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    <journal-meta>
      <journal-title-group>
        <journal-title>Anita Krabbel, Ingrid Wetzel und Sabine Ratuski. Participation of Heterogeneous User
Groups: Providing an Integrated Hospital Information System. Proceedings of the Par-
ticipatory Design Conference, PDC</journal-title>
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    <article-meta>
      <title-group>
        <article-title>Anwendungslandschaften und ihre Verwendung durch exemplarische Geschäftsprozessmodellierung verstehen</article-title>
      </title-group>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Stefan Hofer</string-name>
          <email>stefan.hofer@c1-wps.de</email>
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          <label>0</label>
          <institution>Universität Hamburg, Departement Informatik, Arbeitsbereich Softwaretechnik und C1 WPS GmbH Vogt-Kölln-Str.</institution>
          <addr-line>30 22527 Hamburg</addr-line>
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      <pub-date>
        <year>1996</year>
      </pub-date>
      <volume>96</volume>
      <fpage>241</fpage>
      <lpage>249</lpage>
      <abstract>
        <p>Projekte zur Umgestaltung komplexer Anwendungslandschaften erweisen sich in der Praxis als Herausforderung für Unternehmen. Die laufende Anpassung an sich ändernde fachliche und technische Gegebenheiten ist für die Zukunftssicherheit einer Anwendungslandschaft unverzichtbar. Dieser Artikel schlägt einen Modellierungsansatz vor, der Anwendungslandschaften zum Gegenstand eines von allen Beteiligten gestalteten Veränderungsprozesses macht. Durch die ineinandergreifende Modellierung von technischer Architektur und Geschäftsprozessen wird Verständnis für jene Zusammenhänge geschaffen, welche die Umgestaltung so herausfordernd machen.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>-</title>
      <p>nalität als externe Dienstleistung zugekauft wird. Für die Umsetzung dieser Änderungen
muss die Anwendungslandschaft im Kontext ihrer Verwendung betrachtet und verstanden
werden, da sonst viele relevante Fragen unbeantwortet bleiben. Bezogen auf die
Veränderungen im Wertpapierhandel sind dies beispielsweise:</p>
      <p>Welcher Ausschnitt der Anwendungslandschaft ist von den Veränderungen im
Wertpapierhandel betroffen?
Kommt es durch die neue Anwendung zu Redundanzen in der Datenhaltung, so dass
Daten aus mehreren Beständen synchronisiert werden müssen?
Wie wirken die komplexen IT-gestützten und manuellen Arbeitsprozesse
zusammen, die den Geschäftsprozess „Wertpapierhandel“ ausmachen?
Welche dieser Arbeitsprozesse müssen angestoßen werden, um die neuen und
geänderten Schnittstellen in der Anwendungslandschaft testen zu können?
In diesem Artikel wird untersucht, wie die gemeinsame Betrachtung von
Anwendungslandschaften und ihrer Verwendung Umgestaltungsprojekte unterstützen kann (siehe
Abschnitt 2). Als Grundlage für diese Analyse dienen Projekte der C1 WPS GmbH, in
welcher der Autor als Berater tätig ist. Mit der an der Universität Hamburg entwickelten
exemplarischen Geschäftsprozessmodellierung (eGPM, siehe Abschnitt 3) steht ein
praxiserprobter Ansatz zur Verfügung, um Anwendungslandschaften und ihre Verwendung
ineinandergreifend zu modellieren. In mehreren Projekten der C1 WPS wurden positive
Erfahrungen mit eGPM gemacht. In einem Abgleich mit bestehenden
Modellierungsansätzen für Anwendungslandschaften und Geschäftsprozesse (siehe Abschnitt 4) zeigt der
Artikel, dass die vorgeschlagene Sichtweise auf Anwendungslandschaften bisher wenig
beachtete Themen beleuchtet. Abschließend fasst Abschnitt 5 die bisherigen Erkenntnisse
zusammen und zeigt weiteren Forschungsbedarf auf.
