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      <article-id pub-id-type="doi">10.1007/978-3-319-93488-4_25</article-id>
      <title-group>
        <article-title>Wertschöpfungsketten in der Agrar- und Ernährungsbranche am Beispiel der Pflanzenölproduktion</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Johann Lömpcke</string-name>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Martin Schneider</string-name>
          <email>m.schneider@iakleipzig.de</email>
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        <contrib contrib-type="editor">
          <string-name>Landwirtschaft, Wertschöpfungskette, Resilienz</string-name>
        </contrib>
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          <label>0</label>
          <institution>IAK Agrar Consulting Leipzig</institution>
          ,
          <addr-line>Bornaer Strasse 16, 04288 Leipzig</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <pub-date>
        <year>2019</year>
      </pub-date>
      <fpage>221</fpage>
      <lpage>229</lpage>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>1. Einteilung</title>
      <p>Globale Ereignisse wie die Corona-Krise führen vor Augen, wie vulnerabel sich
Produktionsprozesse bei zunehmender Komplexität erweisen. Momentan liefert der Krieg in der Ukraine
ein bedrückendes Beispiel, wie auch punktuell Krisen den Verlauf gesamter
Wertschöpfungsketten bedrohen. So spielen die Ukraine und Russland als Nettoexporteure von Agrarerzeugnissen
eine führende Rolle als Anbieter auf den Weltmärkten für Sonnenblumenerzeugnisse, wo die
exportfähigen Lieferungen auf eine Handvoll von Ländern konzentriert sind. Diese
Konzentration setzt diese Märkte einer erhöhten Anfälligkeit für Schocks und Volatilität aus. Die
möglichen Auswirkungen eines plötzlichen und starken Rückgangs der
Sonnenblumensaatguthttps://www.iakleipzig.de/ueber-uns/team (M. Schneider)</p>
      <p>© 2022 Copyright for this paper by its authors. Use permitted under Creative Commons License Attribution 4.0 International (CC BY 4.0).
und ölausfuhren der beiden Länder könnten nur teilweise durch alternative Herkunftsländer
ausgeglichen werden. Die Kapazität vieler dieser Herkunftsländer zur Steigerung der Produktion
und Verschifung, ist durch hohe Produktionskosten begrenzt.</p>
      <p>Außerdem wird an diesem Fall deutlich, wie mehrere für die Produktion relevante Bereiche
gleichzeitig betrofen sind. Eben solches gilt auch für die Energiepreise sowie die eng mit den
Energiepreisen korrelierten Düngermittelpreise. Die Düngemittelherstellung wird, angeführt
von Russland, von wenigen Ländern dominiert, darunter Belarus und die Ukraine. Derzeit
steigen die Preise für Betriebsmittel wie Dünger und auch Diesel auf Rekordhöhen. Zwar sind
gleichzeitig die Erzeugerpreise stark angestiegen, dennoch bedeuten die höheren Betriebskosten
nicht nur einen erhöhten Liquiditätsbedarf bei den landwirtschaftlichen Betrieben, sondern sie
lassen auch ihre Risiken steigen, da eine hohe Abhängigkeit vom Wetter besteht. In der
Konsequenz könnte dies zu Produktionsausfällen und Nahrungsmittelknappheit führen. Gleichzeitig
steigen die Preise für Substitutionsgüter (siehe Fig. 1).</p>
      <p>Reaktive Anpassungsprozesse innerhalb der Wertschöpfungskette sind mit verlängerten
Vorlaufszeiten verbunden. Um die Funktionalität von Wertschöpfungsketten zu
gewährleisten, erfordert es vor allem proaktives Denken und Handeln. Diese Arbeit stellt eine
betriebswirtschaftliche Herangehensweise für die Früherkennung von vulnerablen Strukturen
produzierender Akteure einer landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette vor. Der Ansatz entspringt
den Erfahrungen der IAK Agrar Consulting Leipzig in ihrer beratenden Stellung gegenüber
