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      <title-group>
        <article-title>Vom operativen Wissenstransfer zum strategischen Wissensmanagement - Erfahrungen aus der Praxis der Freien und Hansestadt Hamburg</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Katharina Dahrendorf</string-name>
          <email>katharina.dahrendorf@personalamt.hamburg.de</email>
          <xref ref-type="aff" rid="aff1">1</xref>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Christina-Maria Schröder</string-name>
          <email>christina-maria.schroeder@basfi.hamburg.de</email>
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          <label>0</label>
          <institution>Freie und Hansestadt Hamburg</institution>
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          <label>1</label>
          <institution>Freie und Hansestadt Hamburg</institution>
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          ,
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        </aff>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <abstract>
        <p>Die demografische Herausforderung ist mittlerweile, so scheint es, ein alter Hut. Seit vielen Jahren sind uns die Abgangszahlen der Beschäftigten bekannt, woraus sich auch mühelos die Bedeutung des Wissens ableiten ließe, das diese Menschen mitnehmen werden. Warum gelingt es trotzdem nicht einfach, Wissensmanagement einzuführen und in der Verwaltungskultur zu verankern? Welche Wege und Lernschritte ist die Freie und Hansestadt Hamburg gegangen? Dieser Frage gehen wir im folgenden Praxisbericht nach. Wir zeichnen die Entwicklung des Themas in der hamburgischen Verwaltung über annähernd acht Jahre nach: Von den ersten Ideen im Jahr 2009, über die Ergebnisse eines Pilotprojektes im Jahr 2011 durch das zentrale Personalamt der Freien und Hansestadt Hamburg bis hin zum Ringen um eine praxisgerechte Umsetzung in einzelnen Dienststellen, hier dargestellt am Beispiel der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration. Spannend an der Diskussion ist, dass das Label „Wissensmanagement“ teilweise parallel im zentralen Personalmanagement als auch innerhalb der IT verwendet wurde, ohne dass lange Zeit diese beiden Wurzeln miteinander verbunden waren.</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>Wissensmanagement</kwd>
        <kwd>Demografie</kwd>
        <kwd>Öffentliche Verwaltung</kwd>
        <kwd>Hamburg</kwd>
      </kwd-group>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>
        schnittsalter liegt seit vielen Jahren bei 46 Jahren, schwankt allerdings erheblich
zwischen den Berufsgruppen – von durchschnittlich 44 Jahren im Polizeivollzug, bis
durchschnittlich 50 Jahren bei den technischen Berufen (Stand 31.12.2015). Seit dem
Jahr 2000 werden die Altersstrukturdaten jährlich ausgewertet und stehen damit auch
den Dienststellen für ihre Planung zur Verfügung [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
        ].
2
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Das Projekt „ErWin“</title>
      <p>Im Jahr 2008 begann im Bereich des zentralen Personalmanagements im Personalamt
die Auseinandersetzung mit der Frage, welche Herausforderungen die demografische
Entwicklung mit sich bringen werde. Neben der Bedeutung der Betrieblichen
Gesundheitsförderung wurde Wissensmanagement als weiterer Handlungsschwerpunkt
identifiziert.</p>
      <p>In dem Pilotprojekt, das anschließend auf den Weg gebracht wurde, sind wir der
Frage nachgegangen,
wie wir es schaffen, den drohenden Wissensverlust zu begrenzen,
welche Verfahren und Instrumente sich anbieten, das vorhandene Wissen dieser
Kolleginnen und Kollegen zu erhalten und zu nutzen und
wie wir die Übergabeprozesse „zwischen den Generationen“ möglichst reibungslos
gestalten können.</p>
      <p>Ziel des Projektes mit dem Namen ErWin („Erfahrung und Wissen nutzen“) war es
deshalb,</p>
      <p>Ideen zu entwickeln, wie das Erfahrungswissen erfahrener Beschäftigter und
Vorgesetzter besser erhalten und genutzt werden kann,
Formen der Dokumentation dieses Wissens auszuprobieren,
Überlegungen anzustellen, wie interne Ressourcen beim Wissenstransfer genutzt
werden können sowie
Empfehlungen zu entwickeln, wie die Erkenntnisse des Pilotprojekts auf den
Arbeitsalltag übertragen werden können.</p>
      <p>
        Im Zentrum des Projekts stand das implizite Wissen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2 ref3">2, 3</xref>
        ] (Erfahrungswissen),
weniger das Fachwissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, das – so unsere
Ausgangsthese – in der Regel in Akten oder auf Laufwerken abgelegt ist und damit zumindest
theoretisch für Nachfolgerinnen und Nachfolger zur Verfügung steht, während das
Erfahrungswissen für immer verloren ist, wenn es nicht zeitnah erhoben wird.