2</p>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>Umgestaltung von Anwendungslandschaften</title>
      <p>2.1</p>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>Begriffe</title>
        <p>Unternehmen betreiben nicht länger einzelne, isolierte Softwaresysteme, sondern eine
große Zahl teilweise von einander abhängiger Anwendungen. Die Gesamtheit dieser
Anwendungen wird zusammen mit ihren Abhängigkeiten als Anwendungslandschaft eines
Unternehmens bezeichnet [Der03]. Änderungen im Geschäft und technische Gründe wie
schlecht zu wartende IT-Systeme erfordern die laufende Anpassung von
Anwendungslandschaften. Um sie umgestalten zu können, ist die Kenntnis ihrer Architektur genauso
wichtig wie die Abstimmung mit den von ihr zu unterstützenden Arbeits- und
Geschäftsprozessen. Dieser Artikel folgt der Definition der ANSI und versteht unter Architektur den
Aufbau einer Anwendungslandschaft, verkörpert durch ihre Bestandteile und deren
Beziehungen untereinander, sowie die Grundsätze ihres Entwurfs und ihrer Evolution [ANS00].
Als Geschäftsprozesse fasst man koordinierte Aktivitäten zur Erreichung von
Geschäftszielen zusammen [Wes07]. Umgesetzt werden diese abstrakten Aktivitäten durch konkrete
manuelle und IT-gestützte Arbeitsprozesse.</p>
        <p>Ohne ein Verständnis der Architektur können die Auswirkungen der Anpassung einer
Anwendungslandschaft nicht eingeschätzt werden, während eine fehlende Abstimmung mit
den Prozessen den Sinn der Änderungen in Frage stellt. Zu einer ähnlichen Einschätzung
kommen Conrad et al., die für das Gebiet der Enterprise Application Integration (EAI)
die beiden Problembereiche „technische Realisierung“ und „organisatorische/soziale
Integration“ identifizieren [CHKT06, S. 5]. EAI kann als Teilbereich der Umgestaltung von
Anwendungslandschaften aufgefasst werden, weil das Einführen neuer Anwendungen, die
Anpassung von Schnittstellen zwischen Anwendungen und das Abschalten von
Anwendungen die wesentlichen Möglichkeiten darstellen, um eine Anwendungslandschaft zu
verändern. Die in diesem Artikel vorgeschlagene Unterstützung für die Umgestaltung von
Anwendungslandschaften basiert daher auf der Unterstützung dieser
Veränderungsmöglichkeiten.
2.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>Herausforderungen in der Praxis</title>
        <p>Dieser Abschnitt fasst die Erfahrungen zusammen, welche die C1 WPS GmbH in
Umgestaltungsprojekten gesammelt hat. Neben Beratung zur IT-Strategie der Kunden und der
Modellierung von Ist- und Soll-Anwendungslandschaften unterstützte sie die Umsetzung
der erarbeiteten Pläne. Dabei traten immer wieder zwei grundlegende Fragen auf, deren
Beantwortung die gemeinsame Betrachtung der Architektur der Anwendungslandschaften
und der von ihnen unterstützten Prozesse erforderte:</p>
        <p>Was muss man über die Anwendungslandschaft und ihre Verwendung wissen, um
sie umgestalten zu können?
Welche Auswirkung hat die Umgestaltung auf die Anwendungslandschaft und ihre
Verwendung?
Anhand eines fiktiven, aber realistischen Beispiels aus der Versicherungsbranche werden
im Folgenden drei Kontexte vorgestellt, in denen diese Fragen auftauchen:
Eine Versicherung verwendet Vorgangsmappen, um die arbeitsteilige
Abarbeitung von Schadensfällen zu koordinieren und den Bearbeitungsstatus
eines Falls nachvollziehen zu können. Die einzelnen Arbeitsschritte der
Sachbearbeiter werden bereits durch IT-Systeme unterstützt. Hingegen ist die
Vorgangsmappe eine nicht formal festgelegte, lose Kombinaton von E-Mails,
Dateien und Papierdokumenten. Um die Bearbeitungsgeschwindigkeit zu
erhöhen, sollen die Vorgangsmappen durch ein Workflow-Management-System
(WfMS, vgl. [zM04]) umgesetzt werden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-3">
        <title>Fachliche und technische Integration</title>
        <p>Nur mit Detailwissen über die IT-Unterstützung der betroffenen Akteure können
Schnittstellen zwischen Anwendungen auf technischer und fachlicher Ebene ermittelt und eine
sinnvolle Integration erreicht werden. Im Beispiel:
Um herauszufinden, wie das WfMS und die bestehenden Anwendungen sinnvoll integriert
werden können, müssen die Arbeitsprozesse der Sachbearbeiter und die vorhandene
ITUnterstützung modelliert werden.</p>
        <p>Welche Arbeitsgegenstände (eingescannte Dokumente, Anträge auf Papier etc.)
verwenden die Sachbearbeiter?
