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        <article-title>Stilisierte Fakten der Ereignisgesteuerten Prozesskette - Anwendung einer Methode zur Theoriebildung in der Wirtschaftsinformatik</article-title>
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        <contrib contrib-type="author">
          <string-name>Constantin Houy</string-name>
          <email>Constantin.Houy@iwi.dfki.de</email>
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          <string-name>Peter Fettke</string-name>
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          <string-name>Peter Loos</string-name>
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          <label>0</label>
          <institution>Institut für Wirtschaftsinformatik (IWi) im Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) Stuhlsatzenhausweg 3</institution>
          ,
          <addr-line>Geb. D3 2 66123 Saarbrücken</addr-line>
        </aff>
      </contrib-group>
      <fpage>22</fpage>
      <lpage>41</lpage>
      <abstract>
        <p>Ereignisgesteuerte Prozessketten (EPK) bilden ein Artefakt der Wirtschaftsinformatik, das sich seit seiner Einführung 1992 stets weiterentwickelt hat und zu dem über den gesamten Nutzungszeitraum Erfahrungen und artefaktrelevantes Wissen dokumentiert wurden. Umfassende und ausführliche UrsacheWirkungs-Zusammenhänge oder gar Theorien wurden in diesem Bereich noch nicht formuliert. Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit dem aus der Volkswirtschaftslehre stammenden Konzept stilisierter Fakten, um vorhandenes Wissen und Erfahrungen zur EPK zu erfassen, zu kondensieren, zu verdichten und in diesem Bereich die Bildung von Theorien voranzutreiben. Das Konzept stilisierter Fakten kann innerhalb dieses Prozesses bedeutende Grundlagen schaffen und auch die Bildung von Theorien auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformatik unterstützen. Bei stilisierten Fakten handelt es sich um breit gestützte und generalisierte Wissens- oder Erfahrungselemente, die essentielle Eigenschaften eines Phänomens darstellen. Die Anwendung des Konzeptes in grundlegenden Bereichen, wie der Modellierung von Geschäftsprozessen mit der EPK ermittelt interessante Zusammenhänge, unterstützt die Theoriebildung und kann somit bedeutende Grundlagen für die Weiterentwicklung von Technologien im Sinne einer gestaltungsorientierten Forschung liefern, die sich an vorliegenden Erkenntnissen orientiert.</p>
      </abstract>
    </article-meta>
  </front>
  <body>
    <sec id="sec-1">
      <title>1. Einleitung</title>
      <sec id="sec-1-1">
        <title>1.1 Ausgangssituation</title>
        <p>Die Gestaltungsorientierung wird im Allgemeinen als das zentrale Charakteristikum der
deutschsprachigen Wirtschaftsinformatik verstanden. Dieser Überzeugung folgend soll
wirtschaftsinformatische Forschung insbesondere innovative Artefakte konstruieren oder
gestalten, die nützlich und hilfreich bei der Lösung praktischer Probleme sind [He04].
Die Wirtschaftsinformatik wird deshalb häufig als angewandte Wissenschaft bezeichnet.
Allerdings gewinnt auch die Entwicklung von Theorien im Sinne einer
Grundlagenforschung im Rahmen der Wirtschaftsinformatik an Bedeutung, da sie den
Gestaltungsprozess von Informationssystemen sinnvoll unterstützen kann. In ihrem
Diskussionsbeitrag „Was ist eigentlich Grundlagenforschung in der Wirtschaftsinformatik?“
verdeutlichen Winter, Krcmar, Sinz, Zelewski und Hevner, dass „hinsichtlich der
Grundlagenforschung in der Wirtschaftsinformatik nicht das ob fraglich ist, wohl aber
das wie“ [Wi09]. Die Identifikation von Ursache-Wirkungs-Beziehungen und deren
technologische Anwendung als umgesetzte Ziel-Mittel-Beziehungen [Ch94] kann für die
Wirtschaftsinformatik ebenso von Bedeutung sein wie eine nachträgliche theoretische
Fundierung neu entwickelter Artefakte, da beide Varianten Gestaltungsprozesse
unterstützen können [Kr09]. In diesem Zusammenhang weist Zelewski in der
Diskussionsrunde auf die besondere Eignung des Konzeptes stilisierter Fakten („stylized facts“) zur
Identifikation interessanter Untersuchungsobjekte im Rahmen der Grundlagenforschung
und Theoriebildung hin [Ze09]. Dieses aus der Volkswirtschaftslehre stammende
Konzept und die zugehörige Methode bieten einen Ansatzpunkt, unsystematisch
nebeneinander stehende Forschungsergebnisse zu bündeln, eine „Kartografierung des
vorhandenen realtheoretischen Wissens“ vorzunehmen und die Theoriebildung innerhalb eines
Forschungsgebietes voranzutreiben. Des Weiteren unterstützt es die Identifikation
relevanter offener Forschungsfragen in einem Interessensgebiet [WL07]. Das Konzept ist
vom Forschungsgebiet unabhängig einsetzbar und kann somit auch im Kontext der
Wirtschaftsinformatik angewendet werden, um vorhandenes Wissen
