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      <title-group>
        <article-title>Projektmanagement lernen ohne Projekt</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Mario Winter</string-name>
          <email>mario.winter@th-koeln.de</email>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>TH Köln</string-name>
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      <pub-date>
        <year>2019</year>
      </pub-date>
      <fpage>44</fpage>
      <lpage>55</lpage>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Zusammenfassung</title>
      <p>Since the academic year 2003, the module
"Project Management" (PM) has been offered at the
Faculty of Computer Science and Engineering of the
Technical University of Cologne (until 09/2015 FH
Köln) for all computer science courses. Particular
challenges are the increasing number of students
since 2012 and the content and structural differences
in the curricula of the four participating Bachelor
programs. In addition, there are several reasons why
PM is not applied directly to a real-world (student)
software development project.</p>
      <p>This article describes the development of the
basic teaching / learning arrangement of PM
towards a competence-oriented "Team Teaching"
event for all study programs, the didactic
background, and the teaching experience and efforts in
PM teaching with more than 350 students.
Ziel des Moduls "Projektmanagement" (PM, 5 ECTS
CP) ist die Befähigung der Studierenden, die
grundlegenden Aufgaben des PMs, insbesondere in
ITProjekten, zu charakterisieren und durchzuführen.
Dabei sollen sie die PM-Methoden, -Techniken und
-Werkzeuge zielgerichtet einsetzen und auch die
erforderlichen soziologischen und kommunikativen
Aspekte berücksichtigen können. Sie sollen mit dem
Ziel einer menschengerechten und soziologisch
fundierten Menschenführung eine wirkliche und
optimale Produktivität bei komplexen Projekten erreicht
können.</p>
      <p>Besondere Herausforderungen sind die seit 2012
zunehmend hohen Studierendenzahlen und die
inhaltlichen und strukturellen Unterschiede der
Curricula der vier beteiligten Studiengänge (Informatik,
Medieninformatik, Technische Informatik, IT
Management und Wirtschaftsinformatik.</p>
      <p>Die unterschiedliche Positionierung des Moduls
in den Bachelor-Studiengängen – tw. im dritten, tw.
im fünften Semester – lässt es nicht zu, das die
Inhalte des Moduls von den Studierenden unmittelbar
auf reale (studentische Lehr-)
Software-Entwicklungsprojekte angewendet werden. Dies erscheint
auch aufgrund der großen Abhängigkeiten
zwischen Projektmanagement, Erfahrung in der
Softwareentwicklung und Projekterfolg als zu riskant.</p>
      <p>Der Beitrag beschreibt die Entwicklung des
grundsätzlichen Lehr-/ Lern-Arrangements, also der
Lehr-, Hausarbeits- und Prüfungsformate des
Moduls Projektmanagement von eher
inhaltsorientierten "Single-Teacher"-Veranstaltungen pro
Studiengang hin zu einer gemeinsamen
kompetenzorientierten "Team-Teaching"-Veranstaltung für alle
Studiengänge, den didaktischen Hintergrund und die
Lehr -Erfahrungen sowie -Aufwände in der
Projektmanagement-Lehre mit über 350 Studierenden.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Historie und Inhalte</title>
      <p>Im Sommersemester 2003 wurde PM im 6. Semester
des damaligen Diplom-Studiengangs „Allgemeine
Informatik“ der FH Köln erstmals vom Autor und
einer Mitarbeiterin1 durchgeführt. Die
Veranstaltung war im damaligen Curriculum mit 2 SWS
Vorlesung und 2 SWS Praktikum verankert.
Teilgenommen haben 53 Studierende.</p>
      <p>________________
1 Im Folgenden meint „wir“ die an PM beteiligten
Kollegen und Mitarbeiterinnen sowie Mitarbeiter.
Organisatorische Aspekte der Vorlesung und insbesondere des Praktikums (Einteilung der Studierenden
inTeams). Danach werden Definitionen zentraler Begriffe wie „(Software-) Projekt“ und „Management“
erarbeitet und ein Überblick über die Aktivitäten beim Management von Softwareprojekten – und damit den
weiteren Inhalt der Vorlesung – gegeben.
Gegenstand dieser Vorlesung sind die – nicht nur für Softwareprojekte – zentralen Fragen der Team Bildung,
der Zusammenarbeit im Team und der Motivation von Kollegen und Mitarbeitern. Grundlegende für diese
Fragen ist, die Individualität der Menschen anzuerkennen, ihre Stärken zu nutzen und mit den Schwächen
umzugehen. Da hierzu die “richtige“ Kommunikation wesentlich ist, werden zunächst
Kommunikationsmodelle und -muster vorgestellt. Darauf – und auf dem Phänomen “Motivation“ – aufbauend werden typische
Merkmale der Gruppenbildung erläutert und Hinweise zum Krisenmanagement gegeben.
Diese Vorlesung betrachtet Kosten/Nutzen-Analysen und Entscheidungstechniken für Softwareprojekte. Den
Ausgangspunkt bildet eine Klassifikation der Kosten- und der Nutzenarten. Ein besonderes Augenmerk liegt
hierbei auf der Differenzierung in quantifizierbare und nicht quantifizierbare Kosten- und insbesondere
Nutzenarten sowie auf dem Aspekt der Unsicherheit der Plandaten. Anschließend werden statische Verfahren
der Investitionsrechnung auf Investitionen in Software angewendet. Zur Einbeziehung nicht-monetärer
Entscheidungskriterien runden eine Einführung in ein Entscheidungsmodell sowie Entscheidungstechniken wie
z.B. die Nutzwertanalyse unter Sicherheit, Risiko und Unsicherheit diese Vorlesung ab.</p>
      <p>
        Abb. 1 PM-Inhalte (Auszüge aus dem Skript des Autors von 2003)
Die Inhalte der Vorlesungen orientierten sich an
verbreiteten Lehrbüchern wie z.B.
