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        <article-title>Ein Petrinetz - Modell zur Informationsu¨ bertragung per Dialog</article-title>
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          <email>robert.lorenz@informatik.uni-augsburg.de</email>
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          <label>0</label>
          <institution>Katholische Universita ̈t Eichsta ̈tt - Ingolstadt</institution>
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          <label>1</label>
          <institution>Universita ̈t Augsburg</institution>
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      </contrib-group>
      <abstract>
        <p>Zusammenfassung Wir stellen ein abstraktes Modell zur Informationsu¨bertragung per Dialog vor. Dieses Modell erweitert das Grundmodell eines Kommunikationssystems von Shannon um die Mo¨glichkeit der Nachfrage innerhalb einer Informationsu¨bertragung. Fu¨r die Modellierung von Information und Informationsbestandteilen fu¨hren wir Merkmal-Werte-Relationen ein. Die Steuerung des Informationsflusses repra¨sentieren wir durch ein farbiges Petrinetz. Hierbei konzentrieren wir uns auf einen Mensch-Maschine-Dialog und die Modellierung der Funktionalita¨t der Maschine. Eine zuku¨nftige industrielle Anwendung liegt im Bereich von Dialogsystemen zur Sprachverarbeitung.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
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    <sec id="sec-1">
      <title>Einleitung</title>
      <p>
        2. die Steuerung des Informationsflusses durch ein farbiges Petrinetz.
Der erste Aspekt erlaubt es, bei der Repra¨sentation von Information mo¨gliche
Kanalsto¨rungen und Mißversta¨ndnisse angemessen zu beru¨cksichtigen, und geht damit
u¨ber das verbreitete Modell semantic slots [
        <xref ref-type="bibr" rid="ref1">1</xref>
        ] hinaus. Die im zweiten Aspekt
angesprochene Dialogsteuerung durch ein Petrinetz bildet einen vernu¨nftigen formalen Rahmen,
in den prinzipiell alle bekannten Dialogstrategien integriert werden ko¨nnen.
2
      </p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Systemmodellierung</title>
      <p>In diesem Abschnitt wird ein abstraktes Modell zur Informationsu¨bertragung per
Dialog vorgestellt. Da es mo¨glich ist, dass u¨bertragene Information nicht genau verstanden
wird, kann mit einer Nachfrage reagiert werden. Dabei wird eine Erwartung daru¨ber
generiert, was der Dialogpartner inhaltlich auf die Nachfrage antworten ko¨nnte. Zur
Modellierung von Informationsbestandteilen fu¨hren wir sog. Merkmal-Werte-Relationen
(MWRen) ein. Um einerseits die Erwartung an den Inhalt u¨bertragener Information
und andererseits die Sicherheit mit der Information verstanden wurde ausdru¨cken zu
ko¨nnen, ko¨nnen MWRen gewichtet werden. Zur Modellierung des Informationsflusses
im Dialog verwenden wir ein farbiges Petrinetz. Im Vergleich zu (bisher u¨berwiegend
verwendeten) Automaten hat das Petrinetz Vorteile in Ma¨chtigkeit, Kompaktheit,
Lesbarkeit, Wartbarkeit und Erweiterbarkeit.</p>
      <p>Es handelt sich um einen bisher noch vollsta¨ndig abstrakten Entwurf als ersten
Schritt einer Top-Down-Modellierung. Wir interpretieren dabei die Transitionen als
abstrakte Funktionen. Dazu definieren wir formal, was die Eingabe- und
Ausgabeparameter dieser Funktionen sind (diese werden als farbige Marken in den Stellen
modelliert), interpretieren die Ein- und Ausgabewerte der Funktionen und beschreiben deren
grundsa¨tzliche funktionale Abha¨ngigkeit. Die Implementierung derselben, z.B. durch
Transitionsverfeinerung, ist Gegenstand weiterer Forschungsarbeiten.</p>
      <p>Im folgenden Abschnitt werden die grundlegenden Notationen eingefu¨hrt. Im
Anschluss daran definieren und beschreiben wir den Begriff der Merkmal-Werte-Relation,
der fu¨r die Systembeschreibung im dritten Abschnitt von zentraler Bedeutung sein wird.
