p>
        <p>Diese Arbeitsorganisation wird auch heute
noch vielfach genutzt. Sofern es sich um Projekte
mit stabilen Anforderungen handelt, bei denen
Kosten und Umfang genau abgeschätzt werden
können, stellt der sequenzielle Ablauf keine großen
Schwierigkeiten dar. Da dies jedoch oftmals nicht
möglich ist, gewinnt die agile Softwareentwicklung
zunehmend an Bedeutung.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-2">
        <title>Agile Softwareentwicklung</title>
        <p>
          Basierend auf sich ständig ändernden
Kundenwünschen, dem Wunsch nach zuverlässigerer
Kundenzufriedenheit und Projekterfolg formulierten Beck
et al. [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">10</xref>
          ] zwölf Prinzipien und agile Werte, die im
Agilen Manifest [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">10</xref>
          ] festgehalten wurden. Der
Grundgedanke agiler Softwareentwicklung ist ein
iteratives Vorgehen, wie es im Spiralmodell nach
Boehm dargestellt wird [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref2">11</xref>
          ]. Das Projekt durchläuft
mehrfach die Phasen Anforderungsanalyse, Entwurf,
Implementierung und Überprüfung in Teilschritten,
um sich dem gewünschten Endzustand des
Kunden immer mehr anzunähern [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">10</xref>
          ].
        </p>
        <p>
          Kundenzufriedenheit hat höchste Priorität und
wird durch die regelmäßige Präsentation von
funktionsfähigen und ausführbaren Inkrementen
sichergestellt [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">10</xref>
          ]. Dies wird durch iterative kurze
Entwicklungszyklen von wenigen Wochen bis
wenigen Monaten erreicht.
        </p>
        <p>
          Seit Beginn der 1990er Jahre etablierten sich
verschiedene Vorgehensweisen und Formate. Eine
der bekanntesten ist Scrum. Scrum wurde für die
Softwareentwicklung erstmals 2002 ausformuliert
[
          <xref ref-type="bibr" rid="ref3">12</xref>
          ]. Es wird zwischen drei Rollen unterschieden:
Product-Owner, Entwicklungsteam und Scrum
Master. Der Product-Owner ist der
Projektverantwortliche, vergleichbar mit einem Kunden, der über das
weitere Vorgehen und die Priorität der
Anforderungen entscheidet. Er steht stets für Nachfragen
des Teams zur Verfügung und ist möglichst oft vor
Ort (On-Site-Customer).
        </p>
        <p>Wesentlicher Bestandteil von Scrum sind die
Daily Scrums, in denen jeder Entwickler innerhalb
von zwei Minuten über den Fortschritt seit dem
letzten Daily, über Pläne bis zum nächsten Daily
und über eventuell auftretende Probleme berichtet.
Neben dem Daily gibt es noch weitere Meetings,
die zum Teil mit und teilweise ohne Kunden
abgehalten werden. Der Scrum Master koordiniert die
Meetings, sofern dies vonnöten ist, und sorgt für
die Wahrung der agilen Werte und Prinzipien.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-3">
        <title>Hybride Softwareentwicklung</title>
        <p>
          Die hybride Softwareentwicklung vereint Elemente
der traditionellen, dokumentenzentrierten
Vorgehensmodelle mit agilen Artefakten [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref10">13</xref>
          ].
        </p>
        <p>
          Die Projekte benötigen Organisation und
müssen zudem in die Unternehmensstruktur und die
Vorgehensweisen eingegliedert werden. Agile
Methoden geben für einige Unternehmen nur
unzureichende Hilfestellung bei der Eingliederung der
agilen Methoden in die Unternehmensstruktur. Da
viele Entwickler agil vorgehen, entsteht ein
Konflikt in Bezug auf die Organisation. Dieser soll
gelöst werden, indem hybride Ansätze verfolgt
werden. Das Ziel ist dabei die Nutzung der Vorteile
beider Entwicklungsmethoden: der Organisation
und der Vorgaben in der plangetriebenen
Softwareentwicklung und der Flexibilität der agilen
Entwicklung [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref5">14</xref>
          ].
        </p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Methodisches Vorgehen</title>
      <p>Um die studentischen Softwareprojekte
miteinander vergleichen zu können, mussten zunächst
geeignete Projekte ausgewählt und ein analoger
Ablauf sichergestellt werden.</p>
      <p>Gersick [15] fand heraus, dass ein Team in
einem Projekt nach der Hälfte der Projektlaufzeit
seine Strategie wechselt. Diesen Zeitpunkt nannte
er Midpoint. In den hier betrachteten studentischen
Softwareprojekten markiert der Midpoint den
Beginn der Implementierung. Wir betrachten im
Folgenden die beiden Bereiche des Projekts vor und
nach dem Midpoint.</p>
      <p>Nach Bindrees et al. [1] ist die
Kommunikationsintensität in der Anforderungs- und
Entwurfsphase am höchsten. Die Anforderungsphase legt
den Grundbaustein für den weiteren Projektverlauf
und ist demnach von besonderer Bedeutung [7].