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8">(Feyhl &amp; Feyhl 1996)</xref>
        ,
        <xref ref-type="bibr" rid="ref4">(Balzert 1998)</xref>
        ,
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11">(Grupp 1998)</xref>
        und
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10">(Friedlein 2003)</xref>
        sowie den Lerneinheiten zum Fernstudienkurs
„Management von Softwareprojekten“ der
FernUniversität Hagen
        <xref ref-type="bibr" rid="ref12">(Henrich, 2001)</xref>
        . Im Praktikum wurden
diese an einem vorgegebenen Fallbeispiel
angewendet (s.U.). Im Laufe der Jahre wurden immer wieder
aktuellere Werke wie z.B.
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">(Aichele, 2014)</xref>
        ,
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7">(Broy &amp;
Kuhrmann, 2013)</xref>
        und
        <xref ref-type="bibr" rid="ref14">(Kerzner, 2009)</xref>
        einbezogen.
      </p>
      <p>In Abb. 1 sind die in den wöchentlichen
Frontalvorlesungen behandelten Themenbereiche skizziert
(Auszüge aus dem Skript des Autors von 2003).</p>
      <p>Bereits im Sommersemester 2004 wurde die
Veranstaltung von zwei weiteren Lehrenden parallel auch
in den beiden Studiengängen „Medieninformatik“
und „Technische Informatik“ durchgeführt. Aus
den drei beteiligten Studiengängen nahmen
insgesamt 164 Studierende teil.</p>
      <p>Ab 2006 waren alle Studiengänge auf das
Bachelor-Modell umgestellt. Die Straffung der
Curricula auf 6 Semester führte auch zu einer
Vereinheitlichung der Studienverlaufspläne, mit einem fast
identischen „Stamm“ in den ersten beiden
Semestern und spezialisierenden „Ästen“ in den
Semestern 3-6. PM war nun in allen Bachelor-Curricula im
5. Semester mit 5 ECTS-Punkten angesiedelt, nach
wie vor mit 2 SWS Vorlesung und 2 SWS Praktikum.</p>
      <p>Mit der ersten Reakkreditierung der
Studiengänge im Jahr 2012 erfolgte eine Differenzierung der
Studienverlaufspläne: PM blieb in drei
BachelorCurricula im 5. Semester, in einem
(Wirtschaftsinformatik) jedoch nun im 3. Semester. Der
studentische Aufwand betrug weiterhin 5 ECTS-Punkte, wie
zuvor mit 2 SWS Vorlesung und 2 SWS Praktikum.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Studierendenzahlen</title>
      <p>Nachdem im Sommer 2004 noch 164
Studierende aus den vier Studiengängen teilgenommen
haben, nahm deren Zahl in den darauffolgenden
Jahren tw. aufgrund der Erhebung von
Studiengebühren in NRW bis 2009 tendenziell eher ab.
Beginnend mit dem Studienjahr 2010 führten die
Aussetzung der allg. Wehrpflicht zum 1. Juli 2011, die
Abschaffung der Studiengebühren in NRW zum
Wintersemester 2011/12 sowie der
„Doppel-Abiturjahrgang“ im Jahr 2013 (inkl. Hochschulpakt NRW) zu
einem stark ansteigenden Trend der Zahlen, der sich
seitdem fortsetzt und nun um ein Plateau von ca. 300
Studierenden pendelt. Spitzenreiter war das
Wintersemester 2017/18 mit 359 Studierenden.</p>
      <p>Die Teilnehmerzahlen seit Wintersemester
2010/2011 zeigt die Tabelle 1.</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Semester</title>
        <p>Studierende</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Entwicklung des Lehr-/Lernarrangements</title>
      <p>Entwicklungsphase I: Inhaltsorientierung und
Single-Teacher-Setting
Die erste Durchführung von PM im
Sommersemester 2003 für den Diplom-Studiengang „Allgemeine
Informatik“ erfolgte durch den Autor im
"SingleTeacher"- Lehr-/ Lern-Arrangement. Über die
gesamte Vorlesungszeit wurden die Inhalte der in
Abb. 1 skizzierten Frontalvorlesungen im
Praktikum in praktischen Übungen vertieft und in einer
Klausur „abgeprüft“.</p>
      <p>
        Dazu bildeten die Studierenden Teams mit 6
Team-Mitgliedern, in denen Sie die
Übungsaufgaben bearbeiteten. Jede Aufgabe erforderte die
Anwendung einer bestimmten Technik auf einen
vorgegebenen Projektgegenstand. Grundlage bildete
ein vom Autor erstelltes Lastenheft für eine
Anwendung zur Seminarverwaltung, angelehnt an das
bekannte Fallbeispiel aus
        <xref ref-type="bibr" rid="ref3">(Balzert, 1996)</xref>
        . Durch eine
inhaltliche Verzahnung der Aufgaben über den
Projektgegenstand wurde angestrebt, die
Planungsund Überwachungstätigkeiten im
Projektmanagement realitätsnah abzubilden.
      </p>
      <p>Abnahmen der Lösungen zu den
Übungsaufgaben inklusive formativem Feedback der
Projektergebnisse erfolgten im 2-wöchigen Rhythmus durch
den Autor und eine Mitarbeiterin.</p>
      <p>Das summative Feedback – also die
Modulprüfung – erfolgte in Form einer 120-minütigen
Klausur. Neben einigen Wissensfragen mussten die
Studierenden 3 bis 4 „konstruktive“ Aufgaben z.B. zur
Nutzwert-Analyse, Aufwandschätzung mit
Function-Point-Analyse oder Netzplanung bearbeiten (s.</p>
      <p>Abb. 2).
