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      <title-group>
        <article-title>Generische Einschränkung der Modellierungsfreiheit in fachkonzeptuellen Modellen</article-title>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Martin Juhrisch</string-name>
          <email>juhrisch@uni-muenster.de</email>
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          <string-name>Gunnar Dietz</string-name>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Werner Esswein</string-name>
          <email>werner.esswein@tu-dresden.de</email>
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          <label>0</label>
          <institution>Technische Universität Dresden Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik</institution>
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        <aff id="aff1">
          <label>1</label>
          <institution>Universität Hamburg Projekt eCampus II Schlüterstr.</institution>
          <addr-line>70 20146 Hamburg</addr-line>
        </aff>
        <aff id="aff2">
          <label>2</label>
          <institution>Westfälische Wilhelms-Universität Münster Projekt MIRO Röntgenstr.</institution>
          <addr-line>9-13 48149 Münster</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>95</fpage>
      <lpage>108</lpage>
      <abstract>
        <p>Die zunehmende Verwendung von Informationsmodellen über technische Softwareaspekte hinaus, die ansteigende Anzahl an Modellerstellern sowie die Forderung nach Modellvergleichbarkeit bzw. Modellbewertbarkeit machen eine an Konventionen orientierte konstruktive Einschränkung der Freiheitsgrade bei der fachkonzeptuellen Modellierung notwendig. In diesem Artikel wird eine generische Methode vorgestellt, welche durch die Einführung von „Beschreibungsrahmen“ (Description Kits) sowohl eine Einschränkung der Modellierungsfreiheit in Bezug auf natürlichsprachliche Aspekte in fachkonzeptuellen Modellen erlaubt, als auch eine restriktive Benutzung bestehender Modellierungssprachen ermöglicht. Als Anwendungsfall wird die Konfiguration service-orientierter Architekturen diskutiert und die Nützlichkeit des Ansatzes in einer Pilotstudie illustriert, durchgeführt im Projekt MIRO an der Universität Münster.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>In der Fachliteratur wird die Einschränkung der Modellierungsfreiheit insbesondere
unter dem Aspekt der Modellintegration bei verteilten Modellierungsprojekten diskutiert
[Be07]. Im Rahmen der konzeptuellen Modellierung werden Unternehmen systematisch
analysiert und mit Hilfe semiformaler Modellierungssprachen rekonstruiert [Be95]. Der
hohe Freiheitsgrad bei der Modellierung und die fehlende Standardisierung von
Modellelementen in semiformalen Modellierungssprachen führen zu einer Reihe von
Integrationskonflikten bei der Zusammenführung fachkonzeptueller Modelle [Pf07].</p>
      <p>Abb. 1: Verschiedene Arten von Integrationskonflikten (in Anlehnung an [Pf07])
Modellübergreifende Referenzen können z. B. durch unterschiedliche Begriffssysteme
nicht aufgelöst und Überlappungsbereiche zwischen den Teilmodellen durch
unterschiedliche Abstraktionsgrade nicht identifiziert werden. Zur Vermeidung der
Konflikte und zur Herstellung der Vergleichbarkeit von Modellen existieren nun zwei
Ansätze: Zum einen wenden Ansätze zur Modelltransformation syntaktische
Transformationen sowie semantische Tests an, um Überlappungsbereiche zu
identifizieren [Ge07]. Diese Ansätze stellen nur minimale Annahmen an das vorliegende
Modell. Zum anderen wird bei der Konstruktion der Modelle angesetzt, um die
Konstruktion einfach vergleichbarer Modellierungsartefakte zu begünstigen. Ansätze
dieses Bereichs basieren auf der Annahme, dass der Vergleich von Modellen mit
willkürlicher Struktur die Identifikation von semantischen Überlappungsbereichen
behindert. Becker et al. halten fest, dass, um in einem verteilten Modellierungsprojekt
vergleichbare Resultate zu erhalten, die Freiheitsgrade des Modellierers stark
eingeschränkt werden müssen [Be07]. Dies bedeutet, dass bei Vorliegen eines
identischen Sachverhalts verschiedene Personen das gleiche Sprachkonstrukt zur
Beschreibung nutzen sollten [Be95].
