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      <title-group>
        <article-title>Mehr oder weniger CIO</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Überblick zu CIO-Formen an deutschen Hochschulen</string-name>
        </contrib>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2017</year>
      </pub-date>
      <fpage>3</fpage>
      <lpage>13</lpage>
      <abstract>
        <p>For almost 20 years, there have been committees and individuals who use the term "Chief Information Officer" (CIO for short) to describe their tasks at German universities. Ultimately, it is not the naming of the role or function that is decisive, but the assumption of the task and responsibility as the "general officer responsible for information and communication", as formulated by the German Research Foundation (DFG) in its recommendations in 2001. This paper examines whether one of the models was implemented as a dominant CIO form. For this purpose, the changes between the CIO models and the development at 95 higher education institutions (HEIs) are put into an overall view. In summary can be observed: The four models proposed by the DFG in 2010 are almost equally common. The majority of students in Germany study at a university which has established a CIO form. CIO structures are in place at almost a quarter of all universities. This CIO community is currently still slowly growing.</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>CIO</kwd>
        <kwd>CIO-Modelle</kwd>
        <kwd>DFG</kwd>
        <kwd>IT-Governance</kwd>
        <kwd>Deutsche Hochschulen und Universitäten</kwd>
      </kwd-group>
    </article-meta>
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  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>Einleitung</title>
      <p>Die „Kommission für Rechenanlagen“ hat als Gremium der Deutschen
ForschungsGemeinschaft (DFG) in den Empfehlungen von 2001 [DFG01, Seite 6] die Einführung
eines CIOs mit den Worten empfohlen:
„Aufgrund der Relevanz der Informationsverarbeitung für alle Bereiche der Hochschule
wird empfohlen, einen Generalverantwortlichen für Information und Kommunikation
(CIO, Chief Information Officer) in der Hochschulleitung oder ein geeignetes
Leitungsgremium mit entsprechenden Entscheidungskompetenzen mit der Entwicklung
und Koordinierung aller IuK-Aufgaben zu betrauen.“
In den Empfehlungen der DFG von 2006 wird im Kontext der integrierten
Informationsversorgung zusätzlich auf die Notwendigkeit zur stärkeren Zusammenarbeit
bisher organisatorisch getrennter Bereiche (bspw. Rechenzentren. Medienzentren,
Bibliotheken, …) hingewiesen. Die Steuerung durch Weisungsbefugnis des CIO wird als
Alternative zur Zusammenlegung dieser Strukturen genannt [DFG06, Seite 5].
Die DFG-Empfehlungen des Jahres 2010 [DFG10, Seite 10] und des Jahres 2016 [DFG16,
Seite 10] kategorisieren die bis dato beobachteten CIO-Modelle als:
1) Strategischer CIO mit Leitungsfunktion
2) Strategischer CIO mit Stabsfunktion
3) Operativer CIO mit direkter Verantwortung für die zentrale IT Versorgung
4) Kollektiver CIO als kleine entscheidungsbefugte Gruppe im Kontrast zu großen
beratenden Senatskommissionen
In den Empfehlungen der DFG vom Jahr 2016 [DFG16] entfiel die Verankerung der
Richtlinienkompetenz beim CIO wieder. Es wurde stattdessen auf eine strategische
Planungsrolle verwiesen: „Als wichtig wird eine strategische und koordinierende Planung
erachtet, die eng angebunden zur Hochschulleitung erfolgt, um eine strategische
ITEntwicklung mit der Hochschulstrategie abzustimmen und in der Hochschule umsetzen
zu können.“
Bereits in den CIO-Studien 2014 [WL14] und folgende [HB15, HB16], sowie bei Wimmer
[Wi17] wird Stellung dazu genommen, dass die Hochschulen noch kein CIO-Modell
bevorzugen und den Empfehlungen der DFG nur in geringem Maße folgen.
Diese zwei Aussagen sollen im Kontext aller vorliegenden Daten neu bewertet werden.
