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        <journal-title>Chemnitz, Germany, September</journal-title>
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    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>An Analysis-based Design Approach for Micro-Learning in a Company Context</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Juliane Steffen</string-name>
        </contrib>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>H. Ulrich Hoppe</string-name>
        </contrib>
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      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <volume>5</volume>
      <issue>2017</issue>
      <abstract>
        <p>This contribution describes an analysis-based requirements assessment and design approach for micro-learning in the context of a large internationally operating German company. The analysis relies on guideline-based structured expert interviews that were transcribed and processed using network-text analysis to identify potential targets and benefits of micro-learning. Network-text analysis turned out to be a suitable method and tool for the structured interpretation of these qualitative data and could be successfully employed to identify requirements and ensuing design solutions. The analysis was followed by a prototypical implementation of an application that supports learners in creating their own learning resources and planning their learning progression. As a next step, this prototype will be evaluated for usability and user acceptance in a specific application context using a walkthrough approach.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Analysegestützte Konzeption des Einsatzes von Micro</title>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Learning im betrieblichen Kontext</title>
      <p>1</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Grundlagen der Bedarfserhebung</title>
        <p>Micro-Learning bezeichnet im allgemeinen das Lernen mit kleinen Lernressourcen
(Microcontent) [Hu10] und bietet als neues Lernkonzept das Potenzial, das Lernen am
Arbeitsplatz zu verändern (vgl. [Ba14]). In der Literatur lassen sich unterschiedliche
Definitionsansätze finden, die verdeutlichen, anhand welcher Dimensionen sich das Konzept
Micro-Learning konkretisieren lässt. Diese Dimensionen können sich hierbei auf den
zeitlichen und inhaltlichen Umfang, die Form und Informationsaufbereitung, die Umstände
des Lernprozesses sowie individuelle Lernvoraussetzungen beziehen [Hu06]. Das
Konzept des Lernens mit Lerneinheiten auf Microebene wird auch von Zietz et al. als
Lösungsansatz zur Verknüpfung von Lernprozessen mit Wissens- und Geschäftsprozessen
angeführt, um betriebliches Lernen bedarfsgerechter zu gestalten [Zi10].</p>
        <p>Dieser Beitrag beschreibt eine explorative Situationsanalyse, die durchgeführt wurde, um
mögliche Einsatzpotenziale von Micro-Learning für ein ausgewähltes
Anwendungsszenario zu identifizieren und daraus Anforderungen für den spezifischen Einsatz von
MicroLearning abzuleiten. Hierbei wurde die Webapplikation „Analytics Workbench“3 als Tool
zur Datenauswertung genutzt und so Methoden der qualitativen Forschung mit der
automatischen Textanalyse kombiniert. Als Forschungsfeld dient ein in NRW ansässiges
Großunternehmen, das zu den weltweit führenden Anbietern von Qualitätsflachstahl zählt.
Das Unternehmen stellt E-Learning-Lösungen für ca. 155.000 Mitarbeiter (Stand 2016)
konzernweit zur Verfügung. Als konkreter Anwendungsfall wurde das Thema
Nachunternehmermanagement (d.h. Regeln zum Umgang mit Fremdfirmenpersonal) ausgewählt, da
hierbei die Herausforderung besteht, unterschiedliche Zielgruppen im Rahmen von
Sensibilisierungsmaßnahmen mit bedarfsgerechten Lernmaterialien zu erreichen.