Aus diesem Grund nehmen wir an:</p>
      <p>In der agilen Entwicklung spielt die
Kommunikation zu jeder Zeit eine wichtige Rolle. In den hier
betrachteten hybriden Projekten gibt es einen
OnSite-Customer, der wöchentlich vor Ort ist. Da die
Kommunikation mit dem Kunden demnach über
die gesamte Projektlaufzeit konstant bleiben sollte
und wir annehmen, dass die team-interne
Kommunikation während der Implementierungsphase
aufgrund von Absprachen mit den
Teammitgliedern zunimmt, können wir folgende Hypothese
formulieren:
Teams, die nach hybriden Methoden entwickeln,
kommunizieren nach dem Midpoint intensiver als
davor.</p>
      <p>
        Als Aufgabenkonflikte werden Konflikte bezeichnet,
bei denen sich die Teammitglieder aufgrund
unterschiedlicher Ansichten, Meinungen und Ideen
nicht über die Inhalte einer Aufgabe einigen
können [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">16</xref>
        ]. Im Gegensatz zu sozialen Konflikten
sind aufgabenbezogene Konflikte nicht nur negativ
einzuordnen; sie können sogar leistungsfördernd
wirken [17]. Da Meinungsverschiedenheiten zu
intensiverer Kommunikation führen bzw. selbst als
Kommunikationsprozess begriffen werden können
[
        <xref ref-type="bibr" rid="ref9">18</xref>
        ], liegt die Annahme nahe, dass
Kommunikationsintensität und Aufgabenkonflikte eng
zusammenhängen.
      </p>
      <p>Da wir bei Teams, die nach dem
Wasserfallmodell arbeiten, von einem Anstieg der
Kommunikation von der ersten zur zweiten Projekthälfte
ausgehen, nehmen wir dies dementsprechend ebenso
für Aufgabenkonflikte an. Dies würde sich zudem
mit den Ergebnissen von Schneider et al. [6]
decken, die einen Anstieg aufgabenbezogener
Konflikte zum Midpoint verzeichneten, bevor die
Anzahl in der zweiten Projekthälfte abfiel:</p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>Hypothese 3:</title>
        <p>Teams, die nach dem Wasserfall-Modell
entwickeln, haben vor dem Midpoint mehr
Aufgabenkonflikte als danach.</p>
        <p>In den hybriden Softwareprojekten gehen wir
aufgrund der ansteigenden Kommunikation nach
Hypothese 2 von einem Anstieg der
Aufgabenkonflikte von der ersten zur zweiten Projekthälfte aus.
Dementsprechend formulieren wir die folgende
Hypothese:
Teams, die nach hybriden Methoden entwickeln,
haben nach dem Midpoint mehr Aufgabenkonflikte
als davor.</p>
        <p>Diese Hypothesen wollen wir im Folgenden
validieren.</p>
        <sec id="sec-5-1-1">
          <title>Studentische Softwareprojekte</title>
          <p>Im Rahmen einer Lehrveranstaltung an der Leibniz
Universität Hannover entwickeln Studierende im
fünften Semester ihres
Informatik-Bachelorstudiums in Teams über einen Zeitraum von 15
Wochen ein Softwareprodukt. Der Umfang und der
Aufwand aller Projekte sind annähernd
vergleichbar. Aus jedem Team übernehmen zwei
Studierende die Rollen des Projektleiters und des
Qualitätsbeauftragten. Der Kunde ist meistens ein
Mitarbeiter des Fachgebiets Software Engineering und hat
ein großes Interesse an einem erfolgreichen
Projektabschluss. Er möchte die entwickelte Software
langfristig nutzen. Unterstützt werden die Teams
außerdem von einem erfahrenen Tutor, der bei
zwischenmenschlichen und anderen nicht-technischen
Fragen zur Verfügung steht. Technische Fragen
sollen die Teams direkt mit dem Kunden oder
team-intern klären.</p>
          <p>Das Softwareprojekt folgte lange Zeit dem
Wasserfallmodell. Seitdem wurde die
Lehrveranstaltung durch Integration einiger agiler Artefakte
zunehmend hybrider.</p>
          <p>Traditionelle Softwareprojekte. Bis einschließlich
dem Wintersemester 2013/2014 folgten die
Softwareprojekte dem traditionellen
dokumentenzentrierten Ansatz. Entwickelt wurde nach dem
Wasserfall-Modell in Teams von drei bis fünf
Studierenden in mehreren Phasen [7].</p>
          <p>Das Projekt startete mit einer dreiwöchigen
Anforderungsanalyse. Währenddessen fand das erste
Kundengespräch zur Klärung der Anforderungen
statt. Die Studierenden mussten eigenständig den