2.1</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Grundlegende Notationen</title>
        <p>Wir beginnen mit einigen grundlegenden mathematischen Notationen. Mit N
bezeichnen wir die Menge der nicht-negativen ganzen Zahlen, mit R die Menge der reellen
Zahlen und mit R+ die Menge der nicht-negativen reellen Zahlen. Ein
Wahrscheinlichkeitsmaß ¼ auf einer endlichen Menge A ist eine Abbildung ¼ : A ! [0; 1] mit
Pa2A ¼(a) = 1. Fu¨r eine endliche Menge A bezeichnet A+ wie u¨blich die Menge
aller Worte u¨ber A. Eine Multi-Menge u¨ber einer Menge A ist eine Funktion m : A ! N.
Fu¨r ein a 2 A bezeichnet m(a) die Anzahl von a’s in m. Fu¨r eine bina¨re Relation
R µ A £ A u¨ber einer Menge A ist R+ der transitive Abschluss von R. Eine bina¨re
Relation R u¨ber A heißt linkstotal, falls fu¨r jedes a 2 A ein b 2 A existiert mit (a; b) 2 R.
Ein gerichteter Graph G ist ein Paar G = (A; !), wobei A eine endliche Menge von
Knoten und !µ A£ A die Menge der Kanten ist. Wie u¨blich schreiben wir auch a ! b
fu¨r (a; b) 2!. Fu¨r a 2 A bezeichnet ²a = fa0 2 A j a0 ! ag den Vorbereich und
a² = fa0 2 A j a ! a0g den Nachbereich von a. Eine endliche Folge von Knoten
a0 : : : an (n 2 N) mit ai¡1 ! ai ist ein Pfad von a0 nach an. Ein Pfad a0 : : : an mit
a0 = an ist ein Zyklus. Eine partielle Ordnung ist ein gerichteter Graph (A; &lt;), wobei
&lt; irreflexiv und transitiv ist. Eine Relation R u¨ber einer Menge A la¨sst sich als
gerichteter Graph (A; R) auffassen und umgekehrt. Bekanntlich ist eine Relation R genau
dann zyklenfrei, wenn R+ irreflexiv, d.h. eine partielle Ordnung, ist.</p>
        <p>
          Zur Modellierung der Dialogsteuerung verwenden wir farbige Petrinetze [
          <xref ref-type="bibr" rid="ref2">2</xref>
          ]. Aus
Platzgru¨nden fu¨hren wir farbige Petrinetze hier nur semi-formal ein. Ein farbiges
Petrinetz besteht aus einer endlichen Menge von Stellen S, einer endlichen Menge von
Transitionen T (S \ T = ;), einer Menge von Kanten F µ (S £ T ) [ (T £ S) und
einer endlichen Menge von Farbmengen §. Eine Farbmenge C 2 § la¨sst sich als
Wertebereich eines Datentyps auffassen. Einen Wert c 2 C bezeichnet man als Farbe. Jeder
Stelle s ist eine Farbmenge C(s) zugeordnet, welche den Datentyp der Marken festlegt,
die in dieser Stelle liegen du¨rfen. Die initiale Markierung m0 legt fest, wieviele
Marken welcher Farbe am Anfang in einer Stelle s liegen, d.h. m0(s) ist eine Multimenge
u¨ber C(s). Jede Kante e ist mit einem Ausdruck E(e) u¨ber einer Menge von Variablen
beschriftet, welche einen festgelegten Datentyp (gegeben durch eine Farbmenge)
haben. Werden Variablen v eines Ausdrucks E(e) durch Farben b(v) der entsprechenden
Farbmenge evaluiert3, so ergibt E(e) eine Multimenge von Farben E(e) &lt; b &gt;.