Basishypothese ist damit die Annahme, dass Einschränkungen bei der Modellierung den
späteren Vergleich der Teilmodelle merklich vereinfachen [Pf07]. Als Konsequenz
schränken Konventionen die Freiheitsgrade bei der Modellierung ein, um ein bestimmtes
Maß an Compliance zu garantieren [Ro03]. Empirische Untersuchungen zeigen, dass in
einem verteilten Modellierungsprozess erstellte Teilmodelle sich in Bezug auf das
genutzte Vokabular, den Grad der Abstraktion und den Detaillierungsgrad unterscheiden
[HS06]. Die Einschränkung der Modellierungsfreiheit für den Zweck der Schaffung
vergleichbarer Teilmodelle betrifft damit im Kern die Eliminierung von Synonymen und
die Schaffung semantisch disjunkter Sprachkonstrukte [Pf07]. Die Forderung nach
semantisch disjunkten Sprachkonstrukten bewahrt vor Abstraktionskonflikten – alle
verteilten Modelle teilen dann die gleiche Ebene der Abstraktion.</p>
      <p>Die Modellbewertbarkeit stellt den zweiten Grund zur Einschränkung der
Modellierungsfreiheit dar. Zum einen werden angesichts der zu erwartenden Fülle von
Modellen innerhalb einer Prozesslandschaft manuelle Auswertungen stark erschwert.
Zum anderen dienen konzeptuelle Modelle präskriptiv als Entwurf für eine zu
implementierende Soll-Struktur der Organisation und ihrem Informationssystem. Die
Herausforderung besteht darin, ein umfassendes Modellsystem zu erstellen, welches zum
Zeitpunkt der Fertigstellung Gültigkeit besitzt – also auf aktuelle Marktanforderungen
reagiert. Daher ist es sinnvoll, auf Grundlage der erhobenen Prozesslandschaft
teilautomatisierte Analysen und Auswertungen als Indikatoren für zukünftige
Reorganisationsmaßnahmen durchführen zu können bzw. konzeptuelle Modelle so
vorzubereiten, dass sie als Input für einen Transformationsprozess in Entwurfsmodelle
dienen können. Für die Auswertbarkeit ist die o. g. Forderung nach Vergleichbarkeit
eine notwendige Voraussetzung [Pf07]. Zusätzlich müssen die Sprachkonstrukte eine
geeignete Abstraktionsstufe und Domänennähe besitzen, um inhaltlich auswertbar zu
sein.</p>
      <p>In der vorliegenden Arbeit soll ein eigener Ansatz präsentiert werden, der die
Entwicklung domänenspezifischer Sprachkonstrukte und deren eingeschränkte Nutzung
in konzeptuellen Modellen generisch erlaubt. Die Methode hat ihren Ursprung in der
Anpassung und Optimierung der service-orientierten Architektur an der Universität
Münster [BHT07]. Organisatorische Soll-Modelle resp. Anforderungsmodelle sollen
dabei die Rolle erfüllen, Input in eine Übersetzung in Servicekompositionen zu sein.
Der Artikel ist wie folgt strukturiert: Der nächste Abschnitt führt kurz die Motivation für
eine Einschränkung der Freiheitsgrade bei der konzeptuellen Modellierung ein. Im
dritten Abschnitt wird eine eigene Methode vorgestellt, welche die Grundlage für die
generische Einschränkung der Modellierungsfreiheit in Modellen darstellt. Der Artikel
schließt mit einem Anwendungsbeispiel zur Konfiguration von service-orientierten
Architekturen und fasst im Ausblick wesentliche Ideen und offene Punkte zusammen.
