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    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Prädiktives Monitoring von Geschäftsprozessen zur Be- herrschung von Risiken in weltweiten Netzen auf Basis von Process Mining und Simulation</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Peter Fettke</string-name>
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      </contrib-group>
      <fpage>23</fpage>
      <lpage>29</lpage>
      <abstract>
        <p>Das Monitoring betrieblicher Prozesse ist eine Routineaufgabe, bei der eine Fülle von Daten über die Prozessausführung anfallen. Diese Daten können dazu genutzt werden, Abläufe von zukünftigen, noch nicht beobachtbaren Prozessdurchläufen vorherzusagen. Auf diese Weise können eine Vielzahl verschiedener Prozessparameter wie Durchlaufzeiten, nächste Prozessschritte oder Risikofaktoren vorhergesagt werden. Diese Methoden beruhen darauf, dass eine Fülle von Daten vorliegen. Mithilfe von Simulationsansätzen können Daten künstlich erzeugt werden, wobei zwei Zwecke verfolgt werden: Erstens werden auf diese Weise Trainingsdaten für maschinelles Lernen verfügbar. Zweitens können auf diese Weise Process Mining und Simulationsansätze verknüpft werden, um tiefere Einsichten in reale und zukünftige Abläufe zu gewinnen. Diese Ideen werden in dem Beitrag weiter entfaltet und anhand eines Fallbeispiels näher konkretisiert. Der Beitrag schließt mit einem Überblick über aktuelle Probleme wie der Umgang mit fehlerhaften Daten oder eine mangelnde Erklärbarkeit der Prognoseansätze.</p>
      </abstract>
      <kwd-group>
        <kwd>Motivation der Ausgangslage</kwd>
        <kwd>Das Monitoring betrieblicher Prozesse ist ein wesentliches Instrument zur Erfolgskontrolle</kwd>
        <kwd>steht aber in jüngster Zeit vor erheblichen Herausforderungen</kwd>
      </kwd-group>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>Neue Anforderungen: An das Monitoring werden neue Anforderungen
getragen, wie bspw. eine frühzeitige Risikoerkennung und entsprechende
Assistenz.
Process Mining hat in der Vergangenheit eine beachtliche Reife erlangt, um
Transparenz über die realen Prozessabläufe zu erhalten (de-facto Modelle). Damit wird die
Modellierung von de-jure Modellen um eine wesentliche Perspektive ergänzt.
Allerdings ist die grundsätzliche Orientierung von Process Mining schwerpunktmäßig
vergangenheitsorientiert. Zukünftige Entwicklungen stehen zunächst nicht im
Vordergrund.</p>
      <p>Anders dagegen Methoden der Simulation, die nicht nur in der Wirtschaftsinformatik,
sondern in vielen Wissenschaftsgebieten eine besondere Rolle im
Erkenntnisgewinnungsprozess haben. Auch können die Methoden zur Simulation betrieblicher
Prozesse vielfältig angewendet werden. Erfahrungen mit der Simulation haben dabei
allerdings nicht nur gezeigt, dass das Erstellen eines Simulationsmodells erhebliche
Aufwände erfordert. Vielmehr ist häufig die direkte und enge Verknüpfung des
Simulationsmodells mit dem realen Zustand eines betrieblichen Systems schwer in Einklang
zu bringen.</p>
      <p>Im vorliegenden Beitrag wird kein wissenschaftliches Forschungsergebnis dargestellt,
sondern ein Einblick in aktuelle Forschungsarbeiten, auftretende Probleme, verfolgte
Lösungsansätze und verwendete Methoden ausgewählter Arbeiten der Autoren
gegeben. Ferner werden die Ausführungen in den Kontext des geplanten
Schwerpunktprogramms eingebettet.
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Zielsetzung, Zuordnung zu den Arbeitsfeldern des geplanten</title>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Schwerpunktprogramms</title>
      <p>In dem geplanten Projekt sollen Methoden, Techniken und Instrumente für ein
prädiktives Monitoring betrieblicher und überbetrieblicher Prozesse geschaffen werden, die
den skizzierten Herausforderungen gerecht werden. Ausgangspunkt sind die in
Abbildung 1 skizzierten Daten der Prozessausführung wie Prozessschritte,
Ausführungszeiten, Reihenfolgen, eingesetzte Ressourcen und Sensordaten.</p>
      <p>Ausgehend von diesen Daten können Vorhersagen abgeleitet werden:
1. Prozessschritte: Wie entwickelt sich der Prozessfall voraussichtlich?
2. Zeiten bis zur Fertigstellung: Wann wird der Prozessfall abgeschlossen sein?
3. Erwartete Ergebnisse: Welches Prozessergebnis ist zu erwarten? Treten
Fehler, Risiken oder Anomalien auf?
