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      <journal-title-group>
        <journal-title>Chemnitz, Germany, September</journal-title>
      </journal-title-group>
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      <title-group>
        <article-title>E-portfolios as All-rounders during Teaching and Self-study. Fostering Reflection Competences and Training Digital Competences</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Susanne Schwarz</string-name>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <volume>5</volume>
      <issue>2017</issue>
      <abstract>
        <p>This article explains based on theory and on practical experience how students within the Viadrina PeerTutoring training program learn to reflect their learning process with e-portfolios and how they are assessed. Reflective thinking is defined as the ability to think critically about learning experiences and to draw conclusions for future learning. This ability is very important for the self-contained learning process. E-portfolios are particular suitable when you want to bring something to your mind, to show it and when the artefact is supposed to be assessed. E-portfolios are also particular suitable to foster digital competences. Digital competences involve the confident and critical use of Information Society Technology for work and leisure. This is not only relevant for the employability in the 21th but also to participate and to actively shape digitalized societies.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>Carsten Ullrich, Martin Wessner (Eds.): Proceedings of DeLFI and GMW Workshops 2017
Chemnitz, Germany, September 5, 2017</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>E-Portfolios als Multitalente in Lehre und Selbststudium:</title>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Reflexionskompetenz fördern, digitale Kompetenzen schulen</title>
      <p>Susanne Schwarz1
1</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Einleitung</title>
        <p>Dem folgenden Beitrag3 liegt die These zugrunde, dass sich E-Portfolios eignen, um ein
komplexes und mehrere Ebenen umfassendes Verständnis von Reflexionskompetenz zu
lehren, anzuwenden und zu prüfen. Begründet wird diese These durch Rückgriffe auf
theoretische Annahmen und praktische Erfahrungen aus der Arbeit mit E-Portfolios im
Rahmen der Viadrina PeerTutoring-Ausbildung.</p>
        <p>Um den institutionellen Rahmen zu verdeutlichen, wird in einem ersten Schritt die
Viadrina PeerTutoring-Ausbildung kurz vorgestellt. Darauf folgt eine Darstellung des
theoretischen Verständnisses von Reflexionskompetenz und wie diese den Studierenden
1Europa-Universität Viadrina, Kompetenzzentrum Lernen &amp; Lehre Digital, August-Bebel-Straße 12,
15234 Frankfurt (Oder) sschwarz@europa-uni.de
2 Aufgrund des Eigennamens wird Viadrina PeerTutoring zusammengeschrieben und stellt keinen
Rechtschreibfehler dar.
3 An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner Kollegin Lea Liane Winkler für anregende Gedanken und
Feedback bedanken!
vermittelt wird. Im darauffolgenden Abschnitt werden E-Portfolios zuerst allgemein
vorgestellt, um dann zu zeigen, wie sie konkret als Prüfungsinstrument genutzt werden
und welche Chancen und Herausforderungen sich daraus ergeben. Dabei werden auf
Argumente der Literatur eingegangen und eigene Herausforderungen und
Lösungsmöglichkeiten beschrieben.