Die Situationsanalyse erfolgt durch eine Kombination von Methoden aus dem User
Centered Design zur Erfassung qualitativer Daten und einer Netzwerk-Textanalyse, welche
zur Auswertung dieser Daten genutzt wird. Zur Erfassung von Nutzerbedürfnissen und
Rahmenbedingungen wurden Experteninterviews mit Lehrverantwortlichen sowie
Lernern geführt, um beide Perspektiven bei der Situationsanalyse zu berücksichtigen. Die
Erhebung der qualitativen Daten erfolgte im Rahmen von leitfadengestützten Interviews. Die
Themenschwerpunkte der Interviewleitfäden wurden auf Basis der von Engeström [En87]
geprägten Aktivitätstheorie entwickelt und fokussierten neben den Aspekten Mensch,
Technik und das Lernen selbst ebenfalls die Rahmenbedingungen (Regeln), das soziale
Arbeitsumfeld (Gemeinschaft) sowie die Zusammenarbeit (Aufgabenverteilung). Als
Experten wurden drei Personen befragt, die der Gruppe der Lehrverantwortlichen angehören;
darunter ein Experte für das Thema Nachunternehmermanagement, ein Experte für den
technischen und didaktischen Einsatz von E-Learning sowie ein Change Manager. Die
Auswahl der genannten Experten umfasste somit neben dem fachlichen Schwerpunkt
Nachunternehmermanagement auch eine technisch-didaktische sowie eine strategische
Perspektive. Ein zweiter Fokus lag auf der Gruppe der Lerner. Für die Erfassung dieser
Perspektive wurden zwei Lerner interviewt, die überwiegend Tätigkeiten an
Bildschirmarbeitsplätzen nachgehen und aufgrund ihrer Arbeit im Unternehmen detaillierte
Kenntnisse über die Bedürfnisse unterschiedlicher Zielgruppen innerhalb des Unternehmens
haben. Die Interviewleitfäden wurden an die jeweiligen Experten angepasst, um einen
größtmöglichen Einblick in die einzelnen Sichtweisen zu erhalten.
2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Datenauswertung mittels der Netzwerk-Textanalyse</title>
        <p>Die Netzwerk-Textanalyse ist ein computergestütztes Auswertungsverfahren, dass die
automatische Verarbeitung großer Datenmengen erlaubt (vgl. [CP92], [Pa11], [Po03]). Im
Rahmen der Auswertung wird diese Methode genutzt, um explorativ erhobene Daten
strukturiert zu betrachten und so Einsatzpotenziale von Micro-Learning im
Anwendungskontext zu identifizieren. Die Netzwerk-Textanalyse bietet ebenfalls die
Möglichkeit eines Vergleichs der zwei unterschiedlichen Perspektiven (Lehrverantwortliche und
Lerner). Die Transkripte der Interviews wurden für die Weiterverarbeitung vorbereitet,
3 Entwickelt durch die Collide Gruppe der Universität Duisburg-Essen. Link: https://workbench2.collide.info/,
aufgerufen am 16.06.2017
indem einzelne Textabschnitte den zuvor definierten inhaltlichen Schwerpunkten
zugeordnet wurden. Diese Zuordnung ermöglicht eine differenziertere Darstellung der Inhalte
innerhalb der Graphen. Die Extraktion relevanter Konzepte erfolgt über einen
codebuchbasierten Ansatz. Bei diesem Verfahren werden alle relevanten Terme aus den zu
analysierenden Texten zunächst wörtlich extrahiert und auf ein entsprechendes Konzept
abgebildet. Diese Konzepte wurden während der Erstellung des Codebuchs folgenden elf
Kategorien zugeordnet, die in mehreren Iterationen durch die Kategorisierung der
relevanten Terme entstanden sind:










</p>
        <p>Die Erstellung eines Codebuchs ist mit einem relativ hohen Aufwand verbunden, bietet
jedoch den Vorteil, semantisch äquivalente Terme zu berücksichtigen und so eine
präzisere Abbildung der Konzepte zu ermöglichen.</p>
        <p>Die Auswertung der transkribierten Interviews erfolgt durch die Webapplikation
„Analytics Workbench“ [Gö13], die eine netzbasierte Textanalyse ermöglicht. Die Analytics
Workbench ist ein Tool, das die visuelle Modellierung von Workflows über eine
Weboberfläche ermöglicht. Ein Workflow ist eine Abfolge von unterschiedlichen
Prozessschritten im Rahmen der Netzwerk-Textanalyse. Je nach Ziel der Analyse können
unterschiedliche In- und Output-Formate verwendet bzw. generiert werden.</p>
        <p>Im Folgenden wird jener Workflow vorgestellt, der als Basis zur Ableitung von
Nutzungsanforderungen dient. Abbildung 1 zeigt die einzelnen Prozessschritte der