Kontakt zum Kunden herstellen und einen Termin
vereinbaren. Das Treffen musste vorbereitet,
abgehalten und nachbereitet werden, da die Zeit, in der
der Kunde zur Verfügung stand, auf 90 Minuten
während der gesamten Projektlaufzeit begrenzt
war. Die Phase endete mit dem Verfassen einer
Anforderungsspezifikation, die mit dem Kunden
abgestimmt und schließlich auch von ihm
unterzeichnet werden musste. Danach passierte das
Team das erste Quality-Gate.</p>
          <p>Es folgte eine Phase über zwei Wochen, in
denen der Entwurf verfasst oder ein Prototyp
entwickelt wurde. Um den Erfahrungsschatz der
Studierenden zu erweitern, musste zudem der Entwurf
oder der Prototyp eines anderen Teams gereviewt
werden. Dazu gab es ein reguläres Review-Meeting
mit Moderator, in dem sämtliche Befunde
zusammengetragen wurden. Ebenso wie die
Anforderungsanalyse endete auch die Entwurfsphase mit
einem Quality-Gate.</p>
          <p>Die restliche Projektlaufzeit stand im
Wesentlichen für die Implementierung zur Verfügung. Hier
mussten nachweislich alle Teammitglieder
eingebunden werden. Diese Phase dauerte je nach
Leistung des Teams und Fortschritt ungefähr fünf bis
sechs Wochen.</p>
          <p>Danach hatte das Team in der Polish-Phase die
Möglichkeit, letzte Änderungswünsche des
Kunden einzupflegen und die Qualität der Software zu
steigern.</p>
          <p>Nach dieser Phase gab es ein letztes
QualityGate, in dem im Wesentlichen das Erfüllen der
Anforderungsspezifikation und das Einhalten von
vorgegebenen Code-Konventionen überprüft
wurden.</p>
          <p>Das Projekt endete mit der Kundenabnahme, die
über den erfolgreichen Abschluss entschied.
Hybride Softwareprojekte. Seit dem
Wintersemester 2014/2015 werden einige agile Artefakte in die
Lehrveranstaltung integriert. Zudem bestehen die
Teams nun aus acht oder neun Studierenden.</p>
          <p>In Anlehnung an das Konzept des
On-SiteCustomers steht der Kunde wöchentlich zu einem
fest vorgegebenen Termin zur Verfügung, um über
den Projektverlauf und den aktuellen Stand
informiert zu werden. Dieses Meeting ist vergleichbar
mit einem Review-Meeting in der agilen
Softwareentwicklung, wenngleich die wöchentlichen
Iterationen nicht als Sprints angesehen werden können.</p>
          <p>Das gesamte Team-Meeting umfasst ungefähr
eine Stunde und beginnt mit einem Weekly Scrum,
in dem jedes Team-Mitglied über seinen Fortschritt
seit dem letzten Scrum-Meeting, über die Pläne bis
zum nächsten Scrum-Meeting und über Probleme
spricht. Nach dem Weekly Scrum kommt der
Kunde hinzu und wird über die wesentlichen Punkte
informiert, äußert Änderungswünsche oder
geänderte Anforderungen und steht für offene Fragen
zur Verfügung.</p>
          <p>
            Wie auch in der plangetriebenen Entwicklung
gibt es angelehnt an den Ablauf nach Kent et al.
[
            <xref ref-type="bibr" rid="ref1">10</xref>
            ] eine Anforderungsanalyse mit dem Verfassen
einer Anforderungsspezifikation, eine
Entwurfsphase, die Implementierung und eine Überprüfung des
Ergebnisses durch den Kunden. Jedoch werden
diese Phasen iterativ durchlaufen. Insgesamt gibt es
in den Projekten zwei Iterationen.
          </p>
        </sec>
        <sec id="sec-5-1-2">
          <title>Stichprobe und Matching</title>
          <p>Für die Validierung der Hypothesen verwenden
wir Daten aus dem TeamFLOW-Forschungsprojekt
[19], die in den zuvor beschriebenen studentischen
Softwareprojekten erhoben wurden.</p>
          <p>Wir betrachten Daten aus zwei Kohorten:
2013/14 und 2015/2016. Die erste Kohorte folgte
dem traditionellen Ansatz nach dem
WasserfallModell und die zweite Kohorte dem hybriden
Ansatz.</p>
          <p>In der ersten Kohorte haben 20 Teams an der
Datenerhebung teilgenommen. Da die Teams in
den hybriden Projekten größer waren, liegen hier
nur Daten von acht Teams vor. Aus diesem Grund
musste zunächst ein Matching der vorhandenen
Daten durchgeführt werden, um acht geeignete
Projekte aus der ersten Kohorte auszuwählen.
