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        <article-title>ISIDOR - Ein auditiver HCI-Prototyp</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Josefine Riedel</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Thomas Bo¨ck</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Julian Fischer</string-name>
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        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Felix Rauchwarter</string-name>
          <xref ref-type="aff" rid="aff0">0</xref>
        </contrib>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>St. Po ̈lten University of Applied Sciences</institution>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>63</fpage>
      <lpage>70</lpage>
      <abstract>
        <p>-The work shown engages with the conception and realization of the human-computer interaction (HCI-) sound installation 'Isidor' which gives the user the possibility to conduct a virtual string quartet. The control system appears via a leap motion camera (motion tracking) and a clearly arranged user interface (GUI) implemented on a touch screen. Emanating from the GUI parameters as volume, soli and mutes, room impressions, tonal pitches (Hz), moods (emotional), the changing of instrumental player positions and the punctual launch from a certain position are possible. The leap motion camera acts like a translator from the conductor movements of the user's digital workable control data. Therefor working in real time is essential for tempo changes. The Max/MSP-object Bachscore is accountable for the score implementation. MIDI data is transferred to VST-instruments which eventually are responsible for the acoustic sound. Max/MSP patches connect the different elements: Leap motion tracking, DMX light control, graphics and Bachscore to an interactive sound installation.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>I. EINLEITUNG</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Unter “Sonic Gestures” versteht man Bewegungen oder</title>
      <p>
        Mimiken des menschlichen Ko¨rpers, die Auswirkungen auf
das Klangbild haben oder sogar Kla¨nge erzeugen ko¨nnen.
‘Sonic’ bedeutet ‘(akustischer) Schall’, wa¨hrend ‘Gesture’ auf
die menschliche Komponente, die Ko¨rper- bzw.
Ausdrucksbewegung hinweist [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
        ]. Das grundsa¨tzliche Prinzip von Sonic
Gestures wird aktuell in Form von Klanginstallationen in
vielen Museen aufgegriffen. Durch das in-Kontakt-treten mit
den technischen Installationen steigt das Interesse des
Museumsbesuchers und das subjektive Gefu¨hl der Erlebbarkeit der
Installation. Die Folge ist eine unterbewusste und doch
geradlinige Ansprache zwischen Rezipient und wissenschaftlicher
Forschungsquelle. Es kann abgeleitet werden, dass eine direkte
Interaktion die Aufnahme- und Lernfa¨higkeit sowie das
kognitive Geda¨chtnis fo¨rdert [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
        ]. Von wissenschaftlicher Seite wird
dieser Ansatz Sound and Music Computing (SMC) genannt.
Dieses Versuchsfeld hat die Pra¨misse, die Gesamtheit der
Klang- und Musikkommunikationskette von einem
multidisziplina¨rem Standpunkt aus zu betrachten. Wissenschaftliche,
technologische und ku¨nstlerische Methoden sollen zum Ziel
des Verstehens, Generierens und Modellierens von akustischen
Kla¨ngen durch computerbasierte Techniken beitragen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">3</xref>
        ].
sy DAW’ (“Digital Audio Workstation”) verbalisiert
‘Isidor’. Das Programm bietet einem breitgefa¨chertem Publikum
die Mo¨glichkeit, direkten Einfluss auf die Darbietung eines
Streichquartetts auszuu¨ben. Die interaktive Installation setzt
sich seitens der Hardware aus einem u¨bersichtlichen User
Interface auf einem Touchbildschirm, sechs Lautsprechern (vier
Frontkana¨le vor dem Rezipienten und zwei Rearkana¨le hinter
demselben zur Unterstu¨tzung der ra¨umlichen Darstellung),
einer Leap Motion Tracking Kamera (fu¨r die Tempou¨bersetzung
des Dirigats) und via DMX gesteuerten Scheinwerfern (zur
Unterstreichung der Tempoinformationen und Atmospha¨re)
zusammen.
      </p>
      <p>Abbildung 2. Technischer Aufbau Isidor</p>
      <p>Softwareseitig wird eine vorprogrammierte MIDI-Datei
mittels dem Max/MSP-Objekt Bachscore interpretiert, in
Partiturdarstellung angezeigt und an VST Instrumente weitergeleitet,
die Kla¨nge generieren. Die Leap Motion Kamera erfasst
dirigatsa¨hnliche Handbewegungen des Nutzers, welche in
einem separaten Max/MSP-Patch in Beats Per Minute (BPM)
umgerechnet werden. An diesen Prozess ist auch die
DMXSteuerung angebunden, die durch farbiges Licht zusa¨tzlich
zum Ho¨rerlebnis ein optisches Feedback u¨ber die aktuelle
Geschwindigkeit des Stu¨ckes gibt und, in Folge dessen, die
Stimmung intensiviert und das Nutzererlebnis um eine visuelle
Ebene erweitert. Den Großteil der Steuerungen u¨bernimmt
der Rezipient u¨ber das Graphical User Interface (GUI). Ein
zentraler Hauptbildschirm ohne Subscreens ermo¨glicht
schnellen und intuitiven Zugriff mittels Touch-Steuerung auf
folgende Funktionen: Transport (Play, Pause), Ausdruck bzw.