4. Prozessdrift: Sind signifikante Abweichungen in einem Prozessfall zu
beobachten? Wie entwickeln sich die Prozessfälle in ihrer Gesamtheit über die
Zeit, welche Dynamik entsteht im Zeitablauf?
Antworten auf die vorherigen Fragen können aus Daten der Prozessausführung
gewonnen werden und dienen besonders der Entscheidungsunterstützung (Arbeitsfeld
„Therapie-Empfehlung“ und „Therapie-Kontrolle“). Darüber hinaus schaffen sie aber
auch Transparenz im betrieblichen Geschehen („Anamnese“) und können in
bestimmten Situationen auch zur Selbststeuerung eingesetzt werden. Um die Techniken des
prädiktiven Monitorings von Geschäftsprozessen zu ermöglichen, sollen die
Techniken des Process Mining und der Simulation eng miteinander verknüpft werden.</p>
      <p>
        Abbildung 1: Vorhersageaspekte
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10 ref4 ref5">(vgl. Evermann et al. 2017)</xref>
        bei der
      </p>
      <p>Ausführung
betrieblicher Prozesse
3</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Skizze des Neuen/Innovativen bzw. Abgrenzung zum Stand der Forschung und Technik</title>
      <p>
        Die Arbeiten sind in das neue Forschungsgebiet des prädikativen
Prozessmanagements einzuordnen, das im Unterschied zu vorliegenden Arbeiten systematisch auf die
zukunftsorientierte Entscheidungsunterstützung ausgerichtet ist
        <xref ref-type="bibr" rid="ref7 ref9">(Di Francescomarino
et al. 2016, Teinemaa et al. 2017)</xref>
        . Damit werden in dem Vorhaben explizit
systematische Risiken in weltweiten Netzen adressiert, was bei den vorliegenden Arbeiten nur
begrenzt der Fall ist.
      </p>
      <p>
        Ferner werden in dem Vorhaben Techniken des Deep Learning
        <xref ref-type="bibr" rid="ref8">(LeCun et al. 2015)</xref>
        eingesetzt, die vor dem Hintergrund der Verfügbarkeit großer Datenmengen über
Prozesse besonders vielversprechend sind. Erste Arbeiten der Antragsteller
        <xref ref-type="bibr" rid="ref10 ref3 ref4 ref5">(Evermann et al. 2016, 2017a, 2017b, Mehdiyev et al. 2017)</xref>
        und anderer Kollegen sind
äußerst vielversprechend
        <xref ref-type="bibr" rid="ref11 ref12">(Nolle et al. 2016, Tax et al. 2017)</xref>
        . Eine weitere Innovation
entsteht in der Verknüpfung der Methoden des Process Mining mit Methoden der
Simulation.
4
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Forschungsmethode</title>
      <p>Das Vorhaben folgt einer ingenieurmäßigen Forschungsweise, bei der innovative
Konzepte, Methoden und Techniken identifiziert, konzipiert, implementiert, pilotiert
und evaluiert werden. Die innovativen Methoden werden durch neue technische
Entwicklungen ermöglicht („Technologiedruck“) und werden neuen betrieblichen
Anforderungen gerecht („Bedarfssog“). Im Vorhaben spielt die geeignete Nutzung und
Anpassung von Techniken des Deep Learning eine besondere Rolle.