Textverarbeitung. Als Input dienen drei Dateien; jeweils ein Textinput je Perspektive sowie das globale
Codebuch (Abb. 1). Mit der Modellierung dieses Workflows werden zwei Ziele verfolgt:</p>
        <p>Abb. 1: Workflow Codebook-based Network Extraction and Comparison
Abbildung 2 zeigt einen Ausschnitt des beispielhaften Outputs zum inhaltlichen
Schwerpunkt Motivation. Konzepte (Knoten) und Relationen (Kanten) der Perspektive
Programmverantwortliche sind in blauer Farbe ( ) dargestellt. Die Farbe Orange ( ) steht
für die Perspektive der Lerner. Grün ( ) steht für das Vorkommen in beiden
Perspektiven. Anhand der netzbasierten Darstellung erhält man einen grundlegenden Überblick
über die zentralen Konzepte des jeweiligen Textes. Zyklen (geschlossene Pfade) innerhalb
eines Workflows wird hierbei eine zentrale Bedeutung beigemessen, da sich anhand dieser
Darstellung erkennen lässt, welche Konzepte miteinander in Verbindung stehen (Bsp.:
{Problem, Aufgabe, besser_bewaeltigen}). Auch sogenannte Cut Vertices (Schnittpunkte)
können auf zentrale Konzepte verweisen, da sie innerhalb der Graphen zentrale
Verbindungsknoten darstellen. Diese Knoten fallen insbesondere auf, wenn es innerhalb der
Perspektiven unterschiedliche Nachbarknoten zu einem zentralen Konzept gibt (Bsp.:
Motivation).</p>
        <p>Am Beispiel des Umfelds Motivation und Interesse lässt sich erkennen, dass bei der
Perspektive der Lehrverantwortlichen Konzepte auftreten, die einem organisatorischen
Gesamtblick auf das betriebliche Lernen zuzuordnen sind (Bsp.: {Mitarbeiter, Kenntnisse},
{Beteiligung}, {Lernende, Unterschiede}). In Perspektive der Lerner lassen sich hingegen
Konzepte erkennen, die Aufschluss über konkrete Interaktionen und Artefakte geben
(Bsp.: {Thema, Kollege, austauschen}, {lernen, YouTube, Video}).</p>
        <p>Abb. 2: Output des Graphen Motivation (inhaltlicher Schwerpunkt)
Die Netzwerk-Textanalyse mittels der Analytics Workbench hat sich als geeignete
Methode zur Auswertung qualitativer Daten gezeigt, da sie den Vorteil bietet, große
Datenmengen zu strukturieren. Weiterhin dient sie dazu, Verbindungen zwischen Konzepten im
Text aufzuzeigen, die möglicherweise im Lesefluss unentdeckt bleiben würden (vgl.
[CP92]). Die generierten Graphen wurden dazu genutzt, Auffälligkeiten visuell zu
identifizieren, um sie in einem weiteren Schritt auf inhaltlicher Ebene näher zu betrachten.
3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Umsetzung der Nutzungsanforderungen</title>
        <p>Durch das Aufzeigen von Auffälligkeiten mittels der Netzwerk-Textanalyse und der
ergänzenden Analyse auf inhaltlicher Ebene konnte eine strukturierte Betrachtung der
qualitativen Daten erfolgen. Hierbei ließen sich für jeden der zuvor inhaltlich definierten
Schwerpunkte Bedürfnisse und Erwartungen von Lehrverantwortlichen und Lernern
erkennen, die dazu dienten, Nutzungsanforderungen für eine Gestaltungslösung abzuleiten.
Als Resultat wird prototypisch ein System abgebildet, das den Einsatz von
Micro-Learning im Kontext des betrieblichen Lernens unterstützen soll. Im Rahmen der Analysen
wurden persönliche Lernressourcen zur Dokumentation des eigenen Wissenserwerbs oftmals
in Zusammenhang mit dem Teilen von Wissen oder dem persönlichen Bezug zum
Arbeitsalltag genannt. Sowohl Lehrverantwortliche als auch Lerner befürworteten den
Einsatz modularer und bedarfsgerechter Lernressourcen. Tabelle 1 gibt einen Überblick über
die identifizierten Anforderungen an die Gestaltungslösung.</p>
        <p>Nr.</p>
        <p>Anforderung
A1
A2
A3
A4
A5
A6
A7
A8
A9
A10
A11
A12</p>
        <p>Das System sollte Nutzer darin unterstützen, ihre persönlichen
Arbeitsaufgaben besser bewältigen zu können und ihnen bei der Entwicklung von
Problemlösestrategien helfen.</p>
        <sec id="sec-2-3-1">
          <title>Unterstützung der Dokumentation eigener Lernerfahrungen.</title>
          <p>Unterschiedliche Nutzergruppen müssen berücksichtigt werden und können
durch den Problembezug zum persönlichen Arbeitsalltag erreicht werden.