Dieses Matching erfolgte auf Basis von Alter und
Geschlecht, da sich die beiden Kohorten nicht
signifikant in den Mittelwerten des Alters unterscheiden
(hybrid: M = 21.9, SD = 1.05; Wasserfall: M = 21.9,
SD = 1.01; t(7) = -.413, p = .692). Ferner wurden
Teams mit unvollständigen Datensätzen nicht
berücksichtigt.</p>
          <p>Auf Basis dieses Matchings erhielten wir
insgesamt acht Teams aus der Wasserfall-Kohorte, die
wir mit den acht Teams aus der Hybrid-Kohorte
vergleichen konnten.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-5-1-3">
          <title>Datenerhebung</title>
          <p>Kommunikationsintensität. Die
Kommunikationsintensität wurde durch Abfragen nach der
wahrgenommenen Intensität der Kommunikation mit den
anderen Team-Mitgliedern erhoben. Dabei stand
eine Likert-Skala mit fünf Werten von 1 („gar nicht
kommuniziert“) bis 5 („sehr hohe Intensität“) zur
Verfügung. Auf diese Art entstand eine Matrix mit
Einträgen aij, die angeben, wie intensiv
TeamMitglied i die Kommunikation mit Team-Mitglied j
in der vergangenen Woche wahrgenommen hat.
Die ungerichtete Kommunikationsintensität cij
zwischen den beiden Team-Mitgliedern i und j ergibt
sich dann durch den Durchschnitt der beiden
Werte:</p>
          <p>cij = avg(aij, aji).</p>
          <p>Um den Teamwert zu erhalten, wird der
Durchschnitt aller ungerichteten Kommunikationswerte
im Team berechnet.</p>
          <p>
            Konflikte. Aufgabenkonflikte wurden mit der
deutschen Version der Intragroup Conflict Scale
von Jehn [
            <xref ref-type="bibr" rid="ref7">16</xref>
            ] von Lehman-Willenbrock et al. [
            <xref ref-type="bibr" rid="ref12">20</xref>
            ]
erhoben. Insgesamt gab es vier Items für
aufgabengezogene Teamkonflikte. Ein Beispielitem ist: „Wie
häufig gibt es Ideenkonflikte in der Gruppe?“ Den
Studierenden stand eine sechs-stufige Likert-Skala
mit Werten zwischen 1 (nie/keine) und 6 (sehr
oft/sehr viele) zur Verfügung. Die Reliabilitäten der
Skala für die drei Messzeitpunkte lagen zwischen α
= .88 und α = .90.1 Für die Berechnung auf
Teamebene wurden die Werte zum Teammittelwert
aggregiert.
          </p>
          <p>Messzeitpunkte. In Abb. 1 ist die Datenerhebung
nach Kohorten dargestellt. Es wird ersichtlich, dass
die Daten zum Kommunikationsverhalten in der
Kohorte, die nach dem Wasserfallmodell arbeitete,
wöchentlich erhoben wurden, während sie in der
Kohorte, die hybrid arbeitete, nur an drei
ausgewählten Messpunkten abgefragt wurden. Die
Erhebung von Konflikten erfolgte jeweils zu drei
Messpunkten: in der ersten Woche, in der Mitte des
Projektes und nach Projektabschluss. Die grau
hinterlegten Wochen kurz vor Projektende spiegeln
die Weihnachtsferien wieder, in denen die
Studierenden zwar an der Software weiterarbeiten
durften, aber nicht dazu verpflichtet waren.</p>
          <p>Basierend auf den Messzeitpunkten betrachten wir
in diesem Papier drei Zeitpunkte: unmittelbar nach
Projektstart, in der sechsten Woche mit den
Erhebungen in den beiden Kohorten und in der letzten
Woche.</p>
          <p>Abbildung 1: Datenerhebung nach Kohorten</p>
        </sec>
        <sec id="sec-5-1-4">
          <title>Ethik-Votum</title>
          <p>Die Datenerhebung wurde vom Ethik-Komitee der
Leibniz Universität Hannover genehmigt. Die
Studierenden wurden vorab über die Datenerhebung
und die weitere Verwendung der gesammelten
Daten informiert und stimmten dieser zu. Darüber
hinaus wurden die gesammelten Daten vor der
weiteren Verwendung vollständig anonymisiert.