Welche Arbeitsschritte erledigen sie IT-gestützt und mit welchen Anwendungen?
Tauschen diese untereinander Daten aus? Wie wird die Kommunikation angestoßen?</p>
        <sec id="sec-2-3-1">
          <title>Welche Anwendung ist führend bei der Verwaltung welcher Daten?</title>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-2-4">
        <title>Migrationsplanung</title>
        <p>Unternehmen setzen große Änderungen in ihren Anwendungslandschaften oft in kleinen
Schritten um, sodass die Landschaft und die von ihr unterstützten Prozesse auf dem Weg
vom Ausgangs- zum Zielzustand mehrere produktive Zwischenzustände durchlaufen. In
jedem dieser Schritte müssen die Veränderungen in der Landschaft gut abgestimmt und
von Fachabteilung und IT verstanden werden, um den reibungslosen Betrieb aufrecht
erhalten zu können. Im Beispiel:</p>
        <p>In welcher Reihenfolge sollen die Arbeitsprozesse der Sachbearbeiter im WfMS
abgebildet werden?
Wie verändern sich die Prozesse in der Abteilung für Schadensfälle und die
Schnittstellen in der Anwendungslandschaft durch das WfMS? Wie sehen sie nach dem
ersten, zweiten, dritten etc. Migrationsschritt aus?</p>
      </sec>
      <sec id="sec-2-5">
        <title>Testszenarios</title>
        <p>Anwendungsübergreifende Tests entlang fachlicher Prozesse mindern das Risiko, das neue
und geänderte Schnittstellen für die Verwendung einer Anwendungslandschaft darstellen.
Passende Testszenarien zu identifizieren und konkrete Testfälle aufzustellen erfordert die
detaillierte Kenntnis der Zusammenhänge zwischen technischer Architektur der
Anwendungslandschaft und den von ihr unterstützten Arbeitsprozessen. Im Beispiel:
Welche anwendungsübergreifenden Arbeitsprozesse führt ein Sachbearbeiter aus?
Gibt es manuelle Schritte in diesen Arbeitsprozessen, die Kommunikation zwischen
Anwendungen auslösen?
Welche Abhängigkeiten zwischen Anwendungen sind rein fachlich und nicht
technisch (z.B. Nachbearbeitung von eingescannten Dokumenten)?
3</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>Exemplarische Geschäftsprozessmodellierung – eGPM</title>
      <p>Dieser Abschnitt stellt einen Ansatz zur Geschäftsprozessmodellierung vor, der sich in der
Praxis als Hilfsmittel zur Beantwortung der oben genannten Fragestellungen erwiesen hat.
Da eine ausführliche Beschreibung des Ansatzes den Umfang dieses Artikels sprengen
würde, wird er nur im Überblick dargestellt.
3.1</p>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>Kurzvorstellung</title>
        <p>Ursprung der exemplarischen Geschäftsprozessmodellierung (vgl. [BKS06, Bre03]) ist
die Analyse der Unterstützung kooperativer Arbeit durch Software – speziell der
Aspekte Kommunikation, Kooperation und Koordination (vgl. [TSMB95]). Die Modellierung
findet in diesem Ansatz typischerweise in Workshops statt, in denen z.B. Vertreter aus
Fachabteilung und IT ihr Wissen und ihre unterschiedlichen Sichten in gemeinsame
Modelle einbringen. Das ermöglicht unmittelbare Rückkopplung, ob die Darstellung des
modellierten Gegenstandsbereichs zutreffend ist. Da eine Werkzeugunterstützung für diese
Vorgehensweise sehr nützlich ist, wurde eGPM in Zusammenarbeit mit der BOC Group1
als Modellierungsmethode für das Geschäftsprozessmanagement-Werkzeug ADONIS
implementiert.
eGPM besteht aus mehreren Modelltypen, die in ein gemeinsames Metamodell eingebettet
sind. Durch die Werkzeugunterstützung können Modelle verschiedener Typen auf Ebene
von Modellelementen verknüpft werden, was eine konsistente Modellierung erleichtert.