      </p>
      <p>Eine Besonderheit des öffentlichen Dienstes stellen die Übergangsmodelle dar.
Während in der Privatwirtschaft eine direkte Aufgabenübergabe von einer Person auf
die nächste in der Regel „face to face“ erfolgt und nicht selten auch die Einarbeitung
überlappend möglich ist, ist es in unserer Kultur eher so, dass nach Ausscheiden eines
Mitarbeiters / einer Mitarbeiterin eine Vakanz gehalten wird, bis jemand die Aufgabe
übernimmt. Wie überbrückt man aber diese Lücke?</p>
      <p>In dem Projekt wurde die Idee umgesetzt, die Vakanz durch Interviews zu
überbrücken. Diese werden auf der Basis eines strukturierten Leitfadens mit der
Vorgängerin / dem Vorgänger geführt und (mittels MindMap) dokumentiert. Nach der
Wiederbesetzung wird das Material der nachfolgenden Person übergeben und besprochen.
Die Interviews sollen – so die Idee - durch interne Personal- und
Organisationsentwicklerinnen und –entwickler geführt werden.</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Zentrale Elemente des Interviews sind:</title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Aufgaben</title>
        <p>Anforderungen
Kontakte
Aspekte des Fachwissens – etwa zum Ablagesystem
Prozesswissen – soweit es nicht bereits dokumentiert ist
Aspekte von Führung und Management - sofern es sich um eine Führungskraft
handelt
„Tipps und Tricks“
Die Unterschiedlichkeit der zu interviewenden Personen und Aufgabenfelder bringt es
mit sich, dass die Interviewerinnen und Interviewer ein Gespür dafür entwickeln
müssen, welche Frage in welcher Situation angemessen ist, um das Erfahrungswissen
explizit zu machen [2, S. 123f.].</p>
        <p>
          Systemische Fragen [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4 ref5">4, 5</xref>
          ] wie
„Was kostet bei Ihrer Arbeit die meiste Energie, die meiste Zeit …?“,
„Gibt es „Geheimnisse“? Z.B. Dinge, die Sie selbst erst nach und nach entdeckt
haben und dann dachten „wenn ich das mal früher gewusst hätte….!“
„Gibt es wichtige Ereignisse während Ihrer beruflichen Laufbahn, die Ihre
Nachfolgerin / Ihr Nachfolger kennen sollte (Erfolge, Katastrophen, Lustiges, Peinliches
- Geschichten und Metaphern der Organisation) oder
nach expliziten, aber auch unausgesprochenen „Regeln“ der Organisation, z.B.
„Wie ist der Umgang mit Fehlern? Wie werden Prioritäten festgesetzt und
kommuniziert? Wird gemeinsam oder eher als Einzelkämpfer/in gearbeitet? Gibt es
eine Pausen- oder Feierkultur?“
bringen oftmals Überraschendes zutage, das helfen kann, der nachfolgenden Person
die Einarbeitungszeit erheblich zu erleichtern und zu verkürzen. Ein seriöser
Kostenvergleich steht zwar noch aus, dennoch aber kann man davon ausgehen, dass die
Such- und Orientierungskosten erheblich höher sind als eine vorbereitete, durch
Informationen unterstützte Übergabe - den Aufwand von begleitenden Interviews
eingerechnet.
