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        <journal-title>Chemnitz, Germany, September</journal-title>
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        <article-title>The Utilization of Learning Aides. Collected Experiences from a Study with Engineering Students</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Elena Rinklef</string-name>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Jan Vanvinkenroye</string-name>
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      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <volume>5</volume>
      <issue>2017</issue>
      <abstract>
        <p>In this study we aimed to examine which learning aides are used by students attending the lecture "Introduction to Experimental Physics", how efficient they are in regard to test scores and how students did rate them. The courses instructional design as well as the ICT-based and traditional learning aides have evolved over time. In our survey we want to contribute to the evidence-based advancement of the course design. Results show that learning using online experiments, slides, examples of test items and study groups lead to better exam results. This partly contradicts the student's subjective assessment of the learning aides.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Die Nutzung von freiwilligen Lernangeboten. Gesammelte</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Erfahrungen aus einer Befragung von Ingenieursstudenten</title>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Elena Rinklef1 und Jan Vanvinkenroye2</title>
        <p>1</p>
        <sec id="sec-2-1-1">
          <title>Einleitung</title>
          <p>Die Vorlesung „Einführung in die Experimentalphysik“ ist an der Universität Stuttgart
eine Pflichtveranstaltung für die meisten Ingenieursstudenten. Etwa 1500 Studierende
nehmen jedes Wintersemester an ihr teil. Die Bestehensquote ist beim ersten Versuch
niedrig: etwa zwei Drittel müssen die Klausur mindestens einmal wiederholen, was
allerdings beliebig oft möglich ist. Um die Studierenden möglichst gut zu unterstützen,
bietet der Dozent über die E-Learning-Plattform ILIAS verschiedene Lernmaterialien an.
Teilweise wiederholen und verdeutlichen diese nur den Inhalt der Vorlesung (Folien,
Vorlesungsaufzeichnung) oder fassen die Inhalte der Vorlesung anders zusammen (das
Lernmodul Physik-Info mit integrierter Formelsammlung); es werden aber auch
interaktive Lernmaterialien zur Verfügung gestellt (Online-Experimente im Rahmen von
Online-Übungen). Des Weiteren gibt es die Möglichkeit, in selbstorganisierten
Lerngruppen oder im studienbegleitenden moderierten MINT-Kurs zu arbeiten, in
welchem mit den Folien der Vorlesung und Altklausuren gearbeitet wurde. Daneben
machten die Studierenden ihre eigenen Aufschriebe. Die Bearbeitung der angebotenen
bzw. verfügbaren Lernmaterialien ist freiwillig.</p>
          <p>Diese Kombination von traditionellen und netzbasierten Lehrmaterialien ist historisch
gewachsen und folgt keinem bewussten Lehrkonzept. Gleichwohl macht die Erstellung
der Lehrmaterialien einen großen Aufwand. Lohnt sich dieser für den Dozenten?
1 Universität Stuttgart, Technische Informations- und Kommunikationsdienste, Allmandring 30a, 70550
Stuttgart, elena.rinklef@tik.uni-stuttgart.de
2 Universität Stuttgart, Technische Informations- und Kommunikationsdienste, Allmandring 30a, 70550
Stuttgart, jan.vanvinkenroye@tik.uni-stuttgart.de
Dieser Frage gingen wir in einer Befragung der Studierenden nach. Die Ergebnisse
sollen den Dozenten dabei unterstützen, das Lernmittelangebot umzugestalten und zu
überarbeiten. Im folgenden Aufsatz untersuchen wir, welche Lernmaterialien wie
intensiv und mit welchem Lernerfolg genutzt worden sind, und wie die Studierenden die
Lernmaterialien einschätzen. Die Nutzung wird hierbei sowohl erfragt wie auch mit
Daten aus dem LMS in Verbindung gebracht. Auch die Effektivität wird ‚doppelt’
gemessen, als subjektiver Lernerfolg durch die Befragung sowie mit Daten aus der
Klausur.</p>
          <p>F1: Welche Lernangebote werden genutzt?
F2: Welche Lernangebote sind effektiv, d.h. verbessern das Klausurergebnis?
F3: Wie schätzen die Studierenden die Lernangebote ein, z.B. in Hinsicht auf Lernerfolg
und Motivation?
Im Zuge von evidenzbasiertem E-Learning sind diese Fragen von besonderer Bedeutung.
