<!DOCTYPE article PUBLIC "-//NLM//DTD JATS (Z39.96) Journal Archiving and Interchange DTD v1.0 20120330//EN" "JATS-archivearticle1.dtd">
<article xmlns:xlink="http://www.w3.org/1999/xlink">
  <front>
    <journal-meta />
    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Substitution der Akteur-Beteiligung durch KI und BI am Beispiel eines Logistik-Projekts in den Neuss- Düsseldorfer Häfen</article-title>
      </title-group>
      <contrib-group>
        <aff id="aff0">
          <label>0</label>
          <institution>Niederrhein University of Applied Sciences, Institut GEMIT</institution>
          ,
          <addr-line>Richard-Wagner-Straße 140, 41065 Mönchengladbach</addr-line>
          ,
          <country country="DE">Germany</country>
        </aff>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>1994</year>
      </pub-date>
      <fpage>0000</fpage>
      <lpage>0001</lpage>
      <abstract>
        <p>The traffic situation for the Neuss-Düsseldorf ports was planned to be improved within the research project "logistiCS.NRW" by a concept called "Gladbach crowd solving". The original idea was that all stakeholders or actors (port neighbours, ship traffic, logistics companies/trucks, port railway) provide input information on current and planned traffic for a data-warehouse and BI solution as a basis for an information distributing hub. Additional relevant, basically available but widely dispersed data, is used to enrich the information hub. Each actor can then decide whether to modify his traffic behavior based on the common and reliable information received. It is expected that individual informed traffic decisions result in a significant flattening of traffic peaks. In the</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>course of the project, only a few actors in fact agreed to make their sensitive data
available via interfaces. Other relevant traffic data sources therefore had to be
developed. Special street sensors were installed to detect the current parking
situation. Current traffic data was collected through a newly developed AI-based
video surveillance system. In order to avoid data privacy problems, the video data
is neither transmitted nor stored, but processed directly by a neural network
implemented in the camera.
1
1.1</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Projektbeschreibung</title>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Ausgangssituation</title>
        <p>Die Neuss-Düsseldorfer Häfen sind wichtige Verkehrsknotenpunkte am
Niederrhein. Zentral gelegen, können sie in der Fläche nicht wachsen. Daher werden
intelligente Konzepte benötigt, um die steigende Logistikintensität in Zukunft bewältigen zu
können. Eine Vorstudie ergab: In Spitzenzeiten führen LKW-Staus zu hohen
Zeitverlusten, Zeitfenster zur Belieferung oder Abholung sind schwer kalkulierbar. Es gibt
lediglich begrenzte Parkflächen für LKW und PKW.
1.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Ziele</title>
        <p>Ziel des Projektes ist, die Verkehrssituation in den Neuss-Düsseldorfer Häfen zu
verbessern und so eine Entspannung des Gesamtverkehres im Umfeld zu erreichen. Das
Vorhaben adressiert neben Innovationen für die Logistik auch soziale und ökologische
Nachhaltigkeitsaspekte. Das Projekt wird im Zeitraum 2017-2020 aus dem
Europäischen Fond für regionale Entwicklung (EFRE) im NRW-Leitmarkt Logistik gefördert.
Primärer Hintergrund des Projektes ist Wirtschaftsförderung.