Transitionen t ko¨nnen mit Bedingungen G(t) beschriftet sein. Auch deren Variablen haben
eine Farbmenge als Datentyp und ko¨nnen durch eine Funktion b an Farben gebunden
werden. Durch eine solche Bindung evaluiert G(t) zu wahr oder falsch. Eine Transition
t kann in einer Markierung schalten, wenn eine Bindung b aller Variablen an Farben
existiert, so dass die Transitionsbedingung zu wahr evaluiert und in jeder
(Eingangs)Stelle s mit (s; t) 2 F mindestens die durch E(s; t) &lt; b &gt; beschriebenen Marken
liegen. Schaltet t bzgl. einer solchen Bindung b, so werden diese Marken aus solchen
Eingangs-Stellen entfernt, und in jeder (Ausgangs-)stelle s mit (t; s) 2 F werden die
durch E(t; s) &lt; b &gt; beschriebenen Marken hinzugefu¨gt.
        </p>
        <p>Wir werden Informationsbestandteile durch Marken geeigneter Farben modellieren.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>2.2 Informationsbestandteile: Merkmal-Werte-Relationen</title>
        <p>Grundsa¨tzlich eignet sich das vorgestellte Modell ganz allgemein zur Beschreibung
eines Dialogs zwischen Systemen, zwischen Menschen oder auch zwischen Mensch
und Maschine, also generelle Informationsu¨bertragung nicht nur per Sprache. O.B.d.A.
wollen wir uns im Folgenden einen Mensch-Maschine-Dialog vorstellen, da sich dies
vorteilhaft auf die Wahl geeigneter Abstraktionen auswirkt.</p>
        <p>Im durchlaufenden Beispiel betrachten wir ein Mensch-Maschine-Dialogsystem, in
dem der Benutzer des Systems einen Anruf mittels Spracheingabe ta¨tigen mo¨chte.
Hierbei kann er die Nummer direkt angeben (falls er sie weiß), also z.B. “555666 anrufen”
sagen. Oder er kann ihm bekannte Informationen zum gewu¨nschten Anrufpartner, wie
Vorname, Nachname und Ort, angeben. Er kann also sagen “Maja anrufen”. Zur
Un3 man sagt auch: die Variablen werden an Werte des entsprechenden Datentyps gebunden
terstu¨tzung des Systems existiert ein, in einer Datenbank gespeichertes, Telefonbuch
mit Eintra¨gen, die solche Informationen zur Verfu¨gung stellen (Abb. 2).</p>
        <p>Erste Aufgabe des Systems ist,
u¨bertragene Informationen zu
verstehen. U¨blicherweise wird eine
Information (oder ein
Informationsbestandteil) mit einer bestimmten
Wahrscheinlichkeit verstanden. Kann der
gewu¨nschte Anrufpartner noch nicht
mit ausreichender Sicherheit identifi- Abbildung 2. Die Telefondatenbank des
ziert werden, wird das System weite- Sprachdialogsystems
re spezifische Informationen erfragen.</p>
        <p>So ist es beispielsweise mo¨glich, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit ein bestimmter
Nachname verstanden wurde, aber noch mehrere Personen mit diesem Nachnamen im
Telefonbuch existieren. Diese ko¨nnten sich bzgl. des Wohnortes oder des Vornamens
(oder beidem) unterscheiden lassen. Informationen werden so lange vom System
“aufgesammelt” und “kombiniert”, bis der gewu¨nschte Anrufpartner mit ausreichender
Sicherheit feststeht.</p>
        <p>Dieser Beschreibung zufolge ko¨nnen Informationen also verschiedenen
Merkmalen wie Vorname, Nachname und Ort zugeordnet werden. Diese nennen wir Werte. Die
Menge der Merkmale kann hierbei strukturiert sein, z.B. lassen sich Vor- und
Nachname zum Merkmal Name zusammenfassen. Formal werden wir Informationen in sog.