Die Essenz der Einschränkung der Modellierungsfreiheit in Bezug auf die Modellierung
bestimmter Aspekte im Informationsmodell ist die Begrenzung des Sprachvokabulars
auf eine Menge domänenspezifischer, semantisch disjunkter Sprachkonstrukte. Damit
hat nicht nur das konstruierte Informationsmodell, sondern auch bereits die
Modellierungssprache eine semantische Verbindung mit der Anwendungsdomäne
[Pf07]. Aus Anwendungssicht semantisch bedeutende Operationen auf konzeptuellen
Modellen können damit schon auf Sprachebene definiert werden.</p>
      <p>Als Beispiel lässt sich die spezifische Problemsituation im Fall der verteilten
Prozessaufnahme in öffentlichen Verwaltungen heranziehen. [Be07] stellen mit
PICTURE eine Methode vor, mit der die Modellierungsfreiheit auf eine Menge an
domänenspezifischen Sprachkonstrukten eingeschränkt wird. Durch die Eliminierung
von Typ, Synonym, Homonym und Abstraktions-Konflikten kann der semantische
Modellvergleich auf die Ebene der Syntax zurückgeführt werden [Pf07]. Flankiert wird
die Einschränkung der zur Verfügung stehenden Fachsprache durch eine spezielle
Prozessmodellierungssprache mit einfacher Syntax.</p>
      <p>Da die Sprachkonstrukte aus der Fachsprache abgeleitet werden, sind sich Fachexperten
in ihrer Rolle als Modellierer über deren Semantik bewusst. Die Wahl unpassender
Modellierungskonstrukte wird vermieden, die Operationalisierbarkeit der Modelle
ermöglicht.</p>
      <p>Eine Fachsprache ist allerdings immer natürlich gewachsen, ihr Vokabular und ihre
Grammatik sind nicht statisch, sondern Resultat des Sprachgebrauchs in einer
Sprachgemeinschaft. Die Festlegung auf domänenspezifische Sprachkonstrukte auf
Metamodellebene erscheint vor dem Hintergrund des dynamischen Wandels
problematisch. Darüber hinaus besitzen domänenspezifische Modellierungssprachen
keine ausreichende Anzahl an Sprachkonstrukten, um alle Phänomene in der jeweiligen
Domäne abzubilden. Folgerichtig wird eine Vielzahl von domänenspezifischen
Modellierungssprachen benötigt. Der hier vorgestellte Ansatz widmet sich der
Entwicklung situationsabhängig adaptierbarer fachlicher Sprachkonstrukte, die für ein
Projekt in einer bestimmten betrieblichen Domäne möglicherweise auch nur für einen
kurzen Zeitabschnitt konstruiert und im Zeitverlauf angepasst werden. Dafür werden
entweder existierende Sprachkonstrukte angepasst oder völlig neu aus existierenden
Sprachfragmenten konstruiert. Ermöglicht wird dies durch die Unterscheidung zwischen
Objekt- und Metamodellierungssprache.</p>
      <p>Folgt man der Meta-Object-Facility (MOF) Architektur der Object Management Group
(OMG) wird Sprache in der Systementwicklung in zwei Phasen genutzt [OMG02]:
•</p>
      <p>Zum einen kommt sie in der Modellierung auf Objektmodell-Ebene bei der Analyse
und Dokumentation des Diskursbereichs zum Einsatz.</p>
      <p>Die Phase der Sprachbildung umfasst dagegen die Beschreibung der Syntax und
Semantik einer Modellierungssprache unter Rückgriff auf eine Metasprache, die
wieder als Modellierungssprache ausgelegt sein kann. In diesem Fall spricht man
von einem Metamodell (M2M) [Fr99].</p>
      <p>Da eine domänenspezifische Modellierungssprache – als künstliches Artefakt von einem
Methodenentwickler geschaffen – über eine modifizierbare Grammatik verfügt, kann
diese darüber hinaus frei an bestimmte Bedingungen angepasst werden. Software, die die
Entwicklung einer Modellierungssprache unterstützt, wird unter dem Konzept der
MetaCASE Tools zusammengefasst. Bekannte Werkzeuge sind MetaEdit+ [KRT05] oder das
cubetto® Toolset [Cu08].</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>3 Entwicklung von Beschreibungsrahmen („Description Kits“)</title>
      <p>Im vorliegenden Paper werden Beschreibungsrahmen (Description Kits) vorgestellt, die
den Konsens der Sprachgemeinschaft bezüglich der Menge und Struktur bestimmter für
die Analyse relevanter sprachlicher Konzepte repräsentieren. Der Description Kit-Ansatz
ist dabei generisch genug, um jede Art von Modellinformationen in deren Beschreibung
zweckbezogen einzuschränken. Konkrete Beschreibungen einer fachlichen Information
im Analysemodell konkretisieren die Vorstellungen des Modellierers auf einer rein
sprachlichen Ebene im Rahmen des vorgegebenen Description Kits.</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>3.1 Description Kit Language</title>
        <p>Der Description Kit-Ansatz stellt die Phase der Sprachbildung in den Mittelpunkt (vgl.