Lautsta¨rke jedes Instruments (gekoppelt an Note-On
Expression), Mute-Funktion fu¨r jeden Spieler, Raumeindru¨cke
(Studio/Dry, Small Hall, Big Hall), tonale Stimmung (in Hz),
sogenannte “Moods” (bspw. w u¨tend, verschlafen, vorsichtig),
Positionsa¨nderungen der Instrumentalisten sowie das
punktuelle Abspielen ab einer gewu¨nschten Position durch “Tap” mit
dem Finger in die Partiturdarstellung.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>II. STATE OF THE ART</title>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Bereits 2001 wurde die Klanginstallation “Personal Or</title>
      <p>
        chestra” in Wien aufgestellt. Sie ist im ‘Haus der Musik’
stationiert, einem Zentrum der musikalischen
Kulturbewahrung und -vermittlung. Die Herren Borchers, Samminger und
Mu¨hlha¨user behaupten mit ‘Personal Orchestra’ die erste
Klanginstallation geschaffen zu haben, die es dem Nutzer
ermo¨glicht, eine Audio-/Videoaufnahme in Echtzeit dirigieren
zu ko¨nnen. Bei dem verwendeten Material handelt es sich
nicht, wie bei Isidor, um verarbeitete MIDI-Daten, sondern
um eine “echte” Tonaufnahme der Wiener Philharmoniker. Die
Beeinflussung von Tempo, Lautst a¨rke und Instrumentation ist
durch Motion Tracking einer Infrarotkamera ohne ho¨rbare
Artefakte, die durch Time Stretching entstehen ko¨nnen, mo¨glich.
Hierbei sei jedoch angemerkt, dass die Tempovariation nur
in einem eingeschra¨nkten Rahmen umsetzbar ist. Wie bereits
erwa¨hnt, wurden alle Stu¨cke aufgenommen und mittels
Timestretching offline in verschiedenen Tempi gerendert. Bei
einer Tempoa¨nderung durch den Nutzer werden die passenden
Audiodateien abgerufen und u¨berblendet. U¨berschreitet ein
Nutzer die Grenzen des geringsten oder ho¨chsten
vorgerenderten Tempos, ha¨lt die Wiedergabe an und der virtuelle
Konzertmeister beschwert sich humoristisch u¨ber die Anstrengungen
des Dirigenten. Ein weiterer Unterschied zu Isidor besteht
darin, dass auch Videodaten abgespielt werden. Diese sind,
wie das Audiomaterial, vorher aufgezeichnet und werden in
Echtzeit u¨berblendet [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
        ].
      </p>
      <p>
        Inspiration fu¨r die vorliegende Arbeit wurde weiters in
der Klanginstallation “Effektorium” gefunden. Die seit 2014
im Leipziger Mendelssohn-Bartholdy Museum beheimatete
Installation erlaubt es Nutzern ebenfalls, in die Rolle eines
Dirigenten zu schlu¨pfen und ein virtuelles Orchester anzufu¨hren.
Sa¨ulenfo¨rmige Lautsprecher mit Display stehen stellvertretend
fu¨r ausgewa¨hlte Musikergruppen im Raum. Die Leap
Motion Kamera erfasst die Dirigatsgesten, deren ausgewertete
Informationen mittels eines Max/MSP-Patches in Verbindung
zu Ableton Live stehen. Die Audio-Workstation beheimatet
Audiodateien, die in Echtzeit durch Timestretching auf das
vorgegebene Tempo gedehnt bzw. gestaucht werden [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
        ], [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
        ].
      </p>
      <p>
        Auch im Alltag geschieht in ju¨ngerer Vergangenheit
vermehrt Datengewinnung und -verarbeitung via Kinect oder
Leap Motion-Technik. Kieran Flay widmete sich 2015 einer
Gegenu¨berstellung dieser zwei Arbeitsmittel in Bezug auf die
Verbindung von Gestikverarbeitung und digitalen
Audiosystemen. Flay vergleicht die Technologien vor allem in Bezug
auf die Parameter Durchfu¨hrbarkeit, Nutzen und
Funktionalita¨t. Als weitere Option fu¨r gestikgesteuerte Systeme wird
auf Smart TVs (Lautsta¨rkesteuerung, Schnittstellenwechsel,
Menu¨- bzw. Browsernavigation) oder Remidi Gloves (ein
Handschuh mit Bluetooth-MIDI-Steuerung) verwiesen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
        ].
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>III. METHODIK</title>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Ziel des Projektes ist es, eine Installation zu gestalten,</title>
      <p>die dem Benutzer ein subjektives Kontrollgefu¨hl verleiht und
versta¨ndlich sowie intuitiv handhabbar ist. Um einen Einblick
in den Stand der Forschung und a¨hnliche Projekte zu erhalten,
wurde eine State Of The Art-Recherche durchgefu¨hrt. Die
Ergebnisse gaben einen Rahmen vor, in dem sich das Projekt
bewegen wu¨rde. Anschließend w a¨hlten die Autoren
Technologien und Interfaces aus, welche die Umsetzung mo¨glich
machen. Aus dem weiteren Arbeitsfortschritt entstand ein
Prototyp, der im Rahmen einer Ausstellung aufgebaut und von
Besuchern ausprobiert werden konnte. Das verbale Feedback
der Probanden wurde im Nachhinein eingearbeitet und das
Installationsdesign dadurch optimiert.</p>
      <p>IV. SIGNALFLUSS</p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Das vorliegende Projekt wurde zur Ga¨nze in Max/MSP</title>
      <p>entwickelt. Herausgebracht von Cycling74 ist MAX eine
graphische Entwicklungsoberfl a¨che, mit der vornehmlich
akustische und audiogenerative Projekte umgesetzt werden ko¨nnen.