Als Ergebnis entsteht eine Übersicht aller bekannten CIO-Formen in ihrem zeitlichen
Kontext.</p>
      <p>Mehr oder weniger CIO 5
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Methode</title>
      <p>Einbezogen wurden die Daten der CIO-Studien 2014 (28 strukturierte Interviews
[WL14]), sowie 2015-2017 (39 [HB15], 44 [HB16] bzw. 32 [HB18] Web-Fragebögen).
Bei den Web-Umfragen wurde immer die Gesamtheit aller knapp 400 Hochschulen
[HRK17, SBA18] adressiert. Verwaltungsfachhochschulen wurden in den Studien nicht
einbezogen. Zusätzlich wurden vor jeder Studie systematische Recherchen zu passenden
Begriffen (z.B. Chief Information Officer, CIO, Chief Digital Officer, CDO, Strategie,
Entwicklungsplan, Versorgungskonzept, Governance, Gremium, Senatsausschuss,
ITBeirat usw.) auf den Webseiten der Hochschulen durchgeführt.</p>
      <p>An allen vier Studien haben nur wenige Hochschulen kontinuierlich teilgenommen.
Anders formuliert: Die Auswertung aller Daten konsolidiert die Angaben von mehr als
120 verschiedenen Hochschulen, an denen zum Teil bisher keine CIO-Form etabliert ist.
Erfasst wurde in allen Studien, seit wann welche CIO-Form gewählt wurde. In einigen
Fällen erfolgte für die Laufzeiten der CIO-Form eine direkte Klärung mit Repräsentanten
der Hochschulen. Mehrere Formen können aneinander anschließen. Lücken, die länger als
ein Jahr anhalten, sind vermerkt. Die CIO-Formen wurden Modellen zugeordnet, welche
in Anlehnung an die Empfehlungen der DFG [DFG10] definiert wurden. Da zum Teil
(siehe [HB16, HB17]) extreme Mischformen der primären Tätigkeit der Rolleninhaber
vorliegen, wurden Personen mit mehr als zwei Rollen zusätzlich zur CIO-Rolle als „Mix“
in einer Kategorie zusammengefasst. Eine typische Variante ist hier die Kombination aus
Lehrstuhl (professorales Modell), Leitung des zentralen Rechenzentrums
(Abteilungsleitung) und der CIO-Rolle in einer Person. Der von der DFG vorgeschlagene
„Strategische CIO mit Stabsfunktion“ wurde im Modell nach professoraler Tätigkeit oder
Stabsfunktion im Hauptamt unterschieden. Zusätzlich ist der Chief Digital Officer (CDO)
als neues Modell aufgenommen worden.</p>
      <p>Die in der Tab. 1 genannten Häufigkeiten beziehen sich auf jeweils eine Periode einer
etablierten Form. Weitere vier Hochschulen haben nach dem Ende einer Amtszeit die
Rolle bislang nicht wieder besetzt. Solange keine neue Form bekannt ist, gelten diese als
„beendet“. Insgesamt sind 108 Datensätze von insgesamt 95 Hochschulen in der
Auswertung berücksichtigt. In einem Fall ist ein CIO gleichzeitig für sieben kleinere
Hochschulen zuständig. Bei sechs Datensätzen ist eine zeitliche Einordnung nicht möglich
gewesen.</p>
      <p>Insgesamt wurden 23 Wechsel von CIO-Formen an 19 Hochschulen registriert (vgl. Tab.
2). Damit sind die etablierten Formen an 76 von 95 Hochschulen (ggf. bis zu ihrer
Abschaffung) konstant geblieben. Abbildung 1 zeigt alle 83 (= 95 - 6 mitbetreute - 6
zeitlich unklare) Datensätze.
∑
26
22
21
19
8
2</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Klassifikation</title>
        <p>Abt.Ltg (alias
operativer CIO)</p>
        <sec id="sec-2-1-1">
          <title>Gremium (alias</title>
          <p>Kollektiver CIO)
professoral (Teil
von „Strategischer
CIO mit
Stabsfunktion“)
präsidial (alias
„Strategischer
CIO mit
Leitungsfunktion“)
Stab (Teil von
„Strategischer
CIO mit
Stabsfunktion“)
CDO
10</p>
          <p>Mix</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Definition / Erläuterung</title>
        <p>Der CIO ist gleichzeitig der Leiter einer zentralen Einheit
(z.B. des Rechenzentrums, selten auch der Bibliothek oder
einer Verwaltungseinheit).</p>
        <p>Ein Gremium fungiert als CIO. Oftmals obliegt die
Außenvertretung dann dem Vorsitz des Gremiums.