Anhang). Im Metamodell auf Ebene 1 erfolgt die Erstellung der so genannten
Beschreibungsrahmen-Sprache (Description Kit Language). Hier findet die syntaktische
Festlegung der Description Kits statt. Dies beinhaltet die Hierarchisierung verschiedener
Description Kit-Konzepte [JW08] sowie die Festlegung ihrer Benutzung. Letzteres
erfordert eine Verknüpfung des Metamodells einer konzeptuellen Modellierungssprache,
welches zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegen muss, und dem Metamodell für die
Decription Kit Language. Es wird festgelegt, welche Description Kits an welchen
Modell-Elementen möglich oder verpflichtend sind. Die Decription Kit Language wird
also auf das Metamodell der Zielsprache abgebildet.</p>
        <p>Die Decription Kit Language kann so generisch gehalten werden, dass ein oder mehrere
solcher DK nur einmal im Vorfeld erstellt werden müssen und dann in verschiedenen
Kontexten benutzt werden können. Im Idealfall liegt eine Decription Kit Language vor,
die so generisch ist, jede Modellinformation abhängig vom vorliegenden
Modellierungszweck als eingeschränktes domänenspezifisches Sprachkonstrukt
modellieren zu können.
Die hier vorgestellte Decription Kit Language unterscheidet zwischen
zusammengesetzten und atomaren Description Kits. Zusammengesetzte Description Kits
(Composite Description Kits) sind wiederum eine Aggregation aus anderen Description
Kits einer niedrigeren Hierarchieebene. Atomare Description Kits (Atomic Description
Kits) dagegen bestehen nicht mehr aus weiteren Rahmen. Weiter kann ein Description
Kit (zusammengesetzt oder atomar) im Sinne eines Metadatensatzes durch Parameter
angereichert werden. Parameter sind optionale Bestandteile eines Description Kits und
beim Modellieren auf Ebene 0 auszufüllen. Allen Parametern eines atomaren
Description Kits können optional entweder feste Werte oder Platzhalter zugeordnet
werden. Für Parameter sind Platzhalter für frei wählbare Eigenschaften und eine
nichtleere Menge von möglichen Parameterwertbelegungen spezifizierbar.
Es wäre allerdings ebenso eine Decription Kit Language denkbar, die im Sinne der
Modellierung von Rolleninformationen das Konzept „Rolle“ festlegt. Damit werden auf
Metamodellebene keine domänenspezifischen Sprachkonstrukte modelliert, sondern die
Sprache für Decription Kits dieser domänenspezifischen Sprachkonstrukte. Eine
Erweiterung einer Metamodellierungssprache, wie sie in der Literatur bisher vorschlagen
wurde [JW08], ist nicht mehr notwendig.</p>
        <p>Eine erzwungene Benutzung von bestimmten Decription Kits für bestimmte
Modellelemente kann dabei zusätzlich nicht nur die Modellierungsfreiheit in Bezug auf
die Decription Kits einschränken, sondern auch eine Einschränkung in Bezug auf die
Modellierung selbst bedeuten.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>3.2 Modellierung und Nutzung von Description Kits</title>
        <p>Unter Benutzung dieser Description Kit Language erfolgt dann auf Ebene 0.5 die
Definition von Description Kits. Hier findet der eigentliche Adaptionsprozess statt und
die Anpassung an den Modellierungszweck. Die Instanziierung von Ebene 1 auf Ebene
0.5 ist im Sinne von „dieser Description Kit entspricht diesem und jenem Konzept“ zu
sehen – und legt damit auch die Benutzung der Description Kits beim Modellieren fest.