wirtschaftsinformatischer Forschung zu erfassen und theoriebildend aufzuarbeiten.</p>
        <p>Die Ereignisgesteuerte Prozesskette (EPK) wurde seit ihrer Einführung durch Keller et
al. [KNS92] stetig weiterentwickelt und durch bestimmte Funktionalitäten erweitert. Die
Methode findet eine breite Akzeptanz im Zusammenhang mit der Modellierung von
Geschäftsprozessen und somit bei der Gestaltung prozessorientierter
Informationssysteme. Es existiert inzwischen eine Fülle wissenschaftlicher Publikationen zur EPK,
die sowohl konzeptioneller als auch empirischer Natur sind. Im Rahmen ihrer Nutzung
wurden zahlreiche Erfahrungen dokumentiert, die z. B. im Rahmen von Fallstudien zum
Einsatz von EPK [ESS99] oder anderen empirischen Methoden wie Laborexperimenten
ermittelt wurden [GD09]. Umfassende Ursache-Wirkungs-Beziehungen wurden in
diesem Bereich allerdings noch nicht dokumentiert, was dieses Gebiet zu einem
interessanten Untersuchungsbereich zur Anwendung des Konzeptes stilisierter Fakten macht.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-1-2">
        <title>1.2 Ziele des Beitrags</title>
        <p>Die Ziele des vorliegenden Beitrags liegen darin, die Anwendbarkeit des Konzeptes
stilisierter Fakten auf dem Gebiet der Wirtschaftsinformatik und insbesondere auf dem
Gebiet der EPK zu untersuchen. In diesem Zusammenhang verarbeitet er eine Reihe von
Beiträgen, die Wissen und Erfahrungen zur Modellierungsmethode der
Ereignisgesteuerten Prozesskette formulieren, um breit gestützte und generalisierte Wissenselemente
zur EPK zu extrahieren und weiter untersuchen zu können. Die erarbeiteten
Wissenselemente werden darauffolgend auf potentielle Zusammenhänge untersucht, um somit
die Bildung theoretischer Konstrukte im Kontext der Geschäftsprozessmodellierung mit
der EPK voranzutreiben. Vor diesem Hintergrund lassen sich die Ziele des Beitrags
formulieren, die auf folgende Fragestellungen eingehen:</p>
        <p>Wie lässt sich das Konzept stilisierter Fakten im Kontext der
Wirtschaftsinformatik und insbesondere auf dem Gebiet der EPK anwenden?
Welche breit gestützten Generalisierungen von EPK-relevantem Wissen lassen
sich aus existenter Literatur ableiten?
3. Inwiefern wird dieses EPK-relevante Wissen in der Community akzeptiert und
inwiefern stützen sich bestimmte Aussagen durch voneinander unabhängige
Untersuchungen?
4.</p>
        <p>Welche Zusammenhänge oder auch Inkonsistenzen und Widersprüche lassen
sich zwischen einzelnen Wissenselementen (stilisierten Fakten) im Rahmen der
Theoriebildung erkennen?</p>
      </sec>
      <sec id="sec-1-3">
        <title>1.3 Aufbau des Beitrags</title>
        <p>Nach dieser Einleitung wird in Kapitel 2 der zugrunde gelegte Forschungsansatz
expliziert und das Konzept stilisierter Fakten eingeführt. Vorhandene Potentiale für den
Bereich der wirtschaftsinformatischen Theoriebildung werden aufgezeigt. Kapitel 3
wendet das Konzept zur Ableitung stilisierter Fakten der Ereignisgesteuerten
Prozesskette an und stellt potentielle Zusammenhänge dar. Kapitel 4 diskutiert sowohl ermittelte
stilisierten Fakten zur EPK als auch Erkenntnisse, die im Zusammenhang mit der
Anwendung der Methode erlangt wurden, und präsentiert Implikationen für die
zukünftige Forschung auf diesem Gebiet, bevor Kapitel 5 die dargestellten Inhalte
zusammenfasst.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-2">
      <title>2. Forschungsansatz anhand des Konzeptes stilisierter Fakten</title>
      <sec id="sec-2-1">
        <title>2.1 Allgemeine Beschreibung des Konzeptes</title>
        <p>Stilisierte Fakten stellen breit gestützte und generalisierte Wissens- oder
Erfahrungselemente dar, die essentielle Eigenschaften eines untersuchten Phänomens beschreiben
[HMS07]. Beispielsweise stellt der empirisch breit gestützte Zusammenhang zwischen
dem langfristigen Verzicht auf einen Arbeitgeberwechsel bei japanischen Unternehmen
und eine im Vergleich zu amerikanischen Unternehmen vielfach höhere
Gehaltssteigerung ein typisches stilisiertes Faktum dar [Ao88].</p>
        <p>Das Konzept stilisierter Fakten geht nach herrschender Meinung auf Kaldor zurück, der
es im Kontext der makroökonomischen Wachstumstheorie anwendete [Ka61]. In diesem
Zusammenhang argumentiert Kaldor, dass im Rahmen der Modell- und auch der
Theoriebildung die Erläuterung charakteristischer Merkmale („stylized facts“) eines zu
untersuchenden Phänomens das bedeutendste Ziel darstellt. Schwerin weist darauf hin, dass
das Konzept bereits einige Vorläufer in der empirischen Konjunkturforschung hatte
[Sc01]. Das Konzept stilisierter Fakten ist nicht nur in der Volkswirtschaftslehre von
methodologischer Bedeutung, sondern wurde auch in der Betriebswirtschaftslehre schon
mehrfach angewendet, z. B. bei [CD99], [WL07].