Eine Teilnahme an der Befragung hatte keinen
Einfluss auf das Bestehen der Lehrveranstaltung.</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Statistische Analyse</title>
      <p>Alle Hypothesentests wurden jeweils aufgrund der
geringen Stichprobengrößen von acht Teams
zunächst einem Test auf Normalverteilung
unterzogen. Dafür wurde der Shapiro-Wilk-Test
verwendet, da dieser Test bei kleinen Stichproben unter 30
1 Cronbachs Alpha spiegelt die interne Konsistenz
einer verwendeten Skala wieder. Es gibt an,
inwiefern alle Items das gleiche Konstrukt messen.
eine größere Teststärke aufweist als andere
Normalverteilungstests [21]. Die erste Hypothese wird
mittels t-Test für abhängige Stichproben überprüft.</p>
      <p>Für die erste Hypothese werden die
Kommunikationsintensitäten der Wasserfall-Kohorte
dahingehend überprüft, ob die Intensität in der zweiten
Projekthälfte niedriger ist als in der ersten
Projekthälfte: μ1 &gt; μ2.</p>
      <p>Für die zweite Hypothese werden die
Kommunikationsintensitäten der Hybrid-Kohorte
dahingehend überprüft, ob die Intensität in der zweiten
Projekthälfte höher ist als in der ersten
Projekthälfte: μ1 &lt; μ2.</p>
      <p>Für die dritte Hypothese werden die
Aufgabenkonflikte der Wasserfall-Kohorte dahingehend
überprüft, ob ihre Ausprägung in der zweiten
Projekthälfte niedriger ist als in der ersten
Projekthälfte: μ1 &gt; μ2.</p>
      <p>Für die vierte Hypothese werden
Aufgabenkonflikte der Hybrid-Kohorte dahingehend überprüft,
ob ihre Ausprägung in der zweiten Projekthälfte
höher ist als in der ersten Projekthälfte: μ1 &lt; μ2.</p>
      <sec id="sec-6-1">
        <title>Signifikanzniveau</title>
        <p>Da ausschließlich gerichtete Hypothesen aufgestellt
wurden, wurde bei der Hypothesenprüfung
einseitig getestet. Wir legten das Signifikanzniveau auf
5% fest. Um eine bessere Interpretierbarkeit der
Ergebnisse zu erzielen, werden in dieser Arbeit
neben der Betrachtung signifikanter Befunde
zusätzlich die Effektgrößen dargestellt. Cohens d [22],
das zur Einschätzung der Größe eines Effekts
verwendet wird2, ist für die verwendeten t-Tests
relevant.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-6-2">
        <title>Aggregation</title>
        <p>Wie aus Abb. 1 ersichtlich wird, liegen für die
beiden Stichproben unterschiedlich viele Daten vor.
Die Probanden aus der ersten Kohorte gaben 14
Wochen lang wöchentlich Auskunft. Die
Studierenden aus der zweiten Kohorte gaben nur in den
Wochen eins bis zwei (Projektbeginn), sechs
(Midpoint) und vierzehn (Projektabschluss) Auskunft
über Konflikte und Kommunikation.
Dementsprechend wurden zum Vergleich die Werte aus genau
diesen Wochen von der Wasserfall-Kohorte
gewählt. Der Midpoint in der Mitte der
Projektlaufzeit liegt demnach in Woche sechs.</p>
        <p>Kommunikationsintensität. Bei den hybrid
arbeitenden Teams wurden lediglich in den Wochen
zwei, sechs und vierzehn Daten erhoben. Deshalb
gingen auch nur diese drei Wochen der traditionell
organisierten Teams als zeitliches Äquivalent in die
2 Bei einem Wert von d ≥ 0.20 spricht man von
einem kleinen Effekt, bei d ≥ 0.50 von einem mittleren
Effekt und ab d ≥ 0.80 von einem großen Effekt.
Berechnungen der Ergebnisse ein. Den Wert für die
erste Projekthälfte stellt die Differenz zwischen
dem Wert für den Midpoint und der Baseline
(Projektbeginn) dar. Da in einem der
hybridorganisierten Teams zu wenige Teammitglieder die Fragen
zur Kommunikation beantworteten, wurde dieses
Team für diesen Zeitpunkt aus der Analyse
ausgeschlossen. Demnach liegt die Stichprobengröße für
Kommunikationswerte zur ersten Projekthälfte bei
N=7.</p>
        <p>Konflikte. Fragebögen zur Erhebung von
Konflikten wurden auch bei traditionell organisierten
Teams zu lediglich drei Messzeitpunkten erhoben.
Die erste Erhebung fand in beiden Kohorten in der
ersten Woche statt. Die zweite Erhebung stellt den
Midpoint dar. Die letzte Erhebung fand in beiden
Kohorten nach dem Projektabschluss in Woche 14
statt. Den Wert für die erste Projekthälfte stellt die
Differenz zwischen dem Wert für den Midpoint
und der Baseline (Projektbeginn) dar.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-6-3">
        <title>Vorbereitung und Vorgehen</title>
        <p>Zunächst wurde der Datensatz aller Teams aus der
Wasserfall-Kohorte aufgrund der geringen
Stichprobengröße (N = 7 bzw. N = 8) mit dem
ShapiroWilk-Test auf Normalverteilung geprüft. Dies traf
bei den Daten zu Überprüfung aller vier
Hypothesen zu.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Ergebnisse</title>
      <p>Die Hypothesen 1, 2 und 3 konnten bestätigt
werden; die Hypothese 4 konnte nicht bestätigt
werden.</p>
      <p>Hypothese 1. Ein t-Test für verbundene
Stichproben ergab einen signifikanten Unterschied
zwischen der Kommunikationsintensität vor dem
Midpoint (M = .45, SD = .68) und den Mittelwerten der
Kommunikationsintensität nach dem Midpoint (M
= -.53, SD = .68), t(7) = 4.46, p = .003, d = 1.57.