Merkmal-Werte-Relationen darstellen.</p>
        <p>Definition 1 (Merkmal-Werte-Relation). Gegeben seien zwei disjunkte endliche
Mengen M (Merkmalmenge) und A (Menge atomarer Werte). Eine Merkmal-Werte-Relation
(MWR) u¨ber M und A ist eine linkstotale, zyklenfreie Relation R ½ M £ (M [ A).</p>
        <p>Eine gewichtete MWR ist ein Paar (R; ¼) bestehend aus einer MWR R und einer
Menge ¼ = f¼m j m 2 M g von Gewichten ¼m 2 R+ auf den nicht-leeren
Wertemengen W (m) = fw 2 M [ A j (m; w) 2 Rg (d.h. ¼m : W (m) ! R+). Handelt es sich
bei ¼m um Wahrscheinlichkeitsmasse, so spricht man von einer stochastischen MWR.</p>
        <p>Die MWR bzgl. eines Merkmals m notieren wir als Rm := Rjfmg£(M[A).</p>
        <p>Zur Illustration der Zyklenfreiheit betrachten wir das Merkmal Ziffernfolge. U¨
blicherweise ist eine Ziffernfolge ein Element der unendlichen Menge f0; 1; 2; 3; 4; 5; 6; 7;
8; 9g+, die mit Hilfe geeigneter Rekursionen dargestellt werden kann (Abb. 3 links
oben). Allerdings sind in einer speziellen Anwendung nur endlich viele
Ziffernfolgen als Werte relevant, z.B. besitzen interne Telefonnummern meist eine
vorgegebene Stellenzahl. Deshalb verzichten wir durch die Forderung der Zyklenfreiheit auf die
Mo¨glichkeit der Rekursion4, was in unserer Situation einige Vorteile mit sich bringt.</p>
        <p>Eine MWR hat, als Graph betrachtet, nicht notwendigerweise eine Baumstruktur
(Abb. 3, rechts oben und links unten), dennoch kann man von Wurzeln (Merkmale, die
nicht als Werte auftreten) und Bla¨ttern (atomare Werte, die tatsa¨chlich als Werte
auftre4 In unserem Kontext ko¨nnte z.B. das Merkmal m = Ziffernfolge als Wertemenge W (m) die</p>
        <p>Menge der internen Telefonnummern haben.
ten) sprechen. Falls nur eine Wurzel5 vorhanden ist (Abb. 3, unten) und es sich um eine
stochastische MWR handelt, kann man aus den Wahrscheinlichkeitsmassen f¼mgm2M
eindeutig ein Wahrscheinlichkeitsmaß ¼R auf der Menge der Bla¨tter konstruieren, und
zwar ist fu¨r ein Blatt b 2 A seine Wahrscheinlichkeit ¼R(b) die Summe der
Pfadwahrscheinlichkeiten der Pfade von der Wurzel zum Blatt b. Hierbei erha¨lt man eine
Pfadwahrscheinlichkeit durch Multiplikation der Wahrscheinlichkeiten entlang des Pfades.
Falls die MWR eine Baumstruktur hat (Abb. 3, rechts unten), ko¨nnen aus einem
Wahrscheinlichkeitsmaß ¼R auf den Bla¨ttern auch umgekehrt die Wahrscheinlichkeitsmasse
f¼mgm2M berechnet werden.</p>
        <p>Die in Abbildung 3 rechts unten dargestellte MWR benutzen wir in unserem
durchlaufenden Beispiel eines Dialogs zur Anbahnung eines Anrufs zur Modellierung von
Informationsbestandteilen. Bla¨tter, die vom Merkmal Datenbank aus erreichbar sind,
entsprechen grundsa¨tzlich genau Datenbankeintra¨gen (vgl. Abb. 2). Die hier gezeigte
MWR hat bereits Gewichte, die wir aber spa¨ter erkla¨ren werden.</p>
        <p>Abbildung 3. Zyklenfreiheit einer MWR und verschiedene Erscheinungsformen von
MerkmalWerte-Relationen.
2.3</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Systembeschreibung</title>
        <p>In diesem Abschnitt beschreiben wir das durch das Netz in Bild 4 modellierte
Dialogsystem. Dazu bezeichnet M die Menge aller Merkmale und A die Menge aller
atomaren Werte. Die Transitionen stellen bis dato abstrakte Funktionen dar, deren Ein- und
Ausgabedaten durch Marken in den Stellen p1; : : : ; p6 repra¨sentiert werden. Die durch
die Stellen p3; p4; p5 modellierten Daten repra¨sentieren hierbei gewichtete MWRen
u¨ber M 0 und A0 fu¨r geeignete Mengen M 0 µ M und A0 µ A. Dabei betrachten
5 Gibt es in der MWR genau ein Merkmal, das nicht als Wert vorkommt, so bezeichnen wir
dieses Merkmal als “Superwurzel”.