Insbesondere werden auf Ebene 0.5 adaptive Komponenten eingeführt, welche zum Teil
natürlichsprachliche Konzepte darstellen. Wie schon ursprünglich beim Pattern-Ansatz
[JW08] bedeutet die Einschränkung auf die auf dieser Ebene eingeführten Konzepte, die
dargestellten Sprachkonflikte (vgl. Abbildung 1) teilweise aufzulösen.</p>
        <p>Um instanziierte Description Kits (sogenannte „Descriptions“) auf Ebene 0 zu nutzen,
sind Description Kits auf Ebene 0.5 zu entwerfen – im Sinne adaptierbarer
domänenspezifischer Sprachkonstrukte. Dies könnten je nach Description Kit Language
konkrete Rollentypen, konkrete Dokumenttypen (Email, Brief, etc.) oder konkrete
Pattern [JW08] sein (vgl. Abbildung 2)</p>
        <p>Abb. 2: Anwendungsbeispiel Description Kit Ansatz (stark vereinfacht)
Nach der Definition der Description Kits auf Ebene 0.5 kann die eingeschränkt
beschreibbare Modellinformation im Modell auf Ebene 0 modelliert bzw. bereits
vormodellierte Descriptions genutzt werden.
Im Beispiel der Rolleninformationen wären hier konkrete Rollen anzulegen. Jede Rolle
wiederum kann unterschiedlich ausgestaltet werden und durch unterschiedliche
Parameter ergänzt werden (z.B. Studienfach bei Student oder Institut bei einem
Mitarbeiter). Dies wäre natürlich auch als „Freitext“ Parameter modellierbar. Genauso
könnte man aber die Organisationsstruktur auf Ebene 0.5 zusätzlich zu den konkreten
Rollen anlegen, so dass beim Modellieren nur noch die Organisationseinheit an die Rolle
„Mitarbeiter“ angeheftet werden muss.</p>
        <p>In einem Description Kit ist damit die Menge aller Beschreibungsmöglichkeiten eines
eingeschränkten domänenspezifischen Sprachkonstrukt festgehalten, die später bei der
konkreten Beschreibung modellierbar sind und durch das Setzen von Parametern
konkretisiert werden können. Ein Description Kit legt somit das Vokabular und alle
möglichen Beschreibungen eines domänenspezifischen Sprachkonstrukts fest.