landwirtschaftlicher Betriebe.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>2. Resilienz in der Agrar- und Ernährungsbranche</title>
      <p>All dies hat Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis von Betrieben der landwirtschaftlichen
Primärproduktion und die der nachgelagerten Verarbeitung wie Ölmühlen sowie deren
Interaktion zur Folge. Die oben beschriebenen Prozesse erhöhen die Dringlichkeit, die Kenntnis
hinsichtlich der Zusammenhänge von Ereignissen und deren Auswirkungen auf die
Wertschöpfungskette möglichst zu vervollständigen, um Resilienz-Strategien zu entwickeln.</p>
      <p>Zunächst soll das Begrifsverständnis anhand ausgewählter Konnotationen für den Bereich
der Agrar- und Ernährungsbranche geschärft werden.</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>2.1. Zum Begrif „Resilienz“</title>
        <p>
          Resilienz ist ein Terminus, der verwendet wird, um die Robustheit, Anpassungsfähigkeit sowie
die Wandlungsfähigkeit von Systemen zu beschreiben [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
          ]. Robustheit bezieht sich auf die
Widerstandsfähigkeit des Systems. Sie ist gegeben, wenn Veränderungen von Variablen des
Systems das System nicht beeinträchtigen. Das weitere Bestehen von Systemen wie das einer
Wertschöpfungskette hängt also einerseits von dem Status Quo der Kapazitäten des Systems
ab. Der dynamische Aspekt von Resilienz ist damit allerdings noch nicht erschöpft. Durch die
weitere Diferenzierung in Anpassungsfähigkeit und Wandlungsfähigkeit werden sowohl
Umstellungen des operationalen Verhaltens als auch umfassendere Umgestaltungen von Strukturen
erfasst.
        </p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>2.2. Gliederung der Einflussfaktoren auf die Resilienz in der Agrar- und</title>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Ernährungsbranche</title>
        <p>Um belastbare Strukturen aufzubauen, auf welche im Falle eines kritischen Ereignisses
zurückgegrifen werden kann, müssen die Faktoren bekannt sein, die solche Verhaltensänderungen
provozieren könnten.</p>
        <sec id="sec-2-3-1">
          <title>2.2.1. Gliederung nach Fähigkeiten</title>
          <p>
            Neben der oben genannten allgemeinen Einteilung in Robustheit (Widerstandsfähigkeit),
Anpassungsfähigkeit und Wandlungsfähigkeit [
            <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
            ] finden sich in der Literatur noch feinere
Differenzierungen. Einflussfaktoren für die Agri-Food-Kette können laut einer Meta-Studie positiv
definiert werden als „Resilience enablers“ [
            <xref ref-type="bibr" rid="ref2 ref3">2, 3</xref>
            ]. Hierbei wird qualitativ beschrieben, wie ein
Bewusstsein für Risikomanagement innerhalb der Kette kultiviert werden muss. Daraufhin
werden Strategien erstellt, die die Handlungsfähigkeit aufgrund veränderter Bedingungen steigern.
Als Voraussetzungen dafür gilt unter anderem die Fähigkeit, Information nachzuverfolgen sowie
komplementär die Fähigkeit zur Bereitstellung adäquater Informationen. Beispielhaft genannt
seien hier noch die Kollaboration zwischen Partnern der Kette und Flexibilität durch redundante
Kapazitäten.
          </p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-2">
          <title>2.2.2. Gliederung nach Herkunft</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-3">
          <title>Einteilung nach Grad Wahrscheinlichkeit und Grad der Auswirkung Einerseits zu</title>
          <p>
            unterscheiden sind: a) business-as-usual-Faktoren, deren Einfluss mit hoher Wahrscheinlichkeit
relevant wird, jedoch lediglich geringe Auswirkungen impliziert, von b) solchen, deren Einfluss
mit geringer Wahrscheinlichkeit relevant wird, aber mit hohen, disruptiven Auswirkungen
einhergeht [
            <xref ref-type="bibr" rid="ref4">4</xref>
            ].