2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Der institutionelle</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Ausbildung</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>Rahmen: Die</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-5">
        <title>Viadrina</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-6">
        <title>PeerTutoring</title>
        <p>Seit dem Wintersemester 2012/2013 können Studierenden aller Fachrichtungen am
Zentrum für Schlüsselkompetenzen und Forschendes Lernen (ZSFL) der Europa-Universität
Viadrina (EUV) die Ausbildung zum*r Viadrina Peer-Tutor*in4 absolvieren, um danach
in unterschiedlichen Formaten ihre Kommilitonen*innen beim Ausbau verschiedener
Schlüsselkompetenzen zu unterstützen. Beim Konzipieren der Ausbildung wurden fünf
übergeordnete Lernziele definiert, die sich in allen Module wiederfinden. Nach dem
Ende der Ausbildung sollen die Studierenden in der Lage sein





eigene Lern- und Arbeitsprozesse zu reflektieren,
sich selbstständig neue Arbeitstechniken, Methoden und Wissen anzueignen,
sich kritisch mit Sachverhalten auseinanderzusetzen,
effektiv in Teams zu arbeiten und
konstruktives Feedback zu geben und zu nehmen.</p>
        <p>Alle angehenden Peer-Tutoren*innen besuchen das „Modul 1: Grundlagen Team- &amp;
Projektarbeit“, wo sie sich vor allem mit Gruppenprozessen, Projektarbeit und der
Reflexion ihrer Lernerfahrungen auseinandersetzen. Danach wählen sie im „Modul 2:
Theorie“ eine inhaltliche Spezialisierung5. Im Rahmen des „Modul 3: Praxis“ erwerben sie
erste begleitete Erfahrungen in ihrer neuen Rolle als Peer-Tutor*in. Während der
Semi4 „Peer“ meint nach gängigen Übersetzungen u.a. Kollege*in, Gleichaltrige*r, Gleichgestellte*r. Peer-Tutoring
ist ein didaktisches Konzept, das das eigenständige und wechselseitige Lernen von und miteinander fördert
(vgl. Boud 2001, 4; Bruffee 1984). In Peer-Formaten unterstützen sich Lernende gegenseitig dabei,
Lernprozesse eigenverantwortlich zu gestalten und selbstständig neue Ideen zu entwickeln. Ausgebildete
PeerTutoren*innen sind in der Lage, ihre Kommilitonen*innen beim Vertiefen und Ausbau von
Schlüsselkompetenzen zu unterstützen, indem sie u.a. 1:1-Beratungen, Workshops, Exkursionen oder begleitete Lerngruppen
u.a. zu wissenschaftlichem Schreiben, interkulturelles Lernen oder Lerntechniken anbieten. Sie bieten dabei
Hilfe zur Selbsthilfe an, um das eigenverantwortliche und nachhaltige Lernen zu fördern (vgl. Vogler-Lipp und
Schwarz, S. 95–96).
5 Zu diesen inhaltlichen Spezialisierungen zählen wissenschaftliches Schreiben, interkulturelles Lernen, Lernen
und Präsentieren, E-Learning, Hochschuldidaktik und Sprachen lernen.
nare führen die Studierenden kontinuierlich ein E-Portfolio, indem sie Arbeitsaufträge
dokumentieren und ihren individuellen Lernprozess reflektieren. Die Ausbildung endet
mit der Präsentation ihres E-Portfolios aus dem sie die wichtigsten Lernerfahrungen
einem öffentlichen Publikum vorstellen (vgl. Vogler-Lipp und Schwarz, S. 95).
Die weiteren Ausführungen beziehen sich auf das Seminar „Wissen schaffen im Team
Kollaborieren, Organisieren, Führen“ welches im Rahmen des ersten Moduls stattfindet,
da hier die Einführung in das Schreiben von Reflexionen und die Portfolioarbeit
stattfindet. Nach einem theoretischen Einstieg zu Teamprozessen werden die Teilnehmenden
selbst eine Teamerfahrung durchlaufen und diese reflektieren. Dafür erarbeiten sie sich
in Teams Wissen über Gruppenprozesse, erstellen ein selbst gewähltes Produkt und
präsentieren dieses in einem elektronischen Präsentationsportfolio6.
3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-7">
        <title>Reflexionskompetenz</title>
        <p>Im folgenden Absatz wird das theoretische Verständnis von
Reflexionskompetenzbeschrieben, wie dies den Studierenden vermittelt und anschließend geprüft wird.
Reflexionskompetenz gilt als die zentrale Schlüsselkompetenz und Voraussetzung für
lebenslanges Lernen. Die Fähigkeit, bewusst sein Denken und Handeln aus einer
Metaperspektive zu betrachten und daraus Rückschlüsse zu ziehen, ist ein elementarer
Bestandteil für Weiterentwicklung (vgl. OECD 2005, 7-11; Hilzenauer 2008, 2; Jenert
2008, 1). Das Reflektieren über den eigenen Lernprozess soll die Studierenden dazu
befähigen, sich eigene Lernziele zu setzen und ihre Lernstrategien an diese anzupassen.