Hypothese 1 kann somit bestätigt werden. Es handelt
sich um einen großen Effekt.</p>
      <p>Hypothese 2. Ein t-Test für verbundene
Stichproben ergab einen signifikanten Unterschied
zwischen der Kommunikationsintensität vor dem
Midpoint (M = .15, SD = .43) und den Mittelwerten der
Kommunikationsintensität nach dem Midpoint (M
= .38, SD = .37), t(6) = -2.13, p = .039, d = 0.83.
Hypothese 2 kann somit bestätigt werden. Es handelt
sich um einen großen Effekt.</p>
      <p>Hypothese 3. Ein t-Test für verbundene
Stichproben ergab einen signifikanten Unterschied
zwischen Aufgabenkonflikten vor dem Midpoint (M =
.57, SD = .52) und den Mittelwerten der
Aufgabenkonflikte nach dem Midpoint (M = .38, SD = .57), t(7)
= 2.03, p = .041, d = 0.74. Hypothese 3 kann somit
bestätigt werden. Es handelt sich um einen
mittleren Effekt.</p>
      <p>Hypothese 4. Ein t-Test für verbundene
Stichproben ergab keinen signifikanten Unterschied
zwischen Aufgabenkonflikten vor dem Midpoint (M =
.25, SD = .51) und den Mittelwerten der
Kommunikationsintensität nach dem Midpoint (M = .06, SD =
.50), t(6) = 1.00, p = .353. Hypothese 4 musste
demnach abgelehnt werden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>Diskussion und Interpretation</title>
      <p>In dieser Studie untersuchten wir die Einflüsse der
Arbeitsorganisation auf die Intensität der
Kommunikation und die Konflikte in Teams. Grundlage
der Untersuchungen waren drei Messzeitpunkte
über den Projektverlauf.</p>
      <p>Zunächst wurde der Verlauf der
Kommunikationsintensität nur für Teams, die nach dem
Wasserfall-Modell oder hybrid arbeiten, untersucht.
Dabei sollte herausgefunden werden, ob die
Intensitäten gemäß der arbeitsorganisatorischen Modelle
und der Theorie verlaufen. Anschließend wurden
die Kommunikationsintensitäten beider
Arbeitsorganisationen gegenüber gestellt und zusammen
untersucht. Die Ergebnisse unterstützen drei der
vier formulierten Hypothesen:
Teams, die nach dem Wasserfall-Modell
entwickeln, kommunizieren vor dem Midpoint
intensiver als danach.
Teams, die nach hybriden Methoden entwickeln,
kommunizieren nach dem Midpoint intensiver als
davor.</p>
      <p>Teams, die nach dem Wasserfall-Modell
entwickeln, haben vor dem Midpoint mehr
Aufgabenkonflikte als danach.</p>
      <sec id="sec-8-1">
        <title>Hypothese 4:</title>
        <p>Teams, die nach hybriden Methoden entwickeln,
haben nach dem Midpoint mehr Aufgabenkonflikte
als davor.</p>
        <p>Dennoch unterliegen diese Ergebnisse einigen
Einschränkungen in Bezug auf Validität und
Verallgemeinerbarkeit.</p>
        <sec id="sec-8-1-1">
          <title>Bedrohungen der Validität</title>
          <p>Unsere Untersuchung basiert auf einer Erhebung in
studentischen Softwareprojekten. Daraus ergeben
sich einige Einschränkungen in Bezug auf die
Verallgemeinerbarkeit der Ergebnisse für die Industrie.
Rückschlüsse für studentische Lehrveranstaltungen
sind jedoch möglich. Trotzdem soll im Folgenden
auf Bedrohungen der Validität eingegangen
werden. Dabei beziehen wir uns auf die Klassifizierung
der Threats to Validity nach Wohlin et al. [23]. Wir
differenzieren zwischen interner, externer und
Konstruktvalidität und Verlässlichkeit der Ergebnisse.