1.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Methodisches Vorgehen</title>
        <p>In Phase 1 (Fig. 1) wurden die spezifischen Anforderungen der Akteure –
Unternehmen im Hafen und LKW-Fahrer - ermittelt. Methodisch wurden zunächst
Problembereiche in Fokusgruppen identifiziert und folgend in Befragungen der Akteure
konkretisiert. In einer frühen Projektphase wurde den Akteuren ein Prototyp der
„Informationsdrehscheibe“ an die Hand gegeben, welcher auf Basis des Feedbacks kontinuierlich
iterativ optimiert und erweitert wurde.</p>
        <p>Aufgrund der Erkenntnis, dass die aktive Beteiligung der Projektpartner im
Projektverlauf hinter den Erwartungen zurückblieb [Kuron&amp;Brell 2018], musste das
handlungsleitende Gladbacher Crowd Solving Konzept modifiziert werden (Aktivität
„Konzeptanpassung“ in Fig. 1).</p>
        <p>Die Bereitschaft zur Datenbereitstellung war aus Wettbewerbsgründen, der
befürchteten Transparenz und aus technischen Gründen gering. Deswegen mussten andere
Datenquellen gefunden werden. Anstatt der Logistik-Daten der Akteure werden nun in
Phase 2 Abschätzungen aus einer KI-basierten Videobeobachtung der
Verkehrssituation in den Neuss-Düsseldorfer Häfen verwendet [BMVI 2018, Kuron 2020].</p>
        <p>Crowd Solving ist eine Untermenge von Crowdsourcing mit Fokus auf komplexen,
gemeinschaftlichen Problemlösungen [Geiger&amp;Fielt 2011]. Für Fragestellungen in der
Wirtschaftsinformatik wurde Crowd Solving zu einem generischen Ansatz zur
Verkehrsoptimierung für logistikintensive Gebiete weiterentwickelt (Fig. 2). Das
Gladbacher Crowd Solving Konzept beruht darauf, dass viele Akteure in einem
logistikintensiven Gebiet ihre Logistik-Daten transparent machen und alle Akteure Zugang zu
diesen Informationen erhalten. Weiterhin werden die Informationen mit weiteren
relevanten Daten, die allgemein verfügbar aber nicht an einer Stelle gebündelt sind,
angereichert. Damit lässt sich das Gladbacher Crowd Solving Konzept als
Business-Intelligence-Ansatz verstehen [Müller&amp;Lenz 2013]. Nun kann jeder Akteur entscheiden, ob
er sein Verhalten aufgrund der erhaltenen Informationen modifiziert und diese
Verhaltensänderung wiederum bekannt macht. Dadurch, dass alle Akteure nun ihr Verhalten
an den verfügbaren Informationen ausrichten, wird eine deutliche Reduktion von
Verkehrsspitzen erwartet. Als zentrale Stelle für den Abruf aller Informationen wurde eine
Informationsdrehscheibe in Form eines Internet-Portals geplant.</p>
        <p>Um die aktive Teilnahme und die Motivation [McClelland 1988] der Akteure am
Gladbacher Crowd Solving Konzept zu erhöhen, werden Gamification-Ansätze
[Herger 2014, Brell 2018] in das Konzept integriert. Die verwendeten
Spiel-Design-Elemente [Deterding 2011] sind direktes Feedback, Schaffung von Gemeinschaften,
mittelbare wirtschaftliche Vorteile [Schell 2016].</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Realisierung</title>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Informationsdrehscheibe</title>
        <p>Eine Informationsdrehscheibe für die Akteure im Hafen ist als Internetseite
implementiert (https://hafenneuss.de/) und bündelt alle relevanten Informationen zum
Hafengebiet und seiner Nutzung.</p>
        <p>Die Informationen umfassen:</p>
        <p>Bereits in den Befragungen und in der ersten Nutzung der Informationsdrehscheibe
zeigte sich, dass die Bereitschaft der Akteure, Logistikdaten bereitzustellen, geringer
ist als zu Projektbeginn eingeschätzt [vgl. Nielsen 2006]. Daher wurde eine Lösung
geschaffen basierend auf eigenentwickelten KI-Kameras, die mittels Videoaufnahmen
das Verkehrsgeschehen erkennen, analysieren und daraus Daten für die
Informationsdrehscheibe gewinnen.</p>
        <p>Um datenschutzrechtliche Probleme zu vermeiden, werden die Videodaten weder
übertragen noch gespeichert, sondern unmittelbar von einem in der Kamera
implementierten Neuronalen Netz verarbeitet (Edge-Computing). Das Netz wurde auf die im
Hafen relevanten Objekttypen wie PKW, Lkw und Züge trainiert. Die Objekte werden
gezählt und ihre Positionen und Geschwindigkeiten bestimmt. Damit werden lediglich
anonyme Daten zur Verkehrslage über das Internet übertragen.</p>
        <p>Für die KI-Kameras wurden Nvidia-Komponenten (Jetson TX2/XAVIER) sowie
spezielle Low-Light Kameras verwendet. Mit einer Bildrate von 30 fps sind
Echtzeitanalysen möglich.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Projektstand und Ausblick</title>
      <p>Das Projekt ist in der Phase Konsolidierung angelangt (Fig. 1). Die
Informationsdrehscheibe ist seit zwei Jahren online, die KI-Kameras liefern erste Verkehrsdaten.