Diese Fähigkeiten sind ganz grundlegend für Studierfähigkeit, zukünftige Berufstätigkeit
und lebenslanges Lernen.</p>
        <p>
          Kompetenzerwerb gelingt vor allem dann, wenn sich die Lernenden aktiv und
problemorientiert mit einem Gegenstand auseinandersetzen
          <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(vgl. Schaper und Hilkenmeier 2013,
16)</xref>
          . Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass Studierende bereits zu Beginn des
Studiums das eigene Lernen umfangreich reflektieren können. Wie andere Kompetenzen
auch, wird Reflexionskompetenz insbesondere durch bewusstes üben, Rückmeldung und
wiederholen vertieft (vgl. Hilzenauer 2008, 1; Jenert 2008, 8).
3.1
        </p>
        <sec id="sec-3-7-1">
          <title>Das Verständnis von Reflexionskompetenz beim der Viadrina PeerTutoring</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-7-2">
          <title>Ausbildung – theoretische Hinführung</title>
          <p>6 Mehr Informationen zum Seminar „Wissen schaffen im Team“ und exemplarische Präsentationsportfolios
können hier eingesehen werden https://mahara.europa-uni.de/view/view.php?id=6067
Kompetentes Reflektieren bezieht sich im Rahmen der Viadrina
PeerTutoringAusbildung auf das Lernziel (Warum?), den Lerngegenstand (Was?) und das
Lernhandeln (Wie?) (vgl. Jenert 2008, 6–12; Bräuer 2008, 2014; Hilzensauer 2008, 9). Auf der
Ebene des Lerngegenstands sollen sich die Lernenden bewusst machen, was sie bereits
gelernt haben und was noch zu tun ist, um ein individuell gesetztes oder vorgegebenes
Lernziel zu erreichen (vgl. Jenert 2008, 6–7; Hilzenauer 2008, 9). Die Ebene des
Lernhandelns umfasst die organisatorischen und situativen Elemente des Lernens. Es geht
dabei einerseits um das eigene Lernhandeln und Wissen darüber (metakognitives
Wissen) wie beispielsweise die Organisation, Methoden und Strategien des Lernens (vgl.
Hilzenauer 2008, 9). Andererseits geht es aber auch um die Vorstellungen darüber, wie
Wissen entsteht (epistemisches Wissen). Die dritte Ebene fragt danach, warum etwas
überhaupt gelernt wird. Beim Reflektieren über diese Frage sollen Studierende befähigt
werden, ihre individuellen (Lern)Ziele selbst zu definieren und sich bewusst und
selbstbestimmt für Lernaktivitäten zu entscheiden (vgl. Jenert 2008, S. 8–11).
Um den Reflexionsprozess für die Studierenden zu konkretisieren, greifen wir zusätzlich
auf das Reflexionsmodell von Gerd Bräuer zurück (vgl. Bräuer 2014, 96ff.). In den
geforderten schriftlichen Reflexionen sollen die Studierenden fünf Reflexionsebenen
abbilden. Zuerst werden die (individuellen) Lernziele erläutert. Darauf folgend werden die
einzelnen Lernhandlungen so dokumentiert, dass sie für Außenstehende nachvollziehbar
sind. Beim Analysieren und Interpretieren werden Bezüge zur eigenen Leistung
dargestellt und Konsequenzen für das eigene Handeln erklärt. Danach wird das konkrete
Lernhandeln mit Blick auf das eigene Lernziel bewertet. Dies schließt auch emotionale
Komponenten mit ein. Beim Planen werden, basierend auf den vorherigen
Reflexionsebenen, Rückschlüsse auf die Lernziele gezogen und gegebenenfalls konkrete Schritte
geplant, wie das Lernhandeln angepasst werden muss (vgl. Bräuer 2014, 96ff.).
Abb. 1 verdeutlicht die unterschiedlichen Reflexionsebenen. Eigene Darstellung nach
(Vogler</p>
          <p>Lipp und Schwarz, S. 97).