•
•
•
•
Unsere Diskussionen vor der ersten parallelen
Durchführung von PM ab dem Sommersemester
2004 in den vier Studiengängen „Allgemeine
Informatik“, „Medieninformatik“, „Technische
Informatik“ und „Wirtschaftsinformatik“ basierten i.W. auf
den Eindrücken während der
Praktikum-Abnahmen und den Ergebnissen der ersten Klausuren. Wir
identifizierten folgende Probleme des initialen
Lehr/Lernformates:</p>
      <p>Die Studierenden bearbeiteten die
PraktikumAufgaben nicht wirklich als Team, sondern
gemäß „Teile und Herrsche“ eher in Einzelarbeit.</p>
      <p>Dadurch wurden Querbezüge in den
Aufgabenstellungen und der Anwendung der Methoden
bzw. Techniken oft nicht erkannt, worunter die
Konsistenz der Lösungen erheblich litt.</p>
      <p>Zusätzlich waren viele Studierende „Experten“
genau für die PM-Methode bzw. PM-Technik,
welche sie selbst im Praktikum aktiv
angewendet haben, zeigten aber tw. erhebliche Lücken in
anderen Bereichen.</p>
      <p>Auch wurde vielen Studierenden nicht bewusst,
dass die Bearbeitung jeder einzelnen Aufgabe
selbst ein „Mini-Meta-Projekt“ darstellt. „Meta“
in dem Sinne, dass dabei Arbeitspakete für das
PM von Arbeitspaketen für den vorgegebenen
Projektgegenstand geplant und auch
durchgeführt und gesteuert werden müssen (während
die Arbeitspakete für den vorgegebenen
Projektgegenstand in PM nur geplant, aber nicht
gesteuert und durchgeführt werden müssen).</p>
      <p>Last but not least waren viele Studierende nicht
wirklich motiviert dabei, da die vorgegebene
Aufgabenstellung (Anwendung zur
Seminarverwaltung, s.O.) eher angestaubt, akademisch
und fachlich sowie technisch uninteressant
erschien.</p>
      <p>Ein erstes Brainstorming konzentrierte sich auf den
Projektgegenstand. Schnell kam die Frage auf,
warum wir in PM nicht ein wirkliches
Studierendenprojekt planen und dann tatsächlich auch
durchführen lassen? Dagegen sprach, dass im Rahmen der 5
ects cp zusätzlich zum Erlernen von PM kein noch
so bescheidenes „Entwicklungsprojekt“ möglich ist.</p>
      <p>Eine Verknüpfung von PM mit den im Curriculum
verankerten Studien- und Praxisprojekten war nicht
in der Breite durchführbar, da viele solcher Projekte
in Zusammenarbeit mit externen Projektpartnern
durchgeführt werden und eben fundierte
PMKenntnisse bereits voraussetzen. Das Risiko, dass
„Fehlplanungen“ den Projekterfolg gefährden, war
uns einfach zu groß2.</p>
      <p>Beschlossen wurde, die Studierenden-Teams
immerhin einen eigenen Projektgegenstand im Bereich
Softwareentwicklung definieren zu lassen, um
damit die intrinsische Motivation zu fördern.</p>
      <p>Diese und einige weitere Diskussionen zum
„Team-Setting“ führten schließlich zu folgenden
Veränderungen der Praktika:
1. Die Teams wurden heterogen mit 6
Studierenden aus mindestens 3 Studiengängen
gebildet. Dies sollte die „Diversität“ in der
Besetzung realer Projektteams widerspiegeln.
2. Es sind 6 Projektaufgaben zu bearbeiten:</p>
      <p>I) Erstellung des Lastenheftes;
II) Aufwandsschätzung;
III) Kosten-/Nutzen-Betrachtung;
IV) Risikomanagement;
V) Vorgehensmodell-Tailoring;</p>
      <p>
        VI) Zeit- und Ressourcenplanung.
3. Für jede dieser 6 Projektaufgaben musste
das Team eine Rollenzuteilung festlegen:
- Ein Projektleiter (PL);
- Ein Repräsentant (PR);
- 2-4 Mitarbeiter (Bearbeiter,
Rechercheur, Reviewer, …).
2 Dies haben u.A. auch Fleischmann und Spies an den TU’s Darmstadt und München festgestellt. Sie schreiben dazu, „dass die größten
Herausforderungen für die beteiligten Studierenden dabei weniger in der Bewältigung technischer oder fachlicher Fragestellungen liegen: Diese
Problematik ist ihnen aufgrund ihrer Lernerfahrung im Studienverlauf bereits geläufig. Vielmehr stellt der Umgang mit organisatorischen und sozialen
Problemen eine viel größere Herausforderung dar und führt daher oft zu für die Studierenden unvorhergesehenen Problemen im Projekt.“
        <xref ref-type="bibr" rid="ref9">(Fleischmann &amp; Spies, 2005, S. 26)</xref>
        Damit sollte die Bearbeitung der Aufgaben
als „Mini-Meta-Projekt“ im Team gefördert
werden.
4. Jedes Team definierte einen eigenen
Projektgegenstand gemäß der groben Vorgabe,
dass dieser innerhalb vorgegebener
Budget(500.000 € bis 1.000.000 €) und
Aufwandsbzw. Zeit-Grenzen (36 bis 72 PM, 6 bis 12
Monate) liegt. Dies sollte einerseits die
Motivation der Studierenden steigern und
andererseits den „Ergebnisaustausch“
zwischen den Teams mindern.
      </p>
      <p>In einem Team-Teaching-Setting mit drei
Lehr-Tandems aus Kollege und Mitarbeiterin bzw.
Mitarbeiter wurden die Vorlesungen dann zwar nach wie
vor über die gesamte Vorlesungszeit, jetzt aber im
Wechsel von den drei beteiligten Kollegen gehalten.</p>
      <p>In dieser Zeit wurde die Bearbeitung der Aufgaben
im Praktikum je Team von einem Kollegen und
einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter betreut.</p>
      <p>Die Bearbeitung der Praktika bestand aus zwei
Teilen:
1. Jedes Team erstellte jeweils unter der
Projektleitung eines/einer Studierenden die
Artefakte inkl. der Begründung der
Vorgehensweise und Ergebnisse zu jeder der
Aufgaben I) bis VI);
2. In einem Abschluss-Kolloquium
präsentierten die Team-Mitglieder nacheinander in
jeweils 5 Minuten die Ergebnisse einer der
sechs Aufgaben, wobei einige
Verständnisfragen gestellt wurden.</p>
      <p>Die selbstdefinierten Projektgegenstände waren in
der Regel reine Softwareentwicklungen (z.B.