Durch die Grundidee der Stilisierung ermöglicht das Konzept eine einheitliche Sicht
(„stylized view“) auf charakteristische Merkmale eines Erkenntnisobjektes. Im Rahmen
des Prozesses der Ableitung stilisierter Fakten werden ähnliche Aussagen verschiedener
Beiträge zu einem Wissensgebiet abstrahiert, um breit gestützte Tendenzen zu
identifizieren, die über verschiedene Darstellungen eines Sachverhaltes hinweg erkennbar sind.
Heine et al. entwickeln unter Berücksichtigung eines typischen Vorgehensmodells zur
Erstellung von Metaanalysen eine Operationalisierung für eine methodisch korrekte
Ableitung stilisierter Fakten, die sie auf betriebswirtschaftliche Themen ausrichten
[HMS07]. Diese Erweiterung begründet sich durch einige methodische Mängel, die das
ursprüngliche Konzept von Kaldor aufweist. Der im Folgenden dargestellte
Generierungsprozess orientiert sich am Beitrag von [WL07], der die Systematisierung von Heine
et al. übernimmt, allerdings die Phase der „Extraktion empirischer Ergebnisse zum
Phänomen“ im Vergleich zu Heine et al. etwas detaillierter in drei Unterphasen darstellt.
Des Weiteren wurde im vorliegenden Beitrag der Prozess um die Phase der
Ergebnisinterpretation zur Erarbeitung von Ursache-Wirkungs-Beziehungen erweitert.</p>
        <p>Abbildung 1: Generierungsprozess stilisierter Fakten
Wie bereits erwähnt weist Kaldors ursprüngliches Konzept im Gegensatz zu dem hier
verwendeten Vorgehensmodell einige methodologische Unklarheiten in Bezug auf eine
konkrete Operationalisierung auf, weshalb es häufig aus theoretischer Hinsicht kritisiert
wurde. Ausführliche Kritik übt unter anderem Schwerin [Sc01], dessen umfassende
Darstellung auch in die Überlegungen von Heine et al. einflossen. Schwerins Arbeit
liefert eine detaillierte Erweiterung des ursprünglichen Konzeptes von Kaldor und stellt
einige Grundanforderungen an eine akzeptable und methodisch „saubere“ Ableitung
stilisierter Fakten, die vor allem für empirische Arbeiten von Bedeutung sind:
1.
2.
4.</p>
        <sec id="sec-2-1-1">
          <title>Offenlegung des Generierungsprozesses,</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-2">
          <title>Methodenübergreifende Faktengenerierung,</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-3">
          <title>Vollständigkeit der Faktenmenge,</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-4">
          <title>Hinreichender Konsens über jedes stilisierte Faktum und</title>
        </sec>
        <sec id="sec-2-1-5">
          <title>Offenheit der Faktenmenge. Die Einhaltung der dargestellten Systematik und dieser Forderungen unterstützt somit eine ausgeprägte intersubjektive Nachvollziehbarkeit der ermittelten Ergebnisse.</title>
          <p>Das Konzept bedient sich im Rahmen der Faktengewinnung in der Regel der Methoden
der qualitativen Inhaltsanalyse. Diese beschäftigt sich mit der systematischen Erhebung
und Auswertung von verfügbaren Materialien. Im vorliegenden Beitrag handelt es sich
bei den untersuchten Materialien um Literatur. Prinzipiell lassen sich auch andere
Materialien wie Bilder oder Filme zu einem bestimmten Themenkomplex im
dargestellten Sinne qualitativ untersuchen. Ferner können auch formale und quantitative
Methoden zur Ableitung stilisierter Fakten angewendet werden.</p>
          <p>Die Ableitung stilisierter Fakten geschieht durch die Zusammenfassung von einzelnen,
sich im Detail unterscheidenden Aussagen zu einer gebündelten und abstrahierten
Eigenschaft. Zu beachten ist dabei, dass sich diese Eigenschaft durch ein hinlängliches
Maß an Repräsentativität und inhaltlicher Übereinstimmung rechtfertigen lässt. In
diesem Zusammenhang existiert keine einheitliche Regel oder Grenze, ab wann eine
Implikation als hinreichend repräsentativ gelten kann. Dies ist im jeweiligen Kontext zu
entscheiden [WL07]. Dieser durch subjektive Entscheidungen geprägte
Ableitungsprozess ist durch den Nachweis eines entsprechenden Konsens von Experten, die im
Forschungsfeld tätig sind, abzusichern.</p>
        </sec>
      </sec>
      <sec id="sec-2-2">
        <title>2.2 Anwendung des Konzeptes in der vorliegenden Untersuchung</title>
        <p>Das vorhandene Wissen zum hier untersuchten Gegenstand der EPK liegt zu einem
großen Teil in Form von Texten, meist wissenschaftliche Untersuchungen, vor. Um eine
systematische Vorgehensweise zu unterstützen, wird die Stichprobe der zu
untersuchenden Fachbeiträge gemäß dem dargestellten Vorgehensmodell zur Ableitung stilisierter
Fakten ermittelt und danach deren Inhalte analysiert. Im Gegensatz zur rein subjektiven
Interpretation von Texten sind für eine empirische Inhaltsanalyse im Allgemeinen sowie
für das Konzept stilisierter Fakten im Speziellen eine stringent durchgehaltene
Systematik und die intersubjektive Nachvollziehbarkeit der ermittelten Inhalte von
großer Bedeutung [Fr01]. Die Anwendung der explizierten Regeln bezüglich der
Stichprobe und Materialauswertung durch verschiedene Subjekte sollte im Idealfall zu
ähnlichen Resultaten führen [Di07]. Ein häufig angebrachter Kritikpunkt qualitativer
Inhaltsanalysen richtet sich auf die Kontextabhängigkeit der Bedeutung von Zeichen und
Symbolen. Diese Bedeutungen können von unterschiedlichen Subjekten auch
unterschiedlich aufgefasst und interpretiert werden. Zur Einhaltung einer konsistenten
Perspektive auf die untersuchte Literatur, wurden sämtliche Texte zunächst von einem
Autor untersucht und die stilisierten Fakten abgeleitet. Anschließend wurde die
Konsistenz der abgeleiteten stilisierten Fakten nochmals durch einen weiteren Autor geprüft.