Zur grafischen Notendarstellung wurde die frei zuga¨ngliche,
externe Max/MSP-Library “Bach” einbezogen 1. BachScore ist
ein Freeware Programm, dass von den Komponisten Andrea
Agostini und Daniele Ghisi entwickelt wurde. Es handelt sich
dabei um ein umfangreiches, traditionelles Notationssystem
fu¨r Max/MSP. Da der Hauptfokus auf der klassischen
Notation, Analyse und Komposition innerhalb der
Programmierumgebung liegt, ist eine Anwendung als grafische Partitur
nach Aussage der Entwickler eher unu¨blich und entsprechend
(noch) nicht im vollem Maße implementiert.</p>
      <p>Der strukturelle Aufbau (siehe Abb. 2) la¨sst sich am
einfachsten anhand der vorprogrammierten MIDI-Datei
verfolgen. Die ersten fu¨nf Spuren des Files werden per Bach.Score
grafisch im GUI dargestellt, wa¨hrend die Spuren sechs bis
neun akustisch wiedergegeben werden. Jegliche
Interaktion mit der graphisch angezeigten Partitur sendet wiederum
Informationen an den wiedergebenden Score. Um
akustische Informationen ausgeben zu ko¨nnen, werden die
MIDISteuerdaten an einen Sampler (in diesem Falle Native
Instruments’ KONTAKT-Factory Library) mit den vier Software
Instrumenten (VSTi: Standard Soloinstrumente Violine, Viola
und Cello) weitergegeben, wodurch vier Audiosignale
generiert werden.</p>
      <p>Diese VSTi ko¨nnen eine gemeinsame A¨nderung der
akustischen Stimmung (Pitch: Standard = Kammerton a bei 440Hz)
aus einem Wahlmen auf der graphischen Benutzeroberfl a¨che
heraus erfahren. Die vier Audiostreams durchlaufen eine Folge
von Matrizen, um sie auf die sechs vorhandenen,
physikalischen Ausga¨nge zu routen. Diese Matrizen ko¨nnen
wiederum vom Nutzer durch die GUI beeinflusst werden
(MuteFunktion, Lautsta¨rke jeder Stimme, Verra¨umlichung, etc.).
Zum besseren Versta¨ndnis ist die dynamische Tempogestaltung
separat zu betrachten. Ausgangspunkt hierfu¨r ist das Motion
Tracking der Leap-Motion-Kamera. Ihre ausgegebenen Werte
werden auf BPM-Werte umgerechnet und dann auf einen
Multiplikator fu¨r die Masterclock skaliert (genaue Besprechung an
spa¨terer Stelle).</p>
      <p>Der BPM-Wert wird auch an die DMX-Steuerung
weitergegeben. Dadurch wird die Farbwahl der Scheinwerfer
der Installation bestimmt. Neben der Temposteuerung durch
die Leap Motion Kamera ko¨nnen auch direkt u¨ber die GUI
die sogenannten “Moods”, voreingestellte Kombinationen aus
Tempo, Lautsta¨rke und Artikulation, ausgewa¨hlt werden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>V. HARD- UND SOFTWARESPEZIFIKATIONEN ZUR UMSETZUNG</title>
      <sec id="sec-8-1">
        <title>A. Audiosignalfluss</title>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>1) Direktschall: Die vier eigensta¨ndigen Inputs (V1, V2,</title>
      <p>Va, Vc) werden zuallererst an alle vier Frontkana¨le gesendet.
Dort gelangen sie in eine Matrix, die je nach Eingangswert
(1-4) genau ein Signal ausgibt. Diese Eingangswerte sind
voreingestellt und ko¨nnen dann in der GUI u¨ber ein
abfragendes Array getriggert werden (genaue Besprechung
folgt), wonach jeweils nur ein Wert an genau einer Position
vorkommen kann. Die Stimmen werden also in ihrer Position
direkt getauscht.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>2) Diffusschall: Fu¨r jeden Frontkanal existiert eine eigene</title>
      <p>AUX-Schiene, die in ein Reverb-Plugin speist. Das
Ausgangssignal jedes Frontkanals wird dort hinein gesendet und die
Signale summiert, ehe sie verhallt werden. Dabei werden die
Einga¨nge nach Position gewichtet (Bsp.: Linker Kanal im
linken ReverbMix deutlich sta¨rker vertreten als der Rechte
Kanal; die Abstufung erfolgt in jeweils 3dB Schritten). Das
generierte Summensignal wird abgegriffen und durch das in
Max/MSP integrierte algorithmische Hall-PlugIn ‘Gigaverb’
fu¨r jeden Kanal einzeln prozessiert. Das Raumsignal wird
abschließend mit dem trockenen Direktschall-Signal summiert
(Diffusschall -6dB zu Direktschall) und an den physikalischen
Output weitergeleitet.</p>
      <p>In den ru¨ckwertigen Kana¨len (“Rear”), die zur besseren
Simulation eines ra¨umlichen Ho¨rerlebnisses beno¨tigt werden,
kommen die Ausgangssignale der Vorderkana¨le, also die
urspru¨nglichen Inputs, an. Diese werden miteinander summiert,
wobei die beiden diagonal gegenu¨berliegenden Kana¨le je um
3dB abgeschwa¨cht werden. Die Verra¨umlichung erfolgt ebenso
u¨ber Gigaverb und entspricht immer exakt demselben Preset
der Verra¨umlichung der Frontkana¨le.</p>
      <p>Um der Ausbreitungsgeschwindigkeit von Schall im Raum
Rechnung zu tragen, werden die Outputsignale der Rearkana¨le
zeitlich verzo¨gert. Da die Verra¨umlichung durch Gigaverb
algorithmisch geschieht, wird der Zeitfaktor des Delays der
Rearkana¨le an die jeweilige Nachhallzeit des ku¨nstlichen
Raumes angepasst. Idealerweise sollte die Delayzeit dabei
den Zeitraum, in dem beim Nutzer die reale Erstreflektion
der Frontsignale an der ru¨ckwa¨rtig raumabschließenden Wand
eintrifft, nicht u¨bersteigen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-11">
      <title>Zu beachten bleibt außerdem, dass trocken aufgenommene</title>
      <p>VST-Instrumente das Klangerlebnis hinsichtlich Ortbarkeit
und Klangqualita¨t bedeutend verbessern.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-12">
      <title>3) Mute-Funktion: Wichtig fu¨r das Versta¨ndnis der Mute</title>
      <p>Schaltung ist das Verhalten der wechselnden Positionierung
der Eingangssignale (V1, V2 etc.), denen die statischen Kana¨le
1-4 gegenu¨bergestellt sind. Um dem Nutzer das
Stummschalten einzelner Instrumente, egal an welcher Position,
zu ermo¨glichen, mu¨ssen die Eingangssignale bereits gekappt
werden, bevor sie einem Kanal zugewiesen werden. Dazu
durchla¨uft jedes der vier Inputsignale vor dem Kanalrouting
eine weitere Matrix. Diese hat jeweils zwei Inputkana¨le,
die sich zur einfachen Versta¨ndlichkeit als Hot und Cold
bezeichnen lassen. So liegt an einem Input der Matrix das
jeweilige Inputsignal (bspw. V1, V2) an, am Anderen kein
Signal (“Stumm”).</p>
      <p>Nachdem die Verra¨umlichung aller AUX-Schienen durch
die Ausgangssignale der Frontkana¨le, also erst zu einem
spa¨teren Zeitpunkt im Routing, erfolgt, ist also sichergestellt,
dass das Stummschalten eines jeweiligen Instrumentes (=
Inputsignales) auch im Raumsignal, sowie den Rearkana¨len
stattfindet.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-13">
      <title>4) Tempo: Prinzipiell ko¨nnen in Bachscore</title>
      <p>Tempoa¨nderungen implementiert werden. Problem dabei
ist, dass diese A¨nderungen bereits im Vorfeld bzw. vor dem
Abspielen der jeweiligen Position definiert werden mu¨ssen.