Wichtig: Ein höchstes IT-bezogenes Gremium zu besitzen
ist nicht automatisch mit der Übertragung der CIO-Rolle
an das Gremium verbunden.</p>
        <p>Der CIO hat einen Lehrstuhl und ist damit direkt in
Forschung und Lehre eingebunden. Die CIO Aufgabe
kann dabei entweder als Stabsfunktion oder anders
übertragen sein.</p>
        <p>Mitglieder des Präsidiums werden, obwohl sie ggf.
ebenfalls professoral besetzt sind, nicht hier zugeordnet.
Ein haupt- oder nebenamtliches Mitglied des Präsidiums
(bzw. Rektorates) ist mit der CIO-Rolle betraut und damit
direkt entscheidungswirksam ins Präsidium eingebunden.
Eine rein informative Einbindung ins Präsidium ohne
Stimmrecht würde nicht hier zugeordnet.</p>
        <sec id="sec-2-2-1">
          <title>Eine Person (die nicht professoral in Forschung und Lehre eingebunden ist und keine Leitungsfunktion einer zentralen Einheit besitzt) bekleidet die CIO-Funktion.</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-2-2">
          <title>Der Chief Digital Officer als „Nachfolgemodell“ ist in der Wirtschaft im Vormarsch – die Besetzung dieser Funktion wird aktuell an Hochschulen noch ausschließlich professoral gestaltet.</title>
          <p>Mehr als zwei der o.g. Modelle kommen als Kombination
vor. So wird z.B. ein Lehrstuhlinhaber mit
Leitungsverantwortung für das Rechenzentrum hier
zugeordnet. Die Einordnung in Weisungsbefugnisse ist
dafür unerheblich.</p>
          <p>Ein Wechsel der Struktur wurde in drei Fällen dadurch ausgelöst, dass die Person, die als
CIO fungierte, ein präsidiales Amt übernahm oder abgab bzw. die Leitung von zentralen
Abteilungen neu geordnet wurde. Die mit der neuen Rolle verbundene Veränderung der
Kompetenzen wurde z.B. von den Teilnehmern der Interviews als essentiell für die
CIORolle gesehen, so dass in dieser Auswertung diese Wechsel sichtbar gemacht wurden.
Wechsel von Besetzungen der Gremien, die Zusammensetzung von Gremien oder die
Amtsweitergaben innerhalb der gleichen CIO-Form bleiben dagegen unsichtbar, da in
diesen Fällen kein Wechsel der handlungsermöglichenden Kompetenzen vorliegt.
3</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Vollständigkeit</title>
      <p>Die seit 2014 durchgeführten CIO-Studien haben jeweils eine Reihe von CIO-Formen
aufgezeigt. Tab. 3 zeigt die jeweilige Teilnahme an den CIO-Studien nach Jahren
aufgeschlüsselt. Gleichzeitig ist der beobachte Aufwuchs der somit bekannten Datensätze
dargestellt. Da im Jahr 2015 von den 23 CIO-Formen bereits zehn aus dem Jahr 2014
bekannt waren, kamen nur 13 neue hinzu. Im Jahr 2016 wurden sechs und im Jahr 2017
zehn weitere Hochschulen mit CIO-Formen bekannt.</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Studienjahr /</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Quelle</title>
        <p>Es gibt zusätzlich Hochschulen mit CIO-Formen, die in den vergangenen vier Jahren nicht
an den Studien teilgenommen haben. Durch Web-Recherchen, die den Studien jeweils
voran gingen, wurden weitere 26 Hochschulen mit CIO-Formen mit Angaben zur Laufzeit
dokumentiert. Hochschulen, welche die Existenz und Laufzeit der CIO-Form nicht auf
Ihren Webseiten dokumentieren und an denen der CIO nach außen (z.B. auf bundesweiten
Veranstaltungen oder in Landesgremien) nicht aktiv sichtbar wurden, fehlen hiermit in der
erstellten Übersicht.</p>
        <p>Die Untersuchung der CIO-Strukturen umfasst keine „klassischen“ Vizepräsidenten oder
Prorektoren, welche in den letzten Jahren die Steuerung der Digitalisierung – so wie CIOs
auch – als ihre Hauptaufgabe ansehen und dies z.T. auch im Titel tragen. In einer initialen
Webrecherche wurden 18 dementsprechend benannter Ämter identifiziert. Deren
Amtszeiten und zeitliche Einordnung in die CIO-Studien wurde bisher nicht
vorgenommen, sollte aber im Rahmen der Fortsetzung der CIO-Studie adressiert werden.