Interne Validität: Einen team-internen Austausch
über die Fragebögen und Absprachen hinsichtlich
der Beantwortung der Fragen konnten wir nicht
verhindern. Dies kann die Ergebnisse unserer
Berechnungen beeinflusst haben. Da die
Beantwortung der Fragebögen und die Teilnahme an der
Datenerhebung keinen Einfluss auf das Bestehen
der Lehrveranstaltung hatte, schätzen wir den
Anteil an falschen Antworten als ziemlich gering ein,
da die Studierenden dadurch keinen Vorteil hätten.
Externe Validität: Durch das akademische Umfeld
lassen sich unsere Ergebnisse nur bedingt auf die
Industrie anwenden. Das liegt an der geringen
Stichprobe, die die Gültigkeit der Ergebnisse auch
für andere studentische Projekte einschränkt.
Zudem lagen uns nur Daten zu drei Messzeitpunkten
vor. Ein detaillierterer Vergleich würde in Bezug
auf den Verlauf der Kommunikationsintensität
vermutlich zu ähnlichen Ergebnissen führen.
Möglicherweise könnten mit einer größeren Stichprobe
auch projektphasenabhängige Muster aufgedeckt
werden, die bislang nicht erkannt wurden.</p>
          <p>Darüber hinaus hatten die Studierenden nur
zum Teil Erfahrungen in Softwareprojekten oder
gar in der Industrie. Ferner betrachteten wir nur
sehr vergleichbare Projekte mit einem ähnlichen
Umfang und Übereinstimmungen in verschiedenen
Projektparametern wie Dauer oder dem
Erfahrungsschatz der Teammitglieder.</p>
          <p>Konstruktvalidität: Die Fragebögen waren sehr
allgemeinverständlich formuliert, sodass wir keine
Einschränkungen der Validität aufgrund von falsch
verstandenen Fragen erwarten.</p>
          <p>Dennoch könnte die Erhebung der Intensität
könnte als problematisch aufgefasst werden, da es
sich hierbei um eine sehr subjektive Einschätzung
handelt. Von Klünder et al. [24] konnte
nachgewiesen werden, dass die Inkonsistenzen zwischen den
wahrgenommenen Intensitäten hinreichend gering
sind, sodass die Erhebung der Intensität auf diese
Weise möglich ist.</p>
          <p>Darüber hinaus können wir Auswirkungen der
Teamgrößen auf Kommunikation und Konflikte
nicht ausschließen. Steigende Teamgröße führt
nachweislich zu Motivations- und
Koordinationsverlusten in Gruppen [25]. Zudem konnten
Amason und Sapienza [26] zeigen, dass Teamgröße
positiv mit kognitiven Konflikten (welche
Aufgabenkonflikten stark ähneln) korreliert. Da in
unserer Studie die hybriden Teams auch gleichzeitig
deutlich größer als die Teams der
WasserfallKohorte waren, können wir eine Konfundierung
mit dem Faktor Teamgröße demnach nicht
ausschließen.</p>
          <p>Verlässlichkeit: Eine erneute Durchführung dieser
Untersuchung auf Basis einer anderen
Datenerhebung könnte zu anderen Ergebnissen führen,
sofern unterschiedliche Aufgabenstellungen,
Teilnehmende mit einer anderen Wissensbasis,
Projektabläufe und Teamstrukturen betrachtet werden.
Darüber hinaus hängt das
Kommunikationsverhalten stark vom Charakter der Teammitglieder ab.
Demnach beeinflusst die Teamkonstellation die
Ergebnisse zusätzlich. Die Betrachtung einer
Datenerhebung mit vergleichbaren Projektparametern
sollte aber zu ähnlichen Ergebnissen führen.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-8-1-2">
          <title>Interpretation</title>
          <p>Unsere Ergebnisse zeigen, dass traditionell
organisierte Teams in der ersten Hälfte des Projekts
deutlich intensiver kommunizieren als in der zweiten
Projekthälfte. Hybrid arbeitende Teams
kommunizieren hingegen vermehrt in der zweiten
Projekthälfte.</p>
          <p>Neben der Kommunikationsintensität wurden
noch aufgabenbezogene Konflikte untersucht.
Dieses Konstrukt wurde ebenfalls zu drei
Messzeitpunkten erhoben, jedoch lediglich als aggregierte
Werte pro Arbeitsorganisation gegenübergestellt.