Dabei kann das Tempo zu jedem Taktbeginn per Notenwert
in BPM (“Viertelnoten in 120 BPM”) definiert werden, wobei
eine fließende A¨nderung des Tempos zum na¨chsten Takt per
accelerando und ritardando mo¨glich ist. Da das Konzept von
Isidor jedoch verlangt, Tempoa¨nderungen auch in Echtzeit
zu ermo¨glichen, wird die Masterclock angegriffen, welche
die La¨nge eines Taktes in Samples angibt und somit einen
absoluten Zeitwert bietet, der moduliert werden kann.</p>
      <p>Dabei muss die aktuelle Geschwindigkeit des Stu¨ckes
durch die gewu¨nschte (neue, durch das Dirigat bestimmte)
BPM-Zahl dividiert werden, um den korrekten Multiplikator
fu¨r die Masterclock zu erhalten (Bsp: 130 BPM Originaltempo
zu 130 BPM anliegendes Tempo = Multiplikator 1).</p>
    </sec>
    <sec id="sec-14">
      <title>5) Pitch: Das Streichquartett kann mittels einer Master</title>
      <p>
        Kontrolle (d.h. gu¨ltig fu¨r alle vier Instrumente) in der
Stimmung hinsichtlich des Referenztons variiert werden. Zur
Auswahl stehen die internationale Standardstimmung auf
440Hz, die historische Stimmung auf 415Hz, die klassische
Stimmung auf 430Hz und die Wiener Stimmung auf 466Hz.
Die A¨nderung der Tonho¨he geschieht durch die Pitch
Bend-Funktion des VST-Instrumentes. Problematisch dabei
ist die Umrechnung von Hertz auf Cent auf linearer Basis,
da sich die Tonho¨he logarithmisch verha¨lt. Na¨herungsweise
la¨sst sich fu¨r den relevanten Frequenzbereich um 440Hz ein
Verha¨ltnis von rund +/- 4Cent pro einem Hertz Verstimmung
annehmen [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8">8</xref>
        ].
      </p>
      <sec id="sec-14-1">
        <title>6) Darstellung vs. Klang in Midi: Beim Umgang mit</title>
        <p>Midinoten ist festzustellen, dass eine strikt notationsgetreue
MIDI-Programmierung fu¨r die klassische Notendarstellung
(Partitur) unumga¨nglich ist, die akustische Wiedergabe dieser
Programmierung allerdings u¨blicherweise als sehr statisch und
unrealistisch wahrgenommen wird (beispielsweise ergeben
u¨berlappende Midinoten einen fl u¨ssigeren U¨bergang und damit
einen besseren Legato-Eindruck).</p>
        <p>Aus diesem Grund wird ein Midifile verwendet, das aus
insgesamt neun Einzelspuren besteht. Die ersten vier Spuren
entsprechen einer exakten, notationsgetreuen Programmierung
fu¨r die visuelle Darstellung jeder einzelnen Stimme. Die
fu¨nfte Spur ist fu¨r die Darstellungsbreite des Partiturfensters
notwendig, worauf im Punkt “Darstellung der Partitur”
nochmals konkret Bezug genommen wird. Die verbleibenden vier
Spuren werden an den Sampler weitergeleitet und akustisch
umgesetzt.</p>
        <p>Darstellung der Partitur: Eine seitenweise Darstellung mittels
Bach.Score ist zum aktuellen Zeitpunkt (noch) nicht mo¨glich.</p>
        <p>Als Workaround werden daher in Isidor vier
Bach.ScoreInstanzen genutzt. Die Instanz, die tatsa¨chlich abgespielt wird
und Daten an den Sampler weitergibt, arbeitet versteckt im
Hintergrund. Drei weitere Instanzen bilden untereinander
positioniert die in der GUI sichtbare Partitur. Jede der drei
Instanzen entspricht dabei einem Notensystem mit je 2 Takten.</p>
        <p>Entsprechend der eben diskutierten Umsta¨nde werden nur die
ersten fu¨nf Spuren grafisch wiedergegeben.</p>
        <p>Prinzipiell folgt die Ansicht in Bach.Score immer dem
Playmarker, also der aktuellen Abspielposition. Nachdem die
grafischen Instanzen allerdings als passiv (“nicht abspielend”)
verstanden werden ko¨nnen, wird das ha¨ndische Umbla¨ttern
mo¨glich.</p>
        <p>Bei Bach.Score-Instanzen kann die Position des
Playmarkers u¨ber die Message inscreenpos X.Y bestimmt werden,
wobei X den Schlag angibt; der Taktbeginn entspricht dem
XWert 0, wa¨hrend Y die Taktzahl angibt. Da insgesamt sechs
Takte gleichzeitig zu sehen sind (zwei pro Instanz), werden
bei jeder anliegenden grafischen Score-Instanz beim Bla¨ttern
je 6 Takte zur aktuellen Position dazu addiert. Demnach
springt die oberste Instanz von Takt 1 zu 7, von 7 zu 13,
... wa¨hrend die mittlere Instanz von 3 zu 9, von 9 zu 15,
... und das unterste System von Takt 5 zu 11, 11 zu 17, ...