        </p>
        <p>Die Ergebnisse des Projekts ErWin wurden im Jahr 2011 vorgelegt und in einer
Handreichung intern publiziert sowie in verschiedenen Gremien
behördenübergreifend diskutiert. Die Reaktion auf der Entscheiderebene war „wohlwollend“, die
Problemstellung wurde anerkannt. Dennoch haben sich anschließend nur wenige
Dienststellen mit der Umsetzung befasst. Allerdings ist hierbei die Rahmenbedingung zu
berücksichtigen, dass die Dienststellen seit dem Jahr 2011 einige
Konsolidierungsauflagen zu erfüllen hatten.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Parallele Entwicklungen in der IT - Wissens- und</title>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Informationsmanagement</title>
      <p>
        Parallel und unabhängig zur Diskussion im Personalmanagement vollzog sich im
Bereich der zentralen IT der Finanzbehörde ebenfalls eine Diskussion über
Wissensmanagement - Wissen ist hier gemeint als strukturiert gesammelte Informationen, die
großen Nutzergruppen zur Verfügung stehen. Dahinter verbergen sich v.a. die
elektronische Aktenführung sowie SharePoint als Zusammenarbeitsplattform und Basis für
eine Vielzahl interner Portale (z.B. FHHportal). Die Unterscheidung von
„Information“ und „Wissen“ [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ] ist in der Praxis eher von untergeordneter Bedeutung,
systematisch sind damit aber unterschiedliche Dinge gemeint. PROBST, RAUB UND ROMHARDT
(2011) [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ] weisen zu Recht darauf hin, dass Führungskräfte, die Wissensmanagement
betreiben wollen, „sowohl die Daten- und Informationsseite als auch die individuellen
und kollektiven Wissensbestandteile integriert betrachten“ müssen (S. 17). Und
weiter: „Statt eine strikte Trennung von Daten, Informationen und Wissen vorzunehmen,
scheint die Vorstellung eines Kontinuums (…) tragfähiger zu sein (…) Fähigkeiten
und Wissen werden langsam erworben und setzen sich aus dem Zusammenfügen und
Interpretieren einer Vielzahl von Informationen über einen längeren Zeitraum
zusammen“ (ebd. S. 18). Damit die in unseren Systemen (Portalen etc.) gespeicherten
Informationen zu Wissen und damit Handlungen und Entscheidungen werden können,
müssen sie an Personen gebunden werden. An dieser Stelle ergänzen sich die beiden
Ansätze des IT-orientierten und des personenorientierten Wissensmanagements.
Beide bauen aufeinander auf und bedingen einander.
      </p>
      <p>IT und Personalmanagement – ergänzt durch den Bereich Organisation in Bezug
auf notwendiges Prozesswissen – müssen also zusammen gedacht werden.</p>
      <p>Dies bedeutet auch einen Lernprozess für die handelnden Akteure: Die
gemeinsame Frage, die sich daraus ableitet, ist: Wie bringt man also einerseits die
Beschäftigten dazu, Informationen zu nutzen, sie andererseits aber auch aktiv zu ergänzen, und
damit eigenes Wissen explizit zu machen?
Dies berührt letztlich die Frage der Organisationskultur, die an dieser Stelle nicht
vertieft werden kann.
4</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Erkenntnisse und Weiterentwicklung</title>
      <p>Im Jahr 2015 ergab eine Abfrage, dass lediglich neun Dienststellen systematische
Prozesse des Wissenstransfers betrieben, davon lediglich zwei nach dem Modell des
Projekts ErWin, sieben nutzen andere oder abgewandelte Modelle. In 15 Dienststellen
wurden daneben nach eigenen Angaben wissensrelevante Dokumente über die
Referatsgrenzen hinweg zusammengeführt und den Mitarbeitern bereitgestellt. Das
strukturierte Speichern und das Verbreiten dieser Informationen sind nur über eine
entsprechend ausgebaute IT-Infrastruktur möglich. 18 Befragte empfanden die
bestehenden IT-Strukturen als hilfreich.</p>
      <p>Die genauere Analyse ergab: Das Problembewusstsein der Dienststellen war in den
letzten Jahren erkennbar gestiegen, sie wünschten sich aber einfachere Lösungen und
einen leichteren Einstieg. Der Ressourcenaufwand war ihnen zu groß.</p>
      <p>Im Anschluss daran haben wir im Rahmen einer Arbeitsgruppe die Fragestellung
noch einmal aufgegriffen, um die vorliegenden Instrumente im Hinblick auf ihre
Praxistauglichkeit zu überprüfen und alternative Lösungsvorschläge zu entwickeln.</p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>Die Schwachstellenanalyse ergab:</title>
      </sec>
      <sec id="sec-5-2">
        <title>Es mangelt an Bekanntheit der Ziele und Methoden von ErWin;</title>
        <p>Führungskräfte haben zu wenig Zeit, um sich mit dieser Frage ausreichend zu
beschäftigen;
Es fehlt an einem gemeinsamen Verständnis, was erfolgskritische Funktionen sind;
Die Entscheidung darüber, bei welcher Mitarbeiterin und welchem Mitarbeiter
Wissenstransferprozesse sinnvoll wären, liegt nicht immer an der richtigen Stelle;
Das Instrument eignet sich nicht für kurzfristige Abgänge;</p>
        <p>Der Umgang mit MindMaps ist für einige Menschen schwierig;
Als Schlussfolgerung der Schwachstellenanalyse arbeitet die Gruppe derzeit an
leichter umsetzbaren Instrumenten mit einem niedrigschwelligen Zugang, an einer
differenzierteren Vorgehensweise und einem besseren Marketing. Zwei Beispiele werden
im Folgenden vorgestellt.