Häufig wird zur Durchführung von qualitativen Inhaltsanalysen empfohlen, die
untersuchten Materialien im Hinblick auf eine a priori explizierte Fragestellung oder
Hypothese zu untersuchen [Di07]. So soll auch im Rahmen des Konzeptes stilisierter Fakten
die Problemstellung im ersten Prozessschritt formuliert werden. Im Kontext der
Anwendung des Konzeptes zur Theorieentwicklung, wie im vorliegenden Beitrag, wird
das vorhandene Material allerdings explorativ gesichtet, um gehäuft auftretende Muster
möglichst theorieunabhängig zu identifizieren („Theorieneutralität“) [Sc01]. Eine
mehrmalige Durchsicht der Literatur fördert die Identifikation sämtlicher potentieller
Faktenkandidaten. Die Generierung stilisierter Fakten stellt sich im Rahmen der Theoriebildung
als ein iterativer Prozess dar, der mehrmaliges Untersuchen des vorhandenen Materials
erfordert, um belastbare Aussagen extrahieren zu können.
Im Rahmen des Konzeptes stilisierter Fakten wird zur Theoriebildung vor allem die
Verwendung empirischer Befunde in den Vordergrund gestellt. Schwerin deutet darüber
hinaus an, dass stilisierte Fakten auch durch Befragungen von Experten ermittelt werden
können [Sc01]. Es erscheint somit nicht nur die Verwendung von Erfahrungen, die aus
empirischen Studien abgeleitet wurden, sondern unter anderem auch Lehrbuchwissen zur
Ableitung stilisierter Fakten geeignet, da dieses zweifelsohne als etablierte und
konsolidierte Expertenauffassung gelten kann. Vor dem Hintergrund einer solchen Auffassung
kann jegliche schriftlich fixierte Aussage zur Ableitung stilisierter Fakten herangezogen
werden, sofern diese auf Erfahrungen eines Experten beruht und sich im Rahmen der
Konsensanalyse behaupten kann. Insofern werden im Kontext der vorliegenden
Untersuchung auch nicht-empirische Arbeiten bei der Herleitung stilisierter Fakten
berücksichtigt, wenn sie das genannte Kriterium erfüllen.</p>
        <p>Der gegenwärtige Beitrag berücksichtigt bei der Erhebung relevanter Arbeiten die
Anforderungen der Forschungsmethode „Review“ [Fe06]. Zur Erhebung der Fakten
werden relevante Beiträge zur Ereignisgesteuerten Prozesskette untersucht. Da eine
Berücksichtigung aller existierenden Beiträge im Rahmen dieses Artikels als nicht
zweckmäßig und aus Platzgründen nicht realisierbar erscheint, wird eine Auswahl
aktueller Beiträge untersucht. Die Auswahl beschränkt sich auf die Jahre 1999 bis 2009.
Dies führt einerseits zwar dazu, dass eventuell potentielle Fakten nicht berücksichtigt
werden können, andererseits wird somit aber ein hoher Gegenwartsbezug der ermittelten
Fakten gewährleistet. Die untersuchte Auswahl von Beiträgen stützt sich auf die
Bibliographie zur EPK auf der Website des GI-Arbeitskreises
"Geschäftsprozessmanagement mit Ereignisgesteuerten Prozessketten (WI-EPK)
(http://www.epkcommunity.de). Diese Bibliographie wird seit dem Jahre 2005 auf der genannten
Website nicht mehr erweitert. Im Rahmen des vorliegenden Beitrags wird die Menge der in
der Bibliographie enthaltenen Konferenz- und Journalbeiträge um einige, auch
internationale Journalartikel und Konferenzbeiträge zur EPK aus dem genannten Zeitraum
ergänzt. Darin enthalten sind auch sämtliche Proceedings des GI-Workshops zur EPK
aus dem genannten Zeitraum. Weitere Artikel wurden systematisch in zwei Datenbanken
anhand des Suchbegriffes „EPK“, bzw. „EPC“ recherchiert und auf ihre Relevanz im
Bereich der Ableitung von stilisierten Fakten im oben beschriebenen Sinne überprüft.