Bisher ist dabei zu beobachten, dass diese Institutionen keinen zusätzlich ausgewiesenen
CIO besitzen.
4</p>
        <p>Überblick der CIO Formen
Die an der TU München etablierte CIO-Form von 2001 [Bo02] wird oft als „erster CIO“
an deutschen Hochschulen bezeichnet. Zwei andere Hochschulen unterbieten scheinbar
dieses Datum. Allerdings beziehen sich diese auf einen früheren Start für die Übernahme
der Funktion (Gesamtverantwortung und strategische Planung), obgleich die Struktur
1996 bzw. 1999 noch nicht als CIO bezeichnet wurde. Erst im Nachhinein wurde die
seitdem geleistete Arbeit und Verantwortung als gleichwertig eingestuft. Diese
„Unschärfe“ ist sicherlich ein Kritikpunkt bei der Bewertung der Ergebnisse, da sich die
Statistik auf die subjektiven der gelebten CIO-Strukturen in den Institutionen unabhängig
von der offiziellen Rollenbezeichnung beruft.
Abbildung 1: Entwicklung der CIO-Formen an den deutschen Hochschulen. Die Farbbalken in der
unteren Hälfte zeigen jeweils die Abfolge von einem oder mehreren CIO-Formen der gleichen
Institution. Die Summen pro CIO-Modell sind für die jeweiligen Jahre im oberen Teil
zusammengetragen. Die bisher nicht wieder neu aufgelegten CIO-Formen an insgesamt vier Hochschulen sind
zusätzlich als „beendet“ abgetragen.</p>
        <p>Die Übersicht zeigt primär, dass keines der oben kategorisierten Modelle dominant
hervortritt. Vielmehr sind die Spitzenreiter Gremien (~25%), Abteilungsleiter,
professorale Stabsfunktion und präsidiale Leitung in jeweils rund 20% der Formen
vertreten. Mischformen mit rund 10% und nicht-professorale Stabsfunktionen (7%) sind
dagegen selten. Die CDOs treten mit 2% gerade erst auf den Plan.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Hochschul-Typ</title>
        <p>Universität
Fachhochschulen
Kunst- und Musikhochschulen
Summe
Auffallend ist, dass die DFG-Empfehlungen erst ab einer mittleren Größe der
Hochschulen gut angenommen werden. Der Median der Größe der Hochschulen liegt nach
HRK Statistik bei rund 2600 Studierenden. Von den 200 kleineren Hochschulen (&lt;2600
Studierende) haben 16 Hochschulen einen CIO (9 + ein CIO für sieben Kunst- und
Musikhochschulen). Die anderen 85 CIO-Formen (=95-10) sind an Hochschulen oberhalb
des Medians umgesetzt. Dementsprechend ist hier die Rate der Umsetzung bei über 40%
der Institutionen. Insgesamt studieren mehr als 50% der Studierenden in Deutschland an
einer Hochschule mit einer CIO-Struktur.