          </p>
          <p>
            Akteursbezogene Einteilung Eine alternative Einteilung von Einflussfaktoren wird von [
            <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
            ]
gemäß ihrem Ursprung vorgenommen. Hiernach wird die Wertschöpfungskette beeinflusst von
Faktoren entweder: a) politisch/institutioneller Art, b) jenen, die durch die natürliche Umwelt
verursacht wurdenoder aber c) durch Teilnehmende der Wertschöpfungskette selbst, und zwar
durch unethisches oder unbedachtes Verhalten. Dieses aggregiert führt zu einer Zweiteilung in:
a) Externale Quellen, die aus dem Umfeld der wirtschaftlichen Aktivität stammen (Finanzielles,
Recht, Infrastruktur, menschliche Gesellschaft, Umwelt) und b) Internale Quellen, welche aus
der wirtschaftlichen Aktivität selbst folgen, entweder aus der Wertschöpfungskette oder dem
Betrieb.
          </p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-4">
          <title>Einteilung entlang der Wertschöpfungskette [4] legt den Fokus auf ein wesentliches</title>
          <p>
            Merkmal landwirtschaftlicher Produkte, nämlich die Verderblichkeit pflanzlicher und tierischer
Erzeugnisse. Diese Eigenschaft wirft Fragen auf zu: a) Beschafungs-, b) Verarbeitungs- und c)
Produktionsentscheidungen, die die erwarteten Gesamtkosten minimieren.
Einteilung nach Marktseite Gerade wenn einzelne Unternehmen untersucht werden, eignet
sich eine Teilung in Angebots- und Nachfrageseite [
            <xref ref-type="bibr" rid="ref5">5</xref>
            ]. Die Einteilung der Angebotsseite umfasst
die Einflussfaktoren: a) undefinierbare Störungen, b) Ertrag, c) Lagerkapazität, d) Vorlaufzeit
und e) Inputkosten. Hinzu kommen für die Nachfrageseite a) Preis und b) Menge.
          </p>
        </sec>
        <sec id="sec-2-3-5">
          <title>2.2.3. Einteilung nach Disponibilität</title>
          <p>
            Eine konkurrierende, jedoch auch konvergierende Nomenklatur wird in [
            <xref ref-type="bibr" rid="ref6">6</xref>
            ] gegeben. Diese
Studie liefert die umfassendste Explikation von Resilienzbereichen der Agri-Food-Kette. Die
mehrdimensionale Übersicht an Einflussfaktoren beinhaltet ebenfalls eine Rangordnung nach
der Disponibilität des Betriebes auf diese Einflussfaktoren. Damit gemeint ist die Zugänglichkeit
des Faktors seitens eines Betriebes, um dessen Konfiguration zu ändern. Für die Verfügbarkeit
von qualifizierten Arbeitskräften ist diese sicherlich deutlich höher als auf die rechtlichen
Rahmenbedingungen. Auch bei den Internalen Quellen finden sich Themen, die beinahe
unabdingbar mit der Branche einhergehen, wie z. B. die eingeschränkte Lagerfähigkeit von
Outputs.
          </p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>3. Die Wertschöpfungskette der Sonnenblumenölproduktion</title>
      <p>Anhand eines Betriebes der landwirtschaftlichen Primärproduktion sowie einer Ölmühle sollen
veränderte Ausgangsbedingungen in ihren Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis gezeigt</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>3.1. Merkmale der landwirtschaftlichen Produktion</title>
        <p>
          Generell lässt sich die Agrarbranche in Anlehnung an [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref7">7</xref>
          ] wie folgt charakterisieren:
