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        <article-title>City-Smartsphäre - Ein Betriebssystem für eine Stadt</article-title>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Martin Adam</string-name>
          <email>martin.adam@menschortweb.de</email>
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          <label>0</label>
          <institution>menschortweb GmbH</institution>
          ,
          <addr-line>Ebereschenring 25, 15827 Blankenfelde-Mahlow</addr-line>
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      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <fpage>105</fpage>
      <lpage>109</lpage>
      <abstract>
        <p>Cities and municipalities are losing touch with digital competition. In the near future, Google, Apple, Amazon and others will take over the local digital space. However, that does not have to be the case if cities and local authorities adapt their tasks to the digital infrastructure. An “operating system” should help them. Städte und Kommunen verlieren den Anschluss im digitalen Wettbewerb. In absehbarer Zeit übernehmen Google, Apple, Amazon und Andere den lokalen digitalen Raum. Das muss aber nicht sein, wenn die Städte und Kommunen anfangen, ihre Aufgaben an die digitale Infrastruktur anzupassen. In diesem Beitrag wird das Konzept eines „Betriebssystem“ für eine Stadt vorgestellt. Dieses soll Städten und Kommunen dabei helfen, den Anschluss bei der Digitalisierung halten sowie weiterhin ihren Aufgaben nachzukommen und diese sogar besser ausüben zu können. Der Beitrag ist wie folgt strukturiert: zunächst werden die Herausforderungen von Städten im Zeitalter der Digitalisierung kurz skizziert (Kapitel 2). Danach wird das Konzept des „Betriebssystems“ für eine Stadt präsentiert (Kapitel 3).</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>Digitalisierung</kwd>
        <kwd>Stadt</kwd>
        <kwd>Kommune</kwd>
        <kwd>Betriebssystem</kwd>
      </kwd-group>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Einleitung</title>
      <p>2.1</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Herausforderungen</title>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Vertrauen</title>
        <p>Eine weitere zentrale Frage, die sich stellt, ist die nach dem Vertrauen! Natürlich haben
wir inzwischen zähneknirschend anerkannt, dass Google, Apple, Amazon und die
anderen Big Player eine vorherrschende Bedeutung bei den Informationen haben. Sie alle
sind aber vor allem am Kommerz interessiert. Ihnen geht es darum, möglichst viel über
ihre Nutzer zu erfahren, um ihnen zielgerichtet Angebote zu machen und entweder über
Werbeeinnahmen oder direkte Verkäufe einen Erfolg zu verbuchen.</p>
        <p>Ihre Ausrichtung muss aber nicht zwangsläufig dazu führen, dass ich verlässliche
Informationen erhalte. Hinzu kommt, dass die Big Player eine globale Ausrichtung
haben und „lokal“ für sie nur eine zweitrangige Bedeutung hat. Sie sehen es als Pflicht,
um global arbeiten zu können. Somit ist das lokale Vertrauen in diese Unternehmen
eher mäßig.
2.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Städte und Kommunen</title>
        <p>Wenn einer die lokale Informationskompetenz hat, dann sind es die Städte und
Kommunen. Sie sind es, die seit jeher ein Informationsuniversum rund um ihre Bürger
pflegen. Sie haben sogar eine Informationsverwaltungsverpflichtung. Doch dieser können
sie kaum noch nachkommen, da sie den Sprung in die digitale Welt gar nicht vollzogen
haben und sogar noch unfassbar weit weg davon sind. Doch was ist die Konsequenz
daraus?</p>
        <p>Die Großen werden diesen Raum Stück für Stück erobern. Nur ein kleines Beispiel:
Amazon eröffnet lokale Geschäfte! Warum tun sie das? Weil die Menschen inzwischen
Vertrauen in sie haben und alleine schon das Öffnen eines lokalen Geschäfts eine
Marketinglawine lostritt, für die die Großen gar nichts machen müssen, weil die Medien
sich darauf stürzen.</p>
        <p>Noch stehen wir hier am Anfang, aber in nicht allzu weiter Zukunft können die
Großen auch im lokalen Handel eine erhebliche Macht gewinnen. Und sie werden nicht
einfach nur Produkte verkaufen, sie werden die Menschen binden, indem sie immer
mehr Aufgaben des öffentlichen Lebens übernehmen und dafür sorgen, dass der
Mensch nur noch ein Universum kennt.</p>
        <p>Und das wird vor allem deshalb passieren, weil die, die durch die Bürger beauftragt
sind, vertrauensvoll Informationen zu pflegen, es nicht nachhaltig tun. Ich will das gar
nicht als Vorwurf formulieren, es ist eher eine Feststellung.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Lösungsansatz</title>
      <p>Klar, alle Städte starten sofort mit einer Digitaloffensive! Ich lasse das Augenzwinkern
mal weg! Nein, das ist natürlich nicht zu erwarten. Dafür gibt es eine Vielzahl von
Gründen, die in der Natur der Aufgabe Stadtverwaltung liegen. Ich will mich nicht mit
diesen Gründen auseinandersetzen, ich bin eher der Vorwärtsgerichtete und denke
darüber nach, wie wir es schaffen, dass die lokale digitale Lücke möglichst schnell
geschlossen werden kann und die Städte und Kommunen weiterhin ihrer Aufgabe
nachkommen, sie sogar besser ausüben können.