3.2</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-7-3">
          <title>Das Verständnis von Reflexionskompetenz bei der Viadrina PeerTutoring</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-7-4">
          <title>Ausbildung – praktische Hinführung</title>
          <p>Damit der Ausbau von Reflexionskompetenz gelingt und so ein zentrales Lernziel
erreicht wird, ist eine ausführliche und fundierte Einführung ins Schreiben von
Reflexionen wichtig. Zudem kann nicht davon ausgegangen werden, dass alle Studierenden mit
dieser Textgattung und den dahinterstehenden Konzepten vertraut sind. Um die
Studierenden auf das Thema vorzubereiten, wird im Seminar diskutiert, was Reflektieren ihrer
Meinung nach bedeutet und warum es wichtig ist. Danach werden die Studierenden mit
den fünf Ebenen und den dazugehörigen Leitfragen vertraut gemacht. Dann setzen sich
die Studierenden in Kleingruppen mit einer anonymisierten Beispielreflexion
auseinander und ordnen die unterschiedlichen Reflexionsebenen zu. So bleibt es nicht bei einer
passiven Rezeption der Theorie, sondern sie sind angehalten, ihr neues Wissen gleich
praktisch anzuwenden. Dies bereitet sie implizit auch auf das spätere Peer-Feedback vor
und sensibilisiert gegenüber dem Bewertungsprozess. Interessant ist, dass die
Studierenden anfänglich oft streng bei der Zuordnung der einzelnen Reflexionsebenen sind. Es
zeigt ihnen aber auch, dass Reflektieren kein unerreichbarer Stein der Weisen ist und
baut damit Ängste und Vorbehalte ab.</p>
          <p>Anschließend schreiben die Teilnehmenden bereits im Seminar eine eigene Reflexion für
die sie circa 15 Minuten Zeit haben. Um die Einführung abzurunden, wird nach dem
eigenen Erleben gefragt und was ihnen leicht bzw. schwer fiel.</p>
          <p>Im Rahmen der Ausbildung zum*r Viadrina Peer-Tutor*in findet nach der Einführung in
das Schreiben von Reflexionen auch eine ausführliche Einführung in den Umgang mit
der E-Portfolio-Plattform Mahara statt. Neben einem kurzen Überblick werden die
Studierenden innerhalb der neunzigminütigen Veranstaltung direkt selbst aktiv und legen
ihre ersten Ansichten an.
3.3</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-7-5">
          <title>Bewerten von schriftlichen Reflexionen</title>
          <p>
            Die Prüfungsaufgaben und -anforderungen sollen nach dem Konzept des Constructive
Alignement mit den Lernzielen und Lernaktivitäten korrespondieren
            <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(vgl. Schaper und
Hilkenmeier 2013, 27–28)</xref>
            . Sollen nun Kompetenzen überprüft werden, eignen sich
Prüfaufgaben bei denen „die Anwendung von Wissen, dessen Umsetzung in
Handlungszusammenhängen sowie die Beurteilung und Reflexion von realitätsnahen
Problemstellungen fordern“
            <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(Schaper und Hilkenmeier 2013, 30)</xref>
            .
          </p>
          <p>Um die Lernziele abzuprüfen und damit die Studierenden üben, ihren Lernprozess
eigenverantwortlich zu gestalten, werden bei „Wissen schaffen im Team“ , schriftliche
Reflexionen und die Präsentation des Teamprojekts als Leistungsnachweise eingefordert.
Indem die Studierenden gemeinsam ein selbstgewähltes Projekt realisieren und
Reflektieren, sind sowohl die Qualitätskriterien des praktischen Handlungszusammenhangs als
auch der realitätsnahen Problemstellung erfüllt.</p>
          <p>
            Den Studierenden liegen die Bewertungskriterien für die schriftlichen Reflexionen vor.
Dabei werden die fünf Ebenen Zieldefinition, Beschreibung, Analyse, Bewertung und
Planung jeweils für die Qualitätsstufen „ungenügend“, „ausreichend“ und „umfassend“
detailliert beschrieben (angepasst nach Bräuer und Keller 2013, 270–272).
Zu den Qualitätskriterien für kompetenzorientiertes Prüfen gehört es, dass die
Prüfungskriterien transparent gemacht werden
            <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(vgl. Schaper und Hilkenmeier 2013, 32)</xref>
            . Dies
hilft den Studierenden wenn sie die Reflexionen verfassen und konstruktives
PeerFeedback auf die Reflexion von Mitstudierenden geben. Für die Teilleistung der
Präsentation des Projekts als E-Portfolio orientieren sich die Bewertungskriterien neben
inhaltlichen Kategorien auch am webgerechten Schreiben, dem Informationsgehalt und der
Übersichtlichkeit des Präsentationsportfolios. Beim Bewerten erhalten die Studierenden
nicht nur eine Note sondern auch ein ausführliches schriftliches Feedback durch die
Lehrenden. Dieses Vorgehen soll die Studierenden dafür motivieren, sich weiterhin mit
ihrem Lernprozess reflexiv auseinanderzusetzen.