• Variabilität von Qualität und Quantität des Angebots an landwirtschaftlichen Inputs
• Produktionssysteme mit hohem Volumen, Produktionssysteme mit geringer Sortenvielfalt
• hochentwickelte kapitalintensive Maschinen mit Schwerpunkt auf Kapazitätsauslastung
• variable Prozessausbeute in Menge und Qualität aufgrund biologischer Schwankungen
• Zufallsfaktoren im Zusammenhang mit Wetter, Schädlingen und anderen biologischen
        </p>
        <p>Gefahren
• eventuelles Abwarten der Ergebnisse von Qualitätsprüfungen
• alternative Anlagen, alternative Rezepturen und produktabhängige Reinigungs- und</p>
        <p>Verarbeitungszeiten
• Notwendigkeit der Verwertung aller Teile aufgrund der Komplementarität der
landwirtschaftlichen Betriebsmittel
• Notwendigkeit der Chargenrückverfolgbarkeit von Prozessen
• begrenzte Lagerpuferkapazität, wenn Material, Zwischenprodukte oder Fertigprodukte
nur in speziellen Tanks oder Behältern gelagert werden können
• Recycling von Materialien erforderlich
• Beschränkungen der Haltbarkeit von Rohstofen, Zwischenprodukten und
Fertigerzeugnisse und Änderungen des Qualitätsniveaus der Produkte (Verfall)
Die mit der Agrar-Branche verbundene Saisonalität der Produktion und intermittierender
Lieferungen lässt sich durch den Aufbau von Lagerkapazitäten abschwächen. Dadurch werden
saisonale Preisschwankungen abgemildert oder auch gezielt von ihnen profitiert. Limitierender
Faktor hierbei ist allerdings die Verderblichkeit der landwirtschaftlichen Erzeugnisse, die zu
Qualitätsminderung oder gänzlichem Verlust führen kann.</p>
        <p>Zu beachten ist, dass häufig zusätzliche Produktionszweige in den Unternehmen integriert
sind. So arbeitet ein landwirtschaftlicher Betrieb häufig in Verbundproduktion. Gemeint ist
hierbei, dass sowohl pflanzliche als auch tierische Erzeugnisse hergestellt werden. Eine natürliche
Diversifizierung tritt auch innerhalb der Pflanzenproduktion ein, da Flächen regelmäßig mit
anderen Fruchtarten bestellt werden. Analog können in Ölmühlen meist dieselben Maschinen
unterschiedliche Rohstofe zu Öl verarbeiten.</p>
        <p>Zu oben unter h. genannter Komplementarität lässt sich ein Beispiel aus der
Pflanzenölproduktion bringen: Als Kuppelprodukt entsteht bei der Ölpressung der Presskuchen, welcher
gewinnbringend als nährstofreiches Futtermittel wiederverwertet werden kann. Außerdem
können so Nährstofkreisläufe über die Zwischenschritte der tierischen Verdauung und folgender
organischer Bodendüngung geschlossen werden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>3.2. Einflussfaktoren auf die Gewinn- und Verlustrechnung der</title>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>Beispielunternehmen</title>
        <p>Für den Use Case der Sonnenblumenölproduktion wurden Gewinn- und Verlustrechnungen
sowohl für die Primärproduktion als auch die Ölmühle in Tabellenform erstellt. Die Gewinn- und
Verlustrechnung setzt sich zusammen aus dem Ertrag abzüglich des Aufwands eines
Geschäftsjahres. In der Spalte „Positionen“ befinden sich die Quellen für den erzielten Ertrag respektive
Aufwand. Dieser üblichen Spalte wurden weitere hinzugefügt. Solchen Positionen, die in
Hinblick auf Resilienz von Interesse scheinen, wurden hier Einflussfaktoren zugeordnet. Diese
wurden in einer weiteren Spalte wiederum auf sogenannte „Indirekte Faktoren“ zurückgeführt.