springt. Damit nicht u¨ber den Start- und Endpunkt hinaus
gebla¨ttert werden kann, wurden fu¨r die Positionswerte per
Clip-Objekt Grenzen definiert. Sind diese Werte erreicht, kann
keine weitere Addition bzw. Subtraktion erfolgen.</p>
        <p>Damit dieses Prinzip eines besta¨ndigen Sprunges der
Ansichtsposition um sechs Takte u¨berhaupt mo¨glich ist, muss
sichergestellt werden, dass pro Score-Instanz (also
Notensystem) immer genau gleich viele Takte dargestellt werden und
diese, auch aus grafisch-a¨sthetischen Aspekten, stets gleich
groß sind. Die dargestellte Breite eines Taktes l a¨sst sich in
Bach per Default nicht einstellen. Dadurch erkla¨rt sich die
Notwendigkeit einer “Ansichtsspur” (Spur 5) in der
programmierten MIDI-Datei. Diese Spur entha¨lt einen - im Vergleich
zum restlichen Notenmaterial - sehr geringen Notenwert, der
konstant wiedergegeben wird. Im vorliegenden Fall entspricht Von einer zuerst angedachten Lo¨sung, u¨ber das Bild des
dies einem Notenwert von zweiunddreißigstel Noten. Die Instruments in einen Subscreen mit erwa¨hnten Kontrollen
beno¨tigte Breite zur graphischen Darstellung dieser zwei- zu gelangen, wurde abgesehen, um die Kontrollelemente auf
unddreißig Einzelnoten, welche kontinuierlich ist, erm o¨glicht einem Blick ersichtlich zu behalten und eine Verschachtelung
somit das Festlegen einer generellen Taktbreite. Da diese Spur des Interfaces zu vermeiden. So soll es dem User auch
einzig und allein zu diesem Zweck beno¨tigt wird, ist sie im einfacher gemacht werden, die Lautsta¨rkenverha¨ltnisse der
GUI durch ein weißes Viereck u¨berdeckt, um dem User nur Stimmen im Blick zu behalten und eine mo¨gliche Quelle fu¨r
die vier ho¨rbaren Instrumente im Notensystem anzuzeigen. Verwirrungen (bspw. versteckte Mute-Buttons) ausgeschlossen</p>
        <p>Das Springen zu einer Position durch Touch-Befehl auf den werden.
jeweiligen Takt basiert auf demselben Prinzip wie das Bla¨ttern. Eine weitere Entscheidungsgrundlage fu¨r die Anordnung
Wiederum werden “Inscreenposition”-Werte ausgegeben. Die- ohne Subscreens war im Lauf der Entwicklung der Installation
se werden an der jeweiligen grafischen Score-Instanz ausgele- das Festlegen des verwendeten Touch-Bildschirmes. Hier sei
sen und an die abspielende Instanz weitergegeben, die dadurch erwa¨hnt, dass viele dieser Entscheidungen bei der Umlegung
direkt zum entsprechenden Takt springt und die Wiedergabe auf andere Systeme und Kontrolleinheiten (bspw. Smartphone,
an der gewa¨hlten Position startet. Tablet) u¨berdacht bzw. angepasst werden ko¨nnten.
B. Grafik und Design In den Kontrollen fu¨r alle Instrumente (Room, Moods,
Pitch) sind die Auswahlmenu¨s mit Toggle-Buttons ausgefu¨hrt.</p>
        <p>Aus verschiedenen Entwu¨rfen fu¨r die grafische Benutzero- Interessanter ist die Positionsauswahl der Instrumente; hier
berfl a¨che wurde eine Lo¨sung ausgewa¨hlt, die auf drei Spalten gibt es eine Matrix, in der man fu¨r jede Stimme zwischen
basiert: Kontrollen fu¨r alle Instrumente, Kontrollen fu¨r Einzel- Links, Halblinks, Halbrechts und Rechts entscheiden kann.
instrumente und Kontrollen fu¨r die Partiturdarstellung. Beim Umsetzen einer Stimme tauscht diese den Platz mit
dem Instrument an der jeweils neuen Position. Urspru¨nglich
war angedacht, die Positionen mit 4 Monitoren, die jeweils
unter den Front-Lautsprechern stehen, optisch darzustellen.</p>
        <p>Davon wurde abgesehen und stattdessen eine kleine, bildliche
Darstellung jedes Instrumentes u¨ber der
PositionsauswahlMatrix eingefu¨gt, die der Sitzordnung folgt. Hierbei war der
Gedanke, dem Benutzer, wenn er nicht auf die Kontrolleinheit
sieht, so wenig optische Reize wie mo¨glich zu geben, damit
der Fokus nicht vom Ho¨rerlebnis abgelenkt wird.</p>
        <p>Fu¨r die DMX-Steuerung wurde ein Interface der Firma
“Enttec” (DMX USB Pro) verwendet, welches eine
Kommunikation via USB ermo¨glicht. Dazugeho¨rig wurde das
Max/MSP-Objekt dmxusbpro der Firma Nullmedium2 benutzt,
um direkt aus Max/MSP Daten schicken zu ko¨nnen. Die
Lichtsteuerung folgt, wie Eingangs erwa¨hnt, dem aktuellen
Abspieltempo des Stu¨ckes. Die BPM-Zahl wird abgegriffen
und je nach deren Wert in Bereichen von 20 BPM einer Farbe
Abbildung 3. Grafisches User Interface von Isidor zugeordnet. Die Grenzen liegen nach unten hin bei 30 BPM,
nach oben hin werden alle Werte u¨ber 180 BPM derselben
Farbe zugeordnet. Die U¨bergange zwischen den Farbbereichen
geschehen fließend innerhalb von zwei Sekunden.</p>
        <p>Wie bereits erwa¨hnt, geschieht sa¨mtliche grafische
Umsetzung innerhalb von Max/MSP. Als Bildschirm und
Kontrolloberfl a¨che dient ein 24-Touch LCD der Firma “Ilyama” (ProLite</p>
        <p>B2483HS-B1).</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-15">
      <title>In den Kontrollen fu¨r Einzelinstrumente findet der Benutzer</title>
      <p>eine bildliche Darstellung des Instruments, dessen Namen,
einen Fader fu¨r die Lautsta¨rke des Instruments sowie einen
Button um die Stimme stumm zu schalten. Auf der linken Seite
der Instrumentenabbildung gibt es außerdem ein Wahlmen, in
dem die Artikulation des Spielers (Legato, Staccato, Pizzicato,
Tremolo) ausgesucht werden kann.</p>
      <p>Hierbei sei angemerkt, dass der Volumefader nicht den
Pegel des Ausgangssignals moduliert, sondern den
MIDIControl- Change Expression des VSTi ansteuert.