Parkplatz-Reservierung im Web,
Client-/Server-Anwendung zur Raumreservierung) und nur einige wenige
HW/SW-Systementwicklungen. Die Motivation der
Studierenden stieg durch den selbstgewählten
Projektgegenstand merklich, wobei die Präzisierung
der Projektvision durch das Lastenheft für viele
„Aha-Momente“ bzgl. unterschiedlicher
Interpretationen der Projektidee sorgte. Die Modulnote ergab
sich weiterhin alleine aus einer Klausur.</p>
      <p>Ein wesentlicher Punkt des eingeholten
Feedbacks der Studierenden war der Wunsch, die
teambasierten Leistungen bei der Bearbeitung der
Projektaufgaben auch in die summative Bewertung,
also die Modulnote einließen zu lassen.</p>
      <p>Entwicklungsphase III: Lernziel-Orientierung und
veranstaltungsbegleitende Prüfungsformate
Im Rahmen der Umstellung auf das
Bachelor-Modell wurde erstmals eine Modulbeschreibung mit
den Lernzielen bzw. den „von den Studierenden zu
erlangenden Kompetenzen“ gefordert. Das von uns
formulierte Modulziel zeigt Abb. 3.
Die Studierenden sollen befähigt werden,
•
die grundlegenden Aufgaben des
Projektmanagements, insb. in IT-Projekten, zu
charakterisieren und durchzuführen;
die Projektmanagement-Methoden, -Techniken
und -Werkzeuge zielgerichtet einzusetzen;
die erforderlichen soziologischen und
kommunikativen Aspekte zu berücksichtigen, insb. mit dem</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Ziel einer menschengerechten und soziologisch fundierten Menschenführung zur Erreichung einer wirklichen und optimalen Produktivität bei komplexen Projekten.</title>
        <sec id="sec-4-1-1">
          <title>Abb. 3 Modulziel von PM 2006</title>
          <p>Ende 2006 waren dann alle
Informatik-Studiengänge vom Diplom auf den Bachelor umgestellt. Das
oben genannte Feedback der Studierenden, die
Verständigung auf das explizit formulierte Lernziel
sowie unsere zunehmende Erfahrung mit der
Einschätzung und Bewertung der von den
Studierenden im Team erzielten Praktikum Ergebnisse und
Präsentationen ermutigten uns dann ab dem
Sommersemester 2007, die Modulnote anhand der
Teamleistung und der individuellen Leistung (als
PL und PR) im Praktikum und im
Abschluss-Kolloquium zu ermitteln. (Inhaltlich wurde 2007 das bis
dahin für die Ablaufplanung verwendete V-Modell
97 durch den Nachfolger V-Modell XT ersetzt.)</p>
          <p>Zur besseren Einschätzung der Teamleistung
musste nun jedes Team zu den Aufgaben neben den
Bearbeitungsergebnissen auch Protokolle
abgegeben. Diese sollten das Zustandekommen der
jeweiligen Ergebnisse im Vorfeld der Präsentation
dokumentieren, insbesondere Informationen zur
Team/Rollenaufteilung, zur Bearbeitung der Aufgaben
(evtl. mit den jeweiligen Teilschritten) und zum
jeweiligen Arbeitsfortschritt. Auch für ein
angemessenes Layout der Protokolle war zu sorgen.</p>
          <p>Die gesamte Bewertung der einzelnen
Studierenden ergab sich zum einen aus der Bewertung der
Dokumentation zu der als PL bearbeiteten Aufgabe
(Hausarbeit). Es wurden jedoch im Verlaufe des
Praktikums durch die Präsentationen, die Protokolle
und in den Fragerunden „Punkte“ gesammelt, die
sich positiv in der Gesamtbewertung
niederschlugen.</p>
          <p>Insgesamt wählten wir folgende Gewichtung
der einzelnen Prüfungsbestandteile:
• Dokument (Hausarbeit) 40 Punkte.
• Präsentation und Fragen 40 Punkte
• Protokolle/Teamleistung 20 Punkte
Die Bewertung der Dokumente erfolgte separat für
jedes Team alleine durch den Kollegen im
betreuenden Lehr-Tandem. Dies bedeutete für jeden von uns
drei Kollegen die Bewertung der im Praktikum
erstellten Arbeitsergebnisse, begründenden
Dokumente sowie Protokollen von ca. 10
PraktikumTeams.</p>
          <p>Die Präsentationen der Studierenden fanden
geblockt an drei Tagen am Ende der Vorlesungszeit
statt und wurden pro Team separat vom Kollegen
und der Mitarbeiterin bzw. dem Mitarbeiter des
betreuenden Lehr-Tandems bewertet.</p>
          <p>Zum Schluss wurden die Bewertungen
zusammengeführt und ergaben die Modulnote. Die hierbei
unvermeidlichen Unterschiede in den subjektiven
Einschätzungen wurden durch das in Tabelle 2
gezeigte Gesamt-Bewertungsschema für die
Projektergebnisse sowie eine grobe Kriterienliste für die
Präsentationen und Fragen (Tabelle 3) abgemildert. Bei
der Bepunktung der Protokolle wurde das in den
Protokollen beschriebene Vorgehen des Teams inkl.