Bei den Datenbanken handelt es sich um die im deutschsprachigen Raum häufig
eingesetzte wirtschaftswissenschaftliche Datenbank „WisoNet“ und die international
ausgerichtete Datenbanken „Ebsco Host“. Die somit verfügbare Literaturbasis umfasste direkt
nach der Recherche insgesamt 94 Artikel. Nach der ersten Relevanzprüfung der Beiträge
wurden noch 86 Artikel für die folgende Untersuchung berücksichtigt. Bei diesen
Artikeln handelt es sich vor allem um konzeptionelle Arbeiten, Experimente,
Methodenerweiterungen, Umfragen und Fallstudien.</p>
        <p>Zur Untersuchung und Bewertung des bestehenden Konsenses zu einem stilisierten
Faktum (Konsensanalyse) wird im vorliegenden Beitrag das Klassifikationskriterium der
Anzahl von bestehenden Untersuchungen, bzw. thematischen Beiträgen von Experten
des Forschungsfeldes herangezogen, die die Aussage stützen. Die Anzahl
übereinstimmender Aussagen ermöglicht hinreichende Rückschlüsse auf die Qualität des stilisierten
Faktums [WL07]. Die jeweiligen ermittelten Fakten werden als gut gestützt (A),
durchschnittlich gestützt (B) und schwach gestützt (C) klassifiziert. Zu stilisierten Fakten aus
der Kategorie C besteht noch stärkerer Überprüfungsbedarf im Vergleich zu denjenigen
aus der Kategorie A, was allerdings nicht impliziert, dass es sich bei stilisierten Fakten
aus der C-Kategorie um unbegründete Zusammenhänge handeln muss. Stilisierte Fakten
aus der Kategorie C stellen angenommene Tendenzen dar, die es in weiteren
Untersuchungen zu untermauern oder abzulehnen gilt. Zur Festlegung einer Regel
wurden im Rahmen der vorliegenden Untersuchung folgende Grenzen angenommen:</p>
        <sec id="sec-2-2-1">
          <title>Kategorie A: mindestens 10 Quellen, die eine Aussage stützen,</title>
          <p>Kategorie B: mindestens 5 Quellen, die eine Aussage stützen und</p>
          <p>Kategorie C: mindestens 2 Quellen, die eine Aussage stützen.</p>
          <p>Dass Experten auf einem Forschungsgebiet ihre Erkenntnisse aus vorangegangenen
Publikationen in der Regel in späteren Beiträgen wieder aufgreifen, ist im Kontext der
Konsensanalyse zu berücksichtigen. Die vorliegende Arbeit beachtet analog zur Arbeit
[Sc01] mehrere Beiträge desselben Autors oder der exakt selben Autorengruppe zur
gleichen Aussage in der Zählung deshalb lediglich einmal.</p>
        </sec>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-3">
      <title>3. Stilisierte Fakten der EPK</title>
      <sec id="sec-3-1">
        <title>3.1 Ableitung stilisierter Fakten der EPK</title>
        <p>Folgende Ausführungen legen den Faktengenerierungsprozess offen, bevor die einzelnen
ermittelten stilisierten Fakten präsentiert werden. Dazu wurde die Aussage „Der Einsatz
der EPK unterstützt die Kommunikation der Beteiligten im Rahmen der Analyse von
Geschäftsprozessen“ exemplarisch hergeleitet.</p>
        <p>Abbildung 2: Konsensanalyse eines exemplarisch dargestellten stilisierten Faktums der EPK
Elf der untersuchten Quellen beschreiben diesen Zusammenhang, weshalb das stilisierte
Faktum in die Kategorie A eingeordnet und somit als ein gut gestütztes Faktum gelten
kann. Es wurde vornehmlich anhand von Expertenaussagen abgeleitet. Die Aussage
wurde zunächst bei der Durchsicht der Literatur identifiziert und in die Reihe der
potentiellen Kandidaten aufgenommen. Bei der Durchsicht der weiteren Arbeiten wurde die
Aussage derart bestätigt, dass ein hinreichender Konsens für eine Eingliederung in die
Kategorie A vorlag.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-2">
        <title>3.2 Stilisierte Fakten der EPK</title>
        <p>Die im Folgenden dargestellten stilisierten Fakten (SF) der EPK wurden wie im Beispiel
demonstriert ermittelt. Ihre Herleitung wird aus Platzgründen nicht derart ausführlich
präsentiert. Die einzelnen Aussagen werden in Abbildung 3 zusammen mit den
stützenden Quellen und der jeweiligen zugeordneten Kategorie angeführt.</p>
        <p>Abbildung 3: Stilisierte Fakten der EPK
Interessierte Leser können sich für eine ausführliche Sammlung und Darstellung der
verwendeten Originalzitate für die Ableitung der stilisierten Fakten an den Erstautor
dieses Beitrags wenden. Es sei an dieser Stelle betont, dass die ermittelten stilisierten
Fakten nicht sämtliche für die Theoriebildung interessanten und potentiell relevanten
Aussagen wiedergeben, die durch die analysierte Literatur ersichtlich wurden. Vielmehr
handelt es sich bei den dargestellten Aussagen um diejenigen, über die innerhalb der
wissenschaftlichen Diskussion ein gewisser Konsens besteht.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-3">
        <title>3.3 Potentiell widersprüchliche Befunde</title>
        <p>Im Rahmen der Untersuchung wurden auch potentiell widersprüchliche Befunde
identifiziert, die im Folgenden kurz skizziert werden sollen. Einige Autoren weisen auf
eine gute Verwendbarkeit von EPK im Rahmen der Anforderungsanalyse von
Informationssystemen hin, so z. B. [LF01], [FRS02], [SL05] und [SS07]. [De01] formuliert
hingegen die Aussage, dass aufgrund des Interpretationsspielraums von EPK-Modellen
diese für den Gestaltungsprozess von Informationssystemen weniger gut geeignet seien.