Dementsprechend wird nicht nur beispielsweise die Lautsta¨rke verringert,
sondern auch die musikalische Artikulation angepasst
(geringere Expression fu¨hrt zu geringerem Druck des Bogens auf die
Saiten, was in einem weicheren Klangbild resultiert), wodurch
ein deutlich realistischeres und natu¨rlicheres Klangbild erzeugt
wird.</p>
      <sec id="sec-15-1">
        <title>C. Leap Motion</title>
        <p>Durch den konstanten, technologischen Fortschritt entstehen
laufend neue Wege zur Human-Computer-Interaction. Die auf
diese Art entwickelten Schnittstellen ero¨ffnen dem Nutzer
viele Mo¨glichkeiten. So verschieden die Technologien, so
verschieden sind auch die Steuerungsdaten, welche fu¨r die
Interaktion verwendet werden ko¨nnen. Zusa¨tzlich zu haptischer
2http://www.nullmedium.de, 04.09.2017
und Sprachsteuerung ko¨nnen auch Kamerasysteme Daten
ermitteln. Zwei Produkte, die oft fu¨r das Tracking von
Ko¨rperund Bewegungsdaten benutzt werden, sind die Xbox Kinect
und die Leap Motion Kamera. Nach ausfu¨hrlichen Vergleichen
der Spezifikationen der zwei Kameras wurde aufgrund der
besseren Einsatzfa¨higkeit im vorliegenden Kontext die Leap
Motion Kamera verwendet.</p>
        <p>Die Leap Motion Kamera kam 2013 mit dem Ziel auf
den Markt, kleinste Bewegungen in sehr geringer Entfernung
erfassen zu ko¨nnen. Wa¨hrend die Xbox Kinect Daten in einem
sehr weiten Bereich von 0,5 - 3,5m abgreifen kann, ist der
verwendbare Radius der Leap Motion mit 0,25 - 0,5m viel
kleiner. Da dies jedoch fu¨r das Installationsdesign kein
Problem darstellt, da nur das Tracking der Ha¨nde wichtig ist, fiel
die Entscheidung zu Gunsten der Leap Motion Kamera. Auch
die deutlich ho¨here Aufl o¨sung, welche Bewegungsa¨nderungen
in hundertstel Millimetern erfassen kann, galt als
Entscheidungsgrundlage.</p>
        <p>Abbildung 4. Leap Motion Kamera</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-16">
      <title>Die Leap Motion Kamera funktioniert mittels drei LEDs,</title>
      <p>die das zu trackende Objekt beleuchten, welches durch zwei
Infrarotkameras erfasst wird. Die Daten werden softwareseitig
verarbeitet und in ein 3D-Modell der Ha¨nde umgewandelt.
In der Software vorgegebene Bewegungsabla¨ufe machen es
mo¨glich, verschiedene Bewegungen als Gesten zu erkennen
(Swipe, Circle) oder das Tracking auf beliebige Weise
einzuschra¨nken (z.B. Tracking eines Fingers).</p>
      <p>Die Tracking-Daten werden durch die eigene Software
der Leap Motion Kamera erfasst. Mit Hilfe des Leap
Motion Software Developer Kit und zweier Erweiterungen fu¨r
Max/MSP konnten die Bewegungskoordinaten in Max
abgegriffen werden. In Isidor wurde aufgrund besserer
Isolationsmo¨glichkeiten die Leap Motion Erweiterung des “IRCAM”
(Institut de Recherche et Coordination Acoustique/Musique)
benutzt.</p>
      <p>Nach einigen Versuchen stellte sich heraus, dass die beste
Methode fu¨r die Umwandlung von Dirigatsgesten das Tracken
der Palm-Position in der Ho¨he (X-Achse) ist. Um nur diese
Daten zu erhalten, wird der Datenstrom, in dem alle Daten
vorhanden sind, gefiltert und nur die extrahierten Daten
weiterverarbeitet.</p>
      <p>Abbildung 5. Leap Motion Gesten-Tracking</p>
    </sec>
    <sec id="sec-17">
      <title>Mithilfe eines Wahlselektors kann in der GUI bestimmt</title>
      <p>werden, welche Hand getrackt werden soll. Die so erhaltenen
Daten werden nun interpretiert und in ein Tempo (BPM)
umgewandelt, das, wie bereits erwa¨hnt, als Multiplikator fu¨r
die Masterclock weiterverwendet wird.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-18">
      <title>Zuerst werden erfasste Bewegungsdaten der X-Achse, wel</title>
      <p>che sich zwischen 0 und 400 befinden, auf einen kleineren
Wert (0-1) skaliert. Da das Projekt urspru¨nglich fu¨r Mac OS
angedacht war, wurde in der Ursprungsversion fu¨r das
Feststellen einer Richtungsa¨nderung der Palm Position (oben/unten,
entsprechend der klassischen Dirigatsgesten) das J.Delta-