Wenn es sich um Umweltfaktoren auf der Seite des Ertrages handelt, wurden die Ansprüche
für die indirekten Faktoren in Form numerischer Schwellenwerte spezifiziert. Darauf erfolgte
einer Bewertung der Faktoren hinsichtlich ihrer Einflussintensität. Auf der Seite des Aufwands
entspricht diese größtenteils dem prozentualen Anteil der Position als Kostenstelle in der
Deckungsbeitragsrechnung an der Summe der Kosten. Jedem Einflussfaktor wurde außerdem dessen
Variabilität unter Rücksichtnahme von Zeitreihen klassifiziert zugeordnet. Beispielhaft sollen
hier einzelne Zusammenhänge erläutert werden.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>4. Landwirtschaftliche Primärproduktion</title>
      <p>Der Ertrag bei der Produktion von Sonnenblumenölsaat ist maßgeblich von der Temperatur
und den Niederschlagsbedingungen abhängig. Niederschlagsmengen müssen in gewissen
Zeitfenstern abhängig vom Entwicklungsstadium der Pflanze eintreten, um einen optimalen
Einfluss auf den Ertrag auszuüben. Zu anderen Phasen wiederum bewirken sie den gegenteiligen
Efekt.</p>
      <p>Der Preis, der von Abnehmern gezahlt wird, hängt von den Erwartungen über den Ernteerfolg
weltweit ab, da Lieferverträge häufig schon vor der eigenen Ernte abgeschlossen werden und der
Erntezeitpunkt geographisch bedingt zu unterschiedlichen Zeiten stattfindet. Zuvor aufgebaute
Lagerbestände können die Preisanstiege in Folge von Knappheit abfedern. Komplementär bildet
sich der Aufwand für den Materialaufwand für das Saatgut, welches aus dem gleichen Markt
stammt.</p>
      <p>Eine von der Erntemenge unabhängige Ertragsquelle bieten die Direktzahlungen und
Zuschüsse im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP). Doch
auch deren Betrag schwankt je nach politischer Beschlusslage.</p>
      <p>Die Düngemittelpreise weisen eine kausale Abhängigkeit von den Energiepreisen auf, da
diese einerseits bei der Produktion das intensivste Vorleistungsgut darstellt und andererseits
die Transportkosten hiervon beeinflusst werden.</p>
      <p>Der Aufwand für Pflanzenschutzmittel richtet sich vor allem nach der
Beschaffungsmöglichkeit, sowie nach administrativen Vorschriften, die eine eventuell teure Substitution
erfordern. Auch ein feuchtes Klima und die damit einhergehende Begünstigung von Schädlingen
kann einen Mehraufwand provozieren.</p>
      <p>Pachtpreise werden für mehrere Jahre vereinbart und unterliegen daher einer gewissen
Kontinuität. Dennoch verläuft der allgemeine Trend bei den Neuverpachtungen bisher konsequent
aufwärts.
5. Ölmühle
Die Umsatzerlöse aus der Ölpressung sind analog zu denen der Primärproduktion von dem
Marktpreis abhängig. Wieder verhalten sich die Aufwendungen für das Ölsaatgut komplementär
dazu. Hinzu kommt allerdings eine schwankende Ausbeute in Abhängigkeit vom Ölgehalt der
angelieferten Ölsaat. Energie ist in Form von Strom und Öl ebenfalls ein wichtiger Input und
unterliegt hohen Schwankungen, ebenso der Personalaufwand.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>6. Ansatz zur Erhöhung der Resilienz</title>
      <p>Nachdem die allgemeine Maßnahmen zur Vermeidung von Risiken für die
Wertschöpfungskette diskutiert wurden, werden innerbetriebliche Maßnahmen zur Erhöhung der Resilienz
für den Fall der Sonnenblumenölproduktion, hier gefiltert nach Faktoren mit hoher Relevanz,
zusammengefasst. Zuletzt wird ein Fazit gezogen.</p>
      <sec id="sec-5-1">
        <title>6.1. Maßnahmen auf Ebene der Wertschöpfungskette</title>
        <sec id="sec-5-1-1">
          <title>6.1.1. Diversifizierung</title>