Teilaufgaben-Zuteilung, Zeitplanung und
„Konfliktlösungen“ gewertet.</p>
          <p>In diesem Lehr-/Lernarrangement wurde die
Veranstaltung dann mehrfach durchgeführt. Das
Feedback der Studierenden war durchaus positiv,
allerdings wurden insbesondere unsere
Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von einzelnen Studierenden
„hinter vorgehaltener Hand“ auf die teilweise eher
„gefühlte“, tw. aber auch nachvollziehbare
Diskrepanz der Benotungen durch die drei Lehr-Tandems
hingewiesen.</p>
          <p>Tabelle 2</p>
        </sec>
        <sec id="sec-4-1-2">
          <title>Gesamt-Bewertungsschema SoSe 2007</title>
          <p>Fragen
A____F____: _________________
A____F____: _________________
A____F____: _________________
A____F____: _________________
A____F____: _________________
A____F____: _________________
A____F____: _________________</p>
          <p>Stil
Rede: Sicher / Flüssig / Stockend / Zum Zuhörer / Unterhaltsam
Inhalt: Vollständig + Richtig / Sachkundig / Überlegt / tw. falsch
Sprache: Fachsprachlich / Teils-Teils / Umgangssprachlich</p>
          <p>Dialog: Geht auf Fragen ein / Weicht aus / Chaotisch
Tabelle 3</p>
          <p>
            Bewertungsschema Präsentation und Fragen SoSe 2007
Im Rahmen der 2009 beginnenden Vorbereitungen
der Reakkreditierung der Studiengänge stand
zunächst die Lernzielorientierung der Curricula im
Vordergrund. Insbesondere hatten wir Probleme,
mit den „herkömmlichen“, eher inhaltsorientierten
Beschreibungsmitteln begründet die
übergeordneten Lernziele
            <xref ref-type="bibr" rid="ref20">(learning outcomes, vgl. Thurner &amp;
Böttcher et al. 2015)</xref>
            der Studiengänge auf deren
Curricula herunter zu brechen bzw. deren Erfüllung
(oder Erfüllbarkeit) aus den Lernzielen der
einzelnen Module abzuleiten. Dies erforderte eine erneute
Fokussierung auf die für PM formulierten Lernziele.
          </p>
          <p>Wir präzisierten zunächst unsere bis dahin nur
implizit im Lehr-/Lern-Arrangement vorhandenen
Ansätze zur Erreichung der Lernziele von PM.</p>
          <p>Schnell wurde klar, dass die bislang von den
LehrTandems unterschiedliche Handhabung der
Veranstaltungs-Bestandteile vereinheitlicht und den
Studierenden explizit zu Beginn des Semesters
verdeutlicht werden muss.</p>
          <p>Die erste Veränderung bestand somit in einer
expliziten Formulierung der Modalitäten für die
veranstaltungsbegleitenden Prüfungsformate in Form
eines „Lehr-/Lern-Vertrages“ (Abb. 4). Das
(positive) Feedback der Studierenden hierzu ergab sich
implizit dadurch, dass die Abgabe-Meilensteine zu
den Projektaufgaben von deutlich weniger
Projektleitungen „gerissen“ wurde wie in den früheren
Semestern.</p>
          <p>Die zweite Veränderung betraf die Bewertung
der Dokumente aus den Aufgabenlösungen der
Teams. Hier versuchten wir, durch unterschiedliche
Zuteilungen der Aufgaben zu den Lehr-Tandems zu
einer gleichen Bewertung aller Teams zu gelangen.</p>
          <p>Zunächst erstellten wir zur möglichst objektiven
Bewertung der Aufgabenlösungen feingranulare
„Controlling“ Bewertungsformulare. Dann teilten
wir die Aufgabenlösungen aller Teams abwechselnd
jeweils einem den Lehr-Tandems zu, so dass z.B.</p>
          <p>Lehr-Tandem A die Aufgaben 1 und 3 bewertete.</p>
          <p>Die „Lücke“ zwischen den beiden zu bewertenden
Aufgabenstellungen und die bereits genannten
Abhängigkeiten erforderten jedoch bei der Bewertung
der zweiten Aufgabe auch eine nähere Ansicht der
Lösung zur unmittelbar davorliegenden Aufgabe.</p>
          <p>In den beiden darauffolgenden Semestern
bewertete daher jedes Lehr-Tandem zwei unmittelbar
aufeinanderfolgende Aufgaben. Daraus ergab sich
eine deutlichere, jeweils nach einem Drittel der
Vorlesungszeit geblockte „Prüfungsbelastung“. Auch
bei dieser Aufteilung war für die beiden Lehr-Teams
zu den Aufgaben 3 und 4 bzw. 5 und 6 ein Einblick
in die davorliegenden Aufgabenlösungen der
Teams notwendig.</p>
          <p>Die dritte Veränderung führte zu einer
Entzerrung der Präsentationstermine, die nun nicht mehr
geblockt am Ende der Vorlesungszeit, sondern
geblockt nur noch für jeweils zwei Aufgaben nach der
Meilenstein-Abgabe zu den Projektaufgaben
erfolgte. Dadurch wurde eine zeitnahe „Prüfung“ der
erreichten Kenntnisse möglich, allerdings auf
Kosten einer gewissen „Ungleichbehandlung“ der
Studierenden, da ja die Repräsentanten der ersten
beiden Aufgaben nicht auf Erfahrungen aus vorherigen
Präsentationsterminen aufbauen konnten.</p>
          <p>Fragerunde
Protokolle
Hausarbeit (Dokumentation der Ergebnisse einer Aufgabe)
Zu den 6 Aufgaben muss das Team eine Dokumentation (Hausarbeit) erstellen. Für die Erstellung der Dokumentation ist
dasjenige Teammitglied verantwortlich, das für die jeweilige Aufgabe die Rolle Projektleiter ausfüllt. Es muss in der Rolle des
Projektleiters dafür sorgen, dass das Team ihm bei der Erstellung der Dokumentation tatkräftig zur Seite steht und die richtigen
Teilaufgaben jeweils an die anderen Teammitglieder verteilen. In diesem Sinne ist jeder aus dem Team für eine Aufgabe als
„Projektleiter“ verantwortlich und muss deren Ergebnisse in einer Hausarbeit dokumentieren.</p>
          <p>Auf dem Weg bis zur endgültigen Abgabe der Hausarbeiten müssen die Ergebnisse in insgesamt 3 Abnahmeterminen präsentiert
werden. Hierzu wird jedes Teammitglied die Ergebnisse einer Aufgabe bei der er/sie nicht die Rolle Projektleiter spielt, in der
Rolle als Repräsentant präsentieren. Die 6 Dokumentationen werden dann zum 3. Abnahmetermin abgegeben.