Objekt aus der Jamoma Libary verwendet, das grundsa¨tzlich die
ersten drei Ableitungen einer Funktion berechnet. Durch den
Umstieg auf ein Windows-Betriebssystem wurde dies jedoch
aufgrund der fehlenden Implementierung unmo¨glich.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-19">
      <title>Um das J.Delta-Objekt zu ersetzen, werden die skalierten</title>
      <p>Daten in ein tfb- (Trigger-Float-Bang) Objekt geschickt,
welches jede neue Koordinate speichert. Bekommt das Objekt
einen neuen Input werden die beiden Werte subtrahiert
und somit verglichen. Ist das Ergebnis negativ, findet eine
Richtungsa¨nderung statt. Jede negative Zahl wird an ein
Change-Objekt weitergegeben, welches dafu¨r sorgt, dass
keine Koordinate doppelt verwendet wird. Jeder Negativwert
lo¨st nun einen Bang aus, der in ein Timer-Objekt geschickt
wird, welches die vergangene Zeit zwischen zwei Bangs misst.</p>
      <p>Um von einem Zeitwert auf einen BPM-Wert zu kommen,
wird das Ergebnis des Timer-Objekts durch 60000 dividiert.</p>
      <p>Um zu extreme Temposchwankungen zu verhindern, wird
der mo¨gliche BPM-Bereich auf 30-200 Schla¨ge pro Minute
festgelegt. Ein Slide-Objekt sorgt dafu¨r, dass zwischen den
Tempowerten interpoliert wird, was zu einem kontinuierlichen
Tempowechsel fu¨hrt. Um abschließend einen ganzzahligen
BPM-Wert zu erhalten wird die errechnete Tempoinformation
mit einem Round-Objekt gerundet.</p>
      <p>Herausforderungen in der Programmierung stellte das
Ersetzen des J.Delta-Objektes in der Windowsumgebung dar.</p>
      <p>Eine gute U¨bertragbarkeit der dirigierten Tempoinformation,
um ein mo¨glichst realistisches und steuerbares Erlebnis fu¨r
den Nutzer zu ermo¨glichen, ist aufgrund des subjektiven
Empfindens und dessen Ausdruck, anhand von Sensibilita¨t des
Trackings bzw. Feststellung des Zeitpunktes des tatsa¨chlichen
“Schlages”, sehr schwer erreichbar.</p>
      <p>VI. TESTLAUF gemischten Alters und Geschlechts und zu rund 70% Prozent
Um den Prototypen der Installation echten Rezipienten Besucher der Ausstellung, wa¨hrend die restlichen 30% andere
zum Test zur Verfu¨gung zu stellen, wurde die Klanginstalla- Ausstellende, Universita¨tsmitarbeiter oder Studenten des ZKM
tion “Isidor” im Rahmen der “nextgeneration 7.0” im Zen- waren. Eine schriftliche Erkla¨rung lag bereit; viele Besucher
trum fu¨r Kunst und Medien in Karlsruhe ausgestellt. Der konnten dennoch anfa¨ngliche Beru¨hrungsa¨ngste mit der
InstalMax/MSPPatch lief auf einem Macbook Pro (13z, Late 2011) lation erst nach einer perso¨nlichen Einfu¨hrung u¨berwinden.
auf dem Betriebssystem Windows 7. Als Audio-Interface Die Reaktionen der rund 40 Probanden kann man als zum
wurde ein Saffire Liquid 56 benutzt, u¨ber dessen Outputs gro¨ßten Teil positiv beschreiben. Viele Besucher sch a¨tzten vor
sechs Studiomonitore des Typs Genelec 1032B angesteuert allem die Mo¨glichkeit der Temposteuerung durch das Dirigat,
wurden. Alle Filter an den Lautsprechern waren deaktiviert, gaben aber auch an, dass sie sich noch nicht absolut in
die Gain-Regler waren alle auf den selben Wert eingestellt. Kontrolle des Tempos fu¨hlten. Alle Touch-gesteuerten
KonAuch die Outputs des Saffire Liquid 56 spielten alle auf trollmo¨glichkeiten (Lautsta¨rke, Position, Room, ...) wurden
demselben Pegel aus; sa¨mtliche Mischung geschah daher problemlos und mit Wohlwollen entgegengenommen. Auch
ausschließlich in Max/MSP. Als Lichter wurden zwei PAR56 das User Interface wurde als u¨bersichtlich und optisch
anLED-Scheinwerfer benutzt, die mit dem Laptop u¨ber das Ent- sprechend empfunden. Die Autoren wurden von einem
Protec DMX USB Pro verbunden waren. Als Kontrolloberfl a¨che banden, der als Pa¨dagoge arbeitet, auf das große Potenzial
diente der 24-Touchscreen der Firma Ilyama (Modell ProLite angesprochen, welches er in der Installation bezu¨glich
BilB2483HS-B1). Auf der Oberkante des Bildschirms lag die dungsmo¨glichkeiten fu¨r Kinder sieht.