Hier konnte festgestellt werden, dass – analog zur
Kommunikationsintensität – traditionell
organisierte Teams in der ersten Projekthälfte mehr
aufgabenbezogene Konflikte erleben. Für hybrid
organisierte Teams konnten keine Unterschiede
hinsichtlich aufgabenbezogener Konflikte zwischen den
beiden Projekthälften festgestellt werden.</p>
          <p>Kommunikationsintensität. Traditionell
organisierte Teams kommunizieren in der ersten
Projekthälfte deutlich mehr als in der zweiten
Projekthälfte. Dies geht mit den Erkenntnissen von Bindrees et
al. [1] einher. Sie fanden heraus, dass traditionell
organisierte Teams in den ersten Projektphasen am
intensivsten kommunizieren. Dieser Verlauf der
Kommunikationsintensität lässt sich mit dem
Wasserfall-Modell begründen, da die
Anforderungsund Entwurfsphase ohne Kommunikation nicht
erfolgen können, während Kommunikation für die
Implementierung nicht mehr in großem Ausmaß
vonnöten ist, nachdem die Anforderungen klar
herausgearbeitet und ausreichend dokumentiert
wurden.</p>
          <p>Neu hingegen ist die Erkenntnis, dass hybrid
entwickelnde Teams in der zweiten Projekthälfte
mehr kommunizieren. Dies lässt sich damit
erklären, dass die Kommunikation mit dem Kunden
über den gesamten Projektverlauf nahezu konstant
bleibt, während in der Implementierungsphase
mehr team-interne Absprachen notwendig sind, da
zwar – im Falle der hier betrachteten
Softwareprojekte – eine Spezifikation existiert, diese aber nicht
bindend ist, da auf Änderungswünsche des
Kunden eingegangen werden soll. Aus diesem Grund
sind möglicherweise klärende Absprachen
vonnöten, wodurch die Intensität der Kommunikation
zunimmt.</p>
          <p>Konflikte. Unsere Untersuchung zeigt, dass bei
Teams mit traditioneller Softwareentwicklung
aufgabenbezogene Konflikte über die Zeit bzw. nach
dem Midpoint abnehmen. Dies lässt sich u.a. über
die erhöhte Kommunikationsintensität zu
Projektbeginn erklären.</p>
          <p>Die Ergebnisse erlauben auch einige für die
universitäre Lehre interessante Rückschlüsse. So wird
beispielsweise deutlich, dass die Wahl der
Arbeitsorganisation einen Einfluss auf das
Kommunikationsverhalten hat. Damit beeinflusst sie zudem den
Lernerfolg der Studierenden, die während der
Arbeit im Team vor allem soziale Fähigkeiten wie
beispielsweise die Kommunikationsfähigkeiten
erlernen oder ausbauen sollen. Vor allem die
Kommunikationsfähigkeit ist in industriellen
Projekten von äußerster Bedeutung. Daher empfiehlt
es sich, Elemente wie beispielsweise den
On-SiteCustomer in studentischen Arbeitsprojekten zu
integrieren, um den Studierenden einen intensiven
Kundenkontakt zu ermöglichen, für den eine
adäquate Kommunikation unabdingbar ist. Darüber
hinaus stellt ein Weekly Scrum ein Minimum an
Informationsweitergabe sicher. Zudem lernen die
Studierenden, sich adäquat untereinander
auszutauschen und im anschließenden Kundengespräch
die Informationen an den Kunden weiterzugeben.
Durch den wöchentlichen persönlichen Kontakt mit
dem Kunden wird der Umgang routinierter.
Außerdem wirkt der hybride Ansatz einer
Verringerung der Kommunikationsintensität in der zweiten
Projekthälfte entgegen. In der zweiten Projekthälfte
liegt der Schwerpunkt auf der Implementierung
der Software. Eine Verringerung der
Kommunikationsintensität in der zweiten Projekthälfte, wie sie
bei den traditionell organisierten Projekten auftritt,
deutet auf weniger Teamarbeit und Austausch
während der Implementierung hin. Dies reduziert
unter Umständen den team-internen
Wissensaustausch und die Kompetenzen der Teammitglieder
können möglicherweise nicht optimal genutzt
werden.</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>Fazit</title>
      <p>In dieser Studie untersuchten wir den Einfluss der
Arbeitsorganisation auf die Intensität der
Kommunikation eines Teams und ihre Konflikte.
Die Intensität der Kommunikation ist in den
untersuchten traditionell entwickelnden Teams in
der ersten Projekthälfte deutlich höher als in der
zweiten Projekthälfte. Bei den hybrid organisierten
Teams gilt das Gegenteil. Entgegen unserer
Annahmen unterschieden sich aufgabenbezogene
Konflikte bei hybrid organisierten Teams zwischen
der ersten und zweiten Projekthälfte nicht.</p>
      <p>Die Verwendung von agilen Artefakten wie
beispielsweise dem On-Site-Customer oder dem
Weekly Scrum in der studentischen Lehre fördert
die Kommunikationsfähigkeiten der Studierenden,
ohne die Arbeit im Team zu erschweren. Deshalb
kann das Arbeiten in hybriden Projekten die
Studierenden ohne zusätzliche Schwierigkeiten auf
das spätere Arbeitsumfeld vorbereiten.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>Danksagung</title>
      <p>Diese Arbeit wurde von der Deutschen
Forschungsgesellschaft (DFG) unter der
Projektnummer 263807701 (Projekt: TeamFLOW) gefördert.
Literatur</p>
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    </sec>
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