Informationen darüber, was tatsächlich genutzt wird, was effektiv ist und was geschätzt
wird, sind wichtige Rückmeldungen für den Dozenten und können helfen, das Design
des Experimentalphysik-Kurses zu verbessern. Darüber hinaus können so auch generelle
Hinweise bezüglich Präferenzmustern und Nützlichkeit bestimmter Lernmittel
gewonnen werden.
2</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-2">
          <title>Theoretischer Rahmen</title>
          <p>Clark argumentierte, dass das Vermittlungsmedium wenig bis nichts zum Ergebnis
geplanter Lehre beitrage [Be04]. Es gibt allerdings auch viele Studien, die sich mit den
Vorteilen eines breiten Lernangebots befassen, z.B. [SGH16], [Me13]. Des Weiteren
sind heutzutage Kurse, die gar keine Informations- und Kommunikationstechnologien
(IKT) verwenden, selten [Di17]. Dennoch stellten Means et al. fest: „From a practical
standpoint, however, a major reason for using blended learning approaches is to increase
the amount of time that students spend engaging with the instructional materials. […]
The positive findings with respect to blended learning approaches documented in the
meta-analysis provide justification for the investment in the development of blended
courses” [Me13].</p>
          <p>Die subjektive Einschätzung von Lernmaterialien durch Studierende wird von vielen
Faktoren beeinflusst. Wichtig sind kurs- und studierendenspezifische Merkmale (wie
etwa Zielerreichung bzw. Lernerfolg, Expertise der Lehrperson oder die Qualität der
Lernplattform), die Art des IKT-Einsatzes (unterstützend versus transformierend) sowie
Alter, bereits vorhandene Computerkenntnisse und Einstellungen gegenüber Integriertem
Lernen zu Kursbeginn [Di17], [De15]. Ein zentraler Aspekt des Lernens ist, wie die
Studierenden diesen Prozess erfahren [GE09]. Eine positive Erfahrung könnte auch die
Einstellung gegenüber dem Lernen beeinflussen und so mittelbar auch auf den
Lernprozess einwirken [Ló11]. Inwiefern bestimmte Lernangebote als nützlich erlebt
werden oder motivieren ist also von Bedeutung. Interaktives Lernen gibt Studierenden
die Möglichkeit, den gelernten Stoff in einer sicheren Umgebung, wie etwa einer
Simulation, anzuwenden. Es gibt Hinweise, dass dies die Zufriedenheit der Lernenden
steigert [RT16]. Subjektive Einschätzung des Lernerfolgs und Performanz korrelieren
unter Umständen nur schwach miteinander [MW82].
3</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-3">
          <title>Datengrundlage</title>
          <p>Um einen Einblick in das Lernverhalten der Studierenden und die Nutzung und
Bewertung der Lernangebote zu erhalten, wurden die Mitglieder des Kurses „Einführung
in die Experimentalphysik“ in einer Online-Umfrage angehalten, zu jeder der acht
Lernangebote Stellung zu nehmen. Die Teilnahme an der Umfrage war freiwillig. Um
die Studierenden zur Beantwortung der Fragen zu bewegen, bekamen sie als Anreiz die
Möglichkeit, ihr Klausurergebnis einzusehen, wenn sie sich an der Umfrage beteiligten,
und nicht erst Wochen später zu erfahren. Der Erhebungszeitraum erstreckte sich vom
21. Februar bis zum 6. März 2017: die am 15. Februar geschriebene Klausur war da
gerade fertig korrigiert.
903 der 1266 Studierenden erklärten sich bereit, an der Umfrage teilzunehmen und 830
von ihnen schlossen die Umfrage ab3. Die Ausschöpfungsquote in Bezug auf die
Grundgesamtheit war 65,56%. Auf Grund dieser Ausfälle muss geprüft werden,
inwiefern sich das Sample von der Grundgesamtheit, den Klausurteilnehmer4,
unterscheidet. Hier kann allerdings nur die Verzerrung in Bezug auf Klausurergebnis
und Studiengang überprüft werden; andere Kennzahlen wurden auf dem Klausurbogen
nicht abgefragt. Die durchschnittlich erreichte Punktzahl in der Klausur waren 28,35
Punkte, während der Schnitt der Umfrageteilnehmer bei 29,14 Punkten lag. Dieser
Unterschied ist zu 95%iger Wahrscheinlichkeit auf Zufallsschwankungen
zurückzuführen. In Bezug auf die Studiengänge5 zeigt sich, dass die Luft- und
Raumfahrttechniker signifikant überrepräsentiert sind (30% in der Klausur, 36% in der
Umfrage). Bei allen anderen Studiengängen können die Anteilsunterschiede als zufällig
betrachtet werden.</p>
          <p>Im Folgenden werden nur einige der Fragebogenitems ausgewertet. Die Nutzung der
verschiedenen Lernangebote wird über die folgende Frage operationalisiert: „Ich habe
die [..., z.B. Online-Experimenten] ...