3.1</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Das Betriebssystem</title>
        <p>Wir sprechen über verschiedene Dienste, die von den Städten und Kommunen, aber
auch von Dritten im Rahmen einer Stadt angeboten werden. Dazu gehören durchaus
auch kommerzielle Dienste, bis hin zu den Angeboten der lokalen Unternehmen und
Händler.</p>
        <p>Gemeinsam mit der Stadt Langenfeld, den Stadtwerken Langenfeld, Future Retail
Init und gefördert durch die Landesregierung Nordrhein-Westfalen entwickeln wir seit
Oktober 2017 ein „Betriebssystem für eine Stadt“. Die Grundlegende Idee kann ist in
folgender Abbildung 1 dargestellt.</p>
        <p>Abb. 1. Struktur der Smartsphäre
Doch wir gehen dabei einen großen Schritt weiter, als es bisher üblich war. Wir wollen
nicht einfach verschiedene Dienste nebeneinanderstellen, wir wollen eine sinnvolle
Verknüpfung schaffen, bei der der Bürger im Mittelpunkt steht. Das bedeutet aber, dass
die Grundlage des Betriebssystems der Bürger sein muss. Er muss zur Haupt-Entität
des gesamten Systems werden.</p>
        <p>Das Vertrauen steuert die Stadt bei. Die technische Umgebung liegt bei den
Stadtwerken, die als städtisches Unternehmen ein ähnliches Vertrauen genießen, wie die
Stadt selbst. Die inhaltliche Verknüpfung der Dienste wird von der Future Retail Init
übernommen. menschortweb kümmert sich um die technische Umsetzung.</p>
        <p>Wir werden mit dem Betriebssystem, das wir „Smartsphäre1“ nennen, zunächst eine
Datenbank für die Bürger und Besucher der Stadt Langenfeld anlegen. In dieser
Datenbank kommt jede Person nur einmal vor. Dies setzt eine eindeutige Anmeldung voraus,
die bereits auf den Weg gebracht worden ist.</p>
        <p>Jeder, der in der Stadt einen Dienst anbieten möchte, kann sich um Ankoppelung an
das System bewerben. Ist er Teil des Ökosystems, kann er sich mit anderen Diensten
verknüpfen.