Im Vergleich zwischen der EPK und Aktivitätsdiagrammen äußern zwei Autoren die
Ansicht, dass die EPK zur Prozessabbildung besser geeignet sei als Aktivitätsdiagramme
[Pl04], [Lü06]. Das genaue Gegenteil vertreten [St06] und [GD09]. Letztere Meinung
wird vor allem vor dem Hintergrund der Weiterentwicklung von Aktivitätsdiagrammen
der UML 2.0 gerechtfertigt. Überraschend ist in diesem Zusammenhang nur, dass die
Beiträge [Lü06] und [St06] im gleichen EPK-Proceedingsband publiziert wurden und
sich somit sehr wahrscheinlich auf den gleichen Entwicklungsstand der UML beziehen.</p>
      </sec>
      <sec id="sec-3-4">
        <title>3.4 Entwicklung und Darstellung von Zusammenhängen</title>
        <p>Da anzunehmen ist, dass zwischen den einzelnen stilisierten Fakten Zusammenhänge
bestehen, werden nun bestehende Abhängigkeiten in Abbildung 4 dargestellt und im
Sinne der Theoriebildung analysiert. Die Abbildung vermittelt eine komprimierte
Darstellung von Ursache-Wirkungs-Hypothesen im Bereich des Forschungsfeldes der EPK,
die auf Basis der ermittelten belastbaren Aussagen zur EPK entwickelt wurden. Ihre
Darstellung lehnt sich an sogenannte „causal loop diagrams“ an [St00]. In die
präsentierten Zusammenhänge wird des Weiteren ein grundlegender Zweck der Nutzung von
EPK eingebettet, nämlich die Unterstützung und Umsetzung der Prozessorientierung,
aus der eine gesteigerte Wirtschaftlichkeit eines Unternehmens oder einer Verwaltung
hervorgehen soll. Eine Auswahl stilisierter Fakten wird im Sinne der Theoriebildung
kausal verkettet. Ein Pluszeichen (+) deutet eine unterstützende Wirkung eines
bestimmten Faktums auf ein anderes Faktum an. Ein Minuszeichen (-) deutet entsprechend eine
hemmende Wirkung an.</p>
        <p>Abbildung 4: Ursache-Wirkungs-Beziehungen zwischen stilisierten Fakten der EPK
Eine umfassende und vollständige Verbalisierung der dargestellten Zusammenhänge soll
an dieser Stelle aus Platzgründen nicht stattfinden. Exemplarisch seien die vermuteten
Einflüsse, die die semiformale Semantik der EPK auf weitere stilisierte Fakten ausübt,
genauer erläutert, um das Verständnis der kompletten Abbildung zu unterstützen.
Abbildung 4 erhebt zudem keinen Anspruch auf Vollständigkeit sämtlicher denkbarer
Kausalzusammenhänge zwischen den einzelnen stilisierten Fakten. Folgende Wirkungen
gehen von der semiformalen Semantik der EPK aus:</p>
        <p>Die semiformale Semantik der EPK fördert die Möglichkeit von Missdeutungen
von Modellen durch Mitarbeiter, da die Notation Sachverhalte nicht eindeutig
erfasst und die Modelle somit von unterschiedlichen Subjekten unterschiedlich
interpretiert werden können. Dies wiederum kann sich negativ auf eine
optimale Prozessausführung auswirken, da unterschiedliche Mitarbeiter die durch
das Modell dargestellte Prozessstruktur eventuell unterschiedlich interpretieren
und einen Prozess jeweils unterschiedlich umsetzen.</p>
        <p>Die semiformale Semantik der EPK fördert weiterhin vielfältige
Ausdrucksmöglichkeiten, was die maschinelle Ausführbarkeit von Prozessen erschwert. Je</p>
        <p>ausdrucksmächtiger eine Notation ist, desto größer ist die Menge und
Komplexität möglicher Formulierungen, die durch die Notation ausgedrückt
werden können und die im Rahmen der Maschinenumsetzbarkeit zu
berücksichtigen sind. Kausal damit verkettet ist auch ein komplexer werdender Einsatz
von Workflowmanagementsystemen (WfMS).</p>
        <p>Durch die semiformale Semantik der EPK und die daraus resultierenden
vielfältigen potentiellen Ausdrucksmöglichkeiten kann sich je nach Anwendung der
gegebenen Möglichkeiten die Komplexität erstellter Modelle erhöhen. Dies hat
wiederum Einfluss auf die Verständlichkeit der abgebildeten Modelle. Schwer
verständliche Modelle könnten einen Einfluss auf die Güte des Wissensstandes
der Mitarbeiter zur Prozessstruktur haben und sich weiterhin auf die
Prozessausführung auswirken.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-4">
      <title>4. Diskussion und Implikationen</title>
      <p>Obwohl die hier angeführte Argumentation die Plausibilität der dargestellten
Zusammenhänge stützt, handelt es sich nicht um „Gesetze“, die unter allen Umständen gültig
sind, sondern um begründete Vermutungen. Vielmehr ist das angewendete Verfahren als
ein früher Schritt im Rahmen der Entwicklung von Theorien zu verstehen. Die
Untersuchung der Zusammenhänge ist somit in den Bereich der Entdeckung und noch nicht in
den Bereich der Begründung theoretischer Zusammenhänge einzuordnen.