Abnahmen der Praktika
Die Projektergebnisse werden zu je zwei Aufgaben in insgesamt 3 Abnahmeterminen (siehe Terminplan) vor den
verantwortlichen Professoren präsentiert und das gesamte Team muss sich einer Reihe von Fragen hierzu stellen.</p>
          <p>Präsentation der Ergebnisse durch Repräsentanten
In den Abnahmeterminen sind die Ergebnisse zu den beiden jeweils betroffenen Aufgaben zu präsentieren. Bei der Präsentation
zu einer Aufgabe stellt ein Repräsentant (nicht der Projektleiter selber) die Ergebnisse zur Aufgabe anhand einiger Folien in
genau 5 Minuten vor.</p>
          <p>Nach der Präsentation zu den beiden Aufgaben wird in einer ca. 20 minütigen Fragerunde das gesamte Team mit einer Reihe
von Fragen zu den beiden Aufgaben konfrontiert und die einzeln befragten Teammitglieder müssen diese beantworten.
Zusätzlich müssen vom Team zu den beiden in der Abnahme zu präsentierenden Aufgaben und zu den zugehörigen
Einstimmungsaufgaben Protokolle abgegeben werden, die das Zustandekommen der jeweiligen Ergebnisse im Vorfeld der Präsentation
dokumentieren. Die Protokolle enthalten insbesondere Informationen zur Team-/Rollenaufteilung, zur Bearbeitung der
Aufgaben (evtl. mit den jeweiligen Teilschritten) und dokumentieren den jeweiligen Arbeitsfortschritt. Auch für ein angemessenes
Layout der Protokolle ist zu sorgen.</p>
          <p>Abgabe der Hausarbeiten eine Woche nach der 3. Abnahme
Die dokumentierten Endergebnisse zu allen 6 Aufgaben werden dem jeweiligen Prüfer eine Woche nach dem
3. Abnahmetermin als ausgedrucktes finales Dokument übergeben.</p>
          <p>Abb. 4 Explizite Veranstaltungsmodalitäten ab WiSe 2010/11
Entwicklungsphase IV: Kompetenzorientierung
Im Rahmen seiner hochschuldidaktischen
Weiterbildung zum Fakultäts- Multiplikator für
kompetenzorientierte Prüfungen im Sommer 2014 konnte
der Autor die bisherigen Ansätze und Erfahrungen
im Modul PM reflektieren.</p>
          <p>
            Die Kompetenzorientierung ist ein wichtiges
Mittel, Lehre und Prüfung voneinander zu trennen
und gleichzeitig sowohl Lehre als auch Prüfungen
zielgerichtet, effektiv, transparent, valide und
zuverlässig zu gestalten. Abb. 5 zeigt den damit
entstehenden Dreiklang von Lernziel,
Lehr-/Lern-Arrangement und Prüfungsform(en) nach
            <xref ref-type="bibr" rid="ref5">(Biggs &amp; Tang,
2011)</xref>
            .
          </p>
          <p>Insbesondere bei Lernzielen auf höheren
kognitiven Stufen, wie sie ja in PM erreicht werden sollen,
bietet die Kompetenzorientierung einen
begründeten Handlungsrahmen, in dem sich auch genügend
Spielraum für die individuelle Ausgestaltung findet.</p>
          <p>
            Für projektorientierte SE-Lehrveranstaltungen
zeigen dies z.B.
            <xref ref-type="bibr" rid="ref13 ref6">(Böttcher &amp; Thurner 2011 und
Hummel, 2013)</xref>
            .
          </p>
          <p>Lernziele
Lehr-/Lern-Arrangement</p>
          <p>Prüfungsform(en)</p>
        </sec>
        <sec id="sec-4-1-3">
          <title>Abb. 5 Constructive Alignment</title>
          <p>Gegen die Kompetenzorientierung wird oft
dahingehend argumentiert, dass es i.S. der Freiheit von
Forschung und Lehre nicht in erster Linie darum
gehen kann, „berufsfähige“ Absolventen zu
„produzieren“. Diese Argumentation greift m.E. zu kurz,
da hierbei der Begriff Kompetenz i.d.R. nur i.S.d.
Berufsbildungsforschung gesehen wird2. Kurz gefasst
meint Kompetenz hier genau solche Fähigkeiten
und Fertigkeiten, die in der heutigen industriellen
bzw. beruflichen Praxis gefordert werden.</p>
          <p>
            Darüber hinaus werden oft kommunikative und
reflexive Fähigkeiten sowie „höhere“ Fähigkeiten
wie evaluieren und synthetisieren nicht betrachtet.
Hierzu sollte man sich §2 (1) des HRG vor Augen
halten: „Die Hochschulen […] bereiten auf
berufliche Tätigkeiten vor, die die Anwendung
wissenschaftlicher Erkenntnisse und wissenschaftlicher
Methoden oder die Fähigkeit zu künstlerischer
Gestaltung erfordern.“ Grundlage der
Kompetenzorientierung in der Hochschule sollte der akademische
2 S. A. die aktuelle Kritik an der Kompetenzorientierung in der
gymnasialen Oberstufe und der zentralen Abiturprüfung in
            <xref ref-type="bibr" rid="ref22">(Weiss &amp; Kaenders, 2018)</xref>
            .