1 Smartsphäre leitet sich vom Begriff Infosphäre ab (https://de.wikipedia.org/wiki/Infosphäre)</p>
        <p>Nehmen wir ein kleines Beispiel. Die Einzelhändler der Stadt Langenfeld sind
bereit, ihren Kunden im Verhältnis zu ihren Umsätzen einen Vorteil zu gewähren. Die
Parkplätze der Stadt werden durch die Stadt selbst betrieben. Über den Dienst der Firma
Qdega können Einzelhändler der Stadt an einem Service teilnehmen, bei dem der
Händler einem kaufenden Kunden Cent-weise Beträge auf einem Chip des Kunden
gutschreiben kann, die dieser einsetzen kann, um damit seine Parkgebühren zu begleichen.</p>
        <p>Auf dieser eigentlich ganz einfachen Plattform-Grundlage können wir dann ein
komplexes System von Diensten sinnvoll mit den Menschen verknüpfen. Und der Mensch
muss sich nicht ständig bei einem neuen System registrieren, weil die Stadt dafür sorgt,
dass seine Informationen vertraulich verwaltet werden und dennoch zur Verknüpfung
bereitgestellt werden.</p>
        <p>In diesem Projekt geht es primär nicht um die Ausgabe (Webseite, Apps, Soziale
Medien), sondern erst einmal um eine neue lokale Infrastruktur auf einer verlässlichen
Vertrauensbasis. Wenn wir aber dem Thema Ausgabe nähern und das müssen wir
zwangsläufig, um eine sinnvolle Datenstruktur zu entwickeln, dann wollen wir auch
über die Möglichkeiten für den lokalen Handel, den Tourismus und die Kultur
nachdenken.
3.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Lokaler Handel</title>
        <p>Viele Einzelhändler stehen heute der Digitalisierung ängstlich gegenüber. Viele
verfügen über keine eigene Webseite, teilweise haben sie keine eigene Email-Adresse. In
dieser immer mehr digitalisierten Welt, werden sie zukünftig in den wichtigen
Wahrnehmungsbereichen nicht mehr zu finden sein, wenn sie die Lücke nicht schließen.</p>
        <p>Mithilfe des Betriebssystems sollen die Einzelhändler die Möglichkeit bekommen,
grundlegende geschäftsbezogene Daten zu pflegen. Das Betriebssystem kümmert sich
dann darum, dass daraus Inhalte für die unterschiedlichen digitalen Plattformen werden
und veröffentlicht die Daten auch dort. Dazu gehören auch einfache Webseiten im
Rahmen eines ganzheitlichen Portals, wobei für eine Wahrnehmung gesorgt wird und die
Inhalte suchmaschinenoptimiert zur Verfügung gestellt werden. Auch das
Veröffentlichen von Produkten, z.B. über Google Inventory2 oder Amazon wird möglich sein.
3.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Tourismus</title>
        <p>Auch für Besucher der Stadt werden digitale Angebote erstellt werden, die an das
Betriebssystem angedockt sind. Ein Besucher kann sich im System anmelden und damit
die gleichen Vorteile wie ein Bürger genießen.</p>
        <p>Die touristischen Informationen (Sehenswürdigkeiten, Restaurants, Kultur etc.)
werden im Betriebssystem gesammelt, verwaltet und regelmäßig auf Aktualität überprüft.
Sie werden überall dort veröffentlicht, wo es notwendig ist. Dazu gehören auch Google,
Apple und Nokia mit ihren Kartenanwendungen, aber auch Dienste wie Foursquare,
Yelp und Tripadvisor.
2 https://www.google.com/retail/solutions/merchant-center/
3.4</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>Kultur</title>
        <p>Nicht zu vergessen sind Kultureinrichtungen, für die eine Vielzahl von fertigen
Produkten wie Webseiten, Web-Apps und native App-Templates zur Verfügung stehen,
die sie für sich verwenden können und darüber ihr digitales Angebot erweitern können.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-5">
        <title>Mensch im Mittelpunkt – Datenanalyse und Datenschutz</title>
        <p>Im Mittelpunkt der Plattform steht der Mensch. Er muss sich nicht mehr bei Dutzenden
von Systemen anmelden, denn im Rahmen der Stadt (z.B. Langenfeld) ist er bekannt
und kann sofort alle Vorteile genießen.</p>
        <p>Natürlich ist auch eine Verwertung der nutzerspezifischen Informationen ein Thema
der Plattform. Über diese Informationen soll gelernt werden, um Dienste zu verbessern,
zu erweitern oder neue zu entwickeln.</p>
        <p>Die Datenschutzbedingungen der Bundesrepublik Deutschland und des Bundeslands
Nordrhein-Westfalen sollen pflichtweise Standard sein. Die entsprechenden
Datenschutzbeauftragten sollen hinzugezogen werden, um hier ein nachhaltiges System zu
entwickeln.</p>
      </sec>
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