5</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Fallbeispiel</title>
      <p>Zur Demonstration und Illustration der beschriebenen Ideen, Konzepte und Methoden
wird im Folgenden ein Fallbeispiel beschrieben. Das Fallbespiel baut auf den
konzeptionellen Vorüberlegungen von Fettke (2018) und den Ergebnissen der
Bachelorsowie Master-Arbeit von Bartels (2018) und Adamidis (2018) auf. Die Struktur des
Fallbeispiels orientiert sich am folgenden Ablauf:
1. Auswahl und Darstellung des Anwendungsszenario,
2. Prozessmodell erstellen,
3. Simulationsparameter bestimmen,
4. Log-Daten simulieren,
5. Generierte Log-Daten manipulieren,
6. Vorhersagen auf Basis von Log-Daten vornehmen,
7. Ergebnisse interpretieren.</p>
      <p>Typische Großunternehmen unterhalten komplexe weltweite Wertschöpfungsketten
mit vielfältigen Leistungsverflechtungen. Hierbei entstehen insbesondere auch im
Bereich des Zolls und der Umsatzsteuer zunehmend umfassende Datenströme, die für
steuerlich relevante Aufgaben, wie beispielsweise die Steuer-Compliance, eingesetzt
werden können. Hierbei handelt es sich um betriebliche Massenprozesse, bei denen
eine Fülle steuerlich relevanter Aufgaben im Unternehmen durchzuführen sind,
vielfältige Daten benötigt werden und an unterschiedlichen Stellen die zuvor
beschriebenen Konzepte eingesetzt werden können. Ein mögliches Anwendungsszenario wird
hier anhand der Rechnungsbearbeitung verdeutlicht und konkretisiert. Abbildung 2
zeigt exemplarisch einen derartigen betrieblichen Ablauf beginnend vom
Rechnungseingang über die Rechnungsprüfung bis hin zur abschließenden Zahlung.
Die zunehmende Digitalisierung von Steuerprozessen ermöglicht es, Techniken des
Process Mining einzusetzen. Process Mining bietet Techniken zur maschinellen
Analyse betrieblicher Daten, um so in Echtzeit einen Überblick über sämtliche
steuerrelevante Prozesse und tatsächliche Abläufe im Unternehmen zu erhalten. Dabei lassen
sich unter anderem drei Ansatzpunkte unterscheiden:
•
•
•</p>
      <p>Transparenz über Abläufe in der Umsatzsteuer und im Zoll,
Verbesserung der Steuer-Compliance,
Prognose und Entscheidungsunterstützung.
Abbildung 2 visualisiert die Soll- und Ist-Abläufe der Rechnungsprüfung in einem
Unternehmen. Wie aus der Abbildung ersichtlich ist, entfallen in einem
exemplarischen Prozessdurchlauf die Prüfschritte der formal-rechnerischen Prüfung sowie der
Prüfung auf Voraussetzungen des §14 des Umsatzsteuer-Gesetzes. Hiermit sind
Compliance-Verstöße eingetreten, die im Einzelfall schwerwiegende Konsequenzen
haben können. Beispielsweise kann sich zu einem späteren Zeitpunkt herausstellen,
dass der zu prüfende Sachverhalt eines Vorsteuerabzugs tatsächlich nicht gegeben
war. Wenn dies aufgrund einer fehlenden Prüfung unerkannt geblieben ist, führt dies
zum Aberkennen des möglichen Vorsteuerabzuges. Im Einzelfall können darüber
hinaus weitaus schwerwiegendere Konsequenzen seitens der Betriebsprüfung
eingeleitet werden.</p>
      <p>Abbildung 2: Soll- und Ist-Prozess der Rechnungsprüfung (Quelle: Bartels (2018))
In den weiteren Schritten werden ausgehend vom Soll-Modell entsprechende
Instanz-Daten mithilfe einer Simulation erzeugt. Für diesen Zweck wird die
ARISSimulationskomponente verwendet. Die so erstellen Log-Dateien werden
anschließend in zweierlei Hinsicht manipuliert:
1. Es werden zufällig mehrere Schritte in den Log-Dateien eliminiert. Auf diese</p>
      <p>Weise können ausbleibende Arbeitsschritte simuliert werden.</p>
      <p>Darüber hinaus werden Aktivitäten in den Log-Dateien zufällig vertauscht.
Derartige Manipulationen werden in unterschiedlichem Umfang vorgenommen.