Nutzung des Systems als Nachschlagewerk. Bereitstellung und Auffindbarkeit
von Ressourcen auf Microebene.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-2">
          <title>Möglichkeit zum Austausch mit Kollegen.</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-3">
          <title>Teilen persönlicher Lernerfahrungen mit Kollegen.</title>
          <p>Unterstützung der Nutzer bei der Organisation von Lernressourcen
unterschiedlicher Art.</p>
          <p>Das System soll Nutzern Möglichkeiten bereitstellen, Feedback zu
hinterlassen.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-4">
          <title>Ortsunabhängiger Zugriff auf Lernressourcen.</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-5">
          <title>Zeitliche Flexibilität bei der Nutzung von Lernressourcen.</title>
          <p>Anbindung an eine Community (Möglichkeiten zum Austausch und zum
Teilen von Lerninhalten)
Nicht-technikaffine Nutzer müssen bei der Konzeption der Gestaltungslösung
berücksichtigt werden.</p>
          <p>Tab 1: Identifizierte Anforderungen an die Gestaltungslösung
Als Gestaltungslösung ist ein klickbarer Prototyp entstanden, der Lerner hinsichtlich
zweier Aspekte unterstützen soll. Zum einen können Lerner selbst Lernressourcen auf
Microebene hinzufügen, indem die Gestaltungslösung das Einpflegen unterschiedlichster
Ressourcenarten ermöglicht. Hierbei werden Lerner dazu angeleitet, neben der Art der
Ressource formularbasiert Metainformationen zu jeder Ressource hinzuzufügen. Diese
Hilfestellung zur Dokumentation vereinfacht die Verwaltung der Ressourcen und kann
Lerner dazu anleiten, den Problembezug zum persönlichen Arbeitsalltag herzustellen,
indem sie für sich passende Artefakte auswählen.</p>
          <p>Abb. 3: Prototyp Lernziel planen
Zum anderen bietet der klickbare Prototyp Lernern die Möglichkeit, einen eigenen
Lernprozess zu planen (Abb. 3). Hierbei wird der Lerner zunächst dazu angeleitet, ein Ziel zu
formulieren. Anschließend soll der Lernprozess in einzelnen Schritten geplant werden.
Für jeden Schritt lässt sich eine Lernressource hinzufügen, die in Abhängigkeit der
jeweiligen Kategorie angezeigt wird.
4</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>Ausblick</title>
        <p>Die Ergebnisse der Analysen sind maßgeblich in die Entwicklung des Prototypen
eingeflossen. Dieser wiederum dient als Vorbild für eine Systemlösung, die Lernende im
betrieblichen Kontext bei der Strukturierung und Organisation von Lernressourcen auf
Microebene unterstützen soll. In einem nächsten Schritt soll eine Evaluation mittels der
Cognitive-Walkthrough-Methode [Po92] im Anwendungskontext stattfinden, um
Aufschluss über die Usability sowie über mögliche Diskrepanzen bezogen auf die
Nutzererwartungen zu erhalten. Die ausgewählte Methode erlaubt bereits in einer frühen Phase der
Entwicklung eine Evaluation konkreter Handlungsabläufe sowie der Erlernbarkeit eines
Systems auf der Basis vorstrukturierter Aufgaben.
5</p>
        <p>Literaturverzeichnis
[Ba14]
[CP92]
[En87]
[Gö13]
[Hu06]
[Hu10]
[Pa11]
[Po03]
[Po92]
[Zi10]</p>
        <p>Baumgartner, P.: Lernen in Häppchen - Microlearning als Instrument der
Personalentwicklung. In Zeitschrift für Human Resources, S. 20–22, 2014.</p>
      </sec>
    </sec>
  </body>
  <back>
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