5
5.1</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Ausgewählte Instrumente</title>
      <sec id="sec-6-1">
        <title>Identifikation von kritischen Wissensträgern</title>
        <p>Um den Aufwand der Wissensidentifikation insgesamt zu reduzieren, ist es wichtig,
Personen und Funktionen mit erfolgskritischem Wissen zu identifizieren, um auf
dieser Basis fundierte Entscheidungen über den Einsatz von Ressourcen treffen zu
können. Durch Zuordnung der Aufgaben zu folgender Matrix lassen sich erfolgskritische
Funktionen identifizieren.
Die Ergebnisse der Analyse lassen sich über ein Ampelcontrolling leicht auf einzelne
Personen herunterbrechen, die über kritisches Solitärwissen verfügen.
5.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-6-2">
        <title>Flexible Anpassung der Instrumente</title>
        <p>Die aufgezeigte Differenzierung der Matrix (Fig. 1) erleichtert es, die eingesetzten
Instrumente je nach Bedarf flexibel zu variieren und unterschiedlich intensiv
einzusetzen. Einflussfaktoren dabei können die Antworten auf folgende Fragen sein:</p>
        <sec id="sec-6-2-1">
          <title>Wie wichtig ist der Organisation das zu übergebende Wissen?</title>
          <p>Wie hoch ist die Eigenmotivation der ausscheidenden Person und wie hoch sind
ihre Vorkenntnisse?
Denkbar ist z.B. der Einsatz von Checklisten zum Selbstausfüllen, um die eigene
Arbeit zu strukturieren und zu dokumentieren oder eine Liste wichtiger Kontakte,
wiederkehrender Termine und Vorhaben. Diese Listen könnten auch als zeitsparende
Ergänzungen des ursprünglichen „ErWin“-Vorgehens genutzt werden.</p>
          <p>Auch Modelle der direkten Übergabe sind in die Überlegungen einzubeziehen,
etwa indem man für einzelne Übergabebespräche auf die Ruheständler zurück greift
(etwa über Nebentätigkeiten).
6</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Vom operativen Wissenstransfer zum strategischen</title>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>Wissensmanagement – ein Umsetzungsbeispiel</title>
      <p>Nach Abschluss des Pilotprojektes hat die damalige BSG (Behörde für Soziales und
Gesundheit) - heute Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration (BASFI)
das Instrument in ihren Fachämtern zunächst nur für Führungskräfte und Funktionen
mit Solitärwissen als „Full Service“ der hauseigenen Personalentwicklung angeboten.
Dieses Angebot beinhaltete den gesamten Prozess der Interviewführung,
Dokumentation und Übergabe. Lediglich die Identifikation der Personen lag bei den Fachämtern.