4
          </p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-8">
        <title>E-Portfolios als Prüfungsinstrumente</title>
        <p>Der folgende Absatz geht darauf ein, was E-Portfolios sind, welche Vorteile sie bieten
und warum sie sich besonders eignen, um Reflexionskompetenz auszubauen und digitale
Kompetenzen zu schulen.
4.1</p>
        <sec id="sec-3-8-1">
          <title>Vorteile von E-Portfolios</title>
          <p>E-Portfolios sind netzbasierte Sammelmappen zur Dokumentation von Lern- und
Reflexionsprozessen. Hierbei kann es sowohl um konkrete Produkte, Planungen als auch
Prozesse gehen (vgl. Arnold et al. 2013, 266–267). Gegenüber einer analogen Variante
bieten E-Portfolios eine Reihe von allgemeinen Vorteilen:
 Mit einem gut aufbereiteten E-Portfolio können gegenüber Dritten
(Mitstudierenden, Lehrenden, potentiellen Arbeitgeber*innen) eine ganze Reihe von
Kompetenzen und Fertigkeiten dargestellt werden, beispielsweise der Umgang mit Technik,
dem Schreiben in Onlinemedien und der dahinterliegenden Denk- und
Reflexionsleistung.


</p>
          <p>Die Einbindung von digitalen Inhalten und Verweisen ist einfach. Wird
beispielsweise ein spannender Podcast gehört, kann auf diesen verlinkt und beschrieben
werden, wie dieser zum Nachdenken angeregt hat. Dies ist wichtig, um bei der
Reflexion Bezüge zum eigenen Lernen herzustellen.</p>
          <p>Denken findet jederzeit und an jedem Ort statt. Passend dazu bieten E-Portfolios
die Möglichkeit, permanent und von überall aus seine Gedanken
niederzuschreiben. Bei E-Portfolios ist das problemlos möglich.</p>
          <p>Bei vielen E-Portfolio-Plattformen ist es möglich, den Lernraum nach dem
persönlichen Geschmack zu gestalten, was motivierend wirken kann. Zusätzlich wird
man durch die Formfreiheit zum experimentellen und kreativen Arbeiten
ermuntert (vgl. Bräuer 2014: 96ff., Arnold et al. 2013, 268)
4.2</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-8-2">
          <title>E-Portfolios als Prüfungsinstrument für Reflexionen</title>
          <p>E-Portfolios eignen sich besonders, um Lernziele, wie zum Beispiel Ausbau von
Reflexionskompetenz, eigenständiges Arbeiten, Produktion von Wissen sowie Geben und
Nehmen von (Peer-) Feedback zu realisieren. Studierende können ihren Lernweg
beschreiben und für andere transparent machen. Als Prüfungsinstrument bieten sie den
Vorteil, dass die Studierenden darin ihr Können und ihre Kompetenzen umfangreich und
kreativ darstellen können (Häcker 2005, S. 4). Mit E-Portfolios als Prüfungsinstrument
kann eine Brücke geschlagen werden zwischen dem Prozess und dem Produkt. Ja nach
Vorgaben der Lehrenden kann dies auf unterschiedliche Weise wie z.B. durch
Reflexionen erfolgen. Die Studierenden machen sich den Prozess ihres Arbeitens bewusst und
gegenüber den Lehrenden transparent.</p>
          <p>
            Mit E-Portfolios lassen sich das Geben und Nehmen von konstruktivem Feedback sehr
gut und auf verschiedene Arten realisieren. Feedback ist deshalb wichtig, weil es die
Wahrnehmung eines Gegenübers schildert. Zu den Qualitätskriterien von gutem
Feedback gehören u.a. die unmittelbare Rückmeldung sowie die Chance zum Überarbeiten
nach klaren Kriterien und Standards. Feedback ist wichtig, um Motivation und
Selbstbewusstsein der Lernenden zu stärken. Konstruktives Peer-Feedback kann diesen
Kriterien gerecht werden
            <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(vgl. Juwah et al. 2004, 6–14)</xref>
            . Durch das Geben und Nehmen von
Feedback entsteht zwischen den Studierenden neues Wissen, was sich unter anderem auf
fachliche Inhalte, unterschiedliche Wahrnehmungen oder die eigenen Lernprozesse
beziehen kann.