Zusätzlich stehen Überblicks- und Begriffsmodelltypen zu Verfügung, die einen
Überblick über zusammengehörige Modelle verschaffen bzw. Begriffe und Konzepte des
modellierten Gegenstandsbereichs zueinander in Beziehung setzen. Nur die beiden für diesen
Artikel wichtigsten Modelltypen werden im Folgenden näher beschrieben.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>Kooperationsbilder</title>
        <p>Das Kooperationsbild ist der zentrale Modelltyp der eGPM und baut auf den Arbeiten von
Krabbel, Wetzel et al. (siehe u.a. [KWR96a, KWR96b]) auf. Kooperationsbilder stellen
Kommunikation, Kooperation und Koordination zwischen Akteuren graphisch dar.
Sowohl Menschen als auch IT-Systeme können als Akteure eine aktive Rolle übernehmen.
Dadurch machen Kooperationsbilder die IT-Unterstützung von Geschäftsprozessen auf der
Ebene einzelner Arbeitsschritte sichtbar. Akteure sind durch typisierte Pfeile mit anderen
Akteuren und Gegenständen (z.B. „Geschäftsobjekte"wie in [BELM08]) verbunden. Diese
Relationen beschreiben folgende Aktivitäten:</p>
        <sec id="sec-3-2-1">
          <title>Akteure bearbeiten Gegenstände (siehe Abbildung 1a)</title>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-2">
          <title>Akteure geben Gegenstände untereinander weiter (siehe Abbildung 1b) Akteure geben Informationen über ein Medium (E-Mail, Telefon usw.) weiter (siehe Abbildung 1c)</title>
          <p>(a) Akteur bearbeitet Gegenstand</p>
          <p>(b) Akteur gibt Gegenstand weiter
(c) Akteur informiert mit Medium</p>
          <p>Abbildung 1: Relationen zwischen Akteuren und Gegenständen im Kooperationsbild
Den Kooperationsbildern liegt keine ablaufsteuernde, algorithmische Denkweise zu
Grunde. Stattdessen zeigen sie einen konkreten Ablauf eines Prozesses aus der Sicht der
beteiligten Akteure. Die einzelnen Aktivitäten des Prozesses werden dazu in eine
exemplarische Reihenfolge gebracht. Auf die Darstellung von Fallunterscheidungen wird verzichtet
– Kooperationsbilder „erzählen“ Szenarios (vgl. [Car00]).</p>
          <p>Wie sich im Praxiseinsatz gezeigt hat, ist eGPM durch die grafische Darstellung der
Kooperationsbilder und den Verzicht auf Fallunterscheidungen so verständlich, dass die an
den Workshops teilnehmenden Personen auch selbst Modelle erstellen können, während
ein geschulter Modellierer die Rolle des Moderators annimmt. Dieser achtet unter
anderem darauf, dass das gewählte Szenario durch klare Randbedingungen von anderen Fällen
abgegrenzt wird (z.B. Schadensfall Privathaftpflichtversicherung ohne Zusatzdeckungen,
Schadenssumme unter 10.000AC, Schaden wird vollständig gedeckt). Abbildung 2 stellt
den fiktiven Geschäftsprozess „Bearbeitung eines Schadensfalls“ mit den beschriebenen
Rahmenbedingungen als Kooperationsbild dar. Dieses Beispiel ist im Vergleich zu realen
Prozessen stark vereinfacht und verwendet nicht alle graphischen Elemente des
Modelltyps. Anhand der Nummern kann der Ablauf des Szenarios nachvollzogen werden.</p>
        </sec>
        <sec id="sec-3-2-3">
          <title>Abbildung 2: Bearbeitung eines Schadensfalls als Kooperationsbild</title>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>IT-Landschaft</title>
        <p>Der Modelltyp IT-Landschaft2 stellt die Zusammenhänge mehrerer IT-gestützter
Prozesse dar. Es handelt sich dabei um ein Begriffsmodell, das IT-Systeme zueinander in
Beziehung setzt. Ein geschulter Modellierer erstellt auf Basis der aus den
Kooperationsbildern gewonnenen Informationen über die IT-Unterstützung ein Modell des relevanten Teils
der Anwendungslandschaft. Dieses Modell wird gegebenenfalls in Workshops mit der
ITAbteilung um technische Aspekte ergänzt und von Widersprüchen bereinigt.