Kompetenzbegriff sein, welcher folgende Punkte
umfasst
            <xref ref-type="bibr" rid="ref17">(Reis 2010)</xref>
            :
• Die wissenschaftliche Modellierung komplexer
Anforderungskontexte (Kenntnisse, Fertigkeit,
Fähigkeit);
• Die Erschaffung und Gestaltung innovativer
          </p>
          <p>Konzepte und Problemlösungen;
• Die anschlussfähige Kommunikation von
wissenschaftlichen Wissensbeständen, Konzepten
und Methoden;
• Die Selbstregulation und Reflexion des eigenen
problemlösungs- und erkenntnisgeleiteten
Handelns.</p>
          <p>Nach Meinung des Autors wurde seinerzeit insbes.
im Fachhochschulbereich der Bereich der
Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten inhaltlicher Art
immer noch überbetont, es zählte „der Stoff“. Hier
möchte der Autor dazu beitragen, auch die weiteren
Anteile des akademischen Kompetenzbegriffes
angemessen mit in die Gestaltung der Curricula sowie
der einzelnen Module der Informatik einzubringen.</p>
          <p>
            Ein weiteres Argument gegen die
Kompetenzorientierung zielt gerade vor dem Hintergrund hoher
Studierendenzahlen auf die ökonomische
(Durchführungs-)Ebene. Gerade in
Grundlagenveranstaltungen werden Lernziele oft rein auf Inhaltsebene
bzw. auf den „unteren Taxonomiestufen“
            <xref ref-type="bibr" rid="ref2">(Anderson &amp; Krathwohl 2001)</xref>
            formuliert. Die Pragmatik,
also das „Warum bzw. Wofür“ wird außer Acht
gelassen, da berufsfeldnahe Beispiele oder Probleme
als zu komplex erachtet werden. In Prüfungen
(i.d.R. Klausuren) werden dann eher Wissens-,
Verständnis- und algorithmisch lösbare
Handlungsfragen gestellt, die eine fest umrissene „Musterlösung“
und damit eine „objektive“ Aus- und Bewertung
ermöglichen.
          </p>
          <p>Hier ermuntert der Autor dazu, zunächst einmal
die Lernziele der eigenen Veranstaltung ehrlich, mit
hoher Formulierungsqualität, nach dem Dreiklang
„Was, Womit, Wozu?“ und taxonomisch eindeutig
zu formulieren. Wenn diese eben tatsächlich nur auf
den „unteren Kompetenzstufen“ liegen und das so
ausreichend auf die curricularen Lernziele
„einzahlt“, ist es OK. Sollen aber auch Lernziele auf
höherer Taxonomiestufe erreicht werden, muss oft der
Stoffumfang gekürzt und auf andere Lehr- und
Prüfmethoden zurückgegriffen werden.</p>
          <p>Im Sinne des „Constructive Alignment“
untersuchten wir zunächst, ob sowohl die
Lehrveranstaltung als auch die Prüfung(en) konsequent auf die zu
erreichenden Lernziele hin ausgerichtet sind.
Insbesondere bei der Bewertung der Aufgabenlösungen
und der Präsentationen konnten wir deutlichen
Verbesserungsbedarf ausmachen.</p>
          <p>Hier wurde die bisherige, eher feingranulare
und quantitative Bewertung der Aufgabenlösungen
zu Gunsten eines gröberen Bewertungsrasters
aufgegeben (Tabelle 5). Das zu grobe Bewertungsraster
für die Präsentationen inklusive der zu erstellenden
Präsentationsfolien hingegen verfeinerten wir zu
dem in Tabelle 6 gezeigten fünfstufigen Raster.</p>
          <p>
            Mit diesen Handreichungen erfolgt seitdem die
Bewertung in den zwei Schritten 1.) Beobachten und
2.) Bewerten
            <xref ref-type="bibr" rid="ref19">(vgl. Szczyrba, Wildt &amp; Dany 2008)</xref>
            . Die
Benotung wird seitdem von den Studierenden als
objektiver und nachvollziehbarer angesehen.
          </p>
          <p>Als weitere Änderung wurden die
Präsentationstermine wieder am Ende des Semesters geblockt,
so dass alle Studierenden auch für diesen
Prüfungsteil die gleichen Voraussetzungen haben.</p>
          <p>Inhaltlich haben wir insbesondere bei der
Ablauforganisation die agilen Vorgehensweisen
einbezogen, da diese in der Praxis zunehmend eingesetzt</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-4-2">
        <title>Entwicklungsphase</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-3">
        <title>I.) 2003: Inhaltsorientierung und Single-Teacher-Setting II.) 2004-2006: Realitätsnähe und Team-Teaching</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-4">
        <title>Auslöser</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-5">
        <title>Erste PM-Veranstaltung</title>
        <p>des Autors nach der
Berufung, Diplomstudiengang
„Allgemeine Informatik“</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-6">
        <title>Gemeinsame PM-Veran</title>
        <p>staltung mit zwei Kollegen
für alle 4
Informatik-Diplom</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-7">
        <title>Studiengänge der FH Köln</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-8">
        <title>III.) 2007-2014: Lernziel- Umstellung auf Bachelor</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-9">
        <title>Orientierung und veranstal- und Akkreditierung, Formutungsbegleitende Prü- lierung des Lernziels fungsformate</title>
        <p>werden. Im Rahmen der Aufgabe zur
Vorgehensmodellierung müssen die Studierenden im Kontext
ihres Projektgegenstandes diskutieren, ob das von
ihnen „zugeschneiderte“ V-Modell XT oder ein
agiles Vorgehen zielführender erscheint.</p>
        <p>
          Letztendlich führten wir, um die Inhaltsvalidität
der Prüfung zu erhöhen, ab dem Wintersemester
2016/17 einen einstündigen Wissenstest ein, in dem
die erlangten Kenntnisse und (Technik-)Fertigkeiten
der Studierenden „in der Breite“ beobachten. Hier
verwenden wir das MC-Format als effektives
Prüfungsformat für Kenntnisse und Fertigkeiten bis zur
vierten kognitiven Ebene des Wissenserwerbs
          <xref ref-type="bibr" rid="ref16 ref2">(„Analysieren“, s. Anderson &amp; Krathwohl et al.
2001, Miller, Linn &amp; Gronlund 2008)</xref>
          .