</p>
          <p>gar nicht genutzt
3 Dies entspricht einer Abbruchquote von 8,08%.
4 Im Folgenden wird, wo nötig, das generische Maskulimum für potentiell gemischtgeschlechtliche Gruppen
verwendet.
5 Die Klausur unterscheidet hier zwischen „Luft- und Raumfahrttechnik“, „Erneuerbare Energien“,
„Maschinenbau“, „Fahrzeug- und Motorentechnik“, „Technikmanagement“ und „Chemie“.



mir kurz angesehen
teilweise durchgearbeitet
komplett durchgearbeitet.“
Es werden auch Items zu
ausgewertet6.</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Motivationssteigerung und subjektivem</title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Lernerfolg</title>
        <p>Auch die Klausurergebnisse (zur Messung von Performanz) sowie Daten aus dem
LMSSystem (zur Bestimmung des tatsächlichen Verhaltens) stehen zur Verfügung und
können auf die Antworten im Fragebogen bezogen werden.
4</p>
        <sec id="sec-2-3-1">
          <title>Ergebnisse</title>
          <p>Das freiwillige Lernmittelangebot wurde von einem Großteil der Studierenden genutzt.
Nur 7,11% gaben an, keines der acht Lernangebote „intensiv“ oder „komplett
durchgearbeitet“ zu haben. Werden Lerngruppen (Eigeninitiative der Studierenden) und
MINT-Kurs (optionales Unterstützungsangebot der Universität) ausgeschlossen steigt
dieser Anteil nur geringfügig, auf 8,31%. Die Studierenden zeigten also
Lernbereitschaft, obwohl die Klausur beliebig oft wiederholt werden konnte.</p>
          <p>Abb. 1: Nutzung der Lernangebote
6 Der Fragentext steht jeweils in der Abbildung.
Am weitesten verbreitet war das Lernen mit Altklausuren. 73,86% der Studierenden
gaben an, diese „teilweise“ oder „komplett“ bearbeitet zu haben. Von den anderen durch
die Universität zur Verfügung gestellten Materialien waren Online-Experimente
(57,09%) und Folien (56,01%) am populärsten. MINT-Kurs oder Lerngruppen wurden
hingegen vergleichsweise selten genutzt (vgl. Abb. 1). 10,60% der Studierenden nahmen
sowohl am MINT-Kurs als auch an Lerngruppen teil; 16,39% der Studierenden nur an
Lerngruppen und 15,78% nur am MINT-Kurs.</p>
          <p>Das Lernen mit einigen der möglichen Lernangebote wirkte sich auch auf das
Klausurergebnis aus. Als Nutzer gelten hier die Studierenden, die ein Lernmittel
teilweise oder vollständig durchgearbeitet haben. Diese Unterscheidung wird gestützt
durch die Kombination der Umfragedaten mit Nutzungsdaten der Online-Experimente
aus dem LMS. Hier zeigt sich, dass die „Nicht-Genutzt-Habenden“ im Schnitt 0,38 und
die „Kurz-Anschauenden“ 1,02 der 18 Online-Experimente angeklickt (d.h., nicht
unbedingt bearbeitet) haben. Bei „teilweise“ waren es 5,54 und bei „komplett
durchgearbeitet“ 9,31. Auf Grund der hohen Streuung in diesen beiden Gruppen und der
Tatsache, dass die Antwort „komplett“ nicht notwendigerweise die Bearbeitung aller
Experimente widerspiegelt—im Schnitt ist es nur die Hälfte—erschien es sinnvoll, sie zu
„Nutzern“ zusammenzufassen.</p>
          <p>Im Durchschnitt erreichte ein Student, der keines der Lernangebote verwendete, eine
Punktzahl von 25,28. Den stärksten Einfluss auf die Performanz der Studierenden hatte
das Lernen mit Altklausuren: Ceteris paribus erreichten Studierende, die mit ihnen
lernten, 2,79 Punkte mehr. Auch für das Lernen mit Online-Experimenten, in
Lerngruppen, im MINT-Kurs oder mit Folien wurde ein signifikant positiver Effekt auf