Die Erkenntnisse aus den geführten Gesprächen haben die Personalentwicklung zu
einer Modifizierung bewegt. Ziel war die Erweiterung vom anlassbezogenen
Wissenstransfer zum strukturellen Wissensmanagement.</p>
      <p>Denn auch wenn die zunehmenden Altersabgänge ein Treiber für einen
Wissenstransfer sind, erscheint es nicht ausreichend, den Wissenserhalt lediglich auf
langfristig planbare Prozesse auszurichten. Bei der Angebotserweiterung geht es darum,
Wissenssicherung bei allen Wechselanlässen, neben dem Ruhestand also etwa auch
Elternzeit, Sabbatical, Abordnung, Versetzung, Kündigung zu ermöglichen. Das Ziel
dabei ist es, von „Wissensinseln“, also konkreten Einzelarbeitsplätzen, mit
dokumentiertem Erfahrungs- und zunehmend auch Prozesswissen allmählich zu einer
flächendeckenden „Wissenslandkarte“, also für die Mehrzahl der Stellen verfügbare
Wissensdokumentation, zu gelangen. Der Aufbau einer Prozessbibliothek erfolgt parallel
und wird auch unter anderem gespeist aus den Dokumentationen.</p>
      <p>Bei der Nutzung des Wissenstransfers für Altersabgänge treten oft Hemmnisse auf,
die eine Dokumentation verhindern, so z.B. Ängste bei Betroffenen, oder eine
Haltung, die von eher geringer Identifikation mit dem Arbeitgeber geprägt ist. Bei der
jüngeren Zielgruppe der Fluktuation aus anderen Anlässen ist die Bereitschaft zur
Wissensweitergabe stärker ausgeprägt, da dort der Nutzen als Wissensnehmerin/
Wissensnehmer erlebbar wird, nicht nur der Zusatzaufwand als Wissensgeberin/
Wissensgeber. Allerdings würden die Kapazitäten der Personalentwicklung zum Führen
aller Interviews nicht ausreichen, da die nicht- altersbedingte Fluktuation um einiges
höher ist als die Zahl der Altersabgänge desselben Zeitraums.</p>
      <p>Das Vorgehen, das die BASFI derzeit erprobt, sieht folgende Prozesse vor:
1. Analyse der Altersabgänge
2. Rücksprache mit Fachämtern zur Priorisierung
3. Angebot von Begleitung des Wissenstransfers inkl. Interviews und Dokumentation
bei strategisch wichtigem Wissen durch die Personalentwicklung („Full Service“)
4. Hinweis auf den internen SharePoint mit Handlungsleitfäden, Checklisten etc. zur
Selbstbedienung für Führungskräfte und Beschäftigte bei nachrangig priorisierten
Abgängen („Self Service“)
Dazu wurde der ursprüngliche ErWin-Gesprächsleitfaden gekürzt, um die
Hemmschwelle zur Nutzung in Eigenregie in betroffenen Teams zu senken.</p>
      <p>Die nächste Ausbaustufe sieht vor, den SharePoint und die „Self Service“ Variante
sowohl in Leitungsrunden der Fachämter, als auch über den hausinternen Newsletter
zu bewerben. Parallel dazu bietet die Organisationsentwicklung der BASFI
Geschäftsprozessanalysen an, zunächst aus Gründen der aufgabenkritischen Betrachtung
von Abläufen und Arbeitsverteilung, jetzt zunehmend auch mit dem Fokus
Digitalisierung. Unsere Vision ist dabei, das Erfahrungswissen und Prozesswissen so zu
verzahnen und zu verstetigen, dass Wissensdokumentation und Transparenz zum „guten
Ton“ gehören.</p>
      <p>
        Zentraler Erfolgsfaktor sind dabei die Führungskräfte, die Wissensmanagement
zunehmend als ihre Führungs- und Steuerungsaufgabe erkennen und übernehmen
sollen und Nutzen in einer Selbstorganisation sehen. Es wird versucht, diesen
organisationalen Kulturwandel mit verschiedenen Maßnahmen zu initiieren, so z.B.
Neuaufbau einer internen Kommunikation, Workshopangebote zu Führung und Steuerung
von Arbeitsbereichen sowie einer Kampagne zum Filmprojekt „Augenhöhe“ [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ], das
Unternehmensbeispiele auf dem Weg von der Hierarchie zur Selbstorganisation zeigt.
7
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>Ausblick</title>
      <p>Der Praxisbericht zeigt, dass das Wissensmanagement einen langen Atem braucht.
Einstellungen und kulturelle Muster brauchen Zeit, sich zu verändern, die Fähigkeit
zur Selbstorganisation kann man nicht verordnen. Wissensmanagement ist aber vor
allem eine Führungs- und Steuerungsaufgabe. Das Beispiel der BASFI macht auch
deutlich, dass die Unterstützung der Managementebene eine wichtige, wenn nicht gar
notwendige Rahmenbedingung ist.</p>
      <p>Die Digitalisierung ist als weiterer wichtiger Treiber neben die demografische
Entwicklung getreten. Neben dem bevorstehenden Generationenwechsel ist dies eine
Entwicklung, die hoffnungsvoll stimmen kann, dass Wissensmanagement in den
nächsten Jahren eine noch größere Bedeutung auch in der öffentlichen Verwaltung
gewinnen wird.</p>
      <p>Es wäre zu wünschen, dass Wissensmanagement mittelfristig in einem
umfassenden Qualitätsmanagement aufgeht und – wie es sich in den Zielen der BASFI
wiederspiegelt – die Dokumentation und Weitergabe von Prozess- und Erfahrungswissen ein
ganz normaler Teil von Verwaltungsarbeit wird.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
    </sec>
  </body>
  <back>
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