        </p>
        <p>Tabelle 4 fasst die Entwicklung des Moduls PM von
2003 bis heute zusammen.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-10">
        <title>Lehr-/Lernarrangement</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-11">
        <title>Single-Teacher, Praktikum eher i.S. von Übungsaufgaben.</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-12">
        <title>Team-Teaching, Praktikum</title>
        <p>mit vorgegebenem
Projektgegenstand,
studiengangsübergreifende Teams,
Abnahme am Ende der
Vorlesungszeit</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-13">
        <title>Prüfungsform</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-14">
        <title>Klausur</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-15">
        <title>Klausur</title>
      </sec>
      <sec id="sec-4-16">
        <title>Team-Teaching, Praktikum Schriftliche Dokumentation</title>
        <p>mit selbst gewähltem Pro- der Lösung einer Aufgabe,
jektgegenstand, studien- Präsentation und mdl.
gangsübergreifende Kurzprüfung</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-17">
        <title>Teams, Meilenstein-Abga</title>
        <p>ben und Präsentationen in Protokolle/Teamleistung
der Vorlesungszeit</p>
        <p>Entwicklungsphasen des Moduls Projektmanagement
4
35S, zt sehr ausführlich</p>
        <p>Bewertungsschema Präsentation im WiSe 2017/2018 (Ausschnitt)
mangelhaft
Ausreichend</p>
        <p>Durchschnittlich
Über dem
Durchschnitt</p>
        <p>Exzellent
Ausreichend</p>
        <p>Durchschnittlich
Über dem
Durchschnitt</p>
        <p>Exzellent
5
4
3
2
1
5
4
3
2
1</p>
        <p>Inhaltlicher Zusammenhang und Aufgabenbezug nicht erkennbar
Inhaltlicher Zusammenhang und Aufgabenbezug erkennbar, aber implizit
Inhaltlicher Zusammenhang, Aufgabenbezug und roter Faden erkennbar, Ergebnisse
werden vermittelt
Kurze und im Wesentlichen nachvollziehbare Darstellung, Aufgabenstellung und
Ergebnisse werden klar vermittelt
Kreative, jederzeit nachvollziehbare Darstellung von Zielen, Aufgabenstellung und
Ergebnissen
Einige Inhalte erkennbar, ausschweifend oder viel zu kurz
Erläuterung einiger Ergebnisse und Details
Kurze Erläuterung einiger wichtiger, begründet ausgewählter Ergebnisse,
Darstellungsformen korrekt, Details sinnvoll
Prägnante Erläuterung, Begründung und eigene Interpretation der zentralen</p>
        <p>Ergebnisse, Details helfen bei Verständnis
Tabelle 5</p>
        <p>Bewertungsschema Hausarbeiten im WiSe 2017/2018 (Ausschnitt)
PROJEKTMANAGEMENT WS 2017-2018 Bewertungskriterien für Folien und Präsentation
MW 20171114
F Inhalt</p>
        <p>Bereich</p>
        <p>Note Kriterien
F Darstellung
mangelhaft</p>
        <p>Themenstellung verfehlt, viele nebensächliche Details</p>
        <p>Abb. 6 Evaluierungsergebnisse aus dem Wintersemester 2016/17 (Ausschnitt)
Wir führen das Modul PM nun seit dem
Wintersemester 2016/17 in der oben beschriebenen
kompetenzorientierten Form durch. Einige Ergebnisse der
ersten studentischen Evaluierung nach der
Umstellung sind in Abb. 6 zusammengefasst.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Ausblick</title>
      <p>Nach wie vor ist es für die Studierenden schwierig,
sich für das Modul PM in neuen,
studiengangsübergreifenden Teams zusammen zu finden und
möglichst zügig als Team zu arbeiten.</p>
      <p>
        Viele Ergebnisse zeigen, dass für das
Projektmanagement die Simulation von Projekten einen guten
Einstiegspunkt darstellt
        <xref ref-type="bibr" rid="ref15">(Mandl-Striegnitz, 2001
und die vielen Folgeveröffentlichungen zu SESAM)</xref>
        .
Erste Versuche mit SESAM waren zwar ermutigend,
wurden aber eher im „single-player“ Modus in der
Rolle „Projektleitung“ absolviert und dienten dabei
weniger der Sensibilisierung der Studierenden für
die Arbeit in einem Team.
      </p>
      <p>
        Speziell für den Bereich der Teamarbeit
konzipieren wir zur Zeit mit einer Kollegin und einem
Kollegen aus dem Betriebswirtschaftlichen Institut
Gummersbach ein Simulationsspiel zur Einführung
in die Dynamik der Teamarbeit
        <xref ref-type="bibr" rid="ref18">(Stumpf &amp; Thomas
2003)</xref>
        . Hiermit sollen die Studierenden einerseits auf
die bevorstehende Teamarbeit bei der Bearbeitung
der PM-Projektaufgaben vorbereitet werden.
Andererseits möchten wir sie damit für kritische
Teamprozesse in der Praxis sensibilisieren.
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Danksagung</title>
      <p>Der Autor dankt den Kollegen Holger Günther und
Lutz Köhler sowie unseren Mitarbeiterinnen und
Mitarbeitern Beate Breiderhoff, Konstantin
Dimitriou, Guido Münster, Alex Maier, Patrick
Odenwald, Beate Otztronsek, Uwe Poborski, Pascal
Schönthier und Marc Schwede für die vielen
lebendig geführten Diskussionen und das konstruktive
Miteinander bei der Durchführung und
Entwicklung unserer Veranstaltung Projektmanagement!
Wertvolle Unterstützung bei der Umsetzung der
kompetenzorientierten Lehre und Prüfungformen
(Constructive Alignment) in Phase IV leistete das
Zentrum für Lehrentwicklung der TH Köln,
insbesondere Susanne Gotzen, Birgit Sczyrba sowie
Oliver Reis von der Universität Paderborn während der
Multiplikatoren-Ausbildung zu
kompetenzorientierten Prüfungen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Literatur</title>
    </sec>
  </body>
  <back>
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