das erreichte Klausurergebnis geschätzt, wenn jeweils auf das Lernen mit allen anderen
Lernmitteln kontrolliert wird (vgl. Tab. 1).</p>
          <p>(Konstante)
Nutzung von Online-Experimenten
Nutzung der Vorlesungsaufzeichnung
Nutzung von Physik-Info
Nutzung der Folien
Nutzung der eigenen Aufschriebe
Nutzung von Altklausuren
Nutzung des MINT-Kurses
Nutzung von Lerngruppen
N
korrigiertes R2
Signifikanz des Gesamtmodells
B
25,28
1,56
-0,45
-0,26
0,96
-0,24
2,79
1,01
1,51
811
0,13
***</p>
          <p>SE
0,43
0,39
0,41
0,43
0,42
0,41
0,45
0,44
0,44</p>
          <p>Sig.
***
***
n.s.
n.s.
**
n.s.
***
**
***
7OLS-Regression. Unstandardisierte Regressionskoeffizienten werden berichtet. Abhängige Variable ist die
Es ist zu beachten, dass selten nur ein Lernmaterial verwendet wurde. Die Studierenden
kombinierten im Schnitt 2,86 verschiedene Lernmaterialien. Teilnehmer des
MINTKurses und der Lerngruppen verwendeten durchschnittlich mehr Lernmittel als allein
Lernende. Die Verwendung mehrerer Lernmaterialien wirkt sich auch auf das
Klausurergebnis aus. Je mehr Materialien ein Student verwendete, desto besser schnitt er
durchschnittlich ab (Pearson’s r = 0,25**).</p>
          <p>Die Studierenden nehmen in Bezug auf subjektiven Lernerfolg vor allem auch die nicht
von der Universität angebotenen Lernmittel als nützlich wahr (eigene Aufschriebe und
Lerngruppen). Der Skalenmittelpunkt liegt bei 3,5. Die meisten Lernangebote wurden
also neutral bis leicht negativ bewertet.</p>
          <p>Abb. 2: Bewertung der verschiedenen Lernangebote in Bezug auf Motivationssteigerung und
subjektiven Lernerfolg8
Interessant ist hierbei auch der Vergleich zwischen subjektivem Lernerfolg und
Effektivität der Lernmaterialien (s. Abb. 2). In der multivariaten Analyse wird ein
signifikant positiver Effekt auf das Klausurergebnis geschätzt, je stärker Altklausuren,
erreichte Punktzahl, zwischen 0 und 50. Unabhängige Variablen sind jeweils dichotom, 1 = Material jeweils
„teilweise“ und „komplett durchgearbeitet“. Signifikanzniveaus: * = 0.1, ** = 0.05, *** = 0.01, n.s. = nicht
signifikant.
8Durchschnittliche Bewertung und 95%iges Konfidenzintervall. Skala geht von 1 „stimme überhaupt nicht zu“
bis 6 „stimme voll und ganz zu“. Es wurden nur Studierende befragt, die das Material „kurz angesehen“,
„teilweise“ oder „komplett durchgearbeitet“ haben.
Online-Experimente, Lerngruppen, MINT-Kurs oder Folien genutzt werden (vgl.
Tab. 1). Als subjektiv nützlich werden aber Altklausuren, MINT-Kurs, Lerngruppen und
eigene Aufschriebe betrachtet. Das heißt:

</p>
          <p>Der Nutzen von Online-Experimenten und Folien in der Klausurvorbereitung wird
potentiell unterschätzt.</p>
          <p>Der Nutzen von eigenen Aufschrieben in der Klausurvorbereitung wird potentiell
überschätzt.</p>
          <p>Neben der „objektiven“ Bewertung der Lernangebote über den erzielten Lernerfolg ist
auch die subjektive Beurteilung durch die Studierenden von Interesse. Dass die
Angebote motivieren, sich mit dem Stoff auseinanderzusetzen, ist gerade deswegen
wichtig, weil die Angebote freiwillig sind. Werden sie als unangenehm empfunden,
könnte es gut sein, dass sie auch nicht genutzt werden. Ob dies tatsächlich so ist, muss
allerdings noch in einer qualitativen Befragung der Studierenden untersucht werden.