Die Instanz eines Description Kits – also eine konkrete Beschreibung im Rahmen der
Vorgaben – wird als Description bezeichnet. Die Description erhält einen eindeutigen
Namen und ist Teil des fachkonzeptuellen Modells. Alle möglichen Beschreibungen, die
der Description Kit zulässt, werden durch das Setzen der Parameter oder Zuordnung von
Description Kits niedrigerer Hierarchieebene konkretisiert. Eine vorhandene
Wertzuweisung kann während der Modellierung verändert werden. Zu jedem Zeitpunkt
der Modellierung auf Ebene 0 ist immer genau eine Konfiguration eines Description Kits
auf Ebene 0.5 aktiv. Wie bereits erwähnt, werden die Verbindungsmöglichkeiten des
Decription Kits mit den Konzepten der konzeptuellen Modellierungssprache auf
Metamodellebene festgelegt und bleiben konstant. Die Description Kit Language sollte
damit im Fall von Änderungen der Fachsprache nicht betroffen sein. In dem Fall wären
nur die Description Kits von einer Adaption betroffen. Veränderungen an einem
Description Kit, z. B. durch die Definition von weiteren Parametern, führen einen
Dsecription Kit von einer Konfiguration in eine andere über. Die Adaptionsoperationen
sollten dabei eine Anpassung ermöglichen, ohne die Konsistenz des existierenden
fachkonzeptuellen Modells zu gefährden. Dies ist insofern problematisch, als bei der
Modellierung der Decription Kits keine Annahmen gemacht werden, wann bestimmte
Adaptionsoperationen realisiert werden.</p>
        <p>Vorteil des hier vorgestellten Ansatzes ist die generische Modellierung
domänenspezifischer Sprachkonstrukte. Gleichzeitig wird die Weiternutzung
bestehender Modellierungssprachen ermöglicht. Durch die Einführung der zusätzlichen
Ebene 0.5 ist ein Ansatz gefunden worden, der eine Erweiterung einer
Metamodellierungssprache wie dem E³-Modell unnötig macht. Eine Unterstützung der
Nähe der Ebenen 0.5 und 0 durch das Modellierungstool macht den Adaptionsprozess
wesentlich einfacher als im bisherig verwendeten Pattern-Ansatz [JW08]. Die
Möglichkeit, unterschiedliche Description Kit Languages zu definieren, bietet eine
höhere Flexibilität als der ursprüngliche (prinzipiell ja schon generische) Pattern-Ansatz
und erlaubt eine direktere Umsetzung von Ansätzen wie die Anreicherung von Modellen
durch Rolleninformationen im Sinne von [JWD08].
Mit der stetigen Konsolidierung der Web Service Standards vollzieht sich in der
Diskussion zu service-orientierten Architekturen ein Wechsel weg von der
Implementierung und dem Deployment von Services hin zum Service Management. Die
Indikatoren: Anzahl der Standardisierungsanfragen und die Menge großer
Forschungsprogramme in diesem Bereich sind evident für einen wachsenden Bedarf an
Managementmethoden für die Abbildung von Geschäftsanforderungen auf
Servicekompositionen. Es wird eine Anwendung des Description Kit-Ansatzes
vorgestellt, die eine zielgerichtete Abstimmung zwischen den relevanten
Geschäftsprozessen und der SOA in fachkonzeptuellen Modellen erlaubt.
Bezug nehmend auf die Abstraktionsebenen der Model Driven Architecture MDA
[MD03] ordnet sich diese Abbildung als Transformationsaufgabe zwischen
Analysemodellen (Computation Independent Models; CIM) und Entwurfsmodellen
(Plattform Independent Models; PIM) ein. Aus dem vorliegenden Modellierungszweck
lässt sich nun ableiten, dass eine automatische Überführung die Übersetzung des
realweltlichen Problems in eine Form voraussetzt, die eine entsprechende maschinelle
Verarbeitung ermöglicht. In der Reduzierung der semantischen Heterogenität innerhalb
der Modellelemente aus Analyse- und Entwurfsmodellen liegt ein entscheidender Schritt
zu einer automatisierbaren Überführung. Basishypothese ist, dass eine Verbindung
zwischen Organisation und IT Domäne unter der Voraussetzung hergestellt werden
kann, dass eine Menge an sprachlichen Konzepten simultan in Analyse- und
Entwurfsmodellen eingesetzt wird.</p>