Leap Motion Kamera. VII. HERAUSFORDERUNGEN</p>
      <p>Beim Testaufbau wurde versucht, den
Aufbaudimensionen (siehe Abb. 1) so weit wie mo¨glich zu entsprechen.</p>
      <p>Aufgrund der Dimensionen des Raumes, in dem aufgebaut
wurde, war dies jedoch nicht ausnahmslos mo¨glich. Die beiden
a¨ußeren Frontlautsprecher standen in ca. 2 m Entfernung
voneinander, der Zuho¨rer befand sich in ungefa¨hr 2,5 m
Entfernung von den Frontlautsprechern in mittiger Position.</p>
      <p>Die ru¨ckwertigen Lautsprecher standen innerhalb eines Meters
zum Ho¨rer, also sehr nahe im Vergleich zu den
Idealdimensionen. Dieser Nachteil wurde durch zeitliche Verzo¨gerung
und Lautsta¨rkenanpassung der Rear-Kana¨le auszugleichen
versucht.</p>
      <p>Die wohl gro¨ßte Herausforderung ist es, ein f u¨r den Nutzer
nachvollziehbares, kontrollierbares und spannendes Erlebnis
zu kreieren. Ziel der Installation ist es, sowohl fu¨r Laien als
auch fu¨r Personen mit fachspezifischem Hintergrundwissen
ansprechend gestaltet und versta¨ndlich zu sein. Dazu ist es
notwendig, dass alle Elemente reibungslos miteinander
kommunizieren.</p>
      <p>Dies ist die grundlegende Herausforderung fu¨r die
Entwicklung der Installation. Es gilt, ein System zu schaffen,
welches mehrere Elemente und Schnittstellen miteinander
verbindet und eine Kommunikationsbasis schafft. Die Auswahl
der zu verwendenden Technologien spielte dabei eine wichtige
Rolle. Von Anfang an stellte sich die korrekte Detektion der
Tempodaten und die darauffolgende Tempomanipulation als
schwierig heraus. Hier ist es notwendig, eine feine
Abstimmung zwischen der Technik und der Wahrnehmung des
Rezipienten herzustellen. Fu¨r ein bestmo¨gliches Nutzerlebnis sollte
jeder Benutzer das Gefu¨hl haben, er wa¨re in vollkommener
Kontrolle u¨ber die Installation.</p>
      <p>Abbildung 6. Aufbau im Rahmen der “nextgeneration 7.0” im Zentrum f u¨r
Kunst und Medien (ZKM) in Karlsruhe</p>
    </sec>
    <sec id="sec-20">
      <title>Bei dem Raum, in dem der Testlauf durchgefu¨hrt wurde,</title>
      <p>handelte es sich um den Aufnahmeraum eines Tonstudios des
ZKM, dementsprechend waren die akustischen Begebenheiten
sehr gu¨nstig und die Charakteristik des Raumklanges als
trocken zu bezeichnen. Der Raum hatte eine Gesamtfl a¨che von
ungefa¨hr 25m2 bei einer Ho¨he von rund 3 Metern.</p>
      <p>Die Installation war zwei Tage lang zuga¨nglich und konnte
von Besuchern getestet werden. Die Versuchspersonen waren</p>
    </sec>
    <sec id="sec-21">
      <title>Beschrieben wurde eine Installation zur Steuerung ei</title>
      <p>nes virtuellen Streichquartetts mittels MIDI-gesteuerten
VSTInstrumenten und Tracking von Dirigatsgesten mittels Leap
Motion Kamera. Nach der Konzeption und einem Testlauf
sowie Nachbesserungen kann gesagt werden, dass die
Installation fu¨r den Benutzer in Bezug auf subjektives
Kontrollempfinden, Handhabung und Vergnu¨gen eine zufriedenstellende
Erfahrung ist. Vor allem das klangliche Ergebnis durch den
Einsatz von VST-Instrumenten und DSP ist aufgrund seiner
Variabilita¨t hinsichtlich Tempo, Anschlagsdynamik, Raumklang,
etc. sehr befriedigend und bietet im Vergleich zu a¨hnlichen
Installationen, welche mit aufgenommenem Audiomaterial
arbeiten, große Weiterentwicklungsm o¨glichkeiten. Der Benutzer
kann mit einem leicht zu verstehenden Interface in viele
Parameter eingreifen und bekommt umgehendes, audiovisuelles
Feedback. Entwicklungspotenzial gibt es nach wie vor in der
Feinabstimmung, bspw. des Motion Trackings beim Dirigat.
Da es sich bei der Installation um ein sehr reaktives System
handelt, ist der Bedarf nach Feinjustierung naturgegeben sehr
hoch, da jeder Eingriff viele verschiedene Parameter, vor allem
hinsichtlich des Kontrollgefu¨hls, beeinflusst.</p>
      <p>IX. AUSBLICK</p>
    </sec>
    <sec id="sec-22">
      <title>Mo¨glichkeiten zur Weiterentwicklung des Projektes sehen</title>
      <p>die Autoren vor allem in der Leap Motion Technologie. Die</p>
    </sec>
    <sec id="sec-23">
      <title>Kamera erlaubt es dem</title>
      <p>Nutzer, beide Ha¨nde simultan zu
erfassen und verschiedene Gesten zu erkennen. Die zweite
Hand ko¨nnte somit dazu benutzt werden, andere Parameter
anzusteuern - entsprechend dem Dirigat bspw. die Dynamik
des Stu¨ckes. Wie bereits zuvor erwa¨hnt, wurde von Probanden
die Mo¨glichkeit des Einsatzes der Installation fu¨r
Bildungszwecke, speziell fu¨r Kinder, angemerkt. Letztlich bleibt auch
die</p>
    </sec>
    <sec id="sec-24">
      <title>Weiterentwicklung des Bach-Objekts spannend fu¨r die</title>
      <p>Installation, da die Projektgruppe mit den Entwicklern von
Bach in Verbindung trat und einige Anmerkungen und
Anregungen mo¨glicherweise in zuku¨nftigen Versionen von Bach
beru¨cksichtigt werden ko¨nnten, was in der weiteren
Entwicklung Wege ebnen wu¨rde. Um ein Beispiel zu nennen, wu¨rde
die Mo¨glichkeit, MIDI Control Changes in Bach verarbeiten
zu ko¨nnen, große Verbesserungspotenziale f u¨r die realistische</p>
    </sec>
    <sec id="sec-25">
      <title>Klanggestaltung bieten.</title>
    </sec>
    <sec id="sec-26">
      <title>Die Autoren hoffen, mit diesem Projekt Denkansto¨ße und</title>
      <p>Grundlagen fu¨r weiterfu¨hrende Forschungen geschaffen zu
haben.</p>
      <p>LITERATUR</p>
    </sec>
  </body>
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