Die Studierenden erführen die größte Motivationssteigerung beim Lernen mit anderen,
d.h. dem MINT-Kurs und den Lerngruppen. Die Online-Experimente dagegen wurden in
Bezug auf Motivation leicht negativ bewertet, wobei aber alle anderen von der
Universität angebotenen Lernmittel noch weniger Spaß machten (vgl. Abb. 2).
5</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-2">
          <title>Zusammenfassung und Ausblick</title>
          <p>In dieser Arbeit wurde der Frage nachgegangen, welche Lernangebote durch
Studierenden gern wahrgenommen wurden und wie sich diese auf Lernerfolg sowie
Motivation und Spaß auswirkten. Zu diesem Zweck wurden die Studierenden der
„Einführung in die Experimentalphysik“ an der Universität Stuttgart online befragt. 830
der 1266 Studierenden schlossen die Umfrage ab. Auch die Klausurergebnisse sowie
Nutzungsdaten aus dem LMS wurden hinzugezogen.</p>
          <p>Neben der Präsenzvorlesung gibt es weitere historisch gewachsene und freiwillige
Lernangebote, von denen einige über IKT zur Verfügung gestellt werden: die
OnlineExperimente, die Vorlesungsaufzeichnungen, die Formelsammlung Physik-Info sowie
Folien. Die Studierenden nahmen das Lernangebot an und nur 7,11% verwendeten
keines der acht Angebote. Die Nutzung von Altklausuren, Online-Experimenten und
Folien war besonders weit verbreitet. Die subjektive Einschätzung, welche Lernangebote
effektiv sind, unterscheidet sich teilweise vom Einfluss auf das Klausurergebnis, der in
einer multivariaten Regression geschätzt wird. Die Studierenden empfanden den
MINTKurs und Lerngruppen als am meisten motivierend.</p>
          <p>Bei der Interpretation der Ergebnisse gilt es zu beachten, dass diese sich nur auf die
spezifische Umsetzung der Lernangebote in der Vorlesung „Einführung in die
Experimentalphysik“ an der Universität Stuttgart beziehen. Inwiefern die Studierenden
an z.B. anders gestalteten Online-Experimenten mehr Spaß hätten, konnte im Rahmen
dieser Studie nicht untersucht werden. Dies ist aber ein wichtiger Gesichtspunkt, da sich
kursspezifische Merkmale auf die Bewertung von Lernangeboten auswirken [Di17] und
es wahrscheinlich ist, dass dies auch auf die spezifische Umsetzung von einzelnen
Lernangeboten zutrifft.</p>
          <p>Auch die Effektivität von Online-Experimenten und Altklausuren könnte dadurch zu
erklären sein, dass diese am meisten den Klausuren ähneln; dass es sich also eher um
teaching to the test handelt. Der Frage, inwiefern Lernangebote erfolgreich sind, weil sie
den Klausurinhalt und nicht notwendigerweise den Vorlesungsstoff transportieren, wird
in weiterer Forschung nachgegangen werden, wobei detaillierte Informationen aus LMS
und Klausur berücksichtigt werden können. Ein zukünftiger Forschungsgegenstand
bleiben auch qualitative Erhebungen zu den Lernstrategien der Studenten.
Literaturverzeichnis
[Be04]
[De15]
[Di17]
[GE09]
[Ló11]
[Me13]
[MW82]
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          <p>Means, B.; Toyama, Y.; Murphy, R; Baki, M.: The Effectiveness of Online and
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          <p>Mabe, P.A.; West, S.G.: Validity of Self-Evaluation of Ability: A Review and
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        </sec>
      </sec>
    </sec>
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    <ref-list>
      <ref id="ref1">
        <mixed-citation>
          [SGH16]
          <string-name>
            <surname>Spring</surname>
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            <given-names>K.J.</given-names>
          </string-name>
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          <string-name>
            <surname>C.R.</surname>
          </string-name>
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