Im Rahmen der dargestellten Ableitung zeigt sich das Konzept stilisierter Fakten als ein
interessanter Ansatz zur Unterstützung der Bildung von Theorien. Einzelne stilisierte
Fakten, zwischen denen im Rahmen der Theorieentwicklung
Ursache-Wirkungs-Beziehungen identifiziert werden sollen, können im Optimalfall als gut gestützte Aussagen
gelten und bilden somit ein solides Fundament von Theorien. Die angewandte Methode
enthält eine Reihe subjektiver Entscheidungen, die durch eine erhöhte Transparenz der
Darlegung intersubjektiv nachvollziehbar zu gestalten ist. Diesbezüglich ist auf eine
systematische und transparente Vorgehensweise bei der Entwicklung stilisierter Fakten
zu achten. In diesem Zusammenhang ist die Reliabilität der Codierung der stilisierten
Fakten von Bedeutung, die im Abschnitt zur Anwendung des Konzeptes diskutiert
wurde. Die Autoren haben in diesem Zusammenhang verstärkt qualitativ gearbeitet. Eine
Weiterentwicklung der Methode um quantitative Aspekte könnte die Reliabilität der
stilisierten Fakten weiter erhöhen.</p>
      <p>Einige hier formulierte Zusammenhänge mögen trivial erscheinen, dennoch sollten auch
solche Ursache-Wirkungs-Beziehungen im Rahmen der Theoriebildung berücksichtigt
werden. Die Theoriebildung sollte sich nicht nur auf die Fundierung komplexer
Beziehungen beschränken, sondern sämtliche relevanten Zusammenhänge untersuchen.
Die Methode enthält einige induktive Elemente, was sich ohne eine zusätzliche
Betrachtung der Begründungszusammenhänge im Bereich einer fundierten wissenschaftlichen
Gewinnung von Wissen als problematisch erweist [Po94]. Um das generierte Wissen
und ermittelte Zusammenhänge in den weiteren Schritten im Rahmen der
Theorieentwicklung methodisch „sauber“ zu erfassen und abzusichern, ist nach plausiblen
Begründungszusammenhängen zu suchen. Erste Ansätze bot hier Absatz 3.4. Eine
weitere Steigerung der Absicherung gewonnenen Wissens liefert die Anwendung der
Verfahren der epistemischen Induktion bzw. Abduktion, die einen Vergleich der
dargestellten Zusammenhänge mit etablierten Theorien vornehmen und die explanativ und
prognostisch wahrscheinlich erfolgreichere Theorie ermitteln können. Eine solche
Vorgehensweise berücksichtigt die von Popper geforderte Forschungslogik, die die
wissenschaftstheoretische Position des kritischen Rationalismus proklamiert [Sc06]. Im
Rahmen der weiteren Anwendung des Konzeptes stilisierter Fakten in der
Wirtschaftsinformatik empfiehlt sich der Vergleich mit den verschiedenen Ansätzen im Bereich der
Organisationstheorien oder der Systemtheorie, um die Entwicklung eigenständiger
Theorien der Wirtschaftsinformatik voranzutreiben [Ze09].</p>
      <p>Der Theoriebedarf auf dem untersuchten Gebiet der EPK zeigt sich auch dadurch, dass
einige der untersuchten Arbeiten eigens aufgestellte Hypothesen prüfen, diese aber nicht
aus Theorien deduzieren, sondern über Plausibilitätsbegründungen rechtfertigen, z. B.
[GD09]. Nur wenige Arbeiten im Untersuchungsbereich dieses Beitrags bauen auf
bekannten Theorien auf, wie z. B. auf dem Bunge-Wand-Weber-Modell (BWW) wie die
beiden Arbeiten [GR99] und [GR00].</p>
      <p>Es ließe sich argumentieren, dass das Aufgreifen von Expertenmeinungen ohne
empirische Fundierung zur Theoriebildung als kritisch anzusehen ist. Im Abschnitt zur
Methodenanwendung wurde die Aufnahme solcher Wissenselemente in den
Generierungsprozess stilisierter Fakten begründet. Dies lässt sich auf Basis der Anzahl
unterschiedlicher Vertreter einer Aussage im Rahmen der Konsensanalyse rechtfertigen.