wir o.B.d.A. nur MWRen mit Baumstruktur. Wir stellen eine solche gewichtete MWR
(R; f¼mgm2M0 ) durch die Menge f(Rm; ¼m) j m 2 M 0g dar (Abb. 6). Eine Marke
entspricht dann einem konkreten Paar (Rm; ¼m). Die Stellen p3; p4; p5 sind also mit
der Farbmenge C = f(Rm; ¼m) j m 2 M g beschriftet. Die Stellen p1; p2; p6 haben
einfachere Datenstrukturen, welche von der betrachteten Anwendung abha¨ngen.</p>
        <p>Wie bereits erwa¨hnt,
betrachten wir einen
MenschMaschine-Dialog. Wir
konzentrieren uns dabei auf die
Modellierung der Funktionalita¨t
der Maschine. Im dargestellten
Netz beschreibt die graue
Stelle Informationseingabe
Funktionalita¨t des Senders (also des
Menschen), wa¨hrend das
restliche Netz die Funktionalita¨t des Abbildung 4. Abstraktes Petrinetz zur
InformatiEmpfa¨ngers (also der Maschi- onsu¨bertragung per Dialog.
ne) repra¨sentiert. Ziel ist es, die
durch die Informationseingabe generierte Information in p2 so zu u¨bertragen, dass der
Empfa¨nger diese in p6 erha¨lt. Dafu¨r ist es notwendig den Zustand in p5 so zu vera¨ndern,
dass die Informationsu¨bertragung abgeschlossen werden kann. Um diesen Vorgang zu
verstehen, werden wir im Folgenden jede Transition mit Ein- und Ausgaben in Struktur
beschreiben und interpretieren. Wir verifizieren dies anhand des durchlaufenden
Beispiels eines Dialogs zur Anbahnung eines Anrufs.</p>
        <p>Wir beginnen bei der Informationsanforderung.6 Als Eingabe dieser Transition
dienen Marken aus p5. Die Stelle p5 beinhaltet zwei voneinander unabha¨ngige
gewichtete MWRen. Die eine MWR (RIS ) beschreibt den aktuellen Informationsstatus des
Empfa¨ngers durch Gewichtung gi(Gu¨te) von bereits erkannten
Informationsbestandteilen i. Die andere MWR RbI repra¨sentiert die noch beno¨tigten
Informationsbestandteile zur Vervollsta¨ndigung der Informationsu¨bertragung. Je gro¨ßer das Gewicht eines
Merkmals aus RbI ist, desto dringender wird diese Information beno¨tigt, um die
Informationsu¨bertragung erfolgreich abzuschließen. RbI dient als Eingabe der
Informationsanforderung, d.h. die Kantenbeschriftung ist derart, dass genau die den Merkmalen
von RbI entsprechenden Marken konsumiert werden.7 Auf der Basis von RbI wird eine
entsprechende Informationsanfrage (an den Sender) in p1 generiert (z.B. repra¨sentiert
durch einen String). Diese Anfrage ist mit einer gewissen Erwartung an die na¨chste
Informationseingabe durch den Sender verbunden. Grundsa¨tzlich ko¨nnen Informationen
nur dann verstanden werden, wenn eine gewisse Erwartung an den Inhalt der
u¨bertragenen Information existiert.8 Eine solche Erwartung modellieren wir durch eine
stocha6 Die Informationsu¨bermittlung mit der Nachfrage beginnen zu lassen widerspricht zwar dem
Shannonschen Kommunikationsgedanken, aber diese Transition eignet sich am Besten zur
schrittweisen Beschreibung des Systems. Dies la¨sst sich aber ohne weiteres rechtfertigen,
indem man die initiale Nachfrage als Kommunaktionsero¨ffnung interpretiert.