Kooperationsbilder können auf IT-Landschaften Bezug nehmen, in dem die Anwendungen mit
denen der IT-Landschaft verknüpft werden. Das Modell der IT-Landschaft dient dem mit der
Auswahl der Szenarien verbundenen Zweck – etwa der Herausarbeitung von technischen,
fachlichen und organisatorischen Berührungspunkten einer Anwendungslandschaft zu
einem neu einzuführenden Workflow-Management-System. Abbildung 3 zeigt den für die
Schadensbearbeitung relevanten Teil der IT-Landschaft vor der Einführung des WfMS.
Ein solches Modell führt die technikbezogenen Informationen mehrerer
Kooperationsbilder (u.a. dem in Abbildung 2) zusammen. Auch diese Abbildung ist im Vergleich zu
2„IT-Landschaft“ ist in eGPM ein Oberbegriff für „Anwendungslandschaft“, der zusätzlich Hardware- und
Software-Infrastruktur mit einschließt.
echten IT-Landschaften stark vereinfacht und enthält nur einige wenige der möglichen
Darstellungsmittel. Zu sehen sind ausgewählte IT-Systeme, für welche Daten sie führend
zuständig sind und welche Daten von ihnen aus anderen Anwendungen importiert (grauer
Pfeil), an andere Anwendungen gesendet (schwarzer Pfeil) und mit anderen Anwendungen
synchronisiert (schwarzer Doppelpfeil) werden.</p>
        <sec id="sec-3-3-1">
          <title>Abbildung 3: Beispiel einer fiktiven IT-Landschaft</title>
          <p>3.2</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>Unterstützung der Umgestaltung durch eGPM</title>
        <p>Dieser Abschnitt beschreibt unsere Erfahrungen beim Einsatz der eGPM in
Umgestaltungsprojekten. Er zeigt, mit welchen Eigenschaften eGPM den in Abschnitt 2.2
aufgelisteten Herausforderungen begegnet.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-5">
        <title>Gemeinsames Verständnis schaffen</title>
        <p>Die Umgestaltung einer Anwendungslandschaft involviert viele Personen mit
unterschiedlichen Fähigkeiten und Hintergründen, beispielsweise Mitarbeiter aus Fachbereichen und
IT sowie externe Dienstleister. Diese Personen haben direkt mit der Umgestaltung zu tun,
verfügen aber über verschiedene Sichten auf die Anwendungslandschaft. Selbst wenn
bereits Informationen zu den einzelnen Anwendungen vorliegen und in ein Modell verdichtet
wurden, heißt das nicht, dass die Beteiligten über ein gemeinsames Verständnis verfügen.
Dieses ist aber wegen der nötigen Abstimmung in solchen Projekten (siehe z.B. die Frage
nach der Planung produktiver Zwischenschritte im Abschnitt 2.2) von großer Bedeutung.
Die eGPM leistet mit ihren für alle Beteiligte verständlichen Darstellungsformen einen
Beitrag zur Schaffung eines gemeinsamen Verständnisses einer Anwendungslandschaft.
Beim Erstellen der Modelle erarbeiten sich die Beteiligten außerdem ein gemeinsames
Begriffsmodell. Daher kann der Modellierungsprozess der eGPM als „Verständnisprozess“
aufgefasst werden, in dessen Verlauf die Beteiligten explizit Informationen einbringen und
unterschiedliche Sichten verbinden.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-6">
        <title>Einfordern von Fragen zur Anwendungslandschaft</title>
        <p>Viele der Fragen aus Abschnitt 2.2 beschäftigen sich mit Kommunikation, Koordination
und Kooperation. Im Kontext von Anwendungslandschaften spielen diese Aspekte sowohl
in der Zusammenarbeit von IT-Systemen untereinander als auch zwischen Anwendungen
und ihren Benutzern eine Rolle. Daher greifen rein technisch motivierte Modelle zu kurz.