          </p>
          <p>E-Portfolios ermöglichen eine differenzierte und prozessbegleitende Rückmeldung.
Sowohl von den Lehrenden an die Studierenden als auch von den Studierenden
untereinander und von den Studierenden an die Lehrenden. So kann es, vor allem wenn die
Lehrenden die Rückmeldungen aus den Reflexionen ernst nehmen, zum Austausch über
das universitäre Lehren und Lernen kommen. Wenn Studierende in ihren Reflexionen
beschreiben, dass sie bestimmte Methoden als unpassend erlebt haben, kann der
Lehrende darauf reagieren und dies aufgreifen.</p>
          <p>
            Zusätzlich schulen die Studierenden ihre digitalen Kompetenzen, indem sie Inhalte
erstellen, digital in Gruppen arbeiten und kommunizieren
            <xref ref-type="bibr" rid="ref6">(vgl. Vuorikari et al. 2016, 8)</xref>
            .
Neues Wissen entsteht durch den Austausch der Studierenden untereinander.
PeerFeedback besitzt in diesem Kontext verschiedene Funktionen.
4.3
          </p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-8-3">
          <title>Herausforderungen beim Einsatz von E-Portfolios als Prüfungsinstrument</title>
          <p>
            Reinmann und Sippel beschreiben beim Einsatz von E-Portfolios als Prüfungsinstrument
eine Reihe von eng miteinander verwobenen Problemen. Der Einsatz von E-Portfolios
als Bewertungsform verlangt nach einer gewissen Vergleichbarkeit der Inhalte
            <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(vgl.
Reinmann und Sippel 2011, 192)</xref>
            . Dadurch nehmen Lehrende gleichzeitig einen Eingriff
in die Autonomie der Lernenden vor. Die eigenständige Auswahl und Begründung von
Produkten wird dadurch eingeschränkt. Es gilt also, im Spannungsfeld zwischen
Vergleichbarkeit und individueller Auswahl eine Balance zu finden. Am ZSFL wird dies
beispielsweise über das Formulieren von übergeordneten Kriterien (z.B. meine
wichtigste Lernerfahrung) gelöst. Alle Studierenden sollen diese strukturelle Vorgabe erfüllen
(Vergleichbarkeit), wählen aber selbst aus, was sie inhaltliche darunter einordnen
(Individualität).
Zusätzlich wird vor Over-Reflecting gewarnt. Darunter wird verstanden, dass Lernende
durch das stetige Reflektieren des eigenen Handelns beginnen, sich nur noch um sich
selbst zu drehen
            <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(vgl. Reinmann und Sippel 2011, 193)</xref>
            . Eng zusammen hängt damit das
Over-Acting. Darunter wird verstanden, dass die Lernenden in eine „blinde Sammelwut“
oder Aktionismus verfallen und unzählige Produkte erstellen und die Ebene der
Reflexion gegenüber dem Produzieren und Sammeln ins Hintertreffen gerät
            <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(vgl. Reinmann und
Sippel 2011, 192)</xref>
            . Bei beiden Aspekten liegt es aus meiner Perspektive an den
Mitstudierenden und den Lehrenden, diese Wahrnehmung zu spiegeln. Letztlich ist es in der
Autonomie der Lernenden, diese andere Prüfungsform für sich als Chance zu begreifen
und den Fokus weg von der Prüfunktion auf das selbstbestimmte Lernen zu legen.
Als weitere Schwierigkeit wird funktionales Handeln seitens der Studierenden
thematisiert. Dies meint, dass die Studierenden eigene Kriterien zurückdrängen und sich
strategisch den äußeren Erwartungen anpassen. Anstatt aus Fehlern zu lernen und diese
bewusst als Lernchance zu nutzen, würden eher positive Beispiele herangenzogen und
veröffentlicht
            <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(vgl. Reinmann und Sippel 2011, 195–196)</xref>
            . Es stellt sich die Frage, ob
dies nicht eher ein generelles Problem von Prüfungsformaten ist. Bezogen auf
EPortfolios wird diese Herausforderung wahrscheinlich als stärker unvereinbar mit dem
Anspruch von Portfolioarbeit wahrgenommen.