Für die Zukunft können in einem Gebiet mehrere KI-Kameras aufgestellt werden mit
dem Ziel einer flächendeckenden Verkehrsanalyse- und Modellierung. Die
Informationsdrehscheibe wurde in diesem Forschungsprojekt zwar für die Neuss-Düsseldorfer
Häfen realisiert, das Konzept ist aber auf jede Art von logistikintensiven Gebieten
übertragbar. Inwieweit eine Reduktion des Verkehrsaufkommens in anderen Gebieten mit
hoher Effektstärke möglich ist, soll in Folgeprojekten untersucht werden.</p>
      <p>Die Informationsdrehscheibe für die Neuss-Düsseldorfer Häfen wird nach
Projektende durch den Wirtschaftspartner weiter betrieben. Schon während der Projektlaufzeit
haben sich technische Möglichkeiten (kleinere, preiswertere und leistungsfähigere
KIKameras, neue Framework-Versionen) verbessert, die Informationsdrehscheibe wird in
Zukunft kontinuierlich an die technische Entwicklung angepasst.</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>References</title>
        <p>1. BMVI (Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastrukur): Digitalisierung und
Künstliche Intelligenz in der Mobilität. Online-Ressource:
https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/DG/aktionsplan-ki.pdf?__blob=publicationFile (2018)
2. Brell, C. Wie Gamification den Methodenapparat der Wirtschaftsinformatik bereichert. In:
Informatik Aktuell. Frechen. Online Ressource
https://www.informatik-aktuell.de/management-und-recht/projektmanagement/wie-gamification-den-methodenapparat-der-wirtschaftsinformatik-bereichert.html (2018):
3. Deterding S, Dixon D, Khaled R, Nacke L.: From game design elements to gamefulness:
defining gamification. In: Proceedings of the 15th International Academic MindTrek
Conference: Envisioning Future Media Environments. S. 9-11. doi: 10.1145/2181037.2181040
(2011)
4. Geiger D, Rosemann M, Fielt E.: Crowdsourcing information systems: a systems theory
perspective. In: Proceedings of the 22nd Australasian Conference on Information Systems
(ACIS), online-Ressource
https://pdfs.semanticscholar.org/3e4c/19f558862a92c8e7485758b5809a0b8338db.pdf. (2011)
5. Herger, M.: Enterprise Gamification – Engaging People by letting them have fun. Book 1 of
6. Leipzig. (2014)
6. Kuron, R.; Brell, C.: Informationen verfügbar machen. In: Hafenzeitung 02/2018.
Düsseldorf. S. 3. online Ressource
http://hafenzeitung.de/downloads/archiv/pdf/hafen-zeitung_2018_02.pdf (2018)
7. Kuron, R.: Mit moderner IT gegen zunehmende Verkehrsprobleme. Städte- und
Gemeinderat (05), S. 23-25 (2020).
8. McClelland, D.: Human Motivation. Cambridge: Cambridge University Press.</p>
        <p>doi:10.1017/CBO9781139878289 (1988)
9. Müller, R.M.; Lenz, H.-J.: Business Intelligence. Heidelberg. (2013)
10. Nielsen, J.: Participation Inequality: Encouraging More Users to Contribute. In: Nielsen
Norman Group. Online-Ressource:
https://www.nngroup.com/articles/participation-inequality/ (2006)
11. Schell, J.: Die Kunst des Game-Designs – Bessere Games konzipieren und entwickeln. 2.</p>
        <p>Auflage. Frechen. (2016)</p>
      </sec>
    </sec>
  </body>
  <back>
    <ref-list />
  </back>
</article>