7 In dieser Arbeit verzichten auf die formale Angabe von Kantenbeschriftungen.
8 Dies ist sowohl beim Menschen als auch z.B. in existierenden Sprachdialogsystemen der Fall.
stische MWR mit Superwurzel REH , die wir Erwartungshorizont nennen. Die zu den
Merkmalen von REH geho¨renden Marken werden in p3 generiert.</p>
        <p>Abbildung 5. Links: RIS - hier ist noch nichts erkannt worden. Rechts: RbI - hier wird im
Beispiel die Information als am notwendigsten eingestuft, welche die meisten (lautlichen)
Unterschiede liefert.</p>
        <p>Eine Analogie zur Informationsanforderung ist in unserem Beispiel der “Prompt”
(Abb. 7). Im ersten Schritt entspricht RbI einer Standardeinstellung und RIS ist “leer”,
i.e. es ist gi = 0 fu¨r alle i (Abb. 5). Aufgrund dieser Information wird der
Benutzer (visuell, akustisch, textuell,...) aufgefordert den Namen des Teilnehmers zu nennen
(p1) und die entsprechende Erwartungshaltung (Erwartungshorizont in p3) wird
generiert (Abb. 6 und 3 rechts unten), wobei aber geringfu¨gig beru¨cksichtigt bleibt, dass
der Benutzer den Anrufvorgang abbrechen oder die Nummer direkt angeben ko¨nnte.
Der Ort wird nicht beru¨cksichtigt, da ¼Datenbank(Ort) = 0. In p3 befinden sich jetzt
also die Marken (RErwartung, ¼Erwartung), (RAbbruch, ¼Abbruch), (RDirekteingabe,
¼Direkteingabe), (RDatenbank, ¼Datenbank), (RName, ¼Name), (RV orname, ¼V orname)
und (RNachname, ¼Nachname).</p>
        <p>Aufgrund der Informationsanfrage in p1 liefert der Sender (Informationseingabe)
eine Information in p2 (z.B. in Form einer Lautfolge oder eines Strings). In unserem
Beispiel antwortet der Mensch mit “Maja” (Abb. 8).</p>
        <p>Die Informationsverarbeitung besitzt eine eingehende Information aus p2 sowie den
Erwartungshorizont REH aus p3 als Eingabe. Die Informationsverarbeitung ordnet in
Verbindung mit REH die eingehende Information einem Merkmal zu. REH wird
anschließend wieder unvera¨ndert in p3 zuru¨ckgelegt. Die Ausgabe in p4 ist strukturell
diesselbe stochastische MWR mit Superwurzel, die wir hier “Ergebnishorizont” RErg
nennen, allerdings nun mit anderen Gewichten. Die Wahrscheinlichkeitsverteilung auf
den Bla¨ttern von RErg repra¨sentiert das Erkennergebnis.</p>
        <p>Der Erkenner (Abb. 9 links) erha¨lt also die Information “Maja” als Sprachsignal.
Gema¨ß des Erwartungshorizonts in p3 wird dieses Signal als Name identifiziert,
allerdings kann aufgrund der Lauta¨hnlichkeit nicht festgestellt werden, ob nun tatsa¨chlich
der Vorname “Maja” oder der Nachname “Meier” gemeint war. Sicher ist aber, dass es
sich weder um eine Ziffernfolge (also Direkteingabe der Telefonnummer) noch um den
Befehl “Abbruch” handelt. Diese Information befindet sich nun als Ergebnishorizont in
p4 (Abb. 9 rechts).</p>
        <p>Die Stellen p3, p4 und p5 liefern nun die Eingabeparameter fu¨r die
Informationsdatenbank. REH und RErg bilden in Kombination die Information nach der in der
Datenbank gesucht werden soll. RIS wird mit den Suchergebnissen aktualisiert und in p5
zuru¨ckgelegt. Sollte das Suchergebnis nicht eindeutig sein, wird u¨ber die
Informationsdatenbank eine MWR RbI in p5 generiert, welche die noch beno¨tigten Informationen
fu¨r den Abschluss der Informationsu¨bertragung repra¨sentiert.</p>
        <p>Nachdem der Erkenner mit einer hohen Wahrscheinlichkeit die Erwartung des
nachgefragten Namens besta¨tigt hat, wird nun also in der Datenbank in den Vornamen nach
“Maja” und in den Nachnamen nach “Meier” gesucht (bzw. nach Eintra¨gen in Vor- und
Nachname, die ausgesprochen der erkannten Lautfolge entsprechen)(Abb. 10). Beides