        <p>Im weiteren Textverlauf wird daher die exemplarische Anwendung des Description
KitAnsatzes für die Überwindung der semantischen Lücke zwischen semi-formaler
Problembeschreibung in Analysemodellen und formaler Lösung in Entwurfsmodellen
angewendet. Ziel ist die Vergleichbarkeit von Analyse- und Entwurfsmodellen zu
erreichen.</p>
        <p>Für den vorliegenden Modellierungszweck wird die Freiheit in Bezug auf die
Modellierung von Objekten bzw. Teilen von Objekten eingeschränkt. Diese wurden als
Konzepte gewählt, da sie zum einen in der Analyse- als auch in der Entwurfsphase
Bedeutung besitzen, damit die Modellierung nicht nachhaltig negativ beeinflussen, und
sich zum anderen gut für die Prüfung von Analysemodellen auf Servicekandidaten und
den Abgleich zwischen Analyse- und Entwurfsmodellen eignen. Im Sinne der
Description Kit-Methode wird folgendermaßen vorgegangen:</p>
        <p>Ebene 1 (Metamodellebene): Auf Metamodellebene wird eine hierarchische
Description Kit Language entwickelt. Die Description Kit Language „Objekt“
umfasst die Konzepte Objekt, Attribut und Attributwert. Zusammen dienen sie
der Modellierung von Description Kits des Typs „Objekt“ auf Ebene 0.5. Die
Konzepte der Description Kit Language werden auf das existierende
Metamodell der Modellierungssprache emuliert – im vorliegenden Fall wird auf
das Metamodell der Ereignisgesteuerten Prozessketten (EPK) der ARIS
Methode Bezug genommen [Sc00]. Damit sind die syntaktischen Beziehungen
zwischen Modellierungssprache und der Description Kit Language festzulegen.
Ebene 0.5: Mit Hilfe der Description Kit Language werden Description Kits für
Objekte auf Ebene 0.5 entwickelt. Diese sind adaptiv, können also zur Laufzeit
der Modellierung auf Objektmodellebene an verschiedene Anforderungen an
die Modellierung von Objekten angepasst werden. In diesem Sinne bilden sie
den Konsens zwischen Softwarearchitekten und Fachexperten bezüglich der
Menge und Struktur bestimmter für die Analyse und den Entwurf relevanter
sprachlicher Konzepte entsprechen.</p>
        <p>Ebene 0 (Modellebene): Auf Ebene 0 werden die Description Kits von Ebene
0.5 instanziiert und bilden individuelle Descriptions. Die Modellierung wird
dabei auf den vorgegebenen Description Kit eingeschränkt.</p>
        <p>Eine Description wird auf Ebene 0 als konkretes Objekt (z. B. Geschäftsobjekt) oder
eines Teils davon interpretiert. Die Konkretisierung auf ein ganz bestimmtes Objekt
erfolgt durch die Parametrisierung der Attributwerte, die u. U. durch logische Operatoren
miteinander kombiniert werden können.</p>
        <p>Description Kits vom Typ „Objekt“ haben damit einen entscheidenden Effekt auf die
Aktivitäten während der Modellierung auf Modellebene, da der Freiheitsgrad bei der
Beschreibung von Geschäftsobjekten bzw. Teilen von Geschäftsobjekten auf das
vormodellierte Vokabular eingeschränkt wird.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>4.1 Konzeptuelle Modellierung mit Description Kits</title>
        <p>Werden Description Kits in Analysemodellen benutzt, so konkretisieren sie die
Vorstellungen des Modellierers auf einer rein sprachlichen Ebene. Dafür werden
Zustandsübergangsmodelle eingeführt, die basierend auf einer Erweiterung der EPK
funktionale Anforderungen beschreiben (vgl. Abbildung 3).</p>
        <p>Abb. 3: Erweiterung der EPK als Zustandsübergangsmodell
Dabei wird eine semantische Beziehung zwischen Ereignis und Objekt hergestellt und
als betrieblicher Zustand interpretiert. Dieser expliziert sich durch die Sammlung der
Zustände der zugeordneten Objekte. Zu automatisierende Geschäftslogik wird damit als
Menge von Zustandsübergängen von Objekten dokumentiert.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>4.2 Entwurfsmodellierung mit Descriptions</title>
        <p>Mit der E³-Methode [Gr04] wurde ein Modell für Services entworfen, das die Abbildung
einer Serviceschnittstelle mit Hilfe grafischer Zeichen vorsieht und die