Die Kooperationsbilder der eGPM stellen unter anderem dar, wer - was - womit -
wozu bearbeitet und wer - wen - mit welchen Mitteln informiert. Dadurch fordert sie von
den Modellierern, explizit Fragen zur IT-Unterstützung von Kommunikation,
Koordination und Kooperation zu stellen. Die Antworten zu diesen Fragen gehen in das Modell der
Anwendungslandschaft ein.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-7">
        <title>Umgang mit Unvollständigkeit</title>
        <p>In der Praxis kann kaum eine vollständige Modellierung einer Anwendungsanlandschaft
erreicht werden: Zum einen wären die zu erhebenden Daten extrem umfangreich und nicht
aktuell zu halten. Zum andern verfügen viele Unternehmen nicht über die Möglichkeit,
die Vollständigkeit der Modellierung z.B. anhand der vom Lizenzmanagement erfassten
Anwendungen zu überprüfen.</p>
        <p>Eines der Kernkonzepte der eGPM ist die Fokussierung auf Szenarios. Diese auszuwählen
und dabei Wesentliches von Unwesentlichem zu trennen bedeutet, die Unvollständigkeit
von Modellen zu thematisieren und einen konstruktiven Umgang damit zu suchen. Die
Szenarios werden anhand des konkreten Ziels (vgl. „Pragmatisches Merkmal“ in [Sta73])
eines Umgestaltungsprojekts (z.B. Einführung eines Workflow-Management-Systems)
gewählt. Die bisherigen Erfahrungen beim Einsatz der eGPM zeigen, dass dadurch genügend
Informationen für die Modellierung der betroffenen Teile der Anwendungslandschaft
erhoben werden können.
4</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>Abgleich mit bestehenden Ansätzen</title>
      <p>Dieser Abschnitt stellt andere Ansätze vor, die sich mit der Modellierung von
Anwendungslandschaften und ihrer Einordnung in einen unternehmensweiten Kontext befassen.
4.1</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>Unternehmensarchitektur</title>
        <p>Als Unternehmensarchitektur werden unternehmensweite, integrierte Modelle von
Geschäftsstrategie, Geschäftsprozessen, Anwendungen und Infrastruktur verstanden [Kel07].
Es handelt sich also um die Beschreibung der existierenden Strukturen von Unternehmen.
Das Modell einer Anwendungslandschaft ist Teil einer Unternehmensarchitektur.
Unternehmensarchitekturen sind nicht als Hilfsmittel für die detaillierte Planung und
Durchführung von Änderungen in Anwendungslandschaften gedacht. So wird in [ARW08] und
[WF06] gefordert, Unternehmensarchitekturen auf aggregierten Informationen
aufzubauen und sie strategisch auszurichten. D.h. Unternehmensarchitekturen bestehen aus
grobgranularen Informationen über alle Aspekte eines Unternehmens hinweg statt vertiefender
Detailinformationen zu den einzelnen Aspekten. Winter und Fischer empfehlen,
spezialisierte Architekturansätze für die operativen Aufgaben in Teilbereichen des Unternehmens
einzusetzen [WF06]. Die eGPM ist ein solcher spezialisierter Ansatz.
4.2</p>
      </sec>
      <sec id="sec-4-2">
        <title>Softwarekartographie</title>
        <p>Dieser Ansatz stellt Anwendungslandschaften in Form von Softwarekarten [LMW05] dar.
In [BELM08] werden die Darstellungskonzepte (beispielsweise verschiedene
Kartentypen) und die damit verbundenen Einsatzmöglichkeiten in Form von Mustern
zusammengefasst. Ziel dieses Musterkatalogs ist, bestehende Ansätze zur Beschreibung von
Unternehmensarchitekturen (siehe Abschnitt 4.1) zu ergänzen. Dazu wurden in der Praxis häufig
auftretende Fragestellungen gesammelt und passende Lösungsansätze beschrieben, die aus
Handlungsanweisungen, dafür benötigten Informationen und geeigneten
Darstellungsformen für diese Informationen bestehen.</p>
        <p>Der Großteil dieser Fragestellungen (Concerns) betrifft strategische Themen wie die
langfristige Planung von Anwendungslandschaften. Zwar gibt es zwischen den Fragen und den
Einsatzzwecken der eGPM einige Überschneidungen (etwa „Concern C-51: Which
business objects are used or exchanged by which business applications or services?“ [BELM08,
S. 34]), doch unterscheiden sich die Modelle für deren Beantwortung. Sofwarekarten
basieren auf der Visualisierung von im Vorfeld (z.B. per Fragebogen) erhobenen Daten und
sind nicht das Resultat eines Modellierungsprozesses im Sinne der eGPM. Die eGPM
bindet die betroffenen Akteure in den Prozess mit ein und macht ihre Aufgaben zum
Bestandteil von Kooperationsbildern, wodurch die Zusammenhänge zwischen
Anwendungslandschaft und Geschäftsprozessen auf Ebene von Arbeitsprozessen (siehe Abschnitt
2.1) dargestellt werden. Softwarekarten zeigen diese Zusammenhänge auf Ebene von
Geschäftsobjekten (siehe z.B. Viewpoint 48 im Katalog) oder direkt auf
Geschäftsprozessebene (siehe z.B. Viewpoint 17). Ein weiterer Unterschied besteht im Umgang mit der
(Un-)Vollständigkeit von Modellen (siehe Abschnitt 3.2).