          <p>Der Diversifizierung kommt die Rolle als zentrales Prinzip für die Erhöhung der Resilienz
in Wertschöpfungsketten der Landwirtschaft zu und wird normalerweise durch Anbau und
Verarbeitung alternativer Erzeugnisse oder durch Diversifizierung der Herkunft der Erzeugnisse
erreicht. So kann Diversifizierung infolge der Kooperation mit mehreren Lieferanten erreicht
werden, was die Robustheit erhöht und das Risiko mindert. Viele Studien belegen die Vorteile
einer pluralen Beschafungsstrategie im Vergleich zum Einzelquellenbezug, wenn besondere
Unsicherheiten in Bezug auf Lieferpreise, Lieferfristen und Erträge bestehen.</p>
          <p>Beschafungsstrategien haben nicht nur die Anzahl der Lieferanten als Faktor, sondern auch
deren lokale Ansässigkeit. Eine Variante ist der lokale Bezug, bei dem nur regionale Anbieter
für die Beschafung in Frage kommen. Die Vorteile hierbei sind Vertrauen und Transparenz,
welche durch Nähe entstehen. Dazu kommen noch geringe Transportunsicherheiten sowie die
Verfügbarkeit in kurzer Zeit. Auch Nachteile lassen sich nennen, wie die höheren Kosten, infolge
des reduzierten Wettbewerbs. Zu betonen ist, dass viele Produkte nicht lokal zur Verfügung
stehen, da Vorkommnisse oder günstige Produktionsbedingungen mehr oder weniger zufällig in
der Welt verteilt liegen. Außerdem sind im Vergleich zum globalen Bezug nur kleinere Mengen
verfügbar. Durch die Abhängigkeit des eingeschränkten Kreises an Beschafungsmöglichkeiten
steigt auch das Ausfallrisiko von Inputs. Aufgrund der möglichen Korrelation zwischen den
Bezugsquellen in einer landwirtschaftlichen Region kann es jedoch notwendig sein, die
Diversiifzierung der Lieferanten auf verschiedene Regionen auszuweiten.</p>
          <p>Es hat sich gezeigt, dass Diversifizierung mit Trade-Ofs zu wirtschaftlichen Zielen einhergeht,
da es Redundanz erfordert, die Wirtschaftlichkeit unter einer Vielzahl von Bedingungen zu
gewährleisten, im Gegensatz zur Maximierung der Wirtschaftlichkeit unter einer begrenzten
Anzahl von Bedingungen.</p>
          <p>Die Ernte zu mehreren Zeitpunkten schrittweise im Jahr zu verkaufen, ist als Diversifizierung
der Verkäufe zu betrachten. Die Diversifizierung der Verkäufe garantiert zwar, dass nicht die
gesamte Ernte den höchsten Preis erzielt, aber sie garantiert auch, dass zumindest ein Teil der
Ernte nicht den niedrigsten Preis erzielen wird. Vermarktungspläne beinhalten in der Regel
die Nutzung mehrerer Vermarktungsalternativen, wie z. B. die Kombination von Barverkäufen
mit Termingeschäften. Auch dies ist eine Form der Diversifizierung und verringert das Risiko
für den Betrieb, da nicht alles auf eine Karte gesetzt wird. Die Diversifizierung des Betriebs
durch die Produktion verschiedener Kulturen und/oder Viehbestände soll das Risiko verringern,
indem sie die Wahrscheinlichkeit eines kompletten Produktionsausfalls senkt. Gleiches gilt für
die zeitliche Streuung von Inputkäufen.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-5-1-2">
          <title>6.1.2. Lager und Aufbereitung</title>
          <p>Die Aufbereitung kann von beiden Akteuren übernommen werden oder auch auf einen externen
Dritten mit Spezialisierung übertragen werden. Jedoch fallen je weiterem Verkauf
Transaktionskosten an. Diese sind neben Transport- und Umschlagskosten auch maßgeblich Prüfkosten
für die Qualität der Ware. Für die Stufe der Aufbereitung sind strategische Reserven und
Lebensmittellagerung resilienzerhöhend. Dies bedeutet Investitionen in die Lagerinfrastruktur.