5</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Ausblick</title>
      <p>Es ist geplant, die CIO-Studien in den kommenden Jahren konstant mit nur geringen
Veränderungen weiter zu führen. Damit wird grundsätzlich eine Vergleichbarkeit über
mehrere Jahre ermöglicht. Neue Entwicklungen wie das CDO-Modell werden zusätzlich
aufgegriffen.</p>
      <p>Diese erste Analyse über mehrere Jahre zeigt allerdings, dass die Vielfalt der Hochschulen
und ihrer CIO-Formen nur bedingt qualitative Aussagen ermöglichen. Zusätzliche
Interviews mit den vier Hochschulen, welche über einen längeren Zeitraum keinen neuen
CIO benannt haben, könnten mit Aussagen zu den spezifischen Gründen zu
vergleichenden Fallstudien führen.</p>
      <p>Eine statistische Analyse der Daten über mehrere Jahre steht aus, verspricht aber weitere
Erkenntnisse für die Entwicklung der Formen an den deutschen Hochschulen. Welche
CIO-Modelle eine besonders effektive Umsetzung erlauben, bleibt bislang eine offene
Frage.
6</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Zusammenfassung</title>
      <p>Die Einführung von Steuerungsstrukturen und der von der DFG 2001 empfohlenen
Gesamtverantwortung für Information und Kommunikation in Form eines CIO hat
inzwischen die Versorgung von mehr als der Hälfte der Studierenden erreicht. Knapp ein
Viertel aller Hochschulen besitzt oder besaß eine organisatorische Struktur, die
entsprechende Aufgaben an eine Rolle bindet. Die Entwicklungen der letzten 20 Jahre
zeigen, dass es eher mehr als weniger CIOs an den deutschen Hochschulen gibt.
Die gewählten CIO-Formen sind heterogen und keines der Modelle dominiert. Zudem ist
kein klares Muster bei den Veränderungen erkennbar. Die Formen lassen sich zu knapp
90% den von der DFG in 2010 definierte Kategorien zuordnen. Nur wenige extreme
Mischformen von Rollen passen nicht ins Raster. Formal entsprechen damit die
realisierten CIO-Formen den Empfehlungen der DFG. Vorangegangene Auswertungen
der Studien [WL14, HB15, HB16, HB17, HB18] zeigen allerdings, dass die ebenfalls 2006
von der DFG empfohlene Verantwortung (strategische Entscheidungsbefugnis und ggf.
Weisungsbefugnis über mehrere zentrale Einheiten) nicht umgesetzt wurde.
Die aktuell gültigen Empfehlungen der DFG [DFG16] sprechen nicht mehr von einer
expliziten Verantwortlichkeit des CIO, sondern verweisen auf die IT-Governance, welche
die Verantwortlichkeiten zu regeln habe. Der Satz in der vorangegangenen Empfehlung
[DFG10] „Die bisherigen Erfahrungen an den Hochschulen lehren, dass im Wesentlichen
dort, wo der CIO mit entsprechenden Rechten ausgestattet ist, die Reorganisation am
besten voranschreitet und inzwischen große Synergieeffekte zu konstatieren sind.“ ist in
den aktuellen Empfehlungen gestrichen. Gleiches gilt für die noch 2010 empfohlene
„unmittelbare Richtlinien- und Entscheidungskompetenz“. Weiterhin liegt nach beiden
Empfehlungen die Gesamtverantwortung ohnehin bei der Leitung der Hochschule.
Formal sind die organisatorischen Strukturen etabliert, obwohl sie noch nicht mit dem von
der DFG empfohlenen Rollenverständnis gelebt werden. Die umgesetzten CIO-Formen
entsprechen somit mehr oder weniger der intendierten CIO Empfehlung.
Für die Entwicklung der Hochschulen bleibt somit weiter zu beobachten, ob sich
diejenigen, bei denen die Gesamtverantwortung für die übergreifende Gestaltung der
Prozesse gebündelt wird, tatsächlich in Zukunft der Digitalisierung und den
Anforderungen der Gesellschaft besser stellen können. Die Ergebnisse vom Stifterverband
[SV16, Seite 11] zeigten, dass 2016 erst an 44% der Hochschulen „Zielbildungs-prozesse“
für die Digitalisierung vorhanden waren. Auch Hechler und Pasternack [HP17, Seite
88/89] sehen ein eklatantes Missverhältnis zwischen dem Anspruch der Hochschulen und
realistischen Plänen in Bezug auf die Digitalisierung. Wie die Übernahme der
Verantwortung für die Digitalisierung in Form eines CIOs sinnvoll gestaltet werden kann,
müssen die Hochschulen erst noch zeigen. Möglicherweise ist die in [He17, Seite 1768]
vorgeschlagene Agenda dafür eine Option.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Danksagung</title>
      <p>Der Autor bedankt sich bei Prof. Dr. Andreas Breiter und seinem Team der Universität
Bremen für die jahrelange Kooperation und Hilfe bei der Durchführung der CIO- und
ITGovernance-Studien. Ebenfalls bedankt er sich bei den vier anonymen Gutachtern, welche
entscheidend durch Fragen, Anregungen und Hinweise zur Verbesserung des Papiers
beigetragen haben. Nicht zuletzt sei allen Teilnehmern der Studien für Ihre Zeit, Sorgfalt
und die Bereitschaft gedankt, Daten für die Gemeinschaft der Hochschulen und die
Wissenschaft bereitzustellen.