          </p>
          <p>Für die Arbeit mit E-Portfolios halte ich Fachkulturen für herausfordernd, für die das
Schreiben kein geübtes Instrument des kritischen Denkens ist. Hier wird eine
Prüfungsform verlangt, die vielleicht sonst im Studienverlauf nicht mehr vorkommt und die diese
Studierenden vor viel größere Hürden stellt, als Vertreter*innen anderer Fachkulturen.
Eine weitere Schwierigkeit besteht zwischen dem individuellen Abwägen, der
geforderten Offenheit und der persönlichen Integrität. Wie weit will ich mein Inneres nach außen
kehren?
Ebenfalls spezifisch für E-Portfolios werden Probleme wahrgenommen, die mit der
technischen Bedingung zusammenhängen. So stellt es, trotz einer umfangreichen
einführenden Schulung und einer Support-Infrastruktur, immer wieder einige Studierende vor
Herausforderungen, ihre E-Portfolios korrekt freizuschalten. Dies ist besonders dann
schwierig, wenn dies kurz vor Abgabe des Portfolios geschieht und von den Lehrenden
dann nicht überprüft werden kann, ob die Abgabefrist eingehalten wurde oder nicht.
5</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-9">
        <title>Fazit und Ausblick</title>
        <p>E-Portfolios eignen sich, um ein komplexes und mehrere Ebenen umfassendes
Verständnis von Reflexionskompetenz zu lehren, anzuwenden und zu prüfen. Sie dienen auch
dazu, die digitalen Kompetenzen der Studierenden zu schulen und praktisch darzustellen.
Innerhalb des Rahmens, den Studienstrukturen und Prüfungsordnungen setzen, halte ich
sie für ausgesprochen flexibel und individuell anpassbar. Sie stellen eine
Scharnierfunktion, zwischen Reflektieren üben und der notwendigen Prüfungsleistung dar. Entgegen
vielen anderen Prüfungsformen sind Studierende sehr frei in der individuellen
Ausgestaltung und können ihre vielfältigen Kompetenzen darstellen.</p>
        <p>
          Wie bei jeder Prüfungsform gibt es auch bei der Arbeit mit E-Portfolios Aspekte, die auf
die gesamte Planung der Lehrveranstaltung ausstrahlen. Als wichtigste zählen für mich,
dass bereits zu Beginn der ersten Sitzung klar sein muss, welche Artefakte erstellt
werden sollen und welche Kriterien hierfür entscheidend sind. Je nachdem welche Art von
Rückmeldung darauf gegeben werden soll, muss auch diese besprochen und eingeübt
werden. Bei Peer-Feedback sollte neben den Qualitätskriterien dafür z.B. geklärt werden,
welche Inhalte für wen freigeschaltet werden müssen. Für besonders wichtig halte ich in
diesem Zusammenhang eine ausführliche und praktische Einführung in die technische
Bedingung der entsprechenden Lernplattform. Entgegen der verbreiteten Annahme der
digital natives bereitet dies einigen Studierenden immer wieder größere Probleme
          <xref ref-type="bibr" rid="ref2">(vgl.
Persike und Friedrich 2016, 18-22)</xref>
          .
        </p>
        <p>Die Arbeit mit E-Portfolios ist zwar sowohl für Lehrende als auch Studierende
herausfordernd aber unglaublich bereichernd. Ich bin immer wieder überrascht, welche
herausragenden E-Portfolios entstehen. Innerhalb des strukturellen Rahmens von Universitäten
ist das E-Portfolio aus meiner Perspektive ein Multitalent, das viele Chancen und
Spielräume eröffnet. Genutzt werden müssen die Chancen jeweils individuell und es liegt an
uns Lehrenden hierfür einen guten Rahmen zu bieten.
6</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-10">
        <title>Literaturverzeichnis</title>
        <p>[Ar13] Arnold, P. et. al.: Handbuch E-Learning. Lehren und Lernen mit digitalen Medien. 4.
erweiterte Auflage. W. Bertelsmann Verlag, Bielefeld, 2013.
[Br14] Bräuer, G. : Das Portfolio als Reflexionsmedium für Lehrende und Studierende. 1. Auflage,</p>
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