existiert in der Datenbank und wird als Ergebnis in RIS gespeichert, indem die
Gleichverteilung der Gewichte durch die entsprechende Erkenngu¨te ersetzt werden. Leider ist
die Suche daher nicht eindeutig und es erfolgt eine Auswertung, die das Merkmal “Ort”
als hochgradig identifizierend einstuft und diese Information in RbI eintra¨gt (sehr hohe
Gewichtung von “Ort”, sehr geringe Gewichtung von “Name”).</p>
        <p>In p5 befinden sich jetzt also aktualisierte MWRen RIS und RbI. Sofern der
Informationsstatus vollsta¨ndig ist, kann die Informationsu¨bertragung abgeschlossen werden
und die aktuelle Information, in Form der Marken RIS wird an p6 u¨bertragen. Falls es
sich allerdings um unvollsta¨ndige Informationsbestandteile handelt, beginnt das System
den eben erkla¨rten Zyklus von vorne, wobei durch den Prompt auf Basis der gerade
aktualisierten MWR RbI wieder ein vollkommen neuer Erwartungshorizont erstellt wird.</p>
        <p>Das Ende des ersten Durchlaufs in unserem Beispiel liefert uns die Information,
dass der gewu¨nschte Teilnehmer entweder den Vornamen “Maja” oder den
Nachnamen “Meier” besitzt.9 Diese Information ist nicht eindeutig und ermo¨glicht keinen
Abschluss des Tasks. In diesem Fall wird also auf Basis von RbI ein neuer Zyklus gestartet.
Der Prompt generiert einen neuen Erwartungshorizont, welcher einen Ort als Erwartung
widerspiegelt, worauf der Anrufer ihm “Sidney” nennt. Ha¨tten wir nun keinen
Erwartungshorizont, wu¨rde der Erkenner sowohl den Teilnehmer “Sidney Meyer” aus
“Berlin” als auch “Maja Brandl” aus “Sydney” fu¨r mo¨glich halten. Das Ergebnis wird durch
den Erwartungshorizont relativiert und wir erhalten nach zwei Schritten “Maja Brandl”
aus “Sidney” als eindeutig indentifizierten Anrufpartner und sind in der Lage den Task
abzuschließen.
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ausblick</title>
      <p>Ziel ist es, dieses abstrakte Modell in die Realita¨t umzusetzen und die Transitionen zu
implementieren. Nach Mo¨glichkeit wollen wir hierfu¨r weiter farbige Petrinetze
verwenden. Als na¨chsten Schritt soll das vorgestellte Modell komplett mit Kanten- und evtl.
Transitionbeschriftungen formalisiert werden.</p>
      <p>Literatur
Zur Illustration stellen wir hier einige erga¨nzende Bilder zur Verfu¨gung.</p>
      <p>Abbildung 6. Jeder Kreis entspricht einer Marke (Rm, ¼m) in p3 in Abbildung 7
Abbildung 7. Der Prompt generiert aufgrund von RbI aus p5 eine Anfrage in p1 nach dem Namen
und einen damit verbundenen Erwartungshorizont in p3.</p>
      <p>Abbildung 8. Der Teilnehmer antwortet auf den Prompt mit “Maja”
Abbildung 9. p2 und p3 dienen als Eingabe fu¨r den Erkenner. Dieser kann die Lautfolge “Maja”
dem Merkmal “Name” zuordnen. “Abbruch” und “Direkteingabe” sind ausgeschlossen und deren
Bla¨tter werden im Ergebnishorizont in p4 nicht beru¨cksichtigt.</p>
      <p>Abbildung 10. Die Datenbank erha¨lt den Erwartungs- und Ergebnishorizont, sowie den
Informationsstatus. Aufgrund dessen wird der Informationsstatus aktualisiert, sowie ggf. noch die
beno¨tigten Informationen generiert.</p>
    </sec>
  </body>
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          <article-title>A mathematical theory of communication</article-title>
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          <article-title>9 In diesem Fall sind die Gewichte gi in RIS aus Abbildung 5 vera¨ndert worden. Mo¨glich wa¨re jetzt gV orname = 1 von DBeintrag2 und gDBeintrag2 = 1.</article-title>
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  </back>
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