Im Gebiet der Geschäftsprozessmodellierung dominieren Ansätze, die Prozesse als
Kontrollflüsse [KNS92] beschreiben. Als Vertreter dieses Konzepts führt Weske unter anderem
die Business Process Modeling Notation und ereignisgesteuerte Prozessketten auf (vgl.
[Wes07]). „Anwendungen“ spielen in diesen Ansätzen eine untergeordnete Rolle.
Beispielsweise bietet der verbreitete Ansatz der ereignisgesteuerten Prozessketten [KNS92]
lediglich die Möglichkeit, Informationsobjekte im Sinne von Datenquellen oder
Speicherorten in einem Geschäftsprozessmodell zu verwenden.
5</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>Zusammenfassung und Ausblick</title>
      <p>Anwendungslandschaften rücken immer mehr in den Blickwinkel von Unternehmen und
stehen aus fachlichen und technischen Gründen unter ständigem Änderungsdruck.
Zukunftssicher können Anwendungslandschaften daher nur sein, wenn sie immer wieder
durch Umgestaltungsprojekte an neue Gegebenheiten angepasst werden. In solchen
Projekten werden Modelle von Anwendungslandschaften für die Planung und Umsetzung
verwendet, jedoch stellt dabei die Verknüpfung von technischer Architektur und
Arbeitsprozessen eine von der Informatik noch wenig beachtete Herausforderung dar. Eine solche
Sicht auf Anwendungslandschaften ist aber für viele Aufgaben in
Umgestaltungsprojekten hilfreich, etwas für die Konzeption fachlich und technisch passender Schnittstellen, für
die detaillierte Migrationsplanung und für die Erarbeitung von Testszenarios.
Mit der exemplarischen Geschäftsprozessmodellierung steht ein vielversprechender und
praxiserprobter Ansatz zur Verfügung, um Anwendungslandschaften und die von ihnen
unterstützten Prozesse ineinandergreifend zu modellieren. Er bildet die Grundlage für das
Promotionsvorhaben des Autors, in dessen Verlauf die eGPM weiter für den Einsatz in
Umgestaltungsprojekten optimiert werden soll. Dazu werden die Darstellungsmittel der
eGPM weiter verbessert und eine passende Modellierungsmethode ausgearbeitet.
Ergänzend werden Muster für die Anwendung der Methode bereitgestellt.</p>
      <p>Ein weiterer, noch zu erforschender Aspekt ist die Einordnung der eGPM in eine
Unternehmensarchitektur. Die Verbindung des Metamodells der eGPM mit dem Metamodell
eines Ansatzes für die Modellierung von Unternehmensarchitekturen könnte eine Brücke
zwischen strategisch ausgerichteten, stark aggregierten Darstellungen von
Anwendungslandschaften und operativ ausgerichteten, detaillierten Darstellungen schlagen.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literatur</title>
      <p>[ANS00]</p>
      <p>ANSI/IEEE Computer Society. ANSI/IEEE-Standard-1471. IEEE Recommended
Practice for Architectural Description of Software-Intensive Systems, 2000.
[ARW08] Stephan Aier, Christian Riege und Robert Winter. Unternehmensarchitektur.
Literaturüberblick und Stand der Praxis. Wirtschaftsinformatik, 4:292–304, 2008.</p>
      <p>Florian Matthes und André Wittenburg. Softwarekarten zur Visualisierung von
Anwendungslandschaften und ihren Aspekten - Eine Bestandsaufnahme. Technical report,
Technische Universität München, sebis, 2004.
[Sta73]</p>
      <p>Herbert Stachowiak. Allgemeine Modelltheorie. Springer, 1973.</p>
      <p>Robert Winter und Ronny Fischer. Essential Layers, Artifacts, and Dependencies of
Enterprise Architecture. In EDOC Workshop on Trends in Enterprise Architecture
Research, Seiten 30–38. IEEE Computer Society, 2006.</p>
    </sec>
  </body>
  <back>
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          [BELM08]
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            <surname>Alexander M. Ernst</surname>
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