Investitionen müssen auch in die Erstverarbeitung getätigt werden, um die Lagerfähigkeit der
Produkte zu erhöhen, zum Beispiel durch Solartrocknung.</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-5-2">
        <title>6.2. Innerbetriebliche Maßnahmen</title>
        <p>6.2.1. Energie
Das Konzept der Diversifizierung über verschiedene Regionen hinweg ist auch in
Versorgungsketten für Primärenergie anwendbar, solange die Regionen eine vergleichbare Qualität, zum
Beispiel des Rohöls, haben. Für den Bereich der Energie, welcher einen großen Anteil am
Aufwand für die Sonnenblumenölproduktion hat, gelten geopolitische Verwerfungen als Risiko
mit zunehmender Tendenz. Das Risiko dieser gesamtgesellschaftsübergreifend relevanten
Infrastruktur kann allerdings nicht durch wenige Betriebe allein bewältigt werden, sondern benötigt
Maßnahmen staatlicher Auftraggeber. Eine Ausnahme für den Bereich Energie ist jedoch die
Maßnahme: Verbrauch senken.</p>
        <sec id="sec-5-2-1">
          <title>6.2.2. Düngemittel</title>
          <p>Maßnahmen für Betriebe, um die Düngemittelkosten zu senken sind einerseits
produktionstechnischer und andererseits kommerzieller Natur. In den Produktionsverfahren können die
Ausbringungsraten reduziert werden. Damit nicht auf Feldertrag verzichtet werden muss, sollte
verstärkt auf Wirtschaftsdünger zurückgegrifen werden. Durch eine Umstellung auf
Fruchtfolgen mit weniger stickstoflastigen Kulturen sowie die Implementierung von innovativer
Technologie wie Biostimulanzien, ließe sich der Düngemittelbedarf senken. Auf Oberflächendüngung
sollte verzichtet werden und Unterfußdüngung zur Stickstofversorgung favorisiert werden.
Die Zukäufe von Dünger sollten bei Preisspitzen aufgeschoben werden und günstigere
Preisentwicklungen abgewartet werden. Dennoch empfiehlt es sich, Teilmengen bereits zu hohen
Preisen zu sichern.
6.3. Fazit
Es stellt sich heraus, dass ein landwirtschaftlicher Betrieb der Primärproduktion zum Teil
ähnliche Einflussfaktoren ausgesetzt ist, wie die verarbeitende Ölmühle. Das größte Risiko
stellen Energiepreise dar, da sie als Input sowohl eine hohe Einflussintensität auf die jeweiligen
Gewinn- und Verlustrechnungen ausüben und gleichzeitig großen Schwankungen unterliegen.
Ein auf langfristigen Verträgen basierender Ein- und Verkauf zur Absicherung gegen solche
Schwankungen mag als sicherer Hafen erscheinen. Mangelnde Flexibilität und die Zerstörung
des natürlichen Hedge, da hierdurch Inputpreise von den Outputpreisen entkoppelt werden,
sollten jedoch berücksichtigt werden.</p>
          <p>Diversifizierung hingegen ermöglicht es, situativ agieren zu können und so ein
vergleichsweise günstiges Ergebnis zu erzielen. Auch schwer zugängliche Faktoren wie das Klima lassen
sich durch Diversifizierung in ihrer destruktiven Kraft einschränken. Während der Feldertrag
auch von den fachlichen Fähigkeiten abhängt, zeigt sich, dass viele Faktoren nicht per se seitens
der Unternehmen beeinflussbar sind. Nur ein strategischer Umgang mit den Unsicherheiten
kann die Resilienz dann erhöhen. Ziel muss es sein, sich von einzelnen Einflüssen soweit
unabhängig zu machen, dass eine unfreiwillige Betriebsaufgabe ausgeschlossen werden kann. Durch
proaktive Maßnahmen wie Diversifizierung und Bedarfssenkung von Inputs entsteht ein
breiterer Spielraum, um auf Stress und Schocks reagieren zu können. Da Diversifizierung auch als
Gegenmodell zur bisher in der Landwirtschaft vorherrschenden economy of scale gesehen
werden kann, werden Spezialisierungsvorteile entfallen, wodurch Produktkosten steigen könnten.
Dies wäre vor dem Hintergrund heutzutage steigender Unsicherheiten jedoch gerechtfertigt
und würde im Gegenzug massive Preisausschläge in Krisenzeiten verhindern.</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>A. Online Resources</title>
      <p>Die Quelle für den Sonnenblumenölpreisindex ist verfügbar unter:
• FAO, Food Price Index.</p>
    </sec>
  </body>
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            <surname>M. P. M.</surname>
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          <article-title>A framework to assess the resilience of farming systems</article-title>
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          <source>Agricultural Systems</source>
          <volume>176</volume>
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          <year>2019</year>
          )
          <article-title>102656</article-title>
          . doi:https://doi.org/10.1016/j.agsy.
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            <given-names>G.</given-names>
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          ,
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