8</p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
      <p>[Bo02]
[DFG01]
[DFG10]</p>
      <p>Bode, A.: Universität im Wandel: Die Rolle des CIO bei der Erneuerung der Prozesse.
Information Consulting &amp; Management. 17, 43–47, 2002.</p>
      <p>Mönkediek, J.; Arends, P.: Informationsverarbeitung an Hochschulen – Organisation,
Dienste und Systeme, Empfehlungen der Kommission für Rechenanlagen für 2001–
2005, Deutsche Forschungsgemeinschaft, 2001.
[DFG06] Joachim Mönkediek, Peter Arends: Informationsverarbeitung an Hochschulen –
Organisation, Dienste und Systeme, Empfehlungen der Kommission für Rechenanlagen
für 2006–2010, Deutsche Forschungsgemeinschaft 2006.</p>
      <p>Werner Bröcker, Frank König: Informationsverarbeitung an Hochschulen –
Organisation, Dienste und Systeme, Empfehlungen der Kommission für IT-Infrastruktur
für 2011–2015, Deutsche Forschungsgemeinschaft 2010.
[HB15]
[HB16]
[HB17]
[HB18]
von der Heyde, M.; Breiter, A.: Wer entscheidet? IT-Governance an Hochschulen, in
Lecture Notes in Informatics 246, 651-662, 2015.
von der Heyde, M.; Breiter, A.: CIO structures and the success of HE institutions,
EUNIS 2016, Eunis Journal of Higher Education IT, ISSN 2409-1340, S. 40-43, 2016.
von der Heyde, M.; Breiter, A.: Observations from the current CIO surveys in Germany
– linking CHEITA’s global complexity index (GCI) to other factors and frameworks.
EUNIS 2017, Münster, 2017.
von der Heyde, M., Breiter, A.: Factorial analyses in IT governance reveal constellations
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Journal of Higher Education, 2018.
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INFORMATIK 2017 (Bd. 275, S. 1757–1772). Chemnitz, Germany.
https://doi.org/10.18420/in2017_175
Hechler, D., &amp; Pasternack, P.: Digitalisierungstrategien und Digitalisierungspolicies an
Hochschulen. In die hochschule, 2/2017, Einszweivierpunktnull. Digitalisierung von
Hochschule als Organisationsproblem Folge 2 (S. 84–105). Halle-Wittenberg: Institut
für Hochschulforschung (HoF), 2017.
[SV16]
[WL14]</p>
      <p>Winde, M., Mönikes, R., &amp; Zinke, G.: Hochschulstrategie und Governance - Wie
organisieren Hochschulen ihre Entwicklung? Die Sicht der Leitungen (S. 42). Essen:
Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft e. V. Abgerufen von
https://www.stifterverband.org/medien/hochschulstrategie-und-governance, 2016.</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list>
      <ref id="ref1">
        <mixed-citation>
          [DFG16]
          <article-title>Deutsche Forschungsgemeinschaft: Informationsverarbeitung an Hochschulen - Organisation, Dienste und Systeme, Stellungnahme der Kommission für ITInfrastruktur für 2016-2020</article-title>
          ,
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            <given-names>Deutsche</given-names>
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            <surname>Lang</surname>
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          (Herausgeber):
          <article-title>„CIOs und IT-Governance an deutschen Hochschulen“</article-title>
          , ZKI e.V.,
          <year>2014</year>
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