Die in der vorliegenden Arbeit durch das Konzept stilisierter Fakten ermittelten
Zusammenhänge geben nicht nur eine Übersicht über relevantes Wissen zur EPK, sondern
zeigen auch den weiteren Forschungsbedarf auf diesem Gebiet auf. Weniger gut
gestützte stilisierte Fakten können unter Verwendung empirischer Methoden weiter
untersucht werden, um das dargelegte Wissen weiter zu fundieren. Dies gilt auch für
potentielle Faktenkandidaten, die sich im Rahmen der Konsensanalyse nicht als
stilisierte Fakten durchsetzen konnten, da sie lediglich einmal angeführt wurden. Für die
Theoriebildung interessant sind beispielsweise folgende sinngemäß wiedergegebene
Aussagen:</p>
      <p>Auf der Ebene der Geschäftsleitung werden EPK als zu formal und streng
empfunden [Ri00c],
Konzepte der EPK-Verifikation finden in der Praxis kaum Anwendung [De06],
Gutes Layout trägt maßgeblich zur Verständlichkeit von grafischen Modellen
bei [GL06],</p>
      <sec id="sec-4-1">
        <title>4. EPK und BPMN sind für Anwender gleich gut verständlich [RD07] und</title>
        <p>5. die EPK wird in Deutschland häufiger genutzt als in anderen Ländern, weil sie
dort entwickelt wurde [Fe09].</p>
        <p>Auch diese Zusammenhänge können durch zukünftige Forschung unter Verwendung
empirischer Methoden weiterhin untersucht werden. Ermittelte stilisierte Fakten der EPK
können teilweise auch im Bereich anderer Modellierungsmethoden gelten und die hier
entfalteten Erkenntnisse sowohl für die Weiterentwicklung und Gestaltung der EPK als
auch für sonstige Modellierungssprachen von Bedeutung sein.</p>
      </sec>
    </sec>
    <sec id="sec-5">
      <title>5. Zusammenfassung und Fazit</title>
      <p>Das Konzept der stilisierten Fakten eröffnet die Möglichkeit, die Theoriebildung in
unterschiedlichen Forschungsbereichen effektiv und fundiert voranzutreiben. Die
dargestellten stilisierten Fakten der EPK konsolidieren relevantes Expertenwissen und stellen
dieses in abstrahierter Form dar. Im Rahmen dieses Beitrags wurde zunächst das
Konzept eingeführt und bedeutende Aspekte seiner Umsetzung dargelegt. Es wurde im
Laufe der Zeit in mehreren Arbeiten modifiziert, um eine wissenschaftstheoretisch
fundierte Methodik zu entwickeln und zu etablieren. Auf dieser Basis aufbauend wurde
das Konzept in Kapitel 3 zur Ermittlung stilisierter Fakten der EPK angewendet, um
breitgestützte Generalisierungen EPK-bezogenen Wissens aus der untersuchten Literatur
abzuleiten. In diesem Zusammenhang kann der allgemeine Konsens zu bestimmten
Aussagen, der in der EPK-Community besteht, nachvollzogen werden. Darüber hinaus
wurden auch verschiedene widersprüchliche Befunde in untersuchten Arbeiten
identifiziert und erläutert. Im Anschluss daran wurde eine Reihe von
Ursache-WirkungsBeziehungen auf dem Gebiet der praktischen und wissenschaftlichen Beschäftigung mit
der EPK erarbeitet, als Übersicht dargestellt sowie ein Teil der Ansätze näher diskutiert.
Die Diskussion entwickelte verschiedene Implikationen für den Einsatz des Konzeptes
stilisierter Fakten in der Wirtschaftsinformatik. Darüber hinaus präsentierte dieses
Kapitel einige weitere interessante Forschungsfragen, die sich durch die Anwendung des
Konzeptes eröffnen.</p>
      <p>Die Gewinnung stilisierter Fakten stellt ein anspruchvolles Verfahren dar, das einen
umfassenden Diskussionsprozess verschiedener Fachexperten unter Berücksichtigung
empirischer Befunde nachvollzieht, um belastbare Aussagen zu einem bestimmten
Interessensgebiet zu ermitteln und zu fundieren. Auch im Bereich der
Wirtschaftsinformatik ist das Konzept zur Unterstützung der Theorieentwicklung und der Etablierung
einer Grundlagenforschung der Wirtschaftsinformatik geeignet, was seine Anwendung
auf das dokumentierte Expertenwissen der EPK im Rahmen dieser Arbeit zeigt.
Zukünftige Arbeiten können das Konzept in anderen Bereichen anwenden. Dabei sind
nicht nur bedeutende Erkenntnisse für die zukünftige Konstruktion und Gestaltung von
Informationssystemen und relevanten Artefakten in diesem Kontext von Interesse,
sondern auch weitere Erfahrungen bezüglich der Anwendung des Konzeptes stilisierter
Fakten in der Wirtschaftsinformatik.</p>
    </sec>
    <sec id="sec-6">
      <title>Literaturverzeichnis</title>
    </sec>
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