Konkrete Schwellen sind jeweils Störungsanteile von 5, 10 und 20 Prozent. Die so
synthetisch erzeugten Log-Dateien werden anschließend erneut zur Grundlage der
Vorhersage nächster Aktivitäten eingesetzt, wobei das von Evermann et al. (2016)
beschriebene Verfahren genutzt wird. Dabei zeigt sich, dass die Vorhersage der nächsten
Aktivitäten weiterhin auf gutem Niveau erreicht werden kann. Mit anderen Worten: Das
gezielte Einführen von Störungen in den Logdateien hat die Qualität der Vorhersage
nicht signifikant in diesem Beispiel verändert.
6</p>
    </sec>
    <sec id="sec-7">
      <title>Beitrag über das Projekt hinaus / Vorschläge für</title>
    </sec>
    <sec id="sec-8">
      <title>Arbeitskreise</title>
      <p>Es ist zu erwarten, dass über das Vorhaben hinaus die Anwendung und Nutzung von
Techniken des Deep Learning im betrieblichen Umfeld im Unterschied zu bekannten
Anwendungen im Bild-, Video-, Sprach-, Ton- und Sensorbereich erheblich gestärkt
werden kann. Vor diesem Hintergrund wäre es von Interesse, einen Arbeitskreis zur
Anwendung und Nutzung vom maschinellen Lernen / Deep Learning mit Vertretern
aus der Betriebswirtschaftslehre, der (Wirtschafts-) Informatik und anderen
anwendungsorientierten Informatikdisziplinen zu bilden.
7</p>
    </sec>
    <sec id="sec-9">
      <title>Zusammenfassung und Ausblick</title>
      <p>Der Beitrag hat einen Überblick über den Einsatz von simulierten Daten im Kontext
des prädiktiven Monitorings von Geschäftsprozessen gegeben. Es schließt sich eine
Fülle konkreter Fragen an. Exemplarisch zu nennen ist beispielsweise:
•
•
•
•</p>
      <p>Extraktion betrieblicher Daten aus einem ERP-System: Die bekannten
Ansätze basieren im Wesentlichen auf Daten, welche typsicherweise in
Workflow-Systemen generiert werden. Dagegen sind Daten in betrieblichen
Anwendungssystemen regelmäßig anders strukturiert. Zu nennen sind
beispielsweise Daten über Buchungsbelege, kaufmännische Bücher
(Grundbuch/ Journal, Haupt- und Nebenbuch), Bilanzen und Gewinn- und
Verlustrechnung. Auch wenn aus diesen kaufmännischen Daten zeitliche
Zusammenhänge gewonnen werden können, sind diese nicht unmittelbar
offensichtlich, sondern sind geeignet zu rekonstruieren, was im Einzelfall über
einen typischen Datenextraktions- und Transformationsvorgang hinaus geht.
Synthetische Generierung von Modellen: In dem zuvor beschriebenen
Fallbeispiel wurde exemplarisch synthetische Daten generiert. Hier sind weitere
Ansätze denkbar.</p>
      <p>Erklärbarkeit von Deep-Learning-Modellen: Auch wenn inzwischen
verschiedene Ideen zur Erklärbarkeit von Prozessprognosen bekannt sind, bleibt
ein breiter Raum für die weitere Forschung.</p>
      <p>Vorhersage nächster Schritte im Unterschied zur Empfehlung optimaler
Handlungen: Mithilfe der Vorhersage des nächsten Schrittes ist noch nicht
klar, welcher Schritt tatsächlich gegangen werden soll. Auch sind hier
weitere Arbeiten zur Konkretisierung der relevanten Optimierungsfunktion
notwendig.</p>
      <p>Echtzeit-Feedback bei der Durchführung: Das Erkennen von
Verhaltensänderungen während der Ausführung beziehungsweise das Geben von
Rückmeldungen bereits während der Ausführung als Grundlage für eines neues
Training erscheint erfolgsversprechend, ist aber noch nicht realisiert.</p>
      <p>Abtrainieren und Verlernen falsch Erlernten Verhaltens: Insofern Daten über
falsches oder unerwünschtes Verhalten fälschlicherweise als
Trainingsgrundlage für richtiges Verhalten verwendet wurde, ist noch unklar, wie das
Erlernte wieder rückgängig zu machen ist. Das vollständige Neutrainieren des
Verhaltens ist zwar in diesem Fall möglich, erscheint jedoch bei hohen
Trainingsaufwänden nicht sinnvoll.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-10">
      <title>Literatur</title>
    </sec>
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