Methodensignatur an Descriptions koppelt.</p>
        <p>Abb. 4: Modellierung von Web Services mit dem Web Service Description Kit
Bei der Definition der Nachrichtenparameter kommen die Description Kits von Objekt
zum Einsatz. Dadurch, dass bei der Modellierung von Analyse- und Entwurfsmodellen
in beiden Fällen entsprechende Descriptions benutzt werden, wird die Brücke zwischen
beiden Domänen geschlossen. Es wird angenommen, dass die Servicefunktion eines
Web Services sich dann für einen bestimmten betrieblichen Kontext eignet, wenn das
auslösende respektive resultierende Ereignis einer Prozessfunktion im Analysemodell
Descriptions mit einem Zustand umfasst, der dem im Modell der Servicefunktion
entspricht. Die Konfiguration wählt automatisch passende Servicefunktionen aus und
schlägt dem Modellierer gegebenenfalls eine Anpassung des Soll-Modells vor. Als
Ergebnis ist das EPK Modell idealerweise mit der vorliegenden SOA abgeglichen. Ein
angepasstes Soll-Modell kann als Referenzmodell – fachliche Lösung mit unterliegender
Implementierung – auf andere Organisationen übertragen werden.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Ausblick</title>
      <p>Der vorgestellte Ansatz leistet einen ersten Schritt hin zu einer modellgetriebenen
Konfiguration einer SOA durch Geschäftsprozessmodelle. Mit der Produktivschaltung
von cubetto® Toolset [Cu08] in naher Zukunft und dem dann folgenden Einbezug der
dezentralen IT-Betreuungsorganisationen der Universität wird sich auch die Akzeptanz
der Methode abzeichnen. Die konsequente Verwendung des Modellierungswerkzeugs im
Projekt MIRO wird helfen, es als Mittel der Wahl für das Dokumentieren und Verwalten
der SOA zu verwenden und als Teil des integrierten Informationsmanagements zu
betrachten.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
      <p>[Be07] Becker, J. et al.: Bausteinbasierte Modellierung von Prozesslandschaften mit der
PICTURE-Methode am Beispiel der Universitätsverwaltung Münster. In
Wirtschaftsinformatik 49 (4), 2007; S. 267
[Be95] Becker, J.: Grundsätze ordnungsgemäßer Modellierung. In Wirtschaftsinformatik 37 (5),
1995; S. 435
[BHT07] Böhm, B.; Held, W.; Tröger, B.: Integrated Information Management at the University of</p>
      <p>Munster. In Changing Infrastructures for Academic Services. Bad Honnef, 2007.
[Cu08] Cubetto Toolset: Semture GmbH, www.semture.de, Dresden, 2008.
[Fr99]</p>
      <p>Frank, U.: Conceptual Modelling as the Core of the Information System Discipline –
Perspectives and Epistemological Challenges. In Proceedings of the 5th Americas
Conference on Information Systems, AMCIS’99, 1999; S. 695 – 697.
[Ge07] Gehlert, A.: Migration fachkonzeptueller Modelle. Logos Berlin, 2007
[HS06]
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[Ro03]
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      <p>Pfeiffer, D.: Constructing comparable conceptual models with domain specific
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(ECIS 2007), St. Gallen, 2007
Rosemann, M.: Preparation of Process Modeling. In (Becker, J.; Kugeler, M.;
Rosemann, M. Hrsg.) Process Management, Berlin et al., 2003; S. 41-78
Scheer, A.-W.: ARIS – Business Process Modeling. Springer, Berlin, 2000
Strahringer, S.: Ein sprachbasierter Metamodellbegriff und seine Verallgemeinerung
durch das Konzept des Metaisierungsprinzips. In Proceedings of the Modellierung 98 –
Astronomical Society of Australia, 1998</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
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      <ref id="ref1">
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          <string-name>
            <surname>Hamburg</surname>
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          <year>2004</year>
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            <surname>Analysis</surname>
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